Leben in Jerusalem

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Alltags – Normalität im raketengeplagten Israel – Wie geht das?

B“H
Obwohl der Süden Israels ständig von der Hamas aus Gaza attackiert wird und teilweise Raketen fliegen, herrscht im Rest des Landes Normalität. Die Leute gehen ganz normal zur Arbeit, sitzen in Cafes, leben ihr Leben und mittendrin erhalten wir die Nachrichten von Hamas – Raketen und den Bewohnern von Sderot, Otef Aza und wie die israelischen Orte an der Grenze zum Gazastreifen alle heißen. Das Fernsehen zeigt, wie die Bewohner im Süden des Landes in Bunkern sitzen, doch allen Israelis ist das nicht fremd und jeder weiß, was das bedeutet. Man ist es gewohnt, angegriffen zu werden und, was man sich in Deutschland nicht vorstellen kann – Israelis sind auf Angriffe getrimmt. Jeder weiß, was zu tun ist und wie er sich verhalten muss. Kaum jemand verfällt in Panik, denn das hiesige Leben ist halt so. Selbst Kinder und Jugendlich haben ein wesentlich anderes Bewusstsein als Kinder in Europa. Immer der Gefahr bewusst, denn anders geht es nicht.
Deutsche Medien berichten, dass Israels Linke bald die Macht übernehme und Netanyahu gestürzt werde. Allein schon wegen der Korruption.
Wer so etwas behauptet, der kennt Israel nicht. Korruption gibt es in jeder Partei und bei fast allen Knesset – Abgeordneten. Selbst zu Zeiten Ben Gurions fand Korruption statt. Was sich jedoch geändert hat ist, dass sich unsere zumeist linksorientierte Presse auf Netanyahu eingeschossen hat. So sehr, dass es selbst viele Israelis schon nervt. Andere Knesset – Abgeordnete hingegen werden ignoriert, wenn sie denn nur genug links sind. Da wird dann nicht von Korruption berichtet.
Fakt ist, dass Netanyahu noch immer die Mehrheit besitzt und wären heute Wahlen, würde er gewinnen. Abgeschlagen hinter ihm ist der intrigante Ya’ir Lapid und ganz weit abgeschlagen die Linken. Die Arbeiterpartei wird, wie in Deutschland die SPD, demnächst völlig untergehen. Netanyahu, Lapid und Bennett vom Bayit Yehudi sind angesagter als die Roten, deren Zeit abgelaufen ist.
Und sobald ein militärischer Konflikt bzw. eine weitere Bedrohung des Landes ins Haus stehen, führt der Likud. Netanyahu sowie Koalitionspartner Naftali Bennett kennen sich in militärischen Fragen aus, Ya’ir Lapid hingegen diente in der Armee lediglich auf minderer Position und hat keine Ahnung von der Praxis. Israelis aber wollen Praxis sehen und keinen lahmen unerfahrenen Theoretiker.
Ich muss die deutschen Erwartungen enttäuschen: In Israel sind die Linken abgeschlagen und rot hat ausgedient.
Da aktuell keine Raketen mehr fliegen, wendete sich die israelische Presse schnell anderen Themen zu: Es ist Urlaubszeit, Sommerferien, Reality Shows im TV oder Kochrezepte. Selbst der Mord an der 56 Jahre alten Ofira Chaim, der tagelang die hiesigen Medien beherrschte, ist kaum mehr aktuell. Der Mörder wurde gefasst und es war, wie viele erwartete hatten, der geschiedene Ex und die älteste Tochter leistete vielleicht noch Beihilfe.
Hierzulande ist alles schnelllebig, denn täglich passiert etwas Neues. In Panik verfällt, wie gesagt, kaum jemand, denn so ist nun einmal das Leben hier: Trotz aller sozialen Probleme gibt es auch noch den arabischen Terror. Die Kinder wachsen mit diesem Bewusstsein auf und trotz allem wollen fast alle von ihnen einmal in Elite – Einheiten der Armee dienen.
Die Sonne scheint, viele haben Urlaub und reisen ins Ausland oder im Inland herum und man lebt halt so den Alltag. Und das inmitten der Bedrohung durch angrenzende Nachbarländer, die da alle nur auf einen Fehler Israels warten.
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Israel: „Die Lebensmittelpreise steigen weiter“

