Leben in Jerusalem

Start here

Archive

Advertisements

Der Unterschied zwischen der Jewish Agency und der Aliyah – Organisation „Nefesh be’Nefesh“

B“H
Bei der offiziellen jüdischen Einwanderung nach Israel gibt es bedeutende Unterschiede zwischen den beiden Organisationen „Jewish Agency“ und „Nefesh be’Nefesh“.
Wer als deutscher, schweizer oder österreichischer Jude nach Israel auswandert, tut das mit Hilfe der Jewish Agency. Wer dagegen aus Nordamerika (USA & KANADA) stammt, macht Aliyah durch die Organsation Nefesh be’Nefesh. Ich glaube, dass mittlerweile die UK auch zu Nefesh be’Nefesh gehört, bin mir da aber nicht ganz sicher.
Juden, die per Jewish Agency nach Israel auswandern, erhalten nur begrenzte Hilfen. Man geht zur Jewish Agency und reicht seine Papiere ein, welche dann zur Genehmigung und Prüfung nach Israel geschickt werden. Es werden zig Formulare ausgefüllt und irgendwann kommt dann die Zusage. Oder auch nicht.
Die Jewish Agency bucht dann das One – Way – Ticket nach Tel Aviv und bezahlt dies auch. Der Neueinwanderer bekommt Listen zugesandt mit Adressen von israelischen Behörden und Ministerien, bei denen er sich zu melden hat und das wars.
Mich erwartete ein Mitarbeiter der British Olim Society (einer privaten Neueinwanderer – Organisation für Briten, Südafrikaner und Deutsche) am Ben Gurion Flughafen. Er ging mit mir in den ersten Stock hinauf, wo sich eine Niederlassung des Einwanderungsministeriums befindet und dort bekam ich meinen Einwandererausweis (Te’udat Oleh). Und dann Tschüss und alles Gute! Oh, ein kostenloses Taxi bekam ich nach Jerusalem, aber das war es dann auch alles. So agiert die Jewish Agency.
Bei Nefesh be’Nefesh ist das wesentlich anders und da kann ein jüdischer Neueinwanderer aus Deutschland nur vor Neid erblassen.
Nefesh be’Nefesh, kurz NBN, organisiert alles im neuen Land. Von der Wohnung bis oftmals hin zum Arbeitsplatz. Juden kommen aus den USA odr Kanada und finden alles fertig vor. Bleibe, ggf. Job, und die Ämter übernimmt NBN. Dazu gibt es ziemlich viel Taschengeld und jegliche Hilfe.
Deutsche Juden bekommen das nicht und müssen ALLES selber in die Hand nehmen. Und viel Geld gibt es auch nicht, sondern man bringt Erspartes oder sucht sofort nach einem Job, der einen über Wasser hält.
Es gibt aber auch einige Nachteile bei NBN.
Da wäre zum Ersten, dass die Organisation massiv mit Geldern von christlichen Missionare (den evangelikalen Christen aus den USA) unterstützt wird. Nicht nur, aber NBN erhält Millionen Dollarspenden von dieser miesen Missionarsgruppe. Ziel der Evangelikalen ist es, Juden zu missionieren, um so die zweite Ankunft des christlichen Messias J. herbeizuführen. Für diese perfide Ideologie tun die Evangelikalen alles und man kann sie fast als kriminell bezeichnen in ihrem Vorgehen. Ich selber kenne Juden, die aus den USA eingewandert sind und keine NBN – Hilfen in Anspruch nahmen. Eben aufgrund der NBN – Kontakte zu den Evangelikalen.
Nefesh be’Nefesh gibt Adressen von Juden an die Evangelikalen weiter und Leuten, die Aliyah nach Israel machten, kann es passieren, dass da plötzlich lächelnde Sektenmitglieder vor der Tür stehen und sie filmen wollen. Ein mir bekanntes Chabad – Ehepaar schmiss die Evangelikalen gleich wieder raus.
Der zweite Nachteil besteht darin, dass NBN den Neueinwanderer oft nicht selber entscheiden lässt, wo man sich in Israel niederlassen will. Einmal traf ich einen Amerikaner, der im nordisraelischen Carmiel festsass und eigentlich nach Tel Aviv wollte, denn dort gibt es Jobs. In Carmiel aber ist tote Hose. Wegziehen konnte er erst nach ein oder zwei Jahren, denn NBN wollte, dass er in Carmiel bleibt. Das ist der Nachteil des Geldes, welches man bekommt und sich dementsprechend verpflichtet.
Andere Neueinwanderer sagten mir, dass sie das Geld dennoch annahmen, denn ohne diese finanzielle Hilfe wären sie nicht in der Lage gewesen, Aliyah zu machen.
Alles hat also so seine Vor – und Nachteile!
In der vergangenen Woche kamen weitere 239 Neueinwanderer aus Nordamerika auf dem Ben Gurion Flughafen an und Nefesh be’Nefesh macht jedesmal eine riesige Show. Typisch amerikanisch, könnte man meinen, aber irgendwie ist der euphorische Empfang ziemlich inspirierend. Solange, bis der neueinwanderer den israelischen Alltag zu spüren bekommt. 🙂
Von den 239 Juden wurden 57 direkt in die israelische Armee eingezogen.
Das Video beginnt so richtig ab Minute 13:

