Leben in Jerusalem

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Leserfrage: „Muss man in Jerusalem ein Kopftuch tragen?“

B“H
Wieso sollte man in Jerusalem ein Kopftuch tragen müssen? Wegen den Palästinensern oder wegen diverser christlicher Glaubensausrichtungen wie. z.B., der russisch – orthodoxen Kirche?
Es gibt russische Touristinnen, die sich in Jerusalem anscheinend auf Pilgerfahrt befinden und die sich zwecks Kirchenbesuch ein Kopftuch aufsetzen. Das ist wohl so deren Brauch.
Wegen des Islam setzt sich niemand ein Kopftuch auf, es sei denn, jemand ist strenggläubige Muslima.
Verheiratete jüdisch – religiöse Frauen bedecken ihre Haare nicht mit einem Kopftuch! Bei der Kopfbedeckung dieser Frauen kommt es auf deren religiösen Hintergrund an. Sind sie nationalreligiös, so tragen viele von ihnen moderne Tücher um die Haare gebunden. Diverse seltsame Touristinnen mit christlichem Hintergrund versuchen nicht selten, irgendwie jüdisch zu wirken und binden sich auch ein solches Tuch um die Haarpracht, was dann ziemlich unecht und sogar lächerlich ausschaut.
Verheiratete Ultra – Orthodoxe Frauen wiederum tragen meistens eine Perücke. Nur mit Kopftuch läuft niemand herum. Selbst die moslemische Frauen nicht, denn die tragen vorwiegend Hijab oder wie das auch alles heißen mag.
Man muss in Jerusalem kein Kopftuch tragen! Warum auch?

Leserfrage: „Gibt es in Israel behinderte Kinder?“

B“H
Ja, gibt es! Das ist in Israel nicht anders als in anderen Ländern. Und auch hierzulande gibt es Behinderteneinrichtungen. Jerusalem, zum Beispiel, ist bekannt für seine große Blindenschule. Für Rollstuhlfahrer haben die meisten Egged – Stadtbusse spezielle Vorrichtungen an den Türen, damit Rollstuhlfahrer in die Busse steigen können. Ebenso gibt es mehrere Einrichtungen für geistig Behinderte jeden Alters. Und all das nicht nur in Jerusalem.
Übrigens existieren auch in der Ultra – Orthodoxen (haredischen) Welt Behinderteneinrichtungen.

Leserfrage: „Was arbeiten Orthodoxe Juden in Amerika?“

B“H
Nach wie vor zählen meine Artikel zum Orthodoxen Judentum und wie sich Orthodoxe Juden finanzieren, zu den am meisten gelesenen auf diesem Blog. Dabei berichtete und berichte ich zu dem Thema viel ausführlicher auf meinem religiösen Hamantaschen – Blog. 🙂
Und was ich dabei immer wieder wiederhole, sind die Definitionen zu allem, was man „Jüdisch – Orthodox“ oder „Ultra – Orthodox (Haredi)“ nennt. Ein Orthodoxer Jude, zum Beispiel, ist gar nicht immer als solcher von außen zu erkennen. Er kann mit Jeans und T – Shirt rumlaufen, hat eine Kipa auf dem Kopf und trägt Sandalen oder Sneakers. Gleichzeitig aber betet er regelmäßig, ißt koscher und hält den Schabbat ein.
Nicht nur in Deutschland stellt man sich Orthodoxe Juden eher als Hinterwäldler vor, die da lange schwarze Kaftane und komische Hüte tragen, sich vom Staat aushalten lassen und sonst auch noch ungebildet und arbeitsscheu sind. Dass es zahlreiche Unterschiede innerhalb der Orthodoxie gibt und dass ein Orthodoxer genauso gut eine Jeans anhat, wird gar nicht erst zur Kenntnis genommen. Dann nämlich müsste man sich mit dem Thema auseinandersetzen und ddies wiederum ist den Leuten, insbesondere den Journalisten, zu kompliziert. Da werden dann lieber alle Orthodoxen Juden über einen Kamm geschert. Der deutsche Nachrichtenkonsument kennt ja eh die Unterschiede nicht und dann braucht sich auch kein Journalist die Mühe zu machen.
Nicht nur bei Orthodoxen Juden gibt es gravierende Unterschiede. Auch im Ultra – Orthodoxen Judentum ist nicht alles ein und dasselbe. Ganz zu schweigen davon, dass sich allein aschkenazische und sephardische Juden wesentlich unterscheiden. Nicht nur vom Äußeren her, sondern auch in ihren Bräuchen und diversen rabbinischen Auslegungen (wie, u.a., das rituelle Schächten eines koscheren Tieres).
In der Regel arbeiten Orthodoxe Juden und gehen auch zur Armee. In der Ultra – Orthodoxen Gesellschaft Israels wird mehr gearbeitet als Außenstehende das annehmen. Die Armee wird aus unterschiedlichen Gründen abgelehnt. Nicht nur immer aufgrund antizionistischer Ideologien, sondern aus dem Grund, dass es keine reinen Ultra – Orthodoxen Armeeeinheiten gibt. Jedenfalls noch nicht. Klar existiert eine sogenannte NACHAL HA’CHAREDI, doch diese Einheit war nur zu Beginn ihrer Gründung „haredisch – Ultra – Orthodox“. Kurz darauf wurde die Einheit mit nationalreligiösen Juden besetzt und schon war der einstige haredische Charakter dahin.
Aber die Leserfrage lautet ja, was Orthodoxen Juden in Amerika arbeiten. Die Antwort darauf lautet: Alles Mögliche. Vom Fabrikarbeiter bis hin zum Anwalt, Arzt oder Psychologen ist alles vertreten. Und die Ultra – Orthodoxie Amerikas arbeitet mehr als ihr Gegenpart in Israel und ist teilweise auch besser qualifiziert.
Aber auch hier in Israel finden wir Orthodoxe und Ultra – Orthodoxe Anwälte, Ärzte, Manager, Broker oder Unternehmer. Die größte israelische Optikerkette Halperin ist fest in Orthodoxer Hand. Und die Startup Branche boomt selbst innerhalb der Orthodoxie.
Es ist extrem wichtig, Orthodoxie und Ultra – Orthodoxie zu unterscheiden, denn, wie gesagt, nicht jeder Orthodoxer Jude ist auf den ersten Blick als solcher zu erkennen. Ultra – Orthodoxe Juden hingegen schon.

