Leben in Jerusalem

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Kostenloses Wasser in israelischen Restaurants

Niemand braucht sich zu schämen, kostenloses Leitungswasser in israelischen Restaurants zu bestellen. Viele Leute machen das. Egal, ob Einheimische oder Touristen. Nur keine falsche Scham! 

 

Mein Hausarzt ist Araber, mein Onkologe ist Haredi (ultra – orthodoxer Jude)

B“H
In Deutschland klingt das vermutlich wie ein absoluter Widerspruch, aber der Alltag in Israel ist nun einmal voller Widersprüche und nichts ist immer so logisch, um deutschen Ansprüchen zu genügen.
Mein Hausarzt ist Araber und er arbeitet bei meiner Krankenkasse. Wir kommen super miteinander aus und fast alle seine Patienten sind Juden. Genauso wie viele weitere Ärzte im Land Araber sind. Wer einmal in ein israelisches Krankenhaus schaut, der sieht arabische und jüdische Ärzte, die gemeinsam jüdische und arabische Patienten behandeln.
Mein Onkologe im Krankenhaus ist Haredi. Sprich ein ultra – orthodoxer Jude. Auch er behandelt Juden und Araber zugleich. Daran ist nichts Ungewöhnliches und, wie gesagt, Israel ist nun einmal voller Widersprüche. Zumindest für Ausländer, doch hierzulande ist das alles ganz normal.

Nur in Israel: „Mutter feiert Geburtstag ihrer Tochter in einer Warteschlange“

Eine Mutter fordert die Warteschlangen an den Kassen des OSHER AD Discounters auf, ihrer Tochter ein Geburtstagsständchen zu bringen!!!

Duzen in Israel

B“H
Siezen in Israel ist ziemlich ungewöhnlich. Normalerweise duzt man sich mit fast jedem. Selbst mit seinem Boss oder einem Bankangestellten. Oft kenne ich noch nicht einmal Nachnamen, sondern nur die Vornamen von Leuten. Und oft führt das zu Verwirrungen wenn man am Telefon Etti (Esther), Yoni, Moshe oder Avi (Avraham / Avshalom / Avishai)) sprechen will.
Avi wer ?
Moshe wer?
Um sich zu behelfen, wird dann das Aussehen der Person beschrieben.
Selbst viele Ärzte sind mit dem Patienten per DU und die Ärztin, die mich operierte, stellte sich lediglich bei mir mit ihrem Vornamen vor. Ihren Nachnamen erfuhr ich erst in der Ultraschall – Abteilung.
Okay, man würde jetzt nicht gerade einen Politiker duzen, aber im tagtäglichen Umgang mit den lieben Mitmenschen ist das Duzen gang und gäbe. Es käme auch niemand auf die Idee, sich unbedingt mit SIE anreden lassen zu wollen.
Manchmal hört man im Bus oder so in der Öffentlichkeit die Anreden
ADONI – Mein Herr
oder
GVERET / GVIRTI – Meine Dame
aber wenn dies geschieht, dann wird kein Name verwendet. Man sagt also nicht Adoni Netanyahu. Stattdessen würde man das Wort MAR verwendet. MAR (Herr) Netanyahu. Mar geht immer zusammen mit dem Nachnamen eines Mannes.
Zu Netanyahu selber würde man Rosh HaMemshala sagen. Heißt Premierminister. Und zu einem Minister SAR (Minister). Zu gewöhnlichen Knesset – Abgeordneten CHAVER HA’KNESSET. Dies alles gilt nur für männliche Personen und bei Frauen schaut es etwas anders aus. Aber dies nur einmal so als Beispiel.
Wenn sich in Israel jemand mit Namen vorstellt, dann meistens mit dem Vornamen und es wird nicht als Beleidigung aufgefasst, jemanden zu duzen. Es gibt kein „You can say You to me.“ 🙂