 

Advertisements

Aliyah (Einwanderung) nach Israel: „Was kommt da auf einen zu?“ – Teil 1

 

B“H
Ein Blogleser namens Shlomo hinterliess einen längeren Kommentar zu diesen Artikel auf diesem  Blog und ich ging auf seine Statements etwas ausführlicher in diesem Video ein.
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2016/08/15/warum-verlassen-so-viele-neueinwanderer-olim-chadashim-israel/
Ich selber sehe die Aliyah (Einwanderung nach Israel) nicht ganz so „negativ“. Zwar muss man stets realistisch bleiben, doch das Unternehmen gleichzeitig optimistisch angehen.
Zum Video wird es noch einen zweiten Teil geben!

 

 

Wieder mal ein paar israelische Youtuber

B“H

Ich schaue sie nicht unbedingt, doch es kommt vor, dass deutschsprachige Blogleser mich gerade nach israelischen Youtube Channels fragen. Hier ein kleine Auswahl und wer alles versteht, was im Video gesagt wird – Kol HaKavod = Alle Achtung!

 

Am 1. September beginnt das neue Schuljahr und Oriyana zeigt ihre neuen Schulsachen. Dabei ist sie im Homeschooling. 

 

 

 

Und wer Israel so richtig kennen lernen will, der schaue KUPAT RASHIT – HAUPTKASSE. Die beste Serie ever und so richtig original aus dem Supermarkt Issachar. Zum Ablachen 🙂

 

