Leben in Jerusalem

Start here

Archive

Das Dilemma der Jerusalemer Straßenbahn

B“H
Im geregelten Deutschland dürfte sowas unmöglich sein, doch in Jerusalem fährt die Straßenbahn ohne besondere Absperrung durch die Stadt. Oftmals laufen Leute auf der Straße herum und die Tram fährt nebendran vorbei.
Aufgrund des schweren Straßenbahnunfalls von der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, wo die 19jährige Tamar Fenigstein ums Leben kam, kommt erneut die Frage nach Absperrungen auf. Tamar Fenigstein bekam einen epileptischen Anfall und fiel zwischen die zwei Waggons der Straßenbahn auf die Gleise. Doch was ist mit all den Passanten, die eben mal so die Straße überqueren? Egal, ob die Tram im Anmarsch ist oder nicht.
Die Mehrheit der im Video befragten Jerusalemer meint, dass die Leute selber besser aufpassen müssen, anstatt nach Absperrungen zu schreien. Und Kopfhörer zwecks Musikhören sollten nicht benutzt werden, denn es gab Fälle, wo Leute auf den Gleisen standen und die läutende Straßenbahn nicht hörten. 

 

 

 

Wie gesunde Fakes Informationen von Kranken nutzen

B“H
Mehrere Male habe ich bereits erwähnt, dass ich Mitglied in einer geschlossenen Facebook Gruppe bin, in welcher Leute mit genau meiner Krebsart sind und diskutieren. Mittlerweile hat die Gruppe mehr als 3000 Mitglieder, wovon einige aber bereits verstorben sind.
Ab und zu lassen uns die Admins wissen, dass extrem viele Menschen versuchen, in die geschlossene Gruppe zu kommen. Viele davon werden abgelehnt, denn sie wollen an Krebskranke entweder irgendwelche Produkte verkaufen und suchen deswegen Zugang zu allen möglichen Krebspatienten. Andererseits gibt es auch unglaublich viele gesunde Menschen, die sich Krankheiten einbilden und ihrer Umwelt falsche Symptome vorgaukeln. Ob man es glaubt oder nicht, es gibt Menschen, die suchen sich geradezu eine Krankheit aus ganz unterschiedlichen Gründen. Unter anderem, um eine Arbeitsunfähigkeit zu bekommen und Geld vom Staat zu kassieren. Andere haben vermutlich psychische Probleme und bilden sich Krankheiten ein.
Genau solche Leute braucht keine Krebsgruppe, denn die Fakes wollen einfach nur unsere Krebsinfos für eigene Zwecke nutzen. Zum Beispiel, um ihrer Umwelt etwas vorzugaukeln. Bei Behörden funktioniert das nicht, denn die wollen medizinische Dokumente vorgelegt bekommen und keine wahllose Faselei a la
„Ah, ich fühle mich ja so furchtbar krank!“
Ein Beispiel: Die israelische Bituach Leumi (Nationalversicherung) plant in jedem Jahr neu die Arbeitsunfähigkeit und diesbezüglich werden ausschließlich Krankenhaus – und anderweitige medizinisch / ärztliche Attest verlangt. Unter anderem geht es darum zu bestimmen, in wie weit ein Kranker arbeitsfähig ist und nicht nur simuliert, weil er zu faul zum Arbeiten ist.
Obwohl ich alle möglichen Dokumente vorgelegt habe, bestellt mich die Bituach Leumi Ende dieses Monats zu einem Termin mit dem hauseigenen Onkologen ein. Der soll sich selber ein Bild machen und bestimmen, ob ich weiterhin arbeitsunfähig bin oder nicht.
Wer einmal arbeitsunfähig bestätigt wurde, der erhält monatlich Geld vom Staat. Nicht viel, muss ich dazusagen! Aber dieses Geld ist nicht für immer, sondern zeitlich befristet und es werden immer wieder medizinische Nachweise verlangt. Man will zum Beispiel von meinem Krankenhaus – Onkologen wissen, ob ich mich 2020 einer weiteren OP unterziehen muss und wie viel Chemotherapien ich brauche.
Dies ist bei Sarkoma – Krebs unmöglich im Voraus zu bestimmen und nun bestellt mich die Bituach selber zu einem Termin ein. Ich muss alle Unterlagen mitbringen und deren Onkologe will sich selber ein Bild machen.
Und ich bin Stage / Level 4 mit Leiomyosarkoma. Stage 4 ist die höchste Krebsstufe, die da besagt, dass der Krebs Metastasen gebildet hat. Wie ich weiß, werden selbst Alzheimer oder Parkinson – Patienten einbestellt und die Bituach Leumi ist sehr vorsichtig damit, jemandem eine Arbeitsunfähigkeit zuzusprechen. Simulanten laufen da ins Leere. Ich selber muss sogar DVDs von meinen CT Scans vorlegen bzw. alle Krankenhausdokumente. Auch fragt die Bituach bei der Krankenkasse nach etc. Diesbezüglich gibt es keinerlei Datenschutz.
Was ich plane ist entweder eine spezielle Facebook Seite oder halt Youtube Videos zum Thema SARKOMA und überhaupt. Krebs muss einwandfrei von einem Krankenhaus diagnostiziert werden und lasst Euch nicht von Fakes irgendwelche Stories berichten. Tumore werden immer von der Krankenhauspathologie untersucht genauso wie Biopsien. Man sagt nicht einfach so, ich habe Krebs.
Freunde von mir meinten, dass, wenn ich, z.B., eine Facebook Seite erstelle, derlei Fakes meine Infos abgreifen könnten. Das stimmt, aber weit kommen sie damit nicht. Sobald sie auf Ärzte treffen, ist es aus mit den Lügen, denn es muss eine offizielle Diagnose vorlieren und kein selbstgemachtes Blabla.
Persönlich kann ich es nicht verstehen, dass Leute unbedingt krank sein wollen. Ich gäbe alles darum, keinen Krebs zu haben. Wenn ich nur an die ganzen medizinischen Prozeduren denke, die ich durchlaufen habe. Und wer weiß, was noch alles kommt. Aktuell habe ich wieder Schmerzen und Druck im Bauch und deshalb Angst vor meinem nächsten CT im Januar. Und selbst nach einem Monat sind meine Haare nach der letzten Chemotherapie noch nicht nachgewachsen.
Die Angst vor dem nächsten CT alle drei Monate ist ein ständiger Begleiter und kein Gesunder kann das nachvollziehen. Gerne würde ich ein paar Facebook Live Streams machen, zu denen jeder Zugang hätte, doch ich sehe immer noch ziemlich mies aus. Vielleicht sollte ich es gerade deswegen machen. Keine Ahnung!

