Leben in Jerusalem

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Benny Gantz: „Jüdische Anglo – Einwanderer sind nicht israelisch genug!“

B“H
Vor ein paar Wochen behauptete der Netanyahu – Herausforderer Benjamin Benny“ Gantz, dass jüdische Neueinwanderer aus Anglo – Ländern nicht genügend israelisch seien.
Nach diesem Statement fragte ich mich, ob denn die Einwanderer aus den GUS – Staaten oder die Franzosen israelisch genug seien. Jeder jüdische Neueinwanderer, woher er auch immer stammt, bringt seine Eigenheiten mit nach Israel. Ja, man gliedert sich in die israelische Gesellschaft ein, aber irgendwie behält man diverse Eigenschaften. Ob man nun will oder nicht!
Im Jahre 2000 wanderte ich offiziell nach Israel aus. Mit allen Jewish Agency Papieren und blabla. Zuvor hatte ich bereits einige Jahre in Israel gelebt und daher einen riesigen Vorteil gegenüber anderen Neueinwanderern: Unter anderem sprach ich Hebräisch, las israelische Zeitungen und Bücher und war mit der israelischen Mentalität bestens vertraut. Der Kulturschock blieb also aus!
Mit meiner Einwanderung verlor ich, aufgrund der damaligen deutschen Gesetzeslage, meine deutsche Staatsbürgerschaft, doch das war mir ziemlich egal. Viele Jahre lebe ich glücklich und zufrieden mit israelischem Pass. Zwar änderte sich die Gesetzeslage unter Frau Merkel, doch eine Beibehaltung der deutschen Staatsbürgerschaft beantrage ich nicht.
Bei amerikanischen Einwanderern ist das anders, denn Amerikaner sind extreme Patrioten. Gleichzeitig aber verlangt die amerikanische Steuerbehörde IRS von im Ausland lebenden US – Bürgern Steuern. Jeder Amerikaner, selbst im Ausland lebend, muss einmal pro Jahr seine Steuererklärung bei der IRS einreichen. Selbst, wenn er schon jahrzehntelang nicht mehr in den USA lebt und im Ausland vielleicht ein Sozialfall ist.
Eine Menge Israelis lieben die USA und betrachten es sozusagen als ihr Traumland. Wer würde dort nicht gerne wohnen? So die Wunschvorstellung vieler Israelis. Einmal im Land der unbegrenzten Möglichkeiten angekommen, glucken Israelis trotzdem wieder in ihren eigenen Communities zusammen. Eine israelische Eingenart. 🙂 Aber man ist halt in den USA und das gilt in Israel bei manchen als Prestige.
Englisch zählt in Israel zu den begehrtesten Fremdsprachen. Vor allem bedeuten gute Englischkenntnisse ein Weiterkommen in der eigenen beruflichen Karriere. Und es ist nicht ungewöhnlich, dass Firmen wie INTEL Vorstellungsgespräche auf Englisch führen und sogar die Armee bei Offizieren oder Angestellten der Cyber Security gute Englischkenntnisse verlangen. In Israel spielt die englische Sprache eine wesentlich größere Rolle als in Deutschland. Ständig wird man in diversen Jobs mit der Fremdsprache konfrontiert oder es wird mit eingewanderten Anglos zusammengearbeitet, die da erst Hebräisch lernen müssen.
Nur kurz nebenbei: Deutsch spielt in Israel keine Rolle! 
Ich kenne viele Anglos aus den USA, Kanada, UK, Australien oder aus Südafrika, die da super Hebräisch gelernt haben und voll integriert sind. Andererseits kenne ich genauso viele Anglos, die niemals Hebräisch lernten, da ihnen die Sprache, aus welchen Gründen auch immer, nicht liegt. Trotzdem arbeiten sie oder leiten ihre eigenen Firmen. Auf Englisch lässt sich in Israel in den meisten Fällen (jedoch nicht immer) kommunizieren.
Zudem sind Einwanderer aus Anglo – Ländern beliebter als, zum Beispiel, Einwanderer aus den GUS – Staaten. Allein schon wegen der Sprache und der Mentalität. Ferner gelten Amerikaner als jüdischer. Und das nicht nur auf die Religion bezogen.