Deutsche sind besessen von Juden und Israel

B“H
Deutsche sind besessen von Juden und Israel – Nicht alle Deutschen, aber halt auffällig viele.
Nicht nur besessen, sondern anhand von Leserkommentaren bei DIE WELT und FOCUS schaut es gerade so aus als verfolgen viele Deutsche die Absicht, Israel Vorschriften machen zu wollen. Nicht nur Israel, sondern dem Judentum überhaupt. Insbesondere dann, wenn es sich um orthodoxen Juden handelt, die ja für viele Deutsche kaum eine Existenzberechtigung haben und eigentlich umgepolt gehören.
Ich frage mich, wieso niemand Buddhisten, Krishnas oder Moslems dermaßen auf den Geist geht wie den Juden. Moslems, okay, da wollen Deutsche einen harmloseren Islam ohne zu begreifen, dass es nur einen Koran gibt. Einen Koran und den wird kaum ein Moslem umschreiben, nur weil es einigen Deutschen nicht passt.
Vielleicht sollte ich nicht nur Deutsche schreiben, denn Schweizer und Österreicher verhalten sich kaum anders. Erst zu Beginn der Woche brachte der ORF eine Reportage zur Palästinenser – Demo vom vergangenen Samstag in Tel Aviv. Dabei wurden aber die Hunderte Flaggen der Palästinensischen Autonomie weggelassen und stattdessen wurden Photos von der Drusen – Demo von der Woche davor gezeigt. Pallywood beim ORF. Es werden absichtlich Fake News über Israel weitergegeben. Nicht nur beim ORF, sondern genauso in deutschen Nachrichtenredaktionen.
Es geht immer nur um Israel und Juden. Das passt den Leuten nicht und das nicht und das nicht und das nicht. Dabei waren die Wenigstens schon einmal in Israel und selbst wenn, wieviel Eindrücke bekommt denn ein Tourist? Was weiß er vom Leben hier?
Man sieht halt was und macht sich so seine Gedanken. Gedanken, die aus einer deutschen Sicht heraus ins israelische Leben konstruiert werden und dann heißt es: „Ja, so ist das da!“
Gedanken, die sich auch ein DIE WELT Leser gestern machte und auf einen Artikel von Gil Yaron (ich glaube, es ging um israelische Geheimdienste) einen Kommentar schrieb. Der Leser faselte etwas von der Times of Israel, wo er einen Artikel zur aktuellen Heritage House Affäre gelesen habe und das sei ja dann auch so eine Art Geheimdienst.
Bei solchen dämlichen Meinungen geht einem als Israeli die Hutschnur rauf und runter. Das Heritage House in Jerusalem – ein billiges Hostel in der jüdischen Altstadt von Jerusalem.
Wer war schon einmal dort?
Nicht die Jerusalem Post, die den selbstgestrickten Skandal ins Rollen brachte. Auch nicht die Times of Israel. Und auch 98% der deutschen Bevölkerung nicht.
Und es kommt noch schlimmer:
98% der deutschen Bevölkerung werden niemals im Heritage House akzeptiert werden, denn es handelt sich um ein JÜDISCHES Hostel, welches keine Nichtjuden aufnimmt.
Keine Ahnung vom Heritage House, aber irgendwo was in einer Zeitung lesen und sich so seine Gedanken machen.
Zum Heritage House Skandal schrieb ich gestern etwas auf meinem englischen Blog und ich hätte nicht gedacht, dass die Angelegenheit Deutschland erreicht. Nun aber offenbar doch und das auch noch a la Fake News. 
