Leben in Jerusalem

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Auswandererrückkehrer nach Deutschland und die Krankenkasse

B“H
Einen Blog, den ich regelmäßig sehr gerne lese, ist der von Ludigel in Taiwan. Aufgrund familiärer Probleme entschied er sich, nach vielen Jahren in Taipeh nach Deutschland zurückzukehren. In Deutschland angekommen, musste er sich erst einmal nach den neuesten gesetzlichen Krankenkassenbestimmungen erkundigen und stellte fest, dass eine Rückkehr gar nicht so leicht ist.
Einem Rückkehrer nach Deutschland wird die Wiedereingliederung nicht leicht gemacht, selbst wenn es sich, wie bei Ludigel, um einen IT – Experten handelt. Kein armer Schlucker, der nach Deutschland kommt, um sich in die soziale Hängematte zu begeben.
Wie man sieht, hat da ein Migrant in Deutschland wesentlich mehr Chancen und staatliche Hilfen, was eine Schande ist. Aber das ist die Situation, an der sich wohl kaum etwas ändern wird.
Meinerseits hege ich keinerlei Rückkehrerpläne. Eher ist das Gegenteil der Fall, denn nach 17 Jahren Abwesenheit zieht mich nichts mehr in ein Deutschland, das ich nicht mehr wiedererkenne. Trotzdem will ich den interessanten Artikel von Ludigel an alle Rückkehrwilligen weitergeben, damit sie wissen, was sie in Deutschland erwartet:
http://osttellerrand.blogspot.co.il/2017/02/don-ludigel-ohne-esel-und-lanze-und-die.html

Gescheiterte Auswanderer?