Israel ist anders als es sich viele Leute vorstellen

B“H
Bei bestimmten Leserfragen habe ich manchmal den Eindruck, dass mir die Leute meine Beschreibungen zum Leben in Israel sowohl als auch der israelischen Mentalität nicht so recht abnehmen.
„Ja, man sei ja selber schon mehrere Male in Israel gewesen oder habe sogar ein Semester dort studiert und so habe man Israel bzw. Jerusalem halt nicht kennengelernt.“
Dazu kann ich nur das sagen, was andere Auswanderer in anderen Ländern auch sagen:
„Wer sich irgendwo befristet als Tourist oder ausländischer Student aufhält, gewinnt nur einen kleinen Eindruck in das wahre Leben im Land. Noch dazu, wo in Israel eine Middle East Mentality herrscht. Und hinzu kommt, dass Juden eine andere Perspektive gewinnen als Nichtjuden. Israel ist keineswegs einfach zu definieren und wer als Jude einwandert bzw. im Land geboren wurde, weiß was ich meine. Wer so richtig in die Arbeitswelt und den Alltag integriert ist und zu Behörden muss. In Israel ist nicht eben mal so alles Ephraim Kishon oder so, wie ein Tourist seinen Urlaub erlebt.“
Nicht selten haben gerade Deutsche einen eher naiven Eindruck von Israel a la „Hierzulande sei alles so wie in Europa oder gar in Deutschland, denn es leben ja all die aschkenazischen Juden hier.“
Was allzu leicht übersehen wird, ist die sephardische Mehrheit in vielen Orten. Zum Beispiel in Jerusalem. Die Hauptstadt ist sephardisch wohingegen Tel Aviv und diverse Küstenorte wie Kfar Saba, Hod Hasharon oder Ra’anana einen eher westeuropäischen Eindruck machen. Und dort leben dann auch eine Menge aschkenazischer Juden. Juden aus Deutschland, die sich dort ihr kleines Deutschland basteln.
Vor einiger Zeit habe ich mich auf Facebook einer Gruppe angeschlossen, deren Mitglieder aus Krebspatienten besteht. Mit der Krebsart, die auch bei mir diagnostiziert worden ist. Und siehe da: Ich lernte in der Gruppe recht viele Israelis kennen und mit einer Frau treffe ich mich demnächst zum Erfahrungsaustausch. Sie stammt aus Kfar Saba, wird im Krankenhaus Tel Hashomer behandelt und lebt absolut säkular. Gestern Abend chatteten wir kurz und sie meinte, dass Jerusalem eine andere Welt für sie sei. So richtig orientalisch Middle East und ganz anders als Kfar Saba und der Nachbarort Ra’anana.
Kein Wunder, meinte ich, denn Jerusalem besitzt eine sephardische Bevölkerungsmehrheit. Hier tummeln sich tausende Kurden, Iraker, Iraner, Marokkaner, Tunesier, Algerier, Syrer, etc. Halt alles Juden aus solchen Ländern oder die Nachkommen von Juden, die aus derlei Ländern nach der Gründung des Staates Israel einwanderten. Aus ihren arabischen Ursprungsländern wurden sie 1948 rausgeschmissen und durften teilweise nur das mitnehmen, was sie auf dem Leib trugen.
Viele machten sich damals zu Fuß nach Israel auf und hier angekommen, wartete kein Sprachkurs und gewiss kein Zuckerschlecken. Vor allem nicht auf die jemenitischen Juden, wenn man sich deren Geschichte betrachtet. Die hebräische Sprache musste allein erlernt werden und viel finanzielle Hilfen gab es nicht. Man arbeitete und war stolz auf das Erreichte. Die heutige Aliyah nach Israel mit diversen finanziellen Hilfen kann mit damals nicht verglichen werden. Heutzutage steigen die Leutchen bequem aus dem Flugzeug und bekommen ein paar tausend Schekel geschenkt.
Es gibt in Israel Orte, Firmen oder was auch immer, die komplett sephardisch geprägt sind. Aschkenazim heiraten Sepharadim. Ich selber habe sechs Jahre lang nur mit Sepharadim aus dem Irak, dem Iran oder aus Kurdistan zusammengearbeitet. Ich habe deren tolles Essen kennengelernt und koche seitdem selber so. Ich war auf deren Feiern und Beerdigungen von Verwandten. Das war alles kein Thema und ich war auch schon in mehreren sephardischen Synagogen.
Was mir recht egal ist, ist dieses aschkenazische Getue und viele meiner Arbeitskollegen sind sephardischer Abstammung. Mein Boss ist sephardischer Jude. Auf der Arbeit nehmen wir uns oft gegenseitig auf die Schippe und sephardische Juden lachen sich über so manches aschkenazische Verhalten kaputt. Unter anderem über das Essen und dass nicht so viel auf dem Teller ist wie bei den Sepharadim. Wer richtig essen und satt werden will, gehe zu den sephardischen Juden, denn da wird der Teller richtig vollgeknallt. 🙂
Kurz gesagt, in Jerusalem sind uns sephardische Angelegenheiten nicht fremd, denn wir werden ständig mit ihnen konfrontiert. Und wenn es um die Politik geht: Der LIKUD ist die Partei der sephardischen Juden. In der Vergangenheit war stets die Arbeiterpartei das Eldorado der aschkenasischen Juden. Heute sind das vielleicht Yesh Atid von Ya’ir Lapid oder Benny Gantz. Der LIKUD aber bleibt sephardisch und gerade sephardische Juden wollen keinen Lapid, denn sie wollen viel mehr sephardische Politiker sehen und keine arroganten Aschkenazim. Man wolle sich viel mehr repräsentiert wissen und keine aschkenazische Oberherrschaft. Zudem sind viele viele sephardischen Juden traditionell eingestellt und halten koscher und Pessach (Passover), Yom Kippur, etc.
Was ich damit zum Ausdruck bringen will ist, dass gerade Jerusalem sehr gemischt ist und man ausgerechnet hier mit der wahren israelischen Mentalität a la Middle East konfrontiert wird. Touristen bekommen dies alles kaum bis gar nicht mit.
Ja okay, wenn jemand in Kfar Saba wohnt, dann ist Jerusalem fast Ausland für ihn. Dabei sind wir eigentlich nur der wahre Nahe Osten. 🙂

