Leben in Jerusalem

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Leserfrage: „Wie leben die Menschen in Jerusalem?“

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Photo: Miriam Woelke

 

B“H
Eine Leserfrage, die immer wieder neu gestellt wird und die ich bestimmt schon einige Male beantwortet habe:
„Wie leben die Menschen in Jerusalem?“
Ich weiß nicht genau, was der Fragesteller wissen will. Die politische Situation oder den Alltag der Jerusalemer Bevölkerung vielleicht? Keine Ahnung!
In deutschen Zeitungen liest man immer wieder irgendwelche Artikel über Jerusalem und mir graust es dabei. Schlecht und oberflächlich recherchiert und dann haben die Schreiber keine Ahnung von der Stadt. Man kommt eben mal kurz her, labert mit einer Kellnerin und das wars. Und für sowas kriegt man obendrein noch Geld.
Jerusalem zu beschreiben ist kaum möglich, denn die Bevölkerung ist komplett unterschiedlich. Eines aber gilt für das jüdische Jerusalem: Die Hilfsbereitschaft untereinander. Und diese Eigenschaft kann ich wieder nicht definieren, denn es ist kaum möglich, diese jüdische Verhaltensweise in Jerusalem zu erklären. Es ist einfach so und der jüdische Rest des Landes beneidet uns darum.
Die Jerusalemer sind ganz normale Leute ohne viel arrogantes Gehabe. Niemand braucht so zu tun als ob und es wird nicht, wie in Deutschland, der Mensch nach seinen Klamotten in Schubladen gepackt.
Ich kann jetzt nicht für alle Krankenhäuser im Land sprechen, doch mit meiner Onkologin sowohl als auch mit meinem Zahnarzt oder Urologen duze ich mich. Wobei es in Israel eh nicht dieses Gesieze gibt. Man spricht sich normalerweise beim Vornamen an, es sei denn, man redet mit irgendeinem Minister oder dem Premierminister persönlich. Ansonsten nennt sich die Mehrheit beim Vornamen. Als ich die Ärztin traf, die mich operieren sollte, stellte sie sich lediglich mit ihrem Vornamen vor. Ihren Nachnamen erfuhr ich erst Tage später von einer Krankenschwester.
Wie lebt man sonst noch?
Völlig normal. Arbeit, Schule, Ämter, Supermärkte. Wohnungsnot, es fehlt an Arbeitsplätzen, Parkplatzprobleme, und und und. Jerusalem kann nicht nur auf den sogenannten Friedensprozess beschränkt werden.
Auch kommt es darauf an, wo genau jemand in der Bevölkerung steht. Ist er nur Tourist bzw. lebt befristet in der Stadt. Ist jemand Jude, Moslem oder Christ? In welchem Stadtteil lebt man und in welcher Branche wird gearbeitet? Mit was für Leuten gibt sich jemand ab?
All das beeinflusst und prägt das eigene soziale Umfeld. Um mich einmal selber als Beispiel zu nehmen: Ich habe nur jüdische Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen. Egal, ob religiös oder säkular. Alles ist vertreten.
Mit meinem Umfeld spreche ich Hebräisch und Englisch. Ich kenne Israelis, Kanadier, Amerikaner und Australier. Neueinwanderer und im Land geborene Israelis. Deutsche kenne ich nicht und demzufolge spreche ich auch mit niemandem Deutsch.
Ob ich mich integriert fühle? Ja, und ich habe alles im Krankenhaus auf Hebräisch gemanagt. Bis auf ein paar Venen und ganz spezielle Fachwörter im Gesundheitsbereich. Aber diese Venen / Aorten / Adern und sowas hätte ich auch nicht auf Deutsch benennen können. 🙂
Was ich in Israel zwangsläufig gelernt habe: Flexibler und innovativer zu denken. Wenn etwas nicht klappt, sofort eine neue Idee haben und umdisponieren. Nicht aufgeben und jammern, sondern weitermachen und halt gedanklich umschwenken. Das gilt auch für Jerusalem.
Jerusalem hat einen ganz normalen Alltag und Arbeitsplätze, an denen Juden und Palästinenser zusammenarbeiten. Wie jede andere Stadt im Land hat Jerusalem eine eigene Mentalität und die gilt es kennenzulernen.
Es ist unmöglich, Israel mit einer deutschen Denkweise verstehen zu wollen, denn die beiden Länder sowie Mentalitäten sind komplett unterschiedlich.
Würde ich innerhalb des Landes umziehen wollen? Ich habe in Tel Aviv, Ranaana, Ramat Gan und einige Zeit in Nordisrael gelebt. Nirgendwo gefiel es mir so gut wie in Jerusalem. Mein gesamtes soziales Umfeld befindet sich hier und ich sehe keinen Grund umzuziehen. Und ins Ausland würde ich eh nicht ziehen. Ich reise ja noch nicht einmal nach Deutschland (wo ich mehr als 18 Jahre nicht mehr war).
Wie anderswo im Land auch muss jeder in Jerusalem seine eigenen sozialen Kontakte bzw. sich ein Leben aufbauen. Mir ist der jüdische Aspekt dabei immer sehr wichtig.
Generell aber ist das Leben in Jerusalem völlig normal und ich weiß nicht, was sich Auswärtige da Genaues vorstellen.
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Leserfrage: „Befindet sich Jerusalem im Kriegszustand?“ und „Leben die Menschen im Bunker?“

