Leben in Jerusalem

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Video auf Leserfrage: „In Israel als Arzt / Krankenschwester arbeiten“

 

Weitere Infos hier:
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2018/07/08/leserfrage-als-arzt-in-israel-arbeiten/

„Woche des hebräischen Buches – Shavua HaSefer Ha’Ivri 2019“, „Medikamentenkauf“ & „Neueinwanderer“

B“H
Die alljährlich stattfindende „Woche des hebräischen Buches – Shavua HaSefer Ha’Ivri“ hat gestern begonnen. Enden tut die landesweite Veranstaltung am 22. Juni.
Alle Infos dazu hier auf Hebräisch, denn es handelt sich fast ausschließlich nur um Bücher in hebräischer Sprache.
http://sfarim.org.il/
Eigentlich dachte ich, dass in Jerusalem gleichzeitig nebenan die „Internationale Buchwoche“ stattfindet, doch das war wohl nichts. Als ich gestern am Austragungsort Alter Bahnhof war, fand sich lediglich die „Shavua HaSefer Ha’Ivri“. Ich will dort heute Abend nochmals kurz vorbei und ein paar Photos machen. Ansonsten habe ich mehr als 100 ungelesene Bücher daheim und von daher interessiert mich das Event diesmal nicht besonders. Auch deshalb nicht, weil mein Kopf nicht gerade frei ist. Am Sonntag beginnt die Chemotherapie und gestern war ich in der krankenkasseneigenen Apotheke die verschriebene Medizin besorgen. Mit dem Krankenhaus hatte die Krankenkasse nicht die allerbeste Kommunikation und ich durfte 170 Euro löhnen, obwohl ich alles umsonst hätte bekommen sollen. Aber so ist das nun mal in Israel und ich werde am Sonntag nochmals beim Onkologen vorsprechen. Hoffentlich bekomme ich das Geld zurückerstattet und falls nicht, dann hoffe ich zumindest auf weitere kostenlose Medikamente als Krebspatient. 

 

 

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Photo: Miriam Woelke

Immerhin bin ich ganz stolz auf mich, denn ich habe in dieser Woche einen wahnsinnigen Behördenmarathon hinter mir. Mit sämtlichen Anträgen und anderweitigen Genehmigungen der Krankenkasse. Was ich vor der anstehenden Behandlung abarbeiten konnte, habe ich getan. Zwar bleiben noch so einige Wege zu gehen, aber der Anfang ist gemacht. Und wenn ich wegen der Chemotherapie nicht so kann, wie ich will – Freunde von mir erledigen weitere Behördengänge. Das hat schon nach meiner OP im Oktober super funktioniert.
Hierzulande ist alles mit einem riesigen Bürokratieaufwand verbunden. Immer wieder irgendwohin, Nummer ziehen, ewig lange warten, Dokumente einreichen, Formulare ausfüllen. Aber das ist nun mal Israel und es ist nicht so bequem wie in Deutschland, wo alles automatisch läuft. Und im Krankheitsfall gibt es auch nicht soviel Geld wie in Deutschland und ich werde, so gut oder schlecht es eben geht, versuchen, von daheim aus zu arbeiten. Vom staatlichen Geld kann man nicht gerade leben und ist gezwungen, Eigeninitiative zu ergreifen. Ob nun krank oder nicht. Es sei denn, jemand hat eine Familie mit Geldmittel hinter sich, was ich nicht habe.
Was ich jedem jüdischen Neueinwanderer rate: Die Erwartungen an Israel drastisch herunterzuschrauben und keinen deutschen Sozialstaat zu erwarten. Und das in jeglicher Hinsicht. Zudem muss das deutsche Mindset ausgeschaltet werden, sonst wird das mit der israelischen Gesellschaft nichts.

