Leben in Jerusalem

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Dr. Mordechai Kedar: „Jerusalem als heilige Stadt des Islam ist Fake News“

242 neue nordamerikanische Neueinwanderer in Israel

B“H

Die Aliyah – Organisation Nefesh be’Nefesh flog vor wenigen Tagen 242 neue jüdische Neueinwanderer aus Nordamerika nach Israel. Bedeutet, aus den USA und Kanada. 242 Neueinwanderer jeden Alters und viele unter ihnen sind 18 Jahre alt und wurden direkt vom Ben Gurion Flughafen zu ihrer Armeebasis verfrachtet. Sie werden zuerst Soldaten / innen wie alle anderen Israelis in dem Alter. Zuerst aber lernen sie so schnell wie möglich Hebräisch, was bei der Armee eh schneller verläuft als anderswo. Immerhin ist man dort gezwungen, auf Hebräisch zu kommunizieren.
http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/267366
Alle paar Monate chartert Nefesh be’Nefesh eine ELAL – Maschine, um jüdische Neueinwanderer nach Israel zu bringen. Innerhalb der USA sowohl als auch Kanada wird massig Werbung für die Aliyah (Auswanderung) nach Israel betrieben. Teilweise mit haaresträubenden Argumenten / Versprechungen, denn der normale israelische Alltag bleibt bei den Werbegesprächen fast immer unerwähnt. Und so stoßen die Neuankömmlinge in Israel auf die reale israelische Mentalität, die da mit der amerikanischen oder kanadischen nichts gemein hat. Viele Neueinwanderer, egal aus welchem Land, kriegen in dem Moment einen massiven Kulturschock, sobald die israelische Wirklichkeit zuschlägt. Dabei bleibt den Nefesh be’Nefesh – Leuten anfangs viel Behördenkram erspart, denn sie erhalten nach der Ankunft am Flughafen sämtliche Papiere und auch eine Wohnung. Niemand von denen muss erstmal auf Wohnungssuche, denn alles wurde bereits von Nefesh be’Nefesh organisiert. Bereits auf dem Flug nach Israel befinden sich „nette“ israelische Beamte mit iPad und tippen alles behördenmäßig ein, damit am Flughafen alle Unterlagen abholbereit sind. Ein Startgeld gibt es auch. Nicht mehr soviel wie in früheren Jahren, aber immerhin mehr als von der Jewish Agency, welche für deutsche Juden zuständig ist. Nicht wenige Amerikaner kommen mit Geld, was dann das Startgeld automatisch kürzt.
Deutsche Juden, die nach Israel auswandern wollen, kommen nicht in den Genuss von Nefesh be’Nefesh, sondern müssen bei der Jewish Agency vorsprechen. NbN ist bequemer, aber die US – Organisation hat ihre Nachteile, die da keineswegs ignoriert werden sollten. Wer sich im Vorfeld durch die auszufüllenden Formulare wuselt, hat es nicht einfach. Bis zu zehn Jahren in der Vergangenheit werden Gehaltsnachweise