Leben in Jerusalem

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Aschkanazische und Sephardische Juden Israel

B“H
Kürzlich schrieb mir ein Blogleser, dass sephardische Juden in Israel unter einer aschkenazischen „Elite“ zu leiden haben bzw. dass sie in der Rangordnung ganz unten stehen.
Früher war das einmal so, denn als Hunderttausende sephardische Juden nach der Gründung des Staates Israel ins Land zogen, wurden viele von ihnen alles andere als fair behandelt. So war das halt unter der Regierung Ben Gurion. Man betrachtete die Juden aus dem Jemen, aus Kurdistan, dem Irak, Tunesien, Algerien, etc. als primitiv. Nicht selten stimmte das sogar, wenn man sich auf die Schulbildung bezog.
Ich will jetzt nicht detailliert auf die Geschichte der sephardischen und aschkenazischen Juden in Israel eingehen. Das würde den Rahmen sprengen.
Heutzutage bestehen, nach wie vor, Unterschiede. Sephardische Juden folgen anderen jüdischen Bräuchen und haben ihre eigene Mentalität und ihr traditionelles Essen. Wobei untereinander die Kurden über die Iraker und Iraner lästern oder die Marokkaner über die Kurden. In Israel wird jeder Bewohner in eine Schublade gepackt. Juden aus Deutschland sind pünktlich, fleißig und humorlos. Kurden sind dumm und die Iraner sind geizig. Die Lästereien sind meistens nicht ernst gemeint, sondern eher ironischer Art.
Jahrelang arbeitete ich als Aschkenazi nur mit Sepharden aus Kurdistan, dem Iran, Irak sowie aus Marokko zusammen. Sie machten sich über mich lustig, ich über sie und dann fielen alle übereinander her.
Mittlerweile finden wir unzählige israelische Ehepaare, wo der eine Teil sephardischer und der andere Teil aschkenazischer Abstammung ist. Die israelische Armee wird von sephardischen Juden, insbesondere den Irakern, dominiert. Bei der Eliteeinheit Golani dienen mehrheitlich sephardische Juden. Ebenso in der Mishmar HaGvul (Grenzpolizei der Armee). Mag sein, dass die Luftwaffe noch aschkenazisch sominiert wird. Mit Sicherheit kann ich das nicht sagen.
Es finden sich sephardische Richter, Ärzte, Lehrer, Anwälte, Politiker, Schauspieler, etc. Überhaupt werden zahlreiche Orte im Lande von sephardischen Juden dominiert: Jerusalem, Arad, Kiryat Gat, Netivot oder Sderot. Tel Aviv hingegen ist mehrheitlich aschkenazisch.
Dass es dennoch aschkenazische „Rassisten“ gibt, läßt sich nicht verleugnen. Diverse ablehnende Meinungen zu den Sepharden kriechen immer dann hervor, sobald die ARSIM auftreten. Bei ARSIM handelt es sich um eine bestimmte Gruppe sephardischer Juden, die sich total proletarisch benehmen. „Hey, was is los?“ und so.
Sobald ein ARSI herumbrüllt, kriegen aschkenazische Juden Zustände. Dasselbe gilt übrigens auch für ein diverses primitives Verhalten sephardischer Frauen. Marokkanerinnen tun sich da besonders hervor. Die mit den blondgefärbten Haaren und den Miniklamotten an einem viel zu beleibten Körper.
ARSIM werden im TV gerne satirisch dargestellt oder es wird sich über sie lustig gemacht. Antreffen tut man sie in ärmeren Stadtvierteln, dem Machane Yehudah Markt in Jerusalem oder in Bat Yam, etc. Wo man sie auch vermehrt trifft, ist am Strand von Tel Aviv, aber das wissen die Touristinnen nicht. 🙂 
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Hohes Leserinteresse an den Preisen in Israel

