Leben in Jerusalem

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Leserfrage: Muss man einen Israeli heiraten, um den israelischen Pass zu erhalten?

B“H
Heute ist der Tag der Leserfragen 🙂
Bekommt man, wenn man einen Israeli / eine Israelin ehelicht, automatisch den israelischen Pass?
Dem ist ganz und gar nicht so und mehrere Deutsche haben mir bereits nicht gerade Positives berichtet. Wer als Nichtjude einen Israeli heiratet, wird in Israel gerade mal geduldet.
Früher, vor 20 – 30 Jahren, war alles einfacher, doch heutzutage werden die Gesetze jeden Tag strenger. Wer kein Jude ist und einen Israeli heiratet, hat wenig Rechte und schon gar kein automatisches Anrecht auf die israelische Staatsbürgerschaft. Wie ich bereits sagte, man ist geduldet und bekommt Touristenvisa oder halt irgendwas Befristetes.
Scheitert die Ehe, kann man schnell aus dem Land fliegen. Sind gemeinsame Kinder da, ist auch das keine Garantie.
Jemand auf Twitter berichtet regelmäßig über seine Lage. Geschieden von einer Israelin und ein gemeinsames Kind. Die Aufenthaltsgenehmigung ist jedesmal ein Drahtseilakt.
Auch um eine Arbeitserlaubnis muss man nicht selten Klinkenputzen und lange Zeit warten. Israel ist sehr kompliziert und wer einmal in dieser Situation ist oder war, findet sie nicht lustig. Der Gang zum Innenministerium (Misrad HaPnim) gleicht dann einem Horrortrip und nicht selten wird man angeschrien und gefragt, was man denn hier im Land will.
Das geht nicht nur nichtjüdischen Deutschen so, sondern auch anderen Westeuropäern oder Amerikanern.
Es gibt immer wieder Leute, die mir nicht glauben und das alles als masslos übertrieben betrachten. Diesen Lesern kann ich nur sagen: „Macht Eure eigenen Erfahrungen und dann sehen wir weiter!“
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Leserfrage: „Wieviel kostet eine Frisur in Tel Aviv?“

B“H
Das kommt darauf an, zu welchem Friseur der Kunde geht. In der King George / Tel Aviv sowohl als auch an anderen Orten in der Stadtmitte gibt es Friseurschulen, wo man hingehen und sich von einem Azubi die Haare schneiden lassen kann. Auf eigene Gefahr, aber dafür günstiger. 🙂
Haare färben oder Dauerwelle kosten generell ein paar Hundert Schekel. Für einen einfachen Haarschnitt mit Waschen zahlt eine Frau wesentlich mehr als ein Mann. Eine Kurzhaarfrisur eines Mannes kann zwischen 50 – 80 Schekel (circa 12 – 22 Euro) kosten. Der Haarschnitt mit Waschen bei einer Frau kostet dagegen zwischen 150 – 270 Schekel (35 – 60 Euro) kosten.
Wer es billiger will, der probiere einen arabischen Friseur in der Altstadt von Jerusalem oder im arabischen Teil von Yaffo (bei Tel Aviv).
Friseure in Israel sind allgemein teuer und ein hoher Preis beinhaltet noch lange keine Qualität. Die Friseurschulen von Tel Aviv sind manchmal besser als ein Schickimicki – Friseur in der Jerusalemer Emek Refa’im Street.

Leserfrage: „Israel und Arbeitserlaubnis“

B“H
Hier ein paar Links zu dem Thema und ich an Eurer Stelle würde mich eingehend bei der israelischen sowie der deutschen Botschaft erkundigen: 

 

 

https://tel-aviv.diplo.de/il-de/service/-/1444828
http://embassies.gov.il/berlin/ConsularServices/visainformation/Pages/Visainformation.aspx
http://embassies.gov.il/berlin/departments/offentlichkeitsarbeit/AufenthalteinIsrael/Pages/Arbeiten-und-Praktika.aspx
https://tel-aviv.diplo.de/il-de
Normalerweise erhält nur derjenige eine Arbeitserlaubnis, der schon eine Arbeit vorweisen kann und die kein Israeli besetzt. Die Erlaubnis gilt nur für den einen Arbeitgeber und bei einem Wechsel muss ein neue Arbeitserlaubnis beantragt werden.
Generell ist das alles nicht so einfach, denn Israel ist auf jüdische Neueinwanderer fokussiert und will keine Gastarbeiter ins Land holen. Und wenn ja, dann nur befristet und ohne viele Rechte. 

