Leben in Jerusalem

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Leserfrage: „Haredim Gur“ – Die chassidische Gruppe GUR

B“H
Zur chassidischen Gruppe GUR (Jiddisch: GER) habe ich auf meinem Hamantaschen – Blog sehr viele Inhalte verfasst.
Auf meinem alten Hamantaschen
http://hamantaschen.blogspot.co.il/search/label/Chassidut%20Gur
genauso wie auf dem neuen Hamantaschen bei WordPress
https://hamantaschen.wordpress.com/category/chassidut-gur/
Bis vor ein paar Jahren hatte ich einen chassidischen Blog, auf dem ich viele Details zu allerlei chassidischen Gruppen gab. Leider wurde der Blog immer wieder als Quelle benutzt. Und zwar von Leuten, die von der Thematik nichts wissen, jedoch meinten, Zeitungsartikel oder Bücher verfassen zu müssen.
Kurz gesagt, ich schloss den Blog, da Inhalte geklaut wurden, ohne mich hinterher als Quelle anzugeben.
Wer etwas über die chassidische Gruppe GUR erfahren will, kann mich entweder direkt auf Gmail anschreiben oder einen Blogkommentar hinterlassen. 🙂
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Leserfrage: „Werden Juden in Israel benachteiligt?“

B“H
Jemand stellte diese Frage, wobei ich die Frage an sich nicht ganz verstehe.
Man höre und staune, aber es gibt Juden, die in Israel benachteiligt werden: Nämlich Ultra – Orthodoxe Juden (Haredim) bei der Arbeitssuche.
Jetzt könnte man meinen, dass die Haredim ja eh alle ohne besondere Schulbildung seien. Diese Behauptung stimmt schon lange nicht mehr, denn in vielen Teilen des Landes (und vor allem in Jerusalem) gibt es hauseigene Unis der Haredim. Unter dem Namen „AKADEMIE“ finden sich technische, wissenschaftliche, medizinische genauso wie wirtschaftliche Studien. Im israelischen IT – Bereich arbeiten heute auch eine Menge Haredim. Frauen wie Männer. So manches Startup ist in haredischer Hand.
Zahlreiche qualifizierte Haredim machten bei der Jobsuche negative Erfahrungen, denn aufgrund ihres frommen Lebensstiles wollte man sie nicht einstellen. Dabei hätten sie sich auf der Arbeit angepasst.
Ich selber habe in der Vergangenheit und tue dies auch aktuell, mit Haredim zusammengearbeitet. Bei mir auf der Arbeit findet man Haredim genauso wie ein paar säkulare Juden. Vielleicht nicht so ganz säkular, sondern eher noch traditionell, denn es wird koscher gegessen.
Eine weitere Benachteiligung: Israelische Juden werden nicht in palästinensischen Linienbussen mitgenommen. Palästinenser hingegen steigen in jeden israelischen Linienbus ein. Da gibt es keine Einschränkungen. Umgekehrt aber schon.
Dasselbe gilt bei palästinensischen Wohngebieten: Wenn ich den Stadtteil, in dem ich lebe als Beispiel nehmen darf – Palästinenser durchqueren ungehindert unsere Straßen, doch sobald ein Jude ihren Stadtteil betritt, kommt der Lynchmob angerannt.

Leserfrage: „Busse an Sukkot (in Israel)“

B“H

In Israel ist der erste Sukkot – Feiertage gerade zuende gegangen und in circa einer Stunde dürften die Busse wieder fahren.

Am morgigen Freitag fahren die Busse ganz normal bis zum späten Nachmittag. Der Schabbat beginnt gegen 17.30 Uhr. Geht davon aus, dass die Busse eine Stunde zuvor den Verkehr einstellen. Samstagabend ab circa 19.30 Uhr werden die Busse dann wieder fahren.

Sonntag, 8. Oktober, Montag, 9. Oktober & Dienstag, 10. Oktober 2017: Die Busse fahren ganz normal.

Mittwoch, 11. Oktober: Die Busse fahren nur wieder bis circa 16.00 Uhr.

Donnerstag, 12. Oktober: FEIERTAG IN ISRAEL und gleichzeitig der letzte Sukkot – Feiertag
Die Busse fahren erst wieder nach 19.30 Uhr

 

Leserfrage: „Muss man in Jerusalem ein Kopftuch tragen?“

B“H
Wieso sollte man in Jerusalem ein Kopftuch tragen müssen? Wegen den Palästinensern oder wegen diverser christlicher Glaubensausrichtungen wie. z.B., der russisch – orthodoxen Kirche?
Es gibt russische Touristinnen, die sich in Jerusalem anscheinend auf Pilgerfahrt befinden und die sich zwecks Kirchenbesuch ein Kopftuch aufsetzen. Das ist wohl so deren Brauch.
Wegen des Islam setzt sich niemand ein Kopftuch auf, es sei denn, jemand ist strenggläubige Muslima.
Verheiratete jüdisch – religiöse Frauen bedecken ihre Haare nicht mit einem Kopftuch! Bei der Kopfbedeckung dieser Frauen kommt es auf deren religiösen Hintergrund an. Sind sie nationalreligiös, so tragen viele von ihnen moderne Tücher um die Haare gebunden. Diverse seltsame Touristinnen mit christlichem Hintergrund versuchen nicht selten, irgendwie jüdisch zu wirken und binden sich auch ein solches Tuch um die Haarpracht, was dann ziemlich unecht und sogar lächerlich ausschaut.
Verheiratete Ultra – Orthodoxe Frauen wiederum tragen meistens eine Perücke. Nur mit Kopftuch läuft niemand herum. Selbst die moslemische Frauen nicht, denn die tragen vorwiegend Hijab oder wie das auch alles heißen mag.
Man muss in Jerusalem kein Kopftuch tragen! Warum auch?