Tragischer Unfall schockt Jerusalem

B“H
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch kam es am Zentralen Busbahnhof von Jerusalem zu einem tragischen Unfall, der die Stadt schockt. Die 19jährige Tamar Fenigstein fiel bei der Einfahrt der Straßenbahn zwischen zwei Waggons und kam ums Leben.
https://www.jpost.com/Breaking-News/19-year-old-woman-killed-after-being-hit-by-light-rail-in-Jerusalem-609799 
Unsere Straßenbahn fährt stets nur mit zwei Waggons und sie gilt allgemein als sicher. Klar gibt es Unfälle, doch dies hielt sich bislang in Grenzen. Jetzt aber passierte der Unfall mit Tamar Fenigstein. An der Haltestelle gegenüber vom Busbahnhof.
Zuerst gab die Polizei nichts bekannt, doch es stellte sich heraus, dass Tamar ausgerechnet in dem Augenblick einen epileptischen Anfall bekam als die Straßenbahn auf die Haltestelle zufuhr. Dabei fiel die junge Frau zwischen zwei Waggons und es konnte nur noch ihr Tod festgestellt werden.
Tamar Fenigstein befand sich inmitten ihres Sherut Leumi Service. Nationalreligiöse Mädels ab 18 Jahre, die nicht zur Armee gehen, sondern eine bestimmte Zeit Zivildienst machen. Tamar leistete ihren Zivildienst im Shaare Zedek Medical Center als sogenannte Bat Sherut ab. Eine Bat Sherut serviert, u.a., das Essen an Kranke oder fährt im Krankenhaus liegende Patienten (wie auch ich im letzten Jahr) mit dem Rollstuhl zu anderen Stationen. Bei mir war es so, dass eine Bat Sherut mich im Rollstuhl zum Ultraschall oder zu anderen Stationen zu speziellen medizinischen Untersuchungen schob.
Im Shaare Zedek Hospital gibt es sehr viele nationalreligiöse Mädels, die dort ihren Zivildienst leisten, da das Krankenhaus einen jüdisch – religiösen Touch hat. Deswegen bin ich auch dort Patient, weil mir das sehr wichtig ist.
Tamar Fenigstein arbeitete in der Frauenabteilung, in der Frauen mit komplizierten Schwangerschaften sowie Frauen mit Tumoren liegen. Ich war vor einem Jahr 11 Tage lang in genau der Abteilung. Vorwiegend erhalten schwangere Frauen Kaiserschnitte und die andere Hälfte der Patienten sind Frauen mit unterschiedlichen Bauchtumoren. Meistens Krebspatientinnen, die operiert und dann an die allgemeine Onkologie gleich nebenan weiterverwiesen werden. Beides befindet sich im siebten Stock. 
Tamar begann ihren Zivildienst in diesem September und war auf der Station sehr beliebt. Jetzt kam sie auf so tragische Weise ums Leben. 

