Leben in Jerusalem

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Auswanderer und ihre Probleme mit daheimgebliebenen Kindern

Auswanderung nach Israel und was aus alten Freunden werden kann

Leserfrage: „Deutschland unfreundlich – auswandern“

B“H
Meiner Meinung nach ist es kein Grund Deutschland zu verlassen, nur weil vielleicht ein paar Leute unfreundlich sind oder weil die Sonne nicht immer so scheint wie man es gerne hätte. Vielmehr gehört zum Auswandern mehr dazu, doch leider meinen heutzutage allzu viele Leute, dass es woanders besser ist als dort, wo man sich gerade befindet.
Es ist nirgendwo auf der Welt besser, denn jedes Land hat seine Pros & Cons. Kein Land auf diesem Planeten ist perfekt und wenn es mir in Deutschland nicht passt, muss das nicht automatisch heißen, dass ich woanders mein absolut perfektes Paradies finde. Vielleicht ja, aber all das ist mit viel Arbeit und Eigeninitiative verbunden. Auch in einem anderen Land muss ich durch alle Höhen und Tiefen gehen. Mit dem Unterschied, dass ich nicht die soziale Absicherung wie in Deutschland habe und mich vermutlich kein Sozialnetz auffängt. 
Nur, weil mir in Deutschland ein paar Leute dumm kommen, bedeutet das noch lange keinen Auswanderungsgrund. In den USA, Australien oder in Israel kommen einem genauso viele Leute dumm. Und im neuen Land beginnt man ganz tief weit unten. Es sei denn, jemand kommt mit viel Geld daher. 
Wobei Israel nur Einwanderungsland für Juden ist und offiziell keine anderen Leute aufnimmt. Neulich erst wurde mir wieder von einem christlichen Ehepaar berichtet, welches hier offenbar seit 21 Jahren auf Touristenbasis lebt. Nun wird das Paar alt und braucht medizinische Versorgung, welche man sich aus Israel erwartet hatte. Nichts da, denn das Innenministerium schmeisst die beiden jetzt raus. Israel kommt für sowas nicht auf, denn es gibt genug Israelis, die staatliche Hilfe brauchen. Für Touristenforderungen zahlen wir keine Steuern.
Generell zum Auswandern benötigt man einen Grund. Zu hohe Steuern, fehlender Sonnenschein und ein paar unfreundliche Leute stellen keinen Grund dar. Steuern werden überall gezahlt und allein in den USA werden mehrere Hundert Dollar Krankenversicherungsbeiträge pro Monat gezahlt.
Ein Paradies aus Erden gibt es nicht, denn es wird immer etwas geben, was einem nicht passt. Die Frage ist, wie damit umgegangen wird. In Australien ist nicht alles perfekt, in den USA nicht, in Israel nicht. Nirgendwo ist es perfekt und falls jemand doch etwas gefunden hat, kann er es mich gerne wissen lassen.
Zuviele Leute, und ich sehe das auch auf Youtube, gehen das Thema AUSWANDERN mit einer unglaublichen Naivität an. Allein an der Landessprache hapert es gewaltig. Dann wird nicht überlegt, wie und ob man eine Job findet, von dem alle Lebenshaltungskosten getragen werden. Ein weiterer Punkt ist der stetige Vergleich mit Deutschland: „In Deutschland ist das aber so und so. In Deutschland ist es sauberer und wieso schaut das hier (im neuen Land) so schlampig aus?“
Ich kann nur jedem raten, vor einer Auswanderung das neue Land gründlich kennenzulernen. Die Sprache zu sprechen, sich mit den Gesetzen vertraut machen, Job suchen, mit vielen Leuten reden und sich bei Behörden ausgiebig zu erkundigen. 
Wer allein ein paar unfreundliche Leute in Deutschland als Auswanderungsgrund betrachtet, wird, ehrlich gesagt, nicht weit kommen und enttäuscht feststellen, dass woanders die Leute nicht immer superfreundlich sind.  

