Leben in Jerusalem

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Leserfrage: „Kaum Krebserkrankte in Jerusalem?“

B“H
Sobald jemand durch Google auf meinen Blog kommt, wird mir angezeigt, was derjenige denn gegoogelt hat. Aus diesen Anzeigen entnehme ich die Mehrheit aller Leserfragen und hier kommt gleich wieder eine aktuelle Frage:
Gibt es in Jerusalem weniger Leute, die an Krebs erkranken?
Die Antwort darauf lautet eindeutig NEIN. In Jerusalem erkranken genauso viele Menschen an Krebs wie fast an allen anderen Orten der Welt. Die Stadt Jerusalem allein steht nicht automatisch für HEILUNG, wie sich das einige religiöse Christen vielleicht versprechen. Niemand, der hier ankommt und aus dem Bus steigt, wird sogleich von einer Krankheit geheilt.
Und ein kleiner Tipp noch: Wenn Euch Leute auf dem Ölberg heilende Wässerchen oder was auch immer verkaufen wollen, spart Euch das Geld und kauft Euch lieber was Gutes zum Essen. Vor Jahren standen am Ölberg einmal eine deutsche und eine schweizer Touristin, die dort angebliche Heilwasser verkauften. Kleine Flaschen mit Leitungswasser aus deren Hostel, denn die Damen mussten ihr Hostelzimmer irgendwie finanzieren.
Weder auf dem Ölberg noch irgendwo in Jerusalem existieren heilende Quellen oder sowas. Quellen mit sprudelndem heißen Wasser (gegen Rheuma) gibt es in Tiberias am See Genezareth (Kinneret). Oder das Wasser des Toten Meeres soll gegen Allergien helfen. Aber so religiöse Heilwasser sind reine Erfindung und Abzockerei!

Leserfrage: „Armut und soziale Probleme in Israel“

B“H
Ein Blogleser fragte nach der Armut und den sozialen Problemen in Israel. Über all die Themen berichtete ich in zahlreichen Artikeln auf meinem alten Blog
http://lebeninjerusalem.blogspot.co.il/search/label/soziales
sowie natürlich auch auf diesem Blog
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/tag/armut-in-israel/

 

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Photo: Miriam Woelke

 

Armut und Soziales sind stets präsent in Israel und damit meine ich nicht den Nahostkonflikt. Es gibt arme Juden und arme Moslems im Land. Gerade jetzt, zwei Wochen vor Pessach, macht sich das erneut bemerkbar. In genau zwei Wochen feiert die jüdische Welt die Pessach – Seder (am ersten Abend des Feiertags). Es soll gut gegessen und Wein getrunken werden. Und gerade jetzt stehen die Bedürftigen Schlange an den Pessach – Fresspaket – Ausgabestellen. Ewig lange Schlangen und viele der Bedürftigen sind aus Russland eingewanderte Senioren.
Die Lebenshaltungskosten sind hoch und wer nur von einer kleinen Rente leben muss, geht nicht selten zur Suppenküche.
Seit ein paar Wochen berichtet eine Zeitung zum Thema ARMUT in verschiedenen Städten Israels. Insbesondere werden Bewohner der als arm bekannten Stadtteile interviewt. Wer im SCHIKUN (sozialen Wohnungsbau) wohnt. Sozialwohnungen sind meistens von weitem zu erkennen. Schmuddelig und vernachlässigt. Die Bewohner sind nicht gerade das, was man sich unter einer guten Nachbarschaft vorstellt. Suchtkranke, Gewalt in der Familie, Jugendgangs, etc. Alles ist dort vertreten. Äthiopier genauso wie Russen. Gegenden, die kein Tourist sieht und Einheimische sich nicht unbedingt dorthin verirren. 
Wer eine Sozialwohnung will, der muss aufs Amt und einen Antrag stellen. Wartezeit je nach Stadt und Lage. In Tel Aviv kann man mit zehn Jahren rechnen, in Jerusalem vermutlich auch. Wer schnell eine Sozialbleibe sucht und in die Kategorie ARMUT passt, muss in die Wüste nach Arad, Dimona oder Mitzpe Ramon ziehen. Oder in den Norden nach Ariel oder Kiryat Shemona. Kleinstädte ohne viel Industrie und die Aussicht auf einen Job ist fast Null. Wer dorthin zieht, der bleibt bei der Stütze.
Daneben gibt es aber auch sehr wohlhabende Stadtteile und Städte wie Ra’anana, Hod Hasharon, Kfar Saba oder Herzliya. Wobei dies jedoch nicht bedeutet, dass dort kein einziger armer Israeli lebt. Wer dagegen durch Holon oder Bat Yam fährt, erlebt den SCHIKUN um Tel Aviv. In Jerusalem stehen eine Menge Sozialbauten im Stadtteil Katamonim oder in Kiryat Menachem. In der Vergangenheit war der heute besser betuchte Stadtteil Baka einmal vom sozialen Wohnungsbau geprägt und niemand wollte dort wohnen. Jetzt ist es genau ins Gegenteil umgeschlagen, obwohl man selbst in Derech Beit Lechem Street immer noch Zeichen vom alten SCHIKUN sehen kann.

