Leben in Jerusalem

Startseite » Beitrag verschlagwortet mit 'Typisch Israelisch'

Schlagwort-Archive: Typisch Israelisch

Advertisements

Telefonieren in Israel

B“H
Einer der gravierendsten Unterschiede zu deutschen Telefonaten dürfte die Tatsache sein, dass Israelis sich am Telefon nicht mit ihrem Nachnamen melden, sondern einfach nur HALLO sagen. Außer Firmen oder offizielle Einrichtungen, die sich da häufig schon mit dem Firmennamen melden, aber halt auch nicht immer.
Wer offizielle Einrichtungen / Firmen anruft, muss sich kurz fassen. Das wird in Israel so verlangt. Sagen, was Sache ist und keine, wie in Deutschland oft üblich, langen Hintergrundstories bzw. Rechtfertigungen. Das will in Israel niemand hören und die Leute reagieren nicht gerade freundlich.
Sofort sagen, was der Grund des Anrufes ist und damit hat es sich. Dann gibt es eine Antwort oder die Behörde / Firma ruft zurück. Falls nicht, nochmals anrufen.
Generell werden in Israel extrem viele Angelegenheiten telefonisch geregelt, doch oftmals ist es nicht leicht, sich bis zur richtigen Person durchzuwurschteln. Oder die Angestellten sind gestresst.
Wenn jemand mitten im Gespräch aufhängt oder das Telefon anderweitig unterbrochen wird, sollte niemand nach deutscher Art beleidigt sein. Israelis hängen gerne ab. Aus welchen Gründen auch immer.
In dem Falle muss man halt nochmal anrufen und nicht beleidigt dasitzen und grübeln, warum das jetzt passiert ist. Diesbezüglich sind gerade Deutsche sehr sensibel, wobei all das Chaos in Israel völlig normal ist und niemand darüber nachdenkt, warum wer wie reagierte.
Advertisements

Aliyah: „Der Alltag eines nach Israel eingewanderten Juden“

B“H
Es mag etwas verwirrend klingen, doch der nachfolgende Leserkommentar von Miri bezieht sich auf diesen Artikel bzw. einen weiteren Leserkommentar von Shlomo:

 

https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2018/11/06/leserfrage-abgezockt-in-jerusalem/#comments

 