https://meashearim.wordpress.com/2018/08/15/my-opinion-on-the-jerusalem-heritage-house-scandal/
Kein einziger Mensch, der Euch etwas erzählen will, war jemals im Heritage House. Und wird dort auch niemals hinkommen. Unter anderem gibt es dort auch eine Altersbegrenzung von 30 Jahren.
Es sei eine interne Liste unterwegs, welche diverse Personen vom Hostel ausschließe, so die Jerusalem Post. Aber eine Bette Midler, ein Bernie Sanders oder eine Natalie Portman würden eh nicht in einem Hostel absteigen, in dem es nur Dormitories gibt. Und zu alt sind die Personen obendrein.
Und zur Information: Beim Heritage House, welches aus einem Hostel für junge Männer und eines nur für Frauen besteht, handelt es sich um eine non – profitable organization. Bedeutet, man erzielt keinerlei Gewinn und finanziert sich durch private Spenden von reichen Juden aus den USA.
Was also hat ein deutscher Nichtjude sich in eine Heritage House Angelegenheit einzumischen, wenn er dort niemals war und niemals sein wird?
Versteht mich richtig:
Es ist dieses ständige Herumgemache in den Medien und in Leserkommentaren. Alles wird Israel vorgeschrieben und wie sich Juden zu verhalten habe und was Israel zu tun und zu lassen hat. Wohlgemerkt, Meinungen von Leuten, die aber auch gar gar gar keine Ahnung haben. Keine Ahnung von der inneren Sicherheit unseres Landes und welchen Gefahren wir ausgesetzt sind. Warum Israel reagieren muss, wie es eben reagiert und nicht anders.
Und Netanyahu, von dem in Deutschland kaum jemand etwas weiß, sei ein Diktator. Bei der wirren Meinung lachen sich die meisten Israelis schlapp. Bibi, der Diktator. Na, wenn das kein Witz ist! Eher ist Sarah die Diktatorin. 🙂 
Selbst wer über Bibi in der Zeitung liest – Lest Ihr die israelische Presse? Heißt, hebräische Artikel auf einschlägigen News Sites? Und selbst wenn, versteht Ihr den Witz dahinter und die Mentalität?
Man muss Bibi im Original hören und nicht auf Englisch, wo er nur Blabla sagt, um seine wohlhabenden Sponsoren aus den USA zufriedenzustellen.
Israel ist eine Demokratie, auch wenn das viele Deutsche auch wieder nicht glauben wollen. „Ja, man mache sich halt so seine Gedanken!“
Israel ist demokratischer als das heutige Deutschland und wir dürfen sagen, was wir wollen. Auch die Palästinenser und die nehmen gewiss kein Blatt vor den Schnabel.
Und zum Thema „Geheimdienste“:
Israel ist umringt von Feinden, die nur auf einen einzigen Fehler warten. Und wenn Deutsche so furchtbar auf Gutmensch machen, so ist das deren Problem. Wir können uns dieses Gutmenschentum nicht erlauben, oder wir sind innerhalb von Sekunden weg vom Fenster.
Genau genommen kann es sich Deutschland auch nicht unbedingt erlauben, aber dort scheint man auf Selbstzerstörung zu stehen.
Und heute oder morgen oder übermorgen kommentieren die nächsten Deutschen zum Thema „Israel und Juden“, weil man sich ja eben so seine Gedanken macht und den miesen Israelis mal zeigen will, wo der Hammer hängt.

