Leben in Jerusalem

Startseite » Beitrag verschlagwortet mit 'Wirtschaft'

Schlagwort-Archive: Wirtschaft

Beliebte Kindernamen in Israel und die Zeit nach den Feiertagen

20161025_175251

Photo: Miriam Woelke

Im Kulturzentrum Alter Bahnhof von Jerusalem
B“H

Die beliebstesten Kindernamen in Israel sind:

http://www.jpost.com/Israel-News/Israelis-go-retro-with-baby-names-469602
In den 80iger Jahren vernahm man an jeder Ecke den männlichen Vornamen Guy. Irgendwie schien es nur noch irgendwelche Guys zu geben und nichts anderes mehr. Ende der 90iger hiessen unzählige männliche Neugeborene Ro’i. Nicht Roy ausgesprochen, sondern Ro’iiiiiiiii.
Bei den Mädels wurde Shira zu einem der beliebtesten Namen. Shira, Rotem, Revital, Inbal und dazu auch biblische Namen. Ich kenne eine junge Frau, die Daniel heißt. Ständig muss sie sich rechtfertigen, dass sie eine Frau und kein Mann ist. Des Weiteren kenne ich eine Frau, die Nizzan heißt. Nicht Nitza, sondern Nizzan. Ein Name, den man auch nur aus der Männerwelt kennt.
In Israel muss man stets vorsichtig sein, denn eine Menge Vornamen gelten für Männlein und Weiblein: Yuval, Tal oder Sharon, zum Beispiel.

 

Die Zeit der jüdischen Feiertage ist bis Chanukkah (diesmal Ende Dezember) vorbei. Der Alltag hat uns voll wieder. Bedeutet, arbeiten, Rechnungen zahlen und zu leben. An diesem Mittwoch steht der erste richtige Wintertag vor der Türe. Dauerregen und bereits morgen soll es stürmisch werden. In Jerusalem einen Regenschirm aufzuspannen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, denn sobald es regnet, stürmt es auch fast immer. Und somit ist dann der Regenschirm dahin.
Zwar wird es am Donnerstag mit 20 Grad Celsius und Sonne wieder wärmer, doch die Nächte bleiben bei 12 Grad kühl.
Was ich bereits schon einmal erwähnte: Immer mehr Post – und Bankfilialen schließen. Mit dem Resultat, dass die verbliebenen Filialen meist restlos überfüllt sind und die Kundschaft bis sonst wohin Schlange steht. Aktuell wollen Bank Hapoalim und die First International Bank of Israel wieder einmal Personal reduzieren:
http://www.globes.co.il/en/article-bank-hapoalim-announces-new-streamlining-program-1001157905
http://www.globes.co.il/en/article-first-intl-bank-also-plans-layoffs-1001158056
Bei der Post schaut es nicht viel besser aus.

 

Neulich habe ich mich mal nebenbei schlau gemacht, wie es denn mit den Steuern ausschaut, wenn ich eventuell ein Aktiendepot bei der Bank einrichten will. Die Antwort fiel negativ aus, denn in Israel zahlen wir auf alles Steuern. Selbst bei Lottogewinnen schlägt die Steuer gnadenlos zu. Auch aus diesem Grund gehen nicht gerade selten viele Gründer pleite. Wegen der hohen Kosten und ständig eintrudelnden Rechnungen.
Ein Sparkonto lohnt sich, aufgrund der kaum vorhandenen Zinsen, ebenso wenig. Dafür berichtete mir jemand von seiner Investition: Er kaufte eine Wohnung, die er vermietet. Okay, da würden Instandhaltungskosten anfallen, doch der Mieter trage sämtliche Grundsteuern und die Miete werde in Israel nicht besteuert. Noch nicht!
Soviel Geld aber habe ich dann doch nicht auf der Seite. Nocht nicht! 🙂 