Yom Yerushalayim, Straßensperren & Aliyah nach Israel

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Photo: Miriam Woelke

 

 

B“H
Heute feiert Jerusalem ganz groß seinen alljährlichen YOM YERUSHALAYIM – JERUSALEMTAG. Jenem Tag im Juni 1967, an dem die israelische Armee im Sechs – Tage – Krieg die Jerusalemer Alstadt von der jordanischen Armee, sprich Besatzung, befreite. Ab dem Zeitpunkt war Jerusalem wieder ganz in israelischer Hand und die Stadt wiedervereinigt. Ohne jegliche jordanischen Grenzposten und Behinderungen von Juden, die an die Klagemauer (Kotel) wollten.
Der heutige Tag wird jedes Jahr mit einer riesigen Flaggenparade gefeiert. Zumeist nationalreligiöse Jugendliche ziehen mit der israelischen Flagge durch die Innenstadt. Beginnen tut die Parade am Sacher Park und danach zieht sich alles durch die Bezalel Street, hinein in die Keren Hayesod, in die Agron bis hin zur Klagemauer (Kotel).
Aufgrund der Parade wird die Innenstadt von circa 15.00 Uhr an teilweise gesperrt. Busse werden umgeleitet, aber die Straßenbahn fährt regulär weiter. Ob ich zur Parade gehe, weiß ich noch nicht. Draußen herrschen 32 Grad Hitze und da ist der Mensch faul und hockt sich lieber in einen kühlen Raum. 🙂
Meine CT Ergebnisse habe ich immer noch nicht und ich gehe davon aus, dass ich sie erst am Dienstag erfahre. Was, im Grunde genommen, eine Sauerei ist nach genau zwei Wochen. Mal schauen, wie das mit dem neuen Onkologen wird und überhaupt. Von ihm will ich mir beim Termin am Dienstagmorgen eine Überweisung für den nächsten CT im August geben lassen. Vielleicht habe ich ja dann meine Ergebnisse bis Dezember. 🙂
Zahlreiche Juden aus Deutschland erkundigen sich bei mir nach der Aliyah. Sprich der Einwanderung nach Israel und wie das halt hier im Land so ist bzw. läuft. Und dann komme ich aktuell mit meinen Krankenhausstories daher. Immerhin von einem renommierten Jerusalemer Hospital (Shaare Zedek Medical Center) und schon fällt den Leuten die Kinnlade runter. Wobei ich mit der Krebsdiagnose vielleicht ein kleiner Extremfall bin, denn welcher eingewanderte Jude aus Deutschland läuft schon damit herum?
Andererseits machen sich potenzielle Einwanderer dann doch ihre Gedanken. Vor allem auch in medizinischer Hinsicht. Was, wenn man denn krank wird und gibt es die richtige Behandlungsmethode und all das Drumherum?
Ja, gibt es. Nur erweisen sich viele Dinge, die im deutschen Sozialstaat absolut selbstverständlich sind, in Israel als idiotisch – kompliziert. Auch ein Kranker muss viel Eigeninitiative ergreifen und ich plane eine extra Facebook Seite dazu. Entweder das oder ich mache einfach nur Videos. So richtig entschieden habe ich mich da noch nicht.
Lasst Euch aber grundsätzlich nicht von der Aliyah abschrecken! Worauf Ihr Euch jedoch unbedingt einlassen solltet: Schaltet das deutsche Mindset aus und kommt mit nicht allzu hohen Erwartungen. Vor allem was den Lebensstandard angeht. Niemand, es sei denn er hat viel Geld, kann denselben Standard erwarten wie in Deutschland. Das funktioniert einfach nicht und Ihr müsst bereit sein, Abstriche zu machen.
Okay, man kann sagen, dass jeder mal klein anfängt. Ob Ihr es jedoch zu Größerem bringt, wird Euch niemand garantieren können. Neueinwanderer sind schon froh, wenn sie ihr Leben finanzieren und der Kühlschrank halbwegs voll ist. Wenn Wohnung und Nachbarn passen und der Job relativ okay ist.
Ich sage nicht, dass Ihr Minimalisten werden sollt, aber wer kommt und nicht gerade reich ist, wird gezwungen sein, seine Erwartungen drastisch herunterzuschrauben. Gleichzeitig verbunden mit dem Talent, sich auf Neues einzulassen und sich in eine völlig anders funktionierende Gesellschaft zu integrieren.