Leserfrage: „Gibt es in Israel behinderte Kinder?“

B“H
Ja, gibt es! Das ist in Israel nicht anders als in anderen Ländern. Und auch hierzulande gibt es Behinderteneinrichtungen. Jerusalem, zum Beispiel, ist bekannt für seine große Blindenschule. Für Rollstuhlfahrer haben die meisten Egged – Stadtbusse spezielle Vorrichtungen an den Türen, damit Rollstuhlfahrer in die Busse steigen können. Ebenso gibt es mehrere Einrichtungen für geistig Behinderte jeden Alters. Und all das nicht nur in Jerusalem.
Übrigens existieren auch in der Ultra – Orthodoxen (haredischen) Welt Behinderteneinrichtungen.

Leserfrage: „Was arbeiten Orthodoxe Juden in Amerika?“

B“H
Nach wie vor zählen meine Artikel zum Orthodoxen Judentum und wie sich Orthodoxe Juden finanzieren, zu den am meisten gelesenen auf diesem Blog. Dabei berichtete und berichte ich zu dem Thema viel ausführlicher auf meinem religiösen Hamantaschen – Blog. 🙂
Und was ich dabei immer wieder wiederhole, sind die Definitionen zu allem, was man „Jüdisch – Orthodox“ oder „Ultra – Orthodox (Haredi)“ nennt. Ein Orthodoxer Jude, zum Beispiel, ist gar nicht immer als solcher von außen zu erkennen. Er kann mit Jeans und T – Shirt rumlaufen, hat eine Kipa auf dem Kopf und trägt Sandalen oder Sneakers. Gleichzeitig aber betet er regelmäßig, ißt koscher und hält den Schabbat ein.
Nicht nur in Deutschland stellt man sich Orthodoxe Juden eher als Hinterwäldler vor, die da lange schwarze Kaftane und komische Hüte tragen, sich vom Staat aushalten lassen und sonst auch noch ungebildet und arbeitsscheu sind. Dass es zahlreiche Unterschiede innerhalb der Orthodoxie gibt und dass ein Orthodoxer genauso gut eine Jeans anhat, wird gar nicht erst zur Kenntnis genommen. Dann nämlich müsste man sich mit dem Thema auseinandersetzen und ddies wiederum ist den Leuten, insbesondere den Journalisten, zu kompliziert. Da werden dann lieber alle Orthodoxen Juden über einen Kamm geschert. Der deutsche Nachrichtenkonsument kennt ja eh die Unterschiede nicht und dann braucht sich auch kein Journalist die Mühe zu machen.
Nicht nur bei Orthodoxen Juden gibt es gravierende Unterschiede. Auch im Ultra – Orthodoxen Judentum ist nicht alles ein und dasselbe. Ganz zu schweigen davon, dass sich allein aschkenazische und sephardische Juden wesentlich unterscheiden. Nicht nur vom Äußeren her, sondern auch in ihren Bräuchen und diversen rabbinischen Auslegungen (wie, u.a., das rituelle Schächten eines koscheren Tieres).
In der Regel arbeiten Orthodoxe Juden und gehen auch zur Armee. In der Ultra – Orthodoxen Gesellschaft Israels wird mehr gearbeitet als Außenstehende das annehmen. Die Armee wird aus unterschiedlichen Gründen abgelehnt. Nicht nur immer aufgrund antizionistischer Ideologien, sondern aus dem Grund, dass es keine reinen Ultra – Orthodoxen Armeeeinheiten gibt. Jedenfalls noch nicht. Klar existiert eine sogenannte NACHAL HA’CHAREDI, doch diese Einheit war nur zu Beginn ihrer Gründung „haredisch – Ultra – Orthodox“. Kurz darauf wurde die Einheit mit nationalreligiösen Juden besetzt und schon war der einstige haredische Charakter dahin.
Aber die Leserfrage lautet ja, was Orthodoxen Juden in Amerika arbeiten. Die Antwort darauf lautet: Alles Mögliche. Vom Fabrikarbeiter bis hin zum Anwalt, Arzt oder Psychologen ist alles vertreten. Und die Ultra – Orthodoxie Amerikas arbeitet mehr als ihr Gegenpart in Israel und ist teilweise auch besser qualifiziert.
Aber auch hier in Israel finden wir Orthodoxe und Ultra – Orthodoxe Anwälte, Ärzte, Manager, Broker oder Unternehmer. Die größte israelische Optikerkette Halperin ist fest in Orthodoxer Hand. Und die Startup Branche boomt selbst innerhalb der Orthodoxie.
Es ist extrem wichtig, Orthodoxie und Ultra – Orthodoxie zu unterscheiden, denn, wie gesagt, nicht jeder Orthodoxer Jude ist auf den ersten Blick als solcher zu erkennen. Ultra – Orthodoxe Juden hingegen schon.