Podcast: „Wie gehe ich nach der Auswanderung mit dem Heimweh um?“

B“H
Es ist das erste Mal überhaupt, dass ich ein solches Video mache und es fiel mir daher nicht leicht, frei zu reden. Deswegen sorry, für die manchmal zu vielen ÄHMs und ALSOs und ab und an wiederhole ich mich auch. Ich stochere sozusagen durch die deutsche Sprache. 🙂
Wie gesagt, es ist das erste Mal und man kann sich ja nur verbessern!!!
Ich lasse das Video jetzt einfach einmal ungeschnitten und hoffe, dass es einigen Auswanderern, die sich momentan in einer „Heimweh – Situation“ wiederfinden, hilft. 

 

Die Eichmann – Verhöre

 

 

 

Bleiben Deutsche nach der Auswanderung im Ausland immer Deutsche?

B“H
Ausgangspunkt zum Thema „Bleiben Deutsche immer Deutsche?“ war eine aktuelle deutsche Doku zur Rückkehr von sogenannten Deutsch – Türken in die Türkei. „Man fühle sich in Deutschland nicht genug anerkannt und bleibe ja immer nur der Türke“ – so die Aussage der Türkei – Rückkehrer.
Türken spielen in diesem Artikel keine Rolle, aber was mir am Ende ins Auge fiel, war der Youtube – Kommentar eines Deutschen, der da meinte, dass deutsche Auswanderer im Ausland stets Deutsche bleiben werden. Diesbezüglich könne er die Türken verstehen.
Aber stimmt das so?
Bleiben deutsche Auswanderer im Ausland IMMER Deutsche? 
In diesem Artikel beziehe ich mich auf richtige Auswanderer und nicht jene Leute, die innerhalb der EU umziehen oder nach Thailand, Ungarn, etc. gehen. In meinen Augen sind Auswanderer diejenigen, die offiziell in ein anderes Land einwandern. Sprich, die Staatsbürgerschaft mit allen Rechten und Pflichten anstreben und sich nicht eben mal so mit EU – Pass oder Touristenvisum niederlassen.
Kurz zu mir: 
Ich lebe seit mehr als 20 Jahren in Israel und bin vor mehr als 18 Jahren offiziell eingewandert. Damit verlor ich gleichzeitig meine deutsche Staatsbürgerschaft, denn die deutschen Gesetze waren damals so. Mittlerweile hat sich alles mal wieder geändert und ich könnte eine Beibehaltungsgenehmigung bei der Deutschen Botschaft beantragen. Aufgrund der politischen sowie der gesamten Situation in Deutschland will ich das aber nicht tun. Ich lebe seit 18 Jahren ohne die deutsche Staatsbürgerschaft und besitze stattdessen einen israelischen Pass.
Die Frage ist. Habe ich die deutsche Staatsbürgerschaft in all den 18 Jahren vermisst?
Die Antwort lautet NEIN!
Habe ich noch Kontakte zu Deutschland (Freunde / Familie)?
NEIN!
Fühle ich mich in Israel integriert und zuhause?
JA!
In meiner Aussage, ob Deutsche nach der Auswanderung im neuen Land letztendlich immer Deutsche bleiben, kann ich nur von Israel bzw. von mir ausgehen. Andere Erfahrungen, sprich USA, Australien, etc., habe ich ja nicht.
Zuerst einmal ist Israel ein Einwanderungsland für Juden. Jedes Jahr wandern Tausende Juden aus aller Welt offiziell ein. Viele von ihnen fühlen sich wohl und angekommen. Andere kommen nicht zurecht und kehren irgendwann in ihre vorherigen Länder zurück.
Ein ungeschriebenes Gesetz aller Neueinwanderer ist, sich in die bestehende hiesige Gesellschaft einzugliedern. Man gibt ja nicht seine Herkunft auf, aber gleichzeitig lernt man viel Neues, eine andere Mentalität, Sprache sowie Lebensweise. Ehe man sich versieht, ist man Teil dieses Ganzen. Das geht schnell, wobei allein die Behördengänge dem Neueinwanderer viel abverlangen. Neues Bankkonto, neuer Hausarzt, neue Krankenkasse, Job – und Wohnungssuche, etc. Allein dabei wird einem schnell bewusst, dass die Uhren im Nahen Osten ziemlich anders ticken.
Klar, weiß jeder gebürtige Israeli, dass ein Neueinwanderer nicht von hier ist. Das beginnt schon beim Akzent in der hebräischen Sprache. Ab einem gewissen Teenager – Alter wird man den Akzent einfach nicht mehr los. Kleine Kinder sind dagegen wesentlich anders drauf. Erwachsene aber nun mal nicht und damit muss auch ich leben.