Rosh Hashana – Vorbereitungen

B“H
Die Supermärkte sind restlos überlaufen und auch ich stürzte mich heute nach Feierabend in den Feiertagseinkauf. Von meinem Zweitjob erhielt ich bereits den üblichen Feiertagsgutschein. In Israel geben die Arbeitgeber normalerweise vor Pessach und Rosh Hashana Gutscheine im Wert von mehreren Hundert Schekel aus.
Mit meinem Gutschein musste ich in eine der als teuer bekannten Shufersal – Filialen. Ich wählte den Shufersal Deal in Talpiyot. DEAL = Israelis lieben Deals, denn das Wort suggeriert BILLIG. Also ging auch ich in den Shufersal – Billigableger und es lohnte sich sogar. 
Mit den Discountern Rami Levi und Osher Ad gleich nebendran hat Shufersal Deal ernsthafte Konkurrenz und muss daher günstig sein. Am Freitag und Sonntag will ich allerdings nochmal zu Rami Levi und Gemüse einkaufen. Heute dagegen organisierte ich Huhn, Fisch und Rotwei. Dazu Honigkuchen richtig schön künstlich im Fabrikpack, Reis, Putzmittel und sogar Knorr Kartoffelpuree. 
Vom Shufersal Deal war ich positiv überrascht, denn es werden Eigenmarken verkauft und den Reis gab es für weniger als 5 Schekel. Da greift man zu und denkt nicht lange nach. Allerdings verkaufen Rami Levi und Osher Ad auch Eigenmarken, was sich total lohnt. Besonders bei Nudeln und Reis. 
Auf dem Machane Yehudah Markt kann man kaum mehr einkaufen, denn dort ist alles sauteuer geworden. Obst und Gemüse werden in den Rami Levi – Filialen wesentlich günstiger verkauft. An den Kassen stehen die Schlangen und man braucht schon Geduld. Wie halt vor jedem Feiertag wird gekauft wie blöd. Rosh Hashana ist ein teurer Feiertag und in Israel gibt es keinen ALDI, REWE, etc. Die Lebensmittelpreise sind hoch und man greift schon tief in die Tasche. Selbst beim Reis.

Cofix macht Super Pharm Konkurrenz

B“H
In der Vergangenheit habe ich viele Male von den vor mehr als zwei Jahren entstandenen billigen Kaffeehausketten COFIX und COFIZZ berichtet. In Tel Aviv, Ramat Gan, Jerusalem sowie in der Küstenregion um Tel Aviv findet man diese Niederlassungen überall. Verkauft werden Kaffee, Kuchen, Sandwiches, allerlei Gebäckarten, Eiscreme, Eiskaffee, Alkohol, Suppen, Soft Drinks, und und und. Alles für 5 Schekel (ca. 1,80 Euro). Mittlerweile zogen zahlreiche Privatleute nach und eröffneten ihre eigenen 5 Schekel Cafes, womit sie jedoch weitaus weniger Erfolg haben als die Marken Cofix und Cofizz.
Cofix und Cofizz müssen mindestens 1500 – 2000 Produkte am Tag verkaufen, um kostendeckend zu agieren. Aus diesem Grund finden wir die Niederlassungen vorwiegend dort, wo extrem viel Laufkundschaft vorhanden ist. Im Süden oder Norden des Landes findet man die Ketten so gut wie gar nicht, denn die Geschäftsführung ist offenbar der Ansicht, dass es sich in der Peripherie weniger lohnt. Das gesamte System der Ketten basiert auf Franchise.
Wer jetzt meint, dass Cofizz, Cofix und wie sie auch immer heißen, die Resterampe der Cafes sind, der irrt gewaltig. In Israel sind diese Ketten extrem populär und alle gehen hin. Nicht selten muss sich der Kunde erst in eine Schlange einreihen.
Bis zur Gründung von Cofix und Cofizz zockten uns die regulären Cafes total ab. Jetzt aber gibt es eine tolle Alternative, die ankommt. Das Ergebnis war, dass teure Ketten nachzogen und teilweise ihre Tasse Kaffee billiger anbieten mussten, da die Kundschaft nur noch bei Cofizz hockte.
Vor circa einem Jahr entwickelte Cofix einen 5 Schekel Supermarkt in Tel Aviv. Im Stadtteil Florentin. Leider erreichte diese Geschäftsidee niemals Jerusalem.
In dieser Woche plant Cofix in Tel Aviv einen neuen Coup. Man will der Drogeriekette Super Pharm Konkurrenz machen. Selber gehe ich kaum einmal zu Super Pharm, denn dort ist alles übertrieben teuer. In Israel kosten Klopapier, Deos, Kosmetikartikel, Zahnpasta und und und ein halbes Vermögen. Und Super Pharm zockt richtig ab. Da kaufe ich lieber alles bei den Discountern Rami Levy oder Osher Ad. Obwohl das Klopapier dort auch noch fast 10 Euro kostet. 🙂
Cofix eröffnet in Tel Aviv die erste „Good Pharm“ Filiale. Mit Klopapier, Zahnpasta, Windeln, Deos, etc. Kein Artikel soll mehr als 10 Schekel (circa 2,50 Euro) kosten. In der nächsten Zeit plant Cofix noch 25 weitere Good Pharm Filialen. Vermutlich in Tel Aviv und Umgebung sowie in Jerusalem.
Das Konzept wird einschlagen, wie eine Bombe. Seit Ewigkeiten werden Israelis bei Toiletten – und Kosmetikartikeln total abgezockt. Selbst Seife kostet, im Verhältnis zu ALDI, eine Menge Geld. Shampoo und Duschgel ebenso.
Hier ein israelischer TV Bericht zu Good Pharm. Es wird ein Vergleich zum Abzocker Super Pharm aufgestellt. Generell ist Super Pharm zu teuer, doch fand man ein paar Produkte, die dort sogar billiger wegkommen als bei Good Pharm.

