Leben in Jerusalem

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Leserfrage: „Wird in Israel freitags gearbeitet?“

B“H
Ja, aber es kommt auf die Branche drauf an. Zahlreiche Büros und Banken haben zu, andere wieder nicht. Grundsätzlich wird freitags gearbeitet, aber andererseits ist dies auch im Arbeitsvertrag festgelegt. Es kann sein, dass man nur einmal pro Monat am Freitag arbeitet oder halt dementsprechende anderweitige Vereinbarungen trifft. 
Ministerien sind freitags grundsätzlich geschlossen und die Krankenhäuser fahren bis sonntags auch nur auf Sparflamme.
Sonntags wird in Israel gearbeitet und es handelt sich bei dem Tag um einen ganz normalen Arbeitstag. Gesetzlich betrachtet gibt es deutlich weniger Restriktionen als in Deutschland und man kann leicht einen Arbeitstag von 12 Stunden oder länger haben.
Wer freitags arbeitet, hat in der Regel 1 – 2 Stunden vor Schabbatbeginn Feierabend. Oder manchmal auch gegen 13.00 oder 14.00 Uhr. Es kommt immer drauf an, wo man arbeitet.

Duzen in Israel

B“H
Siezen in Israel ist ziemlich ungewöhnlich. Normalerweise duzt man sich mit fast jedem. Selbst mit seinem Boss oder einem Bankangestellten. Oft kenne ich noch nicht einmal Nachnamen, sondern nur die Vornamen von Leuten. Und oft führt das zu Verwirrungen wenn man am Telefon Etti (Esther), Yoni, Moshe oder Avi (Avraham / Avshalom / Avishai)) sprechen will.
Avi wer ?
Moshe wer?
Um sich zu behelfen, wird dann das Aussehen der Person beschrieben.
Selbst viele Ärzte sind mit dem Patienten per DU und die Ärztin, die mich operierte, stellte sich lediglich bei mir mit ihrem Vornamen vor. Ihren Nachnamen erfuhr ich erst in der Ultraschall – Abteilung.
Okay, man würde jetzt nicht gerade einen Politiker duzen, aber im tagtäglichen Umgang mit den lieben Mitmenschen ist das Duzen gang und gäbe. Es käme auch niemand auf die Idee, sich unbedingt mit SIE anreden lassen zu wollen.
Manchmal hört man im Bus oder so in der Öffentlichkeit die Anreden
ADONI – Mein Herr
oder
GVERET / GVIRTI – Meine Dame
aber wenn dies geschieht, dann wird kein Name verwendet. Man sagt also nicht Adoni Netanyahu. Stattdessen würde man das Wort MAR verwendet. MAR (Herr) Netanyahu. Mar geht immer zusammen mit dem Nachnamen eines Mannes.
Zu Netanyahu selber würde man Rosh HaMemshala sagen. Heißt Premierminister. Und zu einem Minister SAR (Minister). Zu gewöhnlichen Knesset – Abgeordneten CHAVER HA’KNESSET. Dies alles gilt nur für männliche Personen und bei Frauen schaut es etwas anders aus. Aber dies nur einmal so als Beispiel.
Wenn sich in Israel jemand mit Namen vorstellt, dann meistens mit dem Vornamen und es wird nicht als Beleidigung aufgefasst, jemanden zu duzen. Es gibt kein „You can say You to me.“ 🙂

Jude = Israeli?