Leserfrage: „Auswandern? – Ja oder Nein?“

B“H
Die Leserfrage verstehe ich einfach einmal allgemein und beziehe sie nicht auf Israel.
Wer sich heute auf Youtube so umschaut und Videos zum Thema AUSWANDERN sucht, der findet eine Menge Infos von Leuten, die gerade Deutschland oder auch Österreich verlassen haben. Ein Österreicher aus dem Burgenland, zum Beispiel, der gleichzeitig auch Ungar ist, zog nach Ungarn. Auf Youtube berichtet er über die Auswanderung nach Ungarn und alles, was mit dem Land zu tun hat.
Zahlreiche Deutsche berichten aus Paraguay, Bulgarien, aus der Provence, aus
Spanien, Australien oder aus den USA. Selbst eine in Deutschland aufgewachsene Serbin zog es wieder zurück in die alte Heimat und überhaupt verliessen viele dieser Leute Deutschland, weil sie mit der aktuellen politischen sowie auch der Migrantensituation nicht einverstanden waren. In der nahen Zukunft wollen und werden noch eine Menge Deutsche ihre Heimat verlassen. Aus eben jenem Grund heraus.
Nun gibt es auf Youtube Videos, wo Leute absolut falsche Vorstellungen vom Auswandern zum Ausdruck bringen. Für mich bedeutet ein Umzug nach Thailand, nach Zypern oder nach Mallorca nicht unbedingt auswandern, denn man will ja in der Regel weder die thailändische noch die spanische Staatsbürgerschaft annehmen und sich mit dem neuen Land richtig identifizieren.
Allseits werden so Gründe angegeben wie „Deutschland sei teuer, man zahle zuviele Steuern, GEZ – Gebühren, das Wetter sei kalt und trostlos und die Deutschen seien zu unfreundlich“. Im Süden unter Palmen und am Strand ist alles easy, besser und einfach lebenswerter.
Ich persönlich sehe bei diesen Auflistungen keinen Auswanderungsgrund. Steuern und andere Abgaben werden überall auf der Welt gezahlt. Und teilweise genauso oder sogar saftiger als in Deutschland. Und nicht alles ist so super im Ausland wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Es gibt kein perfektes Land auf der Welt und alles hat seine Vor – und Nachteile. Sehr oft merken das die Wegzügler erst, wenn sie an ihrem neuen Wohnort bw. in einem anderen Land angekommen sind und dann beginnt die Klagerei. Mit der Sprache hapert es, der Strand wird auf Dauer langweilig und überhaupt sei in Deutschland alles durchorganisiert und nicht chaotisch. Alles ist sauber und die Gesellschaft funktioniert wie ein Uhrwerk. Kurz gesagt, man kennt sich in Deutschland aus und es fällt schwer, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen.
Das ist jetzt nicht negativ gemeint, aber meine Meinung zu dem Thema lautet, dass nicht jeder für das Auswandern geschaffen ist. Genauso wie nicht jeder Mensch zur beruflichen Selbstständigkeit gemacht ist. Es spricht ja auch nichts gegen ein Angestelltenverhältnis für diejenigen, die sich dort wohler fühlen.
Und wer sich in seiner Stadt oder in seinem Dorf total wohlfühlt und eigentlich gar nicht weg will, aber meint, er müsse aufgrund der Migrantenflut Deutschland verlassen, wird vielleicht nicht unbedingt sein Glück im Ausland finden. Warum sollte jemand Freunde, Familie und seine gewohnte Umgebung verlassen und alles aufgeben, wenn er keinen so richtigen Grund hat? Hinterher kommt das dicke Heimweh und man merkt, dass im Ausland auch nicht alles rosarot ist.
Eine Auswanderung muss immer gut überlegt sein und derjenige sollte zumindest schon mehrere Male im Land seiner Träume gewesen bzw. längere Zeit dort verbracht haben. Die Landessprache spielt eine extrem wichtige Rolle genauso wie Geldreserven und der Job. Und meistens wird im Ausland länger gearbeitet als in Deutschland und somit rückt der Strand dann in weitere Ferne. Kaum jemand, der in Tel Aviv lebt, geht jeden Tag an den Strand. Dazu ist einfach keine Zeit da, denn das Leben in der Stadt ist wahnsinnig teuer und die Leute arbeiten viel und lange, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Podcast: „Wie gehe ich nach der Auswanderung mit dem Heimweh um?“

B“H
Es ist das erste Mal überhaupt, dass ich ein solches Video mache und es fiel mir daher nicht leicht, frei zu reden. Deswegen sorry, für die manchmal zu vielen ÄHMs und ALSOs und ab und an wiederhole ich mich auch. Ich stochere sozusagen durch die deutsche Sprache. 🙂
Wie gesagt, es ist das erste Mal und man kann sich ja nur verbessern!!!
Ich lasse das Video jetzt einfach einmal ungeschnitten und hoffe, dass es einigen Auswanderern, die sich momentan in einer „Heimweh – Situation“ wiederfinden, hilft. 