B“H
Jemand googelte zum Thema „Gescheiterte Auswanderer“ und stiess somit auf diesen Blog. Ein paar Mal schon habe ich etwas zum Thema verfasst:
Deutsche Auswanderer und ihre Auswanderungsprobleme
Leserfrage: Hartz IV nach gescheiterter Auswanderung
Irgendwie weigere ich mich immer, von einer „gescheiterten Auswanderung“ zu reden. Was genau bedeutet denn „gescheitert“ und wer urteilt hier eigentlich? Und nach welchen Faktoren wird jemand als „gescheitert“ betrachtet?
Bevor ich aber zum eigentlichen Thema komme, möchte ich aus meiner Sicht das „Auswandern“ definieren. Wer genau ist denn nun „Auswanderer“? Für mich ist das jemand, der in ein anderes Land zieht, dessen Staatsbürgerschaft annimmt, die Landessprache lernt, arbeitet, Steuern zahlt und und und.
Jemand, der als Tourist in ein anderes Land zieht oder innerhalb der EU umzieht ohne eine neue Staatsbürgerschaft anzunehmen, ist meines Erachtens nach kein Auswanderer. Wer, zum Beispiel, auf Touristenbasis in Israel wohnt, ist nicht nach Israel eingewandert. Ohne israelische Staatsbürgerschaft ist man demnach kein Auswanderer, sondern lediglich Tourist.
Von Touristen, Thailand – oder Mallorca – Rentnern sowie EU – Umgezogenen rede ich hier einmal nicht, sondern vielmehr von denjenigen Auswanderern, die nach Südamerika, Asien, in die USA, nach Australien oder sonstwohin ausgewandert sind. Die ehemaligen Deutschen, die einen neuen Paß annahmen und sich offiziell als Brasilianer, Australier, Amerikaner, Kanadier, Israeli oder als Bürger Paraguays sehen. Mit allen Dokumenten, Rechten und Pflichten. 
Und was genau bedeutet jetzt das „Scheitern“? Dass man ohne Geld nach Deutschland zurückkehrt und womöglich dem Sozialsystem auf der Tasche liegt? Dass man im Ausland ernsthaft krank geworden ist und deswegen lieber in Deutschland auf gute medizinische Behandlung hofft?
Bedeutet „Scheitern“, dass man in der neuen Heimat keinen Job fand oder sich mit Gelegenheitsjobs gerade so über Wasser hielt? Ist demzufolge eine „erfolgreiche“ Auswanderung mit Geld, Karriere und tollem Haus gleichzusetzen?
Bevor jemand richtet, sollte er sich eines klarmachen: Wer von Deutschland aus richtet und dabei sein deutsches Mentalitätsdenken anwendet, der hat schon verloren. Vielleicht nicht direkt aus seiner Sicht, aber aus der Sicht des Auswanderers garantiert.
Jeder kann daheim im Wohnzimmer auf der Couch hocken und sich eins lachen, wenn andere auswandern und die Auswanderung nicht immer vielversprechend verläuft. Wenn jemand in einem anderen Land nicht mehr den tollen Beruf ausüben kann, sondern eine neue Sprache erlernt und sich erst einmal einleben muss. Oder wenn der Auswanderer nicht soviel Geld zur Verfügung hat und gerade so über die Runden kommt. Wer aber sagt mir denn, dass genau dieser Auswanderer nicht glücklich und zufrieden ist mit seinem Leben.
Im Ausland bedeutet genügend Geld um alle Rechnungen zu begleichen eine Menge. Wer das erreicht, der hat es geschafft und kann stolz auf sich sein. Ob er da nun eine tolle Karriere hinlegt oder nicht. Hauptsache es lohnt sich, in ein anderes Land umgezogen zu sein und sich diesem verbunden zu fühlen. Wenn derjenige neue Freunde findet, sich langsam etwas aufbaut und einen Job hat, der ihn ernährt. Nie würde ich jemanden als gescheitert betrachten, nur weil er in einer kleinen Mietwohnung lebt und mehr oder weniger über die Runden kommt. Nicht jeder wandert aus, um eine Hollywood – Karriere hinzulegen.
Im Ausland, und so auch in Israel, wird jeder Mensch akzeptiert, der hart arbeitet. Egal, ob jemand putzt, die Straße kehrt, im Büro hockt oder an der Supermarktkasse sitzt. In Deutschland schaut jeder auf der Straße alle anderen abwertend an und es wird nach den Klamotten gerichtet. In Israel habe ich das noch nicht erlebt.
Ich denke, dass jemand, der den Schritt der Auswanderung geht und bereit ist, hart zu arbeiten, ganz und gar nicht gescheitert ist. Mag sein, dass in Deutschland alles einfacher ist und das Sozialsystem fängt die Menschen eher auf. Es gibt eine gewisse Art von Sicherheit, aber die Frage ist, ob sich all das lohnt, wenn die Leute ihre Mitmenschen sofort in „gescheitert und erfolgreich Schubladen“ schieben.
Im Land der kalten Herzen

Wieso wollen Deutsche nach Israel auswandern?

B“H
Eine hohe Anzahl von Lesern stößt auf diesen Blog, weil sie offenbar im Internet nach dem Thema „Auswanderung nach Israel“ googeln. Dabei frage ich mich immer, was einen Nichtjuden dazu bewegt, ausgerechnet nach Israel auswandern zu wollen. Klar, gibt es jene, die christlich missionieren und das Judentum auslöschen wollen. Ein später Holocaust am jüdischen Volk sozusagen. Warum aber würde ein Deutscher in Deutschland alles aufgeben wollen, um gerade nach Israel zu ziehen? Abgesehen davon, dass Israels Einwanderungsgesetze nur Juden zulassen.
Was mich persönlich interessiert, sind die Gründe, warum jemand aus Deutschland nach Israel ziehen will und nicht lieber innerhalb der EU bleibt. Immerhin kann sich jeder EU – Bürger innerhalb der EU unbegrenzt niederlassen und arbeiten. In Israel dagegen lebt man mit einem Visum, was alle paar Monate erneuert werden muss. Irgendwann gibt es dann auch kein Visum mehr und der Tourist ist gezwungen, für längere Zeit das Land zu verlassen. Hinzu kommt, dass eine Arbeitserlaubis erforderlich ist. Wer also will dem solch einem unsicheren Leben aussetzen, wenn sich von Visum zu Visum gehangelt wird? Israel ist ein teueres Land und Gnade G – tt, wenn der Tourist krank wird. Und gesetzlich verankerte Rechte sind begrenzt. Der Arbeitsmarkt ist angespannt und die Wohnungsnot genauso groß wie in Deutschland. Am Ende enden Einige als Tagelöhner ohne Arbeitserlaubnis. So jedenfalls fällt mir das in einer Facebook Group auf, wo diverse Deutsche auf der Suche nach Jobs sind. Dogsitter und sowas in der Art.
Was, so frage ich mich, kann also der Grund sein, in dieses Land ziehen zu wollen. Ständig mit der Angst vor dem Innenministerium und der Visaverweigerung und ohne viele Rechte.

