Leben in Jerusalem

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Knesset – Wahlen 2019: „Parteien und die Stimmen der ultra – orthodoxen Juden“

In Israel ist längst nicht alles schwarz und weiß wie es in ausländischen Medien gerne dargestellt wird. Palästinenser wählen nicht nur arabische Parteien, sondern genauso den Likud unter Netanyahu, die Arbeiterpartei oder die linksradikale Meretz – Partei, welche da, wie die Grünen in Deutschland, nach der Vernichtung des eigenen Landes schreit.

Drusen wählen neben links ebenso auch rechts und es gibt drusische Abgeordnete beim Likud. Religiöse Juden wählen auch schon einmal links und nicht jeder ultra – orthodoxe geht wählen. Diverse chassidische Gruppen nehmen niemals an Knesset – Wahlen teil. Darunter auch Teile von Chabad, Breslov genauso wie Toldot Aharon, Satmar, etc.

Wahlen 2019 in Israel

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Wahlzettel in Israel – Copyright: Miriam Woelke

 

Jeder Wahlzettel in der Wahlkabine repräsentiert eine Partei. Der Wähler nimmt einen Zettel und steckt diesen in einen Briefumschlag und dann alles in die Wahlurne. So wird in Israel gewählt. Anhand der Zettel und nicht anhand des Ankreuzens auf einer Wahlliste wie in Deutschland.

 

 