B“H
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wo jemand derlei Ideen herbekommt: “Jerusalem im Krieg und wir Jerusalemer leben im Bunker?”
Also ich wohne in keinem Bunker, obwohl wir in unserem Haus einen im Erdgeschoss haben. Diesen benutzen die anderen beiden Parteien im Haus als Abstellplatz und so richtig als Bunker haben wir ihn zuletzt im Sommer 2014 genutzt. Als die Hamas im letzten Gazakrieg Raketen bis nach Jerusalem schoss. Seitdem war ich nicht mehr im Bunker. Nicht in unserem und auch in keinem anderen.
Jerusalem befindet sich auch nicht im Kriegszustand. Da wohl eher Neukölln, der Görlitzer Park, Offenbach oder Nordrhein – Westfalen.
In Jerusalem ist meistens alles ruhig und wenn es einmal zur Sache geht, sind sofort Polizei und Armee vor Ort. Das geht hier sehr schnell, denn nach all den Jahrzehnten des arabischen Terrors sind Israelis ein eingespieltes Team. Jeder weiß sofort, was zu tun ist. Die Gefahr wurde ins Alltagsleben integriert. Selbst Kinder wissen genau, wie sie sich verhalten sollen.
Die Leute leben hier ganz normal und man kann Jerusalem so ziemlich mit jeder anderen Stadt der Welt vergleichen. Klar, ist Jerusalem die Ausnahme, denn es handelt sich immerhin um die Heilige Stadt. Ansonsten aber läuft der Alltag genauso ab wie andernorts. Aufstehen, frühstücken, arbeiten, Feierabend, Rechnungen zahlen, einkaufen, Freunde treffen, Familie, etc.
Es ist kein Kriegszustand und auch sonst kein Krieg. Außer einem Mietpreiskrieg auf dem chaotischen Wohnungsmarkt. 🙂