 

Bleiben Deutsche nach der Auswanderung im Ausland immer Deutsche?

B“H
Ausgangspunkt zum Thema „Bleiben Deutsche immer Deutsche?“ war eine aktuelle deutsche Doku zur Rückkehr von sogenannten Deutsch – Türken in die Türkei. „Man fühle sich in Deutschland nicht genug anerkannt und bleibe ja immer nur der Türke“ – so die Aussage der Türkei – Rückkehrer.
Türken spielen in diesem Artikel keine Rolle, aber was mir am Ende ins Auge fiel, war der Youtube – Kommentar eines Deutschen, der da meinte, dass deutsche Auswanderer im Ausland stets Deutsche bleiben werden. Diesbezüglich könne er die Türken verstehen.
Aber stimmt das so?
Bleiben deutsche Auswanderer im Ausland IMMER Deutsche? 
In diesem Artikel beziehe ich mich auf richtige Auswanderer und nicht jene Leute, die innerhalb der EU umziehen oder nach Thailand, Ungarn, etc. gehen. In meinen Augen sind Auswanderer diejenigen, die offiziell in ein anderes Land einwandern. Sprich, die Staatsbürgerschaft mit allen Rechten und Pflichten anstreben und sich nicht eben mal so mit EU – Pass oder Touristenvisum niederlassen.
Kurz zu mir: 
Ich lebe seit mehr als 20 Jahren in Israel und bin vor mehr als 18 Jahren offiziell eingewandert. Damit verlor ich gleichzeitig meine deutsche Staatsbürgerschaft, denn die deutschen Gesetze waren damals so. Mittlerweile hat sich alles mal wieder geändert und ich könnte eine Beibehaltungsgenehmigung bei der Deutschen Botschaft beantragen. Aufgrund der politischen sowie der gesamten Situation in Deutschland will ich das aber nicht tun. Ich lebe seit 18 Jahren ohne die deutsche Staatsbürgerschaft und besitze stattdessen einen israelischen Pass.
Die Frage ist. Habe ich die deutsche Staatsbürgerschaft in all den 18 Jahren vermisst?
Die Antwort lautet NEIN!
Habe ich noch Kontakte zu Deutschland (Freunde / Familie)?
NEIN!
Fühle ich mich in Israel integriert und zuhause?
JA!
In meiner Aussage, ob Deutsche nach der Auswanderung im neuen Land letztendlich immer Deutsche bleiben, kann ich nur von Israel bzw. von mir ausgehen. Andere Erfahrungen, sprich USA, Australien, etc., habe ich ja nicht.
Zuerst einmal ist Israel ein Einwanderungsland für Juden. Jedes Jahr wandern Tausende Juden aus aller Welt offiziell ein. Viele von ihnen fühlen sich wohl und angekommen. Andere kommen nicht zurecht und kehren irgendwann in ihre vorherigen Länder zurück.
Ein ungeschriebenes Gesetz aller Neueinwanderer ist, sich in die bestehende hiesige Gesellschaft einzugliedern. Man gibt ja nicht seine Herkunft auf, aber gleichzeitig lernt man viel Neues, eine andere Mentalität, Sprache sowie Lebensweise. Ehe man sich versieht, ist man Teil dieses Ganzen. Das geht schnell, wobei allein die Behördengänge dem Neueinwanderer viel abverlangen. Neues Bankkonto, neuer Hausarzt, neue Krankenkasse, Job – und Wohnungssuche, etc. Allein dabei wird einem schnell bewusst, dass die Uhren im Nahen Osten ziemlich anders ticken.
Klar, weiß jeder gebürtige Israeli, dass ein Neueinwanderer nicht von hier ist. Das beginnt schon beim Akzent in der hebräischen Sprache. Ab einem gewissen Teenager – Alter wird man den Akzent einfach nicht mehr los. Kleine Kinder sind dagegen wesentlich anders drauf. Erwachsene aber nun mal nicht und damit muss auch ich leben.