Wenn Youtuber sich „Auswanderer“ nennen

B“H
Auf Youtube fallen mir schon seit geraumer Zeit zwei größere Youtuber auf, die sich damit brüsten, aus Deutschland ausgewandert zu sein. Die eine „Auswandererfamilie“ hält sich in Costa Rica auf und der zweite Youtuber zog nach Mallorca.
Die deutsche Familie, die da in Costa Rica wohnt, lebt in gemieteten Ferienhäusern und muss, zwecks Visaverlängerung, alle drei Monate das Land verlassen. In den deutschen Medien sowohl als auf Youtube jedoch betrachten sie sich als Auswanderer.
Ein anderer Youtuber, der auf Mallorca lebt und dort bei Lidl einkauft, sieht sich ebenfalls als Auswanderer.
Für mich bedeutete die Definition eines Auswanderers stets genau das, was im Duden oder auf Wikipedia angegeben wird:
http://www.duden.de/rechtschreibung/auswandern
https://de.wikipedia.org/wiki/Auswanderung
Jemand verläßt sein Heimatland ohne Wenn und Aber, um sich in einem anderen Land niederzulassen. Um dort Steuern zu zahlen, die Landessprache zu lernen, sich in die Gesellschaft zu integrieren und um die dortige Staatsangehörigkeit anzunehmen. Aus einem Deutschen wird ein Amerikaner, Spanier, Argentinier oder was auch immer.
Was Auswandern nicht bedeutet ist, lediglich in ein EU – Land umzuziehen, ohne Spanier, Brite, Franzose, etc. zu werden. Genauso verhält es sich mit deutschen Staatsbürgern, die sich irgendwo auf der Welt mit einem Touristenvisum niederlassen. Hierbei handelt es sich nicht um eine Auswanderung, sondern um einen Umzug in ein anderes Land, welcher da teilweise zeitlich befristet ist. Nämlich dann, wenn keine Visaverlängerung mehr ausgestellt wird.
Wer aus Deutschland auswandert, der stellt normalerweise Anträge bei einer anderen Botschaft, denn der Auswanderungsprozess ist schwierig, nervenaufreibend und langwierig. Wer hingegen nur eben mal so die Koffer packt und in ein EU – Land oder Touristenressort zieht, sollte sich nicht Auswanderer nennen.

