Leben in Jerusalem

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Israel: „Was ist SHAY le’CHAG?“

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Warum sind die Lebensmittel in Israel so unverschämt teuer?

In den nächsten Tagen erhöht TNUVA die Preise

B“H
Bei TNUVA handelt es sich um Israels größten Milchprodukte – Hersteller und ausgerechnet jetzt vor den anstehenden hohen Feiertagen kündigte der Konzern Preiserhöhungen an.
Wie im Video zu sehen, wird der Discounter Rami Levi nicht mitziehen und die TNUVA – Preise erst nach den Feiertagen, sprich im Oktober, erhöhen. Bei der Konkurrenz TARA und STRAUSS bleiben die Preise vorerst stabil.
Im Interview berichtet ein Supermarktkunde, dass er gerade aus dem Ausland zurückkomme und die Lebensmittelpreise in Israel mehr als unverschämt hoch sind. In Osteuropa oder überhaupt in Europa zahle man nur ein paar Cent und in Israel kostet bereits der Liter Milch zwischen 1 – 1,50 Euro.
Der im Land so beliebte Hüttenkäse Cottage kostet circa 1,80 Euro für wenige Gramm in der Plastikverpackung. Gelber Schnittkäse kann pro 100 g auf mehrere Euro kommen. Ein kleiner unbedeutender Fruchtjoghurt kostet bereits 1,50 Euro. Zweimal mit dem kleinen Löffel rein und weg ist der Joghurt. Wer es ganz billig will, kauft den Joghurt ohne Frucht: Gil oder Eshel für 40 Cent.
Schon ein kleiner Camembert kostet umgerechnet fast 5 Euro. Wer soll sich das noch leisten? Und jetzt auch noch eine Preiserhöhung vor den kommenden hohen Feiertagen, an denen viele israelische Familien eh zu knapsen haben, denn das wird teuer. Allein das Essen am Rosh Hashana (jüdischen Neujahrsfest) Anfang September kostet, inklusive Wein, einen Haufen Geld. Tausende Bedürftige erhalten vor dem Fest bei privaten Ausgabestellen Lebensmittelpakete zum Fest. Vor allem aus Russland eingewanderte Senioren stehen dort an. 

 

 

Eine Frau sagt im Video, dass sie dann halt nicht TNUVA kaufe, sondern andere billigere Produkte von der Konkurrenz.
Rami Levi, der im Video ebenfalls zu Wort kommt und in Israel für seine Discounter bekannt ist, senkt vor den hohen Feiertagen stets die Preise. Er selber wuchs in ärmlichen Verhältnissen aus und heute will er, dass jeder Jude sich ein Essen zu den Feiertagen leisten kann.

Israel: „Die Lebensmittelpreise steigen weiter“

B“H
Neulich erst kam in den TV Nachrichten ein Bericht zu den aktuellen Preiserhöhungen fast aller Lebensmittel. Vom Thunfisch bis hin zur Tomate.
Man befragte den Leiter einer Supermarktkette und der stammelte was von „nicht genug Obst und Gemüse hierzulande aufgrund des heißen Wetters“ und von „steigenden Börsenkursen“.
Um es auszusprechen: Supermärkte, einschließlich dem Rami Levi Discounter, sowie die lokalen Märkte (z.B. der Jerusalemer Machane Yehudah Markt) wollen die Verbraucher mehr und mehr abzocken. Die Preise für Tomaten oder Gurken liegen hoch und wer kann sich da noch ein Kilo Pfirsiche leisten? Bei den astronomischen Preisen. Das Kilo Wassermelone gibt es auf dem Machane Yehudah für vier Schekel (einen Euro). Früher war es mal ein Schekel.
Beim Discounter – Einkauf muss man aufpassen, denn selbst der Reis ist teurer geworden. Selbst die Eigenmarken. Bei manchen Produkten überlegt man dann schon, ob die wirklich notwendig sind.
Die Lösung wäre mehr Konkurrenz auf dem israelischen Lebensmittelmarkt. Wenn, zum Beispiel, ein Walmart käme. Aber dieheimischen Supermarktbosse halten ihr kleines Kartell zusammen und der Verbraucher wird gnadenlos abgezockt.

Israelischer Verbraucherschutz

 

Immer gut zu wissen und diese offizielle Website gibt es auch in englischer Sprache:

http://www.consumers.org.il/category/en-consumers

 

Gibt es in Israel Inkasso – Büros & Kredithaie?