Telefonieren in Israel

B“H
Einer der gravierendsten Unterschiede zu deutschen Telefonaten dürfte die Tatsache sein, dass Israelis sich am Telefon nicht mit ihrem Nachnamen melden, sondern einfach nur HALLO sagen. Außer Firmen oder offizielle Einrichtungen, die sich da häufig schon mit dem Firmennamen melden, aber halt auch nicht immer.
Wer offizielle Einrichtungen / Firmen anruft, muss sich kurz fassen. Das wird in Israel so verlangt. Sagen, was Sache ist und keine, wie in Deutschland oft üblich, langen Hintergrundstories bzw. Rechtfertigungen. Das will in Israel niemand hören und die Leute reagieren nicht gerade freundlich.
Sofort sagen, was der Grund des Anrufes ist und damit hat es sich. Dann gibt es eine Antwort oder die Behörde / Firma ruft zurück. Falls nicht, nochmals anrufen.
Generell werden in Israel extrem viele Angelegenheiten telefonisch geregelt, doch oftmals ist es nicht leicht, sich bis zur richtigen Person durchzuwurschteln. Oder die Angestellten sind gestresst.
Wenn jemand mitten im Gespräch aufhängt oder das Telefon anderweitig unterbrochen wird, sollte niemand nach deutscher Art beleidigt sein. Israelis hängen gerne ab. Aus welchen Gründen auch immer.
In dem Falle muss man halt nochmal anrufen und nicht beleidigt dasitzen und grübeln, warum das jetzt passiert ist. Diesbezüglich sind gerade Deutsche sehr sensibel, wobei all das Chaos in Israel völlig normal ist und niemand darüber nachdenkt, warum wer wie reagierte.

Aliyah: „Der Alltag eines nach Israel eingewanderten Juden“

B“H
Es mag etwas verwirrend klingen, doch der nachfolgende Leserkommentar von Miri bezieht sich auf diesen Artikel bzw. einen weiteren Leserkommentar von Shlomo:

 

https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2018/11/06/leserfrage-abgezockt-in-jerusalem/#comments

 