 

Aktuelles aus Jerusalem

20160802_110744

Photo: Miriam Woelke

Sommerdekoration rund um die Jerusalemer Fussgängerzone
B“H
Die Stadtverwaltung Jerusalem plant weitere Straßenbahnlinien, da die zwei bestehenden Linien satte Profite einfahren. Häufig hat man Probleme beim Einsteigen, denn die zwei langen grauen Waggons sind randvoll.
Momentan wird die Straßenbahn offenbar vom Herzlberg (Mount Herzl) bis hinunter zum Hadassah Ein Kerem Hospital ausgebaut. Darüber hinaus plant die Stadtverwaltung aktuell eine neue Linie: In der German Colony sowie in Old Katamon. Durch Emek Refaim Street soll in ein paar Jahren die Straßenbahn fahren. Schon gibt es Ärger, denn einige Shop Inhaber taten sich zusammen und verklagen die Stadtverwaltung. Man wolle keine Straßenbahn, denn der Bau dauere ein paar Jahre und solange käme weniger Laufkundschaft. Überall Absperrungen aufgrund der Baustelle und wer findet da noch den Weg in einen die Läden?
Die Sorge ist berechtigt, doch muss man das Vorhaben immer langfristig betrachten. Wenn die Straßenbahn einmal fährt, kommt massenhaft Kundschaft in die Gegend, wie wir in der Jaffa Road sehen. Allerdings müssen die Geschäftsinhaber bis dahin erst einmal finanziell durchhalten, denn der Bau kann bis zu drei Jahre oder mehr dauern. Wer hat da die finanziellen Resourcen?
Dasselbe erleben wir in Tel Aviv, wo seit einem Jahr Großbaustelle herrscht, denn auch dort werden Gleise verlegt.
Und noch eine gute Nachricht:
In der Malcha Shopping Mall will IKEA eine kleine Niederlassung eröffnen. Keine so großen Niederlassungen wie in Rishon LeZion oder in Netanya, aber immerhin. Jerusalem verfügt über keine riesigen Bauflächen und wer eine Mall hochziehen will, weicht neuerdings ins benachbarte Mevasseret Zion aus. Wie der Discounter King Rami Levi, der bei Mevasseret eine gigantische Mall hochzieht. Hier entstehen massig Arbeitsplätze, wovon vor allem die Palästinenser in den umliegenden Dörfern profitieren.
Selbst wenn IKEA in der Malcha Mall nur eine bescheidene Filiale eröffnen will, an Kundschaft wird es garantiert nicht mangeln. Israelis stehen voll auf IKEA, denn die Preise sind günstiger als anderswo. Trotzdem liegen die israelischen IKEA Preise weit über dem deutschen Durchschnitt. Will sagen, in Deutschland ist IKEA weitaus billiger als in Israel. Aber was ist im teuren Israel schon billig? 🙂

Kleinunternehmen in Jerusalem?