B“H
Neulich erst kam in den TV Nachrichten ein Bericht zu den aktuellen Preiserhöhungen fast aller Lebensmittel. Vom Thunfisch bis hin zur Tomate.
Man befragte den Leiter einer Supermarktkette und der stammelte was von „nicht genug Obst und Gemüse hierzulande aufgrund des heißen Wetters“ und von „steigenden Börsenkursen“.
Um es auszusprechen: Supermärkte, einschließlich dem Rami Levi Discounter, sowie die lokalen Märkte (z.B. der Jerusalemer Machane Yehudah Markt) wollen die Verbraucher mehr und mehr abzocken. Die Preise für Tomaten oder Gurken liegen hoch und wer kann sich da noch ein Kilo Pfirsiche leisten? Bei den astronomischen Preisen. Das Kilo Wassermelone gibt es auf dem Machane Yehudah für vier Schekel (einen Euro). Früher war es mal ein Schekel.
Beim Discounter – Einkauf muss man aufpassen, denn selbst der Reis ist teurer geworden. Selbst die Eigenmarken. Bei manchen Produkten überlegt man dann schon, ob die wirklich notwendig sind.
Die Lösung wäre mehr Konkurrenz auf dem israelischen Lebensmittelmarkt. Wenn, zum Beispiel, ein Walmart käme. Aber dieheimischen Supermarktbosse halten ihr kleines Kartell zusammen und der Verbraucher wird gnadenlos abgezockt.

Seltsame Vorstellungen von Israel

B“H
Es ist schier unglaublich, was so manche Leute aus deutschsprachigen Länder für Vorstellungen von Israel haben.

 

„Das israelische Regime bringe jeden Tag Menschen um“
Irgendwas muss ich da verpasst haben, denn ich sehe nicht, dass hier Leute umgebracht werden. Wer soll das tun? Netanyahu etwa? In Deutschland weiß man doch gar nichts über ihn. Was bekommt Ihr denn da schon mit von israelischen Politikerleben? So gut wie gar nichts.
Jedenfalls habe ich heute auf dem Nachhauseweg von der Arbeit keinerlei Tote herumliegen sehen und die Palästinenser weiter unten im Stadtteil kommen von der Schule oder der Arbeit. Und Frauen fahren Hijab – tragend PKWs. Abends am Ramadan standen bei uns teure Autos vor der Tür. Schick und geradezu Luxuskarossen von den Arabern, die ihre Verwandtschaft besuchten. AMG und alles, was mich sich so vorstellen kann. Tot waren die Fahrer allerdings auch nicht.

 

„Israel sei eine Diktatur und ohne Demokratie“
Mittlerweile ist Israel wesentlich demokratischer als Deutschland und wir dürfen unbekümmert alles sagen, ohne als Nazi oder Rassist abgestempelt zu werden. Okay, radikale Linke gibt es auch, aber grundsätzlich sagt jeder seine Meinung. Mohrenkopf oder Negerkuss ist erlaubt, doch in Israel heißen die Dinger seit Ewigkeiten Cremebo. In der Sprache sind wir nicht eingeschränkt und jeder sagt das, wozu er Lust hat. Ob ganz normal im Leben oder im Internet.

 

„Die Araber haben keine Rechte“
Jene Araber, die in Israel leben und einen blauen israelischen Personalausweis in der Hand halten, haben alle Rechte und Pflichten, wie jeder andere Bürger auch. Vom Kindergeld bis hin zur Rente oder dem Arbeitslosengeld. Araber schließen israelische Versicherungen ab, kaufen auf Pump, erhalten Bankkredite und arbeiten in sämtlichen Bereichen. Von der Müllabfuhr bis hin zum Richter, Arzt oder Knessetabgeordneten. Ebenso wählen Araber bei den Knesset – sowie bei lokalen Bürgermeisterwahlen.

 

„Orthodoxe Juden arbeiten nicht und sie sind alle faul“
Zuerst einmal sollte jeder, der das behauptet, den Unterschied zwischen ORTHODOX und ULTRA – ORTHODOX kennen. Ich bin ein orthodoxer Jude, obwohl man es mir nicht ansieht und ich arbeite, zahle Steuern und kommunale Abgaben. Orthodoxe Juden tun dies und ich sehe Ultra – Orthodoxe Polizisten, Soldaten, Beamte, Ärzte, Anwälte, und und und.
Klar gibt es diverse Ultra – Orthodoxe Juden, die nicht arbeiten, doch diese werden nicht vom Staat finanziert, sondern man finanziert sich untereinander selber. Die meisten orthodoxen und Ultra – Orthodoxen Juden arbeiten. Selbst wenn es nur innerhalb ihrer Gemeinde ist, doch Geld verdienen sie.
Der Alltag in Israel unterscheidet sich nicht wesentlich von dem in Deutschland. Die Leute gehen zur Arbeit, wenn sie denn einen Job haben. Oder sie gehen zum Arbeitsamt, auf dem man sich als Arbeitsloser einmal pro Woche melden muss. Jugendliche gehen zur Schule und Rentner haben ihre Erledigungen bzw. ihren Alltag.
Der aktuelle Unterschied zu Europa besteht darin, dass unsere Polizei und Armee bei Gefahr einschreitet. Und, wie gesagt, wir sagen, was uns in den Kram passt. Jeder hat seine Meinung und sagt, was er denkt. Wer es nicht hören will, kann ja weghören.
Und der Negerkuss bleibt nun einmal der Negerkuss bzw. Cremebo. 🙂