Ich kann Shlomos Meinung absolut nicht teilen. Habe die ersten fünf Monate nach der Aliyah in Jerusalem gelebt und bin vom Vermieter gnadenlos abgezogen worden. Danach Umzug nach Ramat Gan, wieder Abzocke durch den Vermieter. Es hat eben nicht jeder das Glück, eine Wohnung von einem guten Freund mieten zu können. Leider gibt es hier Vermieter, die sich geradezu spezialisiert haben auf Ausländer (Olim, Studenten aus dem Ausland, etc.). Dazu die typisch israelische Mentalität, zu bluffen und/oder Druck zu erzeugen. Und wer die schwächeren Nerven hat, verliert. 
Die Preise in Israel? Sind eine einzige Frechheit! Klar, gibt es hier und da auch günstige Läden, wie die von Miriam erwähnten MAX STOCKs oder Rami Levi oder – noch besser – Osher Ad. Daran merke ich immer, dass es durchaus auch deutlich günstiger geht und alles andere nur Abzocke ist. Blöd bloß, dass Osher Ad auf die Tonnen an Lebensmittel spezialisiert ist, die Haredim so benötigen. Wenn man dann gerade mal 38qm zur Verfügung hat und allein lebt, mag man nicht diese Mengen bevorraten. 38qm für NIS 3.100 kalt plus Arnona und Bills (EUR 800-900). Die muss man als Einkommen aber auch erst mal aufbringen können. Stromrechnungen dann im Sommer/Winter gerne mal bei NIS 800 wg. AC/Heizung. 
Tja, und dann die Gehälter hier! Die besagten NIS 3.100 zzgl. Nebenkosten muss man erst einmal verdienen. Wenn man die Sprache nicht richtig beherrscht, wird es da schon recht eng mit ordentlich bezahlten Jobs. Ich habe vor rund zwei Jahren Aliyah gemacht (ich bin eine der von Shlomo erwähnten Olim), weil mir ein Job angeboten wurde. Naiv und unbedarft wie ich war, habe ich nicht von Anfang an hart verhandelt. Denn dann hätte ich nun meine Schäfchen vielleicht im Trockenen. Dachte, ich könne nachverhandeln. Chef, der sich einbildet, mich gerade wegen der nicht fließenden Sprachkenntnisse in der Hand zu haben, weigert sich nun, seine Versprechen bzgl. höherer Position und höherem Gehalt einzuhalten. Das heißt, die Arbeit der höheren Position darf ich machen – zum Preis einer Tippse. Die Manager-Position und die Kohle hat jemand anderes eingeheimst. Jemand, der weiß, wie man hierzulande Druck erzeugt. Und so werde ich wohl Ende des Jahres diesem Büro den Rücken kehren und wieder nach Deutschland zurück gehen. Es sei denn, Chef wacht auf und besinnt sich auf seine Versprechen. 
Das ist Israel, und wenn man die Spielregeln nicht kennt, dann hat man verkackt! Aber um es klarzustellen: Ich liebe dieses Land heiß und innig. Es war und ist und wird auch immer etwas ganz Besonderes für mich sein. Ich bin Israeli, ich kann jederzeit wieder herkommen, und vielleicht tue ich das auch, wenn ich in Rente gehe. Mit einer netten deutschen Rente, mit der man – ausbezahlt nach Israel – dann auch ganz manierlich leben kann. Aber für einen lächerlich niedrigen Lohn arbeiten, in einem völlig überteuerten herunter gekommenen Wohnklo leben und ständig auf der Hut sein vor den hiesigen Abzockern – DAS ist definitiv nicht der Traum meiner schlaflosen Nächte! 
Also, Shlomo: Warte einfach noch ein bisschen mit dem Kauf/Bau von Hausrat/Möbeln. Vielleicht darfst Du meine Sachen schon bald übernehmen?
Generell aber möchte ich gerade diesen Leserkommentar von Miri nutzen, um nochmals auf den normalen Alltag eines Neueinwanderers einzugehen. 
Was Miri beschreibt, kann ich, im Großen und Ganzen, bestätigen. Wobei ich betonen muss, dass ich keinem Juden in Deutschland oder anderswo die Aliyah nach Israel vergraulen will. Ganz im Gegenteil. 