B“H
In Israel existieren, wie andernorts auch, unendlich viele Kleinunternehmen. Von der Falafelbude bis hin zum Schuhmacher. Wobei die meisten Schuhmacher heutzutage russische Neueinwanderer sind. 🙂
Lohnt sich ein Kleinunternehmen in Israel?
Kommt drauf an, was der Kleinunternehmer verkaufen will. Falafel, Tässchen Kaffee und Kuchen sowie Kitsch – Krimskrams gibt es im Überfluss. In der Jerusalemer Innenstadt machen ständig Läden / Restaurants dicht und kurz darauf eröffnet ein anderer Inhaber.
Einen aktuellen Untergang sehe ich vorprogrammiert. Ich hoffe, dass ich mich irre, aber die Realität deutet auf nichts Gutes hin: Zwei junge Mädels eröffneten vor circa einem halben Jahr in der Keren Hayessod Street ein Restaurant. Irgendwelche Menus mit viel Fenchel. Das sollte etwas Spezielles bzw. Außergewöhnliches werden. Aber nicht nur Fenchel, sondern andere Speisen, die nicht so gängig sind.
Die Mädels investierten all ihr Erspartes und hofften auf Kundschaft vom gegenüberliegenden Hotel. Auf die Frage, was sie denn zu den ausbleibenden Israeltouristen sagen und ob man da wohl auf viel Kundschaft hoffen könne, gingen sie kaum ein.
Das Problem ist, dass das Restaurant inmitten mehrerer anderer Restaurants liegt. Einer Pizzeria, einer Bar und noch ein oder zwei anderen Sachen. Die Hälfte dieser Restaurants sind nicht koscher und haben am Schabbat geöffnet. Auch das Business der Mädels befindet sich darunter. In Jerusalem bedeutet dies, dass ein erheblicher Anteil an Kundschaft automatisch ausbleibt. Nämlich all jene Leute, die Wert auf koschere Küche legen. Und das sind bei weitem nicht nur religiöse Juden, sondern auch eine Menge traditioneller Juden.
Wenn ich ein paar Mal pro Woche abends an den Restaurants vorbeigehe, sehe ich die Pizzeria voller Kundschaft. Auch die Bar macht Profite. Einzig und allein das Restaurant der Mädels ist so gut wie leer.
Ich wüsste nicht, was ich den Beiden raten soll. Eine koschere Küche wäre definitiv von Vorteil. Ich vermute aber auch, dass es viele Leute abschreckt, wenn die Mädels bei der Gelegenheit verkünden, sie seien ein lesbisches Ehepaar. Und das taten sie in der Lokalpresse recht aufdringlich und übertrieben. Für das Business war das nicht gerade förderlich, denn was hat die sexuelle Orientierung mit dem Fenchel zu tun? Okay, so seid lesbisch, aber privat ist privat und Business ist nun mal Business. Noch dazu, wo offenbar nicht einmal die Homoszene das Restaurant frequentiert.
Wie lange die Beiden sich noch halten können? Keine Ahnung!
In Israel kann jeder Unternehmer schnell in der Insolvenz enden. Die Steuern sind hoch, dazu all die anderen Kosten drumherum. Bis zu einem Jahresumsatz von 70,000 Schekel ist alles easy und kaum steuerbelastet. Bis zu dem Betrag braucht man auch noch keinen Steuerberater.
Einfach so ein Business eröffnen?
Der Kleinunternehmer sollte mit der Landessprache vertraut sein. Vor allem aber auch mit der Mentalität und den israelischen Zahlungsgepflogenheiten. Wer das nicht in- und auswendig beherrscht, dem Gnade G – tt. Zudem braucht der Markt nicht noch mehr Falafel, sondern etwas Nützliches. Und … Israelis lieben es billig!!! 🙂