B“H
Ja, gibt es. Aber zuerst zu den Inkasso – Büros: 
Diverse Unternehmen, darunter selbst das Magen David Adom, gibt Namen von Schuldnern an Inkasso – Büros weiter. Dass mit Magen David Adom erfuhr ich von meinem Anwalt nachdem ich von einem Egged – Bus angefahren worden war. Bei der Einlieferung in ein Krankenhaus erhält der Patient von Magen David Adom sofort eine Krankenwagen – Rechnung von circa 500 bis zu über 1000 Schekel (bei Krankenwagen mit Notarzt). 500 Schekel (circa 120 Euro) sind noch die billigste Variante und ohne Notarzt.
Zuerst muss der Patient die Rechnung zahlen und da es bis zu meiner Entschädigung von der Egged – Versicherung dauerte, musste ich den Krankenwagen vorerst selbst zahlen. Falls nicht innerhalb der vereinbarten Frist, so mein Anwalt, drohe der Anruf einer Inkasso – Firma.
Kredithaie gibt es genauso, nur werden sie hier SHUK HaAFOR (Grauer Markt) genannt. In regelmäßigen Anständen erhalte ich Kreditangebote vom Shuk HaAfor. Per SMS, die ich sofort lösche. Keine Ahnung, woher die meine Telefonnummer haben, aber derlei SMS erhalten wohl viele Israelis.
Niemand sollte sich mit diesen Kredtihaien einlassen, denn es werden horrende Zinsen verlangt und wer nicht zahlt, bekommt ungebetenen Besuch von irgendwelchen seltsamen Typen. Es gibt genügend Warnungen, doch immer wieder fallen Leute drauf rein. Und immer die, welche bei keiner Bank mehr Geld erhalten.
In Israel gibt es also auch Inkasso, Kredithaie und anderweitige Gestalten.

 

„Die deutschen Medien sind besessen von Israel“ oder „Wie lebt es sich so in Israel“

B“H
Es scheint seit ein paar Wochen so als seien deutsche Medien geradezu besessen von Israel. Touristen – Journalisten machen sich auf, um Tel Aviv ein wenig zu erkunden. Oberflächlich, denn jeder Artikel unterliegt einer Deadline und richtige Staatsbürger sind die Touristen nicht. Woher sollen sie da das richtige Leben in Israel kennen? 
Man ist zeitlich befristet im Land und hangelt sich, wenn überhaupt, von Visum zu Visum. Immer mit der Angst im Nacken, dass das Innenministerium dem Treiben ein Ende setzt und das Visum letztendlich nicht mehr verlängert wird.
Aber egal, denn was deutsche Journalisten berichten sind die positiven Seiten von Tel Aviv. Die Stadt sei tolerant, die Leute alle total cool und überhaupt sei alles easy peasy. Ich selbst habe einige Jahre in der Küstenstadt sowie in der Nachbarstadt Ramat Gan verbracht und es ist eben nicht alles easy peasy. Zumindest nicht im Alltagsleben und ein Normalo in Tel Aviv ist weit davon entfernt, den Großteil seines Tages am Strand zu verbringen und schick Essen zu gehen. Man muss arbeiten und das meistens in mehrere Jobs. Da bleibt nicht mehr viel Zeit, denn Rechnungen wollen bezahlt sein und Essen muss man ja auch.
Okay, mit Touristenaugen fällt alles leichter und mit den hiesigen Ämtern braucht man sich nicht abzuplagen. Es sei denn, wie bereits erwähnt, mit dem Innenministerium bei der Visaverlängerung alle drei Monate.
Tel Aviv hier, Tel Aviv da und diese Woche werdet Ihr in deutschen Medien vermutlich lesen, dass an diesem Freitag in Tel Aviv die Gay Parade stattfindet. Eine riesige Party, auf der schwule Männer in Bikinis herumhupfen und Netta Barzilay zusammen mit ihren Eurovisions – Konkurrentin aus Zypern gemeinsam singen wird.
Israel aber besteht nicht nur aus Tel Aviv, den tollen Restaurants dort, der angeblichen Toleranz (die bei weitem nicht immer vorhanden ist) oder dem Strandleben. Wer Israel kennenlernen will, der ziehe durch die Provinz und rede mit Otto Normalverbraucher. Mit Menschen, die ganz unten sind und mit Menschen, die oben stehen. Das Problem ist, dass man die da oben kaum sprechen wird, denn die da oben leben in Luxusvillen in Herzliya, Caesaria, Or Yehudah, Netanya, Kfar Saba, Petach Tivkah oder Hod HaSharon. Gesellschaftsschichten, an die so leicht niemand herankommt und deren Mitglieder lieber unter sich bleiben. Man gibt kaum Interviews und Sachen ausgeplaudert werden schon gar nicht.
Was mich persönlich nervt ist der Hype um Tel Aviv und dass andere Orte links liegengelassen werden. Darunter auch Jerusalem, denn hier gilt alles als verstaubt und halt nicht so tolerant. In Jerusalem sind die doofen religiösen Juden, die nicht arbeiten, faul sind und dem Staat auf der Tasche liegen. Zurückgebliebene bekloppte Leute halt, die in einem Ghetto hausen. Die werden nicht so gehypt, weil in Jerusalem nicht jeden Tag Party ist. 