verlangt. Spareinlagen, Sozialversicherungen, Rentenansprüche. Kurz gesagt, man zieht sich vor Nefesh be’Nefesh nackt aus und die Bearbeitungszeit kann schon mal ein Jahr dauern. Zudem behält sich NbN vielfach die Bestimmung des Wohnortes in Israel vor und für 1 – 2 Jahre ist der Neueinwanderer an Verträge gebunden und kann nicht immer so wie er will. In Nordisrael traf ich auf einen jungen Amerikaner, den NbN in die Stadt Carmiel gesteckt hatte und der dort unbedingt weg wollte. Zuviele Russen und keine Jobs. Der Typ wollte an die Küste ziehen und in der Hightech – Branche arbeiten. Ging aber nicht und er musste ein Jahr in Carmiel bleiben, weil NbN es so wollte.
Manchmal ist es auch so, dass NbN eine Bürgschaft von Kindern verlangt. Für ihre Eltern, im Falle einer finanziellen Schieflage. Nämlich dann, wenn die Eltern betagt sind und nach Israel auswandern. Die in den USA verbliebenen Kinder müssen dann ggf. bürgen, denn gesetzliche Mindestrentenleistungen sind in Israel extrem gering. Auch von der Sozialhilfe kann kaum jemand leben. Im Gegensatz zum deutschen Sozialsystem ist in Israel nichts zu holen und man ist halt auf sich selber angewiesen.
Vielleicht ist das superteure Israel mit seinen unverschämt hohen Preisen in allen Lebenslagen noch nicht einmal das Schlimmste, an das sich der Neuankömmling gewöhnen muss. Eine neue Sprache, eine neue Schrift und vor allem die israelische Mentalität machen Auswärtigen oft am meisten zu schaffen. Es gibt Tage, da wird man nur angebrüllt oder meint, dumm angemacht zu werden, weil man der Sprache nicht mächtig ist und vieles einfach falsch auslegt. Israel ist kein Service Land und daran gilt es sich, zu gewöhnen. Oft ist die Art ruppig, was man jedoch deuten kann, wenn man denn der Sprache mächtig ist.
Eines wird fast immer übersehen: Vielerorts ist die Mehrheit der Juden sephardischer Abstimmung, was nochmal eine ganz andere Mentalität bedeutet. Als einzige Aschkenazin habe ich sechs Jahre nur mit Sepharden zusammengearbeitet und da kamen Sprüche … In dem Fall muss man sich zu wehren wissen und vieles wahr halt eh nur Spass. Aber um das zu kapieren, ist es wichtig, die Sprache zu können und nicht unwissend alles falsch zu interpretieren und vielleicht noch die Leute dumm anmachen, die da eigentlich nur einen Witz machten.
Dann ist die Art halt ruppig, aber daran wird niemand etwas ändern. 🙂
Ein Leserkommentar zu den 242 Neuankömmlingen fand ich sehr treffend und er deutet auf den Alltag im Land hin, den die Neuen erst noch erlernen müssen:
„Hoffentlich haben sich die 242 auch mental auf Israel eingestellt!“