Tel Aviv: „Von Banana Beach bis Yad Eliyahu“

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Am Strand von Tel Aviv mit Blick auf die Stadt Yaffo im Hintergrund. – Photo: Miriam Woelke

B“H
Auf Focus oder Welt Online war zu lesen, dass Jerusalem extra eine Literaturfestival veranstaltet. Sozusagen als Gegenpart zum Eurovision in Tel Aviv. 
Der Journalist, der diese Ansicht verbreitet, gehört versenkt, denn das stimmt absolut nicht. In jedem Mai / Juni finden in Jerusalem Literaturveranstaltungen statt und der Eurovision hat damit nichts zu tun. Im kommenden Monat findet landesweit die „Woche des hebräischen Buches – Schavua HaSefer Ha’Ivri“ statt. Gleich nebendran können die Besucher der Jerusalemer Buchwoche in eine Ausstellungshalle am Alten Bahnhof gehen, wo die „Internationale Buchmesse“ ausgetragen wird.
Die „Woche des hebräischen Buches“ findet jedes Jahr im Juni statt und die „Internationale Buchmesse“ von Jerusalem alle zwei Jahre. In diesem Jahr können beide Messen, die nebeneinander geparkt sind, wie immer, kostenlos besucht werden.
Der Eurovisions – Contest ist vorbei und hoffentlich findet Tel Aviv wieder zur Normalität zurück. Ich denke, dass sehr viele ausländische Besucher die Stadt für eine Art New York, Paris, Berlin, London oder Barcelona hält. Das moderne Israel wie man es sich wünscht. Ohne all die religiösen Juden an anderen Orten und überhaupt.
Es ist leicht, von der Tel Aviv – Blase angezogen zu werden, wobei dann schnell vergessen wird, dass die Stadt allein nicht das Land Israel repräsentiert. Was der Besucher sieht, zeigt nur einen kleinen Einblick in den wirklichen Alltag der Stadt. Als ich im Jahre 2011 in Tel Aviv gelebte, hatte ich einen Arbeitskollegen, der bei uns am Arbeitsplatz auf einer Matratze schlief, weil er keine Wohnung fand. Nachdem wir alle Feierabend machten, breitete der Arbeitskollege seine Sachen aus und wohnte sozusagen dort. Das war sehr traurig mitanzusehen und erst nach ein paar Monaten fand er eine feste Bleibe. Mir wurde berichtet, dass auch schon andere Arbeitskollegen dort zeitweise „gewohnt“ hatten. Immer bei Freunden und so geht auch nicht. Und unser Boss hatte damit kein Problem, was extrem kulant war.
In Tel Aviv zu leben, bedeutet eine finanzielle Herausforderung und selbst mit dem nötigen Kleingeld ist es oftmals nicht getan. Was tun, wenn sich einfach keine Wohnmöglichkeit auftut? Viele Bewohner sind eh gezwungen, in WGs zu wohnen, denn wer kann sich allein eine Wohnung leisten? Vielleicht noch im Billigstadtteil Yad Eliyahu, doch auch dort ziehen die Preise an. Schlimmstenfalls pennen die Leute halt am Banana Beach, doch dort muss man aufpassen wegen Drogen und so.
Vor ein paar Monaten berichtete der israelische TV – Sender KAN von einem deutschen Ex – Neonazi namens Lutz, der kürzlich in Deutschland zum Judentum konvertierte und vor ein paar Monaten Aliyah nach Israel machte. Sprich, er wanderte nach Israel aus. Man sah ihn im Fernsehen mit seinem kleinen Rollkoffer ins Tel Aviver Kabbalah Center einziehen. Offenbar kann Lutz nur Deutsch und so traf er im Center irgendwelche Deutsche, die ihn da wohl einwiesen.
Lutz! An Deiner Stelle hätte ich mich niemals öffentlich gezeigt. Konvertiere, wenn Du Lust hast und mache Aliyah. Anhand der Medien aber bist Du jetzt im Land als Ex – Neonazi bekannt. Echt super!
„Da kommt Lutz, der Neo – Nazi!“ Sowas musst Du Dir garantiert von vielen Leuten ironischerweise anhören. Man sollte schon ein bisschen weiterdenken und seine Einwanderung nicht ausgerechnet so starten. Da macht man sich ja superbeliebt. Besonders bei den Arssim, wenn Du schon gelernt hast, wer in Israel so genannt wird. Diverse sephardische Juden und die werden nicht von Dir beeindruckt sein.
Und warum zieht man ins Kabbalah Center, anstatt sich ein richtiges Leben aufzubauen? Das fragten zahlreiche Israelis in Leserkommentaren. Die wollten wissen, ob Lutz arbeitet, einen Job gefunden hat und sich in die Gesellschaft integriert.
Ich hätte verstanden, wäre Lutz nach Jerusalem gezogen und lernte bei Machon Me’ir oder Aish HaTorah. Wenn er denn seine Kenntnisse auf jüdischem Gebiet erweitern will und ernsthaft bei der Sache ist. Das Kabbalah Center jedoch ist wischiwaschi und hat mit orthodoxem Judentum nichts zu tun.
Ich habe keine Ahnung, was jetzt mit dem Typen wird. Meiner Meinung nach hätte er bei seiner Vergangenheit ohne TV – Kameras einwandern sollen. Jetzt ist es eh zu spät und er ist halt der Ex – Neonazi.
Den Eurovisions – Contest selber habe ich mir gestern Abend nicht angetan. Ehrlich gesagt, kenne ich kein einziges Lied vom gestrigen Event. Vielleicht schaue ich mir auf Youtube den Siegersong einmal an.
Die Musik ist normalerweise von schlechter Qualität und bei den Sängern handelt es sich um irgendwelche Freaks. Dazu Madonna, die sich selber ins Gerede brachte und anbiederte. Da ging ich lieber pünktlich ins Bett, denn heute Morgen mussten wir alle wieder raus zur Arbeit. 🙂