Leserfrage: „Kann eine Auswanderung am Heimweh scheitern?“

B“H
Kann eine Auswanderung, egal, in welches Land, am Heimweh scheitern?
Ja, absolut!
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich im Herbst 1987 zum ersten Mal nach Israel kam und einen wahren Kulturschock erlitt. Dieser Schock begann bereits am damaligen Alten Busbahnhof von Tel Aviv. Heute vermisse ich dieses Chaos von damals, womit ich mich auf den versifften Busbahnhof beziehe. Aber immerhin kosteten die Stadtbusse zu der Zeit nur 70 Agorot (ca. 20 Cent). Und zum Telefonieren mussten man erst Assimonim (Telefonmünzen) kaufen. Telefonkarten gab es noch nicht und Handys waren Zukunftsmusik.
Auch das Internet war noch weit weg und wer sich zu der Zeit über Deutschland informieren wollte, der musste eine teure Ausgabe einer deutschen Zeitung kaufen. Selbst auf die BILD haben wir uns damals gestürzt. Heute dagegen reicht ein Klick im Internet und man weiß alles. Von Youtube erst gar nicht zu reden. Ich dagegen schleppte in den Achtzigern einen Weltempfänger mit mir rum und hörte ab und zu Deutsche Welle.
Vielleicht war es das fehlende Internet, was vor Dreißig Jahren das Heimweh stärker aufkommen liess. Wer jedoch mehrere Jahre aus Deutschland weg ist, dem erscheint das Land, mit oder ohne Internet, immer fremder.
Bei einer Auswanderung kommt alles auf die innere Einstellung des Auswanderers an. Zieht, z.B. ein Deutscher nach Mallorca, so sehe ich das nicht als Auswanderung, sondern eher als Umzug innerhalb Europas. Es gibt auf Mallorca offenbar einen Lidl, alle deutschen TV Sender, deutsche Kneipen und und und. Außerdem besitzt derjenige einen EU – Paß und muss keinerlei Aufenthaltsgenehmigungen einholen.
Wenn Leute mit einem zu deutschen Mindset auswandern und dementsprechend ihre Erwartungen nicht erfüllt sehen, kann dies schnell zum Heimweh führen. Deutsches Essen, die deutsche Mentalität oder Sprache werden vermisst. Insbesondere auch Freunde und Verwandte.
Vor einer Auswanderung muss sich immer erst mit dem neuen Heimatland auseinandergesetzt werden. Vom Erlernen der Sprache bis hin zum neuen Arbeitsplatz. Erwartungen sollten heruntergeschraubt werden, denn es wird garantiert nicht alles wie in Deutschland sein. Die Wohnung ist ggf. spartanischer, der Job weniger gut bezahlt. Wenn man denn nicht zuerst in einer weniger beliebten Position arbeiten muss.
In der Vergangenheit dieses Blogs, den ich mittlerweile schon mehr als zehn Jahre unterhalte, kam es immer wieder vor, dass mir Kommentatoren aus Deutschland schrieben: „Der Ton macht die Musik!“
Eine typisch deutsche Aussage, wie ich finde.
Ich habe mir dann immer vorgestellt, wie denn Israelis reagieren täten, käme ich mit dem Zitat: „Der Ton macht die Musik!“ daher. Wer sich in Israel auskennt, der lacht jetzt los.
Okay, bei vielen Gelegenheiten verhält man sich sachlich. Andererseits sollte sich jeder beim Gang auf israelische Ämter oder bei andere Institutionen, darauf einrichten, angeraunzt zu werden. Einfach so. Was übrigens nicht immer negativ gemeint ist, aber die Leute sind hierzulande nicht gerade zimperlich im Umgang.
Und wenn dann jemand kommt und meint, der Ton mache die Musik, dann ist erst recht was los. Mit derlei Sprüchen und Erwartungen kommt man in Israel nicht weit. In anderen Ländern vermutlich ebenso wenig.
Das beste Mittel gegen Heimweh ist, sich in der neuen Heimat Freunde und einen Job zu suchen. Ein Zuhause aufzubauen. Egal, wie klein und minimal dieses am Anfang auch sein mag. Bescheiden beginnen und nicht zuviel erwarten. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die jeweilige Landessprache. Wer die nicht lernt, wird sich niemals so richtig zuhause fühlen.
Und noch etwas zu den Heimkehrern: Wer ein paar Jahre oder gar Jahrzehnte im Ausland lebte und dann wieder in Deutschland aus dem Flugzeug steigt, braucht längere Zeit, um sich wieder einzuleben. Und dann kommen die Momente, in denen man Heimweh nach dem Land hat, in dem man gerade alles aufgab. So manch einer ist dann hin und hergerissen. Auch das kenne ich aus meiner Vergangenheit.