Wenn ich nur an Schimon Peres und viele andere israelische Politiker denke. Sie und ihr Akzent. Wow! Von Golda Me’ir bis Avigdor Liebermann – alle Akzente sind dabei. Nach der Staatsgründung waren fast alle Knesset – Mitglieder im Ausland geboren und keine gebürtigen Israelis. Meistens handelte es sich um ehemalige Russen oder auch Polen.
Generell sind Israelis allerlei Akzente gewohnt. Die Hauptsache aber ist, dass ein Neueinwanderer willig ist, die neue Sprache samt einem völlig neuen Alphabet zu lernen. Israelis wollen sehen, dass sich der Neue eingliedert. Sprache, Job, etc. Der ganze Alltag mit allem was dazugehört.
Im Gegensatz zu Deutschland integriert sich die Masse der jüdischen Neueinwanderer in Israel. Und Israel hat kein Problem, wie es in Deutschland mit den Moslems besteht. Selbst in Israel lebende Palästinenser leben integriert. Was sie daheim machen oder denken, ist ihre Sache. In der Öffentlichkeit aber verhalten sie sich wie alle anderen Leute auch.
Ob der Neueinwanderer es nun will oder nicht, er verändert sich. Er baut sich ein neues Leben in einem anderen Land auf. Er bekommt andere Eindrücke und plötzlich wird ihm klar, dass er gar nicht mehr unbedingt derjenige ist, der einst neu einwanderte. Man verändert sich und ab und zu stelle ich mir schon die Frage, was mich noch mit Deutschland verbindet bzw. was ich mit Deutschland gemein habe?
Die Sprache und bestimmte Arten der Mentalität vielleicht. Letzteres hat sich, nach Aussage von Freunden und Bekannten, ziemlich abgeschwächt. 🙂 Nach all den Jahren bin ich in Israel zu angepasst und meinerseits würde ich in Deutschland gar nicht mehr zurechtkommen. Vor allem nicht im heutigen Deutschland mit eingeschränkter Meinungsfreiheit, etc.
Wenn ich mir deutsche Youtube Videos anschaue, bin ich nicht selten erstaunt, wie sich die Menschen verändert haben. Vielleicht bin ich es umso mehr, die sich verändert hat. Es gab mehrere Jahre, in denen ich weder deutsche Videos schaute noch irgendwie anders mit Deutschland oder zu Deutschen Kontakt hatte. Selten einmal ein Telefonat oder so.
Von 2000 – zur Gründung meines ersten Hamantaschen – Blogs im Oktober 2006 hatte ich kaum Kontakte und benutzte auch die deutsche Sprache nicht. Und Hamantaschen rief ich ins Leben, um deutschen Juden oder auch Nichtjuden vom Judentum in Jerusalem zu berichten. Auf einmal kamen Kommentare und die fielen in den ersten Jahren nicht gerade freundlich aus. Ich hingegen konnte mit dieser Mentalität der Besserwisserei nichts mehr anfangen und reagierte anfangs wie der Elefant im Porzellanladen. Mal so und mal so, aber meistens zu erklärend. Später änderte sich das, was jedoch einen bleibenden Eindruck bei mir hinterliess: Bei den Schabbat – Essen im Hause von Rabbi Machlis hielt und halte ich mich sehr weit von deutschen Touristen, die oft dabei sind, fern. Sehr weit, um genau zu sein.
Ab und zu, vielleicht ein oder zweimal im Jahr, treffe ich mich mit einem Blogleser in Jerusalem. Seit ein paar Jahren mit Michael (Schöne Grüße), der regelmässig Israel besucht. Im vergangenen November traf ich mich mit einem sehr netten Ehepaar und das war es dann auch schon.
Eine Bekannte aus früheren Tagen, die da auch aus Deutschland stammt, sagte mir einmal, dass sie es satt habe, sich immer vor deutschen Touristen, wenn sie denn mal in Kontakt kommt,  rechtfertigen muss.
„Ja, wieso man denn in Israel lebe. Krieg, Bomben, Terror und so und dann auch noch diese jüdische Religion. Das sei ja alles schon komisch. Und was man denn dazu meine, sage, tue, und warum überhaupt?“
Da denkt man dann „Ey, lasst mich doch alle in Ruhe!“
