Leben in Jerusalem

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Mit dem Euro ist in Israel nicht mehr viel zu haben

B“H
Eine extrem populäre Leserfrage auf diesem Blog:

Wie teuer ist Israel und wie hoch sind die Essenspreise?

Eine Frage, die ich bereits unzählige Male beantwortet habe. Die kurze Antwort auf die Frage lautet, dass Israel ein sehr teures Land ist. Und das in jeder Hinsicht. Egal, ob Lebensmittelpreise, Mieten, Krankenversicherungen bzw. Kosten für das Gesundheitswesen, Grundsteuer (die hierzulande der Mieter zahlt), Autoversicherung, Unis und Schulen, und und und.
Was gerade Europäer vergessen miteinzukalkulieren: Euer Euro ist außerhalb Europas nichts mehr wert! Noch vor fünf Jahren stand der Euro in Israel bei 5,11 Schekel. Am heutigen Tag wertet die israelische Nationalbank den Euro auf 3,90 Schekel. Das mag sich, oberflächlich betrachtet, noch immer recht viel anhören, ist es aber nicht. Nach dem Euro kräht kein Hahn mehr und seit vier Jahren befindet er sich nur noch auf dem absteigenden Ast. 
Solange Ihr Urlaub in Europa macht, ist alles okay. Wer sich jedoch außerhalb Europas aufhält, erlebt eine böse Überraschung. Auf einmal ist die eigene Währung nicht mehr viel wert.

Leserfrage: „Wie teuer / billig ist Israel?“

B“H

Leserfrage: Wie teuer / billig ist Israel?

Die Antwort darauf fällt leider kurz und knapp aus: Israel ist ein teures Land. Und das in jeder Hinsicht. Lebensmittel, Arzneimittel, Zahnarzt, Friseur, Mieten, Unis, Schulen, Kindergarten, Altenpflege, Technik, Fahrzeuge, etc. Alles kostet sehr viel Geld und von den Steuern will ich erst gar nicht reden.
Wer genug verdient, um all seine monatlichen Rechnungen zu zahlen und dazu noch Lebensmittel einkauft, der kann sich teilweise schon als glücklich einstufen. Wer allein von der Sozialhilfe lebt, ist aufgeschmissen und muss von Behörde zu Behörde rennen, um Zahlungsnachlässe zu beantragen. Ich selber erlebte vor knapp einem Monat, wie viele Jerusalemer bei der Stadtverwaltung um Zahlungsnachlässe bei der Grundsteuer (Arnona) baten. Von mindestens 25 Personen, die morgens um 8.00 Uhr zur Stadtverwaltung zwecks Zahlung der jährlichen Grundsteuer anstanden, blieben am Ende nur eine Frau und ich am Schalter für Zahlungswillige. Alle anderen Leutchen (die Mehrheit Palästinenser) verschwanden in den Tiefen der Zahlungsnachlass – Abteilung. Wer, z.B., ein sehr geringes oder gar kein Einkommen hat, zahlt weniger Grundsteuer für die Wohnung. Auch Studenten, Rentner oder alleinerziehende Mütter erhalten einen solchen Preisnachlass.
Anmerkung: In Israel zahlt der Mieter die Grundsteuer an die Kommune und nicht der Vermieter wie in Deutschland!
Gegenüber Deutschland ist Israel kein so toller Sozialstaat, der an seine bedürftigen Bürger zahlt. Deswegen werden die Bürger erfinderisch, weil sonst kein Essen auf dem Tisch steht. So einfach ist das hier.
Die Lebensmittel sind unverschämt teuer und Aldi, Rewe, Lidl, etc. sind hierzulande unbekannt. Es wäre super, wenn die Walmart – Kette käme, doch meiner Meinung nach existiert ein Hersteller – Polit – Kartell. Hersteller und Supermarktketten verhindern zusammen mit der Politik, dass auswärtige Supermarktketten sich niederlassen. So können Hersteller und Supermarkt soviel Geld verlangen, wie sie wollen und die Politik bewahrt Arbeitsplätze. Draufzahlen tun wir Verbraucher.
Jemand erkundigte sich nach PFAND und ALKOHOLPREISEN:  Pfand gibt es und Alkohol ist ebenfalls teuer. Von der Flasche Bier angefangen. Falls ich mal ein Bier trinke, so ziehe ich das israelische GOLDSTAR allen Carlsbergs, Maccabis oder irgendwelchem europäischem Billiggesöff vor.
Ständig essen gehen kann sich Otto Normalverbraucher nicht leisten. Da aber viele Israelis auch mal konsumieren wollen, findet sich mehr als die Hälfte bei der Bank im Overdraft wieder.
Als Tel Aviv – Touristen werden Ihr ganz schnell merken, wie Euer Portemonnaie – Inhalt immer kleiner wird. Lebensmittel – Discounter finden sich dort nur in Gegenden, die weit weg von der Innenstadt liegen. Was Ihr sonst so seht, nennt sich Mega, AM:PM, Super Yuda / Baba, Shufersal oder bestenfalls den Carmel Markt. Bis auf den Markt also alles Läden, die alles andere als billig sind. Dagegen könnt Ihr auf dem Carmel Markt günstiger einkaufen. Teilweise jedoch nicht in dessen Hauptstraße, sondern eher in den umliegenden kleineren Marktgassen.