B“H
Bezüglich der PREISE IN ISRAEL besteht ein extrem hohes Leserinteresse. Was kostet was in Israel? Wobei es ganz klar darauf ankommt, wo man denn einkauft: Beim Discounter, im Tante – Emma – Laden (Makolet) oder in einem kleinen Supermarkt.
Discounter wie RAMI LEVI oder OSCHER AD sind fast immer die billigsten im Land, was jedoch keineswegs gleichzusetzen ist mit Aldi oder Lidl. In Israel sind selbst die Discounter, im Vergleich zu Deutschland, teuer. Zum Beispiel kostet in Israel ein stinknormaler kleiner Camembert 5 Euro. 2 – 3 Bisse und das Ding is weg.
Viele Israelis kaufen im Supermarkt geschnittenes billiges Brot aus der Fabrik. Was das kostet, kann ich nicht sagen, denn ich mag das wässerige Zeug nicht. Beim Bäcker zahle ich für einen kleinen Laib Brot mindestens 4 Euro. Ein Roggenbrot kostet sogar 5 Euro und diese Brote sind eher klein. Eine Familie wird davon kaum satt werden.
Eine stinknormale Tafel Schokolade kostet mindestens 1,50 Euro. Der billigste Joghurt ohne Früchte und Geschmack kostet 55 Cent. Klein ausfallende Joghurtbecher mit Früchten kosten etwas über 1 Euro pro Stück. Ein Liter Milch in der Plastiktüte kostet 1,20 Euro. Wer den Liter im Tetrapack kauft, zahlt fast 2 Euro.
Was in Israel wenig verbreitet ist, ist Wurst zum aufs Brot schmieren. Zwar sichtete ich Leberwurst bei Rami Levi, doch Mettwurst, etc. gibt es nicht. Israelis lieben Würstchen, Hackfleisch, Schnitzel und Hühnchen. Für 1 kg Hackfleisch zahle ich beim Metzger etwas mehr als 12 Euro. Beim Oscher Ad Discounter mit minderer Qualität kostet das Kilo 8 – 10 Euro.
Für 30 Rollen Klopapier zahle ich bei Rami Levi etwas mehr als 6 Euro. Und das ist das allerbilligste Klopapier. Normalerweise muss man mit circa 10 Euro rechnen. Käse, Fleisch, Fisch, Alkohol oder Zigaretten sind teuer. Wie gut, dass ich weder rauche noch mir dauernd Bier leiste. Alle paar Monate vielleicht ein israelisches Goldstar oder ein bayerisches Hefeweizen. Das war es dann auch!
Ein paar deutsche bzw. schweizer Produkte finden sich in den hiesigen Supermärkten auch: Ritter Sport, Knorr Fertigsuppen (Maggi leider nicht), Thomy Mayonnaise (ich kaufe nur die Hellmanns), Milka Schokolade oder Nivea Creme. Die Nivea ist extrem teuer und eine große Dose kostet da locker 10 Euro.
Seit Monaten sind selbst Obst und Gemüse sauteuer und dabei muss man aufpassen, dass es sich nicht um Ramschware handelt. Ein oder zwei Tage im Kühlschrank und schon gammelt alles. Ich denke mal, dass die bessere Ware in den Export geht. Beim Rami Levi Discounter gibt es stets billige Gurken und Tomaten und die Ware hält sich ein paar Tage.