„Alltag in Jerusalem“ oder „Auch König David musste mal aufs Klo“

B“H
Der Alltag in Jerusalem unterscheidet sich momentan nicht besonders von jenem Alltag, den andere Leute auf dieser Welt durchleben. Vielleicht hat nicht jeder 31 Grad Celsius Hitze heute und morgen, nicht jeder befindet sich in den zehn Tagen zwischen dem jüdischen Neujahrsfest Rosh Hashana (endete gestern Abend) und dem anstehenden Yom Kippur in der kommenden Woche.
Nichtsdestotrotz mussten wir nach den Feiertagen heute wieder zurück zur Arbeit. Danach war ich kurz beim Tierarzt, um die flüssige Anti – Floh – Lösung für den kleinen Kater Chuck zu kaufen. Kostenpunkt 50 Schekel (12 Euro) und das Zeug hält einen Monat lang. Danach muss wieder neugekauft werden und das Spiel mit der Lösung auf die Katzenhaut geht von vorne los.
Außerdem wollte ich dem Kater eine halbe Wurmtablette verabreichen. Straßenkatzen saugen Würmer im Bauch schon mit der Muttermilch auf. Wenn eine Katze die Tablette (in kleinen Mengen verabreicht) frisst, herrschen erst einmal circa sechs Monate Ruhe.
Der Tierarzt aber sagte mir, dass all diese Mittel einer Katze erst ab dem Alter von acht Wochen verabreicht werden können. Somit hat Chuck noch mindestens drei Wochen Zeit, denn er ist gerade einmal 1,5 Monate alt. 

 

 

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Photo: Miriam Woelke

Ausgrabungen in der IR DAVID – City of King David: Ein antikes Klo im ausgegrabenen Palast des König David.
Der Alltag hat uns vorerst wieder und die Arbeit ruft. Am kommenden Dienstag jedoch ist wieder nur ein halber Tag und dann schließen die Läden bereits gegen 14.00 Uhr. Auch die Busse stellen zu der Zeit den Betrieb ein. Der Yom Kippur, der höchste jüdische Feiertag, ein 25 – Stunden andauernder Fastentag und noch dazu ein freudiger Tag, beginnt abends um 18.06 Uhr. Ab dem Zeitpunkt geht nichts mehr und selbst die 24 – Stunden Shops bleiben geschlossen. Alles ist dicht und wer einkaufen will, kann das bei den Arabern oder Christen tun. Sprich, in der Jerusalemer Altstadt.
Es wird weder Radio noch Fernsehen geben. TV Kanäle aus dem Ausland ausgenommen.
Der Yom Kippur wird in Israel sehr ernst genommen, obwohl nicht alle Juden ihn einhalten. Mehrheitlich aber schon.
Das Land wird von Dienstagabend bis Mittwochabend um 19.17 Uhr stillstehen. Die Straßen sind leergefegt und die Kinder freuen sich, denn endlich können sie ungestört Fahrradfahren. Bei uns im Stadtteil holen die arabischen Kinder ihre Räder raus, Erwachsene sitzen am Straßenrand und unterhalten sich und alles ist vollkommen friedlich. Wer zu dem Zeitpunkt in Jerusalem oder anderswo im Land ist, sollte diesen Anblick nicht verpassen. Man kann selbst auf der Autobahn laufen und sollte einmal ein Auto vorbeikommen, so handelt es sich meistens um einen Araber.
Zur Bedeutung des Yom Kippur werde ich auf meinem Hamantaschen – Blog viele Infos geben. Obwohl gefastet wird, handelt es sich um keinen Trauertag, sondern um den freudigsten Tag im jüdischen Kalender. Verbringen tun Juden den Tag vorwiegend in den Synagogen und wer in der Altstadt ist, sieht viele Juden im jüdischen Viertel auf Bänken schlafen. Irgendwann kann man einfach mittags nach all den Stunden nicht mehr in der Synagoge sein und wer eh in der Altstadt ist, ruht sich aus und pennt eine Runde bis zum späteren Nachmittag. Ich habe das auch schon gemacht. 🙂
Geld und Smartphone hat man eh nicht dabei und dementsprechend gibt es auch nichts zum Klauen. Und … Jerusalem ist sicher und nicht zu vergleichen mit deutschen Städten voller Migranten. Hier könnt Ihr auf der Bank liegen, ohne dass Euch jemand angrabscht.
Bis Montag müssen wir also noch arbeiten und die meisten Leute haben Dienstag und Mittwoch frei. Wer am Dienstag arbeiten muss, macht gegen 14.00 Uhr Feierabend. 