Ich finde, dass jeder Aliyah – Willige sich mit der israelischen Realität im Vorfeld vertraut machen sollte, um hinterher keine bösen Überraschungen zu erleben. Darüber hinaus sollten viel mehr deutsche Juden in Israel den Mut aufbringen, über ihre hiesigen Erlebnisse zu berichten und nicht nur alles schönreden, um sich selber nicht als „Versager“ zu sehen. 
In jedem Land ist es so, dass man als NEUER erst einmal ankommen muss. Erfahrungen sammeln, ein neues Leben aufbauen. Neue Freunde, neue Arbeitskollegen, eine fremde Mentalität und dazu noch die Sprache, welche da aus völlig anderen Buchstaben besteht. 
Jahre vor meiner Aliyah habe ich in zwei Kibbutzim Ulpanim (Sprachkurse) belegt. Bezahlt aus eigener Tasche, was in den 80iger Jahren 300 Dollar bedeutete. Ich war in Kita Aleph (dem blutigen Anfängerkurs) und wenige Jahre später in Gimmel. Beth habe ich mit Absicht übersprungen, was sich in den ersten Wochen von Kita Gimmel als fatal erwies. Ich musste ackern wie doof, um in Gimmel mitzukommen und ich habe oft bis spät in die Nacht dagesessen und gebüffelt. Nach zwei Monaten hatte ich es geschafft und zog Gimmel konsequent durch. 
Kita Gimmel, die dritte Klasse, ist für Fortgeschrittene. Eine Stufe vor den Uni – Level Daled, Vav und Heh. Allein mit dem von der Regierung bezahlten Aleph – Kurs werdet Ihr nach der Aliyah kaum weiterkommen. Das hilft Euch bestenfalls etwas im Supermarkt, aber Konversionen werdet Ihr damit keine führen. In Aleph wird lediglich die Gegenwartsform sowie die Vergangenheit gelehrt. Die Zukunftsform nicht mehr und das gesamte Passiv fehlt Euch, wenn Ihr nicht weiterlernt. 
Es ist immer wichtig, Radio zu hören. Auch wenn Ihr kaum etwas versteht. Ihr müsst die Sprache hören und damit umgehen. Habt Ihr irgendwo einen Termin, macht Euch vorher mit dem Vokabular vertraut. Beispiel: Konto eröffnen, Girokonto (Ower ve’Shaw), Formular ausfüllen. Wobei Formulare grundsätzlich in hebräischer Sprache sind und kein einziger Angesteller wird sich mit Euch hinhocken, um Euch alles detailliert zu erklären. Das allein würde Stunden in Anspruch nehmen und dazu ist keine Zeit. 
Sehr wichtig: 
Denkt nicht immer „In Deutschland ist das aber so und so!“ 
Vergesst Deutschland. In Israel ist es anders und da hilft auch kein Jammern und Vergleichen.
Ihr seid jetzt hier und hier ist das nun mal so und so. Israel ist nicht Deutschland! 
Und, wie Miri, richtig sagt: 
In Israel gelten andere Spielregeln und wer die nicht checkt, wird scheitern. 
Das klingt hart, aber es ist nun einmal so. Es sei denn, Ihr kommt als Millionär und pfeift auf die hiesige Gesellschaft. 
Wer allerdings im israelischen Alltag bestehen will, folgt besser den Regeln. Jammern gibt es nicht. Entweder Ihr integriert Euch oder nicht. 
Wenn es mit dem Hebräischen hapert, ist das immer schlecht. Insbesondere im Berufsleben. Da kommt schon Panik auf, wenn das Telefon klingelt und man abheben muss. Nicht jeder Israeli ist super geduldig und im Alltag werden keine Ulpan – Floskeln benutzt, sondern es geht zur Sache. Slang und alle möglichen Redewendungen und so mancher Israeli fährt da mit einem Neueinwanderer Schlitten. 
Mein Tipp: 
Lasst Euch nicht herausfordern und bewahrt einfach die Ruhe. Jeder Neueinwanderer kämpft und irgendwann platzt der Knoten und es wird einfacher. Aber gebt nicht gleich nach den ersten Malen des „Angebrüllt werden“ auf. 
Es gibt sehr sehr viele Israelis, mit denen ich niemals zusammenarbeiten könnte. Insbesondere das absolut säkulare Geschwaddel von Tel Aviv, Ra’anana, Herzliya, Kfar Saba, Hod Hasharon, etc. Dieses kalte Karrieregetue geht mir total auf den Sack und mit derartigen Typen und Tussis kann ich gar nicht. 