Leserfrage: „Macht die Aliyah (Einwanderung nach Israel) Sinn?

B“H
Aufgrund dieses Blogs ergibt sich mit der Anschein als befassten sich zahlreiche in Deutschland lebende Juden mit dem Gedanken, nach Israel auszuwandern. Sprich, Aliyah zu machen, wie das in der hebräischen Sprache so schön heißt. 
Der in Deutschland zunehmende Antisemitismus ist sicherlich nur ein Grund, denn insgesamt finden in Deutschland drastische gesellschaftliche Veränderungen statt, die irgendwann zur Explosion führen werden. Selbst die Meinungsfreiheit ist nicht mehr das, was sie einmal war, da es schnell zu einer gesellschaftlichen Ausgrenzung kommen kann. Und Internet – mäßig befindet sich Europa auf dem direkten Weg in die Zensur. 
Die Bundesregierung huldigt den toten Juden des Holocaust, andererseits stellt man sich gleichzeitig auf die Seite der arabischen Israelhasser. Allen voran Heiko Maas und Frank – Walter Steinmeier.
Innerhalb der europäischen Grenzen zu bleiben, macht für Juden wenig Sinn, denn selbst in England steigt der Antisemitismus. Israel stellt für Juden die einfachste Alternative dar, denn die Einwanderung ist unkompliziert. Man erhält den Flug ins Land kostenlos von der Jewish Agency und es gibt diverse Einwanderungshilfen. Die Frage, die sich jedoch stellt ist realistischer Natur: In Deutschland geht es den Leuten meisten gut und das deutsche Sozialsystem ist immer noch eines der besten der Welt. Wer ins Ausland zieht, muss gerade in diese Richtung deftige Abstriche machen. Es sei denn, jemand zieht nach Skandinavien. 
In Deutschland ist irgendwie alles geordnet und wer dort aufwächst weiß, wohin er sich wenden muss. An welche Behörde und überhaupt. Als Deutscher kennt man die Mentalität und wie andere Leute reagieren. Wie man sich selber wehren kann, der gesetzliche Kram, seine eigenen Rechte und Blablabla. Ganz im Gegensatz zum Leben im Ausland, wo jemand in eine völlig andere Gesellschaftsordnung eintritt und zudem der Sprache noch nicht einmal richtig mächtig ist. Die Jewish Agency ist dabei keine Hilfe und die einzige Möglichkeit, die dem Neuankömmling bleibt ist sich entweder alleine durchzuwurschteln und jedes kleine Detail zu erlernen oder sich vielleicht mit ehemaligen Landsleuten auszutauschen. 
Nun ist Israel ein Land mit extrem vielen Neueinwanderern und ein weiterer Neuankömmling ist keineswegs etwas Außergewöhnliches. Geborene Israelis werden in fast in jeder Lebenslage mit Neueinwanderern konfrontiert und man ist größtenteils sehr tolerant. Es wird nicht gekichert, wenn ein Neueinwanderer saftige Fehler in der hebräischen Sprache macht. Da ist man, wie auch US – Amerikaner, extrem tolerant. Andererseits wird verlangt, dass sich der Neue anpasst und in die Gesellschaft einfügt. Sprich, sich einen Job sucht und zumindest ein kommunikatives Hebräisch erlernt. Jude sollte er auch sein, denn sonst wird hinter dem Rücken nicht selten getratscht. 
Verständlicherweise fragen sich auswanderungswillige Juden, ob sich die Einwanderung nach Israel lohnt. Nicht in finanzieller Hinsicht. Da ganz bestimmt nicht! Aber wie ist es, wenn der Neueinwanderer auf Jobsuche gehen muss? Finanzierbarer Wohnraum und überhaupt. Israel ist ein teures Land mit verhältnismäßig geringen Einkommen. Eine Tatsache, die mittlerweile recht bekannt sein dürfte. Die soziale Absicherung, die jemand in Deutschland erfährt, gilt in Israel nicht. Es sei denn, jemand ist wohlhabend, was jedoch auf die Wenigsten zutreffen dürfte. 
Falls jemand Fragen hat, kann er sich gerne mit mir auf Skype unterhalten. Jemand machte mir gestern bereits den Vorschlag und leider hatte ich zuvor nicht an diese Möglichkeit gedacht. Auch plane ich demnächst einen weiteren Youtube Live Stream zu eben dieser Thematik.