Wenn ich nur an Schimon Peres und viele andere israelische Politiker denke. Sie und ihr Akzent. Wow! Von Golda Me’ir bis Avigdor Liebermann – alle Akzente sind dabei. Nach der Staatsgründung waren fast alle Knesset – Mitglieder im Ausland geboren und keine gebürtigen Israelis. Meistens handelte es sich um ehemalige Russen oder auch Polen.
Generell sind Israelis allerlei Akzente gewohnt. Die Hauptsache aber ist, dass ein Neueinwanderer willig ist, die neue Sprache samt einem völlig neuen Alphabet zu lernen. Israelis wollen sehen, dass sich der Neue eingliedert. Sprache, Job, etc. Der ganze Alltag mit allem was dazugehört.
Im Gegensatz zu Deutschland integriert sich die Masse der jüdischen Neueinwanderer in Israel. Und Israel hat kein Problem, wie es in Deutschland mit den Moslems besteht. Selbst in Israel lebende Palästinenser leben integriert. Was sie daheim machen oder denken, ist ihre Sache. In der Öffentlichkeit aber verhalten sie sich wie alle anderen Leute auch.
Ob der Neueinwanderer es nun will oder nicht, er verändert sich. Er baut sich ein neues Leben in einem anderen Land auf. Er bekommt andere Eindrücke und plötzlich wird ihm klar, dass er gar nicht mehr unbedingt derjenige ist, der einst neu einwanderte. Man verändert sich und ab und zu stelle ich mir schon die Frage, was mich noch mit Deutschland verbindet bzw. was ich mit Deutschland gemein habe?
Die Sprache und bestimmte Arten der Mentalität vielleicht. Letzteres hat sich, nach Aussage von Freunden und Bekannten, ziemlich abgeschwächt. 🙂 Nach all den Jahren bin ich in Israel zu angepasst und meinerseits würde ich in Deutschland gar nicht mehr zurechtkommen. Vor allem nicht im heutigen Deutschland mit eingeschränkter Meinungsfreiheit, etc.
Wenn ich mir deutsche Youtube Videos anschaue, bin ich nicht selten erstaunt, wie sich die Menschen verändert haben. Vielleicht bin ich es umso mehr, die sich verändert hat. Es gab mehrere Jahre, in denen ich weder deutsche Videos schaute noch irgendwie anders mit Deutschland oder zu Deutschen Kontakt hatte. Selten einmal ein Telefonat oder so.
Von 2000 – zur Gründung meines ersten Hamantaschen – Blogs im Oktober 2006 hatte ich kaum Kontakte und benutzte auch die deutsche Sprache nicht. Und Hamantaschen rief ich ins Leben, um deutschen Juden oder auch Nichtjuden vom Judentum in Jerusalem zu berichten. Auf einmal kamen Kommentare und die fielen in den ersten Jahren nicht gerade freundlich aus. Ich hingegen konnte mit dieser Mentalität der Besserwisserei nichts mehr anfangen und reagierte anfangs wie der Elefant im Porzellanladen. Mal so und mal so, aber meistens zu erklärend. Später änderte sich das, was jedoch einen bleibenden Eindruck bei mir hinterliess: Bei den Schabbat – Essen im Hause von Rabbi Machlis hielt und halte ich mich sehr weit von deutschen Touristen, die oft dabei sind, fern. Sehr weit, um genau zu sein.
Ab und zu, vielleicht ein oder zweimal im Jahr, treffe ich mich mit einem Blogleser in Jerusalem. Seit ein paar Jahren mit Michael (Schöne Grüße), der regelmässig Israel besucht. Im vergangenen November traf ich mich mit einem sehr netten Ehepaar und das war es dann auch schon.
Eine Bekannte aus früheren Tagen, die da auch aus Deutschland stammt, sagte mir einmal, dass sie es satt habe, sich immer vor deutschen Touristen, wenn sie denn mal in Kontakt kommt,  rechtfertigen muss.