B“H
Eigentlich sollte ich viel mehr zu den Knesset – Wahlen am 9. April schreiben, aber irgendwie fehlt die Lust. Die linken Parteien einschließlich Ya’ir Lapids „Yesh Atid“ Partei haben sich zusammengeschlossen. Jedem geht es nur um die Macht und genau das nervt. Egal, ob links oder rechts.
Wer auch immer die Wahlen gewinnen wird, ändern tut sich nichts. Alle Politiker labern vom arabischen Terror und dem Iran, aber kein einziger kümmert sich um soziale Belange. Mietwucher, Wohnungsnot, Armut im Land, Arbeitslosigkeit, hohe Lebenshaltungskosten oder das marode Gesundheitssystem. Weder Lapid noch Benny Gantz haben davon eine Ahnung, denn sie kümmern sich nicht um den Otto Normalverbraucher in der Provinz. Dafür umso mehr um säkulare Israelis in der Region Tel Aviv, Kfar Saba, Hod Hasharon, Herzliya oder Ra’anana. Von der Wirtschaft haben beide ebenso wenig Ahnung, was Ya’ir Lapid offen zugibt.
Netanyahu kennt sich mit der Wirtschaft bestens aus und er hat in seinen Amtsperioden viel Positives bewirkt, was leider wenig Erwähnung findet. Dass er jetzt zu einer Anhörung muss, da er der Bestechlichkeit beschuldigt wird … naja. Dass vor den Wahlen zu verkünden, ist mehr als suspekt. Noch dazu wo dies bereits mehreren Politiker passierte und die offizielle Ankündigung, wie im Fall Zipi Livni, bis nach den Wahlen verschoben wurde.
Ob Netanyahu nun ein oder zwei Zigarren von irgendeinem Typen annahm … oder ob er eine Zeitung propagandierte … was hinterher die gesamte Knesset eh beschloss … darüber kann man streiten. Vielen Leuten geht Netanyahu nach all den Jahren im Amt nur noch auf den Geist, Man will neue Gesichter sehen, aber ob die linken Gantz und Lapid dafür geeignet sind? Israel muss aufpassen, nicht so zu enden wie Deutschland. Mit all den linksradikalen Ideologien und am Ende noch mit 90,000 aus ihren Häusern geschmissenen Siedlern wie Lapid und Gantz es ankündigen. Israel soll kleiner werden und die palästinensische Autonomie größer. Massive Landabgaben Samarias (Shomron) sind bei der Linken in Planung.
Netanyahu hat zwei Fehler gemacht: Er hat von Milliardär Arnon Milchan Zigarren angenommen. Lapid, Livni, Ehud Olmert, Ehud Barak und viele viele andere Politiker nahmen Geld von Milchan. Aber das wird in unserer linksgerichteten Presse nicht berichtet. Um als Premier zu bestehen, darf noch nicht einmal ein Glas Sekt angenommen werden.
Der zweite Fehler Netanyahus war es, nicht bei seiner ersten Frau zu bleiben, sondern sich seiner jetzigen und dritten Gattin Sarah zu unterwerfen. Ohne Sarah würde er besser dastehen, aber das geht nun nicht mehr. Sie klebt an ihm wie Kleister und er ist vertraglich an sie gebunden. Allein das ist schon Strafe genug.
Was wissen wir von Benny Gantz? Ein Bankrotteur, der mit einer eigenen Firma in die Insolvenz ging. Ya’ir Lapid steckte vor ein paar Jahren sein Gesicht zwischen den Busen einer Frau. Ich weiß, ehrlich gesagt nicht, wer da schlimmer ist.
Sollte die Linke gewinnen, heißen die wahren Sieger Abu Mazen (Fatach) und Ismail Haniya (Hamas), denn die werden sich totlachen.
Wen ich wähle?
Ich schwanke zwischen Likud und Otzma Yehudit.
https://www.facebook.com/JewishStrength/
Nein, Otzma ist kein Haufen rechter Terroristen, sondern eine jahrelang bestehende Partei mit jüdisch – konservativen Werten, welche leider immer mehr verlorengehen. Vor ein paar Jahren habe ich bereits schon einmal Otzma gewählt. Damals verpassten sie den Knesset – Einzug nur knapp, aber diesmal haben sie eine gute Chance, denn sie verbündeten sich mit dem Bayit Yehudi.
Alle anderen Parteien unterscheiden sich in ihren Inhalten wenig und es geht den Vorsitzenden lediglich um Macht. Otto Normalverbraucher ist egal. Nur die Macht, die Kohle und ein Dienstwagen sind wichtig. Weder Moshe Kachlon noch Ya’ir Lapid lassen Vorstandswahlen in ihren eigenen Parteien zu. Sie sind kleine Diktatoren, die automatisch Vorsitzende bleiben. Bei anderen Parteien wie dem Likud oder der Arbeiterpartei werden die Vorsitzenden von der Mitgliederschaft gewählt. Allein diese kleinen Partei – Diktaturen sind schon ekelhaft.
In Jerusalem werden Bibi und der Likud haushoch gewinnen und generell finden viele Israelis die Hetze gegen Netanyahu einfach nur widerlich. Alle Politiker haben Dreck am Stecken und dann soll man alle anderen gefälligst auch drankriegen.