Israelisches Mindset

B“H
Die Überschrift „Israelisches Mindset“ ist, genau genommen, unvollständig, denn ein rein israelisches Mindset gibt es eigentlich gar nicht. Im Grunde genommen ist das hiesige Mindset eine Mischung aus israelischem und jüdischem Mindset. Beides geht Hand in Hand und für einen Nichtjuden ist es kaum möglich, das jüdische Mindset zu erfassen.
Amerikanische Juden sind da ganz besonders drauf fixiert. Immer wieder pochen meine Freunde aus New York darauf, dass man nicht nur einfach die New Yorker Mentalität kennen muss, sondern gleichzeitig die jüdische Denkweise eines Juden in New York.
Das hört sich für Außenstehende alles furchtbar irreal an, in Wirklichkeit aber sind israelisches und jüdisches Mindset nicht voneinander zu trennen. Doch bleiben wir beim israelischen Mindset, denn diese Beschreibung ist für den Außenstehenden weniger verwirrend.
Was Deutschen, Österreichern, Schweizern, etc. völlig normal erscheint, wäre in Israel ein halbes oder sogar ganzes No – Go. Oder zumindest ein recht seltsames Verhalten. Die deutsche Art zu leben und die Denkweise ist vielen Israelis fremd und umgekehrt. Das Problem ist, dass zuviele Deutsche ihre Art zu denken und Dinge zu erfassen auf die gesamte Welt anwenden. Man betrachtet alles mit deutschen Augen und aus eben diesem Blickwinkel heraus, ohne in Betracht zu ziehen, dass diese Denkweise und Umsetzung in anderen Lndern (sprich Israel) nicht funktioniert.
Den Anstoss zu diesem Artikel fand ich im Youtube Video eines Russlanddeutschen, der es, nach eigenen Angaben, in Deutschland nicht mehr aushielt, weil, u.a., die Krankenkassenbeiträge zu teuer sind. Aufgrund von zahlreichen anderen Youtube Videos entschloss er sich, nach Zypern zu ziehen. Dort, so andere deutsche Youtuber, sei ein Steuerparadies und alles sei total toll. Dazu Sonne und Strand.
Besagter Youtuber zog also nach Zypern, ohne jemals zuvor dagewesen zu sein und siehe da, es passt ihm nicht. Die Leute da seien zu desorganisisert und laut und überhaupt sei er aus Deutschland ein zivilisiertes Leben gewohnt und Zypern biete ihm das nicht. Deswegen plante er, in die Schweiz zu ziehen. Das klappte dann nicht, denn in der Schweiz benötigt man wohl eine Aufenthaltsgenehmigung und dort ist man nicht verpicht darauf, irgendwelche deutschen Youtuber aufzunehmen. Der aktuelle Stand ist, dass der Youtuber wieder nach Deutschland zurückkehrt.
Ohne jemals vor Ort gewesen zu sein und sich eingehend mit den Lebensumständen vertraut gemacht zu haben, zieht man nicht in ein anderes Land. Und selbst wenn man das tut, so muss die deutsche Denkweise hinten angestellt werden, denn sonst geht der Neuankömmling im neuen Zuhause unter.
Zahlreiche Schweizer sehen in Deutschen notorisch Nögler und Besserwisser, die sich über alles aufregen und von oben herab richten. Ist etwas nicht so wie in Deutschland und liegt hier und da mal ein bisschen Müll am Straßenrand, geht das Generve schon los. Das habe ich in Israel von vorbeilaufenden deutschen Touristen auch schon vernommen.
Ja, wenn man das so und so machen würde wie in Deutschland, dann wäre in Israel garantiert alles besser. Die Religion abschalten und dann läuft es mit dem Friedensprozess. In Deutschland spielt die Religion eine untergeordnete Rolle und die Demokratie dagegen eine umso höhere.
Als ich noch mit den wenig verbliebenen Verwandten in Deutschland telefonierte, ging mir schon nach ein paar Minuten die Hutschnur hoch und ich bereute, überhaupt angerufen zu haben. Da wurden von deutscher Seite aus irgendwelche Dinge in den Raum gestellt, die in Israel absolut keinen Bezug zur Realität haben. Ja, wieso ich mir nicht mal von der Arbeit freinehme, um dies oder das zu machen.
In Israel nimmt man sich nicht mal eben so frei trallala. Wir haben gesetzliche elf Urlaubstage im Jahr und wenn die schon genommen wurden, dann gibt es kein frei. Es sei denn, man nimmt unbezahlten Urlaub und wer soll sich das auf Dauer leisten? Oder wenn gerade extrem viel Arbeit aufgrund von Feiertagen anfällt. In Deutschland hat man weit mehr als zwanzig Urlaubstage im Jahr. In Israel ganze elf!
Israelis sind wesentlich pragmatischer als Deutsche, denn das Leben ist härter und jeder muss sehen, wie er zurecht kommt. Deutsche würden ausrasten, hätten sie unsere Lebensumstände. Ich habe schon Touristen in bestimmten Situationen erlebt, die geschockt dastanden und jammerten:
„Ja, was mache ich denn jetzt?“
Ja, was wohl? Eine Lösung finden und weitermachen. Kreativ sein und mal nachdenken und nicht dastehen und auf Hilfe warten. In dieser Hinsicht sind Deutsche extrem verwöhnt, denn sie sind die zuverlässige Hilfe ihres Sozialstaates gewohnt. Was aber, wenn der nicht mehr greift? Viele sehen jetzt die Anfänge und Leute gehen Flaschensammeln.
In Israel muss jemand, der nicht gerade beim Staat, im Hafen von Haifa oder Ashdod oder bei den Elektrizitätswerken angestellt ist, innovativ sein. Oft ergibt sich aus der Not heraus eine völlig neue Perspektive und Idee.
Zudem sind Israelis nicht dermaßen in Gesetze eingebunden wie Deutsche. In Deutschland ist alles geregelt und in Callcentern wird sogar der Gang zum Klo vom Gehalt abgezogen. Alles wird registriert, gemaßregelt und in Gesetze gestopft. Wie jetzt wieder das neue europäische Datenschutzgesetz, an das Israel nicht gebunden ist.
Hat jemand ein Problem und er geht aufs Amt oder sonstwohin, mit einer Alternative / Idee kann er eine Lösung heraushandeln. Dies funktioniert meistens nur als Staatsbürger und nicht als Tourist oder mit befristeter Aufenthaltsgenehmigung. Auf Ämtern ist mehr Flexibilität und es herrscht kein reines Gesetzesdenken. Nichts muss perfekt sein und das erwartet auch niemand. Fremdschämen oder so gibt es nicht. Okay, gibt man den Fehler zu, na und. Israelis geben sich furchtbar normal und erzählen alles. Von Familienproblemen bis zu Schulden ist alles dabei.
Was mir in Israel manchmal fehlt?
Vielleicht mehr Organisation im Alltag, doch mittlerweile bin ich selbst nicht mehr so durchstrukturiert. Das mag auch daran liegen, dass wir uns nicht unbedingt vornehmen, was der Tag zu bringen hat. Es gibt zu viel Unvorhergesehenes und genau das bringt uns wenig aus der Fassung.
In Deutschland gibt es Millionen Vorschriften und alles ist strukturiert und in Zeitpläne eingetragen. Manchmal denke ich, dass die Leute mehr Zeit mit Zeitplänen verbringen als sie am Ende letztlich durchführen. Alles schön in Kalender und Tabellen eintragen, aber am Ende bleibt keine Zeit mehr, etwas zu tun. Dann ist der Tag schon vorbei. Hauptsache im Kalender ist alles schön bunt markiert und aufgelistet. Das ist doch auch ein tolles Gefühl.
Ein Deutscher in der israelischen Arbeitswelt (und damit meine ich einen ganz normalen Betrieb und keine Praktikumsstelle im Museum oder so) ist erst einmal geschockt und er fragt sich, wie es sein kann, dass der Betrieb funktioniert. Bei all dem Chaos und Geschrei.
Ob man es glaubt oder nicht: Es funktioniert und es gibt ein System, welches da nicht sofort ersichtlich ist. Einleben tut sich nur, wie schon oben erwähnt, wer sein deutsches Mindset ausschaltet und bereit ist, sich auf Neues einzulassen. Wird auf deutsche Tugenden gepocht, wird jemand schnell zum Sonderling oder Außenseiter.
Ich stelle es mir für einen Israeli sehr schwer, sich in den deutschen Alltag einzuleben. Arbeitsmäßig und überhaupt. In Deutschland ist alles so furchtbar ernst und ohne dieses unbeschreibliche heimische Gefühl. Nur kalte Gesetze und „Wehe, wenn Du das nicht tust, dann …“.
Wenige Tage vor dem 70. Unabhängigkeitstag in der letzten Woche wurde eine aktuelle Statistik veröffentlicht:
82% aller Israelis sind stolz auf ihr Land und zufrieden. Israelis befinden sich unter der glücklichsten Leuten der Welt.
Warum sind 82% happy, stolz und zufrieden?
Eine Menge Israelis verdient den Mindestlohn und kann finanziell nur sehr kleine Sprünge machen. Alles ist teuer und das Gehalt mies.
Es kommt bei der Einstellung der Leute weniger auf das Geld an, sondern auf Familie, Freunde und das Umfeld. Jemand, der kaum Geld hat (und ich kenne Einige davon), kann super happy sein. Ich kenne ein Ehepaar, das mit sehr wenig Geld auskommen muss. Die beiden sind aber total glücklich miteinander, machen alles gemeinsam und haben ein tolles Umfeld. Er singt im Chor der Großen Synagoge und sie baut sich neben der Arbeit ihr eigenes Photostudio auf. Peu a peu, denn es ist nicht viel Geld für teure Kameras da. Deshalb wird improvisiert und genau das ist eine israelisch – jüdische Stärke.