Leserfrage: „Rentenzahlungen nach Israel“

B“H
Israel und Deutschland haben ein Rentenabkommen und ein Israeli kann Rente aus Deutschland beziehen. Viele tun dies eh, denn sie erhalten ihre monatlichen Holocaust – Entschädigungszahlungen.
Mit einer deutschen Rente allein, bei der man das Geld auch noch umtauschen muss und aufgrunddessen vom jeweiligen Wechselkurs abhängig ist, lässt es sich in Israel nicht unbedingt so toll leben. Wie ich viele zuvor Male erwähnte, Israel ist ein teures Land und wer als Jude allein mit einer deutschen Rente einwandert, sollte schon eine höhere Rente bekommen. Zumindest mehr als 1000 Euro. 1300 – 1500 Euro wären besser.
Hinzu kommt, wer als Jude offiziell nach Israel einwandert, erhält dazu noch den Mindestrentensatz von der Bituach Leumi. Der liegt so um die 1500 Schekel (circa 360 Euro). Ich rate aber jedem, sich direkt bei der Bituach Leumi zu erkundigen!!!
Israelis schließen private Rentenversicherungen bei privaten Versicherungsgesellschaften ab oder ihr Arbeitsplatz bietet eine Betriebsrente (z.B. staatliche Einrichtungen, Hafenarbeiter oder Arbeiter und Angestellte der Elektrizitätswerke). Wer sich nicht privat zu Lebzeiten um seine Rente kümmert, kann allein von der Mindestrente nicht leben.

Leserfrage: „Wieviel kostet 1kg Hackfleisch in Israel?“

B“H
Beim Discounter so zwischen 35 – 40 Schekel (circa 10 Euro). Bei Sonderangeboten kostet das Kilo vielleicht etwas weniger. Fleisch und Fisch sind jedoch allgemein teuer.
Billiger kann man es auf alle Fälle haben, wenn man tiefgefrorenes Hackfleisch kauft, aber das ist dann nach dem Auftauen wässrig.
Wenn ich bei meinem Metzger im Jerusalemer Machane Yehudah Markt einkaufe, zahle ich für das Kilo 54 Schekel (13 – 14 Euro). Das ist dann aber sehr gute Qualität und alles andere als Discounter – Ware.

Leserfrage: „Wie hoch sind die Nebenkosten in Israel?“

B“H
Es kann sein, dass ich dazu bereits einmal etwas geschrieben habe, aber ich tue es an dieser Stelle halt nochmal.
Es kommt immer darauf an, in welchem Ort in Israel man lebt. Dazu kommt der Stadtteil. Wenn sich jemand in der Nordstadt von Tel Aviv niederläßt, so zahlt er wesentlich mehr Miete und auch die Nebenkosten fallen dementsprechend aus.
Dasselbe in Jerusalem in den Stadtteilen Malcha, Rehavia, Baka, Katamon oder der German Colony. Oder auch bei mir in Abu Tur. Wobei ich Glück hatte, denn ich übernahm die Wohnung von einem Freund, der gerade auszog als ich eine Bleibe suchte. Die Miete ist okay und die Nebenkosten ebenfalls.
Aber jetzt einmal direkt zu den anfallenden Nebenkosten:
Strom & Wasser: Die Rechnungen werden normalerweise alle zwei Monate mit der Post zugestellt. Strom ist in Israel günstiger als in Deutschland und ich zahle für zwei Monate so um die 120 Schekel (circa 30 Euro). Im Winter etwas mehr, denn da heize ich elektrisch. Die zwei Ventilatoren im Sommer beeinflussen die Stromrechnung nicht. So viel Strom benutze ich nicht. Waschmaschine, Kühlschrank, Internet und Licht.
Wasser zahle ich etwas mehr. Per Abschlag an die Vermieterin.
Fast immer zahlt man den sogenannten VA’AD BAYIT an die Hausverwaltung. Treppenhausreinigung, Gartenarbeiten (wenn ein Vorgarten vorhanden ist) oder Aufzug (falls im Haus vorhanden). Je besser die Gegend, desto höher der Va’ad. Vor allem bei einem Haus mit Aufzug und Vorgarten. Die monatliche Rechnung hier (meistens wird für drei Monate im Voraus bezahlt) kann sich schon auf einige Hundert Schekel belaufen. Zumindest sollte man den Va’ad Bayit nie unterschätzen und vor Unterzeichnung eines Mietvertrages immer danach fragen. Nach der Sommer – sowie nach der Wintersumme.
Dazu kommt Gas alle sechs Wochen oder so. In Israel laufen viele Haushalte auf Gas, was nicht unbedingt viele Kosten verursacht. Es sei denn, man heizt mit Gas.
Hinzu kommt die Grundsteuer ARNONA an die jeweilige Stadtverwaltung. Die Arnona fällt in Israel allein auf den Mieter und sie wird monatlich gezahlt. Per Abbuchungsauftrag bei der Bank oder für ein Jahr im Voraus.
Die Berechnung ergibt sich aus dem Ort bzw. der Kommune. Jede Stadt hat andere Kriterien und wer in Tel Aviv und Umgebung lebt, der zahlt einen Haufen Arnona. In Jerusalem genauso und hier, genauso wie anderswo, geht es nach dem jeweiligen Stadtteil. In manchen Stadtteilen ist die Arnona extrem hoch und in anderen wieder niedriger. Wer gut wohnen will, zahlt auch mehr Arnona.
Des Weiteren kommt es auf die Quadratmeterzahl der Wohnung an. Je größer die Wohnung, desto mehr Arnona. Nehmen wir als Beispiel eine 3 – Zimmer – Wohnung in Jerusalem in einem „normalen“ Stadtteil. Mit 4000 Schekel (circa 1000) Euro Arnona kann man schon rechnen. Ich kenne Leute mit 3 Zimmer, die zahlen bis zu 6000 Schekel Arnona pro Jahr. Und deren Bleibe ist nicht besonders groß, aber sie leben, u.a., im teuren Stadtteil Katamon.
Wer außerhalb wohnt, zahlt weniger. Der muss dann aber pendeln, was finanziell (mit Fahrtkosten) auf dasselbe rauskommt.
Rentner und Studenten erhalten vom Arnona – Amt bei der Stadt Preisnachlässe. Auch Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger bilden Ausnahmen und man muss das halt mit der Stadtverwaltung regeln.
Jetzt kann man zu dem Schluß kommen, dass die Nebenkosten in Israel eigentlich gar nicht so schlimm sind. Es gibt auch keine GEZ – Gebühren für alle, sondern nur für jene, die einen Fernseher haben.
Zugleich aber sollte bedacht werden, dass die Gehälter niedriger sind und die Lebensmittelpreise enorm. Dann erscheinen die Nebenkosten auf einmal gar nicht mehr so niedrig und eine Menge Leute müssen halt monatlich schauen, wie sie die Rechnungen zahlen.