Leserfrage: „Sozialhilfe nach gescheiterter Auswanderung?“

B“H
Ein Leser stellte die Frage, ob man in Deutschland nach einer gescheiterten Auswanderung denn Sozialhilfe bzw. Hartz IV erhalte.
Ich gehe einmal davon aus, dass dies der Fall sein wird, denn wovon soll man denn leben? Klar, kommen von den lieben Mitmenschen sarkastische Bemerkungen wie „Wärste mal hier geblieben“ oder „Im Ausland versagt und jetzt soll der deutsche Staat zahlen!“
Selbst wenn bei einer Auswanderung alles nicht optimal verlief, sollte man sich dennoch nicht schämen, nach Deutschland zurückzukehren. Wenigstens hat man es versucht. Andere Leute reden von Auswanderung, aber sie versuchen es noch nicht einmal ansatzweise.
Eine ehemalige Lehrerin von mir war nach Peru ausgewandert. Dort fühlte sie sich jedoch nicht besonders wohl und kehrte nach ein paar Jahren nach Deutschland zurück. Da sie zuerst nicht wusste, von was sie leben sollte, beantragte sie Sozialhilfe. In den ersten Monaten, wenn sich der  Rückkehrer auf Wohnungs – und Jobsuche befindet, muss er sich ja irgendwie über Wasser halten.
Schwieriger wird es sicherlich bei jenen Auswanderern, welche keine deutsche Staatsbürgerschaft mehr besitzen. So wie ich, zum Beispiel. Doch hier kenne ich die Gesetzeslage absolut nicht.

Kann sich ein Auswanderer in eine neue Gesellschaft integrieren?