B“H
Ich will nicht sagen, dass es in anderen Ländern anders ist. Trotzdem kommt gerade in Deutschland immer wieder die Meinung auf, dass ein Jude automatisch dem Staat Israel angehöre. „Solle sich doch Israel um russische Kontigent – Flüchtlinge aus Deutschland kümmern. Genauso wie um die in Deutschland lebenden Juden.“
Israel kümmert sich um israelische Staatsbürger (Juden, Christen oder Moslems mit der israelischen Staatsangehörigkeit) und nicht um Touristen oder im Ausland lebende Juden, die da keinen israelischen Pass besitzen.
Wenn ein ausländischer Jude sich entscheidet, nicht nach Israel auszuwandern und die israelische Staatsbürgerschaft anzunehmen, dann ist das seine Privatsache. Deutsche Juden ohne eine andere Staatsangehörigkeit sind Deutsche und keine Israelis. Mit Israel haben sie in dem Sinne nichts zu tun.
Zu den russischen Kontigent – Flüchtlingen muss gesagt werden, dass viele von denen gar keine halachischen Juden sind. In Israel würde das Oberrabbinat mehr als die Hälfte nicht als Juden anerkennen.
Genauso wie heutzutage Tausende Moslems, sprangen in den 90iger Jahren eine Menge Russen auf den Ausreisezug nach Deutschland, in die USA oder nach Israel auf. Man behauptete, Jude zu sein und kaufte sogar dementsprechende Papiere. Schnell stellte sich in Israel heraus, dass die Jewish Agency Tausende Russen einwandern liess, die keine Juden sind. Mehr als 70% der russischen Kontingent – Flüchtlinge, die nach Israel kamen, sind keine Juden. In Deutschland ist das nichts anders und diverse deutsch – jüdische Gemeinden wissen das sehr wohl. Kann sein, dass ich jetzt niedergemacht werde, aber die Realität lässt sich nicht verleugnen. In Israel kurven eine Menge Russen herum, die keine Juden sind.
Bei den Russen stand Deutschland an erster Einwanderungsstelle, denn es gibt dort die besten Sozialleistungen. In Israel gibt es einmalige Zahlungen und das war es. Hierzulande muss hart gearbeitet werden und Renten sowie Sozialhilfe halten sich in sehr engen Grenzen. Gerade jetzt im Winter, so aktuell die hiesige Presse, müssen sich zahlreicheRentner einschränken. Die Heizkosten sind enorm und da denkt so mancher nach, ob er heizt oder lieber Lebensmittel einkauft. Beides geht von den staatlichen Renten gar nicht mehr.
Wer nicht privat vorsorgt und spart, hat im Alter das Nachsehen. Dagegen fallen selbst kleine Renten in Deutschland noch großzügig aus. Israel hat es nämlich nicht so mit den Sozialleistungen und jeder muss halt sehen, wie er über die Runden kommt.
Und auch hier gehen sehr viele russische Rentner Flaschen sammeln oder in die Suppenküche. Viele der älteren russischen Generation haben nie richtig Hebräisch gelernt und bleiben daher unter sich. Es gibt russische Zeitungen und russisches TV. Muss jemand aufs Amt, nimmt er jemanden mit, der übersetzt oder die Angestellten im Amt suchen jemanden, der Russisch spricht. Hierzulande verlaufen die Sprachangelegenheiten toleranter als in Deutschland und immer findet sich jemand, der irgendeine Sprache kann und übersetzt. Bei den älteren Franzosen ist das genauso, aber der Unterschied ist, dass viele von denen mit Geld einwandern und nicht zum Sozialamt rennen.
Israel ist ein kleines Land mit begrenzten Möglichkeiten. Ein Land, in dem die Lebenshaltungskosten extrem hoch, die Einkommen eher gering sind und wo die Einwohner hart arbeiten und sparen müssen, um über die Runden zu kommen.  

Leserfragen: „Wie ist das Leben in Israel?“, „Schlechte Lebensbedingungen?“ und „Geschäftsleute“

B“H
Wie ist das Leben in Israel?
Definitiv anders als in Deutschland, der Schweiz oder in Österreich, denn Israel liegt im Nahen Osten und dementsprechend ist die Mentalität.
Vielleicht können die Fragesteller diese Frage etwas mehr spezifizieren!
Schlechte Lebensbedingungen in Israel?
Definitiv nicht, denn es kommt immer darauf an, was jemand erwartet. Das Leben in Israel ist härter als in Deutschland, denn die Lebenshaltungskosten liegen hoch und die Einkommen niedriger. Ein Israeli gibt einen Großteil seines Gehaltes für Miete, Lebensmittel und anderweitige Rechnungen aus.
Man kann das Leben hier nicht mit dem in Deutschland vergleichen, denn es gelten andere Regeln und alles ist anders. In Israel leben bedeutet viel Eigeninitiative entwickeln und innovativ und flexibel sein. Man muss sich um alles kümmern, denn der Staat allein kümmert sich nicht. Von daher sind die Menschen in Deutschland sozial deutlich besser abgesichert.
Leben in Israel Geschäftsleute?
Ja, eine ganze Menge sogar. In Israel haben wir Groß – und Kleinunternehmen. Mittelständische Unternehmen sind ebenso zahlreich vertreten. Es gibt hierzulande sehr viele Geschäftsleute und es werden hohe Steuern und Abgaben gezahlt.
Übrigens gibt es auch sehr viele Ultra – orthodoxe sowie palästinensische Geschäftsleute. Jeder kann sich selbstständig machen und Meisterprüfungen gibt es nicht. In bestimmten Berufen werden offizielle Prüfungen abgelegt, doch mit dem deutschen Meister ist das nicht vergleichbar.