Jüdische Amerikaner in Israel sind keine Seltenheit und viele von ihnen sind Ärzte, Hightech – Experten oder Wissenschaftler. Andere machen sich selbstständig und viele von ihnen kommen sehr gut ausgebildet und noch dazu mit Geld, welches sie sich in den Staaten erarbeitet haben.
Mein Freundeskreis beinhaltet extrem viele Amerikaner und ich komme mit ihnen sehr gut klar. Wir haben dieselbe Mentalität und einige Angewohnheiten habe ich von ihnen übernommen genauso wie andere Angewohnheiten aus der israelischen Gesellschaft. Ich betrachte mich nach mehr als zwei Jahrzehnten als irgendeinen Mischmasch und täte mich in Deutschland sehr schwer. Die fehlende Offenheit und Ungezwungenheit würde mich in Deutschland unglücklich machen.
Versteht mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen Deutschland oder Deutsche, doch die dortige Mentalität, gerade das aktuelle weichgespülte Einerlei, liegt mir absolut nicht.
Anglo – Einwanderer passen sich in Israel an, dennoch pochen sie auf eine gewisse Verhaltensweise. Wenn so mancher Israeli ihnen rotzfrech daherkommt, wird schnell der Vergleich „amerikanischer Service versus israelische Chutzpe“ angestellt. Israelis geben nichts darauf, oft plump draufloszuplappern und rotzfrech zu wirken. Anglos fühlen sich schnell dadurch beleidigt, denn in ihren Heimatländern wäre ein Angestellter, der sie im Befehlston angeht, sofort entlassen worden. Nicht so in Israel.
Was ich meinen Anglo – Freunden immer wieder sage: Nicht jeder Israeli kann sich so toll auf Englisch ausdrücken und dann klingt vieles schon mal daneben. Ein kleines Beispiel: Eine Bekannte ging zum CT Scan, weil sie unter Nackenschmerzen leidet. Daraufhin sagte ihr die Krankenschwester, dass ihre Wirbelsäule halt alt sei.
In den Ohren der Amerikanerin klang das in holprigem Englisch erfolgte Statement skurril und geradezu lustig. Die Krankenschwester aber wusste sich in der Fremdsprache offenbar nicht anders zu helfen.
In meinen Augen sind Juden aus Anglo – Ländern sehr zionistisch eingestellt. Ansonsten würden sie in den USA, etc. bleiben, wo es ihnen wirtschaftlich deutlich besser ging. Anglo – Juden besitzen in vielen Fällen zionistische Ideale und einmal in Israel leben ist ein Traum.
In der israelischen Politik spielen sie dagegen kaum ein Rolle. Als Wähler jedoch schon und mit seiner Behauptung verscherzte Gantz sich die Stimmen der Anglos. Mit den Russen hat er sich lieber nicht angelegt, denn dann wäre er stimmenmäßig erst recht aufgeschmissen gewesen.
Wer Anglos in der Politik sucht: Naftali Bennett ist einer von ihnen. Zu Unrecht wird Netanyahu seit Jahren als halber Amerikaner beschimpft, was nicht immer zutrifft. Andererseits stehen ihm die USA näher als Europa. Emotional ist er den USA verbunden, denn er lebte dort lange Zeit. Deutschland hingegen sagt ihm nichts.
Eine Menge US – Juden lieben Bibi, denn er spricht nicht nur ihre Sprache, sondern kann mit ihnen auf derselben Ebene kommunizieren. Golda Me’ir konnte das einst auch. Sowohl als auch der kürzlich verstorbene Moshe Arens.
Es mag sein, dass Anglos zusammenhängen, aber das tun Russen genauso wie Neueinwanderer aus Frankreich oder aus Südamerika. Es ist eine Sache der gemeinsamen Mentalität und im Ausland glucken, wie gesagt, Israelis ebenso zusammen. Schnell ist ein gemeinsamer Nenner da. Und sei es nur der Armeedienst, Cottage Cheese oder Bamba. So typisch Israelisches halt. Gleichzeitig aber stehen die USA den meisten Israelis auch näher als Europa, denn in Amerika spielt die Musik.
Auf alle Fälle hat sich Gantz mit seinem Statement keinen Gefallen getan, aber ich nehme an, dass er einen ausschließlich israelischen Bekanntenkreis pflegt.