Aschkanazische und Sephardische Juden Israel

B“H
Kürzlich schrieb mir ein Blogleser, dass sephardische Juden in Israel unter einer aschkenazischen „Elite“ zu leiden haben bzw. dass sie in der Rangordnung ganz unten stehen.
Früher war das einmal so, denn als Hunderttausende sephardische Juden nach der Gründung des Staates Israel ins Land zogen, wurden viele von ihnen alles andere als fair behandelt. So war das halt unter der Regierung Ben Gurion. Man betrachtete die Juden aus dem Jemen, aus Kurdistan, dem Irak, Tunesien, Algerien, etc. als primitiv. Nicht selten stimmte das sogar, wenn man sich auf die Schulbildung bezog.
Ich will jetzt nicht detailliert auf die Geschichte der sephardischen und aschkenazischen Juden in Israel eingehen. Das würde den Rahmen sprengen.
Heutzutage bestehen, nach wie vor, Unterschiede. Sephardische Juden folgen anderen jüdischen Bräuchen und haben ihre eigene Mentalität und ihr traditionelles Essen. Wobei untereinander die Kurden über die Iraker und Iraner lästern oder die Marokkaner über die Kurden. In Israel wird jeder Bewohner in eine Schublade gepackt. Juden aus Deutschland sind pünktlich, fleißig und humorlos. Kurden sind dumm und die Iraner sind geizig. Die Lästereien sind meistens nicht ernst gemeint, sondern eher ironischer Art.
Jahrelang arbeitete ich als Aschkenazi nur mit Sepharden aus Kurdistan, dem Iran, Irak sowie aus Marokko zusammen. Sie machten sich über mich lustig, ich über sie und dann fielen alle übereinander her.
Mittlerweile finden wir unzählige israelische Ehepaare, wo der eine Teil sephardischer und der andere Teil aschkenazischer Abstammung ist. Die israelische Armee wird von sephardischen Juden, insbesondere den Irakern, dominiert. Bei der Eliteeinheit Golani dienen mehrheitlich sephardische Juden. Ebenso in der Mishmar HaGvul (Grenzpolizei der Armee). Mag sein, dass die Luftwaffe noch aschkenazisch sominiert wird. Mit Sicherheit kann ich das nicht sagen.
Es finden sich sephardische Richter, Ärzte, Lehrer, Anwälte, Politiker, Schauspieler, etc. Überhaupt werden zahlreiche Orte im Lande von sephardischen Juden dominiert: Jerusalem, Arad, Kiryat Gat, Netivot oder Sderot. Tel Aviv hingegen ist mehrheitlich aschkenazisch.
Dass es dennoch aschkenazische „Rassisten“ gibt, läßt sich nicht verleugnen. Diverse ablehnende Meinungen zu den Sepharden kriechen immer dann hervor, sobald die ARSIM auftreten. Bei ARSIM handelt es sich um eine bestimmte Gruppe sephardischer Juden, die sich total proletarisch benehmen. „Hey, was is los?“ und so.
Sobald ein ARSI herumbrüllt, kriegen aschkenazische Juden Zustände. Dasselbe gilt übrigens auch für ein diverses primitives Verhalten sephardischer Frauen. Marokkanerinnen tun sich da besonders hervor. Die mit den blondgefärbten Haaren und den Miniklamotten an einem viel zu beleibten Körper.
ARSIM werden im TV gerne satirisch dargestellt oder es wird sich über sie lustig gemacht. Antreffen tut man sie in ärmeren Stadtvierteln, dem Machane Yehudah Markt in Jerusalem oder in Bat Yam, etc. Wo man sie auch vermehrt trifft, ist am Strand von Tel Aviv, aber das wissen die Touristinnen nicht. 🙂 