Hinzu kommen hohe Mieten, denn auch in Israel herrscht Wohnungsnot. Bezahlbaren Wohnraum zu finden ist schwer. Ein Bekannter von mir ist gerade in eine frischgebaute Neubauwohnung gezogen. Drei kleine Zimmer für etwas mehr als 5000 Schekel (1200 Euro) Kaltmiete. Sein Wohnzimmer hat die Größe meiner Küche. Circa 12 Quadratmeter. Dafür hat er eine kleine Terrasse mit Garten und einen Bunkerraum, den er als Arbeitszimmer nutzt. Aber in Jerusalem muss man ja selbst für ein mickriges WG – Zimmer schon 400 – 500 Euro Miete rechnen. Kaltmiete wohlgemerkt!
Strom ist in Israel billiger als in Deutschland. Pro Monat zahle ich im Sommer (ohne elektrische Heizung im Winter) 60 Schekel (15 Euro). Und derzeit habe ich ständig zwei Ventilatoren laufen, Kühlschrank, Internet, Kaffeemaschine und ab und zu die Waschmaschine.
In Israel wird vorwiegend mit Gas gekocht und auch das ist recht billig, wenn man denn nicht mehrere Stunden am Tag kocht. Wer jedoch mit Gas heizt, der kann sich auf eine saftige Rechnung freuen. Wie meine Nachbarn im letzten Winter mit 2000 Schekel (500 Euro) im Monat.
Wie ich bereits mehrere Male erwähnte: Die gesamte Grundsteuer (Arnona) zahlt hierzulande der Mieter. Im Dezember / Januar kriegen alle Mieter Post von der Stadtverwaltung und man kann den Batzen Geld entweder monatlich per Lastschrift zahlen oder alles auf einmal. Touristen, die hier wohnen, müssen mit einem gültigem Visum bei der Stadtverwaltung vorsprechen, wenn sie den Betrag nicht auf einmal zahlen können. Je nach Kommune, Stadtteil und Größe der Wohnung wird die Arnona berechnet. Schlimmstenfalls kommen da mehrere Tausend Euro auf einen zu.
Apropos Lastschrift: In Israel benötigt man für einen Lastschrifteinzug die Erlaubnis und Unterschrift seiner Bank.
Hinzu kommen Rechnungen wie Internet, Telefon und eine private Krankenversicherung. Wer allein monatliche Krankenkassenbeiträge von seinem Gehalt abgezogen bekommt, der sollte sich nicht darauf verlassen, tolle Leistungen zu erhalten. Deswegen zahle ich monatlich meiner Krankenkasse noch eine private Absicherung. Aber auch hier darf man sich nicht auf alles verlassen, denn Medikamente muss der Patient meistens selber bezahlen. Wer da Diabetiker ist oder an sonst einer Krankheit leidet, muss halt woanders sparen. Die Medikamente gehen richtig schön ins Geld.
Das Leben in Israel ist alles andere als leicht und man muss halt zusehen, dass man über die Runden kommt. Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld gibt es, aber das ist wenig und ich weiß nicht, wie die Leute davon leben. Noch dazu, wo sie selber die Miete zahlen müssen.
Jüdische Neueinwanderer haben erst nach einem Jahr Anspruch auf staatliche finanzielle Hilfen. Ausländer haben keinerlei Ansprüche und wenn ihnen das Geld ausgeht, müssen sie bei der Botschaft ihres Landes vorsprechen. Inwieweit die deutsche Botschaft da hilft, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis.