Beantwortung von allerlei Leserfragen

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Mein Stadtteil Abu Tur in Jerusalem – Copyright: Miriam Woelke
B“H
Wann wird in Israel gewählt?
Am Dienstag, dem 9. April 2019.
Knesset – Wahlen finden immer an einem Dienstag statt und dieser Tag ist für alle israelischen Staatsbürger ein freier Tag. Keine Arbeit, ausschlafen und wer doch arbeitet (z.B. Gastronomie), bekommt deftige Feiertagszuschläge, die einem dann hinterher das Finanzamt wieder wegnimmt. 🙂 

 

Müll in Jerusalem?
Hm, was soll ich da antworten?
Die Müllabfuhr kommt jeden Tag außer am Schabbat. Es gibt extra Tonnen für Altpapier und Plastik. Ich hörte, dass bei uns in der Stadt langsam Glascontainer eingeführt werden sollen. 

 

Wo ist die Mishkenot Shaanim Street? 
Nahe der Cinematheque, des Bell Park und des Jaffatores. Dort, wo die Windmühle gegenüber der Altstadtmauer ist. 

 

Müssen sich Frauen in Palästina bedecken?
Ist mit der Frage die palästinensische Autonomie gemeint?
Ich glaube nicht, dass man sich, wie im Iran, bedecken muss. Auch Kopftuch / Hijab etc. ist kein Muss. Es gibt total viele palästinensische Mädels / Frauen, die modern sind. Sprich, Jeans, kurze Shirts, etc. tragen. Dann gibt es Frauen, die haben eine Hijab auf. Von müssen kann jedoch keine Rede sein. 

 

Deutsche Ärzte in Jerusalem?
Ihr solltet Euch daran gewöhnen, dass sich in Israel alles auf Hebräisch, Arabisch, Englisch, Russisch, Spanisch oder Französisch abspielt. Heißt, dass sich immer Leute finden, die notfalls in diesen Sprachen aushelfen können. Deutsch ist in Israel nicht verbreitet und um als Arzt praktizieren zu dürfen, muss jemand israelischer Staatsbürger sein.
Vielleicht findet sich in Ostjerusalem oder Ramallah ein Arzt, der Deutsch spricht, denn einige Palästinenser haben in Deutschland Medizin studiert. 

 

Staatsbürgerschaft Israel?
Für Juden aus aller Welt, die offiziell nach Israel einwandern. 

 

Wie viele orthodoxe Juden gibt es?
Eine ganze Menge und man sieht nicht jedem an, dass er orthodox lebt. Mir sieht man es auch nicht an. Orthodox bedeutet nicht gleich Schläfenlocken, schwarzer Kaftan, langer Rock und zurückgeblieben fundamentalistisch. 

 

Wovon leben orthodoxe Juden?
Also ich gehe arbeiten und andere Leute tun das auch. Ich habe sogar gleich nach meiner Krankenhausentlassung (nach einer OP) fast sofort wieder gearbeitet. Zwar erst einmal von daheim aus, aber soziale Absicherungen gibt es in Israel keine wie in Deutschland. Sogar im Falle einer einfachen Chemotherapie müsste ich weiterarbeiten.
In Israel geht man arbeiten, denn das Leben ist teuer und, wie gesagt, mit Sozialhilfe und so, ist es nicht so weit her. Davon kann keiner leben und wir sind nicht so toll abgesichert wie Ihr in Deutschland, der Schweiz oder Österreich. 