 

Zwischenbericht „Gesundheit & Katzen“

B“H
Wie schaut es eigentlich mit den Straßenkatzen in unserem Garten aus?
Von all den Neugeborenen im März haben gerade mal zwei überlebt. Ein schwarzer Kater und eine graue Katze. Alle anderen sind irgendwie gestorben, denn in unserer Straße herrscht unter all den Katzen Inzucht und manche Babies kamen schon krank auf die Welt.
Die Mutter bzw. Großmutter mit ihren 4,5 Jahren auf dem Buckel hatte vor einem Monat einen neuen Wurf, aber irgendwo in einem anderen Garten. Somit füttere ich derweil nur die Mutter selber, die zwei Heranwachsenden und noch eine erwachsene Katze aus der Family. Wie lange ich das aufrecht erhalten kann, weiß ich noch nicht, denn irgendwann kommt, aufgrund der Chemotherapie, der Zeitpunkt, an dem ich mich von allem mit Viren und Bakterien fernhalten muss, denn durch die Behandlung wird das Immunsystem zerstört. Momentan darf ich anderen Leute weder die Hand geben noch jemanden umarmen. Die Katzen fasse ich selten an und die wollen das irgendwie eh nicht.
In der nächsten Woche muss ich zu meiner Krankenkasse zum Bluttest zwecks CT Scan wenige Tage später. Meine Blasenentzündung, die noch nicht ganz abgeklungen ist, scheint, laut Hausarzt, von den Steroiden zu stammen, die einem vor der eigentlichen Chemotherapie eingetrichtert werden. Die verschriebenen Antibiotika haben jedenfalls die Infektion nicht ganz behoben, aber ich bin froh, ohne die Medikamente zu sein, denn die haben mich teilweise echt lahmgelegt.
In der vergangenen Woche, in dieser Woche und auch in der kommenden Woche habe ich keine Chemotherapie. Ich habe sozusagen „frei“. Dafür muss ich aber heute in einer Woche dennoch ins Krankenhaus zum CT Scan und wenige Tage darauf wieder zur Chemotherapie sowohl als auch nebenbei zum Onkologen, welcher mir das CT – Ergebnis mitteilt. Und dann kommt alles darauf an, wie das Ergebnis lauten wird. Hat die Chemo nichts bewirkt, kann ich mich sofort auf eine neue OP freuen. Hat sie etwas bewirkt, geht es weiter mit der Behandlung. Wobei ich dann mit dem Onkologen reden will, ob nicht das Mittel Gemzar ausreicht und man eventuell vorerst auf das starke Docetaxel (Taxotere) verzichten kann. Zumindest bis zum nächsten CT im November. Gemzar gilt als eine eher softe Chemotherapie – Chemikalie und dann würde nach zwei Monaten auch mein Haar mal wieder wachsen. Aber, wie gesagt, es hängt halt alles vom CT Scan in der kommenden Woche ab.
Von der Nationalversicherung Bituach Leumi habe ich, bis auf Weiteres, eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit zugesprochen bekommen. Die Entscheidung verlief sehr schnell und innerhalb von drei Wochen war fast alles geklärt. Zum Amtsarzt brauchte ich letztendlich nicht. Was soll der auch groß entscheiden?
Zwei Metastasen (Oberbauch und Lunge), Krebs – Level 4, fortlaufende Chemotherapie, CT Scans und Dauerpatient der Onkologie im Shaare Zedek Medical Center.
Ich muss sagen, dass ich sehr gute Erfahrungen mit der Bituach gemacht habe. Nicht bei allen Kranken läuft alles so glatt und zügig, aber wer wirklich krank ist (Krebs, Parkinson, etc.), der bekommt auch die Arbeitsunfähigkeit. Das Problem der Bituach kann ich, u.a., nachvollziehen, denn immer wieder tauchen Leute auf, die Krankheiten erfinden, zu faul sind zum Arbeiten und nur Kohle abkassieren wollen. So einfach wird es einem nicht gemacht und man muss schon eine richtige Erkrankung haben und nicht simulieren. Ich, zum Beipiel, habe meine halbe Krankenakte kopiert und der Angestellten gegeben. Darüber hinaus verlangt die Bituach Leumi eine schriftliche Zustimmung, dass sie jederzeit in die Krankenakte bei der Krankenkasse und dem Krankenhaus schauen kann.
Was mich nur immer wundert: Viele Leute erfinden Krankheiten und wollen unbedingt krank sein und ich will weder Krebs noch was anderes. Ich will mein ganz normales Leben wiederhaben und arbeiten, wie jeder andere auch. Ich kapiere derartige Simulanten absolut nicht. Wer unbedingt will, kann meinen Sarkoma – Krebs haben und sich damit rumärgern. Ich wäre froh, ihn loszuwerden. Aber richtig krank wollen die Simulanten ja nicht sein, sondern lediglich Geld kassieren und sich einen schönen faulen Tag machen und gemütlich durch Wiesen und Felder laufen. Ich dagegen bin gezwungen abzuwägen, ob ich das Haus verlassen kann. Nix mit Wiesen und Feldern, sondern oft bin ich so schwach und down, dass ich es gerade mal bis zum Mülleimer vor dem Haus schaffe. Einkaufen ist eine Farce und Freunde und Bekannte erledigen das teilweise für mich, was mich wiederum ankotzt, denn ich will nicht auf Hilfe angewiesen sein.
Aber ich will nicht jammern, sondern ich versuche mein Bestes. Immerhin habe ich vor, wieder auf die Beine zu kommen und ganz normal zu leben. 🙂

Leserfrage: „Wie leben die Leute in Israel?“

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Tel Aviv – Photo: Miriam Woelke