Auch ich habe in Ramat Gan gewohnt. Wenn auch nur ein paar Monat. Mein Anfangsfehler war stets, in WGs zu ziehen. 
Warum Fehler? 
Weil die Wohnungen dann dementsprechend größer sind und mehr Unkosten auf einen Zukommen. Da ist das Allein – Wohnen in einer kleinen Bude billiger und man muss sich nicht mit den Schutafim (Mitbewohnern) herumärgern. 
Normalerweise geben Vermieter einen Standard – Mietvertrag aus. In englischer Sprache habe ich den noch nie gesehen. 
Dennoch, es gibt diesen allgemeinen Standard – Mietvertrag und ich habe so einen. Zwei Bürgen mussten mit unterschreiben und jedes Jahr wird der Vertrag erneuert. Auf ein weiteres Jahr. Für 25qm + Balkon zahle ich 2500 Schekel (circa 600 Euro), was sehr günstig ist für den Luxusstadtteil Abu Tur. 
Und selbst diese 2500 Schekel müssen erst einmal verdient sein. Wobei die Summe nur die reine Miete beinhaltet und KEINE Nebenkosten, welche sich da nochmals auf mindestens 800 – 900 Schekel belaufen. Inklusive mein eigenes WIFI, Arnona (Grundsteuer), Strom, Wasser, Gas, etc. Va’ad Bayit (Hausmeisterdienste, etc.) haben wir bei uns im Haus nicht. Ansonsten zahlen fast alle Mieter einen Batzen Va’ad Bayit. Vor allem dann, wenn im Haus ein Aufzug (Ma’alit) vorhanden ist, ein Garten gepflegt werden muss oder im Winter eine Zentralheizung angestellt wird. Dann Gnade jedem G – tt mit dem Va’ad Bayit. Sucht Euch lieber ein Haus ohne Aufzug. 🙂 
Und wie bereits erwähnt: 
Geht zu den Discountern Rami Levi, Osher Ad, Victory, etc. Im Vergleich zum Aldi ist es dort immer noch teuer, aber billiger kriegt Ihr es in Israel nicht. Kocht Euch daheim Euren Kaffee und das Essen und vermeidet ständiges Auswärtsessen oder Pizza bestellen. Da zahlt Ihr ein Schweinegeld für und kein Otto Normalverbraucher kann sich das leisten. 
Es tut mir leid, dass Miri sich so entscheidet. Andererseits kenne ich die Situation aus eigenen Erfahrungen aus den 90iger Jahren. Damals lebte ich mehrere Jahre in Israel und hatte immer wieder die Schnauze voll. Dann fragt man sich, warum man sich das antut und in Deutschland ist es besser. Zumindest zur damaligen Zeit. 
Wozu in Israel wie doof ackern und kaum etwas verdienen, wenn in Deutschland der Aldi wartet? Wozu in Israel so viel Geld für die unverschämt teuren Lebensmittel ausgeben, wenn beim Aldi alles ein paar Cent kostet? Irgendwann reicht es einem und man will zurück ins bequeme Deutschland. Diese Phasen kenne ich zur Genüge und deshalb bin ich vor meiner Aliyah immer hin und – hergereist und gezogen. Mal dort und dann wieder hier. 
Nach mehr als 20 Jahren Israel habe ich für keinen Neueinwanderer ein Patentrezept. Und ich bezweifele, dass es sowas gibt, denn jeder Mensch ist anders. Eine Menge hängt von Eurer Sprachgewandtheit und Eurem Anpassungsvermögen ab. Von Eurem Beruf und der Fähigkeit, irgendwo wieder ganz tief weit unten anzufangen. Das ist keine Schande und fast alle Neueinwanderer gehen durch diese Phasen. Manchmal nicht nur kurzweilige Phasen, sondern viele Jahre. 
Gut, man kann alles bereuen oder versuchen, mit der Situation klarzukommen. Ich selber verdiene nicht die Welt, doch ich bin mit dem zufrieden, was ich habe. Ich habe sehr gute Freunde und zwei gute Arbeitgeber. 
Ja, auch das gibt es! 
Nach all den Jahren habe ich mich an Israel gewöhnt und ich kann mir mittlerweile kein Leben in Deutschland mehr vorstellen. Allein die Mentalität ist mir fremd geworden.