Die bestimmten Momente, in denen der Auswanderer aufgeben will

B“H
Im Jerusalemer Stadtteil Old Katamon kenne ich eine Frau, die mit ihren vier kleinen Kindern vor genau fünf Monaten Aliyah machte. Von Australien ist sie nach Israel eingewandert, weil sie einen Neuanfang suchte, nachdem ihr Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Als ich ihr sagte, dass es in Israel nicht leicht ist und dass die Aliyah (Einwanderung von Juden) nervig und bürokratisch sein kann, meinte sie, dass ihr das nichts ausmache, denn sie habe in der letzten Zeit Schlimmeres mitgemacht.
Soweit so gut, doch als ich sie vor ein paar Tagen wiedertraf meinte sie, dass es hier in Israel ja wirklich nicht leicht sei. Ständig renne sie von Amt zu Amt und ihr ältester Sohn soll jetzt nach den Sommerferien endlich die Schule beginnen. Und allein das sei eine Plage, denn damit er in die Schule kann, muss die Mutter durch die Ämter rennen. Und dass, obwohl sie religiöse Juden sind. Normalerweise nehmen israelische Schulen nur Juden auf. Palästinenser haben ihre eigenen Schulen und Christen gehen auf christliche Schulen. Klar existieren gemischte Schulen, doch die sind nicht unbedingt die Regel. Und so wird geprüft und nochmals geprüft.
Schnell wurde der Australierin klar, dass Israel chaotisch sein kann. Und das nicht nur für Neueinwanderer, sondern auch für jene, die schon Zehn oder Zwanzig Jahre oder ihr ganzes Leben hier wohnen. Jeder Neueinwanderer kennt diese bestimmten Tage, wenn alles schiefgeht und man bereit ist, aufzugeben und in das Land, aus dem man kam, zurückkehren will. JEDER Neueinwanderer kennt solche Momente, wenn einen alles ankotzt und man nur noch genervt und frustriert ist.
In Israel kann man nie gewinnen und es gibt immer Tage, an denen alles schiefgeht. Das Gefühl aufzugeben und wieder abzuhauen, verliert sich mit der Zeit, doch die chaotischen Tage bleiben ein Leben lang. 🙂
Meistens hängt alles mit Behörden zusammen oder die Mentalität mancher Leute geht einem auf den Sack. Ich lebe seit etwas mehr als Zwanzig Jahren im Land und bis heute erhalte ich irgendwelche Behördenbriefe, die sich am Ende als hinfällig erweisen. Im letzten Jahr schrieb mir meine Krankenkasse, dass ich Geld schulde. Sofort rief ich dort an und man meinte, der Brief sei ein Fehler gewesen und für jemand anderen bestimmt gewesen. „Sorry, schmeiß den Wisch halt in den Müll!“
Dann schickt mir die Nationalversicherung Bituach Leumi in regelmäßigen Abständen eine SMS. Dabei zahlt mein Arbeitgeber alle Beiträge und ich habe damit nichts zu tun. Jedesmal, wie erst gestern wieder, laufe ich zum Verwaltungsgebäude der Bituach, durchlaufe den gesamten Security Check und bin nach zwei Minuten beim Angestellten wieder draußen. Die Security dauert länger als alles andere. Die Angestellte meinte, die letzte SMS sei ebenfalls eine Fehlermeldung gewesen. Ich schulde gar nichts und mein Arbeitgeber zahle. Dann druckte sie mir eine angebliche „Geheimnummer“ aus, die ich anrufen kann, falls ich wieder eine derartige SMS erhalte. Dann bräuchte ich nicht alle paar Monate zur Bituach zu laufen. Nur stellte sich diese „Geheimnummer“ als Hotline heraus, die ich eh schon angerufen hatte und wo niemand jemals den Telefonhörer abnimmt. Also werde ich in ein paar Monaten wieder hingehen müssen, sobald wieder eine SMS eintrifft.
Kurz gesagt, man verschwendet viel Zeit damit, Behördenkram hinterherzulaufen, der sich letztendlich als Behördenfehler entpuppt. „Ja, sorry, ignoriere halt die SMS“, sagte mir die Angestellte gestern. Aber wenn ich das tue, kriege ich bald eine weitere SMS mit irgendwelchen Strafandrohungen. 🙂
Die Australierin bekam einen 100 Schekel (circa 30 Euro) Strafzettel an ihr Auto geklebt, weil sie kein Anwohnerschild hinter der Autoscheibe hatte. Nur Anwohner dürfen in der HaPalmach Street parken und da sie an einer Ecke zweier Straßen wohnt, doch nur die eine Straße im Personalausweis vermerkt ist und sie aber in der zweiten Straße parkte, wird sie gezwungen, die Strafe zu zahlen. Sie könne Widerspruch einlegen, doch dass dauere und am Ende müsse sie eh zahlen.
Jeder Staatsbürger (egal, ob Jude oder Palästinenser) kann gegen alles und jeden Widerspruch einlegen, aber am Ende bleibt man als Otto Normalverbraucher doch meistens hilflos auf der Strecke. Für Neueinwanderer ist das umso härter, da man solch Vorgehensweise aus der westlichen Welt nicht gewohnt ist. In Deutschland, zum Beispiel, traf nie etwas Unerwartetes bei mir ein und falls einem Amt einmal ein Fehler unterlief, so trat der nach einer Korrektur nie wieder auf. In Israel jedoch heißt es dagegen: „Okay, nichts passiert. Du kannst wieder gehen!“
Bis zum nächsten Mal dann …