B“H
Ich kann mir nicht erklären, was genau man sich im Ausland unter dem Alltag in Israel vorstellt. Israelis gehen ganz normal morgens zur Arbeit, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das ist nicht anders als, u.a., in Deutschland. Aufstehen, im Stau stehen oder sich über verspätete Bahnen und Busse aufregen. Oder, wenn in Jerusalem die Straßenbahn mal wieder einen technischen Defekt hat. Sich über Boss oder Arbeitskollegen aufregen, ablästern und auch Mobbing ist ein Thema.
Kinder und Jugendliche gehen in die Schule und ab 18 Jahren zur Armee. Darauf ist man stolz und bereitet sich eifrig vor, denn es sollte schon eine Eliteeinheit sein, was dann auch später berufliches Fortkommen garantiert. Oder zumindest fast garantiert, wenn man denn nicht unangenehm auffällt.
Der Alltag in Israel ist nicht viel anders als der in Deutschland, aber die hiesige Mentalität, die Prioritäten sowie die Denkweise ist eine komplett andere. Palästinenser, die in Israel leben und gleichzeitig auch Staatsbürger sind, verstehen das israelische Mindset besser als jeder Ausländer. Allein schon, weil man von klein auf mit Israelis arbeitet.
Gegenüber Israel scheint Deutschland geradezu rassistisch zu sein, denn gerade in Deutschland wird darauf gepocht, sich dem Land und den Gepflogenheiten anzupassen. In Israel hingegen regt sich niemand auf, wenn eine Muslima in Hijab zur Arbeit erscheint. Wenn sie so in der Bank arbeitet, in einem Supermarkt oder, wie ich neulich selber erfuhr, als Krankenschwester im Krankenhaus. Meinen letzten IV bei der Chemotherapie verpasste mir eine junge Palästinenserin mit Hijab und im Hintergrund dudelte dezent arabische Musik. Jeder kann seinen Glauben ausleben wie er will und niemand will die Palästinenser anpassen. Nur friedlich sollte man halt miteinander umgehen.
Bereits in den 90iger Jahren habe ich in Tel Aviv Touristen, darunter auch junge Deutsche, erlebt, die das Leben in Israel idealisierten und einfach bleiben wollten. Gesehen wurden sie irgendwann nicht mehr, denn man bleibt eben nicht so einfach mal hier. Die Gesetzeslage ist knallhart und spätestens seit Ende der 90iger Jahre, wo Spots gegen illegale Ausländer im Radio auf – und abliefen, verliess man lieber das Land. Eine illegale Finnin meinte zu mir, dass sie in Finnland ein normales Leben leben kann und nicht, wie in Israel, eingeschränkt ist. Seitdem war sie auch nie wieder hier, soweit mir bekannt.
Es gibt Ausländer, die kriegen das Leben in Israel über und packen irgendwann ihre Klamotten, weil sie in ihrem Heimatland zwar neu starten müssen, doch immerhin die Sprache sprechen und halt ein Staatsbürger sind und nicht dauernd der Dumme.
Auch die Palästinenser haben ihren ganz normalen Alltag und zumeist wird für israelische Unternehmen / Institutionen gearbeitet. Jeder im Land hat seinen Alltag und vorrangig muss das Geld für den Lebensunterhalt zusammenkommen. Israel ist, in jeder Hinsicht, ein teures Land, wo selbst Schulen Geld kosten. Nichts ist umsonst und Sozialleistungen halten sich extrem in Grenzen. Manchmal frage ich mich, wie die Leute davon überhaupt leben können.
Israel unterscheidet sich von Deutschland in der Hinsicht, dass Israelis mehr Eigeninitiative ergreifen müssen, denn der Staat ist viel weniger sozial. Man muss kämpfen und sich einsetzen und nicht einfach nur sitzen und warten, dass jemand kommt und hilft. Es wird niemand kommen und Israelis einschließlich Palästinenser sind auf das Leben hier gedrillt. Man weiß, was Sache ist und einem Neuankömmling ohne Ahnung und ausreichende Sprachkenntnisse fallen die herrschende Mentalität und Denkweisen schwer. Auch aus Deutschland stammende junge Juden, die in Israel an Programmen teilnehmen, hauen nicht selten schnell wieder ab.

Die Wertevorstellungen liegen in Israel etwas anders und es ist ein Land der Widersprüche. Nichts erscheint logisch, wenn ein Deutscher kommt und für alles eine logische Erklärung sucht, die er niemals finden wird. Allein das Innenministerium ist den Visum – Verlängerern ein Alptraum, dabei gibt es viel schlimmere Behörden, mit denen der Tourist aber keinen Kontakt hat.

Okay, als Tourist klingt alles super. Tel Aviv ist ja so tolerant und wer Feierabend hat, der geht sicher an den Strand. Alles super und easy und zur Not kann man ja kellnern. Vom Kellnern allein aber kann kaum jemand leben und die Arbeitsrechte sind tief unten im Keller.
Zwar ist Jerusalem in diesem Sommer voller Touristen, doch die bleiben nur ein paar Nächte und hauen dann nach Tel Aviv ab, wo Strand und Bars winken. Wenigstens fangen sie in der Straßenbahn nicht an, von CO2 oder dem Genderwahn zu labern. Sowas interessiert niemanden, denn unser Land hat andere Probleme. Unter anderem geht es ums Überleben.

