Leben in Jerusalem

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Lebenszeichen

B“H

Die OP war erfolgreich und ich habe eine riesige Narbe ueber den Koerper. Das Krankenhaus ist echt super und professionel.

Es kann sein, dass ich die gesamte Woche ueber hier bin, aber der Heilungsprozess ist soweit sehr gut.

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Jerusalem dieser Tage

B“H
Ursprünglich wollte ich noch mehr über die anstehenden Jerusalemer Bürgermeisterwahlen Ende Oktober berichten, doch das fällt für die nächsten Tage flach, da ich morgen Abend (gleich nach Schabbat – Ende) ins Krankenhaus einchecken muss. Am Sonntag habe ich meine OP und soll insgesamt drei Tage im Krankenhaus bleiben.
Ich bin positiv gestimmt und hoffe, dass das riesige Geschwür schnell verschwindet. Was danach kommt, kann niemand sagen, denn das Ding muss erst einmal untersucht werden.
In Israel ist es nicht so, dass man ewig lange im Krankenhaus bleibt, sondern der Patient wird schnell entlassen, kommt in die Reha oder erholt sich halt daheim. G – tt sei Dank, habe ich sehr gute Freunde und Arbeitskollegen, die sich abwechseln und immer anwesend sind. Vorrangig ist es mir wichtig, das Alien loszuwerden und der Rest kommt hinterher.
Wer dieser Tage nach Israel reist:
Der Herbst ist da und, obwohl es noch recht warm ist, die Nächte in Jerusalem werden in der kommenden Woche mit 15 – 18 Grad Celsius recht kühl. Tagsüber haben wir 23 Grad und es ist mal sonnig und mal bewölkt.
Von den aktuellen Nachrichten habe ich in dieser Woche fast gar nichts mitbekommen, denn ich war immer irgendwo im Krankenhaus oder bei der Krankenkasse zu Untersuchungen, Tests und busy mit der Bürokratie. Die übliche Prozedur hierzulande und wer als Tourist kommt, sollte unbedingt in Deutschland eine Reisekrankenversicherung abschliessen, sonst zahlt Ihr Euch hier im Krankheitsfall halbtot. Gebt lieber die paar Euro in Deutschland für eine Reiseversicherung aus.
In der Innenstadt hat das neue Hostel „Cinema Hostel“ eröffnet. In der Shammai Street parallel zur  Ben Yehuda. In der Innenstadt findet Ihr ebenso das Avraham Hostel (welches fast ein Hotel ist), das Stay Inn (in der King George), das Jerusalem Hostel (am Zion Square) oder das The Post Hostel über der Hauptpost an der Jaffa Road. All diese Hostels sollen, laut Bewertungen, gut und sauber sein. Warum also mehr Geld für arabische Altstadthostel ausgeben, wo noch nicht einmal die Bettwäsche gewechselt wird? Nur, um in der Altstadt zu schlafen? Mit Bettwanzen und in dreckigen Zimmern?
Manchmal verstehe ich echt manche Touristen nicht! 🙂

Israel: „Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?“

Leserfrage: „Als Krankenschwester in Israel arbeiten“

B“H
Das Gesundheitsministerium listet hier alle Voraussetzungen auf:
https://www.health.gov.il/English/Services/MedicalAndHealthProfessions/nursing/study/Pages/OccupationLicenseApplication.aspx
Der Beruf kann in israelischen Krankenhäusern nur von israelischen Staatsbürgern praktiziert werden. Perfektes Hebräisch sowie ein gewisser englischer Sprachlevel sind Grundvorausetzung. Dazu muss Hebräisch perfekt gelesen und am Computer getippt werden können. Eine aus Europa eingewanderte junge Ärztin, deren Eltern allerdings gebürtige Israelis sind, sagte mir das gestern.
Es muss mit Patienten kommuniziert werden, wobei viele arabische Patienten oft nicht ausreichend Hebräisch können und dann übersetzt jemand. Entweder ein Verwandter oder ein anwesender arabischer Arzt. 
Ärzte und Krankenschwestern sind in Israel extrem gut ausgebildet und ich würde die Ärzte nicht als arrogant einstufen, wie das vielleicht in Deutschland der Fall ist. Professoren und solche Leute vielleicht schon. Damit hatte ich noch nie etwas zu tun, aber ab meiner OP am Sonntag wird sich das ändern und dann weiß ich mehr.
Persönlich stelle ich mir den Anfang in einem israelischen Krankenhaus nicht einfach vor. Wer dort als Neueinwanderer arbeitet, muss sich an eine komplett fremde Mentalität der Leute gewöhnen und umdenken. Mit einem deutschen Verhalten eckt er an und diese fordernde bestimmende Art (Zackzack) mögen die Leute hier überhaupt nicht.