Leserfrage: „Welche Stadtteile sollte man in Jerusalem meiden?“

B“H
Da wären zuerst einmal arabische Stadtteile, einschließlich dem muslimischen Altstadtviertel, nach Einbruch der Dunkelheit. Touristen, die sich nicht auskennen, können sich dort leicht verirren. Sagen wir so: Man sollte nicht alleine im Dunkeln dort herumirren. Und schon gar nicht als Frau.
Im Westteil der Stadt gibt es soziale Brennpunkte und hier sollte der Tourist ebenso nach Einbruch der Dunkelheit eine bestimmte Gegend im Stadtteil Katamonim meiden: Die Bar Yochai Street. Doch ich glaube kaum, dass sich ausgerechnet dorthin ein Tourist verirren wird.
Ein weiterer Brennpunkt sind diverse Gegenden in Kiryat Menachem. Dieser Stadtteil liegt weit hinter dem Holocaust – Museum Yad Vashem und ist auch kein besonderes Ziel der Besucher Jerusalems. Es handelt sich um reine Wohngegenden und Teile von Kiryat HaYovel sowie dem benachbarten Kiryat Menachem sind soziale Brennpunkte. Was jetzt nicht bedeutet, dass jemand auf der Straße sofort überfallen wird. In der Bar Yochai genauso wie in Kiryat Menachem stehen zahlreiche Sozialwohnungen der Stadt und das Klientel ist nicht immer das beste. Drogen, Gewalt, etc.
Ferner sollte ein Tourist des Nachts nicht gerade in die Gegend um den Ölberg gehen. Ungefährlich ist es dort nie und selbst wenn Ihr tagsüber dorthin geht, nehmt, wenn es geht, immer jemanden mit. An den christlichen Touristen – Sites streifen eine Menge Palästinenser herum und die wollen Geld oder machen Frauen dumm an.
Ansonsten ist Jerusalem ein sehr sicheres Pflaster. Klar, Idioten gibt es überall und des Nachts finden sich in der Innenstadt (Jaffa Road und Umgebung) viele Jugendliche mit Problemen. Von zuhause abgehauen, Drogen, Alkohol. Aber auch ganz normale Leute.
Wer auf Nummer sicher gehen will: Die Stadtteile Baka, German Colony oder Katamon sind absolut sicher. Da könnt Ihr die ganze Nacht über herumlaufen und es gibt eine Menge Cafes und Bars. Oder Ihr geht in die Aza Street in Rehavia. Dort ist definitiv ein anderes Publikum als in der Jaffa Road. 🙂