 

Ein ganz normaler Donnerstagabend am Alten Bahnhof von Jerusalem

B“H
Leuten, die nicht in Israel leben, sind diverse Dinge, die in Israel völlig normal erscheinen, sehr schwer verständlich zu machen. Einerseits flogen am vergangenen Donnerstagabend noch Raketen aus Gaza auf israelische Orte. Abgeschossen von der Hamas und selbst noch zu der Zeit als ich dieses Video filmte.  
Andererseits leben Israelis in anderen Landesteilen ihr Leben ganz normal weiter. Es ist Alltag und wir lassen uns nicht vom arabischen Terrorismus kleinkriegen. Wir sperren uns nicht vor lauter Angst und Verzweifelung daheim ein, sondern gehen stattdessen unserem Alltag nach. Und in Jerusalem ging man auch am letzten Donnerstagabend normal aus. Es war ein warmer Sommerabend, die Kinder haben noch Schulferien und die Leute gehen ins Cafe, ins Restaurant oder halt mit den Kiddies weg um Spass zu haben.
In Israel haben wir gelernt, mit dem arabischen Terror zu leben und gleichzeitig nicht einzuknicken. Wir machen uns nicht vor Angst in die Hose, denn Israel wird permanent angegriffen. Auch von deutschen Israelhassern bzw. Antisemiten.  
Das Video zeigt einen völlig normalen Donnerstagabend am Jerusalemer Kulturzentrum Alter Bahnhof (HaTachana). Man muss nicht unbedingt Geld für Karussells oder Restaurants ausgeben, sondern in der umliegenden Natur und auf dem allseits beliebten alten Eisenbahnpfad lässt es sich wunderbar laufen und entspannen. Unmengen von Joggern und Fahrradfahrern sind unterwegs oder die Leute gehen halt, wie gesagt, nur so spazieren.  
In den ersten Minuten des Videos konnte ich nicht reden, denn die Umgebung war ziemlich laut. Dafür gebe ich gegen Ende des Videos ein paar Erklärungen. Ich war auf dem Heimweg und dabei gehe ich fast immer über den Parkplatz, auf dem Donald Trump bei seinem Jerusalem – Besuch im Mai 2017 landete. So ziemlich gegenüber befindet sich der Stadtteil, in dem ich wohne. Enjoy!!!

 

 

Was läuft aktuell in Jerusalem?

B“H
Deutschland stöhnt über hohe Temperaturen, was ich nicht so ganz verstehe. In Israel reicht der Sommer von Juni (oft schon Mai) bis September / Oktober und weit mehr als 30 Grad sind keine Seltenheit. Trotzdem geht der Alltag normal weiter. Und dazu noch mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit.
In Bussen, Supermärkten, etc. laufen die Klimaanlagen im Sommer auf Hochtouren und als ich gestern die Ben Yehudah Street in der Innenstadt hinunterging, fühlte ich im Vorbeigehen so richtig schön die angenehme kühle Luft aus den Geschäften, die da bei Klimaanlage auch noch die Tür offen hatten.

 

Photo: Miriam Woelke

 