Leserfrage: „Kann eine Auswanderung am Heimweh scheitern?“

B“H
Kann eine Auswanderung, egal, in welches Land, am Heimweh scheitern?
Ja, absolut!
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich im Herbst 1987 zum ersten Mal nach Israel kam und einen wahren Kulturschock erlitt. Dieser Schock begann bereits am damaligen Alten Busbahnhof von Tel Aviv. Heute vermisse ich dieses Chaos von damals, womit ich mich auf den versifften Busbahnhof beziehe. Aber immerhin kosteten die Stadtbusse zu der Zeit nur 70 Agorot (ca. 20 Cent). Und zum Telefonieren mussten man erst Assimonim (Telefonmünzen) kaufen. Telefonkarten gab es noch nicht und Handys waren Zukunftsmusik.
Auch das Internet war noch weit weg und wer sich zu der Zeit über Deutschland informieren wollte, der musste eine teure Ausgabe einer deutschen Zeitung kaufen. Selbst auf die BILD haben wir uns damals gestürzt. Heute dagegen reicht ein Klick im Internet und man weiß alles. Von Youtube erst gar nicht zu reden. Ich dagegen schleppte in den Achtzigern einen Weltempfänger mit mir rum und hörte ab und zu Deutsche Welle.
Vielleicht war es das fehlende Internet, was vor Dreißig Jahren das Heimweh stärker aufkommen liess. Wer jedoch mehrere Jahre aus Deutschland weg ist, dem erscheint das Land, mit oder ohne Internet, immer fremder.
Bei einer Auswanderung kommt alles auf die innere Einstellung des Auswanderers an. Zieht, z.B. ein Deutscher nach Mallorca, so sehe ich das nicht als Auswanderung, sondern eher als Umzug innerhalb Europas. Es gibt auf Mallorca offenbar einen Lidl, alle deutschen TV Sender, deutsche Kneipen und und und. Außerdem besitzt derjenige einen EU – Paß und muss keinerlei Aufenthaltsgenehmigungen einholen.
Wenn Leute mit einem zu deutschen Mindset auswandern und dementsprechend ihre Erwartungen nicht erfüllt sehen, kann dies schnell zum Heimweh führen. Deutsches Essen, die deutsche Mentalität oder Sprache werden vermisst. Insbesondere auch Freunde und Verwandte.
Vor einer Auswanderung muss sich immer erst mit dem neuen Heimatland auseinandergesetzt werden. Vom Erlernen der Sprache bis hin zum neuen Arbeitsplatz. Erwartungen sollten heruntergeschraubt werden, denn es wird garantiert nicht alles wie in Deutschland sein. Die Wohnung ist ggf. spartanischer, der Job weniger gut bezahlt. Wenn man denn nicht zuerst in einer weniger beliebten Position arbeiten muss.
In der Vergangenheit dieses Blogs, den ich mittlerweile schon mehr als zehn Jahre unterhalte, kam es immer wieder vor, dass mir Kommentatoren aus Deutschland schrieben: „Der Ton macht die Musik!“
Eine typisch deutsche Aussage, wie ich finde.
Ich habe mir dann immer vorgestellt, wie denn Israelis reagieren täten, käme ich mit dem Zitat: „Der Ton macht die Musik!“ daher. Wer sich in Israel auskennt, der lacht jetzt los.
Okay, bei vielen Gelegenheiten verhält man sich sachlich. Andererseits sollte sich jeder beim Gang auf israelische Ämter oder bei andere Institutionen, darauf einrichten, angeraunzt zu werden. Einfach so. Was übrigens nicht immer negativ gemeint ist, aber die Leute sind hierzulande nicht gerade zimperlich im Umgang.
Und wenn dann jemand kommt und meint, der Ton mache die Musik, dann ist erst recht was los. Mit derlei Sprüchen und Erwartungen kommt man in Israel nicht weit. In anderen Ländern vermutlich ebenso wenig.
Das beste Mittel gegen Heimweh ist, sich in der neuen Heimat Freunde und einen Job zu suchen. Ein Zuhause aufzubauen. Egal, wie klein und minimal dieses am Anfang auch sein mag. Bescheiden beginnen und nicht zuviel erwarten. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die jeweilige Landessprache. Wer die nicht lernt, wird sich niemals so richtig zuhause fühlen.
Und noch etwas zu den Heimkehrern: Wer ein paar Jahre oder gar Jahrzehnte im Ausland lebte und dann wieder in Deutschland aus dem Flugzeug steigt, braucht längere Zeit, um sich wieder einzuleben. Und dann kommen die Momente, in denen man Heimweh nach dem Land hat, in dem man gerade alles aufgab. So manch einer ist dann hin und hergerissen. Auch das kenne ich aus meiner Vergangenheit.