B“H
Ich glaube, es war auf FOCUS Online, wo ich vor ein paar Tagen einen Artikel zum Thema „Deutsche Auswanderer“ las. Immer mehr Deutsche ziehen offenbar nach Ungarn, um der Migrantenkatastrophe im eigenen Land zu entkommen.
Überraschen tut mich die Nachricht keinesfalls, denn ich erwarte innerhalb der nächsten Jahre eine größere Auswanderungswelle aus Deutschland. Vor allem dann, wenn auch beim Letzten angekommen ist, wen man sich da zuhauf ins Land geholt hat. Wer es sich leisten kann, wird abhauen, denn massenhaft demonstriert wird gegen die Migrantenwelle gerade nicht. Okay, Pegida ist da, aber ein Sturm auf Berlin findet nicht statt.
Ich kann mich noch an eine Demonstrantengruppe vor dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten erinnnern. Jeden Sonntag von frühmorgens um acht bis irgendwann am Nachmittag schrie die Gruppe vor dem Büro des damaligen Ministerpräsidenten ins Megaphon: „Barak HaBaita – Barak nach Hause!“
Zwar war es nicht die Demo, die Ehud Barak letztendlich vertrieb, sondern die Wählerschaft, doch die Gruppe war in jeder Woche unermüdlich im Einsatz. Und Ehud Barak musste sich stundenlang die Schreie anhören, denn in Jerusalem gibt es keinerlei Bannmeile.
Unter dem Bericht auf FOCUS Online las ich einen Kommentar, der da besagte, dass Deutsche auswandern können, wohin sie wollen. Immer bleibe Deutschland ihre Heimat und im neuen Land würden sie niemals akzeptiert werden. Beim Lesen dachte ich mir, dass das nur jemand schreiben kann, der noch nie irgendwohin ausgewandert ist.
Es kommt sicherlich immer auf die Umstände an, warum und wohin jemand auswandert. Nach Mallorca oder Ungarn zu ziehen, ist für mich keine klassische Auswanderung, sondern lediglich ein Umzug. Auswandern bedeutet in ein Land zu ziehen, in welchem man mit allen Konsequenzen leben will. Die Staatsbürgerschaft annehmen, die Landessprache lernen, sich in die Gesellschaft integrieren und und und. Vor allem aber bedeutet es, nicht RTL zu glotzen und sich nur mit anderen deutschen Gleichgesinnten abzugeben.
Bleibt im Ausland Deutschland immer die Heimat?
Ich lebe seit Zwanzig Jahren im Ausland. Sechzehn Jahre davon habe ich deutschen Boden nicht mehr betreten. Nicht, weil ich nicht will, sondern es ergab sich einfach nicht. Immer kam etwas dazwischen und mittlerweile habe ich keine Lust mehr dorthin zu fahren, denn man hört so Einiges über die Migrantenkriminalität. Allein aus diesem Grund wird in Deutschland allgemein die Tourismusbranche leiden, denn wer will da noch hinfahren?
Nach sechzehn Jahren am Stück fühle ich mich emotionsmäßig Deutschland nicht mehr verbunden. Die Gefühle bröckeln mit der Zeit, denn man hat sein eigenes Leben in einem neuen Land. Neue Freunde, alles ist neu. Ich bin nicht der Typ, der mit Deutschen dahockt. Ganz im Gegenteil. Ich kenne keinen einzigen Deutschen bzw. habe keine Deutschen in meinem Umkreis. Weder auf der Arbeit, noch im Freundeskreis, noch sonst irgendwo. Ab und an telefoniere ich mit der Family in Deutschland und das ist dann auch die einzige Situation, in der ich Deutsch spreche. Außer mit meiner Katze, doch mit der rede ich genauso Hebräisch. 🙂
Das Deutschland, welches ich vor sechzehn Jahren verließ, existiert nicht mehr. Irgendwie traurig, aber die Welt verändert sich nun einmal. Wer viele Jahre im Ausland lebt, verliert irgendwann sein deutsches Heimatgefühlt. Vielleicht nicht völlig, aber in all der Zeit wird eine innere Bindung zum neuen Land aufgebaut.
Ob man sich jemals vollkommen in ein anderes Land integrieren kann?
Wer Kinder hat, tut dies ganz schnell. Die müssen in den Kindergarten und zur Schule und lernen eine neue Sprache und haben neue Freunde. Nach ein paar Monaten sind die Kinder total integriert und plappern mit ihren Eltern daheim meist schon in der neuen Sprache.
Bei den Eltern wiederum kommt es drauf an, wie willig sie sind, sich einem neuen Leben hinzugeben. Wer die Sprache lernt und einen Job hat, findet sich sehr schnell integriert wieder. Akzeptieren einen die Einheimischen? Amerikaner oder Israelis sicher, denn beide Länder sind Einwanderungsländer. Israel ist voller jüdischer Neueinwanderer und als solcher ist man gezwungen, Geld zu verdienen und sich ein neues Leben aufzubauen. Man ist einer von vielen, denn, wie gesagt, es laufen massig Neueinwanderer herum.
Dennoch, Parallelgesellschaften gibt es auch hierzulande. Insbesondere bei der älteren Russengeneration sowie bei den Äthiopiern. Junge Russen hingegen sind integriert und haben auch die eher seltsame russische Mentalität abgelegt, in der jeder Ingenieur gewesen sein will, doch eigentlich immer nur das Klo putzte. In Russland war man damit schon Ingenieur.
Es liegt an jedem Auswanderer selbst, ob er angenommen wird oder nicht. Wer sich nicht integriert und ständig jammert und klagt, der wird sich automatisch alleine wiederfinden. Wer dagegen bereit ist, sich auf Neues einzulassen und schnell lernt und Freunde findet, der wird auch akzeptiert. Außer vielleicht in Japan oder Taiwan, wo ein Ausländer niemals akzeptiert wird.