Israel ist anders als es sich viele Leute vorstellen

B“H
Bei bestimmten Leserfragen habe ich manchmal den Eindruck, dass mir die Leute meine Beschreibungen zum Leben in Israel sowohl als auch der israelischen Mentalität nicht so recht abnehmen.
„Ja, man sei ja selber schon mehrere Male in Israel gewesen oder habe sogar ein Semester dort studiert und so habe man Israel bzw. Jerusalem halt nicht kennengelernt.“
Dazu kann ich nur das sagen, was andere Auswanderer in anderen Ländern auch sagen:
„Wer sich irgendwo befristet als Tourist oder ausländischer Student aufhält, gewinnt nur einen kleinen Eindruck in das wahre Leben im Land. Noch dazu, wo in Israel eine Middle East Mentality herrscht. Und hinzu kommt, dass Juden eine andere Perspektive gewinnen als Nichtjuden. Israel ist keineswegs einfach zu definieren und wer als Jude einwandert bzw. im Land geboren wurde, weiß was ich meine. Wer so richtig in die Arbeitswelt und den Alltag integriert ist und zu Behörden muss. In Israel ist nicht eben mal so alles Ephraim Kishon oder so, wie ein Tourist seinen Urlaub erlebt.“
Nicht selten haben gerade Deutsche einen eher naiven Eindruck von Israel a la „Hierzulande sei alles so wie in Europa oder gar in Deutschland, denn es leben ja all die aschkenazischen Juden hier.“
Was allzu leicht übersehen wird, ist die sephardische Mehrheit in vielen Orten. Zum Beispiel in Jerusalem. Die Hauptstadt ist sephardisch wohingegen Tel Aviv und diverse Küstenorte wie Kfar Saba, Hod Hasharon oder Ra’anana einen eher westeuropäischen Eindruck machen. Und dort leben dann auch eine Menge aschkenazischer Juden. Juden aus Deutschland, die sich dort ihr kleines Deutschland basteln.
Vor einiger Zeit habe ich mich auf Facebook einer Gruppe angeschlossen, deren Mitglieder aus Krebspatienten besteht. Mit der Krebsart, die auch bei mir diagnostiziert worden ist. Und siehe da: Ich lernte in der Gruppe recht viele Israelis kennen und mit einer Frau treffe ich mich demnächst zum Erfahrungsaustausch. Sie stammt aus Kfar Saba, wird im Krankenhaus Tel Hashomer behandelt und lebt absolut säkular. Gestern Abend chatteten wir kurz und sie meinte, dass Jerusalem eine andere Welt für sie sei. So richtig orientalisch Middle East und ganz anders als Kfar Saba und der Nachbarort Ra’anana.
Kein Wunder, meinte ich, denn Jerusalem besitzt eine sephardische Bevölkerungsmehrheit. Hier tummeln sich tausende Kurden, Iraker, Iraner, Marokkaner, Tunesier, Algerier, Syrer, etc. Halt alles Juden aus solchen Ländern oder die Nachkommen von Juden, die aus derlei Ländern nach der Gründung des Staates Israel einwanderten. Aus ihren arabischen Ursprungsländern wurden sie 1948 rausgeschmissen und durften teilweise nur das mitnehmen, was sie auf dem Leib trugen.