Beliebte Kindernamen in Israel und die Zeit nach den Feiertagen

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Photo: Miriam Woelke

Im Kulturzentrum Alter Bahnhof von Jerusalem
B“H

Die beliebstesten Kindernamen in Israel sind:

http://www.jpost.com/Israel-News/Israelis-go-retro-with-baby-names-469602
In den 80iger Jahren vernahm man an jeder Ecke den männlichen Vornamen Guy. Irgendwie schien es nur noch irgendwelche Guys zu geben und nichts anderes mehr. Ende der 90iger hiessen unzählige männliche Neugeborene Ro’i. Nicht Roy ausgesprochen, sondern Ro’iiiiiiiii.
Bei den Mädels wurde Shira zu einem der beliebtesten Namen. Shira, Rotem, Revital, Inbal und dazu auch biblische Namen. Ich kenne eine junge Frau, die Daniel heißt. Ständig muss sie sich rechtfertigen, dass sie eine Frau und kein Mann ist. Des Weiteren kenne ich eine Frau, die Nizzan heißt. Nicht Nitza, sondern Nizzan. Ein Name, den man auch nur aus der Männerwelt kennt.
In Israel muss man stets vorsichtig sein, denn eine Menge Vornamen gelten für Männlein und Weiblein: Yuval, Tal oder Sharon, zum Beispiel.

 

Die Zeit der jüdischen Feiertage ist bis Chanukkah (diesmal Ende Dezember) vorbei. Der Alltag hat uns voll wieder. Bedeutet, arbeiten, Rechnungen zahlen und zu leben. An diesem Mittwoch steht der erste richtige Wintertag vor der Türe. Dauerregen und bereits morgen soll es stürmisch werden. In Jerusalem einen Regenschirm aufzuspannen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, denn sobald es regnet, stürmt es auch fast immer. Und somit ist dann der Regenschirm dahin.
Zwar wird es am Donnerstag mit 20 Grad Celsius und Sonne wieder wärmer, doch die Nächte bleiben bei 12 Grad kühl.
Was ich bereits schon einmal erwähnte: Immer mehr Post – und Bankfilialen schließen. Mit dem Resultat, dass die verbliebenen Filialen meist restlos überfüllt sind und die Kundschaft bis sonst wohin Schlange steht. Aktuell wollen Bank Hapoalim und die First International Bank of Israel wieder einmal Personal reduzieren:
http://www.globes.co.il/en/article-bank-hapoalim-announces-new-streamlining-program-1001157905
http://www.globes.co.il/en/article-first-intl-bank-also-plans-layoffs-1001158056
Bei der Post schaut es nicht viel besser aus.

 

Neulich habe ich mich mal nebenbei schlau gemacht, wie es denn mit den Steuern ausschaut, wenn ich eventuell ein Aktiendepot bei der Bank einrichten will. Die Antwort fiel negativ aus, denn in Israel zahlen wir auf alles Steuern. Selbst bei Lottogewinnen schlägt die Steuer gnadenlos zu. Auch aus diesem Grund gehen nicht gerade selten viele Gründer pleite. Wegen der hohen Kosten und ständig eintrudelnden Rechnungen.
Ein Sparkonto lohnt sich, aufgrund der kaum vorhandenen Zinsen, ebenso wenig. Dafür berichtete mir jemand von seiner Investition: Er kaufte eine Wohnung, die er vermietet. Okay, da würden Instandhaltungskosten anfallen, doch der Mieter trage sämtliche Grundsteuern und die Miete werde in Israel nicht besteuert. Noch nicht!
Soviel Geld aber habe ich dann doch nicht auf der Seite. Nocht nicht! 🙂 