Ich kann Shlomos Meinung absolut nicht teilen. Habe die ersten fünf Monate nach der Aliyah in Jerusalem gelebt und bin vom Vermieter gnadenlos abgezogen worden. Danach Umzug nach Ramat Gan, wieder Abzocke durch den Vermieter. Es hat eben nicht jeder das Glück, eine Wohnung von einem guten Freund mieten zu können. Leider gibt es hier Vermieter, die sich geradezu spezialisiert haben auf Ausländer (Olim, Studenten aus dem Ausland, etc.). Dazu die typisch israelische Mentalität, zu bluffen und/oder Druck zu erzeugen. Und wer die schwächeren Nerven hat, verliert. 
Die Preise in Israel? Sind eine einzige Frechheit! Klar, gibt es hier und da auch günstige Läden, wie die von Miriam erwähnten MAX STOCKs oder Rami Levi oder – noch besser – Osher Ad. Daran merke ich immer, dass es durchaus auch deutlich günstiger geht und alles andere nur Abzocke ist. Blöd bloß, dass Osher Ad auf die Tonnen an Lebensmittel spezialisiert ist, die Haredim so benötigen. Wenn man dann gerade mal 38qm zur Verfügung hat und allein lebt, mag man nicht diese Mengen bevorraten. 38qm für NIS 3.100 kalt plus Arnona und Bills (EUR 800-900). Die muss man als Einkommen aber auch erst mal aufbringen können. Stromrechnungen dann im Sommer/Winter gerne mal bei NIS 800 wg. AC/Heizung. 
Tja, und dann die Gehälter hier! Die besagten NIS 3.100 zzgl. Nebenkosten muss man erst einmal verdienen. Wenn man die Sprache nicht richtig beherrscht, wird es da schon recht eng mit ordentlich bezahlten Jobs. Ich habe vor rund zwei Jahren Aliyah gemacht (ich bin eine der von Shlomo erwähnten Olim), weil mir ein Job angeboten wurde. Naiv und unbedarft wie ich war, habe ich nicht von Anfang an hart verhandelt. Denn dann hätte ich nun meine Schäfchen vielleicht im Trockenen. Dachte, ich könne nachverhandeln. Chef, der sich einbildet, mich gerade wegen der nicht fließenden Sprachkenntnisse in der Hand zu haben, weigert sich nun, seine Versprechen bzgl. höherer Position und höherem Gehalt einzuhalten. Das heißt, die Arbeit der höheren Position darf ich machen – zum Preis einer Tippse. Die Manager-Position und die Kohle hat jemand anderes eingeheimst. Jemand, der weiß, wie man hierzulande Druck erzeugt. Und so werde ich wohl Ende des Jahres diesem Büro den Rücken kehren und wieder nach Deutschland zurück gehen. Es sei denn, Chef wacht auf und besinnt sich auf seine Versprechen. 
Das ist Israel, und wenn man die Spielregeln nicht kennt, dann hat man verkackt! Aber um es klarzustellen: Ich liebe dieses Land heiß und innig. Es war und ist und wird auch immer etwas ganz Besonderes für mich sein. Ich bin Israeli, ich kann jederzeit wieder herkommen, und vielleicht tue ich das auch, wenn ich in Rente gehe. Mit einer netten deutschen Rente, mit der man – ausbezahlt nach Israel – dann auch ganz manierlich leben kann. Aber für einen lächerlich niedrigen Lohn arbeiten, in einem völlig überteuerten herunter gekommenen Wohnklo leben und ständig auf der Hut sein vor den hiesigen Abzockern – DAS ist definitiv nicht der Traum meiner schlaflosen Nächte! 
Also, Shlomo: Warte einfach noch ein bisschen mit dem Kauf/Bau von Hausrat/Möbeln. Vielleicht darfst Du meine Sachen schon bald übernehmen?
Generell aber möchte ich gerade diesen Leserkommentar von Miri nutzen, um nochmals auf den normalen Alltag eines Neueinwanderers einzugehen. 
Was Miri beschreibt, kann ich, im Großen und Ganzen, bestätigen. Wobei ich betonen muss, dass ich keinem Juden in Deutschland oder anderswo die Aliyah nach Israel vergraulen will. Ganz im Gegenteil. 