Leserfrage: „Abgezockt in Jerusalem?“

B“H
Beginnen wir bei  den abgezockten Touristen in Jerusalem.
Jegliche Art der Abzocke erfahrt Ihr bei Juden und Palästinensern zugleich. Nur machen es Euch die Palis manchmal schwerer NEIN zu sagen und schon tappt Ihr in die Abzockfalle. 🙂 
Zum Beispiel, wenn sie Euch von ihrem schweren Leben, den finanziellen Nöten und den „bösen Juden“ berichten. Und schwupps kommt das deutsche Schuldgefühl auf und Ihr kauft Dinge im Bazaar, die Ihr gar nicht braucht und die, noch dazu, völlig überteuert sind. 
So mancher Tourist berichtete mir, dass man die nervigen Palis im Bazaar einfach nur loswerden will und dann halt eine Kleinigkeit kauft, damit der Shop Besitzer endlich die Klappe hält. So richtig NEIN sagen und das mit Bestimmtheit, ist nicht jedes Deutschen Sache. 🙂 Da lässt man sich lieber zum Tee in den Shop einladen und wird dann rigoros vollgelabert mit allerlei Lügen.
Arabische Hostels in Jerusalem zocken Euch ebenfalls ab. Schmutzig, teilweile keine Fenster im Zimmer und Schimmel. Aber okay. So mancher Backpacker will halt unbedingt in der Altstadt nächtigen, anstatt angemessenere Preise in Westjerusalem zu suchen.
Es gibt unzählige Beispiele, wie Touristen abgezockt werden. Wer kein Hebräisch kann, der sollte vorsichtshalber im Supermarkt einkaufen. Dort, wo die Ware ausgezeichnet ist und man keine bösen Überraschungen erlebt. Israel ist teuer genug und so mancher Tourist ist eh geschockt von den hiesigen Lebensmittelpreisen.
Aber, keine Sorge, auch Israelis werden abgezockt und hierzulande muss man eigentlich immer auf der Hut sein und wissen, was abgeht. Allein die Sprache macht es manchmal auch nicht, sondern der israelische Personalausweis. Man muss sich durchsetzen und keine falschen Ängste aufkommen lassen. Nicht nur Deutsche haben da mit ihrer Mentalität Probleme, denn man lässt sich leicht verwirren, fühlt sich schuldig oder ignoriert. Und dann geht die deutsche Denkweise los wie „Warum hat der das jetzt so gesagt und nicht anders?“ oder „Habe ich da jetzt was falsch gemacht?“
Egal, ob Jude oder Palästinenser, die Leute checken sofort, ob Ihr hier neu seid und keinen blassen Schimmer habt. Ihr wisst nicht zu fragen bzw. die richtigen Fragen zu stellen. Ihr kennt die Gesetze nicht und oft auch nicht Eure Rechte. Vor allem Neueinwanderer wollen dann immer freundlich bleiben und tappen in sämtliche Fettnäpfchen. Das beginnt schon beim Jobinterview und zieht sich bis an die Kasse am Supermarkt.
In Israel muss man immer nachfragen und Tausende Beispiele geben wie „Was wäre wenn“. Immer nachfragen bis alles geklärt ist, aber oft scheitert schon alles an den Sprachkenntnissen sowie der Mentalität.
Gegenüber Deutschland, der Schweiz, Luxemburg oder Österreich ist Israel eine komplett andere Welt, in der man sich durchsetzen muss. Die Leute hier sind innovativer und nicht so furchtbar festgefahren in ihren Ansichten. Ohne Flexibilität geht es nicht.
Was man auf alle Fälle vermeiden sollte:
Die bekannte deutsche Besserwisserei. Es ist wichtig zu wissen, wann etwas gesagt werden kann und wie. Und wann es vorteilhafter ist, die Klappe zu halten. 
Abzocke aber gibt es immer!

Ein wenig israelische Mentalität und der Vergleich zu Deutschland

B“H
Als ich gestern Abend das Video aufnahm, machte ich einen Fehler und merkte es noch nicht einmal: Ich kam von der Arbeit und vom Einkaufen, hatte den dicken Rucksack voll und legte ihn noch nicht einmal beim Video – Dreh ab. Ergo, hechele ich rum und bemerkte erst hinterher meine Schlepperei. 🙂
Generell ist es, wie gesagt, nicht einfach, die israelische Mentalität einem Auswärtigen verständlich zu machen. Jeder Mensch ist anders und alles hängt von vielerlei Faktoren ab. 

 

Wieder mal ein paar israelische Youtuber

B“H

Ich schaue sie nicht unbedingt, doch es kommt vor, dass deutschsprachige Blogleser mich gerade nach israelischen Youtube Channels fragen. Hier ein kleine Auswahl und wer alles versteht, was im Video gesagt wird – Kol HaKavod = Alle Achtung!

 

Am 1. September beginnt das neue Schuljahr und Oriyana zeigt ihre neuen Schulsachen. Dabei ist sie im Homeschooling. 