Israel: „Krankenhaus – Labyrinth“

B“H
Heute bekam ich einmal wieder die volle israelische Mentalität zu spüren, die da eigentlich so schwer zu erklären ist. 🙂 Ein Deutscher, Schweizer, etc., der da fest in seinem Land verwurzelt ist, wird die israelische Gesellschaft nur bedingt verstehen. Es sei denn, er lebt viele Jahre im Land.
Wie bereits berichtet: Man muss sich in Israel um alles selber kümmern. In Deutschland ist alles fest im Sozialsystem verankert und die Krankenkassen kümmern sich um alles. Das ist in Israel anders und der Patient muss nachhelfen, denn ein Krankenhaus redet nicht mit der Krankenkasse.
Heute hatte ich einen Termin im Sha’arei Zedek Hospital in der Trom Nituach Abteilung. Dort wird man auf eine anstehende Operation vorbereitet. Um jedoch in die Abteilung zu gelangen, muss erst einmal klar sein, wer für die Operation aufkommt. Normalerweise ist das die Krankenkasse, doch dies gilt nur für Leute, die diverse Zusatz – Level bei der Krankenkasse haben und monatlich privat extra einzahlen. Ich rate das dringend jedem, der Aliyah (Einwanderung nach Israel) plant.
Meine Krankenkasse sandte per Fax die finanzielle Zusage zum Sha’arei Zedek Hospital. Dann ging es weiter mit der Anästhesie – Beratung, einem dritten Bluttest und eine Ärztin suchte nach Lymphknoten, die nicht vorhanden waren. Man will halt auf Nummer Sicher gehen.
In Jerusalem ist es nicht ungewöhnlich, dass Frauen weibliche Ärzte zugeordnet bekommen und Männer halt Männer. Bei Gesprächen und Voruntersuchungen ist dies meistens der Fall, denn Frauen und auch Männer fühlen sich so wohler. Ultra – orthodoxe Juden sehen diese Trennung lieber. Genauso wie Araber, denn die wollen nicht unbedingt einen Arzt ihre Frau antouchen sehen, sondern eher eine Ärztin. Ich jedenfalls finde das vom Krankenhaus sowie von den Krankenkassen sehr korrekt.
Und viele Dokumente wurden heute unterschrieben. Prinzipiell ist der Patient demzufolge an allem schuld. So sichert sich das Krankenhaus ab.
Die langen bürokratischen Wege sind nervig und kompliziert. Ich stand oft im Krankenhaus und wusste nicht wohin, weil nichts ausgeschildert war. Gestern wurden bei der Krankenkasse die Lungen geroengt und die Bilder wurden mir als CD ausgehändigt. Heute im Sha’arei Zedek Hospital musste ich mich darum kümmern, dass die Bilder ins Computersystem des Krankenhauses kamen. Dafür gibt es extra ein PAC – Büro, welches sich damit befasst. Andere Abteilungen geben sich nicht damit ab. Also rennt man wegen jeder Kleinigkeit von einem Stockwerk ins andere. Rauf, runter, im Aufzug. Man denkt, dass endlich alles geschafft sei und dann wieder nicht:
„Ist die Akte von der Notaufnahme geschlossen?“
“Nein.“
„Okay, dann erst schließen lassen.“
„Wo?“
„In der Notaufnahme.“
Die Notaufnahme sagt NEIN und schickt einen weiter zum Patientenaufnahme am Empfang. Und dann – wohin mit der zweiten Akte? Wieder rauf zum Trom Nituach in den fünften Stock und dass auch ja die CD von der PAC abgeholt wird und mit in der Akte ist.
Morgen muss ich nur noch einmal zur Krankenkasse und das wars. Und ich muss auf den Anruf vom Krankenhaus warten, um zu erfahren, wann ich zur OP antanzen soll. Vermutlich findet diese am Sonntag statt.
Ich begegnete Leuten, die dort im Krankenhaus herumwatschelten und krank sein wollten. Man feuerte sie, doch sie weigerten sich, dass Krankenhaus zu verlassen.
Ich dagegen wäre froh, wenn ich keine OP bräuchte. In Windeseile wäre ich draußen auf und auf davon. Ich bin keinesfalls der Typ, der wegen jedem Wehwehchen zum Arzt rennt und jammert. Viele aber tun das und ich verstehe nicht warum. 