 

Wahlumfragen?
Nach Umfragen kann man sich nicht richten. Mal soll der gewinnen und dann wieder der. Bibi Netanyahu wird in Jerusalem sehr viele Stimmen bekommen. Von mir vermutlich auch. Und das nicht, weil sein Bruder mein Nachbar ist. 🙂 

 

Sozialsystem Israel?
Es ist garantiert nicht so bequem wie in Deutschland und wir müssen viel aus dem eigenen Portemonnaie dazubuttern. Auch bei Medikamenten, Zahnarzt oder Brillen.
Das Sozialsystem gilt für israelische Staatsbürger und nicht für Ausländer. Abzocken geht nicht, denn es gibt eh nicht viel und falls ja, wird beim Antragsteller daheim die Bude auseinandergenommen. Selbst bei chronisch Kranken oder Rollstuhlfahrern. Da sind die Behörden nicht besonders freundlich drauf. 

 

Ist Jerusalem sicher?
Eindeutig ja. Hier könnt Ihr auch des Nachts rumlaufen, aber meidet arabische Gebiete und die Parks nahe der Altstadt. Ansonsten könnt Ihr zu jeder Tageszeit unbehelligt herumlaufen. Egal, ob Männlein oder Weiblein.

„Go and get a Life!“

B“H
Meines Wissens nach war es schon der zweite Bericht im israelischen Fernsehen: Ein deutscher Ex – Neonazi konvertierte zum Judentum und machte dieser Tage offenbar Aliyah. Heißt, er wanderte nach Israel auf.
Der gestrige kurze TV – Bericht zeigt ihn am Tel Aviver Strand und wie er seinen Rollkoffer ins Kabbalah Center hievt und dort offensichtlich auch wohnt.
Ich wünsche dem Neuankömmling alles Gute, muss aber gleichzeitig sagen, dass dieser Publicity Start nicht unbedingt von Vorteil ist. Okay, viele Israelis sehen die Story durchaus positiv. An seiner Stelle hätte ich mein altes Leben etwas hinter mir gelassen und im Judentum sowie in Israel einen kompletten Neustart gemacht. Und zwar anonym, ohne herauszuposaunen, dass ich einmal Neonazi war und konvertierte.
Versteht mich nicht falsch:
Es geht nicht um die Ansage, dass jemand einmal Neonazi war, sondern vielmehr darum, dass derjenige von nun an automatisch mit dieser Vergangenheit identifiziert wird. A la „Man geht zum Einkaufen und an der Kasse fragt der Kassierer – Hey bis Du nicht der Neonazi aus dem Fernsehen?“
Und viele Israelis fassen das eben nicht positiv aus.
Ich halte es für falsch, all das der Nation mitzuteilen. Stattdessen gilt es, sich in Israel ein neues Leben aufzubauen. Sprich, die Sprache lernen, Behördengänge, Job – und Wohnungssuche. Sich nicht in ein kleines deutsches Ghetto zu begeben, sondern sich in die hiesige Gesellschaft integrieren. Und das ohne sich jedermann vorzustellen:
„Hallo, mein Name ist so und so und ich war mal Neonazi, bin dann aber konvertiert!“
Im Fernsehen gibt es fünf Minuten Fame und dann schlägt der Alltag zu. Aber so richtig.
Und noch ein Tipp an den Betroffenen:
Wenn Du wirklich das Judentum ausgiebiger kennenlernen willst, dann gehe nicht ins subversive Kabbalah Center, sondern zu Machon Meir in Jerusalem. Aber ohne Fernsehkameras!

Jude = Israeli?

