Leben in Jerusalem

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Leserfragen: „Wie ist das Leben in Israel?“, „Schlechte Lebensbedingungen?“ und „Geschäftsleute“

B“H
Wie ist das Leben in Israel?
Definitiv anders als in Deutschland, der Schweiz oder in Österreich, denn Israel liegt im Nahen Osten und dementsprechend ist die Mentalität.
Vielleicht können die Fragesteller diese Frage etwas mehr spezifizieren!
Schlechte Lebensbedingungen in Israel?
Definitiv nicht, denn es kommt immer darauf an, was jemand erwartet. Das Leben in Israel ist härter als in Deutschland, denn die Lebenshaltungskosten liegen hoch und die Einkommen niedriger. Ein Israeli gibt einen Großteil seines Gehaltes für Miete, Lebensmittel und anderweitige Rechnungen aus.
Man kann das Leben hier nicht mit dem in Deutschland vergleichen, denn es gelten andere Regeln und alles ist anders. In Israel leben bedeutet viel Eigeninitiative entwickeln und innovativ und flexibel sein. Man muss sich um alles kümmern, denn der Staat allein kümmert sich nicht. Von daher sind die Menschen in Deutschland sozial deutlich besser abgesichert.
Leben in Israel Geschäftsleute?
Ja, eine ganze Menge sogar. In Israel haben wir Groß – und Kleinunternehmen. Mittelständische Unternehmen sind ebenso zahlreich vertreten. Es gibt hierzulande sehr viele Geschäftsleute und es werden hohe Steuern und Abgaben gezahlt.
Übrigens gibt es auch sehr viele Ultra – orthodoxe sowie palästinensische Geschäftsleute. Jeder kann sich selbstständig machen und Meisterprüfungen gibt es nicht. In bestimmten Berufen werden offizielle Prüfungen abgelegt, doch mit dem deutschen Meister ist das nicht vergleichbar.
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Leserfrage: „Was kostet eine Fahrt im NESHER TAXI von Jerusalem zum Flughafen?“

B“H
Gute Frage und ich kann sie nicht genau beantworten. Um die 60 Schekel (circa 15 Euro) würde ich sagen. Außerdem könnt Ihr genauso gut mit der Buslinie 485 fahren.
https://www.touristisrael.com/public-transport/getting-to-and-from-ben-gurion-airport/
Der Vorteil bei Nesher ist, dass die Euch mit ihrem Kleinbus direkt abholen.
http://www.neshertours.co.il/en
Was ich auch noch fand:

http://www.iaa.gov.il/en-US/airports/bengurion/Pages/TaxiFareCalculator.aspx

Diese Site kalkuliert eine stinknormale Taxifahrt vom Flughafen in allen möglichen Orte Israels. Vom Flughafen nach Jerusalem wären das 260 Schekel (circa 65 Euro). Eine ganz schöne Abzocke und da lohnt es sich, nach den NESHER – Kleinbussen Ausschau zu halten.

Leserfrage: „Gibt es eine Seilbahn in Jerusalem?“

B“H
Nein, eine Seilbahn gibt es noch nicht. Sie ist aber in Planung und in meinem Stadtteil wird in einem Kommittee bereits eifrig diskutiert. Die Pros und Cons, denn es betrifft die Ruhe in Abu Tur. Oder auch die ehemalige Ruhe, denn die Seilbahn soll genau über uns hinweggehen bzw. es soll eine Haltestelle entstehen. 

 

Die geplante Seilbahn vom Alten Busbahnhof / Chan Theater bis in die Jerusalemer Altstadt (Dung Gate)

 

 

Leserfrage: „Zur Bituach Leumi“

B“H
Jemand fragte nach der BITUACH MENAHALIM und dazu gibt es hier ausführliche Infos:
http://www.elephant.org.il/employee-benefits/
Die Bituach Leumi Beiträge richten sich nach der Höhe des Monatsgehaltes und werden monatlich automatisch vom Gehalt abgezogen. Die Gehaltsabrechnung weist den Beitrag an die Bituach aus.
Wer nicht arbeitet und keine staatliche Arbeitslosenunterstützung bekommt, ist verpflichtet, der Bituach Leumi einen monatlichen Betrag von circa 170 Schekel zu zahlen. Normalerweise wird der Betrag vierteljährlich vom Konto abgebucht. Also insgesamt 510 Schekel. Dazu muss eine Einzugsermächtigung vorliegen oder halt die Kreditkartennummer.
Wer direkt zur Bituach Leumi in Jerusalem geht, kann keine Bareinzahlungen tätigen, sondern es kann nur mit Kreditkarte gezahlt werden!!!
Wer die Zahlungen an die Bituach Leumi versäumt, kann zu Geldstrafen verurteilt werden.
Jeder sollte sich individuell bei der Bituach erkundigen!
https://www.btl.gov.il/English%20homepage/Pages/default.aspx

Leserfrage zur Grundsteuer in Israel

B“H
Zu dem Thema habe ich bereits hier ausführlich geschrieben:
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2017/02/07/arnona-horaat-kewa-und-die-palaestinensische-gesellschaft/
Allgemein muss man sagen, dass die Grundsteuer (Arnona) von Kommune zu Kommune anders berechnet wird. Des Weiteren kommt es auf den jeweiligen Stadtteil an, denn auch jeder Stadtteil wird anders berechnet. Und dann kommt es auch noch auf die jeweilige Quadratmeterzahl der Wohnung an. Je größer die Wohnung, desto höher die Arnona.
Momentan schicken die Kommunen die Arnona – Rechnungen für 2019 raus. Die Rechnung wird jedesmal für das gesamte Jahr ausgestellt und beträgt daher mehrere Tausend Schekel.
Wer nicht alles auf einmal zahlen kann, muss monatliche Ratenzahlung vereinbaren, was per Banklastschrift geschieht. Dazu muss man zu seiner Bank und eine Erlaubnis beantragen. Einfach so von sich aus Lastschrifteinzug machen, geht in Israel nicht. Zuerst muss man immer zu seiner Bank und sich eine offizielle Bewilligung holen. Und danach mit dem Papierkram zur Stadtverwaltung. In Jerusalem reicht es, wenn man die Bankbewilligung (Hora’at Kewa) faxt!
Touristen, die in Israel leben, müssen bei der Stadtverwaltung zwecks Arnona – Zahlungen eine gültige Aufenthaltsgenehmigung vorlegen.