Zum Leben in Israel

B“H
Hunderte, wenn nicht gar Tausende Male, wurde auf diesem Blog nach der Antwort auf die Frage gesucht, von was denn Ultra – orthodoxe Juden eigentlich leben. Immer noch scheint im deutschsprachigen Raum die weitverbreitete Meinung umzugehen, dass Ultra – orthodoxe Juden nichts tun und nur Geld vom Staat kassieren. Aber dem ich beileibe nicht so.
Stattdessen sollte die Frage besser lauten:
Von was leben die Israelis?
Immer und immer wieder googeln die Leute nach dem Preisniveau in Israel und stoßen dabei auf diesen Blog. Und immer wieder neu antworte ich selbst in Emails, dass das Preisniveau hierzulande sehr hoch liegt.
Wenn Ihr auf Wikipedia oder sonstwo schaut, werden Euch geradezu utopische Monatseinkommen vorgegeben. Einkommen, die mit der Realität des Arbeitslebens nichts zu tun haben. Jemand an der Kasse im Supermarkt oder eine Verkäuferin in einer Boutique, zum Beispiel, verdienen 25 Schekel die Stunde. Der gesetzliche Mindeststundenlohn. In Euro wären das keine 7 Euro die Stunde. Somit kann man sich ausrechnen, wie eine Verkäuferin, die vielleicht noch alleinerziehend ist, herumkrebst. Wobei eine Menge Supermärkte auch männliche Kassierer haben und nicht nur Frauen.
Wer in Israel gut verdienen will, der arbeite für eine der großen Hightech – Firmen. Aber nicht in deren Call Center. 🙂 Wobei die Hightech – Branche heuert und feuert. Feuern besonders dann, wenn man das 35. Lebensjahr überschritten hat.
Ein anderer Berufszweig, der recht gut verdient, ist das Handwerk. Egal, welcher Art. In Israel werden gute Handwerker auch gut bezahlt.
Die eigentliche Frage bezüglich Israel sollte dennoch lauten: Wie meistern Israelis ihr Leben? Und damit meine ich nicht den arabischen Terror, sondern den stinknormalen Alltag.
Die Lebenshaltungskosten sind extrem hoch. Zwar gibt es Lebensmitteldiscounter, doch die sind, im Vergleich zu Deutschland, immer noch überteuert. Hinzu kommen die hohen Mieten und wer ein Fahrzeug besitzt, der zahlt erst richtig drauf. Versicherungen und Sprit – das geht ins Geld.
Ich würde allen, die immer wieder mal anfragen, weil sie mit dem Gedanken spielen, nach Israel zu ziehen, raten, sich hierzulande erst einmal umzuschauen. Ob Arbeit da ist und, wenn es sich um Nichtjuden handelt, ob es überhaupt eine Arbeitserlaubnis oder Visaverlängerungen gibt. Zuerst sollte sich derjenige beim israelischen Innenministerium nach der Gesetzeslage erkundigen, ehe er seine Koffer packt. In der Regel sind die Aufenthalte von Nichtjuden im Land zeitlich befristet, es sei denn, jemand hat einen Arbeitgeber, der nachweisen kann, keinen Israeli für die Stelle zu finden. Das aber geschieht eher selten und Touristen werden nicht gerne eingestellt.
Auch zahlt der Staat Israel an Leute, die keine Staatsbürger sind, keinerlei Sozialhilfe oder unterstützt sie sonst in irgendeiner Form. Wer noch dazu ohne gültiges Visum erwischt wird, wird abgeschoben. Diesbezüglich sollte man sich vielleicht im Voraus bei der deutschen Botschaft in Tel Aviv erkundigen, bevor sich jemand in Israel eine Wohnung sucht und dann nach ein paar Monaten kein neues Visum mehr ausgestellt bekommt.
Wie Israelis finanziell überleben? Man ist flexibel und innovativ. Vor allem aber zählt Bildung. In Deutschland wollen immer mehr junge Leute alles aufgeben, um sich einem Pseudo – Online – Business zu widmen. Siehe die DNX (Digitale Nomaden – Konferenz) in Berlin vor einer Woche. Tausende Deutsche zieht es offenbar ins digitale Nomadentum und dafür werden Studium, Job oder Ausbildung einfach geschmissen. Aus Israel kenne ich das anders, denn man legt hohen Wert auf Bildung und auch Aus – und Weiterbildung.
Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor im Alltagsleben ist die Mentalität der Leute. Vor allem unter Arbeitskollegen. Deshalb ist mein Rat an all jene Leute, die nach dem Leben in Israel fragen, da sie mit dem Gedanken spielen, hierherzuziehen stets, sich im Vorfeld zu erkundigen. Und das auch vor Ort und bei Behörden. Mir schrieben schon Leute, die ein oder zwei Jahre in Israel lebten, aber nie eine Arbeitserlaubnis erhielten und finanziell am Abgrund sind, denn sie haben als Touristen keinerlei Rechte.
Israelis haben es da einfacher, denn man pumpt sich eventuell Geld von der Bank oder den Eltern. Man kennt die Tricks durchs Leben zu kommen wohingegen es jüdische Neueinwanderer wesentlich schwerer haben.

Wie überlebt man (finanziell) in Israel?