Viele machten sich damals zu Fuß nach Israel auf und hier angekommen, wartete kein Sprachkurs und gewiss kein Zuckerschlecken. Vor allem nicht auf die jemenitischen Juden, wenn man sich deren Geschichte betrachtet. Die hebräische Sprache musste allein erlernt werden und viel finanzielle Hilfen gab es nicht. Man arbeitete und war stolz auf das Erreichte. Die heutige Aliyah nach Israel mit diversen finanziellen Hilfen kann mit damals nicht verglichen werden. Heutzutage steigen die Leutchen bequem aus dem Flugzeug und bekommen ein paar tausend Schekel geschenkt.
Es gibt in Israel Orte, Firmen oder was auch immer, die komplett sephardisch geprägt sind. Aschkenazim heiraten Sepharadim. Ich selber habe sechs Jahre lang nur mit Sepharadim aus dem Irak, dem Iran oder aus Kurdistan zusammengearbeitet. Ich habe deren tolles Essen kennengelernt und koche seitdem selber so. Ich war auf deren Feiern und Beerdigungen von Verwandten. Das war alles kein Thema und ich war auch schon in mehreren sephardischen Synagogen.
Was mir recht egal ist, ist dieses aschkenazische Getue und viele meiner Arbeitskollegen sind sephardischer Abstammung. Mein Boss ist sephardischer Jude. Auf der Arbeit nehmen wir uns oft gegenseitig auf die Schippe und sephardische Juden lachen sich über so manches aschkenazische Verhalten kaputt. Unter anderem über das Essen und dass nicht so viel auf dem Teller ist wie bei den Sepharadim. Wer richtig essen und satt werden will, gehe zu den sephardischen Juden, denn da wird der Teller richtig vollgeknallt. 🙂
Kurz gesagt, in Jerusalem sind uns sephardische Angelegenheiten nicht fremd, denn wir werden ständig mit ihnen konfrontiert. Und wenn es um die Politik geht: Der LIKUD ist die Partei der sephardischen Juden. In der Vergangenheit war stets die Arbeiterpartei das Eldorado der aschkenasischen Juden. Heute sind das vielleicht Yesh Atid von Ya’ir Lapid oder Benny Gantz. Der LIKUD aber bleibt sephardisch und gerade sephardische Juden wollen keinen Lapid, denn sie wollen viel mehr sephardische Politiker sehen und keine arroganten Aschkenazim. Man wolle sich viel mehr repräsentiert wissen und keine aschkenazische Oberherrschaft. Zudem sind viele viele sephardischen Juden traditionell eingestellt und halten koscher und Pessach (Passover), Yom Kippur, etc.
Was ich damit zum Ausdruck bringen will ist, dass gerade Jerusalem sehr gemischt ist und man ausgerechnet hier mit der wahren israelischen Mentalität a la Middle East konfrontiert wird. Touristen bekommen dies alles kaum bis gar nicht mit.
Ja okay, wenn jemand in Kfar Saba wohnt, dann ist Jerusalem fast Ausland für ihn. Dabei sind wir eigentlich nur der wahre Nahe Osten. 🙂

