Leben in Jerusalem

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Der Lieblingssport der Israelis fand ein gesetzliches Ende – oder doch nicht?

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King George Street / Jerusalem – Copyright: Miriam Woelke

B“H
Der Lieblingssport fast aller Israelis ist bzw. war das Horten von Plastiktüten an den Supermarktkassen. Man nahm nicht nur soviele Plastiktüten, wie man tatsächlich braucht, sondern die Leute sackten gleich ganze Berge von kostenlosen Tüten ein. Der Grund dafür ist simpel: Man benutzt die Tüten daheim als Abfalltüten im Mülleimer. Richtige Mülleimertüten zu kaufen, ist teuer und wenn denn alle Plastiktüten an den Kassen eh umsonst ausliegen, bedient man sich halt auf diese Weise.
Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist alles anders, denn die Regierung erliess ein neues Gesetz, nachdem jede Tüte an der Supermarktkasse 10 Agoroth (ca. 3 Cent) kosten soll. Am 1. Januar kaufte ich nach der Arbeit bei der Rami Levi – Supermarktkette im Stadtteil Talpiyot ein und ich fand ein riesen Gewurschtel vor. Auf einmal 10 Agoroth zahlen? Das war mehr als ungewohnt, doch bei der geringen Summe denken sich die Leute, dass das ja nicht viel ist und nehmen halt 10 Tüten für 1 Schekel. Gleichzeitig aber gab man bei Rami Levi hauseigene Einkaufstaschen umsonst aus. Auch aus Plastik, aber man kann sie ewig lange benutzen.
Allerdings gibt es bei der gesetzlich verordneten Plastikmüllvermeidung einen dicken Haken: In den kleinen Makolets (Tante – Emma – Läden) sind alle Tüten weiterhin umsonst. Dasselbe betrifft die Supermarktkette „Super Deal“. Und wer bei Rami Levi oder Osher Ad Obst und Gemüse einkauft, der stopft Karotten, Kartoffeln, Früchte, Paprikaschoten, Gurken, Tomaten, etc. in je eine Plastiktüte. Und in dem Falle sind die Plastiktüten auch umsonst. Nur halt nicht an der Kasse.
Wie man es auch dreht, die Kundschaft bedient sich nach wie vor umsonst, denn wer will viel Geld für richtige Mülleimertüten ausgeben?

Israel am 1. Januar 2017

B“H
Blauer Himmel, Sonnenschein und steigende Temperaturen in dieser Woche. Freitag sollen es in Jerusalem bis zu 16 Grad Celsius werden. Yeah! Endlich einmal wieder nach drei Wochen Eiseskälte (3 – 10 Grad). Derartige Temperaturen sind nicht gerade einfach in einem Land, in dem richtig gute Heizungen rar sind.
Gestern Abend kam ich kurz vor Mitternacht aus der Dusche und gleich darauf hörte ich ein kurzes Feuerwerk. Weniger als eine halbe Minute gingen ein paar Raketen hoch und das fand wohl, wie in jedem Jahr, bei den benachbarten Palästinensern statt. Danach war Ruhe und passierte auch nichts mehr. Der 1. Januar ist in Israel ein ganz normaler Arbeitstag und die Leute müssen morgens früh raus. Wer sich nicht gerade freinimmt und Silvester in Tel Aviv verbringt, muss am Morgen darauf arbeiten.
Was uns in diesem neuen Monat mehr beschäftigt als irgendwelche Verhandlungen mit den Palästinensern? Rechnungen zahlen. Versicherungen, Grundsteuer an die Stadt (Arnona) sowie das Finanzamt. Im Januar kommt stets alles auf einmal und jeder ist am Herumjonglieren mit seinem Einkommen. Israel ist ein teures Land und wer meint, er könnte einiges Geld ansparen, erlebt jetzt im Januar diverse Überraschungen, denn jeder will Geld und man muss zahlen. Dazu trudelt eine höhere Stromrechnungen aufgrund der elektrischen Radiatoren – Heizung ein. Der tägliche Kampf gegen Rechnungen und die hohen Lebenshaltungskosten beschäftigen die Bevölkerung mehr als alles andere drumherum. Wer nur als Tourist im Lande weilt, bekommt von all dem kaum etwas mit, denn er muss ja keine Rechnungen zahlen. 🙂
Ich bin immer froh, wenn der Januar rum ist. Nicht wegen der Rechnungen, sondern weil dieser Monat sowie der Februar die kältesten Monate des Jahres sind. Aber vielleicht haben wir Glück und es wird nicht mehr so kalt wie im Dezember.  