Ich finde, dass jeder Aliyah – Willige sich mit der israelischen Realität im Vorfeld vertraut machen sollte, um hinterher keine bösen Überraschungen zu erleben. Darüber hinaus sollten viel mehr deutsche Juden in Israel den Mut aufbringen, über ihre hiesigen Erlebnisse zu berichten und nicht nur alles schönreden, um sich selber nicht als „Versager“ zu sehen. 
In jedem Land ist es so, dass man als NEUER erst einmal ankommen muss. Erfahrungen sammeln, ein neues Leben aufbauen. Neue Freunde, neue Arbeitskollegen, eine fremde Mentalität und dazu noch die Sprache, welche da aus völlig anderen Buchstaben besteht. 
Jahre vor meiner Aliyah habe ich in zwei Kibbutzim Ulpanim (Sprachkurse) belegt. Bezahlt aus eigener Tasche, was in den 80iger Jahren 300 Dollar bedeutete. Ich war in Kita Aleph (dem blutigen Anfängerkurs) und wenige Jahre später in Gimmel. Beth habe ich mit Absicht übersprungen, was sich in den ersten Wochen von Kita Gimmel als fatal erwies. Ich musste ackern wie doof, um in Gimmel mitzukommen und ich habe oft bis spät in die Nacht dagesessen und gebüffelt. Nach zwei Monaten hatte ich es geschafft und zog Gimmel konsequent durch. 
Kita Gimmel, die dritte Klasse, ist für Fortgeschrittene. Eine Stufe vor den Uni – Level Daled, Vav und Heh. Allein mit dem von der Regierung bezahlten Aleph – Kurs werdet Ihr nach der Aliyah kaum weiterkommen. Das hilft Euch bestenfalls etwas im Supermarkt, aber Konversionen werdet Ihr damit keine führen. In Aleph wird lediglich die Gegenwartsform sowie die Vergangenheit gelehrt. Die Zukunftsform nicht mehr und das gesamte Passiv fehlt Euch, wenn Ihr nicht weiterlernt. 
Es ist immer wichtig, Radio zu hören. Auch wenn Ihr kaum etwas versteht. Ihr müsst die Sprache hören und damit umgehen. Habt Ihr irgendwo einen Termin, macht Euch vorher mit dem Vokabular vertraut. Beispiel: Konto eröffnen, Girokonto (Ower ve’Shaw), Formular ausfüllen. Wobei Formulare grundsätzlich in hebräischer Sprache sind und kein einziger Angesteller wird sich mit Euch hinhocken, um Euch alles detailliert zu erklären. Das allein würde Stunden in Anspruch nehmen und dazu ist keine Zeit. 
Sehr wichtig: 
Denkt nicht immer „In Deutschland ist das aber so und so!“ 
Vergesst Deutschland. In Israel ist es anders und da hilft auch kein Jammern und Vergleichen.
Ihr seid jetzt hier und hier ist das nun mal so und so. Israel ist nicht Deutschland! 
Und, wie Miri, richtig sagt: 
In Israel gelten andere Spielregeln und wer die nicht checkt, wird scheitern. 
Das klingt hart, aber es ist nun einmal so. Es sei denn, Ihr kommt als Millionär und pfeift auf die hiesige Gesellschaft. 
Wer allerdings im israelischen Alltag bestehen will, folgt besser den Regeln. Jammern gibt es nicht. Entweder Ihr integriert Euch oder nicht. 
Wenn es mit dem Hebräischen hapert, ist das immer schlecht. Insbesondere im Berufsleben. Da kommt schon Panik auf, wenn das Telefon klingelt und man abheben muss. Nicht jeder Israeli ist super geduldig und im Alltag werden keine Ulpan – Floskeln benutzt, sondern es geht zur Sache. Slang und alle möglichen Redewendungen und so mancher Israeli fährt da mit einem Neueinwanderer Schlitten. 
Mein Tipp: 
Lasst Euch nicht herausfordern und bewahrt einfach die Ruhe. Jeder Neueinwanderer kämpft und irgendwann platzt der Knoten und es wird einfacher. Aber gebt nicht gleich nach den ersten Malen des „Angebrüllt werden“ auf. 
Es gibt sehr sehr viele Israelis, mit denen ich niemals zusammenarbeiten könnte. Insbesondere das absolut säkulare Geschwaddel von Tel Aviv, Ra’anana, Herzliya, Kfar Saba, Hod Hasharon, etc. Dieses kalte Karrieregetue geht mir total auf den Sack und mit derartigen Typen und Tussis kann ich gar nicht. 
