Leben in Jerusalem

Startseite » Beitrag verschlagwortet mit 'Leserfrage'

Schlagwort-Archive: Leserfrage

Leserfrage: Warum dürfen die Menschen von Gaza nicht nach Jerusalem?

B“H
Dürfen sie, aber nur zu gegebenen Anlässen wie muslimische Feiertagsgebete auf dem Tempelberg. Jetzt zum Ramadan – Ausklang, zum Beispiel. 
Warum? Warum? Warum?
Weil die Hamas sowie weitere palästinensische Terrororganisationen die Reisefreiheit der Palästinenser von Gaza in der Vergangenheit ausnutzten und es ständig zu Terrorattacken gegen Juden kam.
Der Gazastreifen ist palästinensische Autonomie und der Brennpunkt der Hamas. Man weiß nie, wer kommt und was jemand vorhat. Andererseits werden Palästinenser, auch aus Gaza, bei schweren Krankheiten in israelischen Krankenhäusern behandelt. 
Palästinenser aus der Autonomie Bethlehem oder Jericho kommen täglich nach Jerusalem. Zum Shoppen, Beten oder zum Arbeiten. Mit Arbeitserlaubnis, da die Autonomie Ausland ist. Der Bus von Bethlehem nach Jerusalem fährt alle 15 Minuten oder halbe Stunde. Und zwar bei mir am Stadtteil vorbei zum Damaskustor.
Und darf ich diesen palästinensischen Bus nehmen, wenn ich denn zum Damaskustor will? NEIN! Der palästinensische Busfahrer lässt keine jüdischen Fahrgäste rein. Nur Moslems und Touristen. Dagegen fahren Palästinenser ganz normal mit israelischen Egged – Bussen.
Wo also steckt da die angebliche Apartheid?

Leserfrage: „Brotaufstrich in Israel“

B“H
Hm, Brotaufstrich in Israel. Was genau soll man dazu sagen? Vielleicht Nutella?
Da fällt mir gleich der aktuelle Nutella – Artikel in der britischen Daily Mail ein. 🙂
http://www.dailymail.co.uk/news/article-4582160/Viral-photo-shows-actually-goes-Nutella-jar.html
Ich würde jetzt einfach mal behaupten, dass Nutella in Israel nicht die Popularität besitzt, wie in Deutschland. Einfach aus dem Grund, weil israelische Kinder zum Frühstück Cornflakes bevorzugen. All das Zuckerzeugs mit Schokolade, Zimt und Nüssen. Schnell morgens aufgestanden, Cornflakes in die Schale und Milch drüber. Das macht dann genauso fett wie Nutella und ist genauso ungesund.
Es gibt übrigens ein israelisches Nutella, was ausschaut wie vom Aldi. Bestehend aus Kakao, ungesundem Rapsöl und Zucker. Vor Ewigkeiten habe ich mir das mal gekauft und seither steht es bei mir im Kühlschrank. Vom Geschmack her ist es Nutella ähnlich, nur halt nicht so cremig.
Brotaufstrich Nummer Ein in Israel dürften jedoch Hüttenkäse (Cottage) und cremiger weißer Streichkäse sein.