Leserfrage: „Wie feiert man Ostern in Israel?“

B“H
Die Antwort auf diese Frage lautet: Gar nicht. In Israel wird kein Ostern gefeiert. Lediglich die hier ansässigen Christen sowie christliche Touristen feiern. Im Judentum existiert kein Ostern und Juden feiern in zwei Wochen ihr siebentägiges Pessach (Passover). Den Auszug aus Ägypten.
Wenn christliche Touristen zu Ostern nach Israel reisen, werden sie, außer vielleicht im christlichen Altsstadtviertel (in dem vorwiegend arabische Christen leben) keinerlei Ostern vorfinden. Vielleicht noch ein paar Feiern in Bethlehem oder bei einigen christlichen Arabern in Nazareth, aber das war es auch.
Zu Ostern sollten sich christliche Touristen darauf einstellen, in der Jerusalemer Altstadt sowie von den lokalen arabischen Altstadthostels gnadenlos abgezockt zu werden. Die Preise sind hoch und die Palästinenser im Altstadtmarkt (Schuk) legen erst so richtig mit den Preisen los. Die Touris sind da und da soll Big Business gemacht werden.
Ansonsten kriegen wir Jerusalemer von Ostern nichts mit, denn wir feiern Pessach. Der Frühling ist da mit seinen ständig schwankenden Temperaturen von 13 – 24 Grad Celsius. Pessach – Zeit ist auch Ausflugszeit und viele Israelis müssen zudem arbeiten.

Leserfrage: „Israelische Youtuber“

B“H
In der letzten Zeit haben auch viele Israelis Youtube für sich entdeckt und Channels aufgemacht. Gaming, Beauty, Fitness oder Comedy. Meistens nachgemachter Schrott aus den USA, aber man hat gelernt, Klicks zu generieren und die Kiddies anzuziehen.
Was noch nicht so groß ist wie in Deutschland: Der ganze Persönlichkeitsentwicklungsmist a la „Wie motiviere ich mich“, „Meine Morgenroutine“ oder „Meine To – Do – Liste“. In Israel gehen fast alle mit 18 Jahren zur Armee und da braucht man keinen Youtubekurs von irgendwelchen Scammer Gurus, die nur Geld abzocken wollen.
Ich weiß nicht, was innerhalb der deutschen Studentenschaft los ist. Zu meiner Zeit war man jedenfalls noch motiviert oder auch nicht. Aber, und das ist der Unterschied, wir fielen nicht auf Youtube Scammer herein, die sinnlose Kurse unter die Leute bringen. Wir kamen morgens auch so aus dem Bett. Ohne Kurs oder Gary Vee Videos.
Israelis und Deutsche unterscheiden sich extrem in der Mentalität. Ich denke, dass Deutsche mehr einfach so alles hinnehmen ohne nachzufragen bzw. ohne eine Meinung zu haben. Nur nicht anecken und diese Einstellung scheitn weit verbreitet zu sein.
Aber egal, es gibt eine Menge israelischer Youtube Kanäle.