Eine neue Woche

B“H
In Israel ist alles beim Alten. Sarah Netanyahu muss seit Mai regelmäßig zu Polizeiverhören antreten, denn ihr wird Bestechung vorgeworfen. Sie habe diverse Geschenke erhalten und sich dadurch beeinflussen lassen. Richtige Beweise hat das Betrugsdezernat jedoch noch nicht vorgebracht.
In der Knesset herrscht der übliche Zoff und momentan steht ein Abgeordneter des Bayit Yehudi unter Verdacht, Frauen sexuell belästigt zu haben. Irgendwie kommt diese Anschuldigung immer wieder auf und oft weiß man nicht mehr, ob das alles der Wahrheit entspricht oder nur Politiker rausgegrault werden sollen wie vor circa einem Jahr Netanyahus Kontrahent, Silvan Shalom.
Die Siedlung Amona wird geräumt und man erwartet einen Konflikt zwischen Polizei und den nationalreligiösen Siedlern. Und zu guter Letzt begann am Donnerstag endlich der Winter. Mit Sturm und Regengüssen bis gestern früh. Seit ein paar Jahren kommt der Winterregen fast immer in Verbindung mit Sturmböen, was jedes Mal im Chaos endet. Staus auf den Straßen und Überschwemmungen.
Wer sich wundert, dass ich momentan nicht alle Emails beantworte: Mein Router hat den Geist aufgegeben, aber dieser Tage wird ein neuer geliefert. Für den neuen Router zahle ich nichts, denn der monatliche Internetpreis liegt eh schon hoch. Nur die Lieferung nach Hause muss ich zahlen.
In Israel gibt es schnelles und sicheres Internet, aber das hat seinen Preis. Mit Billigangeboten angelockt wird am Ende die Mehrwertsteuer draufgeschlagen. Zusammen mit der extra Gebühr an Bezek für die Taschtit (Internetleitung). Wer nicht aufpasst, zahlt extra. Also, immer genau nachfragen, was im Preis enthalten ist, sonst drohen extreme monatliche Rechnungen. 🙂

Das Leben in der Provinz hat seinen Preis

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Photo: Miriam Woelke

B“H
Nach wie vor entscheiden sich zahlreiche Israelis hinaus aufs Land zu ziehen. Lieber zur Arbeit in die Großstädte pendeln anstatt einen Batzen Miete zu zahlen.
Was kostet eine 3 – Zimmer – Wohnung in Tel Aviv? Mindestens 7000 Schekel (ca. 1600 Euro), oder? Zumindest dann, wenn die Bleibe nicht vollständig heruntergekommen ist. Wobei meine Einschätzung der 7000 Schekel bestimmt noch billig ist. 8000 – 10,000 Schekel Miete in Tel Aviv ist doch heutzutage keine Seltenheit mehr. Kein Wunder, dass die Leute in WGs leben müssen. Insbesondere dann, wenn sie Single sind. Wie genau alleinerziehende Mütter das hinkriegen – ich habe keine Ahnung. In Tel Aviv sind die Wartelisten der Sozialwohnungen lang und unter zehn Jahren geht gar nichts. Israelische Ehepaare müssen zwangsläufig arbeiten und mit Hausfrau und daheim bleiben ist nichts. Ein Gehalt allein geht schon für die Miete drauf.
In Jerusalem schaut es mittlerweile nicht so viel besser aus. Auch hier sind 6000 Schekel Miete und mehr völlig normal für eine 3 – Zimmer – Wohnung. Die Mieten steigen, die Gehälter nicht. In Jerusalem, Beersheva sowie in der Provinz verdienen die Leute eh weniger als im Küstenbereich. Dafür sind dann die Lebenshaltungskosten im Großraum Tel Aviv extrem hoch und jeder muss sehen, wie er über die Runden kommt. Mit der Miete allein ist es eh noch nicht getan, denn in Israel zahlt der Miete die gesamte Grundsteuer (Arnona) für die Wohnung. Und das schlägt sich nochmals massiv nieder.
Kein Wunder also, wenn selbst Besserverdiener in die Provinz ziehen, um sich dort ein billigeres Häuschen zu bauen oder eine Wohnung zu kaufen. Wer nicht kaufen will, sucht sich was zur Miete und kommt günstiger weg als andere in den Metropolen.
Alles hat seine Vor – und Nachteile. Wer hinaus in die Provinz zieht, muss pendeln und morgens ein bis zwei Stunden eher zur Arbeit fahren. Abends wird dieselbe Fahrzeit für den Heimweg einkalkuliert. Ohne zu pendeln kommt man meist nicht aus, denn die Arbeitsplätze in der Provinz sind dünn gesät und extrem schlecht bezahlt. Mehr als den Mindestlohn ist kaum drin.
Provinzstädte wie Afulah und das nicht allzu weit entfernte Nazareth versuchen immer wieder, Unternehmen anzulocken. Bislang ohne viel Erfolg. Wobei Nazareth aus einem jüdischen (Nazeret Illit) und einem arabischen Teil besteht.
Doch selbst wenn sich Unternehmen in der Provinz ansiedeln, so ist das noch lange kein Garant für neue Arbeitsplätze vor Ort. Als INTEL sich in Kiryat Gat niederliess, brachte das Unternehmen die Angestellten aus Tel Aviv und Umgebung mit, denn in Kiryat Gat findet man nicht unbedingt qualifizierte Software Programmierer.
Was also tun? In die günstigere Provinz ziehen und am Ende viel Geld für die Pendelei ausgeben? Kulturell kann man die Provinz so gut wie vergessen und am Ende fahren die Leute dann doch zum Bummeln nach Haifa, Tel Aviv oder Netanya. Wer dagegen im teuren Zentrum bleibt, hat zwar keine weiten Anfahrtswege, doch alles andere ist unsagbar teuer.
Eine definitive Lösung gibt es nicht und jeder muss halt für sich entscheiden, wo er besser zurechtkommt.

