Leben in Jerusalem

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Blumenkohlsuppe und Fragen an die Leserschaft

B“H
In Jerusalem braut sich draußen so einiges zusammen. Ein neues Unwetter steht diese Woche bevor. Sturm, Regen, Kälte, Graupelschauer am Mittwoch und am Freitagmorgen soll es sogar Bodenfrost geben. Ich jedenfalls bin froh, wenn es Frühling wird, denn das nasskalte Wetter ist nichts für mich.
Wer ein weiteres gutes Kochrezept für kalte Wintertage sucht:
1 Blumenkohl
1 Kohlrabi
Sellerie
Knoblauch
Zwiebel und Gewürze nach Wahl
Alles zusammen kochen und dann mit einer electric kitchen wand zu einer Suppe verarbeiten. Wie das genau auf Deutsch heißt, weiß ich nicht, aber hier sind Photos:
Israelische Medien berichten von einem drastischen Anstieg des Tourismus im Jahre 2018. Etwas mehr als 4 Mio Touristen besuchten Israel. Darunter 38,000 Deutsche. 
Mich würde einmal interessieren, warum Ihr nach Israel reisen wollt und was genau Ihr erwartet. Und, weil noch Platz in dem Buch ist, an dem ich gerade schreibe:
Habt Ihr Themen / Fragen, die Euch interessieren? Was fasziniert an Israel und was bleibt einem Touristen unklar?
Damit spreche ich auch jene Leute an, die noch nicht in Israel waren, das Land aber gerne besuchen täten. Was habt Ihr so für Vorstellungen bzw. Erwartungen?
Eines kann ich Euch vorab sagen: Das Land ist sehr Middle East geprägt. Naher Osten halt und nicht unbedingt europäisch. Dementsprechend ist auch die Mentalität.
Ich erwähne gerade das, weil ich einmal auf einen deutschen eingewanderten Juden stiess, der meinte, Israel sei aufgrund der vielen deutschstämmigen Juden ein zweites Deutschland. Dem ist nicht so, denn Anfang der 50iger Jahre kamen Hunderttausende sephardische Juden ins Land. Aus Marokko, dem Jemen, aus dem Iran, dem Irak, aus Syrien, dem Libanon, aus Ägypten, Tunesien, Kurdistan oder Algerien. Und jeder brachte seine Mentalität mit, die in Israel zu einem riesigen Melting Pot wurde. Das sieht man am Essen sowie an diversen Eigenarten oder Traditionen.
Alle zusammen bilden Israel und jeder fand irgendwo seine Nische. Integrationskurse gibt es keine, denn es wird erwartet, dass sich jeder in die hiesige Gesellschaft integriert oder sich wieder vom Acker macht. Letzteres passiert 40% der heutigen Neueinwanderer. Dass sie im Land nicht klarkommen und in ihr Ursprungsland zurückkehren.
Andere Neueinwanderer aus westlichen Ländern suchen sich ihre bereits vorhandene Mentalität in Küstenorten wie Ra’anana oder Netanyah. Mein Ding ist das nicht und ich lebe in Jerusalem. Dem Schmelztiegel des Wahnsinns überhaupt. Es war mir immer wichtig, die Sprache zu lernen, mit Israelis zu leben und ich liebe die sephardische Küche mit ihren Gewürzen. 🙂

 

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Aliyah (jüdische Einwanderung nach Israel) im Jahre 2018

B“H
Seit Jahren war die Anzahl der Neueinwanderer aus Russland stark zurückgegangen und französische Juden nahmen den ersten Platz der Einwanderung nach Israel ein. Jetzt aber scheinen die Russen wieder da zu sein.
In Israel wird nicht nur auf die Anzahl der jüdischen Neueinwanderer geschaut, sondern darauf, wie lange diese im Land bleiben. Nicht wenige Neueinwanderer zieht es nach kurzer Zeit wieder ins Ursprungsland, weil man in Israel nicht klarkommt:
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2016/08/15/warum-verlassen-so-viele-neueinwanderer-olim-chadashim-israel/
Einer der Hauptgründe hierfür sind falsche Hoffnungen und Erwartungen.
Aber lassen wir die Neuankömmlinge erstmal in den neuen Alltag eintauchen und dann kann jeder seinen Platz in der Gesellschaft suchen. Integrationskurse gibt es in Israel keine. Sobald jemand die Gangway herunterkommt, muss er sein Leben meistern. Dann hängt alles vom Neueinwanderer ab und es gilt, sich allein einzugliedern. Normalerweise klappt das und falls nicht, bleibt immer noch die Rückkehr ins Ursprungsland. 