 

Histadrut Vorsitzender fordert 6000 Schekel Mindestlohn

B“H
Der Vorsitzende der landesweiten israelischen Gewerkschaft Histadrut fordert einen monatlichen Mindestlohn von 6000 Schekel (circa 1558 Euro).
https://en.globes.co.il/en/article-histadrut-chief-demands-nis-6000-minimum-wage-1001309414
Aktuell liegt, laut Angaben der Bituach Leumi (Nationalversicherung), der monatliche Mindestlohn bei 5300 Schekel (circa 1376 Euro)
https://www.btl.gov.il/English%20Homepage/Mediniyut/GeneralInformation/Pages/MinimumWage.aspx
Alles schön und gut, aber der gesetzliche monatliche Mindestlohn greift nur bei Vollzeitbeschäftigung. Eine Menge Arbeitgeber deklarieren heute zwar noch Vollzeit, doch arbeiten die Angestellten lediglich sechs oder weniger Stunden. Manchmal nur ein paar Tage pro Woche und sobald auch nur wenige Stunden an der monatlichen Mindeststundenanzahl fehlen, braucht der Arbeitgeber schon nicht mehr den monatlichen gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen. Auf diese Weise wird zwar der gesetzliche Mindestlohn / pro Stunde gezahlt, doch bei weniger Stunden kommt der Arbeitnehmer nicht mehr auf den monatlichen Mindestlohn.
Wer in Israel einen Job annimmt, der muss sich immer vorher genau ausrechnen, ob er von dem Gehalt auch leben kann. Wie viel Geld am Monatsende herausspringt und ob es für Rechnungen, etc. reicht. Oft erlebt der Arbeitnehmer (vor allem Neueinwanderer, die sich nicht auskennen) eine böse Überraschung, wenn die erste Gehaltsabrechnung kommt. Niemand sollte sich scheuen, vor dem Jobantritt bzw. bei Vorstellungsgespräch ausführlich nach dem Nettoeinkommen zu fragen!
6000 Schekel wären schon gut, denn die Lebenshaltungskosten hierzulande sind enorm. Mehr als die Hälfte oder mindestens die Hälfte von dem Geld geht eh schon für Miete drauf. Aber wie das so ist: Die Hälfte des Landes lebt nun einmal nur vom gesetzlichen Mindestlohn.
Auch in Israel wird mit den Jahren die Altersarmut ansteigen, denn wenn ich mir allein anschaue, wie viel Mindestrente es gibt und wie viel die private Rentenversicherung letztendlich auszahlt. Da kann man froh sein, wenn man überhaupt noch die Miete zusammenbringt.