B“H
Israelis denken oft weniger an den arabischen Terror als daran, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und Rechnungen zu zahlen. Israel ist ein extrem teures Land und wer hier überleben will, der muss hart und viel arbeiten.
Die beiden nachfolgenden Videos geben Euch einen kleinen Einblick in den Alltag! Wobei ich erwähnen sollte, dass das gesetzliche Mindesgehalt bei circa 5000 Schekel (1370 Euro) im Monat liegt. Der gesetzliche Stundenlohn um die 25 Schekel (6 Euro). Wer nur 25 – 30 Schekel Stundenlohn verdient, kommt auf keinen besonders grünen Zweig und muss immense finanzielle Abstriche machen. Leisten kann man sich da nichts und wer Glück hat, der zahlt seine Rechnungen.
Wer sich den israelischen Durchschnittslohn von mehr als 9000 Schekel anschaut, sollte wissen, dass nicht allzu viele Leute soviel verdienen. Absolut nicht. Büroangestellte stehen vielleicht bei 6000 Schekel, wenn überhaupt. Es kommt auf die Tätigkeit und den Arbeitsort an. In Tel Aviv wird mehr gezahlt als in Jerusalem, doch dafür sind die Lebenshaltungskosten an der Küste enorm.
Wer mit Euros in Israel leben wollen würde, der muss wissen, dass der Euro hierzulande nichts mehr wert ist und ständig an Wert verliert. Mittlerweile liegt er unter 4 Schekel. Tendenz sinkend. Zu DM – Mark – Zeiten war das nie so, denn die alte deutsche Währung blieb über Jahre konstant. Nur mit dem Euro geht es total bergab.
Wie die junge Frau im Video richtig sagt: In Israel muss man finanzielle Abstriche machen, wenn jemand nicht zu den Superverdienern gehört. Dann wird sich eben eine winzige Wohnung genommen, die nicht besonders ist. Möbel vom Second Hand oder Sperrmüll und mit Ausgehen ist nicht. Hier und da mal eine billige Tasse Kaffee bei Cofix, aber sonst nur irgendwie ja günstiger Lebensmittel einkaufen. Wenn man denn weiß wo.

 

 

Der Frühling ist da! Vorläufig …

B“H
Mit jedem Tag dieser Woche steigen die Temperaturen ins Frühlingshafte. Am Freitag erwarten uns zum ersten Mal seit Monaten wieder 25 Grad Celsius. Das letzte Mal gabs das wohl im November, soweit ich mich erinnere. Aber … wir haben ja erst März und dieser Monat kann noch einmal recht kalt werden. Doch egal. Ich glaube kaum, dass die Temperaturen nochmals auf 6 Grad am Tag sinkt. 
In genau einer Woche feiert die jüdische Welt PURIM und am Montag kommender Woche wird in Jerusalem mächtig was los sein. Vorwiegend in den Ultra – orthodoxen Stadtbezirken. Ich werde eine Runde drehen und Photos bzw. Videos machen. Mein einziges Problem ist, dass ich am Schuschan Purim vermutlich bis Mittag arbeiten muss. Damit habe ich noch Glück, denn andere Firmen arbeiten durchweg bis abends. Nicht jeder hat an Purim frei. Vor allem nicht die Leute, die in der Gastronomie schuften. Dort bin ich zwar nicht tätig, doch auch im Büro wird gearbeitet. Als Ausgleich kriegen wir hoffentlich ein dickes Mischloach Manot (Purimgeschenk) wie im vergangenen Jahr. 🙂
Warum ich in letzter Zeit weniger auf den Blogs schreibe? Weil, wenn ich abends von der Arbeit komme, ich häufig keine Lust mehr habe, irgendwas zu machen. Dann geht es ganz proletarisch auf die Couch. Heute dagegen treffe ich mich mit einem pensionierten Bürgermeister aus Deutschland. Nicht das erste Mal, denn wir trafen uns bereits schon einmal vor anderthalb Jahren. Seit dem Zeitpunkt habe ich keinen einzigen Deutschen mehr getroffen. 🙂
Prinzipiell spielt sich in Israel genau dasselbe Arbeitsleben ab, wie überall auf der Welt. Man steht morgens auf, rennt zum Bus oder seinem PKW und macht sich auf zur Arbeit. Die Kinder gehen zur Schule und wer aus einer besser gestellten Family kommt, stopft sich zum Frühstück mit Cornflakes aller Art voll. Schlimmstenfalls läuft bei Kindern und Jugendlichen nebenher der Fernseher mit Junk Programmen.
Hierzulande arbeiten die Menschen sehr lange. Oft zehn Stunden pro Tag und das teilweise zu einem miesen Gehalt. Abends geht es heim, wobei so manch einer bereits im Bus einpennt. Dann kommt man nach Hause Essen machen, Kinder versorgen und und und. Nicht jeder liegt unentwegt am Strand oder geniesst so super sein Leben. Geld verdienen ist hart und alle Rechnungen zahlen ist noch härter.
Jetzt zu Purim wird wieder richtig konsumiert. Die Kiddies wollen Geschenke und am Feiertag soll auch richtig gegessen werden. Mit Wein und Fleisch, wenn möglich. Das ist teuer und leider ist Purim bei vielen Leuten zu einem reinen Konsumfest ausgeartet. Insbesondere in der säkularen Gesellschaft.
Genau einen Monat später beginnt der siebentägige hohe Pessach (Passover) Feiertag. Und dann geht es erst richtig los. Pessach – Putz, massig einkaufen und all der Stress drumherum. 