Zur israelischen „Willkommenskultur“

B“H
Als ich aus Deutschland auswanderte, um in Israel einzuwandern, galt es zuerst einmal eine andere Sprache und Mentalität zu lernen. Ich musste mich, wie man so schön sagt, in die israelische Gesellschaft integrieren.
Vor meiner offiziellen Einwanderung nach Israel (Hebräisch: Aliyah) lebte ich schon mehrere Jahre im Land und war der Sprache mächtig. Die israelische Mentalität unterscheidet sich gravierend von der deutschen und es dauert längere Zeit, sich an etwas Neues zu gewöhnen. Dadurch, dass der Neueinwanderer gezwungen ist, sich durch eine unbeschreibliche Masse von Bürokratie zu wühlen, bekommt er gleich zu Beginn einen guten Einblick in den israelischen Alltag. Nicht selten sieht sich der Neue mit bürokratischen Gegenüber konfrontiert, die ihn anschreien und auch noch heruntermachen. Mir blieb dies erspart und alles nahm seinen normalen Gang, doch höre ich immer wieder Horrorstories von anderen Neueinwanderern.
In Israel ist die englische Sprache weit mehr verbreitet als dies in Deutschland der Fall ist. Dadurch, dass im israelischen Fernsehen amerikanische Filme in der Originalversion laufen, lernen selbst ältere Menschen, die nie etwas mit Englisch am Hut hatten, ein paar hilfreiche Brocken. Ich muss allerdings dazusagen, dass Filme jedoch mit hebräischen Untertiteln versehen sind!
Wer hierzulande Deutsch erwartet, ist verlassen! Ich traf einmal auf einen deutschen Neueinwanderer, der der Meinung war, in Israel reden alle Deutsch oder Jiddisch und er müsse daher nicht die hebräische Sprache lernen. Wie zu erwarten war, blieb der Typ dann auch nicht lange und war nach knapp einem Monat wieder zurück in Deutschland.
Nicht nur in Israel ist es so, dass sich ein Neueinwanderer an Sprache und Mentalität anpassen muss. Ohne dem kommt er kaum zurecht. Zwar entstanden auch in Israel einige Parallelgesellschaften bei den äthiopischen und russischen Einwanderern. Normalerweise verläßt die zweite Generation (Kinder und Enkel) die Parallelgesellschaft, denn man geht in Israel zur Schule und zur Armee und wird dadurch automatisch zum integrierten Normalbürger. In der Regel funktioniert dieses System, aber die äthiopischen Einwanderer bilden bis heute die große Ausnahme, da sie fast alle in ihrem kleinen Ghettogebilde hängenbleiben. Obwohl sie alle zur Schule gehen, bleibt die Mehrheit unterqualifiziert und landet, u.a., bei Reinigungsfirmen. Hier fehlt es an individueller Eigeninitiative, doch offenbar verläßt sich die Mehrheit lieber auf staatliche Hilfe.
Die Russen hingegen gründeten ihre eigenen Buchverlage, ihre eigene Zeitung oder ihren eigenen Fernsehkanal. Die ältere Generation lernt deshalb kein ausreichendes Hebräisch, die jüngere Generation gliedert sich ein, denn man lernt in israelischen Schulen. Immer wieder treffe ich auf Kinder russischer Neueinwanderer und man merkt gar nicht mehr, dass sie russischer Abstammung sind. Sie reden wie geborene Israelis und die russische Mentalität ist nicht mehr zu spüren.
Wer in Israel einwandert, muss sich in die bestehende Gesellschaft integrieren. Es versteht sich von selbst, dass jemand, der im Ausland geboren worden ist, immer auf die ein oder andere Weise mit seiner ursprünglichen Heimat verbunden bleibt. Allein schon wegen der Muttersprache, der Kultur und halt so kleinen Dingen wie deutsche Pünktlichkeit. Kein Mensch sagt etwas, wenn er genau diese Dinge daheim auslebt. In der Öffentlichkeit hingegen wird die Integration erwartet, denn ohne die läuft nichts.
Im Focus las ich, dass die SPD in Deutschland fordert, arabische Fahrkurse einzuführen. Wer an so etwas denkt, hat noch nie im Ausland gelebt. Je mehr man Neueinwanderern entgegen kommt, desto weniger sieht der Neueinwanderer einen Grund, die neue Landessprache zu erlernen. Warum auch, wenn alles in seiner eigenen Sprache vorhanden ist? Auf diese Weise schafft man erst recht Parallelgesellschaften und begeht sogar noch einen viel schimmeren Fehler: Das Land passt sich dem Neueinwanderer an und verzichtet somit auf seine eigene Identität. Der Neueinwanderer gibt den Ton an, was ihn vom Status des Neueinwanderer sofort in den Status des „Herrschenden“ katapultiert.