Leben in Jerusalem

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Video auf Leserfrage: „In Israel als Arzt / Krankenschwester arbeiten“

 

Weitere Infos hier:
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2018/07/08/leserfrage-als-arzt-in-israel-arbeiten/

Leserfrage: „Wird in Israel freitags gearbeitet?“

B“H
Ja, aber es kommt auf die Branche drauf an. Zahlreiche Büros und Banken haben zu, andere wieder nicht. Grundsätzlich wird freitags gearbeitet, aber andererseits ist dies auch im Arbeitsvertrag festgelegt. Es kann sein, dass man nur einmal pro Monat am Freitag arbeitet oder halt dementsprechende anderweitige Vereinbarungen trifft. 
Ministerien sind freitags grundsätzlich geschlossen und die Krankenhäuser fahren bis sonntags auch nur auf Sparflamme.
Sonntags wird in Israel gearbeitet und es handelt sich bei dem Tag um einen ganz normalen Arbeitstag. Gesetzlich betrachtet gibt es deutlich weniger Restriktionen als in Deutschland und man kann leicht einen Arbeitstag von 12 Stunden oder länger haben.
Wer freitags arbeitet, hat in der Regel 1 – 2 Stunden vor Schabbatbeginn Feierabend. Oder manchmal auch gegen 13.00 oder 14.00 Uhr. Es kommt immer drauf an, wo man arbeitet.

Leserfrage: „Wieso laufen orthodoxe Juden so schnell?“

B“H
Es gibt doch immer wieder interessante Leserfragen. 🙂
Ich denke mal, dass mit der Frage eher ultra – orthodoxe Jude gemeint sind. Orthodoxe Juden erkennt man nicht immer am Outfit, sondern sie tragen, genauso wie ich, auch Jeans und T – Shirt.
Wenn jemand zuvor noch niemals mit ultra – orthodoxen Juden in Berührung kam, könnte man fast meinen, sie laufen schneller als andere Passanten. Das stimmt manchmal, weil sie es vielleicht eilig haben oder noch schnell etwas erledigen müssen. Oder sie hasten zum Gebet oder es ist halt so jedermanns Art, weil er seine Zeit nicht verschwenden will und Wichtigeres zu zu tun.
Nicht alle ultra – orthodoxen Juden laufen schnell, sondern es gibt halt immer solche und solche. Verallgemeinern sollte man das nicht.  

Leserfrage: „Gibt es in Tel Aviv kirchliche Unterkünfte?“

B“H
Mit Sicherheit kann ich das nicht sagen, aber wieso muss es denn unbegibt kirchlich sein? Es sind genug andere Hostels unterschiedlicher Preisklassen vorhanden.
Kirchliches gibt es, meines Wissens nach, nur in der Jerusalemer Altstadt wie das Austrian Hostel oder Christ Church Guest House am Jaffator. Beide Einrichtungen sind jedoch eher kostspielig. Zumindest gegenüber anderen Hostels.

Leserfrage: „Pflege / Betreuung und finanzielle Absicherung von Senioren in Israel“

B“H

 

Frage:
Ich soll ein Referat über das „Altern in Israel“ halten und bestimmte Themen bearbeiten:
– Das wohnen (gibt es z.b Wohnheime für Senioren? Sind die behindertengerecht?)
– soziale Absicherung
– Pflege/Betreuung – medizinische Versorgung
– Gesellschaftliche Anerkennung von Älteren
– wann endet die Berufstätigkeit 

 