Leserfragen & Ein wenig israelische Politik

B“H
Gestern oder vorgestern verkündete Zipi Livni ihren Ausstieg aus dem politischen Leben und niemand wird sie so richtig vermissen. Dazu gibt es viel zu viele neue Parteien und ihre eigene TNUAH – Partei wäre, Umfragen zufolge, eh nicht mehr in die neue Knesset eingezogen.
Zipi Livni hat mich persönlich nie besonders interessiert. Meiner Meinung nach hat sie den großen Aufstieg vor circa zehn Jahren verpasst als sie unter Ehud Olmert Außenministerin war und sich gegen ihn auflehnte. Hätte sie das damals durchgezogen und Olmert nicht wieder nachgegeben, eine Menge Wähler hätten es ihr gedankt. Aber Zipi Livni fiel in dem Moment um als Olmert sie rausschmeissen wollte. Der Ministersessel war halt doch wichtiger als die eigene Meinung.
79% der israelischen rechtsgerichteten Wählerschaft wollen eine Koalition mehrere rechtsgerichteter Parteien, um so einen starken Block in der neuen Knesset zu bilden. RECHTS bedeutet in Israel nicht, wie viele Deutsche heutzutage meinen, Nazi. Rechts – konservativ bedeutet die einstige CDU lange vor Zonen – Angie. Unter anderem ist der LIKUD mit der einstigen deutschen CDU zu vergleichen.
In meinen Augen werkeln zuviele Individualisten herum und der neue Favourit und Ex – General, Benny Gantz, sank schon wieder in der Wählergunst nachdem er eine weitere großangelegte Landaufgabe Samarias und Judäas angekündigt hatte. Offenbar ist Gantz sogar bereit, mit den arabischen Parteien zu koalieren und da sieht man wieder, wie stark der Machtwille ist. Ideologien spielen keine Rolle mehr, sondern nur noch das eigene Ego. Noch dazu, wo Gantz keinerlei politische Erfahrung vorweisen kann.
Wer sich an Gantz heranmacht ist Ya’ir Lapid. Letzterer rechnete sich beste Chancen aus, Netanyahu abzulösen, doch dann kam Benny Gantz. Nun scheint Lapid mit zehn Sitzen bei den kommenden Wahlen abgeschlagen. Gantz erhält, laut Umfragen, zwanzig Sitze und Netanyahu mit dem Likud dreißig Sitze.
Lapid will schon im Vorfeld mit Gantz koalieren, aber da beide Egomanen sind, wird sich keiner mit dem Posten eines stellvertretenden Premiers zufrieden geben.
So richtige Politiker scheint es kaum mehr zu geben. Jeder hechelt nur seinem eigenen Knesset – Sitz hinterher und will, bestenfalls einen Ministerposten. Die einst so mächtige Arbeiterpartei ist abgeschlagen und die extreme Linke pfeift aus dem letzten Loch. Lapid und Gantz geben sich liberal, sind es aber, meiner Meinung nach, nicht. Wie auch, wenn jemand mit den arabischen Parteien koalieren will? Da kann ja gleich Ismail Chaniyeh von der Hamas unser neuer Premier werden.
Was mich besonders stört ist, dass soziale Belange erneut auf der Strecke bleiben. Gantz als Ex – General hat Null Ahnung von sozialen Themen. Was interessiert den der Wohnungsbau, das marode Gesundheitssystem oder die steigende Armut in der Bevölkerung? Das geht dem doch am Allerwertesten vorbei. Ya’ir Lapid wurde mit dem goldenen Löffel im Mund geboren und kennt daher ebenso wenig die Probleme der breiten Masse. Seine Ansicht lautet: „Geht arbeiten und haltet Euer Maul!“
Ich denke nicht, dass die Wahlen am 19. April viel verändern werden. Die Trump – Regierung befürwortet eine Koalition Netanyahu – Gantz. Egal wer gewinnt, viel ändern tut sich eh nicht und bei Otto Normalverbraucher bleibt alles beim Alten.