Leserfrage: „Israelisches Rabbanut?“

B“H
Jede größere Stadt hat eine Rabbanut (Oberrabbinat), doch die Hauptniederlassung befindet sich in Jerusalem mit dem jeweiligen landesweiten Oberrabbiner.
Ein Oberrabbinat hat stets zwei Abteilungen: Eine für aschkenazische Juden und eine weitere für das sephardische Judentum. Letzterem gehören auch äthiopische Juden an, wenn sie denn laut der Halacha wirklich Juden sind.
Aktuell ist Rabbi David Lau der aschkenazische Oberrabbiner Israels und Rabbi Yitzchak Yosef ist der sephardische Oberrabbiner.
Chassidische Gruppierungen haben ihre eigenen Rebbes und ordnen sich normalerweise nicht dem staatlichen Oberrabbinat unter. Die beiden Oberrabbiner des Oberrabbinates sind politisch gewollt und oft spielt das jüdische Wissen bzw. die religöse Kompetenz nicht unbedingt eine Rolle. Außerdem sind diese beiden Rabbiner staatliche Angestellte.
Das Oberrabbinat von Jerusalem befindet sich nur wenige Meter entfernt vom Zentralen Busbahnhof.

Leserfrage: „Deutschsprachige Ärzte in Jerusalem?“

B“H
Es kann sein, dass der ein oder andere Arzt ein paar Fetzen Deutsch kann; so richtiges Deutsch bei einem Arzt ist mir noch nie untergekommen. Eine Bekannte erzählte, dass in Mevasseret Zion ein deutscher Arzt bei einer Krankenkasse arbeiten würde, doch der sei so unfreundlich, dass sie (als Nichtdeutsche) schnell wieder abgehauen sei.
Wo einige Ärzte Deutsch sprechen ist in palästinensischen Kliniken in Ostjerusalem und Ramallah. Viele Palästinenser studieren Medizin in Deutschland und sind daher der deutschen Sprache mächtig.
Für Tel Aviv und Umgebung gibt die Deutsche Botschaft diese Liste raus:
https://tel-aviv.diplo.de/blob/2085668/af0e09bdb881b342424331cf41f88acf/aerzteliste-data.pdf
Ich muss ganz ehrlich sagen: In all meiner Zeit hier ist mir noch nie ein deutschsprachiger Arzt über den Weg gelaufen.
Falls der Fragesteller ein nach Israel ausgewanderter Jude sein sollte:
Von Neueinwanderern wird erwartet, die hebräische Sprache zu lernen. Dafür zahlt der Staat Israel eine Menge Geld und wenn Leute nach Ewigkeiten immer noch kein Ivrit können, werden Israelis schon mal sauer, denn sie sehen ihre Steuergelder verschwendet.
Meiner Erfahrung nach kann jeder Patient sich irgendwie bei einem Arzt verständlich machen. Es kommen auch Palästinenser ins Krankenhaus, die kein Hebräisch können. Irgendwie funktioniert es immer, doch im Fall von Russisch oder Arabisch finden sich normalerweise nicht weit entfernt Leute, die übersetzen. Gestern erlebte ich es erst wieder bei meiner Krankenkasse, wo eine Angestellte laut in die Warterunde fragte, ob denn jemand Russisch könne.
In arabischen Krankenhäusern findet sich eher jemand, der der deutschen Sprache mächtig ist. Im Hadassah oder Shaare Zedek Hospital von Jerusalem sind Hebräisch, Arabisch, Russisch und Englisch angesagt.
Mal davon abgesehen: Jeder Neueinwanderer hadert mit der neuen Sprache, aber man muss sich daran gewöhnen. Wer ins Krankenhaus muss, kann nicht erwarten, dass er von vorne bis hinten auf Deutsch bedient wird. Das gibt es einfach nicht und vor meinem Krankenhausaufenthalt lernte ich aus dem Wörterbuch erst einmal Vokabeln wie Gallenblase, Darm sowie alle möglichen Organe. Und es hat funktioniert. Selten einmal muss ich auf Englisch nachfragen wie, u.a, spezifische Wörter a la „Die Tumorwurzel“ oder so in der Art.
Innerhalb kurzer Zeit habe ich viele medizinische Vokabeln schnell dazugelernt, denn es bleibt einem nichts anderes übrig. Etwas Arabisch gab es gleich mit dazu, denn zweimal waren meine Zimmergenossen Palästinenserinnen.
Wer in ein anderes Land auswandert, der muss die jeweilige Landessprache lernen!!! Touristen, wenn es sich nicht gerade um einen Notfall handelt, sollten sich in Deutschland behandeln lassen.
Noch ein kleiner Tipp:
In Israel wird für CT oder MRI die englische Version wie CI TI und MEM AR EI benutzt. Morphium heißt MORPHIN. Cortison trägt denselben Namen und Chemotherapie heißt KIMOTHERAPIAH. Und Katheter bleibt dasselbe Wort. 
Manches lässt sich ins Deutsche ableiten und wer gar nicht klarkommt, muss sich in Deutschland behandeln lassen oder halt jemanden zur Behandlung mitbringen, der übersetzt.