Und jeder von diesen besagten Touristen weiß natürlich alles besser und fängt dann an, aus seiner deutschen Sichtweise Israel zu erklären. Da hat man dann als Zuhörer auch nicht gerade die super Lust drauf. 🙂
Aber um auf das ursprüngliche Thema zurückzukommen:
Ein Teil Deutschland bleibt in jedem Auswanderer. Selbst wenn es nur der Akzent in der neuen Sprache ist. Ein kleiner Teil bleibt zurück.
Gleichzeitig aber ist man selber mitten im neuen Alltag. Arbeit, Wohnung, ggf. Familie, Nachbarn, neuer Freundeskreis (der bei mir aus keinem einzigen Deutschen besteht), und überhaupt. Mein Essen ist nicht deutsch geprägt. Noch nicht einmal besonders aschkenazisch, denn ich liebe die Küche des Nahen Ostens. Viel Gewürze, Salate, Olivenöl, Kube, Reis, eingelegte matschige Paprikaschoten oder marokkanisch – gewürzten Fisch am Schabbat.
Vorgestern war ich in einem Obst – und Gemüseladen, der zwar teuer ist, aber dafür Ware verkauft, deren Geschmack keine Discounter – Produkte bietet. Dicke fette saftige Pfirsche, zum Beispiel.
Als ich so in der Nana (Minze) wühlte, kam der orientalische (sephardische) Ladenbesitzer und meinte, ich solle doch auch noch einen Strauss Kusbara nehmen.
Wenn ich Kusbara nur rieche, kommt es mir hoch und das sagte ich ihm auch.
Ich glaube, dass das deutsche Wort für Kusbara Koriander ist, aber ich lasse mich da gerne berichtigen.
Als ich ihm das so sagte, fing er an zu lachen und meinte, Kusbara sei eine Sache der Herkunft. Viele aschkenazische Neueinwanderer hassen Kusbara. Amerikaner und Europäer gleich. Juden aus dem Irak, Kurdistan, etc. dagegen lieben Kusbara.
„Naja, meinte ich, wenn ich damit aufgewachsen wäre, würde ich Kusbara vielleicht lieben. Aber so eben nicht.“
Frische Petersilie, frischen Dill oder halt Nana, alles kaufe ich. Aber Kusbara kommt mir, nach einige Würgeattacken, nicht mehr ins Haus. Es sei denn, sie ist in einem Salat versteckt und man schmeckt sie kaum. 🙂
Wer sich als Neueinwanderer integrieren will, sich anpasst, die Sprache lernt und alles was so dazugehört, der wird in Israel akzeptiert. Selbst mit deutschem Akzent, den die Mehrheit eh nicht genau definieren kann. Jedenfalls nicht direkt als Deutsch.
Es kann sein, dass Deutschen recht viel peinlich ist. Franzosen oder Amerikanern ist das alles egal und die plaudern in Israel einfach drauflos. Weiß doch eh jeder, dass man nicht im Land geboren ist. Man redet nicht wie ein Einheimischer. Vor allem nicht mit der rasenden Geschwindigkeit wie das die Jugend heute tut. Okay, so what?
Macht mir das jetzt was aus? Nö.
Aber direkt als Deutscher identifiziere ich mich nicht mehr und das ist ein weiterer Grund, warum mir der deutsche Pass eigentlich nichts sagen würde. Deutschland hat sich verändert, ich habe mich verändert und Israel ist schon längst meine Heimat geworden. Und dass ich nicht ALLE Wörter im Hebräischen kenne (Beispiel: Hochwissenschaftliche Ausdrücke oder die Geheimnisse der Pflanzen – und Tierkulturen oder die Teile eines Automotors) stört mich nicht. Wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich halt nach.
Macht mich das wieder zum Deutschen? Nein, ich denke nicht.

Vorheriges LEBEN IN JERUSALEM auf Blogger

http://lebeninjerusalem.blogspot.co.il/
fairness

Blog Stats

  • 418.789 hits

Mein ebook erhaeltlich auf Amazon und als PDF

mail.google.com

http://www.amazon.de/Jerusalem-Backyard-Ultra-orthodoxen-Leben-ebook/dp/B0147NLZIQ/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1440308807&sr=8-1&keywords=miriam+woelke

Mein ebook erhaeltlich auf Amazon & Kobo

Deutsch

http://www.amazon.de/Penniless-Jerusalem-English-Miriam-Woelke-ebook/dp/B0157L16P4/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1443076364&sr=8-1&keywords=penniless+in+jerusalem

Kategorien