Das einzige Problem ist Benny Gantz mit dem Ziel, viel mehr Land an die Palästinenser abzutreten und die arabischen Parteien miteinzubeziehen. Wenn das geschieht, sehe ich schwarz. Viele Wähler, die Gantz eine Chance geben wollen, werden erst hinterher die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Und bereicherungsmäßig ist Gantz nicht besser als die Netanyahus. Auch gegen Gantz wurde / wird ermittelt.
Unterdessen postet Bibi Netanyahu auf Youtube und Facebook Clips von seinem Smartphone. Von seinem Alltag als Premier.
Und noch ein paar Leserfragen:
Ostern in Tel Aviv?
In Israel wird kein Ostern gefeiert und in Tel Aviv wird dementsprechend kein Ostern zu finden sein. Lediglich im christlichen und armenischen Teil der Jerusalemer Altstadt ist Ostern ein Thema. Ansonsten gibt es hierzulande keinerlei Ostern!
Alltag der israelischen Frauen?
Deren Alltag schaut nicht viel anders aus als der der deutschen Frauen: Familie, Beziehung, Single – Leben, Arbeit, Uni, Schule, Karriere, Sozialamt … Alles ist dabei. Der einzige Unterschied besteht vielleicht darin, dass hierzulande die Frauen zur Armee müssen und dadurch selbstbewusster sind als Frauen in Europa.
Neue Mall in Jerusalem?
Davon ist mir nichts bekannt, aber ich weiß ja nicht alles. Ich bin eh kein Mall – Gänger, denn dort ist es mir zu teuer. Ich bereite mir lieber mein Essen daheim vor.
Sonntagabend war ich mit Freunden im hiesigen Kinokomplex YES PLANET. Der liegt bei mir gegenüber und wir tranken in einer CAFE AROMA Niederlassung Kaffee.
Araber und Juden sassen im Cafe Aroma und alles war friedlich. Hinter der Theke arbeiteten Palästinenser. Ganz normaler Alltag halt.
Wieviele Behinderte gibt es in Israel?
Ich habe keine Ahnung. Es gibt eine Menge Einrichtungen für Behinderte und im Jerusalemer Stadtteil Kiryat Moshe befindet sich, unter anderem, ein Blindenheim mit angeschlossenem öffentlichen Schwimmbad.
Und jetzt noch etwas in eigener Sache:
Wenn Ihr einen Trip nach Israel plant, kommt nicht ohne Krankenversicherung angereist. Schließt in Deutschland oder wo auch immer Ihr herkommt, eine Reisekrankenversicherung ab. Solltet Ihr in Israel in ein Krankenhaus oder zum Arzt müssen, so kann das ohne Versicherung sehr teuer werden.
Von einer Bekannten kam vor einem Jahr die Mutter aus Australien zu Besuch und, obwohl immer kerngesund, ereilte sie hier ein Hirnschlag. Oder wie man sowas nennt.
Sie kam ins Hadassah – Hospital und dann begann das Drama, denn in Hadassah wollte man vor der Behandlung wissen, wer die Kosten übernimmt. Die Tochter der Dame rief bei der Versicherung in Australien an und es gab ein riesiges Hin und Her. Erst nach Klärung wurde die Mutter richtig behandelt und blieb ein paar Wochen im Krankenhaus.
Wer in Israel eine Touristen – Krankenversicherung eingeht, muss aufpassen, denn die ist eingeschränkt und nicht alle Behandlungen werden übernommen. Das sah ich mit eigenen Augen als ich im Oktober letzten Jahres in der Gastro – Notaufnahme war und eine Amerikanerin rausflog. Sie solle heimgehen und sich nicht so anstellen. Und das sagte ihr ein palästinensischer Arzt.