Antwort:
Die Antworten auf Deine Fragen sind nicht einfach, denn es kommt stets auf den Individualfall an. Zum Beispiel, ob jemand sein Leben lang in die Bituach Leumi (Nationalversicherung) eingezahlt hat und wieviel. Ob jemand private Rentenversicherung laufen hat usw.
Ja, es gibt Seniorenwohnheime und sehr viele davon sind privater Natur. Heißt, sie kosten einen Haufen Geld und müssen noch dazu aus eigener Tasche bezahlt werden. Staatliche Einrichtungen gibt es, aber diese halt immer nur in geringem Rahmen.
Und ja, alles ist behindertengerecht eingerichtet.
Die soziale Absicherung generell ist mit dem deutschen Sozialsystem keineswegs zu vergleichen. In Israel sind sozial weniger gut gestellte Leute gezwungen, sehr viel Eigeninitiative zu ergreifen. Nicht nur diese Leute, sondern eigentliche alle Bürger, denn es wird einem nichts hinterhergeworfen. Die israelische Gesellschaft basiert auf Eigeninitiative, Flexibiliät und jeder muss sich durchkämpfen. Kurz gesagt, es ist nichts so bequem wie in Deutschland. Wobei es gerade in Deutschland auch Veränderungen ins Negative gab: Sprich hohe Mieten, Altersarmut und Flaschensammeln. Auch in Israel ist das ein Thema, denn die Mindestrente ist begrenzt und niemand kann von ihr alleine leben.
Es gibt eine Menge Rentner, die es sich im Winter nicht leisten können, die Heizung aufzudrehen. Glücklicherweise ist der hiesige Winter nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen und auch nur verhältnismäßig kurz. Wer aber will schon bei Kälte unter 10 Grad Celsius gerne ohne Heizung dasitzen?
Immer wieder wird in den Abendnachrichten von bedürftigen Rentnern berichtet. Oft sind sie krank und die Krankenkasse zahlt nur einen Bruchteil der erforderlichen Medikamente. Die medizinische Versorgung ist gut, aber nicht alle Medikamente werden von der Krankenkasse bezahlt. In Israel gibt es einen sogenannten SAL TRUFOT – Medikamentenkorb. Bedeutet, eine Liste mit Medikemanten, welche die Krankenkassen zahlen. Alles, was nicht aufgelistet ist, muss der Kranke aus eigener Tasche zahlen.
Andererseits wird niemand, der sich nicht alles leisten kann, grundsätzlich allein gelassen. Gerade hierzulande gibt es Unmengen an privaten Hilfsorganisationen, an die sich jeder Staatsbürger wenden kann. Man schaue nur auf YAD SARAH sowie viele weitere jüdisch – orthodoxe Einrichtungen. Bei Yad Sarah erhalten auch Moslems Hilfe und nicht nur Juden.
Generell ist die jüdisch – orthodoxe Gesellschaft intensiv an der kostenlose Hilfe in Notfällen engagiert. Von Suppenküchen bis hin zur kostenlosen Medikamentenverteilung, zinslosen Darlehen oder Kleiderkammern. Sogar gebrauchte ausrangierte Brillen kann ein Bedürftiger erhalten, denn gerade eine Brille ist in Israel extrem teuer und muss aus eigener Tasche gezahlt werden. Genauso wie der Zahnarzt. Es sei denn man geht zu einem Zahnarzt bei seiner Krankenkasse, aber dort ist die Qualität häufig wesentlich niedriger.
Es gibt die Krankenpflege zuhause und in dem Fall schickt die Krankenkasse jemanden vorbei, der einem Kranken hilft. Oder auch eine Putzhilfe einmal pro Woche.
Die gesellschaftliche Anerkennung von Senioren ist positiv. Ich würde sogar sagen, deutlich besser als in Deutschland. Israelis sind für ihre Hilfsbereitschaft bestens bekannt und das ist ein sehr positiver Aspekt in unserem Land. Nirgendwo wird jemand eine derartige Hilfsbereitschaft erfahren, wie hier. Israelis sind willig zu helfen, wollen aber nicht ausgenutzt werden.
Männer gehen im Alter von 67 Jahren in Rente. Manchmal auch mit 68. Frauen hingegen können im Alter von 62 Jahren Rente beantragen. Oft ist die Rente zu niedrig und auch in Israel sind viele Rentner gezwungen, sich Nebenjobs zu suchen. Sei es als Wachmann, Putzjobs, etc. Das Leben ist teuer und schon allein für die Miete geht ein Großteil des Einkommens drauf. Wer nicht privat vorsorgt, hat das Nachsehen.
Hier noch ein paar informative Links:
https://www.btl.gov.il/English%20Homepage/Benefits/Old%20Age%20Insurance/Pages/Pensionrates.aspx
https://www.btl.gov.il/English%20Homepage/Benefits/Old%20Age%20Insurance/Pages/default.aspx
https://en.wikipedia.org/wiki/Pensions_in_Israel
https://www.btl.gov.il/English%20Homepage/Benefits/Old%20Age%20Insurance/Conditions/ageofentitlement/Pages/ARetirementage.aspx