Rosh Hashana – Vorbereitungen

B“H
Die Supermärkte sind restlos überlaufen und auch ich stürzte mich heute nach Feierabend in den Feiertagseinkauf. Von meinem Zweitjob erhielt ich bereits den üblichen Feiertagsgutschein. In Israel geben die Arbeitgeber normalerweise vor Pessach und Rosh Hashana Gutscheine im Wert von mehreren Hundert Schekel aus.
Mit meinem Gutschein musste ich in eine der als teuer bekannten Shufersal – Filialen. Ich wählte den Shufersal Deal in Talpiyot. DEAL = Israelis lieben Deals, denn das Wort suggeriert BILLIG. Also ging auch ich in den Shufersal – Billigableger und es lohnte sich sogar. 
Mit den Discountern Rami Levi und Osher Ad gleich nebendran hat Shufersal Deal ernsthafte Konkurrenz und muss daher günstig sein. Am Freitag und Sonntag will ich allerdings nochmal zu Rami Levi und Gemüse einkaufen. Heute dagegen organisierte ich Huhn, Fisch und Rotwei. Dazu Honigkuchen richtig schön künstlich im Fabrikpack, Reis, Putzmittel und sogar Knorr Kartoffelpuree. 
Vom Shufersal Deal war ich positiv überrascht, denn es werden Eigenmarken verkauft und den Reis gab es für weniger als 5 Schekel. Da greift man zu und denkt nicht lange nach. Allerdings verkaufen Rami Levi und Osher Ad auch Eigenmarken, was sich total lohnt. Besonders bei Nudeln und Reis. 
Auf dem Machane Yehudah Markt kann man kaum mehr einkaufen, denn dort ist alles sauteuer geworden. Obst und Gemüse werden in den Rami Levi – Filialen wesentlich günstiger verkauft. An den Kassen stehen die Schlangen und man braucht schon Geduld. Wie halt vor jedem Feiertag wird gekauft wie blöd. Rosh Hashana ist ein teurer Feiertag und in Israel gibt es keinen ALDI, REWE, etc. Die Lebensmittelpreise sind hoch und man greift schon tief in die Tasche. Selbst beim Reis.