Yom HaShoah – Israelischer Holocaust – Gedenktag

B“H
An diesem Mittwochabend um 20.00 Uhr beginnt in Israel offiziell der diesjährige YOM Ha’SHOAH – Holocaustgedenktag.
Gegen 18.00 Uhr schließen landesweit, außer in arabischen, drusischen und christlichen Gegenden, sämtliche Läden, Restaurants und Cafes. Kinos bleiben ebenfalls bis zum darauffolgenden Tag geschlossen.
Die offiziellen Gedenkfeiern beginnen, wie gesagt, um 20.00 Uhr mit einer Veranstaltung im Yad Vashem. Dem Jerusalemer Holocaust – Museum.
Die Veranstaltung wird live im Internet sowie im israelischen Fernsehen übertragen und ich werde diesbezüglich noch einen entsprechenden Link geben.
Am Donnerstagmorgen um 10.00 Uhr wird landesweit ein zweiminütiger Sirenenton zu hören sein, bei dem der Verkehr zum Stillstand kommt und insbesondere ausländische Journalisten und Touristen sich zwischen Israelis, die da stillstehen, austoben und wie wild herumfilmen.
Der Yom HaShoah ist, nach wie vor, ein Trauertag in Israel, der da sehr ernst genommen wird. Auch in Schulen und Unis laufen Gedenkveranstaltungen.
Aktuell bringt WELT ONLINE einen bezahlten Artikel über junge Juden aus Deutschland, die da nach Israel ziehen / auswandern, weil ihnen der Antisemitismus in Deutschland zu nervig wird. Ich kann nur jedem Juden in Deutschland raten, entweder nach Israel zu ziehen oder Europa ganz zu verlassen. Mit der Zeit wird der Antisemitismus noch wesentlich schlimmer werden und das nicht nur aufgrund von muslimischen Migranten. Wie man sieht, laufen genug deutsche Antisemiten herum, die da gegen Israel, israelische Politiker, Judentum und Juden allgemein wettern. Man schaue sich nur auf Youtube um, wo selbst der größte deutsche Streamer, Montana Black, in seinen asozialen Videos seinen Freund Rene „der Jude Rene“ nennt.
Aber nicht nur Montana Black zeigt sich wiederholt antisemitisch. Schimpfwörter wie „Du Jude“ liegen bei der deutschen Jugend total im Trend. Erwachsene hingegen ziehen es vor, Israel alles vorschreiben zu wollen und offenbar scheint jeder ein Experte zu sein. Keine Ahnung vom Alltag in Israel, aber sich Experte schimpfen!
Ich bin froh, dass ich mich mit derartigen Leuten nicht mehr abgeben muss. Da schon lieber in Israel leben.