Beliebte Kindernamen in Israel und die Zeit nach den Feiertagen

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Photo: Miriam Woelke

Im Kulturzentrum Alter Bahnhof von Jerusalem
B“H

Die beliebstesten Kindernamen in Israel sind:

http://www.jpost.com/Israel-News/Israelis-go-retro-with-baby-names-469602
In den 80iger Jahren vernahm man an jeder Ecke den männlichen Vornamen Guy. Irgendwie schien es nur noch irgendwelche Guys zu geben und nichts anderes mehr. Ende der 90iger hiessen unzählige männliche Neugeborene Ro’i. Nicht Roy ausgesprochen, sondern Ro’iiiiiiiii.
Bei den Mädels wurde Shira zu einem der beliebtesten Namen. Shira, Rotem, Revital, Inbal und dazu auch biblische Namen. Ich kenne eine junge Frau, die Daniel heißt. Ständig muss sie sich rechtfertigen, dass sie eine Frau und kein Mann ist. Des Weiteren kenne ich eine Frau, die Nizzan heißt. Nicht Nitza, sondern Nizzan. Ein Name, den man auch nur aus der Männerwelt kennt.
In Israel muss man stets vorsichtig sein, denn eine Menge Vornamen gelten für Männlein und Weiblein: Yuval, Tal oder Sharon, zum Beispiel.

 

Die Zeit der jüdischen Feiertage ist bis Chanukkah (diesmal Ende Dezember) vorbei. Der Alltag hat uns voll wieder. Bedeutet, arbeiten, Rechnungen zahlen und zu leben. An diesem Mittwoch steht der erste richtige Wintertag vor der Türe. Dauerregen und bereits morgen soll es stürmisch werden. In Jerusalem einen Regenschirm aufzuspannen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, denn sobald es regnet, stürmt es auch fast immer. Und somit ist dann der Regenschirm dahin.
Zwar wird es am Donnerstag mit 20 Grad Celsius und Sonne wieder wärmer, doch die Nächte bleiben bei 12 Grad kühl.
Was ich bereits schon einmal erwähnte: Immer mehr Post – und Bankfilialen schließen. Mit dem Resultat, dass die verbliebenen Filialen meist restlos überfüllt sind und die Kundschaft bis sonst wohin Schlange steht. Aktuell wollen Bank Hapoalim und die First International Bank of Israel wieder einmal Personal reduzieren:
http://www.globes.co.il/en/article-bank-hapoalim-announces-new-streamlining-program-1001157905
http://www.globes.co.il/en/article-first-intl-bank-also-plans-layoffs-1001158056
Bei der Post schaut es nicht viel besser aus.

 

Neulich habe ich mich mal nebenbei schlau gemacht, wie es denn mit den Steuern ausschaut, wenn ich eventuell ein Aktiendepot bei der Bank einrichten will. Die Antwort fiel negativ aus, denn in Israel zahlen wir auf alles Steuern. Selbst bei Lottogewinnen schlägt die Steuer gnadenlos zu. Auch aus diesem Grund gehen nicht gerade selten viele Gründer pleite. Wegen der hohen Kosten und ständig eintrudelnden Rechnungen.
Ein Sparkonto lohnt sich, aufgrund der kaum vorhandenen Zinsen, ebenso wenig. Dafür berichtete mir jemand von seiner Investition: Er kaufte eine Wohnung, die er vermietet. Okay, da würden Instandhaltungskosten anfallen, doch der Mieter trage sämtliche Grundsteuern und die Miete werde in Israel nicht besteuert. Noch nicht!
Soviel Geld aber habe ich dann doch nicht auf der Seite. Nocht nicht! 🙂 

Israel: „Die Sommerzeit geht zuende“

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B“H

In der Nacht von Samstag auf Sonntag (29. / 30. November 2016) endet in Israel offiziell die Sommerzeit. Momentan ist es abends um 18.30 Uhr dunkel. Mit dem Einzug der Winterzeit wird es demnächst gegen 17.00 Uhr stockdunkel sein.

Israels aktuelle Tourismusdaten

B“H
In Jerusalem sieht man schon den ein oder anderen Touristen, doch die Massen, wie wir sie noch vor Jahren hatten, bleiben aus. Als offizieller Grund wird der arabische Terror genannt, doch denke ich, dass der Rückgang des Tourismus mit den Preisen im Land zu tun hat. Besonders für Budget – bzw. Rucksacktouristen erweist sich Israel als extrem teures Land. Von der Übernachtung bis hin zum Essen, Restaurants sowie Entertainment.
Israel ist schweineteuer und was sollen wir Bewohner da erst sagen? Hohe Lebenshaltungskosten und niedrige Einkommen? Aber man gewöhnt sich daran, wenn man denn bereit ist, Abstriche zu machen.
http://www.globes.co.il/en/article-foreign-tourist-overnights-in-israel-down-15-in-august-1001153905