Cofix macht Super Pharm Konkurrenz

B“H
In der Vergangenheit habe ich viele Male von den vor mehr als zwei Jahren entstandenen billigen Kaffeehausketten COFIX und COFIZZ berichtet. In Tel Aviv, Ramat Gan, Jerusalem sowie in der Küstenregion um Tel Aviv findet man diese Niederlassungen überall. Verkauft werden Kaffee, Kuchen, Sandwiches, allerlei Gebäckarten, Eiscreme, Eiskaffee, Alkohol, Suppen, Soft Drinks, und und und. Alles für 5 Schekel (ca. 1,80 Euro). Mittlerweile zogen zahlreiche Privatleute nach und eröffneten ihre eigenen 5 Schekel Cafes, womit sie jedoch weitaus weniger Erfolg haben als die Marken Cofix und Cofizz.
Cofix und Cofizz müssen mindestens 1500 – 2000 Produkte am Tag verkaufen, um kostendeckend zu agieren. Aus diesem Grund finden wir die Niederlassungen vorwiegend dort, wo extrem viel Laufkundschaft vorhanden ist. Im Süden oder Norden des Landes findet man die Ketten so gut wie gar nicht, denn die Geschäftsführung ist offenbar der Ansicht, dass es sich in der Peripherie weniger lohnt. Das gesamte System der Ketten basiert auf Franchise.
Wer jetzt meint, dass Cofizz, Cofix und wie sie auch immer heißen, die Resterampe der Cafes sind, der irrt gewaltig. In Israel sind diese Ketten extrem populär und alle gehen hin. Nicht selten muss sich der Kunde erst in eine Schlange einreihen.
Bis zur Gründung von Cofix und Cofizz zockten uns die regulären Cafes total ab. Jetzt aber gibt es eine tolle Alternative, die ankommt. Das Ergebnis war, dass teure Ketten nachzogen und teilweise ihre Tasse Kaffee billiger anbieten mussten, da die Kundschaft nur noch bei Cofizz hockte.
Vor circa einem Jahr entwickelte Cofix einen 5 Schekel Supermarkt in Tel Aviv. Im Stadtteil Florentin. Leider erreichte diese Geschäftsidee niemals Jerusalem.
In dieser Woche plant Cofix in Tel Aviv einen neuen Coup. Man will der Drogeriekette Super Pharm Konkurrenz machen. Selber gehe ich kaum einmal zu Super Pharm, denn dort ist alles übertrieben teuer. In Israel kosten Klopapier, Deos, Kosmetikartikel, Zahnpasta und und und ein halbes Vermögen. Und Super Pharm zockt richtig ab. Da kaufe ich lieber alles bei den Discountern Rami Levy oder Osher Ad. Obwohl das Klopapier dort auch noch fast 10 Euro kostet. 🙂
Cofix eröffnet in Tel Aviv die erste „Good Pharm“ Filiale. Mit Klopapier, Zahnpasta, Windeln, Deos, etc. Kein Artikel soll mehr als 10 Schekel (circa 2,50 Euro) kosten. In der nächsten Zeit plant Cofix noch 25 weitere Good Pharm Filialen. Vermutlich in Tel Aviv und Umgebung sowie in Jerusalem.
Das Konzept wird einschlagen, wie eine Bombe. Seit Ewigkeiten werden Israelis bei Toiletten – und Kosmetikartikeln total abgezockt. Selbst Seife kostet, im Verhältnis zu ALDI, eine Menge Geld. Shampoo und Duschgel ebenso.
Hier ein israelischer TV Bericht zu Good Pharm. Es wird ein Vergleich zum Abzocker Super Pharm aufgestellt. Generell ist Super Pharm zu teuer, doch fand man ein paar Produkte, die dort sogar billiger wegkommen als bei Good Pharm.

 

Aktuelles aus Jerusalem

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Photo: Miriam Woelke

Sommerdekoration rund um die Jerusalemer Fussgängerzone
B“H
Die Stadtverwaltung Jerusalem plant weitere Straßenbahnlinien, da die zwei bestehenden Linien satte Profite einfahren. Häufig hat man Probleme beim Einsteigen, denn die zwei langen grauen Waggons sind randvoll.
Momentan wird die Straßenbahn offenbar vom Herzlberg (Mount Herzl) bis hinunter zum Hadassah Ein Kerem Hospital ausgebaut. Darüber hinaus plant die Stadtverwaltung aktuell eine neue Linie: In der German Colony sowie in Old Katamon. Durch Emek Refaim Street soll in ein paar Jahren die Straßenbahn fahren. Schon gibt es Ärger, denn einige Shop Inhaber taten sich zusammen und verklagen die Stadtverwaltung. Man wolle keine Straßenbahn, denn der Bau dauere ein paar Jahre und solange käme weniger Laufkundschaft. Überall Absperrungen aufgrund der Baustelle und wer findet da noch den Weg in einen die Läden?
Die Sorge ist berechtigt, doch muss man das Vorhaben immer langfristig betrachten. Wenn die Straßenbahn einmal fährt, kommt massenhaft Kundschaft in die Gegend, wie wir in der Jaffa Road sehen. Allerdings müssen die Geschäftsinhaber bis dahin erst einmal finanziell durchhalten, denn der Bau kann bis zu drei Jahre oder mehr dauern. Wer hat da die finanziellen Resourcen?
Dasselbe erleben wir in Tel Aviv, wo seit einem Jahr Großbaustelle herrscht, denn auch dort werden Gleise verlegt.
Und noch eine gute Nachricht:
In der Malcha Shopping Mall will IKEA eine kleine Niederlassung eröffnen. Keine so großen Niederlassungen wie in Rishon LeZion oder in Netanya, aber immerhin. Jerusalem verfügt über keine riesigen Bauflächen und wer eine Mall hochziehen will, weicht neuerdings ins benachbarte Mevasseret Zion aus. Wie der Discounter King Rami Levi, der bei Mevasseret eine gigantische Mall hochzieht. Hier entstehen massig Arbeitsplätze, wovon vor allem die Palästinenser in den umliegenden Dörfern profitieren.
Selbst wenn IKEA in der Malcha Mall nur eine bescheidene Filiale eröffnen will, an Kundschaft wird es garantiert nicht mangeln. Israelis stehen voll auf IKEA, denn die Preise sind günstiger als anderswo. Trotzdem liegen die israelischen IKEA Preise weit über dem deutschen Durchschnitt. Will sagen, in Deutschland ist IKEA weitaus billiger als in Israel. Aber was ist im teuren Israel schon billig? 🙂

Kleinunternehmen in Jerusalem?