Die israelische Innovations – Power

B“H
Was unterscheidet israelische Startups von ihren deutschen Counterparts? Und was unterscheidet Israelis überhaupt von vielen Deutschen?
Wobei ich mit dieser Fragestellung nicht verallgemeinern will. Klar, trifft das nicht auf jeden zu. Nicht auf jeden, aber auf sehr viele Leute schon.
Es ist nicht leicht, in Israel zu leben. Nicht nur aufgrund der Terror – und Kriegsgefahr. Daran haben wir uns irgendwie alle gewöhnt. Was Israelis dagegen viel mehr beschäftigt ist der Alltag. Arbeiten, Rechnungen zahlen und halt irgendwie über die Runden kommen. Hiesige Gehälter sind alles andere als üppig und wer nicht gerade für eine Regierungseinrichtung arbeitet, muss sich dazu noch ernsthafte Gedanken um die Rente machen. Ein privater Rentenplan reicht nicht aus und wer bei den monatlichen Einzahlungen abkassiert, ist die jeweilige Versicherung und nicht der Versicherte.
Lebensmittelpreise sind unverschämt und sogar der Klopapierkauf wird zum Luxus. Bei dem Klopapierpreis! 🙂 Von Mieten und anderen Kosten erst gar nicht zu reden. Kurz gesagt, als Israeli rennt man unermüdlich, denn man will ja irgendwie leben.
Die Arbeitsbedingungen sind auch nicht immer ideal und ich überlege mir momentan, nicht doch noch in die Histadrut – Gewerkschaft einzutreten. Obwohl die Histadrut auch bei Nichtmitgliedern mit Rat und Tat zur Seite steht. Miese Arbeitsbedingungen, mieses Gehalt und oftmals das ewige Gemäkel der Vorgesetzten, doch noch mehr Arbeitsstunden anzuhängen. Wie momentan in meinem ungeliebten Zweitjob. Seit dieser Woche arbeite ich dort weniger, denn ich habe meine Arbeitsstunden auf ein Minimum reduziert. Was folgt sind emails, ob ich denn nicht doch noch mehr arbeiten könne.
Nee, kann ich nicht!
Aus all dieser Misere heraus gründen zahlreiche Israelis ihr eigenes Business. Wobei ich jetzt nicht den typischen Falafelstand meine. Derjenige, der sich in gewissen Lebensumständen wiederfindet, wird erfinderisch. Das bringt die Situation so mit sich.
In Deutschland geht alles seinen Gang und das Denken ist immer noch ein anderes. Man denkt viel nach und zögert. Ob das denn gehe und was wenn nicht und überhaupt.
In Israel sowohl als auch in den USA werden Ideen weiterverfolgt und man schaut halt mal, was sich so ergibt. Ohne große Scheu wird herumgetüftelt. Und das nicht nur im Startup – Bereich. Man will etwas Neues schaffen und seine Idee, sei sie auch noch so daneben, verwirklichen.
Ich denke, dass es gerade dieser Wille ist, der Israelis von Deutschen unterscheidet. Risikofreundlicher und mit allerlei Ideen fängt man einfach an und probiert aus. Mag sein, dass es an der deutschen Mentalität a la „Das wird doch eh nichts. Lass das mal lieber!“ liegt und eine Menge Leute davon abhält, etwas durchzusetzen. Wenn ich mir allein anschaue, wie viele deutsche Youtube Scammer ihre Kurse „Wie blogge ich richtig“ oder „Wie werde ich Youtuber“ verkaufen, wundere ich mich nur noch. Es scheint als ob niemand mehr allein etwas auf die Beine stellen kann, sondern für jeden Sch…. erst einmal einen Kurs kaufen muss. Wenn ich für alle Lebenslagen zuerst einen Kurs kaufen muss, ist das sehr traurig. Anstatt loszulegen, selbst wenn der Erfolg ausbleibt, werden Videokurse geglotzt.
Hier ein Beispiel interessanter Startups, die sich die Arbeitsplatzmisere zu Nutzen machen:
http://www.globes.co.il/en/article-five-israeli-startups-that-enhance-job-seeking-1001091873

Sich in Israel selbstständig machen

B“H
Es gibt unzählige Israelis, die davon träumen, sich beruflich selbstständig zu machen. In der offiziellen Amtssprache heißt dies ATZMA’I (männlicher Selbstständiger) und ATZMA’IT für den weiblichen Gegenpart. Hier findet Ihr sehr ausführliche Infos zum Thema:
http://rifkalebowitz.com/setting-up-a-small-business-in-israel/
Ab einem Jahreseinkommen von 70,000 Schekel sollte man einen Steuerberater hinzuziehen, denn dann sind höhere Steuern und Sozialbeiträge fällig. 
Der Traum von der Selbstständigkeit läßt sich verwirklichen, wenn man über ein sehr gutes Netzwerk verfügt und sich dadurch von Beginn an einen Kundenstamm aufbaut. Trotzdem, alles kostet massiv Geld und Gebühren und die Sozialversicherung Bituach Leumi jagt einen bis ans Ende der Tage. Dazu kommen extrem hohe Steuersätze.
Eines sollte man sich als Israeli stets vor Augen halten:
Ein Selbstständiger bekommt im Fall der Arbeitslosigkeit keinerlei finanzielle Unterstützung zugesprochen. Man tut also gut daran, mehr als 50 % des Reingewinns auf die Seite zu legen. Auch schon allein wegen steuerlicher Nachzahlungen und sonstiger anfallender Kosten.
Private Rentenversicherungen von Versicherungen?
Die lohnen sich nur, wenn man jung ist. Ab dem Alter von 40 Jahren sollte sich jeder ein separates Bankkonto zulegen und Erspartes anhäufen. Bei privaten Rentenversicherungen kassiert die Versicherungsgesellschaft einen Großteil des jährlich eingezahlten Geldes. Im Grunde genommen zahlt der Versicherte nur für die Provision der Versicherung. Ihm selbst bleibt kaum etwas übrig und die böse Überraschung folgt im Alter.
Kann sich jemand in die Selbstständigkeit wagen, wenn er neu im Land ist und die Landessprache nicht beherrscht?
Im Prinzip ja, doch würde ich dies keinem raten. Man muss die chaotische israelische Mentalität genauestens kennen, um sich auf dem Markt durchzusetzen. Die Sprache ist nicht immer so wichtig, doch wer weiterkommen will, der muss wissen, wie der hiesige Markt und vor allem der Israeli, tickt.