Benny Gantz: „Jüdische Anglo – Einwanderer sind nicht israelisch genug!“

B“H
Vor ein paar Wochen behauptete der Netanyahu – Herausforderer Benjamin Benny“ Gantz, dass jüdische Neueinwanderer aus Anglo – Ländern nicht genügend israelisch seien.
Nach diesem Statement fragte ich mich, ob denn die Einwanderer aus den GUS – Staaten oder die Franzosen israelisch genug seien. Jeder jüdische Neueinwanderer, woher er auch immer stammt, bringt seine Eigenheiten mit nach Israel. Ja, man gliedert sich in die israelische Gesellschaft ein, aber irgendwie behält man diverse Eigenschaften. Ob man nun will oder nicht!
Im Jahre 2000 wanderte ich offiziell nach Israel aus. Mit allen Jewish Agency Papieren und blabla. Zuvor hatte ich bereits einige Jahre in Israel gelebt und daher einen riesigen Vorteil gegenüber anderen Neueinwanderern: Unter anderem sprach ich Hebräisch, las israelische Zeitungen und Bücher und war mit der israelischen Mentalität bestens vertraut. Der Kulturschock blieb also aus!
Mit meiner Einwanderung verlor ich, aufgrund der damaligen deutschen Gesetzeslage, meine deutsche Staatsbürgerschaft, doch das war mir ziemlich egal. Viele Jahre lebe ich glücklich und zufrieden mit israelischem Pass. Zwar änderte sich die Gesetzeslage unter Frau Merkel, doch eine Beibehaltung der deutschen Staatsbürgerschaft beantrage ich nicht.
Bei amerikanischen Einwanderern ist das anders, denn Amerikaner sind extreme Patrioten. Gleichzeitig aber verlangt die amerikanische Steuerbehörde IRS von im Ausland lebenden US – Bürgern Steuern. Jeder Amerikaner, selbst im Ausland lebend, muss einmal pro Jahr seine Steuererklärung bei der IRS einreichen. Selbst, wenn er schon jahrzehntelang nicht mehr in den USA lebt und im Ausland vielleicht ein Sozialfall ist.
Eine Menge Israelis lieben die USA und betrachten es sozusagen als ihr Traumland. Wer würde dort nicht gerne wohnen? So die Wunschvorstellung vieler Israelis. Einmal im Land der unbegrenzten Möglichkeiten angekommen, glucken Israelis trotzdem wieder in ihren eigenen Communities zusammen. Eine israelische Eingenart. 🙂 Aber man ist halt in den USA und das gilt in Israel bei manchen als Prestige.
Englisch zählt in Israel zu den begehrtesten Fremdsprachen. Vor allem bedeuten gute Englischkenntnisse ein Weiterkommen in der eigenen beruflichen Karriere. Und es ist nicht ungewöhnlich, dass Firmen wie INTEL Vorstellungsgespräche auf Englisch führen und sogar die Armee bei Offizieren oder Angestellten der Cyber Security gute Englischkenntnisse verlangen. In Israel spielt die englische Sprache eine wesentlich größere Rolle als in Deutschland. Ständig wird man in diversen Jobs mit der Fremdsprache konfrontiert oder es wird mit eingewanderten Anglos zusammengearbeitet, die da erst Hebräisch lernen müssen.
Nur kurz nebenbei: Deutsch spielt in Israel keine Rolle! 
Ich kenne viele Anglos aus den USA, Kanada, UK, Australien oder aus Südafrika, die da super Hebräisch gelernt haben und voll integriert sind. Andererseits kenne ich genauso viele Anglos, die niemals Hebräisch lernten, da ihnen die Sprache, aus welchen Gründen auch immer, nicht liegt. Trotzdem arbeiten sie oder leiten ihre eigenen Firmen. Auf Englisch lässt sich in Israel in den meisten Fällen (jedoch nicht immer) kommunizieren.
Zudem sind Einwanderer aus Anglo – Ländern beliebter als, zum Beispiel, Einwanderer aus den GUS – Staaten. Allein schon wegen der Sprache und der Mentalität. Ferner gelten Amerikaner als jüdischer. Und das nicht nur auf die Religion bezogen.