„Ja, wieso man denn in Israel lebe. Krieg, Bomben, Terror und so und dann auch noch diese jüdische Religion. Das sei ja alles schon komisch. Und was man denn dazu meine, sage, tue, und warum überhaupt?“
Da denkt man dann „Ey, lasst mich doch alle in Ruhe!“
Und jeder von diesen besagten Touristen weiß natürlich alles besser und fängt dann an, aus seiner deutschen Sichtweise Israel zu erklären. Da hat man dann als Zuhörer auch nicht gerade die super Lust drauf. 🙂
Aber um auf das ursprüngliche Thema zurückzukommen:
Ein Teil Deutschland bleibt in jedem Auswanderer. Selbst wenn es nur der Akzent in der neuen Sprache ist. Ein kleiner Teil bleibt zurück.
Gleichzeitig aber ist man selber mitten im neuen Alltag. Arbeit, Wohnung, ggf. Familie, Nachbarn, neuer Freundeskreis (der bei mir aus keinem einzigen Deutschen besteht), und überhaupt. Mein Essen ist nicht deutsch geprägt. Noch nicht einmal besonders aschkenazisch, denn ich liebe die Küche des Nahen Ostens. Viel Gewürze, Salate, Olivenöl, Kube, Reis, eingelegte matschige Paprikaschoten oder marokkanisch – gewürzten Fisch am Schabbat.
Vorgestern war ich in einem Obst – und Gemüseladen, der zwar teuer ist, aber dafür Ware verkauft, deren Geschmack keine Discounter – Produkte bietet. Dicke fette saftige Pfirsche, zum Beispiel.
Als ich so in der Nana (Minze) wühlte, kam der orientalische (sephardische) Ladenbesitzer und meinte, ich solle doch auch noch einen Strauss Kusbara nehmen.
Wenn ich Kusbara nur rieche, kommt es mir hoch und das sagte ich ihm auch.
Ich glaube, dass das deutsche Wort für Kusbara Koriander ist, aber ich lasse mich da gerne berichtigen.
Als ich ihm das so sagte, fing er an zu lachen und meinte, Kusbara sei eine Sache der Herkunft. Viele aschkenazische Neueinwanderer hassen Kusbara. Amerikaner und Europäer gleich. Juden aus dem Irak, Kurdistan, etc. dagegen lieben Kusbara.
„Naja, meinte ich, wenn ich damit aufgewachsen wäre, würde ich Kusbara vielleicht lieben. Aber so eben nicht.“
Frische Petersilie, frischen Dill oder halt Nana, alles kaufe ich. Aber Kusbara kommt mir, nach einige Würgeattacken, nicht mehr ins Haus. Es sei denn, sie ist in einem Salat versteckt und man schmeckt sie kaum. 🙂
Wer sich als Neueinwanderer integrieren will, sich anpasst, die Sprache lernt und alles was so dazugehört, der wird in Israel akzeptiert. Selbst mit deutschem Akzent, den die Mehrheit eh nicht genau definieren kann. Jedenfalls nicht direkt als Deutsch.
Es kann sein, dass Deutschen recht viel peinlich ist. Franzosen oder Amerikanern ist das alles egal und die plaudern in Israel einfach drauflos. Weiß doch eh jeder, dass man nicht im Land geboren ist. Man redet nicht wie ein Einheimischer. Vor allem nicht mit der rasenden Geschwindigkeit wie das die Jugend heute tut. Okay, so what?
Macht mir das jetzt was aus? Nö.
Aber direkt als Deutscher identifiziere ich mich nicht mehr und das ist ein weiterer Grund, warum mir der deutsche Pass eigentlich nichts sagen würde. Deutschland hat sich verändert, ich habe mich verändert und Israel ist schon längst meine Heimat geworden. Und dass ich nicht ALLE Wörter im Hebräischen kenne (Beispiel: Hochwissenschaftliche Ausdrücke oder die Geheimnisse der Pflanzen – und Tierkulturen oder die Teile eines Automotors) stört mich nicht. Wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich halt nach.
Macht mich das wieder zum Deutschen? Nein, ich denke nicht.