B“H
Ich will nicht sagen, dass es in anderen Ländern anders ist. Trotzdem kommt gerade in Deutschland immer wieder die Meinung auf, dass ein Jude automatisch dem Staat Israel angehöre. „Solle sich doch Israel um russische Kontigent – Flüchtlinge aus Deutschland kümmern. Genauso wie um die in Deutschland lebenden Juden.“
Israel kümmert sich um israelische Staatsbürger (Juden, Christen oder Moslems mit der israelischen Staatsangehörigkeit) und nicht um Touristen oder im Ausland lebende Juden, die da keinen israelischen Pass besitzen.
Wenn ein ausländischer Jude sich entscheidet, nicht nach Israel auszuwandern und die israelische Staatsbürgerschaft anzunehmen, dann ist das seine Privatsache. Deutsche Juden ohne eine andere Staatsangehörigkeit sind Deutsche und keine Israelis. Mit Israel haben sie in dem Sinne nichts zu tun.
Zu den russischen Kontigent – Flüchtlingen muss gesagt werden, dass viele von denen gar keine halachischen Juden sind. In Israel würde das Oberrabbinat mehr als die Hälfte nicht als Juden anerkennen.
Genauso wie heutzutage Tausende Moslems, sprangen in den 90iger Jahren eine Menge Russen auf den Ausreisezug nach Deutschland, in die USA oder nach Israel auf. Man behauptete, Jude zu sein und kaufte sogar dementsprechende Papiere. Schnell stellte sich in Israel heraus, dass die Jewish Agency Tausende Russen einwandern liess, die keine Juden sind. Mehr als 70% der russischen Kontingent – Flüchtlinge, die nach Israel kamen, sind keine Juden. In Deutschland ist das nichts anders und diverse deutsch – jüdische Gemeinden wissen das sehr wohl. Kann sein, dass ich jetzt niedergemacht werde, aber die Realität lässt sich nicht verleugnen. In Israel kurven eine Menge Russen herum, die keine Juden sind.
Bei den Russen stand Deutschland an erster Einwanderungsstelle, denn es gibt dort die besten Sozialleistungen. In Israel gibt es einmalige Zahlungen und das war es. Hierzulande muss hart gearbeitet werden und Renten sowie Sozialhilfe halten sich in sehr engen Grenzen. Gerade jetzt im Winter, so aktuell die hiesige Presse, müssen sich zahlreicheRentner einschränken. Die Heizkosten sind enorm und da denkt so mancher nach, ob er heizt oder lieber Lebensmittel einkauft. Beides geht von den staatlichen Renten gar nicht mehr.
Wer nicht privat vorsorgt und spart, hat im Alter das Nachsehen. Dagegen fallen selbst kleine Renten in Deutschland noch großzügig aus. Israel hat es nämlich nicht so mit den Sozialleistungen und jeder muss halt sehen, wie er über die Runden kommt.
Und auch hier gehen sehr viele russische Rentner Flaschen sammeln oder in die Suppenküche. Viele der älteren russischen Generation haben nie richtig Hebräisch gelernt und bleiben daher unter sich. Es gibt russische Zeitungen und russisches TV. Muss jemand aufs Amt, nimmt er jemanden mit, der übersetzt oder die Angestellten im Amt suchen jemanden, der Russisch spricht. Hierzulande verlaufen die Sprachangelegenheiten toleranter als in Deutschland und immer findet sich jemand, der irgendeine Sprache kann und übersetzt. Bei den älteren Franzosen ist das genauso, aber der Unterschied ist, dass viele von denen mit Geld einwandern und nicht zum Sozialamt rennen.
Israel ist ein kleines Land mit begrenzten Möglichkeiten. Ein Land, in dem die Lebenshaltungskosten extrem hoch, die Einkommen eher gering sind und wo die Einwohner hart arbeiten und sparen müssen, um über die Runden zu kommen.  