Israels Generäle

B“H
Am 19. April wird eine neue Knesset gewählt und obwohl Netanyahu, laut Umfragen, seinen erneuten Sieg bereits so gut wie in der Tasche hatte, erschien ein neuer Stern am Horizont: Der ehemalige Oberbefehlshaber der Streitkräfte Benny Ganz.
Es ist nichts Neues in Israel, dass diverse Oberbefehlshaber a.D. sich entschließen in die Politik zu gehen anstatt ihre dicke fette Pension zu geniessen. Jeder will halt mehr zu sagen haben und auf Politiker machen. So auch aktuell Benny Gantz, der da eigens eine neue Partei gründete und sich mit einem anderen General namens Moshe Yaalon (Oberbefehlshaber a.D.) zusammentat. Yaalon ist die Nummer zwei auf der Parteiliste.
Was genau Gantz will? Was ist sein Parteiprogramm? Ist er rechts oder links?
So richtig sagt er das nicht und, im Grunde genommen, kommt es mir so vor, alles wolle mal wieder ein pensionsreifer General mitbestimmen und in die große Politik gehen. Ohne Kenntnisse und halt nur mit militärischem Taktik – Denken.
Was mich in Israel unheimlich stört ist, dass jeder kleine Depp meint, er müsse nun seine eigene Partei gründen. Frischer Wind ist definitiv gut und notwendig, aber doch nicht von Generälen. Man könnte direkt meinen, wir bewegen uns in einen einzigen Militärstaat. Weil ich nie bei der Armee war, bin ich kein Freund von Militärs, die da Premierminister werden wollen. Okay, Ehud Barak gelang dies, aber er scheiterte als Premier. Als Verteidigungsminister jedoch war Barak recht erfolgreich.
Obwohl Gantz zögert, sich auf eine Agenda festzulegen – nicht wenige Israelis stehen hinter ihm. Vor allem Säkulare, die an der Küste wohnen. Tel Aviv und Umgebung oder Haifa. Jerusalem ist konservativer eingestellt und man bleibt traditionell beim Likud. Es gibt Parteien, die in Jerusalem einfach keine Chance haben, wie die von Zipi Livni, zum Beispiel.
Mittlerweile gibt es in Israel so viele Parteien, dass die eigentlichen Programme immer unübersichtlicher werden. Aber die sind eh egal, denn an Programme und Wahlversprechen hält sich nach den Wahlen im April eh niemand mehr. Es geht darum, sich seine Machtposition samt Knesset – Stühlchen zu sichern. Der Rest ist egal. Bestes Beispiel ist Moshe Kachlon, der bei den letzten Wahlen riesige Wahlversprechen machte. Von wegen sozial eingestellt und den Wohnungsmarkt wiederbeleben. Nichts ist passiert und bei den Wahlen im April wird Kachlons Partei abrutschen und Sitze verlieren.
Israelis haben nichts gegen neue Parteien. Selbst dann nicht, wenn diese von Generälen geführt werden. Das sei immer noch besser als der ehemalige TV Entertainer Yair Lapid, der bei der Armee nicht in einer Kampfeinheit war, weil Papa Tommi ihm einen ruhigen Posten zuschanzte. Lapid hat von militärischen Dingen keine Ahnung, obwohl er das auf Twitter bestreitet. Jedesmal erntet er einen Shitstorm, wenn er einmal wieder mit seiner Armeezeit auftrumpft, die er lediglich im Büro verbrachte. In der Beziehung haben Generäle besser Chancen und laut aktuellen Umfragen, wird Lapids Partei nur 11 Sitze bekommen. Benny Gantz machte auch ihm einen Strich durch die Rechnung und zieht sowohl enttäuschte Wähler vom Likud als auch von Yesh Atid zu sich.
Neuen Kandidaten geben Israelis gerne eine Chance. Das war bei Kachlon so und zuvor bereits bei Naftali Bennett und Ayelet Shaked. Letztere gründeten vor einem Monat ebenfalls eine neue Partei und spalteten sich vom Bayit Yehudi ab. Bennetts Partei könnte 8 – 10 Sitze bekommen wohingegen Bayit Yehudi vermutlich nicht mehr in der Knesset vertreten sein wird.
Einen Absturz erlebt auch die Arbeiterpartei, denn sie kommt aktuelle gerade einmal auf sechs Sitze. Zipi Livnis Partei fliegt ganz raus. Die linksextreme Meretz – Partei bleibt bei fünf Sitzen und Shass sowohl als die aschkenazische ultra – orthodoxe Yahadut HaTorah erhalten 5 – 6 Sitze.
Eigentlich hatte sich Lapid beste Chance ausgerechnet, Netanyahu abzulösen, doch die Wählerschaft zieht Benny Gantz vor. Das große Rennen findet also zwischen Netanyahu und Gantz statt.
Was genau der Unterschied zwischen all den Parteien ist, kann niemand so genau sagen. Vorweglich handelt es sich um Parteivorsitzende mit einem gewaltigen Ego, die da mitbestimmen wollen. Die Bevölkerung mit ihren Sorgen und Nöten spielt keine Rolle. Weder Gantz noch Netanyahu noch Lapid kennen soziale Probleme aus eigener Erfahrung. Vielleicht noch eher Netanyahu, denn er wuchs in keinem wohlhanden Haus auf und finanzierte seine Studien in Boston mit Studentenjobs. Lapid wuchs reich und behütet auf und trampelt gerne auf Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger ein. Von Gantz weiß man, wie gesagt, gar nichts. Er sagt einfach nichts. Auch dann nicht, wenn er den Mund aufmacht.
Bei einer Patt – Situation bin ich gespannt, ob Gantz und Netanyahu koalieren. Man hört hinter den Kulissen, dass Yair Lapid bereits um Gantz herumschwänzelt und mit diesem vielleicht jetzt schon ein Abkommen schließt, um Netanyahu abzulösen.
Das Intrigenkarussell dreht sich gewaltig und in Israel wird mit wesentlich härteren Bandagen gekämpft als das in Deutschland der Fall ist.