Israel ist mit sehr viel Eigeninitiative verbunden

B“H
Ich bin wahrlich kein Spezialist, wenn es um Krankenversicherungen, Krankheiten und Krankenhäuser geht. Aus dem einfachen Grund, weil ich das Glück habe, gesund zu sein. Deswegen gehe ich eher selten zum Arzt und sowas wie OP habe ich im Leben noch nie gehabt.
Jetzt ist das etwas anders, denn ich habe dieser Tage die erste OP meines Lebens vor mir. Ein dickes fettes unerwartetes Geschwür macht sich im Bauch breit und drückt auf die anderen Organe. Einige Monate lang dachte ich, dass ich zunehme und schränkte mein Essen ein, aber nichts tat sich. Vorgestern dann kam heraus, dass mein Bauch wegen dem Geschwür außer Form geriet.
In Deutschland ist es, soweit ich weiß, so, dass sich bei einer OP das Krankenhaus mit der jeweiligen Krankenkasse in Verbindung setzt und der Patient halt nur seine Behandlungen durchläuft.
In Israel ist das wesentlich anders, denn der Patient, selbst wenn halb tot, muss viel Eigeninitiative ergreifen. Gestern Nachmittag wurde ich aus der Mi’un (Notaufnahme) entlassen. Nach vielen Tests (Ultrasound, Roentgen, Bluttests, Untersuchungen sowie einem CT – Scan). Morgen muss ich zur OP – Vorbereitung, wo man mir alle Details nennen wird. Samt Termin und Ärzte.
Dazu aber muss ich einige Formulare mitbringen, die ich heute selber bei meiner Krankenkasse organisiert habe:
Ein EKG – Test
Einmal den Oberkörper roentgen
2 Hitchayvut für das Krankenhaus + Gesundheitszustand vom Hausarzt
Bei einem Hitchayvut handelt es sich um ein Formular, welches die jeweilige Krankenkasse austellt und man dieses dann einem speziellen Arzt oder im Krankenhaus vorlegt. Eine Bestätigung, dass die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Dieses Hitchayvut muss bei der Krankenkasse erstellt werden und heute durchlief ich bei meiner Krankenkasse drei unterschiedliche Stockwerke für all die Formulare. Und alles verlief recht schnell und unkompliziert. EKG absolut okay und die Lungen genauso. Eine Krankengeschichte habe ich nicht, außer hier und da mal Verstauchungen oder Rippenprellungen. Bluttest einwandfrei, wenn man von meiner eher seltenen Blutgruppe absieht. 🙂
Manche Patienten müssen noch viel mehr Formulare vor der OP zusammenbringen und ich hatte heute nur den einen Tag Zeit.
In Israel muss der Patient selber alles organisieren, denn Krankenhaus und Kupat Cholim (Krankenkasse) arbeiten nicht in allen Fragen zusammen. Schlimmer ist es bei Ausländern in Israel und das habe ich hautnah vorgestern in der Notaufnahme mitbekommen, denn dort waren UNO – Angestellte als Patient. Israelische Krankenkassen bieten Ausländern eine Krankenversicherung, doch im Krankenhaus müssen dann viele Dokumente extra beigesteuert werden, da man bei Nicht – Staatsbürgern immer vorsichtig ist, wer denn welche Kosten übernimmt. Und wenn das nicht einwandfrei geklärt ist, gibt es nur notdürftige Behandlungen.

 