Chanukkah kommt

20191203_111137.jpg

Photo: Miriam Woelke

B“H
Innerhalb der jüdischen Welt werden sie bereits verkauft: Die traditionellen Channukah Sufganiyot (Krapfen). In jeder Preisklasse und die Billigsten kosten, meines Wissen nach, um die 5 Schekel (circa 1,50 Euro). Wobei diverse Discounter wie Osher Ad und Rami Levi die Sufganiyot manchmal für weniger verkaufen. Dann aber fast immer nur mit Marmelade gefüllt. Wer dagegen Buttercreme, Schokolade, Dattelfüllung oder verschiedene andere Cremes in seinen Sufganiyot haben will, der muss etwas tiefer ins Portemonnaie greifen. Und Designs auf den Sufganiyot kosten nochmal extra.
Wer dennoch ein Schnäppchen machen will, der gehe abends auf den Jerusalemer Machane Yehudah Markt. So um die 17.00 – 18.00 Uhr, denn da werden die übrig gebliebenen Sufganiyot verramscht. 3 – 5 Stück für 10 Schekel (circa 2,5 Euro). Das ist dann allerdings Billigware und nichts Besonderes. 🙂
Der erste Chanukkah – Abend ist dieses Jahr am Sonntag, dem 22. Dezember. Dann wird die erste Chanukkah – Kerze angezündet. Nirgendwo in Israel gibt es eine derartig einzigartige Chanukkah – Atmosphäre wie in Jerusalem.
Was genau ist Chanukkah?
https://hamantaschen.wordpress.com/2018/12/02/was-ist-chanukkah-2/

Leserfrage: „Sprüche, um jemanden aufzumuntern, der im Rollstuhl sitzt“

B“H
Meiner Meinung nach (und ich lasse mich da gern korrigieren) gibt es keine perfekten Sprüche, um diverse Kranke oder Rollstuhlfahrer aufzumuntern. Es ist sehr schwer, die passenden Worte zu finden und oft klingt alles nur gestelzt. Obwohl sich derjenige, der aufmuntern will, total anstrengt. Dennoch, für einen Außenstehenden, der nicht im Rollstuhl sitzt (genau so wie für einen Gesunden, der nicht an einer ernsthaften Krankheit leidet) ist es kaum möglich nachzuvollziehen, was ein Rollstuhlfahrer oder ein chronisch Kranker durchmacht. Dies soll auch gar kein Vorwurf sein, sondern nur eine Feststellung.
Aufmuntern kann einfach nur zuhören sein oder ein ganz normales alltägliches Gespräch. Man will ja nicht immer nur als Rollstuhlfahrer oder chronisch Kranker wahrgenommen werden und über dieses Thema und nichts anderes reden. Es ist extrem wichtig, den Betroffenen nicht auszugrenzen, in dem man einzig und allein über den Rollstuhl oder eine diverse Krankheit redet und den Betroffenen somit auf etwas reduziert und man mit mitleidigen Blicken nur so um sich wirft. Das will weder ein Rollstuhlfahrer noch ein chronisch Kranker. Vielmehr will der Betroffene seine tägliche Routine sowie den stinknormalen Alltag leben und nicht wie ein rohes Ei angefasst werden. Ein Rollstuhl oder eine chronische Krankheit macht niemanden zu einem anderen Menschen.
Kurz gesagt, manchmal ist weniger mehr und ein völlig normales alltägliches Gespräch allein hilft mehr als eine holprige Aufmunterung.

 

Humus, Humus, Humus

B“H
Da werden jetzt einige Leutchen in Deutschland und anderswo vielleicht neidisch. Das gesamte untere Regal im Supermarkt ist voller verschiedener Humus – Sorten. Kosten: 2 Becher für 22 Schekel (circa 5,5 Euro).
In den grünen Bechern im mittleren Regal ist ebenfalls Humus. Darunter Humus mit Zitrone, den ich noch nicht probiert habe.
Ein einziger Becher kostet um die 2,5 – 3 Euro. 

 

20191203_111053

 

Im Jerusalemer Super Deal – Photo: Miriam Woelke

 

Vorheriges LEBEN IN JERUSALEM auf Blogger

http://lebeninjerusalem.blogspot.co.il/
fairness

Blog Stats

  • 547.368 hits

Mein ebook erhaeltlich auf Amazon und als PDF

mail.google.com

http://www.amazon.de/Jerusalem-Backyard-Ultra-orthodoxen-Leben-ebook/dp/B0147NLZIQ/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1440308807&sr=8-1&keywords=miriam+woelke

Mein ebook erhaeltlich auf Amazon

Deutsch

http://www.amazon.de/Penniless-Jerusalem-English-Miriam-Woelke-ebook/dp/B0157L16P4/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1443076364&sr=8-1&keywords=penniless+in+jerusalem

Kategorien

Kommentare

Miriam Woelke bei Tragischer Unfall schockt…
Miriam Woelke bei Leserfrage: „Sprüche, um…
Sebastian bei Leserfrage: „Sprüche, um…
Miriam Woelke bei Chanukkah kommt
Silvio Brunner bei Chanukkah kommt