Vor den Wahlen in Israel: „Politiker wechseln die Parteien wie Unterhosen“

B“H
Am 9. April 2019 wird eine neue Knesset gewählt und bereits jetzt ist der Machtpoker in vollem Gange. Jeder kleine Dödel – Abgeordnete will unbedingt sein eigener kleiner King sein und gründet eine Partei. Aktuelles Beispiel sind die beiden Ex – Likudnikim Ayelet Shaket und Naftali Bennett vom Bayit Yehudi.
Vor ein paar Jahren übernahm das Duo nach Jahren beim Likud die Bayit Yehudi – Partei, die aus der Fusion von Mavdal und Ichud HaLeumi entstanden war. Die Mavdal war bis dahin eine rein religiös – zionistische Partei gewesen, aber das sollte sich mit Shaked und Bennett schnell ändern, denn die beiden hatten irgendwie immer nur ihre eigenen Interessen vor Augen. Das nationalreligiöse Movement war ihnen Schnuppe und die Partei diente ihnen lediglich als Sprungbrett in die Unabhängigkeit.
Gestern Abend wurde verkündet, dass besagtes Duo das Bayit Yehudi verlässt, um eine neue säkular – religiös – zionistische Partei Namens „HaYamin HaChadash“ (die Neue Rechte) zu gründen. Die restlichen Abgeordneten des Bayit Yehudi waren nicht gerade traurig über den Abgang von Ayelet Shaked und Naftali Bennett und man wollte sich wieder auf seine alten religiösen Werte besinnen. Aber nichts da, denn heute verkündete Bennett, dass seine neue Partei und Bayit Yehudi ja nach den Wahlen koalieren könnten.
http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/256887
https://www.jpost.com/Breaking-News/Bennett-and-Shaked-announce-creation-of-new-political-party-575753
All diese Machtspielchen kotzen mich total an und es war abzusehen, dass mit den Wahlen erneut keinerlei Mehrheit zusammenkommt, sondern all die kleinen Splitterparteien die großen Parteien erpressen werden. Es sei denn, Netanyahu gelingt es tatsächlich zwischen 30 – 40 Sitze zusammenzubekommen.
Jeder unzufriedene Abgeordnete und fast jeder ehemalige Oberbefehlshaber meint, seine eigene Partei gründen zu müssen. Ohne Agenda und nur allein, um die eigenen Machtbedürfnisse zu stillen. Was unterscheidet heute noch eine abgetakelte Zipi Livni von Moshe Kachlon oder Avi Gabbai? Das ist ein und derselbe Quark, den keiner braucht.
Nach den Wahlen kümmert sich eh kaum mehr ein Abgeordneter um das Volk, sondern spielt seine privaten Machtspielchen. Hauptsache es gibt kostenlose Auslandsreisen und iphones.
Netanyahu ist das kleinere Übel und obwohl fast alle Knesset – Abgeordneten korrupt sind, konzentrieren sich unsere linken Propagandamedien fast immer nur auf ihn. Dabei beschrieb neulich erst Ben Caspit in seinem Buch weitere Politiker, welche freudig die Hand aufhalten. Von Ya’ir Lapid bis Zipi Livni sind alle dabei:
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2018/05/06/rezension-zur-netanyahu-biographie-von-ben-caspit/

Leserfrage: „Die AfD in Jerusalem?“

B“H
Eine eher seltsame Frage, denn in Israel haben wir keinerlei deutsche Parteien. Zwar gibt es die israelischen Grünen auf lokaler Ebene, doch die kümmern sich vorwiegend um die Natur. Wenn, zum Beispiel, in Jerusalem einmal wieder Bäume einem Parkplatzbau zum Opfer fallen sollen.
Eine AfD gibt es in Israel nicht und, wäre ich in Deutschland, würde und könnte ich die AfD nicht wählen.
Ich darf in Deutschland gar nicht wählen, da ich kein deutscher Staatsbürger bin. Ich habe lediglich einen israelischen Pass und somit hat sich die AfD erledigt.
Ich würde die AfD nicht wählen, weil Herr Gauland in einem Interview einmal sagte, dass er deutsche Soldaten in Israel stationieren würde. Für Israel ist diese Vorstellung ein absoluter NoGo.
Sehr viele Israelis, mich eingeschlossen, verstehen aber, warum soviele Deutsche die AfD wählen und die Leute sind hierzulande der Meinung, dass, wenn die Deutschen nicht bald aufstehen und sich wehren, Europa in wenigen Jahren von der Schariah und vom Chaos beherrscht wird.