B“H
In Israel existieren, wie andernorts auch, unendlich viele Kleinunternehmen. Von der Falafelbude bis hin zum Schuhmacher. Wobei die meisten Schuhmacher heutzutage russische Neueinwanderer sind. 🙂
Lohnt sich ein Kleinunternehmen in Israel?
Kommt drauf an, was der Kleinunternehmer verkaufen will. Falafel, Tässchen Kaffee und Kuchen sowie Kitsch – Krimskrams gibt es im Überfluss. In der Jerusalemer Innenstadt machen ständig Läden / Restaurants dicht und kurz darauf eröffnet ein anderer Inhaber.
Einen aktuellen Untergang sehe ich vorprogrammiert. Ich hoffe, dass ich mich irre, aber die Realität deutet auf nichts Gutes hin: Zwei junge Mädels eröffneten vor circa einem halben Jahr in der Keren Hayessod Street ein Restaurant. Irgendwelche Menus mit viel Fenchel. Das sollte etwas Spezielles bzw. Außergewöhnliches werden. Aber nicht nur Fenchel, sondern andere Speisen, die nicht so gängig sind.
Die Mädels investierten all ihr Erspartes und hofften auf Kundschaft vom gegenüberliegenden Hotel. Auf die Frage, was sie denn zu den ausbleibenden Israeltouristen sagen und ob man da wohl auf viel Kundschaft hoffen könne, gingen sie kaum ein.
Das Problem ist, dass das Restaurant inmitten mehrerer anderer Restaurants liegt. Einer Pizzeria, einer Bar und noch ein oder zwei anderen Sachen. Die Hälfte dieser Restaurants sind nicht koscher und haben am Schabbat geöffnet. Auch das Business der Mädels befindet sich darunter. In Jerusalem bedeutet dies, dass ein erheblicher Anteil an Kundschaft automatisch ausbleibt. Nämlich all jene Leute, die Wert auf koschere Küche legen. Und das sind bei weitem nicht nur religiöse Juden, sondern auch eine Menge traditioneller Juden.
Wenn ich ein paar Mal pro Woche abends an den Restaurants vorbeigehe, sehe ich die Pizzeria voller Kundschaft. Auch die Bar macht Profite. Einzig und allein das Restaurant der Mädels ist so gut wie leer.
Ich wüsste nicht, was ich den Beiden raten soll. Eine koschere Küche wäre definitiv von Vorteil. Ich vermute aber auch, dass es viele Leute abschreckt, wenn die Mädels bei der Gelegenheit verkünden, sie seien ein lesbisches Ehepaar. Und das taten sie in der Lokalpresse recht aufdringlich und übertrieben. Für das Business war das nicht gerade förderlich, denn was hat die sexuelle Orientierung mit dem Fenchel zu tun? Okay, so seid lesbisch, aber privat ist privat und Business ist nun mal Business. Noch dazu, wo offenbar nicht einmal die Homoszene das Restaurant frequentiert.
Wie lange die Beiden sich noch halten können? Keine Ahnung!
In Israel kann jeder Unternehmer schnell in der Insolvenz enden. Die Steuern sind hoch, dazu all die anderen Kosten drumherum. Bis zu einem Jahresumsatz von 70,000 Schekel ist alles easy und kaum steuerbelastet. Bis zu dem Betrag braucht man auch noch keinen Steuerberater.
Einfach so ein Business eröffnen?
Der Kleinunternehmer sollte mit der Landessprache vertraut sein. Vor allem aber auch mit der Mentalität und den israelischen Zahlungsgepflogenheiten. Wer das nicht in- und auswendig beherrscht, dem Gnade G – tt. Zudem braucht der Markt nicht noch mehr Falafel, sondern etwas Nützliches. Und … Israelis lieben es billig!!! 🙂