Ein Thema, welches dieser Tage von unserer linken Medienwelt total aufgebauscht wird: Schwule Paare wollen auch ein Anrecht auf das Kind von einer Leihmutter.
Leihmütter in Israel sind rar und per Gesetz bekommt nur ein Ehepaar (Mann und Frau) ein solches Kind. Was viele nicht bedenken: Leihmütter sind, wie gesagt, selten und bei richtigen Ehepaaren kann die „Nachfrage“ längst nicht befriedigt werden. Jetzt also demonstrieren alle möglichen Schwulen für ihr angebliches Recht auf das Kind einer Leihmutter. Selbst am jüdischen Trauertag Tisha be’Av diesen Sonntag wurde wie wild demonstriert. Die Linke war kräftig mit dabei, sieht aber nur ihre eigenen Ziele: Kinder müssen her. Ob Schwule dazu berufen sind, Eltern zu sein, ist eine andere Frage. Es gibt fast keine Leihmütter, aber egal. Die Linke will Kinder sehen.
Obwohl Tel Aviv als Eldorado für Schwule gilt, habe ich die Stadt ganz anders kennengelernt. Meine Arbeitskollegen in Tel Aviv waren geschlossen gegen Schwule. Säkulare Juden, die Homosexualität ablehnten. Einer hohen Anzal von säkularen Tel Avivern ist es zuwider, dass ihre Stadt als Stadt der Schwulen betitelt wird. Selbst Schwule wollen nicht unbedingt mit den radikalen demonstrierenden Schwulen verglichen werden.
Das gesamte Thema LEIHMUTTER ist mir persönlich suspekt, denn ich finde es ziemlich abartig, wenn Frauen ein Kind gebären, um es dann zu Geld zu machen.
Ein weiteres Thema sind die im Oktober stattfindenden Bürgermeisterwahlen in Jerusalem. Der langjährige Bürgermeister Nir Barkat tritt endlich ab. Sein Ziel: Der Hightech – Tycoon will in die große Politik der Knesset und aufsteigen.
Jerusalem ist froh, den blassen charismalosen Barkat loszuwerden. Nicht weniger froh als vor Jahren Ehud Olmert gen Knesset abtrat.
Unter all den Nachfolgekandidaten stehen drei Hauptkandidaten zur Wahl. Leute, die das Rennen machen werden: Moshe Leon (Likud). Von Bibi unterstützt, meiner Meinung aber eher nach zuviel Klüngel riecht. Seit ein paar Jahren schon ist er im Stadtrat und ich vertraue ihm garantiert nicht:
https://www.timesofisrael.com/elkin-gets-pms-endorsement-for-jerusalem-mayor-2-months-after-entering-race/
Momentan wird das Rennen von Ze’ev Elkin angeführt. Laut Umfragen liegt er vor Moshe Leon und dem haredisch – ultra – orthodoxen Kandidaten Yossi Deitsch.
http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/243582
In Jerusalem spielen die haredischen Wähler eine wichtige Rolle und vor den Wahlen werden diverse Kombinot (Abkommen / Versprechungen / Gefälligkeiten) geschlossen, welche haredische Ausrichtung wen wählt. Nicht alle ultra – orthodoxen Juden nehmen an der Wahl teil. Genau wie nicht alle Araber zur Wahl gehen. Selbst dann nicht, wenn es einen arabischen Kandidaten gibt.
Ze’ev Elkin tritt parteilos an, wird aber aktuell von Bibi gepriesen. Ob Elkin nun doch noch Likud – Kandidat wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Bislang war Bibi nur auf Moshe Leons Seite und ignorierte seinen Parteikollegen Elkin.
Parteilos jedoch gefällt vielen Bürgern und Elkin ist weniger klügelbelastet. So manch ein Jerusalemer mag ihn ablehnen, denn Elkin stammt ursprünglich aus Russland. Dabei ist sein russischer Akzent im Hebräischen eher bescheiden im Gegensatz zum starken russischen Akzent des Avigdor Liebermann.
Das Bürgermeisteramt von Jerusalem ist kein leichtes Unterfangen, denn in kaum einer anderen Stadt leben so viele Bürger unterschiedlicher Religionen und Anschauungen zusammen. Wenn jemand JERUSALEM hört, denkt er meistens an den arabischen Terror, Anschläge, Haredim und und und. Was der Außenstehende nicht sieht: Jerusalem hat ganz andere Probleme, die da lauten Schulen ausbauen, soziale Themen, Parkplätze, Wohnungsnot, Armut, fehlende Jobs, etc.

 