Leserfrage: „Wie teuer / billig ist Israel?“

B“H

Leserfrage: Wie teuer / billig ist Israel?

Die Antwort darauf fällt leider kurz und knapp aus: Israel ist ein teures Land. Und das in jeder Hinsicht. Lebensmittel, Arzneimittel, Zahnarzt, Friseur, Mieten, Unis, Schulen, Kindergarten, Altenpflege, Technik, Fahrzeuge, etc. Alles kostet sehr viel Geld und von den Steuern will ich erst gar nicht reden.
Wer genug verdient, um all seine monatlichen Rechnungen zu zahlen und dazu noch Lebensmittel einkauft, der kann sich teilweise schon als glücklich einstufen. Wer allein von der Sozialhilfe lebt, ist aufgeschmissen und muss von Behörde zu Behörde rennen, um Zahlungsnachlässe zu beantragen. Ich selber erlebte vor knapp einem Monat, wie viele Jerusalemer bei der Stadtverwaltung um Zahlungsnachlässe bei der Grundsteuer (Arnona) baten. Von mindestens 25 Personen, die morgens um 8.00 Uhr zur Stadtverwaltung zwecks Zahlung der jährlichen Grundsteuer anstanden, blieben am Ende nur eine Frau und ich am Schalter für Zahlungswillige. Alle anderen Leutchen (die Mehrheit Palästinenser) verschwanden in den Tiefen der Zahlungsnachlass – Abteilung. Wer, z.B., ein sehr geringes oder gar kein Einkommen hat, zahlt weniger Grundsteuer für die Wohnung. Auch Studenten, Rentner oder alleinerziehende Mütter erhalten einen solchen Preisnachlass.
Anmerkung: In Israel zahlt der Mieter die Grundsteuer an die Kommune und nicht der Vermieter wie in Deutschland!
Gegenüber Deutschland ist Israel kein so toller Sozialstaat, der an seine bedürftigen Bürger zahlt. Deswegen werden die Bürger erfinderisch, weil sonst kein Essen auf dem Tisch steht. So einfach ist das hier.
Die Lebensmittel sind unverschämt teuer und Aldi, Rewe, Lidl, etc. sind hierzulande unbekannt. Es wäre super, wenn die Walmart – Kette käme, doch meiner Meinung nach existiert ein Hersteller – Polit – Kartell. Hersteller und Supermarktketten verhindern zusammen mit der Politik, dass auswärtige Supermarktketten sich niederlassen. So können Hersteller und Supermarkt soviel Geld verlangen, wie sie wollen und die Politik bewahrt Arbeitsplätze. Draufzahlen tun wir Verbraucher.
Jemand erkundigte sich nach PFAND und ALKOHOLPREISEN:  Pfand gibt es und Alkohol ist ebenfalls teuer. Von der Flasche Bier angefangen. Falls ich mal ein Bier trinke, so ziehe ich das israelische GOLDSTAR allen Carlsbergs, Maccabis oder irgendwelchem europäischem Billiggesöff vor.
Ständig essen gehen kann sich Otto Normalverbraucher nicht leisten. Da aber viele Israelis auch mal konsumieren wollen, findet sich mehr als die Hälfte bei der Bank im Overdraft wieder.
Als Tel Aviv – Touristen werden Ihr ganz schnell merken, wie Euer Portemonnaie – Inhalt immer kleiner wird. Lebensmittel – Discounter finden sich dort nur in Gegenden, die weit weg von der Innenstadt liegen. Was Ihr sonst so seht, nennt sich Mega, AM:PM, Super Yuda / Baba, Shufersal oder bestenfalls den Carmel Markt. Bis auf den Markt also alles Läden, die alles andere als billig sind. Dagegen könnt Ihr auf dem Carmel Markt günstiger einkaufen. Teilweise jedoch nicht in dessen Hauptstraße, sondern eher in den umliegenden kleineren Marktgassen.