Leserfrage: „Sind Israelis unfreundlich?“

B“H
Meine Antwort lautet, dass es in Israel nicht viel anders ist als überall auf der Welt auch. Es gibt freundliche und es gibt halt auch unfreundliche Leute. Wobei man vielleicht nicht immer sofort automatisch „unfreundlich“ sagen sollte, denn jeder halt mal einen schlechten Tag, ist mit dem falschen Fuß aufgestanden oder einfach nur genervt.
Es kommt immer darauf, wen man trifft und auch, wie man selber reagiert oder jemanden anspricht. Als ich einige Zeit in Tel Aviv lebte, sagten mir meine Arbeitskollegen, dass sie junge deutsche Touristen als extrem arrogant empfinden. Die würden so von oben herab reden und alles besser wissen. Nicht alle, aber halt auffällig viele Deutsche zwischen 18 – 30 Jahren.
Was ich dazu sagen kann ist, dass auffällig viele Deutsche tatsächlich alles besser wissen wollen und Leuten in anderen Ländern erklären, wie sie ihr Land zu regieren und ihr Leben zu leben haben. Weil etwas in Deutschland funktioniert wird gemeint, dass das dann überall zutreffen müsse. Es gab einmal eine Zeit, da wollten mir Deutsche, die teils noch nie in Israel waren und falls ja, dann kurzweilig als Tourist, mir den Friedensprozess erklären. Das geht einem dann ziemlich schnell auf den Zeiger. Noch dazu, wenn diese Leute absolut keine Ahnung von Land und Geschichte haben.
Trotzdem sehe ich nicht alle Deutsche als unfreundlich oder besserwisserisch, denn es gibt eine Menge positiver Beispiele. Wenn jedoch wieder einmal ein deutscher Tourist arrogant oder oberlehrerhaft daherkommt, reagieren viele Israelis einfach genervt.
Was vielleicht noch den deutschen Charakter gegenüber dem israelischen ausmacht ist, dass Deutsche unglaublich lange brauchen, um auf den Punkt zu kommen. Israelis fallen häufig mit der Türe ins Haus, was wiederum Touristen ggf. negativ auffassen. Wenn ein Israeli eine Frage stellt, so will er keine Story oder Rechtfertigungen hören, sondern eine präzise Antwort. Dies gilt insbesondere bei Behörden, beim Arzt und am Arbeitsplatz. Man sagt, was Sache ist: JA oder NEIN!
Ein weiterer Punkt kann die Sprache sein, denn nicht gerade wenige Israelis beherrschen die englische Sprache alles andere als perfekt. Da werden falsche Worte und Ausdrucksweisen benutzt und das Gegenüber bekommt so einen falschen Eindruck.
Die Mentalität des Nahen Ostens ist laut und so reden die Leute hierzulande laut. Touristen fassen dies oft als Streitereien auf, dabei wird sich lediglich unterhalten.
Aber, wie gesagt, es ist immer abhängig davon, wen man trifft. 🙂

Leserfrage: Schließfächer in Tel Aviv, Jerusalem, etc.

B“H
In fast jedem deutschen Bahnhof dürfte es Schließfächer geben, doch in Israel ist das nicht der Fall. Der Grund ist kurz erklärt: Schließfächer wären ein zu hohes Sicherheitsrisiko, denn wer kann schon wissen, wer da was deponiert.
Wenn Ihr Euer Gepäck irgendwo abstellen bzw. zwischenparken wollt, dann fragt im Hostel / Hotel nach. Die machen das normalerweise, doch nicht alle bieten den Service kostenlos an.

Leserfrage: 30. Mai alles zu in Israel?

B“H
Ist am 30. Mai in Israel alles zu?
Ja und Nein!
Am Abend des 30. Mai (Dienstag) beginnt in diesem Jahr der eintägige jüdische Feiertag SCHAVUOT (das Wochenfest). Der Tag, an dem die Juden am Berg Sinai von G – tt die Thora erhielten. Bei Schavuot handelt es sich neben Pessach und Sukkot um einen hohen jüdischen Feiertag. In Israel wird er einen Tag lang gefeiert und in der Diaspora zwei Tage lang.
Wie gesagt, am Abend des 30. Mai beginnt diesmal Schavuot. Demnach ist dieser Tag ein „halber“ Tag. Ähnlich wie der Freitag vor dem Schabbatbeginn. Die Busse stellen am späten Nachmittag den Verkehr ein und die meisten Geschäfte schließen.
Am darauffolgenden Tag, dem 31. Mai (Mittwoch), ist Feiertag und arbeitsfrei. Erst ab circa 20.30 Uhr abends fahren wieder die Busse und Schavuot endet.