In der Ben Yehudah Street – Photo: Miriam Woelke

Aktuell entschied Nir Barkat (er allein und ohne Absprache mit dem Stadtrat), dass der Machane Yehudah Markt neue Parkplätze braucht. Das wiederum stimmt nicht, denn die umliegenden Parkhäuser stehen fast alle leer. Nicht wenige riechen da Korruption des scheidenden Bürgermeister, der allein entschied, dass der gesamte Machane Yehudah Markt unterirdisch ausgebaggert wird. Bagger sollen mehrere Untergeschosse unterhalb des Marktes in die Erde graben. Nicht nur unterhalb des Marktes, sondern Teile der Agrippas Street bis fast hin zur Jaffa Road am anderen Ende.
Mehrere Hundert Parkplätze sollen unterhalb des Marktes entstehen. Samt Lieferrampen für LKWs. Das ganze Unterfangen ist, realistisch betrachtet, eher lachhaft, denn die ollen Häuser und Buden am Markt könnten zusammenfallen, sobald da unterirdisch gebuddelt wird. Die Bewohner des Stadtteiles hoffen, dass ein neuer Stadtrat den ganzen nutzlosen Plan stoppt.
Im Oktober werde ich vermutlich Ze’ev Elkin wählen und hoffe mal, dass er ein guter Bürgermeister wird. In den letzten Jahrzehnten hatte die Stadt Jerusalem damit wenig Glück und auch ein Teddy Kollek war als Bürgermeister wenig positiv, denn er spaltete die Bürger. Aber die Zeiten, in denen ein Bürgermeister weitestgehend mit der deutschen Sprache und einem kaum vorhandenen Hebräisch regierte, sind lange vorbei.
Jerusalem geniesst nicht nur wirtschaftlich ein schlechtes Image, wobei oft übersehen wird, dass die Stadt voller Startups ist. Und jene Startup – Leute lassen sich mit Absicht hier nieder, denn die Stadt hat mehr zu bieten als man denkt. Eines dieser Startups hat eine Methode entwickelt, wie Musik Alzheimer – Patienten hilft. Allein das finde ich schon ziemlich bewundernswert.

Verkehrschaos in Jerusalem? – Nee, die Jerusalemer kommen super klar damit!

B“H
Der nachfolgende aktuelle Bericht vergleicht die Jaffa Road (Rehov Yaffo) in der Innenstadt mit der Derech Hebron Street direkt an meinem Stadtteil.
Durchorganisierte und an Ordnung gewöhnte Deutsche werden jetzt total am Rad drehen, wenn sie das vermeintliche „Chaos“ in der Jaffa Road sehen. Es gibt keinerlei Absperrungen und die Straßenbahnlinien fahren mittendurch. An der Seite sind Cafes und kleine Shops, Passanten überqueren die Straße und wenn die Straßenbahn kommt, bimmelt der Fahrer und alles springt zur Seite. Unfälle sind selten und jeder hat sich halt an die Tram und die Cafes gewöhnt. Niemand regt sich auf und das macht Jerusalem aus.
Dazu im Gegensatz die Derech Hebron Street, welche die Stadtteile Arnona, Baka und Abu Tur trennt. Hier gibt es Absperrungen und eine Brücke für Passanten. Unfälle sind auch selten, doch es gibt mehr davon als ohne all die Absperrungen in der Jaffa Road.
Hier seht Ihr den Alltag in Jerusalem, der da nicht durch Vorschriften geregelt ist und am Schluß stellt die Journalistin die Frage, in welcher Straße der Zuschauer gerne leben möchte.

Downtown Jerusalem: „Ein Gang durch die Keren Hayesod Street“

 

B“H
Die Keren Hayesod Street in der Stadtmitte von Jerusalem gilt als eine der vielbefahrensten Straßen der Stadt. Am letzten Donnerstag nahm ich gegen Abend das nachfolgende Video auf. Es zeigt einen ganz normalen Feierabendverkehr in der Jerusalem.
Die Stadt wirkt sehr laut, was mir erst beim Anschauen des Videos auffiel. Wer hier lebt, nimmt dies kaum mehr wahr.
Ich werde auch in Zukunft weitere Videos zum Alltag unserer Stadt aufnehmen. Sorry, dass das Video etwas wackelt, aber ich laufe und muss die Kamera halten.
Viel Spass beim Anschauen! Wer noch nie in Jerusalem war, bekommt hier einen kleinen Eindruck vom Alltagsleben in Jerusalem.
Irgendwann im Video ruft jemand meinen Namen. Ich weiß nicht, ob man das so unbedingt mitbekommt. Es handelte sich um die Frau des Chabad – Lubawitsch – Rabbis des Stadtteiles Rehavia, die einfach nur HALLO sagen wollte.