Bis auf Weiteres verzichte ich auf die Beibehaltung der deutschen Staatsbürgerschaft

B“H
Im Sommer werden es achtzehn Jahre, dass ich die deutsche Staatsbügerschaft aufgrund der damaligen deutschen Gesetzgebung verlor.
Mehr zum Gesetz aus dem Jahre 1919 und Angela Merkels Änderungen hier:
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2017/12/20/beibehaltung-der-deutschen-staatsbuergerschaft-nach-der-aliyah-einwanderung-nach-israel/
Offiziell bin ich „nur“ Israeli mit israelischem Pass. Als ich Mitte Dezember 2017 wegen einer Beglaubigung eines Dokumentes bei der Deutschen Botschaft in Tel Aviv vorsprach, teilte man mir freudig mit, dass ich aufgrund der neuen deutschen Gesetzeslage ein Verfahren durchlaufen könne, um die deutsche Staatsbürgerschaft doch noch wiederzuerlangen. Man gab mir ein Formular mit, aber von Beginn an zögerte ich.
Deutschland ist nicht mehr das Land, welches ich im Sommer 2000 verliess. Seither war ich auch nicht wieder dort und plane auch keine Reise dorthin. Jetzt schon gar nicht mehr, denn wegen all der Migranten will ich nicht mein Leben umstellen und mich ständig umschauen müssen.
Die unsichere Lage Deutschlands ist der Hauptgrund, warum ich bis auf Weiteres keine Beibehaltung beantrage. US – Amerikaner sind, selbst wenn sie im Ausland leben, in den USA steuerpflichtig. Und wer weiß. Am Ende kommt Angie vielleicht noch auf die Idee, Steuern von deutschen Auswanderern einzutreiben. Und für Migranten zahle ich nichts.
Der zweite Grund ist, dass ich nach achtzehn Jahren Abwesenheit keine richtige feste Bindung mehr zu Deutschland sehe. Israel ist meine Heimat geworden. Und hier vor allem Jerusalem.
Klar, lese ich online deutsche Medien wie Welt und Focus. Ich schaue deutsche, amerikanische und israelische Youtube Kanäle. Und all das macht mir bewusst, wie sich Deutschland verändert hat. Eine neue Generation ist herangewachsen, die total anders ist als all jene, die ich noch aus Deutschland kenne. Besonders in Youtube Kommentaren macht sich das bemerkbar a la Rechtschreibfehler bis zum Umfallen, das Fehlen von Motivation und für alles scheint man einen Youtube Kurs oder anderweitige Anleitungen zu benötigen. Ich denke, was vielen jungen Deutschen heutzutage fehlt, ist die Bundeswehr.
Nein, ich bin kein Bundeswehr – Fan, aber immerhin brachte man dort den Leutchen ein wenig Respekt und Disziplin bei. Wenn man dagegen heute auf Youtube so schaut, plätschert alles vor sich hin und kaum jemand kommt mal mit einer Idee oder ein wenig Motivation daher.
Man kann Israel nicht mit Deutschland vergleichen, doch in Israel gehen Teenager mit 18 Jahren zur Armee. Das ist notwendig zum Überleben des Landes. Viele wollen in Eliteinheiten. Das sind so die Ziele der israelischen Jugendlichen: Wie kommt man in eine Eliteeinheit?
Auf diverse Ultra – orthodoxe Gruppierungen gehe ich an dieser Stelle nicht ein, doch gebe ich zu bedenken, dass immer mehr Linke aus Tel Aviv und Umgebung den Armeedienst ebenso verweigern. Die radikale Linke ist in Israel nicht besser als die deutschen Grünen. Auch hier schreien die Radikalos nach der Vernichtung des Staates Israel. Linksgerichtete junge Juden, die den Palästinensern in den Hintern kriechen und den Staat Israel verachten. Und genau diese Leute verweigern den Dienst an der Waffe. Nach Gaza ziehen wollen sie aber auch nicht. Da machen sie sich vor Angst ins Höschen und soweit geht die Liebe dann doch nicht.
Okay, mein Punkt ist, dass die Mehrheit der jungen Israelis ein Ziel vor Augen haben. Erst einmal den Armeedienst hinter sich bringen oder eine längere Karriere bei der Armee anzustreben. Auch als Frau ist das möglich.
Hinterher vielleicht studieren oder private Bildungseinrichtungen besuchen. Bildung ist sehr vielen Israelis extrem wichtig, denn man will Karriere machen. In der Wirtschaft, aber vor allem in der Hightech – Branche. Jedenfalls höre ich hierzulande kaum Gejammer, dass man keine Motivation habe und nicht wisse, was man denn im Leben mal so machen will. Wobei ich nicht den deutschen Schülern die alleinige Schuld gebe, sondern genauso der Lehrerschaft, die da offenbar kaum neuzeitliche Ideen, Alternativen und Anregungen mit einbringt.
Nicht, dass das zu meiner Schulzeit vor 30 Jahren anders war. Immerhin aber hatten wir ein Ziel vor Augen.