 

Ein aktueller Artikel des Wirtschaftsmagazins GLOBES:

 

Over 29,600 immigrants reached Israel in 2018, up from 28,220 in 2017, the Jewish Agency reports.
Jewish Aliyah (immigration) to Israel rose 5% in 2018 compared with 2017, the Jewish Agency reports. 29,600 immigrants reached Israel in 2018, up from 28,220 in 2017.
The main reason for the rise was a 45% jump in immigration from Russia with 10,500 immigrants coming to Israel in 2018. 6,500 immigrants arrived from Ukraine this year, down 9% from 2017.
There were 3,550 immigrants to Israel from North America, a similar number to last year. 2,600 immigrants arrived from France, down 25% from 2017, 660 immigrants from Brazil, down 4% and just over 500 immigrants from the UK, down 4%. There were 330 immigrants from Argentina, up 17% and 320 immigrants from South Africa, down 2%.
Published by Globes, Israel business news – en.globes.co.il – on December 30, 2018
https://en.globes.co.il/en/article-immigration-to-israel-up-5-in-2018-1001266944

Jobs, Jobs, Jobs, damit Juden einwandern

B“H
Einige Knessetabgeordnete wie Naftali Bennett (Bayit Yehudi) nehmen den Antisemitismus in Europa ernst und Bennett selbst will Tausende französische Juden zur Aliyah (Auswanderung nach Israel)  bewegen.
Nicht wenige Leute meinen, dass Israel sich auf eine Welle jüdischer Neueinwanderer aus Europa einstellen solle, doch was, realistisch betrachtet, fehlt, sind Jobs und Wohnungen.
Zum Beispiel herrscht in Israel, wie in Deutschland auch, ein akuter Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Genauso wie an Jobs, die dem Arbeitnehmer den Lebensunterhalt gewährleisten. In Israel ist es schon seit vielen vielen Jahren so, dass mancher Israeli mehrere Jobs hat, um seine Rechnungen zahlen zu können.
Gut bezahlte Jobs sind schon vorhanden. Unter anderem auf dem Bau und im Handwerk. Nur sind nicht gerade viele Neueinwanderer bereit, in diesem Segment zu arbeiten. So würde der Neueinwanderer ja eventuell seine Lebensverhältnisse verschlechtern, wenn er da in der Diaspora super abgesichert war, vielleicht Grundbesitz hatte und halt einen guten Arbeitsplatz.
Da will man sich nicht verschlechtern und zahlreiche eingewanderte Juden können und wollen sich nicht mit der israelischen Mentalität abfinden. Das relativ harte Leben, der teure Lebensunterhalt sowie die israelische Art lässt viele Neueinwanderer verzweifeln und ihr ehemaliges Land zurückkehren. Andere wiederum bauen sich ihr eigenes kleines Privatghetto auf, in dem sie sich nur mit ehemaligen Landsleuten abgeben und halt die gemeinsame Muttersprache reden. Es ist wesentlich vorteilhafter bei der Integration, mit einem Israeli verheiratet zu sein, um nicht ständig an der „alten“ Heimat zu kleben.
In meiner Umgebung wird kein Deutsch gesprochen und das hat sich immer als positiv erwiesen. Ich lese einmal am Tag FOCUS und DIE WELT, schaue ab und an kurz durch Twitter oder Youtube und das wars.
Von den eingewanderten Franzosen kann ich sagen, dass sie zusammenglucken. Nebendran im Stadtteil Baka haben sie ihre eigenen kleinen Synagogen aufgebaut samt Community Center. Andererseits lernen die Franzosen recht schnell Hebräisch, denn ihre Englischkenntnisse sind meist schlecht oder gar nicht erst vorhanden. Und der Mensch muss ja irgendwie kommunizieren.
Mein Hausarzt, zum Beispiel, ist ein aus Frankreich eingewanderter Jude. Neben meiner Krankenkasse arbeitet er als Spezialist im Hadassah Hospital. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass israelische Ärzte relativ wenig verdienen und an mehreren Stellen gleichzeitig arbeiten, um Geld ins Portemonnaie zu bekommen. Meistens sind sie in einem Krankenhaus angestellt, arbeiten aber noch nebenbei in Siedlungen oder halten abends Sprechstunden bei den Krankenkassen. Israel verlangt einem extrem viel an Flexibilität und Innovation ab.
Was bei vielen Neueinwanderern aus den USA, Kanada, Australien, den UK oder aus Frankreich nicht zu unterschätzen ist: So manch einer kommt mit einem erheblichen Vermögen nach Israel. Nicht unbedingt reich, aber doch auch nicht arm. Man hat sich eben bereits in den USA oder anderswo als Architekt etc. etwas erarbeitet.
Und eine Tatsache, die immer wieder vorkommt: So mancher amerikanische Neueinwanderer hat seinen Job in den USA nie aufgegeben und pendelt zwischen Israel und den Staaten hin und her. Alle ein oder zwei Wochen mal hier und mal dort.