Jerusalem: 18. Jahrestag des Sbarro – Terroranschlags

B“H

Jedes Jahr am 9. August stellt für mich eine spezielle Erinnerung dar. Nicht, weil ich selbst am Ort der Tragödie war, sondern weil ich gleich in der Nähe wohnte und einige der Betroffenen kenne.
Genau 17 Jahre ist es her und die Terrorattentate sind in Jerusalem nach wie vor allgegenwärtig. Gedenktafeln an vielen Orten und die Innenstadt war in besonderem Masse betroffen. In den Jahren 2001 / 2002 fragten wir Bewohner uns bei jeder Busfahrt, ob der Bus in die Luft fliegen wird. Es war eine gespannte Atmosphäre damals und uns ist bewusst, dass dies jederzeit wieder passieren kann.
Das SBARRO – Attentat war eine riesige Tragödie und jedes Jahr wieder erinnere ich an diesem 9. August.
Hier die Geschichte eines Opfers des Sbarro – Attentates; das Schicksal der Hannah Nachenberg.
Freitagabend, Erev Schabbat, im Mai 2001
Mit einer Freundin bin ich bei Rabbi Mordechai Machlis zum Schabbatessen. Rein zufällig sitzen wir am Tisch mit David Nachenberg und seiner Frau Hannah. Deren kleine Tochter Sarah ist draußen am Rumtollen mit den Machlis – Kindern. Seit einigen Jahren kenne ich David. Noch aus der Zeit, in der er Single war. Er ist amerikanischer Herkunft und heiratete irgendwann Hannah, auch Amerikanerin. Sie trafen sich auf einem Konzert der religiösen Popband „Schlock-Rock“. Liebe auf den ersten Blick sozusagen.
Hannah und David erzählten mir von ihren ganzen Problemchen. Nein, in Jerusalem würden sie nicht mehr wohnen, stattdessen seien sie nach Modi’in gezogen. David arbeitete bei Bank Hapoalim in Ramat Gan (heute arbeitet er als Sportlehrer in Modi’in) und Hannah suchte gerade einen neuen Job. Das ewig überzogene Bankkonto würde nerven, aber sonst gehe es ihnen gut.
9. August 2001
Hannah Nachenberg sitzt mit ihrem Onkel und ihrer Tante samt Tochter Sarah in der Jerusalemer Pizzeria SBARRO. Tante und Onkel sind zu Besuch aus den USA. Gerade wollen sie ihre Pizza essen als es knallt. Ein palästinensischer Selbstmordattentäter sprengte sich am Eingang des SBARRO in die Luft. Es war am frühen Nachmittag gegen 14.00 Uhr. Hochsommer. Die Pizzeria war gerammelt voll. Um noch mehr Leute in den Tod zu reißen, wartete der Attentäter, bis die Ampel an der Kreuzung King George / Yaffo für die Fussgänger auf grün sprang. Mehrere Hundert Menschen waren in der Nähe. 15 Menschen starben (davon sieben Kinder) und 130 wurden verletzt.
Die Bombe war außer mit Sprengstoff auch mit Nägeln und Schrauben gefüllt. Hannahs Onkel und Tante waren nur leicht verletzt, Tochter Sarah hatte fast keinen Kratzer abbekommen, doch Hannah war vorn über den Tisch gekippt. Die Tante untersuchte sie nach dem ersten Schock. Fast kein Blut, gar nichts. Die Ambulanz traf ein. Der erste „Erste Hilfe Helfer“, der in das Sbarro rannte, war der Gerer Chassid Moshe Frand. Später wurde er vom damaligen Bürgermeister Ehud Olmert für sein Engagement ausgezeichnet. Er zeigte mir stolz seine Urkunde.
Hannah Nachenberg kam ins Hadassah – Krankenhaus. Dort stellte man fest, dass sie einen Nagel mitten im Herzen hatte. Ihr Mann David wurde sofort verständigt und der wiederum rief Rabbi Machlis an. Der Nagel wurde aus Hannahs Herzen entfernt, doch sie erlangte bis heute nicht mehr das Bewußtsein.
2019
Hannah Nachenberg liegt nach wie vor bewußtlos in einer Reha – Klinik nahe Tel Aviv. Die Augen geöffnet, doch nichts wahrnehmend. Ihre Tochter Sarah ist in der Zwischenzeit erwachsen geworden. David gewann offenbar, zusammen mit anderen Terroropfern, in den USA einen Prozess gegen eine palästinensische Bank. Er arbeitet als Sportlehrer in Modi’in und schreibt nebenbei Rap – Musik. Er textet Rap – Songs über amerikanische jüdische Sportler.
Manchmal kommt Michael, ein britischer Sänger, zu Hannah ans Krankenbett. Singt ihr religiöse jüdische Lieder und Hannah schaut an die Decke. Abwesend. Doch Michael ist sich sicher, etwas Gutes zu tun. Seitdem ein paar christliche Missionare zu Besuch kamen und David Nachenberg überreden wollten, an Joschke zu glauben, damit seine Frau „gerettet“ werde, läßt David nur noch jüdische Besucher zu. Die Missionare flogen kurzerhand raus.
David Nachenberg sehe ich sehr selten einmal. Man traf sich gelegentlich bei den Machlises, doch weder er noch ich gehen dort noch hin. Alle paar Jahre einmal. 
Nachtrag: Das SBARRO wechselte kurz nach dem Anschlag seinen Standort und zog um. Nicht lange danach verschwand es ganz. Im „alten“ Sbarro King George / Yaffo ist heute das Cafe Ne’eman.