Eiseskälte & Wasserleitungen

B“H
Bis Donnerstag bleibt es in Jerusalem eiskalt. Es weht ein eisiger Wind trotz Sonnenschein und wir haben gerade einmal 6 Grad Celsius. Erst am Donnerstag erwärmt es sich wieder auf 11 Grad.
Gestern hatte unser Mehrparteienhaus kein Wasser. Kurz vor 7.00 Uhr morgens wurde es abgestellt und nachmittags rief ich die Wasserwerke Gichon an, um nachfragen, ob irgendwo im Stadtteil am Wasser gefuchtelt wird. Die meinten, es sei alles in Ordnung und ich solle doch mal unseren Wasserzähler kontrollieren. Vielleicht hat da jemand manipuliert.
Durch den Arbeiter, der gerade bei der Vermieterin eine neue Dusche einbaut, erfuhr ich, dass unsere Wasseruhr weiter unten in der Nebenstraße ist und da diese Straße von Palästinensern aus dem unteren Teil des Stadtteiles extrem frequentiert wird, kann es sein, dass die an den Wasseruhren herumgefuchtelt haben.
Dazu muss man sagen, dass in Israel Wasseruhren, Stromleitungen, Wasserleitungen oder Gasbehälter meist frei zugänglich sind. Außerhalb der Häuser und teilweise an den Straßen. Deutsche Behörden täten da die Krise kriegen, aber in Israel funktioniert es. 🙂

 

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Gesehen in Tel Aviv – Copyright: Miriam Woelke

 

Der Arbeiter und ich machten uns auf in die Nebenstraße, wo zwei Araber an der Wasseruhr des Hauses hantierten. Arabische Arbeiter, die ein kaputtes Teil auswechseln sollten. Morgens bauten sie es aus und erst abends kamen sie mit dem neuen Ersatzteil zurück. So war das ganze Haus den gesamten Tag über ohne Wasser und jetzt am Abend kamen alle Bewohner heim und wollten kochen und duschen.
Die Araber hantierten und fuhren auf und davon. Danach hatte nur eine Partei Wasser und wir anderen nicht. Es wurde massig mit der Frau, welche auch als eine Art Hausmeisterdienst fungiert, diskutiert und die rief die Araber ein paar Mal an, die da meinten, wir müssen halt abwarten. Vielleicht habe sich zuviel Luft in den Leitungen angesammelt und die müsse erst einmal entweichen.
Kurz gesagt, es gab ein Riesenchaos, denn die Leute waren sauer und nach mehr als einer Stunde lief dann das Wasser. Was genau die Hausmeistertussi gemacht hatte und ob sie die Araber zurückbeorderte, wissen wir nicht. Jedenfalls lief das Wasser wieder. Vorerst, denn die Rohre am Wasserzähler sollen nach 500 Jahren jetzt ausgetauscht werden. 🙂
Das war also gestern unsere Feierabend – Show draußen bei Sturm und Eiseskälte: An der Wasseruhr zu diskutieren.
Neues Thema:
Nach ewigen Zeiten habe ich mich wieder auf Facebook angemeldet, denn ich bin einer bestimmten geschlossenen Cancer Group beigetreten. Wer chronisch krank ist, der kann auf Facebook geschlossenen Krankheitsgruppen beitreten und so jede Menge Gleichgesinnte und hilfreiche Infos finden.
In meiner Gruppe kennen sich die Kranken aus und diskutieren alle möglichen Chemotherapien, Metastasen und einfach alles. Und sie kennen alle Ärzte und sonstige Spezialisten. Derlei Gruppen kann ich nur weiterempfehlen!

2019 & Linsensuppe

B“H
Ein paar Palästinenser liessen letzte Nacht Feuerwerkskörper hochgehen. Circa eine Minute dauerte der Spass als ich gerade unter der Dusche stand und dann war auch schon wieder Ruhe. So schaute die Sylvesternacht in meinem Stadtteil aus. Keine Feiern, kein gar nichts. Für mich besteht der einzige Unterschied darin, dass wir jetzt 2019 anstatt 2018 schreiben. Ansonsten interessiert mich der Jahreswechsel nicht. In Israel ist heute ganz normaler Alltag und es wird gearbeitet.
Wenn ich Glück habe, dann stehen in diesem Monat nur zwei Arzttermine an: Nächste Woche die Zahnhygiene und in zwei Wochen Nieren – Ultraschall beim Urologen im Krankenhaus.
Wenn denn alles gutgeht …
In Israel ist heute, wie gesagt, stinknormaler Alltag und die Schlagzeilen bewegen sich fast immer um die anstehenden Knesset – Wahlen im April. Wer welche Partei wechselt, wer welcher Partei beitritt und wer ganz aus der Knesset ausscheiden wird. Im Grunde genommen ist es immer dasselbe und viel ändern wird sich nichts. Jeder Politiker wurschtelt in seine eigene Tasche.
Draußen ist und bleibt es kalt. Zwar bei Sonnenschein heute, aber Winterklamotten sind angesagt.
Und was Israelis bei diesem kalten Winterwetter am meisten lieben: Heimkommen und eine heiße Suppe löffeln. Besonders beliebt sind Tomatensuppen, Fleischsuppen, Zucchinisuppen oder, wie hier, Linsensuppen: 