Leserfrage: „Wie teuer / billig ist Israel?“

B“H

Leserfrage: Wie teuer / billig ist Israel?

Die Antwort darauf fällt leider kurz und knapp aus: Israel ist ein teures Land. Und das in jeder Hinsicht. Lebensmittel, Arzneimittel, Zahnarzt, Friseur, Mieten, Unis, Schulen, Kindergarten, Altenpflege, Technik, Fahrzeuge, etc. Alles kostet sehr viel Geld und von den Steuern will ich erst gar nicht reden.
Wer genug verdient, um all seine monatlichen Rechnungen zu zahlen und dazu noch Lebensmittel einkauft, der kann sich teilweise schon als glücklich einstufen. Wer allein von der Sozialhilfe lebt, ist aufgeschmissen und muss von Behörde zu Behörde rennen, um Zahlungsnachlässe zu beantragen. Ich selber erlebte vor knapp einem Monat, wie viele Jerusalemer bei der Stadtverwaltung um Zahlungsnachlässe bei der Grundsteuer (Arnona) baten. Von mindestens 25 Personen, die morgens um 8.00 Uhr zur Stadtverwaltung zwecks Zahlung der jährlichen Grundsteuer anstanden, blieben am Ende nur eine Frau und ich am Schalter für Zahlungswillige. Alle anderen Leutchen (die Mehrheit Palästinenser) verschwanden in den Tiefen der Zahlungsnachlass – Abteilung. Wer, z.B., ein sehr geringes oder gar kein Einkommen hat, zahlt weniger Grundsteuer für die Wohnung. Auch Studenten, Rentner oder alleinerziehende Mütter erhalten einen solchen Preisnachlass.
Anmerkung: In Israel zahlt der Mieter die Grundsteuer an die Kommune und nicht der Vermieter wie in Deutschland!
Gegenüber Deutschland ist Israel kein so toller Sozialstaat, der an seine bedürftigen Bürger zahlt. Deswegen werden die Bürger erfinderisch, weil sonst kein Essen auf dem Tisch steht. So einfach ist das hier.
Die Lebensmittel sind unverschämt teuer und Aldi, Rewe, Lidl, etc. sind hierzulande unbekannt. Es wäre super, wenn die Walmart – Kette käme, doch meiner Meinung nach existiert ein Hersteller – Polit – Kartell. Hersteller und Supermarktketten verhindern zusammen mit der Politik, dass auswärtige Supermarktketten sich niederlassen. So können Hersteller und Supermarkt soviel Geld verlangen, wie sie wollen und die Politik bewahrt Arbeitsplätze. Draufzahlen tun wir Verbraucher.
Jemand erkundigte sich nach PFAND und ALKOHOLPREISEN:  Pfand gibt es und Alkohol ist ebenfalls teuer. Von der Flasche Bier angefangen. Falls ich mal ein Bier trinke, so ziehe ich das israelische GOLDSTAR allen Carlsbergs, Maccabis oder irgendwelchem europäischem Billiggesöff vor.
Ständig essen gehen kann sich Otto Normalverbraucher nicht leisten. Da aber viele Israelis auch mal konsumieren wollen, findet sich mehr als die Hälfte bei der Bank im Overdraft wieder.
Als Tel Aviv – Touristen werden Ihr ganz schnell merken, wie Euer Portemonnaie – Inhalt immer kleiner wird. Lebensmittel – Discounter finden sich dort nur in Gegenden, die weit weg von der Innenstadt liegen. Was Ihr sonst so seht, nennt sich Mega, AM:PM, Super Yuda / Baba, Shufersal oder bestenfalls den Carmel Markt. Bis auf den Markt also alles Läden, die alles andere als billig sind. Dagegen könnt Ihr auf dem Carmel Markt günstiger einkaufen. Teilweise jedoch nicht in dessen Hauptstraße, sondern eher in den umliegenden kleineren Marktgassen.

Leserfrage: „Tragen Soldaten in Jerusalem Waffen?“

B“H
Antwort:
Ein israelischer Soldate hat nach der Grundausbildung immer sein Gewehr dabei. Der Anblick mag für deutsche Touristen ungewohnt sein, in Israel dagegen ist es ganz normal, Soldaten mit Maschinengewehren zu sehen.