Auch ich habe in Ramat Gan gewohnt. Wenn auch nur ein paar Monat. Mein Anfangsfehler war stets, in WGs zu ziehen. 
Warum Fehler? 
Weil die Wohnungen dann dementsprechend größer sind und mehr Unkosten auf einen Zukommen. Da ist das Allein – Wohnen in einer kleinen Bude billiger und man muss sich nicht mit den Schutafim (Mitbewohnern) herumärgern. 
Normalerweise geben Vermieter einen Standard – Mietvertrag aus. In englischer Sprache habe ich den noch nie gesehen. 
Dennoch, es gibt diesen allgemeinen Standard – Mietvertrag und ich habe so einen. Zwei Bürgen mussten mit unterschreiben und jedes Jahr wird der Vertrag erneuert. Auf ein weiteres Jahr. Für 25qm + Balkon zahle ich 2500 Schekel (circa 600 Euro), was sehr günstig ist für den Luxusstadtteil Abu Tur. 
Und selbst diese 2500 Schekel müssen erst einmal verdient sein. Wobei die Summe nur die reine Miete beinhaltet und KEINE Nebenkosten, welche sich da nochmals auf mindestens 800 – 900 Schekel belaufen. Inklusive mein eigenes WIFI, Arnona (Grundsteuer), Strom, Wasser, Gas, etc. Va’ad Bayit (Hausmeisterdienste, etc.) haben wir bei uns im Haus nicht. Ansonsten zahlen fast alle Mieter einen Batzen Va’ad Bayit. Vor allem dann, wenn im Haus ein Aufzug (Ma’alit) vorhanden ist, ein Garten gepflegt werden muss oder im Winter eine Zentralheizung angestellt wird. Dann Gnade jedem G – tt mit dem Va’ad Bayit. Sucht Euch lieber ein Haus ohne Aufzug. 🙂 
Und wie bereits erwähnt: 
Geht zu den Discountern Rami Levi, Osher Ad, Victory, etc. Im Vergleich zum Aldi ist es dort immer noch teuer, aber billiger kriegt Ihr es in Israel nicht. Kocht Euch daheim Euren Kaffee und das Essen und vermeidet ständiges Auswärtsessen oder Pizza bestellen. Da zahlt Ihr ein Schweinegeld für und kein Otto Normalverbraucher kann sich das leisten. 
Es tut mir leid, dass Miri sich so entscheidet. Andererseits kenne ich die Situation aus eigenen Erfahrungen aus den 90iger Jahren. Damals lebte ich mehrere Jahre in Israel und hatte immer wieder die Schnauze voll. Dann fragt man sich, warum man sich das antut und in Deutschland ist es besser. Zumindest zur damaligen Zeit. 
Wozu in Israel wie doof ackern und kaum etwas verdienen, wenn in Deutschland der Aldi wartet? Wozu in Israel so viel Geld für die unverschämt teuren Lebensmittel ausgeben, wenn beim Aldi alles ein paar Cent kostet? Irgendwann reicht es einem und man will zurück ins bequeme Deutschland. Diese Phasen kenne ich zur Genüge und deshalb bin ich vor meiner Aliyah immer hin und – hergereist und gezogen. Mal dort und dann wieder hier. 
Nach mehr als 20 Jahren Israel habe ich für keinen Neueinwanderer ein Patentrezept. Und ich bezweifele, dass es sowas gibt, denn jeder Mensch ist anders. Eine Menge hängt von Eurer Sprachgewandtheit und Eurem Anpassungsvermögen ab. Von Eurem Beruf und der Fähigkeit, irgendwo wieder ganz tief weit unten anzufangen. Das ist keine Schande und fast alle Neueinwanderer gehen durch diese Phasen. Manchmal nicht nur kurzweilige Phasen, sondern viele Jahre. 
Gut, man kann alles bereuen oder versuchen, mit der Situation klarzukommen. Ich selber verdiene nicht die Welt, doch ich bin mit dem zufrieden, was ich habe. Ich habe sehr gute Freunde und zwei gute Arbeitgeber. 
Ja, auch das gibt es! 
Nach all den Jahren habe ich mich an Israel gewöhnt und ich kann mir mittlerweile kein Leben in Deutschland mehr vorstellen. Allein die Mentalität ist mir fremd geworden.