Hohes Leserinteresse an den Preisen in Israel

B“H
Bezüglich der PREISE IN ISRAEL besteht ein extrem hohes Leserinteresse. Was kostet was in Israel? Wobei es ganz klar darauf ankommt, wo man denn einkauft: Beim Discounter, im Tante – Emma – Laden (Makolet) oder in einem kleinen Supermarkt.
Discounter wie RAMI LEVI oder OSCHER AD sind fast immer die billigsten im Land, was jedoch keineswegs gleichzusetzen ist mit Aldi oder Lidl. In Israel sind selbst die Discounter, im Vergleich zu Deutschland, teuer. Zum Beispiel kostet in Israel ein stinknormaler kleiner Camembert 5 Euro. 2 – 3 Bisse und das Ding is weg.
Viele Israelis kaufen im Supermarkt geschnittenes billiges Brot aus der Fabrik. Was das kostet, kann ich nicht sagen, denn ich mag das wässerige Zeug nicht. Beim Bäcker zahle ich für einen kleinen Laib Brot mindestens 4 Euro. Ein Roggenbrot kostet sogar 5 Euro und diese Brote sind eher klein. Eine Familie wird davon kaum satt werden.
Eine stinknormale Tafel Schokolade kostet mindestens 1,50 Euro. Der billigste Joghurt ohne Früchte und Geschmack kostet 55 Cent. Klein ausfallende Joghurtbecher mit Früchten kosten etwas über 1 Euro pro Stück. Ein Liter Milch in der Plastiktüte kostet 1,20 Euro. Wer den Liter im Tetrapack kauft, zahlt fast 2 Euro.
Was in Israel wenig verbreitet ist, ist Wurst zum aufs Brot schmieren. Zwar sichtete ich Leberwurst bei Rami Levi, doch Mettwurst, etc. gibt es nicht. Israelis lieben Würstchen, Hackfleisch, Schnitzel und Hühnchen. Für 1 kg Hackfleisch zahle ich beim Metzger etwas mehr als 12 Euro. Beim Oscher Ad Discounter mit minderer Qualität kostet das Kilo 8 – 10 Euro.
Für 30 Rollen Klopapier zahle ich bei Rami Levi etwas mehr als 6 Euro. Und das ist das allerbilligste Klopapier. Normalerweise muss man mit circa 10 Euro rechnen. Käse, Fleisch, Fisch, Alkohol oder Zigaretten sind teuer. Wie gut, dass ich weder rauche noch mir dauernd Bier leiste. Alle paar Monate vielleicht ein israelisches Goldstar oder ein bayerisches Hefeweizen. Das war es dann auch!
Ein paar deutsche bzw. schweizer Produkte finden sich in den hiesigen Supermärkten auch: Ritter Sport, Knorr Fertigsuppen (Maggi leider nicht), Thomy Mayonnaise (ich kaufe nur die Hellmanns), Milka Schokolade oder Nivea Creme. Die Nivea ist extrem teuer und eine große Dose kostet da locker 10 Euro.
Seit Monaten sind selbst Obst und Gemüse sauteuer und dabei muss man aufpassen, dass es sich nicht um Ramschware handelt. Ein oder zwei Tage im Kühlschrank und schon gammelt alles. Ich denke mal, dass die bessere Ware in den Export geht. Beim Rami Levi Discounter gibt es stets billige Gurken und Tomaten und die Ware hält sich ein paar Tage.