Leserfrage: „Kaum Krebserkrankte in Jerusalem?“

B“H
Sobald jemand durch Google auf meinen Blog kommt, wird mir angezeigt, was derjenige denn gegoogelt hat. Aus diesen Anzeigen entnehme ich die Mehrheit aller Leserfragen und hier kommt gleich wieder eine aktuelle Frage:
Gibt es in Jerusalem weniger Leute, die an Krebs erkranken?
Die Antwort darauf lautet eindeutig NEIN. In Jerusalem erkranken genauso viele Menschen an Krebs wie fast an allen anderen Orten der Welt. Die Stadt Jerusalem allein steht nicht automatisch für HEILUNG, wie sich das einige religiöse Christen vielleicht versprechen. Niemand, der hier ankommt und aus dem Bus steigt, wird sogleich von einer Krankheit geheilt.
Und ein kleiner Tipp noch: Wenn Euch Leute auf dem Ölberg heilende Wässerchen oder was auch immer verkaufen wollen, spart Euch das Geld und kauft Euch lieber was Gutes zum Essen. Vor Jahren standen am Ölberg einmal eine deutsche und eine schweizer Touristin, die dort angebliche Heilwasser verkauften. Kleine Flaschen mit Leitungswasser aus deren Hostel, denn die Damen mussten ihr Hostelzimmer irgendwie finanzieren.
Weder auf dem Ölberg noch irgendwo in Jerusalem existieren heilende Quellen oder sowas. Quellen mit sprudelndem heißen Wasser (gegen Rheuma) gibt es in Tiberias am See Genezareth (Kinneret). Oder das Wasser des Toten Meeres soll gegen Allergien helfen. Aber so religiöse Heilwasser sind reine Erfindung und Abzockerei!

Leserfrage: „Armut und soziale Probleme in Israel“

B“H
Ein Blogleser fragte nach der Armut und den sozialen Problemen in Israel. Über all die Themen berichtete ich in zahlreichen Artikeln auf meinem alten Blog
http://lebeninjerusalem.blogspot.co.il/search/label/soziales
sowie natürlich auch auf diesem Blog
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/tag/armut-in-israel/

 

DSC01114

Photo: Miriam Woelke

 

Armut und Soziales sind stets präsent in Israel und damit meine ich nicht den Nahostkonflikt. Es gibt arme Juden und arme Moslems im Land. Gerade jetzt, zwei Wochen vor Pessach, macht sich das erneut bemerkbar. In genau zwei Wochen feiert die jüdische Welt die Pessach – Seder (am ersten Abend des Feiertags). Es soll gut gegessen und Wein getrunken werden. Und gerade jetzt stehen die Bedürftigen Schlange an den Pessach – Fresspaket – Ausgabestellen. Ewig lange Schlangen und viele der Bedürftigen sind aus Russland eingewanderte Senioren.
Die Lebenshaltungskosten sind hoch und wer nur von einer kleinen Rente leben muss, geht nicht selten zur Suppenküche.
Seit ein paar Wochen berichtet eine Zeitung zum Thema ARMUT in verschiedenen Städten Israels. Insbesondere werden Bewohner der als arm bekannten Stadtteile interviewt. Wer im SCHIKUN (sozialen Wohnungsbau) wohnt. Sozialwohnungen sind meistens von weitem zu erkennen. Schmuddelig und vernachlässigt. Die Bewohner sind nicht gerade das, was man sich unter einer guten Nachbarschaft vorstellt. Suchtkranke, Gewalt in der Familie, Jugendgangs, etc. Alles ist dort vertreten. Äthiopier genauso wie Russen. Gegenden, die kein Tourist sieht und Einheimische sich nicht unbedingt dorthin verirren. 
Wer eine Sozialwohnung will, der muss aufs Amt und einen Antrag stellen. Wartezeit je nach Stadt und Lage. In Tel Aviv kann man mit zehn Jahren rechnen, in Jerusalem vermutlich auch. Wer schnell eine Sozialbleibe sucht und in die Kategorie ARMUT passt, muss in die Wüste nach Arad, Dimona oder Mitzpe Ramon ziehen. Oder in den Norden nach Ariel oder Kiryat Shemona. Kleinstädte ohne viel Industrie und die Aussicht auf einen Job ist fast Null. Wer dorthin zieht, der bleibt bei der Stütze.
Daneben gibt es aber auch sehr wohlhabende Stadtteile und Städte wie Ra’anana, Hod Hasharon, Kfar Saba oder Herzliya. Wobei dies jedoch nicht bedeutet, dass dort kein einziger armer Israeli lebt. Wer dagegen durch Holon oder Bat Yam fährt, erlebt den SCHIKUN um Tel Aviv. In Jerusalem stehen eine Menge Sozialbauten im Stadtteil Katamonim oder in Kiryat Menachem. In der Vergangenheit war der heute besser betuchte Stadtteil Baka einmal vom sozialen Wohnungsbau geprägt und niemand wollte dort wohnen. Jetzt ist es genau ins Gegenteil umgeschlagen, obwohl man selbst in Derech Beit Lechem Street immer noch Zeichen vom alten SCHIKUN sehen kann.