Jüdische Amerikaner in Israel sind keine Seltenheit und viele von ihnen sind Ärzte, Hightech – Experten oder Wissenschaftler. Andere machen sich selbstständig und viele von ihnen kommen sehr gut ausgebildet und noch dazu mit Geld, welches sie sich in den Staaten erarbeitet haben.
Mein Freundeskreis beinhaltet extrem viele Amerikaner und ich komme mit ihnen sehr gut klar. Wir haben dieselbe Mentalität und einige Angewohnheiten habe ich von ihnen übernommen genauso wie andere Angewohnheiten aus der israelischen Gesellschaft. Ich betrachte mich nach mehr als zwei Jahrzehnten als irgendeinen Mischmasch und täte mich in Deutschland sehr schwer. Die fehlende Offenheit und Ungezwungenheit würde mich in Deutschland unglücklich machen.
Versteht mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen Deutschland oder Deutsche, doch die dortige Mentalität, gerade das aktuelle weichgespülte Einerlei, liegt mir absolut nicht.
Anglo – Einwanderer passen sich in Israel an, dennoch pochen sie auf eine gewisse Verhaltensweise. Wenn so mancher Israeli ihnen rotzfrech daherkommt, wird schnell der Vergleich „amerikanischer Service versus israelische Chutzpe“ angestellt. Israelis geben nichts darauf, oft plump draufloszuplappern und rotzfrech zu wirken. Anglos fühlen sich schnell dadurch beleidigt, denn in ihren Heimatländern wäre ein Angestellter, der sie im Befehlston angeht, sofort entlassen worden. Nicht so in Israel.
Was ich meinen Anglo – Freunden immer wieder sage: Nicht jeder Israeli kann sich so toll auf Englisch ausdrücken und dann klingt vieles schon mal daneben. Ein kleines Beispiel: Eine Bekannte ging zum CT Scan, weil sie unter Nackenschmerzen leidet. Daraufhin sagte ihr die Krankenschwester, dass ihre Wirbelsäule halt alt sei.
In den Ohren der Amerikanerin klang das in holprigem Englisch erfolgte Statement skurril und geradezu lustig. Die Krankenschwester aber wusste sich in der Fremdsprache offenbar nicht anders zu helfen.
In meinen Augen sind Juden aus Anglo – Ländern sehr zionistisch eingestellt. Ansonsten würden sie in den USA, etc. bleiben, wo es ihnen wirtschaftlich deutlich besser ging. Anglo – Juden besitzen in vielen Fällen zionistische Ideale und einmal in Israel leben ist ein Traum.
In der israelischen Politik spielen sie dagegen kaum ein Rolle. Als Wähler jedoch schon und mit seiner Behauptung verscherzte Gantz sich die Stimmen der Anglos. Mit den Russen hat er sich lieber nicht angelegt, denn dann wäre er stimmenmäßig erst recht aufgeschmissen gewesen.
Wer Anglos in der Politik sucht: Naftali Bennett ist einer von ihnen. Zu Unrecht wird Netanyahu seit Jahren als halber Amerikaner beschimpft, was nicht immer zutrifft. Andererseits stehen ihm die USA näher als Europa. Emotional ist er den USA verbunden, denn er lebte dort lange Zeit. Deutschland hingegen sagt ihm nichts.
Eine Menge US – Juden lieben Bibi, denn er spricht nicht nur ihre Sprache, sondern kann mit ihnen auf derselben Ebene kommunizieren. Golda Me’ir konnte das einst auch. Sowohl als auch der kürzlich verstorbene Moshe Arens.
Es mag sein, dass Anglos zusammenhängen, aber das tun Russen genauso wie Neueinwanderer aus Frankreich oder aus Südamerika. Es ist eine Sache der gemeinsamen Mentalität und im Ausland glucken, wie gesagt, Israelis ebenso zusammen. Schnell ist ein gemeinsamer Nenner da. Und sei es nur der Armeedienst, Cottage Cheese oder Bamba. So typisch Israelisches halt. Gleichzeitig aber stehen die USA den meisten Israelis auch näher als Europa, denn in Amerika spielt die Musik.
Auf alle Fälle hat sich Gantz mit seinem Statement keinen Gefallen getan, aber ich nehme an, dass er einen ausschließlich israelischen Bekanntenkreis pflegt.