Hinzu kommen hohe Mieten, denn auch in Israel herrscht Wohnungsnot. Bezahlbaren Wohnraum zu finden ist schwer. Ein Bekannter von mir ist gerade in eine frischgebaute Neubauwohnung gezogen. Drei kleine Zimmer für etwas mehr als 5000 Schekel (1200 Euro) Kaltmiete. Sein Wohnzimmer hat die Größe meiner Küche. Circa 12 Quadratmeter. Dafür hat er eine kleine Terrasse mit Garten und einen Bunkerraum, den er als Arbeitszimmer nutzt. Aber in Jerusalem muss man ja selbst für ein mickriges WG – Zimmer schon 400 – 500 Euro Miete rechnen. Kaltmiete wohlgemerkt!
Strom ist in Israel billiger als in Deutschland. Pro Monat zahle ich im Sommer (ohne elektrische Heizung im Winter) 60 Schekel (15 Euro). Und derzeit habe ich ständig zwei Ventilatoren laufen, Kühlschrank, Internet, Kaffeemaschine und ab und zu die Waschmaschine.
In Israel wird vorwiegend mit Gas gekocht und auch das ist recht billig, wenn man denn nicht mehrere Stunden am Tag kocht. Wer jedoch mit Gas heizt, der kann sich auf eine saftige Rechnung freuen. Wie meine Nachbarn im letzten Winter mit 2000 Schekel (500 Euro) im Monat.
Wie ich bereits mehrere Male erwähnte: Die gesamte Grundsteuer (Arnona) zahlt hierzulande der Mieter. Im Dezember / Januar kriegen alle Mieter Post von der Stadtverwaltung und man kann den Batzen Geld entweder monatlich per Lastschrift zahlen oder alles auf einmal. Touristen, die hier wohnen, müssen mit einem gültigem Visum bei der Stadtverwaltung vorsprechen, wenn sie den Betrag nicht auf einmal zahlen können. Je nach Kommune, Stadtteil und Größe der Wohnung wird die Arnona berechnet. Schlimmstenfalls kommen da mehrere Tausend Euro auf einen zu.
Apropos Lastschrift: In Israel benötigt man für einen Lastschrifteinzug die Erlaubnis und Unterschrift seiner Bank.
Hinzu kommen Rechnungen wie Internet, Telefon und eine private Krankenversicherung. Wer allein monatliche Krankenkassenbeiträge von seinem Gehalt abgezogen bekommt, der sollte sich nicht darauf verlassen, tolle Leistungen zu erhalten. Deswegen zahle ich monatlich meiner Krankenkasse noch eine private Absicherung. Aber auch hier darf man sich nicht auf alles verlassen, denn Medikamente muss der Patient meistens selber bezahlen. Wer da Diabetiker ist oder an sonst einer Krankheit leidet, muss halt woanders sparen. Die Medikamente gehen richtig schön ins Geld.
Das Leben in Israel ist alles andere als leicht und man muss halt zusehen, dass man über die Runden kommt. Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld gibt es, aber das ist wenig und ich weiß nicht, wie die Leute davon leben. Noch dazu, wo sie selber die Miete zahlen müssen.
Jüdische Neueinwanderer haben erst nach einem Jahr Anspruch auf staatliche finanzielle Hilfen. Ausländer haben keinerlei Ansprüche und wenn ihnen das Geld ausgeht, müssen sie bei der Botschaft ihres Landes vorsprechen. Inwieweit die deutsche Botschaft da hilft, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis.