 

Lag ba’Omer & ein paar Leserfragen

B“H
In Israel wird heute Abend sowie am morgigen Donnerstag ganz groß der 33. Tage im Omer / Lag ba’Omer gefeiert. Alle Details dazu auf meinem Hamantaschen – Blog:
https://hamantaschen.wordpress.com/2019/05/22/lag-baomer-der-33-tag-im-omer-3/
Die besten Feiern finden sich in ultra – orthodoxen Stadtteilen und vor allem im nordisraelischen Meron.
Beim Lag ba’Omer handelt es sich um eine jüdische Tradition, die lediglich Juden betrifft. Mittlerweile aber ist die Tradition etwas aus den Fugen geraten, was sich gerade am Grab des talmudischen Rabbi Schimon bar Yochai in Meron wiederspiegelt. Hunderttausende Juden haben sich dort versammelt, um heute Abend die Feuer zu zünden. Ich selber war einige Male in Meron, aber nicht am Lag ba’Omer. Das ist mir zuviel Chaos und Trubel.
Es kann sein, dass ich heute Abend zu ein paar chassidischen Gruppen hier in Jerusalem gehe. Wobei die große Action in Meron ist und ausgerechnet einmal nicht in Jerusalem. Ausländische Touristen können heute Abend an die Klagemauer (Kotel) gehen, wo ebenfalls ein Feuer gezündet wird. Selbst bei den derzeitigen 35 Grad Celsius. 🙂 Aber es ist Lag ba’Omer und was soll’s!
Eine Menge Leser fragen nach Supermärkten:
Vielerorts ist es so, dass die billigen Discounter – Ketten eher außerhalb der Stadtzentren liegen. Auch in Tel Aviv und Jerusalem ist das so. Man muss schon einige Busfahrten einplanen, um dorthin zu gelangen, denn in den Innenstädten finden sich höchstens teuere Tante – Emma – Läden (Makolet) oder die teure Shufersal – Supermarktkette. In Tel Aviv sind der AM:PM oder der Super Yuda weit verbreitet, aber dort zahlt der Kunde ein Vielfaches von dem, was die Waren anderswo kosten.
In Jerusalem sind die billigen Ramy Levi und Osher Ad – Ketten in den Stadtteilen Givat Sha’ul und Talpiyot zu finden. Weit ab vom Trubel der Innenstadt. Seblst in Tiberais am See Genezareth befindet sich der Rami Levi an der Stadtteinfahrt und weit weg von der Innenstadt. Falls es den Discounter noch gibt: Nahe des Cafe Aroma von Tiberias war einmal der Billigsupermarkt „Kim’at Chinam“. Vielleicht gibt es den heute noch.
In Tel Aviv kaufen Touristen meistens nur beim AM:PM ein, weil die Filialen halt überall sind. Das Einkaufen ist leicht und schnell, dafür aber sind die Preise saftig. Oberhalb der Ben Yehudah Street ist ein Shufersal. Billiger als jeder AM:PM, aber immer noch teuer. Wer will, kann auf dem Carmel Markt einkaufen, aber selbst dort sollte man wissen, wo genau. Jedenfalls nicht in der Hauptgasse, sondern in den weiter entfernten Nebenstraßen.
Dann fragte jemand nach der Straßenbahn in Tel Aviv. Nun, der Bau wird sich noch über ein paar Jahre hinziehen.
Eine weitere Frage:
Warum kleiden sich ultra – orthodoxe Juden so?
Weil es eben ihre Tradition ist.
Und ja, orthodoxe Juden arbeiten. Wobei viele Leute immer noch nicht zwischen orthodox und ultra – orthodox unterscheiden können.
Auch eine Menge ultra – orthodoxer Juden arbeiten und jene, die nicht arbeiten, verweigern das Geld vom Staat und sie beziehen ihr Einkommen von woanders.

Leserfrage: „Sind israelische Juden Deutschen gegenüber aufgeschlossener als amerikanische Juden?“

Viele Israelis sind Deutschen gegenüber aufgeschlossen, aber man muss dazusagen, dass es bis heute genauso viele Israelis gibt, die sich Deutschen gegen über distanziert verhalten.