Alltag in Israel & Leserfragen „Israelische Staatsbürgerschaft“

B“H
Immer wieder erhalte ich Fragen von Lesern, wie man denn die israelische Staatsbürgerschaft beantragt. Bei derlei Fragen weiß ich sofort, dass diese von Leuten stammen, die gar keinen Anspruch auf die israelische Staatsbürgerschaft haben, denn Leute, die sehr wohl einen Anspruch haben, stellen keine solchen Fragen. 
Wer einen Anspruch auf die israelische Staatsbürgerschaft hat, der weiß genau, wohin er sich wenden muss. Und mit welchen Dokumenten. Außerdem bekommt jeder jüdische Neueinwanderer bei seiner Aliyah (offiziellen Einwanderung) die Staatsbürgerschaft. Beantragt muss da gar nichts werden. 
Man kommt nicht einfach nach Israel bzw. will eben mal so hierherziehen, um die Staatsbürgerschaft zu beantragen. Israel ist ein jüdischer Staat und Juden wandern nach Israel ein. Leider kommen immer wieder irgendwelche missionarischen Christen, die versuchen, sich einzuschleichen. Richtig in die Gesellschaft integriert sind sie letztendlich doch nicht. 
Wenn es mir in Deutschland nicht passt, wandere ich doch nicht gerade nach Israel aus, wo die Leute ein komplett anderes Leben führen und wo das Leben noch dazu wahnsinnig teuer ist. 
Und somit komme ich auch gleich zum Thema ALLTAG: 
Heute Morgen war ich bei meiner Krankenkasse zwecks dreier Kostenbewilligungen für weitere Krankenhaustermine. Als ich die Angestellten – Tussi so rumwurschteln sah, war mir klar, dass wieder etwas in die Hose geht. Und das ging es ganz gewaltig! 
Nur zwei der drei Genehmigungsanträge hat sie in den Computer eingetippt. Ein Antrag wurde bereits genehmigt, doch mit dem falschen Datum. Also muss ich nächste Woche nochmals hin. 
Nichts gegen meine Krankenkasse, aber manchmal ist alles eben ein Chaos. Wobei es immer auf die jeweilige Angestellte ankommt. 
Naja, man hat sich nach über 20 Jahren im Land schon dran gewöhnt und das Chaos hat den Vorteil, dass ich dann auch gleich um die Ecke auf dem Markt einkaufen kann. 🙂

Offizielle Hilfen und Rechte für Israelis – Rente, Neueinwanderer, Krebspatienten, Gesundheit, behinderte Kinder und Erwachsene

 

Dies gilt nur für israelische Staatsbürger:

https://www.kolzchut.org.il/en/Main_Page

Mit OLIM sind jüdische Neueinwanderer gemeint:

https://www.kolzchut.org.il/en/New_Immigrants_(Olim)