 

 

 

Und wer Israel so richtig kennen lernen will, der schaue KUPAT RASHIT – HAUPTKASSE. Die beste Serie ever und so richtig original aus dem Supermarkt Issachar. Zum Ablachen 🙂

 

Boi, Bo, Bo’u

B“H
Israelis benutzen sehr häufig deb Imperativ und was ständig zu hören ist:
Bo – Komm (männlich Singular)
Boi – Komm (weiblich Singular)
Bo’u – Komm (Plural)
Wird, zum Beispiel, jemand direkt von einer anderen Person gerufen, so werden diese drei Formen benutzt. Auch auf Ämtern oder am Arbeitsplatz.
Nun ist die deutsche sowohl als auch die englische Sprache auf Höflichkeitsformeln wie „Würden Sie bitte“, „Kommen Sie bitte“ bedacht.
In der hebräischen Sprache könnte es genauso höflich gesagt werden, doch die Umgangssprache ist kurz gefasst und niemand nimmt ein BO oder BOI persönlich und ist beleidigt. Das wird einfach so gesagt und fertig.
Ich sage das, weil es offenbar Deutsche gibt, die sich bei einem Israelpraktikum durch BO oder BOI beleidigt fühlen. So in der Art: 
„Ja, wie gehe man da denn mit den Leuten um?“
Israel ist nicht Deutschland und die Leute hier reden halt so. Daran sollte man sich gewöhnen und nicht nur jammern, dass alle unfreundlich sind. Unfreundlich sind die Leute in den meisten Fällen nicht, sondern bestimmte Ausdrücke sind Umgangssprache sowie Floskeln.
Außer dem Imperativ für KOMM gibt es noch zahlreiche weitere wie „Halt mal fest“, Mach das Fenster zu“, etc.
Aber nicht nur einige deutsche Touristen fühlen sich (wenn sie denn etwas Hebräisch können) durch die Vielzahl an Imperativen auf den Schlips getreten. Amerikanische Juden, die nach Israel einwandern, haben da zu Beginn auch so ihre Probleme mit.
Naja, manchmal kommt vielleicht dann doch das ein oder andere Mal ein BEWAKASCHA – BITTE / PLEASE. Aber halt nur manchmal. 🙂