 

 

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Szeneviertel Florentin in Tel Aviv – Copyright: Miriam Woelke

 

 

In Israel hat jeder einzelne Ort, jedes Kaff und selbst jeder Stadtteil seinen eigenen Charakter. “Etzlenu ba’Schechunah …- Bei uns im Stadtteil”, was jedoch mehr bedeutet als die bloße Übersetzung ins Deutsche. 
„Etzlenu ba’Schechunah“ ist Leben. Die Umgebung, in der ich lebe und in der ich mich wohlfühle. Die Leute identifizieren sich mit ihrem Stadtteil, wie, u.a., die Bewohner des Jerusalemer Stadtteil Baka, die da Geld sammelten, um einer abgebrannten Falafelbude wieder auf die Beine zu helfen. Ohne die Falafelbude ging es offenbar nicht, obwohl weitere Falefelbuden in der Derech Beit Lechem Street vorzufinden sind. Aber nein, es musste die abgebrannte Bude sein, deren Besitzer kurz vor Feierabend den Ofen nicht richtig ausgestellt hatte und es so zu einem Brand kam. Die Bude lag in Schutt und Asche, aber nach wenigen Wochen stand sie wieder da. Dank der Spenden, wobei ich finde, dass die Falafel dort nichts Besonderes ist. In der Laffa kostet sie 20 Schekel (ca. 5 Euro) und in der Pitah 17 Schekel (ca. 3,5 Euro).
Ich war einmal dort und kaufte Falafel in der Laffa. Viel zu trocken war sie und mit Humus und Techina wurde gegeizt. Aber in Baka kann sich ein Geschäftsinhaber vieles erlauben, denn dort wohnt die Mittelschicht und eine Menge Neueinwanderer aus Frankreich und den USA. Man hat etwas Geld und nagt nicht am Hungertuch.
Der israelischen Gastronomie geht es generell nicht besonders gut und weit mehr als die Hälfte aller Cafes und Restaurants gehen in den ersten drei Jahren Pleite. Selbst die recht gutlaufenden Hypster – Restaurant in Tel Aviv. 
Erinnert sich noch jemand an das total gehypte italienische Restaurant Topolino am Jerusalemer Machane Yehudah Markt? Jahrelang galt es bei vielen Leuten als DIE Adresse. Jedenfalls solange bis zwei Ecken weiter die Konkurrenz von Basta Pasta aufmachte. Dort gibt es auch hausgemachte Nudeln, aber alles billig und man zahlt nicht mehrere Hundert Schekel wie einst im Topolino.
Es gibt viele Gründe, warum das Topolino letztendlich in die Insolvenz ging, doch der arabische Terror, wie die beiden Besitzer gerne vorgeben, war nicht der Grund. Die Topolino – Besitzer eröffneten, Dank Geldgeber, ein neues Restaurant im angesagten Neve Zedek – Stadtteil von Tel Aviv. Genauer gesagt in der Lilienblum Street, wo es massig Konkurrenz und Gastronomiepleiten gibt. Ein neuer Hype, ein neues Restaurant und bald eine neue Insolvenz. Stadtverwaltungen warnen vor Neueröffnungen von Cafes und Restaurants, denn die gibt es mehr als im Überfluss.
Kurz gesagt, dass neue Etablissement in der Lilienblum machte nach wenigen Monaten dicht, denn der Geldgeber reichte kein Cash mehr rüber und die Besitzer zahlen bis heute ihre Topolino – Schulden ab. Vor einiger Zeit gab es einen israelischen Online – Artikel über sie:
Man pfeife auf die Gastronomie, denn in Tel Aviv seien die Kunden noch schlimmer als in Jerusalem. Man bestelle einen Tisch und sage dann ab oder erscheine erst gar nicht. Jede Woche ein neues Restaurant und immer wieder neu gehypt. Die beiden Ex – Topolino – Leute, ein älteres Pärchen nahe an der 60 gehe jetzt putzen. Da verdient man gut und wer weiß. Wenn die Schulden abbezahlt sind, geht es vielleicht zurück in die Gastronomie. Aber dann nur mit eigenem Catering und kein Restaurant mehr.
Was mir am Leben in Israel gefällt? Die Leute sind flexibel und einfallsreich. Funktioniert dies nicht, wird ein neuer Einfall ausprobiert. Niemals herrscht Stillstand, denn den kann sich keiner leisten. Es muss weitergehen und seltsamerweise tut es das auch immer. Manchmal gut und manchmal halt weniger gut. 🙂