Leserfrage: „Rentenversicherung in Israel“

B“H
Jeder Staatsbürger zahlt monatlich in die Bituach Leumi (Nationalversicherung) ein. Bei Ausländern, die im Land arbeiten, gelten andere Regeln und die gilt es, individuell zu erfragen.
In der Regel wird der Bituach Leumi – Beitrag monatlich vom Gehalt abgezogen. Dieser teilt sich auf in Rentenbeitrag und ein weiterer Teil geht an die Krankenkasse als Mindestbeitrag.
Ich habe ja schon von diesem Mindestbeitrag berichtet. Verlasst Euch nicht darauf und schliesst bei der Krankenkasse immer Zusatzversicherungen ab. Direkt bei der Krankenkasse und lasst Euch dort auf einen höheren Versicherungslevel setzen. Diese Beiträge zahlt man zwar privat aus eigener Tasche, aber es lohnt sich. Ansonsten zahlt die Krankenkasse viele Krankenhaus – und anderweitige Behandlungen nicht.
Aber weiter mit der Bituach Leumi:
Wer nicht arbeitet und auch nicht arbeitslos gemeldet ist, der ist dennoch beitragspflichtig und zahlt monatlich 166 Schekel (circa 43 Euro). Entweder per Kreditkarte oder per Banklastschrift.
Die Bituach zahlt meistens nur die gesetzliche Mindestrente, aber auch hier sollte jeder individuell nachfragen. Normalerweise schliesst der Arbeitgeber oder man selbst eine private Rentenversicherung mit einer ganz normalen Versicherungsgesellschaft ab: Phoenix, Harel, Menora, AIG, etc. Von der Firma Migdal rate ich dringend ab!!!
Das Sozialsystem in Israel funktioniert anders als das in Deutschland und der Bürger ist hier nicht so super abgesichert. Man muss halt immer bei den Behörden vorsprechen und sich erkundigen. Es gibt Israelis mit schweren Krankheiten wie Parkinson oder man sitzt im Rollstuhl. Dann beginnt ein Kampf ums Geld mit der Bituach, der lange dauern kann. Man bekommt hier nicht so einfach Geld und selbst wer chronisch krank ist, muss Tausend ärztliche Atteste vorlegen und zum Bituach – eigenen Amtsarzt.
Genauso mit der Rente: Mindestrente für den, der nicht privat abgesichert ist oder keine Betriebsrente erhält. Hafenarbeiter, Angestellte der Elektrizitätswerke und vor allem Kommunal – und Regierungsangestellte sind gut abgesichert. Von der Mindestrente allein kann keiner leben und derjenige muss halt sehen, wie er klarkommt.
Das Leben im Land ist nicht einfach und vom Sozialsystem her ist Deutschland immer noch das beste Land. 
Weitere Infos:
https://en.wikipedia.org/wiki/Pensions_in_Israel

Was ein Neueinwanderer wissen sollte, bevor er in einen Kibbutz bzw. in eine jüdische Siedlung zieht

B“H
Das nachfolgende Video ist in englischer Sprache, denn ich finde es gerade besonders wichtig, die zahlreichen jüdischen Neueinwanderer aus Anglo – Ländern zu warnen.
Nicht direkt davor zu warnen, nach der Aliyah (Einwanderung nach Israel) in einen Kibbutz oder in eine israelische Siedlung zu ziehen. Darum geht es nicht, denn gerade israelische Siedlungen sind für viele Neueinwanderer besonders attraktiv. Allein der günstigeren Mieten und Immobilienpreise wegen. Da nimmt man gerne die Pendelei zum Arbeitsplatz in die nächste Großstadt in Kauf. Hauptsache man lebt im Grünen, zahlt weniger Miete und muss sich nicht mit dem Lärm und Stress in der Stadt herumschlagen. 

 

 