Auswanderer und ihre Probleme mit daheimgebliebenen Kindern

Auswanderung nach Israel und was aus alten Freunden werden kann

Leserfrage: „Deutschland unfreundlich – auswandern“

B“H
Meiner Meinung nach ist es kein Grund Deutschland zu verlassen, nur weil vielleicht ein paar Leute unfreundlich sind oder weil die Sonne nicht immer so scheint wie man es gerne hätte. Vielmehr gehört zum Auswandern mehr dazu, doch leider meinen heutzutage allzu viele Leute, dass es woanders besser ist als dort, wo man sich gerade befindet.
Es ist nirgendwo auf der Welt besser, denn jedes Land hat seine Pros & Cons. Kein Land auf diesem Planeten ist perfekt und wenn es mir in Deutschland nicht passt, muss das nicht automatisch heißen, dass ich woanders mein absolut perfektes Paradies finde. Vielleicht ja, aber all das ist mit viel Arbeit und Eigeninitiative verbunden. Auch in einem anderen Land muss ich durch alle Höhen und Tiefen gehen. Mit dem Unterschied, dass ich nicht die soziale Absicherung wie in Deutschland habe und mich vermutlich kein Sozialnetz auffängt. 
Nur, weil mir in Deutschland ein paar Leute dumm kommen, bedeutet das noch lange keinen Auswanderungsgrund. In den USA, Australien oder in Israel kommen einem genauso viele Leute dumm. Und im neuen Land beginnt man ganz tief weit unten. Es sei denn, jemand kommt mit viel Geld daher. 
Wobei Israel nur Einwanderungsland für Juden ist und offiziell keine anderen Leute aufnimmt. Neulich erst wurde mir wieder von einem christlichen Ehepaar berichtet, welches hier offenbar seit 21 Jahren auf Touristenbasis lebt. Nun wird das Paar alt und braucht medizinische Versorgung, welche man sich aus Israel erwartet hatte. Nichts da, denn das Innenministerium schmeisst die beiden jetzt raus. Israel kommt für sowas nicht auf, denn es gibt genug Israelis, die staatliche Hilfe brauchen. Für Touristenforderungen zahlen wir keine Steuern.
Generell zum Auswandern benötigt man einen Grund. Zu hohe Steuern, fehlender Sonnenschein und ein paar unfreundliche Leute stellen keinen Grund dar. Steuern werden überall gezahlt und allein in den USA werden mehrere Hundert Dollar Krankenversicherungsbeiträge pro Monat gezahlt.
Ein Paradies aus Erden gibt es nicht, denn es wird immer etwas geben, was einem nicht passt. Die Frage ist, wie damit umgegangen wird. In Australien ist nicht alles perfekt, in den USA nicht, in Israel nicht. Nirgendwo ist es perfekt und falls jemand doch etwas gefunden hat, kann er es mich gerne wissen lassen.
Zuviele Leute, und ich sehe das auch auf Youtube, gehen das Thema AUSWANDERN mit einer unglaublichen Naivität an. Allein an der Landessprache hapert es gewaltig. Dann wird nicht überlegt, wie und ob man eine Job findet, von dem alle Lebenshaltungskosten getragen werden. Ein weiterer Punkt ist der stetige Vergleich mit Deutschland: „In Deutschland ist das aber so und so. In Deutschland ist es sauberer und wieso schaut das hier (im neuen Land) so schlampig aus?“
Ich kann nur jedem raten, vor einer Auswanderung das neue Land gründlich kennenzulernen. Die Sprache zu sprechen, sich mit den Gesetzen vertraut machen, Job suchen, mit vielen Leuten reden und sich bei Behörden ausgiebig zu erkundigen. 
Wer allein ein paar unfreundliche Leute in Deutschland als Auswanderungsgrund betrachtet, wird, ehrlich gesagt, nicht weit kommen und enttäuscht feststellen, dass woanders die Leute nicht immer superfreundlich sind.