 

 

1 Tasse rote gewaschene Linsen
Zwiebel
2 kleingeschnittene Tomaten
2 Knoblauchzehen
Olivenöl (Israelis braten oder kochen nicht mit Margarine oder Butter)
1,5 Liter Wasser
Gewürze nach Wahl

Jerusalem dieser Tage

B“H
Ab Morgen haben wir wieder so richtiges Winterwetter. Massig Regengüsse, Sturm, Kälte und alles, was dazugehört:
http://www.02ws.co.il/?&lang=0
Zwar wird offiziell in Israel kein Sylvester gefeiert, viele säkulare Juden aber feiern die Neujahrsnacht. Vermutlich ohne zu wissen, dass Papst Silvester Antisemit war:
https://hamantaschen.wordpress.com/2017/12/31/sollen-juden-sylvester-feiern/
Nichtsdestotrotz, zuviel gefeiert wird diesmal eher nicht, denn das Wetter wird in den kommenden Tagen miserabel. Und mit Feuerwerk und so ist in Israel eh nichts, es sei denn, am Tel Aviver Strand.
Ich feiere weder Silvester noch Neujahr und gehe ganz normal schlafen. In der palästinensischen Nachbarschaft gleich neben der unseren wird nichts gefeiert. Ein Jahr gab es mal ein paar Knaller, aber ansonsten betrifft das weltliche Neujahr weder den jüdischen noch den muslimischen Kalender. Deshalb frage ich mich, warum die muslimischen Migranten in Deutschland sich überall dort versammeln, wo Einheimische ihr Silvester feiern.
In der Jerusalemer Innenstadt werden einige besoffen herumtorkeln, doch mit deutschem Silvester hat das alles nichts zu tun. Noch dazu, wo es diesmal kalt und nass wird. Diverse Pubs in Tel Aviv haben da bestimmt etwas mehr Atmosphäre zu bieten.
In meinem Stadtteil bleibt alles ruhig und die Leute gehen schlafen, denn wir müssen morgens wieder zur Arbeit. Der 1. Januar ist in Israel kein Feiertag, sondern stinknormaler Alltag.
Morgen habe ich mal wieder einen Termin im Krankenhaus. Ultraschall, denn man will herausfinden, ob sich das verdächtige „Objekt“ auf meinen letzten CT Bildern als neuer Tumor entpuppt oder nicht.
In weiteren zwei Wochen muss ich zu einem Nieren – Ultraschall und es wird ferner getestet, ob die Nieren nach der OP wieder einwandfrei funktionieren.
Ja, tun sie, soweit ich selber das beurteilen kann. Außerdem soll mir der Urologe dann eine Bestätigung tippen, die besagt, dass ich zum nächsten CT Scan Ende Februar kann.
Beim CT wird immer ein riesiger Aufwand betrieben. Mit Fragebogen ausfüllen und ob denn auch die Nieren einwandfrei sind und man ja keine Medikamentenallergie hat.
Wer noch nie bei einem CT Scan war:
https://de.wikipedia.org/wiki/Computertomographie
Man bekommt einen Intravenous (intravenös ?), denn es wird einem automatisch Jod injiziert. Bei mir werden jeweils zwei Durchgänge gemacht: Zuerst ohne Jod und dann mit Jod. Das ist so mein täglich Brot. Zwei Jahre lang alle drei Monate zum CT und danach noch drei weitere Jahre. Jedoch nur noch alle sechs Monate. Strahlung oder nicht, es muss festgestellt werden, ob sich weitere Tumore im Körper bilden.
Ich hoffe, dass sich der Verdacht morgen als unbegründet herausstellt. Zumal ich nicht schon wieder eine OP durchlaufen will oder ggf. Bestrahlung oder Chemotherapie. Immerhin wird jedem noch so kleinen Verdacht akribisch nachgegangen.
Trotzdem kotzt mich der Gang ins Krankenhaus an, obwohl es dort gar nicht nach Krankenhaus riecht. 🙂 Aber immer wieder Behandlungen durchlaufen, Spritzen und was weiß ich, was alles in den Körper gesteckt wird. Vor zwei Wochen hatte ich erst wieder einen Katheter als der Stent (zwischen Niere und Blase) gezogen wurde. Zwar nur ein paar Minuten lang, aber das hat mir  gereicht. Immer wieder neue „Torturen“ und das geht mir mittlerweile so auf den Senkel.
Okay, Ultraschall hört sich ganz einfach an, aber ich traue dem Frieden schon lange nicht mehr. Am Ende kommt noch mehr dazu. 🙂