Leserfrage: „Ab wann sagt man in Israel SCHABBAT SCHALOM“?

B“H
Am Schabbat selbst wünschen sich Juden untereinander SCHABBAT SCHALOM (einen friedvollen Schabbat). Im israelischen Alltag wünscht man sich gegenseitig schon am Donnerstag SCHABBAT SCHALOM. Zum Beispiel unter Arbeitskollegen, die man am Freitag nicht mehr sieht, da der Betrieb am Freitag sowie am Schabbat geschlossen bleibt. Erst sonntags geht es zurück zur Arbeit. Oder an der Supermarktkasse, wenn man am donnerstags einkauft.
Man kann also auch schon am Donnerstag SCHABBAT SCHALOM sagen.

Leserfrage: „Machen israelische Hostels / Hotels Probleme, wenn ein Paar nicht verheiratet ist?“

B“H
Nicht, dass ich wüßte. Weder Hotels noch Hostels werden einem unverheirateten Paar ein Zimmer verweigern.
Wer jedoch als Jude in einem religiösen Hostel wie Ascent oder dem Jerusalemer Heritage House unterkommen will, dem wird als unverheiratetem Paar kein Einzelzimmer angeboten werden. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das Heritage House überhaupt Paare nimmt, denn die sind auf junge Einzelpersonen spezialisiert.
Bei Ascent im nordisraelischen Zfat (Safed) steigen viele Paare ab, doch hier sollte man, um sich für ein gemeinsames Doppelzimmer zu qualifizieren, verheiratet sein. Ascent wird von der chassidischen Gruppe Chabad – Lubawitsch geleitet. Das Heritage House hingegen ist vollkommen in litvisch – haredischer Hand.

Leserfrage: Warum dürfen die Menschen von Gaza nicht nach Jerusalem?

B“H
Dürfen sie, aber nur zu gegebenen Anlässen wie muslimische Feiertagsgebete auf dem Tempelberg. Jetzt zum Ramadan – Ausklang, zum Beispiel. 
Warum? Warum? Warum?
Weil die Hamas sowie weitere palästinensische Terrororganisationen die Reisefreiheit der Palästinenser von Gaza in der Vergangenheit ausnutzten und es ständig zu Terrorattacken gegen Juden kam.
Der Gazastreifen ist palästinensische Autonomie und der Brennpunkt der Hamas. Man weiß nie, wer kommt und was jemand vorhat. Andererseits werden Palästinenser, auch aus Gaza, bei schweren Krankheiten in israelischen Krankenhäusern behandelt. 
Palästinenser aus der Autonomie Bethlehem oder Jericho kommen täglich nach Jerusalem. Zum Shoppen, Beten oder zum Arbeiten. Mit Arbeitserlaubnis, da die Autonomie Ausland ist. Der Bus von Bethlehem nach Jerusalem fährt alle 15 Minuten oder halbe Stunde. Und zwar bei mir am Stadtteil vorbei zum Damaskustor.
Und darf ich diesen palästinensischen Bus nehmen, wenn ich denn zum Damaskustor will? NEIN! Der palästinensische Busfahrer lässt keine jüdischen Fahrgäste rein. Nur Moslems und Touristen. Dagegen fahren Palästinenser ganz normal mit israelischen Egged – Bussen.
Wo also steckt da die angebliche Apartheid?