Die Nachenberg Familie in besseren Zeiten


 

 

Vor wenigen Jahren erreichte mich dieser Kommentar von David:
I am David Nachenberg, and the reason Chana is in a PERMANENT vegetative state to this day (almost 16 years later) is that the nail pierced a coronary artery, and blood did not flow to her brain for probably around 20 or more minutes…and it has been hard on her parents who have not been able to see Chana’s life progress, and to our daughter Sara, who doesn’t remember what it is like to have a functioning mommy, and to me, who has been left without a partner and without the opportunity to have another child…and the people of our community, for the most part couldn’t care less, and have not extended their hands in friendship and do not offer to help me in finding a shidduch so I won’t be alone and lonely forever…

Zum heutigen Fastentag TISHA be’AV

B“H
Wer heute in Jerusalem ist, der wird ihn besonders spüren: Den heutigen jüdischen Fastentag TISHA be’AV. Mehr dazu hier:
https://hamantaschen.wordpress.com/2019/08/11/zum-heutigen-fastentag-tisha-beav-9-av/
Nicht, dass es nichts zum Essen gibt, doch die Atmosphäre in der Stadt ist halt ein wenig anders als sonst. Der Tisha be’Av ist ein Trauertag und viele Geschäfte / Einrichtungen bleiben heute geschlossen, da die Besitzer / Angestellte fasten. Der heutige Fastentag endet abends um 19.56 Uhr.
Bei mir ist es am heutigen Fastentag TISHA be’AV so, dass ich vom medizinischen Standpunkt her nicht fasten darf, denn ich befinde mich immer noch inmitten der Chemotherapie. Und während solch einer Chemotherapie ist Essen und Trinken Pflicht, denn der Körper braucht Nahrung und vor allem Vitamine. Eine Menge Proteine, zum Beispiel. Selbst bei der Chemotherapie in der Onkologie im Krankenhaus werden wir Patienten mit Essen und Trinken vollgestopft. Gekochte Eier, Käse, Semmeln und sogar Schokolade gibt es. 🙂 Thunfisch – Sandwiches, Mittagessen mit Reis, Kartoffeln, Fleisch oder Fisch und Gemüse.
Ihr könnt mir glauben, dass ich heute lieber fasten täte und einfach nur mein normales Leben wiederhaben will anstatt an Sarkoma – Krebs zu leiden.
Wie es weitergeht, weiß ich noch nicht, Jedenfalls nicht, was die kommenden hohen jüdischen Feiertage Rosh Hashana (Ende September), Yom Kippur und Sukkot (beides im Oktober) angeht. In der nächsten Woche ist erst einmal mein nächster CT Scan und dann sehen wir weiter.