In den 80iger Jahren war die große Krise der Kibbutzim. Es fehlte an Geld und zahlreichen Kibbutzim drohnte die Insolvenz. Es musste ein Umbruch her und seither hat sich extrem viel verändert. Auch musste man weg vom eher sozialistisch – kommunistischen System und die Kinder schlafen schon lange nicht mehr getrennt von ihren Eltern in Kinderhäusern. Die Kibbutzim wurden kapitalistisch und bereits Ende der 80iger Jahre wurde die Bezahlung fürs Essen im Speisesaal (Chadar Ha’Ochel) eingeführt. Dann kamen die Videogeräte in Privathaushalten und der eigene PKW. Bis dato musste man sich auf einer speziellen Liste eintragen, wenn man denn vom Kibbutz einen PKW ausleihen wollte. Der eigene PKW war untersagt, aber all das gehört längst der Vergangenheit an.
Um an Geld zu kommen, verkauften viele Kibbutzim Land. Und diese Grundstücke wurden von Leuten außerhalb des Kibbutz gekauft. Man liess sich nieder und genoss die Dorfruhe, ohne offizielles Kibbutz – Mitglied zu sein. Insbesondere Leute aus der Stadt kauften sich Land und bauten ihr Eigenheim. Will jemand an Kibbutz – Angeboten teilnehmen oder seine Kinder auf eine Kibbutz – Schule schicken, so kostet dies den Leuten von außerhalb Geld, denn sie sind ja keine Mitglieder.
Ob der Landverkauf eine so gute Idee war? Einerseits ja, denn die Kibbutzim brauchten dringend das Cash. Andererseits aber holte man sich Menschen mit anderen Ideologien ins Nest und diese Menschen haben andere Vorstellungen und pfeifen teilweise auf die Kibbutz – Regeln.
Das aber soll nicht das Thema des Videos sein, sondern ich erwähne diese Art der Problematik nur nebenbei.
Was viele Leute außerhalb Israels nicht wissen:
Dass es unterschiedliche israelische Siedlungen gibt. Nämlich religiöse, säkulare sowie gemischte (religiöse und säkulare Juden zusammen) Siedlungen. Und nein, die Siedlungen sind kein Friedenshindernis, denn es hat sie schon immer gegeben.
Um was es in diesem Video geht ist die Tatsache, dass die meisten Siedlungen nur Leute aufnehmen, die ihnen passen. Bedeutet, jemand muss sich bewerben und Vorstellungsgespräche durchlaufen. Auf diese Weise werden Familien getestet, ob sie denn auch in die Siedlung passen und bereit sind, sich zu integrieren. Individualismus ist nicht so wichtig, aber man muss halt mit der Gemeinschaft klarkommen und ein Teil von ihr werden. Oder etwas für die Gemeinschaft leisten.
Immer wieder werben Siedlungen wie die gemischte Siedlung außerhalb Jerusalems, Kfar Adumim, bei Neueinwanderern. Man will mehr Leute ansiedeln und zeigt halt die Vorteile der Siedlung: Natur, glückliche Bewohner, tolle Wohnungen. Kfar Adumim aber geht offen mit der Tatsache um, dass die Neuen, sobald sie denn ein offizieller Teil der Siedlung sein wollen, einem Aufnahmeverfahren unterliegen. Nach einer gewissen Zeit entscheiden unterschiedliche Komitees, ob der Kandidat offiziell aufgenommen wird oder die Siedlung wieder verlassen muss.
Wer sich lediglich eine Wohnung mietet, muss nicht zwangsläufig Mitglied werden und ist in all seinen Entscheidungen frei. Er unterliegt keinem Auswahlverfahren und muss sich nicht in die Gemeinschaft integrieren.
In anderen Orten, wie dem benachbarten Mitzpe Jericho ist das anders, denn dort wird Neueinwanderern nicht immer im Voraus gesagt, worauf sie sich einlassen. Man kommt eher als Ort rüber, in den die Leute halt ziehen. Nicht immer ist die Rede von einem Auswahl – bzw. Entscheidungsverfahren. Und das kann fatal sein, denn jemand Neues kommt an und muss sich in die Gemeinschaft integrieren. Wie ich hörte, bestehen Hierarchien und wehe, es wird aufgemuckt. Wem das nichts ausmacht, lebt in einer eigenen kleinen Welt mit eigenen Regeln.
Mitzpe Jericho ist aber nur eines von vielen Beispielen!
Wer also in eine Siedlung zieht, sollte im Vorfeld alles abchecken, damit es keine bösen Überraschungen gibt. Da lobe ich mir das Leben in der Stadt, welches da so frei ist. Keine Gemeinschaft verlangt etwas von mir und ich kann mir meine Umgebung aussuchen. Da zahle ich lieber ein wenig mehr, kann aber dafür Individualist sein und muss nicht anderen in den Allerwertesten kriechen.