Israelisches Mindset

B“H
Die Überschrift „Israelisches Mindset“ ist, genau genommen, unvollständig, denn ein rein israelisches Mindset gibt es eigentlich gar nicht. Im Grunde genommen ist das hiesige Mindset eine Mischung aus israelischem und jüdischem Mindset. Beides geht Hand in Hand und für einen Nichtjuden ist es kaum möglich, das jüdische Mindset zu erfassen.
Amerikanische Juden sind da ganz besonders drauf fixiert. Immer wieder pochen meine Freunde aus New York darauf, dass man nicht nur einfach die New Yorker Mentalität kennen muss, sondern gleichzeitig die jüdische Denkweise eines Juden in New York.
Das hört sich für Außenstehende alles furchtbar irreal an, in Wirklichkeit aber sind israelisches und jüdisches Mindset nicht voneinander zu trennen. Doch bleiben wir beim israelischen Mindset, denn diese Beschreibung ist für den Außenstehenden weniger verwirrend.
Was Deutschen, Österreichern, Schweizern, etc. völlig normal erscheint, wäre in Israel ein halbes oder sogar ganzes No – Go. Oder zumindest ein recht seltsames Verhalten. Die deutsche Art zu leben und die Denkweise ist vielen Israelis fremd und umgekehrt. Das Problem ist, dass zuviele Deutsche ihre Art zu denken und Dinge zu erfassen auf die gesamte Welt anwenden. Man betrachtet alles mit deutschen Augen und aus eben diesem Blickwinkel heraus, ohne in Betracht zu ziehen, dass diese Denkweise und Umsetzung in anderen Lndern (sprich Israel) nicht funktioniert.
Den Anstoss zu diesem Artikel fand ich im Youtube Video eines Russlanddeutschen, der es, nach eigenen Angaben, in Deutschland nicht mehr aushielt, weil, u.a., die Krankenkassenbeiträge zu teuer sind. Aufgrund von zahlreichen anderen Youtube Videos entschloss er sich, nach Zypern zu ziehen. Dort, so andere deutsche Youtuber, sei ein Steuerparadies und alles sei total toll. Dazu Sonne und Strand.
Besagter Youtuber zog also nach Zypern, ohne jemals zuvor dagewesen zu sein und siehe da, es passt ihm nicht. Die Leute da seien zu desorganisisert und laut und überhaupt sei er aus Deutschland ein zivilisiertes Leben gewohnt und Zypern biete ihm das nicht. Deswegen plante er, in die Schweiz zu ziehen. Das klappte dann nicht, denn in der Schweiz benötigt man wohl eine Aufenthaltsgenehmigung und dort ist man nicht verpicht darauf, irgendwelche deutschen Youtuber aufzunehmen. Der aktuelle Stand ist, dass der Youtuber wieder nach Deutschland zurückkehrt.
Ohne jemals vor Ort gewesen zu sein und sich eingehend mit den Lebensumständen vertraut gemacht zu haben, zieht man nicht in ein anderes Land. Und selbst wenn man das tut, so muss die deutsche Denkweise hinten angestellt werden, denn sonst geht der Neuankömmling im neuen Zuhause unter.
Zahlreiche Schweizer sehen in Deutschen notorisch Nögler und Besserwisser, die sich über alles aufregen und von oben herab richten. Ist etwas nicht so wie in Deutschland und liegt hier und da mal ein bisschen Müll am Straßenrand, geht das Generve schon los. Das habe ich in Israel von vorbeilaufenden deutschen Touristen auch schon vernommen.
Ja, wenn man das so und so machen würde wie in Deutschland, dann wäre in Israel garantiert alles besser. Die Religion abschalten und dann läuft es mit dem Friedensprozess. In Deutschland spielt die Religion eine untergeordnete Rolle und die Demokratie dagegen eine umso höhere.
Als ich noch mit den wenig verbliebenen Verwandten in Deutschland telefonierte, ging mir schon nach ein paar Minuten die Hutschnur hoch und ich bereute, überhaupt angerufen zu haben. Da wurden von deutscher Seite aus irgendwelche Dinge in den Raum gestellt, die in Israel absolut keinen Bezug zur Realität haben. Ja, wieso ich mir nicht mal von der Arbeit freinehme, um dies oder das zu machen.
In Israel nimmt man sich nicht mal eben so frei trallala. Wir haben gesetzliche elf Urlaubstage im Jahr und wenn die schon genommen wurden, dann gibt es kein frei. Es sei denn, man nimmt unbezahlten Urlaub und wer soll sich das auf Dauer leisten? Oder wenn gerade extrem viel Arbeit aufgrund von Feiertagen anfällt. In Deutschland hat man weit mehr als zwanzig Urlaubstage im Jahr. In Israel ganze elf!
Israelis sind wesentlich pragmatischer als Deutsche, denn das Leben ist härter und jeder muss sehen, wie er zurecht kommt. Deutsche würden ausrasten, hätten sie unsere Lebensumstände. Ich habe schon Touristen in bestimmten Situationen erlebt, die geschockt dastanden und jammerten:
„Ja, was mache ich denn jetzt?“
Ja, was wohl? Eine Lösung finden und weitermachen. Kreativ sein und mal nachdenken und nicht dastehen und auf Hilfe warten. In dieser Hinsicht sind Deutsche extrem verwöhnt, denn sie sind die zuverlässige Hilfe ihres Sozialstaates gewohnt. Was aber, wenn der nicht mehr greift? Viele sehen jetzt die Anfänge und Leute gehen Flaschensammeln.
In Israel muss jemand, der nicht gerade beim Staat, im Hafen von Haifa oder Ashdod oder bei den Elektrizitätswerken angestellt ist, innovativ sein. Oft ergibt sich aus der Not heraus eine völlig neue Perspektive und Idee.
Zudem sind Israelis nicht dermaßen in Gesetze eingebunden wie Deutsche. In Deutschland ist alles geregelt und in Callcentern wird sogar der Gang zum Klo vom Gehalt abgezogen. Alles wird registriert, gemaßregelt und in Gesetze gestopft. Wie jetzt wieder das neue europäische Datenschutzgesetz, an das Israel nicht gebunden ist.
Hat jemand ein Problem und er geht aufs Amt oder sonstwohin, mit einer Alternative / Idee kann er eine Lösung heraushandeln. Dies funktioniert meistens nur als Staatsbürger und nicht als Tourist oder mit befristeter Aufenthaltsgenehmigung. Auf Ämtern ist mehr Flexibilität und es herrscht kein reines Gesetzesdenken. Nichts muss perfekt sein und das erwartet auch niemand. Fremdschämen oder so gibt es nicht. Okay, gibt man den Fehler zu, na und. Israelis geben sich furchtbar normal und erzählen alles. Von Familienproblemen bis zu Schulden ist alles dabei.
Was mir in Israel manchmal fehlt?
Vielleicht mehr Organisation im Alltag, doch mittlerweile bin ich selbst nicht mehr so durchstrukturiert. Das mag auch daran liegen, dass wir uns nicht unbedingt vornehmen, was der Tag zu bringen hat. Es gibt zu viel Unvorhergesehenes und genau das bringt uns wenig aus der Fassung.
In Deutschland gibt es Millionen Vorschriften und alles ist strukturiert und in Zeitpläne eingetragen. Manchmal denke ich, dass die Leute mehr Zeit mit Zeitplänen verbringen als sie am Ende letztlich durchführen. Alles schön in Kalender und Tabellen eintragen, aber am Ende bleibt keine Zeit mehr, etwas zu tun. Dann ist der Tag schon vorbei. Hauptsache im Kalender ist alles schön bunt markiert und aufgelistet. Das ist doch auch ein tolles Gefühl.
Ein Deutscher in der israelischen Arbeitswelt (und damit meine ich einen ganz normalen Betrieb und keine Praktikumsstelle im Museum oder so) ist erst einmal geschockt und er fragt sich, wie es sein kann, dass der Betrieb funktioniert. Bei all dem Chaos und Geschrei.
Ob man es glaubt oder nicht: Es funktioniert und es gibt ein System, welches da nicht sofort ersichtlich ist. Einleben tut sich nur, wie schon oben erwähnt, wer sein deutsches Mindset ausschaltet und bereit ist, sich auf Neues einzulassen. Wird auf deutsche Tugenden gepocht, wird jemand schnell zum Sonderling oder Außenseiter.
Ich stelle es mir für einen Israeli sehr schwer, sich in den deutschen Alltag einzuleben. Arbeitsmäßig und überhaupt. In Deutschland ist alles so furchtbar ernst und ohne dieses unbeschreibliche heimische Gefühl. Nur kalte Gesetze und „Wehe, wenn Du das nicht tust, dann …“.
Wenige Tage vor dem 70. Unabhängigkeitstag in der letzten Woche wurde eine aktuelle Statistik veröffentlicht:
82% aller Israelis sind stolz auf ihr Land und zufrieden. Israelis befinden sich unter der glücklichsten Leuten der Welt.
Warum sind 82% happy, stolz und zufrieden?
Eine Menge Israelis verdient den Mindestlohn und kann finanziell nur sehr kleine Sprünge machen. Alles ist teuer und das Gehalt mies.
Es kommt bei der Einstellung der Leute weniger auf das Geld an, sondern auf Familie, Freunde und das Umfeld. Jemand, der kaum Geld hat (und ich kenne Einige davon), kann super happy sein. Ich kenne ein Ehepaar, das mit sehr wenig Geld auskommen muss. Die beiden sind aber total glücklich miteinander, machen alles gemeinsam und haben ein tolles Umfeld. Er singt im Chor der Großen Synagoge und sie baut sich neben der Arbeit ihr eigenes Photostudio auf. Peu a peu, denn es ist nicht viel Geld für teure Kameras da. Deshalb wird improvisiert und genau das ist eine israelisch – jüdische Stärke.