Im Krankenhaus in Jerusalem

B“H
Vielleicht fragen sich manche Leser, warum es auf diesem sowie auf meinem Hamantaschen – Blog dieser Tage nicht so richtig weitergeht. Nun, der Grund ist nervig, aber dennoch einfach erklärt:
Seit ein paar Wochen macht mir mein Magen zu schaffen und ich war erst der Meinung, dass es sich um eine Magenverstimmung handelt. So aß ich wenig und gesund und die Schmerzen bekämpfte ich mit ein paar Tabletten und Coca Cola.
Vor zwei Wochen dann ging es massiv bergab und ein totaler Gewichtsverlust folgte. Also ging ich gestern zum Hausarzt und der schickte mich sofort ins Krankenhaus zwecks Tests. Und die gab es dann auch massig in der Mi’un (Notfallaufnahme) der Gastro – Abteilung im Sha’arei Zedek Medical Center. Jemand aus meinem Freundeskreis begleitete mich und alles beginnt mit Bluttests, geht weiter mit einem Getränk, welches den Magen total ausleert, nur um zu einem CT zu kommen. Wie das alles auf Deutsch heißt, kann ich nicht sagen.
Nach dem CT war klar, dass ich eine Art Geschwür habe und dieser Tage operiert werden muss. Es handelt sich um einen eher seltenen Fall und das Krankenhaus behandelt mich wie ein medizinisches Wunder.
Eine Nacht in der Notaufnahme der Gastro verbracht und was man dort zu sehen bekommt, ist alles andere als toll. Junge Leute, Soldaten, alte Leute, Juden, Haredim und eine Menge Araber. Alle durchliefen wir dieselben Tests. Mein Arzt war Araber und ich war sehr zufrieden mit ihm. Die Schwestern waren teilweise Russinen und total gut drauf und nett. Das Personal war super, doch sind Hadassah Ein Kerem sowie Sha’arei Zedek total überlaufen und so musste ich sechs Stunden auf meinen CT warten. Die beiden Typen am CT waren ebenfalls Araber. Jüdisches und arabisches Personal arbeiten in den Krankenhäusern sehr gut zusammen. Jedenfalls bekam ich diesen Eindruck.
Um 2.30 Uhr morgens war das CT – Ergebis da und man behielt mich gleich in der Notaufnahme. Dort war die Hölle los und Patienten schliefen in den Betten auf dem Flur. Hadassah und Sha’arei Zedek wurden von Magen David Adom mit Einweisungen bombardiert.
Viel Schlaf war nicht drin, denn es war laut und manche Patienten schrien vor Schmerzen. In Israel geht man weniger zimperlich mit Patienten um und man sollte etwas „tough“ und nicht zu wehleidig sein.
Heute früh dann mehr Tests und zwei dicke Ultrasounds. Dann liess man mich gehen und morgen muss ich zum Hausarzt und zur Krankenkasse. Hitchayvut besorgen. Formulare, welche die Krankenkasse ausstellt und dem Krankenhaus signalisiert, dass die Kosten übernommen werden.
Es ist sehr wichtig, sich im hiesigen Gesundheitssytem einigermaßen zurechtzufinden, sonst ist man verlassen. Alles ist kompliziert und voller Bürokratie.
Wer, zum Beispiel, sich selber in die Notaufnahme einliefert, muss, wenn man ihn nicht über Nacht dabehält, mindestens 800 Schekel (200 Euro) Cash auf den Tisch legen. Ich allerdings hatte eine Überweisung vom Hausarzt und verbrachte die Nacht im Krankenhaus.
Wer mit dem Krankenwagen eingeliefert wird und nicht über Nacht bleibt, zahlt zwischen 500 – 1200 Schekel (130 – 300 Euro) an Magen David Adom. Wer über Nacht im Krankenhaus bleibt, dem wird die Summe von der Krankenkasse abgeglichen. Und wer Magen David Adom nicht zahlt, bekommt ein Inkasso – Unternehmen zu spüren.
Neben der regulären Krankenkasse muss eine Zusatzversicherung bei eben dieser Krankenkasse abgeschlossen werden. Das kostet aus der eigenen Tasche monatlich ein paar Hundert Schekel, aber lohnt sich.
Zudem sollte kein Patient wild herumbrüllen, wenn es in der Notaufnahme mal eben so zehn Stunden dauert und sich nichts bewegt. Die Leute dort sind überlastet und es heißt Geduld haben. Gutes Englisch zur Kommunikation ist, neben der Landessprache Hebräisch ein absolutes MUSS. Das Personal spricht teilweise aber auch Russisch und Arabisch. Deutsch ist nicht. Wenigstens gutes Englisch ist ein Muss, denn wie will man sonst kommunizieren?
Ich habe zahlreiche Ärzte im Sha’arei Zedek kennengelernt und heute schauten vier davon meinen Ultrasound an und analysierten. Alle waren nett und hilfsbereit. Keiner wirkte arrogant. Und so muss ich Mittwoch zurück und werde auf die OP vorbereitet und ich werde erfahren, wann diese stattfindet. Vielleicht noch diese Woche oder gleich zu Beginn der kommenden Woche.
Freunde werden immer an meinem Bett sein und ich werde weitere Details zum israelischen Gesundheitssystem hier auf dem Blog veröffentlichen. Der Unterschied zu Deutschland ist gravierend und man sollte einiges einstecken können und nicht groß herumjammern. 🙂

 

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