Leserfrage: „Private Altenpflege in Israel“

B“H
Jemand fragte nach der privaten Altenpflege in Israel und ich muss sagen, dass ich auf diesem Gebiet absolut kein Profi bin. Lediglich kenne ich eine aus den USA eingewanderte Frau im Beit Moses. Beim Beit Moses handelt es sich um ein ehemaliges privates deutsches Altenheim.
Vor mehr als Zwanzig Jahren besuchte ich dort einmal einen alten Ex – Frankfurter. Zu der Zeit war das Beit Moses deutlich kleiner und viele vom Klientel hatten in all den Jahrzehnten nach ihrer Einwanderung nach Palästina (ab 1948 Israel) kaum Hebräisch gelernt. In ihrem Leben lief alles auf Deutsch oder Englisch ab und ich fand das Beit Moses als komplett deutsche Oase inmitten von Jerusalem vor.
Mittlerweile hat sich das geändert und das Beit Moses selbst hat massig angebaut. Allein schon aus dem Grund, um betuchtere amerikanische Juden anzulocken. Ein paar deutsche Juden leben dort auch noch, aber die Mehrheit ist amerikanisch – israelisch.
Hierbei handelt es sich um ein privates Altenheim mit enormen monatlichen Kosten. Ab 12,000 Schekel (3000 Euro) aufwärts. Essen muss extra gezahlt werden oder man kocht in seiner kleinen Wohnung. Allein um dort aufgenommen zu werden, muss der Interessent eine hohe Summe auf den Tisch legen. Trotzdem werden nicht alle Betuchten aufgenommen. Vor allem dann nicht, wenn sie über Achtzig Jahre alt sind. Heutzutage setzen israelische Altenheime offenbar lieber auf jüngere Alte.
Obwohl das Beit Moses wahnsinnig teuer ist, kann ich sagen, dass es sich um eine gute Einrichtung handelt. Sauber, gepflegt und das Personal ist sofort zur Stelle. Darüber hinaus werden kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte oder Vorträge geboten. Momentan wird ein Auditorium gebaut, es gibt ein Swimming Pool und einen Park zum Spazierengehen. Allerdings glaube ich kaum, dass nichtjüdische Menschen in israelischen Altenheimen Chancen haben. Es sei denn, man bewirbt sich bei einer kirchlichen Einrichtung in Ostjerusalem oder so. Bei der Dame, die ich im Beit Moses kenne, handelt es sich um eine polnische Holocaust – Überlebenden aus Polen. Nach dem Krieg wanderte sie in die USA aus. Solche Leute wollen in keiner Einrichtung mit nichtjüdischen Deutschen wohnen. Und dazu noch in Israel.
In Israel ist bekanntlich alles teuer und wer sich kein Altenheim leisten kann, begnügt sich mit einer Helferin von den Philippinen. Agenturen vermitteln die Philippinas, wobei ich sagen muss, dass derlei private Vermittlungsagenturen die neuen Sklaventreiber sind und richtig abzocken. Das Geschäft ist heiß umkämpft und es gibt auch reguläre Zeitarbeitsfirmen, die Helfer vermitteln.
In der Realität schaut es so aus, dass eine Menge alter Leute unter dem Existenzminimum leben und noch arbeiten oder besondere finanzielle Hilfen in Anspruch nehmen müssen. Medikamente, Pflege, alles kostete teilweise zusätzliches Geld, was derjenige aus der Privatschatulle zahlt. Vielerorts gehen die Alten in Suppenküchen. Sehr viele ältere Leute aus Russland sind davon betroffen.
Online finden sich zahlreiche Altenheime wie auch das Beit Protea in Herzliya und außerhalb von Jerusalem. Dort wohnen fast ausschließlich Anglos und es ist teurer als im Beit Moses. Kurz gesagt, die private Altenpflege ist ausgesprochen teuer und man sollte schon einiges an Geld mitbringen, um sich das zu leisten.