Neues vom Machane Yehudah Markt: „Uzi Eli & Berlina“

B“H
Der aus dem Yemen stammende Jude Uzi Eli ist eine Art Institution auf dem Jerusalemer Machane Yehudah Markt. Sein kleiner eher versifft aussehender Stand zieht die Massen an, denn Uzi Eli verspricht Gesundheit mit seinen selbstgebrauten Säften. Selbst Gat gibt es und fragt mich nicht, wie das alles auf Deutsch heißt, denn ich habe keine Ahnung. Vielleicht ja auch GAT, wobei es sich um keine Droge handelt. 🙂
Uzi verkauft puren Gat – Saft oder auch als Gemisch mit Früchten, denn der bittere Geschmack des Gat haut ganz schön rein in die Geschmacksnerven und nicht jeder erträgt das.
Ein kleiner Plastikbecher sämtlicher Getränke ist bereits für 5 Schekel (circa 1,50 Euro) zu haben. Der größere Plastikbecher kostet 10 Schekel (circa 2,50 Euro) und alles Größere kostet noch mehr.
Der Stand befindet sich genau gegenüber von Basta Pasta bzw. neben den Fish & Chips. Achtet nicht zu sehr auf deutsche Sauberkeit, aber egal … wir sind im Nahen Osten und nicht im blankgewienerten Schwarzwald. 🙂
Vor Jahren ging ich häufiger zu Uzi Eli, aber irgendwann wurde er zu populär. Besonders bei israelischen Touristengruppen aus dem ganzen Land und ab dem Moment war kein Durchkommen mehr. Und Uzi selbst wurde ziemlich eingebildet aufgrund des plötzlichen Fame. Seltener sieht man ihn am Stand und er vertraut auf studentisch – wirkendes Personal. Sehr nett und hilfsbereit, aber …
Am Sonntag war ich nach Jahren wieder einmal bei Uzi Eli und kaufte mir den großen Becher RAMBAM – Saft. Der mittelalterliche Rabbiner Moshe ben Maimon (Maimonides) war bekannt für seine Heilpraktiken und er selber war seinerzeit ein berühmter Arzt. Maimonides (kurz genannt RAMBAM) gilt als einer der größten Rabbiner im Judentum.
Woher Uzi Eli das Rezept des Rambam – Saftes genau hat? Keine Ahnung und wer weiß, ob das alles so stimmt mit den Säften. Egal, ich hatte Durst und wollte mal wieder was Gesundes, um ein gutes Gefühl zu bekommen. Letztendlich aber war der Saft eine riesige Enttäuschung, denn Uzi Eli panscht offenbar mit Wasser. Früher waren die Säfte dickflüssiger und heute scheint alles eine mit Wasser gemengte Flüssigkeit zu sein. Kaum Geschmack, aber hey, man will ja Profit machen.
Empfehlen kann ich da nur den puren Gat, denn der schaut noch richtig nach dicker Flüssigkeit aus. Alles andere scheint munter mit Wasser durchpanscht zu sein. Aber ein Tourist muss vielleicht einmal bei Uzis Stand gewesen sein. Und sei es nur um des Feelings wegen. 🙂 
Nicht weit vom Uzi Eli – Stand findet sich ein Stand namens BERLINA. Eigentlich sollte es wohl „Berliner“ lauten, aber wen schert der kleine Fehler?
Ich sah den Stand nur kurz, denn ich hatte wenig Zeit, aber vielleicht finde ich demnächst eine bessere Gelegenheit und schaue mich intensiver um. 🙂
Was ich sah, war eine Art Currywurst auf dem Grill und da haute ich gleich ab. Die Würstchen sahen so verlockend kalorienlastig aus, dass ich tatsächlich nochmal hin muss. Wo sonst findet sich eine koschere Currywurst mit Hechscher (Koscherzertifikat) vom Jerusalemer Oberrabbinat? 🙂
Bei Berlina wird auf Berlin gemacht und ich muss mal ausspionieren, was es sonst noch so gibt.

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