Die bestimmten Momente, in denen der Auswanderer aufgeben will

B“H
Im Jerusalemer Stadtteil Old Katamon kenne ich eine Frau, die mit ihren vier kleinen Kindern vor genau fünf Monaten Aliyah machte. Von Australien ist sie nach Israel eingewandert, weil sie einen Neuanfang suchte, nachdem ihr Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Als ich ihr sagte, dass es in Israel nicht leicht ist und dass die Aliyah (Einwanderung von Juden) nervig und bürokratisch sein kann, meinte sie, dass ihr das nichts ausmache, denn sie habe in der letzten Zeit Schlimmeres mitgemacht.
Soweit so gut, doch als ich sie vor ein paar Tagen wiedertraf meinte sie, dass es hier in Israel ja wirklich nicht leicht sei. Ständig renne sie von Amt zu Amt und ihr ältester Sohn soll jetzt nach den Sommerferien endlich die Schule beginnen. Und allein das sei eine Plage, denn damit er in die Schule kann, muss die Mutter durch die Ämter rennen. Und dass, obwohl sie religiöse Juden sind. Normalerweise nehmen israelische Schulen nur Juden auf. Palästinenser haben ihre eigenen Schulen und Christen gehen auf christliche Schulen. Klar existieren gemischte Schulen, doch die sind nicht unbedingt die Regel. Und so wird geprüft und nochmals geprüft.
Schnell wurde der Australierin klar, dass Israel chaotisch sein kann. Und das nicht nur für Neueinwanderer, sondern auch für jene, die schon Zehn oder Zwanzig Jahre oder ihr ganzes Leben hier wohnen. Jeder Neueinwanderer kennt diese bestimmten Tage, wenn alles schiefgeht und man bereit ist, aufzugeben und in das Land, aus dem man kam, zurückkehren will. JEDER Neueinwanderer kennt solche Momente, wenn einen alles ankotzt und man nur noch genervt und frustriert ist.
In Israel kann man nie gewinnen und es gibt immer Tage, an denen alles schiefgeht. Das Gefühl aufzugeben und wieder abzuhauen, verliert sich mit der Zeit, doch die chaotischen Tage bleiben ein Leben lang. 🙂
Meistens hängt alles mit Behörden zusammen oder die Mentalität mancher Leute geht einem auf den Sack. Ich lebe seit etwas mehr als Zwanzig Jahren im Land und bis heute erhalte ich irgendwelche Behördenbriefe, die sich am Ende als hinfällig erweisen. Im letzten Jahr schrieb mir meine Krankenkasse, dass ich Geld schulde. Sofort rief ich dort an und man meinte, der Brief sei ein Fehler gewesen und für jemand anderen bestimmt gewesen. „Sorry, schmeiß den Wisch halt in den Müll!“
Dann schickt mir die Nationalversicherung Bituach Leumi in regelmäßigen Abständen eine SMS. Dabei zahlt mein Arbeitgeber alle Beiträge und ich habe damit nichts zu tun. Jedesmal, wie erst gestern wieder, laufe ich zum Verwaltungsgebäude der Bituach, durchlaufe den gesamten Security Check und bin nach zwei Minuten beim Angestellten wieder draußen. Die Security dauert länger als alles andere. Die Angestellte meinte, die letzte SMS sei ebenfalls eine Fehlermeldung gewesen. Ich schulde gar nichts und mein Arbeitgeber zahle. Dann druckte sie mir eine angebliche „Geheimnummer“ aus, die ich anrufen kann, falls ich wieder eine derartige SMS erhalte. Dann bräuchte ich nicht alle paar Monate zur Bituach zu laufen. Nur stellte sich diese „Geheimnummer“ als Hotline heraus, die ich eh schon angerufen hatte und wo niemand jemals den Telefonhörer abnimmt. Also werde ich in ein paar Monaten wieder hingehen müssen, sobald wieder eine SMS eintrifft.
Kurz gesagt, man verschwendet viel Zeit damit, Behördenkram hinterherzulaufen, der sich letztendlich als Behördenfehler entpuppt. „Ja, sorry, ignoriere halt die SMS“, sagte mir die Angestellte gestern. Aber wenn ich das tue, kriege ich bald eine weitere SMS mit irgendwelchen Strafandrohungen. 🙂
Die Australierin bekam einen 100 Schekel (circa 30 Euro) Strafzettel an ihr Auto geklebt, weil sie kein Anwohnerschild hinter der Autoscheibe hatte. Nur Anwohner dürfen in der HaPalmach Street parken und da sie an einer Ecke zweier Straßen wohnt, doch nur die eine Straße im Personalausweis vermerkt ist und sie aber in der zweiten Straße parkte, wird sie gezwungen, die Strafe zu zahlen. Sie könne Widerspruch einlegen, doch dass dauere und am Ende müsse sie eh zahlen.
Jeder Staatsbürger (egal, ob Jude oder Palästinenser) kann gegen alles und jeden Widerspruch einlegen, aber am Ende bleibt man als Otto Normalverbraucher doch meistens hilflos auf der Strecke. Für Neueinwanderer ist das umso härter, da man solch Vorgehensweise aus der westlichen Welt nicht gewohnt ist. In Deutschland, zum Beispiel, traf nie etwas Unerwartetes bei mir ein und falls einem Amt einmal ein Fehler unterlief, so trat der nach einer Korrektur nie wieder auf. In Israel jedoch heißt es dagegen: „Okay, nichts passiert. Du kannst wieder gehen!“
Bis zum nächsten Mal dann …