Leben in Jerusalem

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Jerusalem dieser Tage

B“H
So allmählich bereiten wir uns alle auf das am Abend des 20. September beginnende jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana vor. Auf den Regalen der Discounter finden sich massig Honiggläser, denn es ist Tradition, an Rosh Hashana viel Honig zu verspeisen. Für ein gutes und süßes neues Jahr.
Touristen sah ich, zu meiner Überraschung, auch recht zahlreich in der Stadt. Nicht, dass Israel den großen Tourismusboom verbucht, doch die Touristen sind wieder vermehrt zurück. Und so werden in der Stadt massenhaft neue Hotels gebaut. Vorwiegend Luxusklasse, wobei gerne übersehen wird, dass die Mehrheit aller Touristen sich solche Unterkünfte garantiert nicht leisten kann.
Der Machane Yehudah Markt transformiert immer mehr zu einem Vergnügungsviertel. Klar, kann man noch Obst und Gemüse einkaufen. Zwar nicht so billig wie bei den Discountern Rami Levi oder Osher Ad, dafür aber vielleicht mit etwas mehr Qualität.
Das Traurige ist, dass, sobald ein Obst oder Gemüsestand aufgibt, sofort eine neue Bar oder eine Snackbar eröffnet wird. Der gesamte Markt ist mittlerweile voller Bars und Fressbuden. Jeden Abend steigen Parties und die verbliebenen Marktleute sind sauer. Des Morgens ist alles zugemüllt und immer mehr Kundschaft bleibe aus. Außerdem restauriert die Stadtverwaltung den Markt und in manchen Gängen herrscht Bau – Chaos.
Ich gehe dort alle paar Wochen einmal hin und kaufe Fleisch ein. Mein Metzger ist super und nebendran ist ein billiger Kartoffel – und Zwiebelstand. Und das reicht mir dann auch schon. Alles andere gibt es vom Discounter. 🙂
Am 1. September beginnt das neue Schuljahr und die ewig langen Sommerferien (seit Mitte Juni) gehen vorbei. Und so gehen zurzeit Hefte, Stifte und sonstige Schulsachen weg wie warme Semmeln. Was in Israel auch üblich ist: Dass Schulen und viele Kindergärten Wachpersonal beschäftigen. Für jüdische Schulen ist das ein absolutes Muss und ohne den obligatorischen Wachmann am Tor würden die Eltern ihre Kinder gar nicht in die Schule schicken.
Der Wachmann gehört einem privaten Sicherheitsdienst an, was sich natürlich auf das von den Eltern zu zahlende Schulgeld niederschlägt. In der Vergangenheit kam es vor, dass palästinensische Terroristen in eine Schule eindrangen und die Kinder umbrachten:
http://elderofziyon.blogspot.com/2012/03/list-of-palestinian-arab-terror-attacks.html
Genau das soll jetzt vermieden werden. In Deutschland bzw. Europa werdet Ihr vermutlich auch mehr Wachpersonal benötigen. Auf Twitter las ich, dass die Kölner Bürgermeisterin vor dem Dom Betonblockaden feierlich einweihte.
Feierlich? Als ob man stolz darauf sein könnte.
In Jerusalem wurden die Betonklötze vor Bushaltestellen einfach so abgeladen. Ohne Feier, denn das geschah, nachdem mehrere Palästinenser mit ihren PKWs in Bushaltestellen gerast waren und Menschen töteten oder verletzten. Laut den deutschen Medien handelte es sich hierbei lediglich um Autounfälle, aber die Aussagen kennt Ihr ja bereits selber. Unfälle, Einzelfälle und so. 🙂
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Jerusalems populärer Stadtteil BAKA

Jerusalems populärer Stadtteil BAKA. Das Video zeigt die Gegend zwischen der Pierre Koenig und der Yehudah Street. Die Pierre Koenig gehört bereits zum angrenzenden Stadtteil Talpiyot und die Yehuda Street verbindet die Derech Beit Lechem (Baka) mit der Pierre Koenig.
Die nagelneuen hohen Apartmenthäuser kosten eine Menge an Miete. Ein Bekannter von mir ist gerade frisch eingezogen und er zahlt für ein kleines Apartment 5400 Schekel (fast 1300 Euro) Miete. Hierbei handelt es sich nur um die reine Miete und alle Nebenkosten gehen extra! Im Mietvertrag steht sogar, dass er für seinen Garten einen professionellen Gärtner zahlen muss, der ab und zu mal kommt und sich um das Grünzeug kümmert. Ursprünglich wollte der Vermieter sogar 5600 Euro haben.
Ich könnte mir da keine Wohnung leisten. 5400 Schekel ist eine Menge Schotter und mein Bekannter muss da selbst als Selbstständiger ganz schön für schuften.
Eigentlich passen diese neuen Wohntürme gar nicht zur Gegend, doch derartige Gebäude werden überall hochgezogen. Otto Normalverdiener kann sich das kaum leisten und so zieht es alle zu den Wohnungen, die noch einigermaßen bezahlbar sind. Aber die werden immer weniger und ich wage mir gar nicht auszumalen, was in zehn Jahren passiert. Ob wir da als Normalo – Bürger in der Stadt leben können oder zum Wohnen außerhalb verdammt sind. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie bereits heute  Rentner mit Mindestrente überhaupt noch in der Lage sind, Miete zu zahlen.
Dabei war Baka einst kein besonders attraktiver Stadtteil. Ärmere Leute liessen sich dort nieder und die Kriminalität war hoch. Seit Jahren aber werden neue Wohnungen gebaut und der Stadtteil wurde zum Luxusobjekt. Die Mieten sind hoch und was die Grundsteuer (Arnona) kostet, will ich lieber erst gar nicht wissen.
Dafür gibt es viel Grün und wer nicht gerade an einer der Hauptstraßen wohnt, kann die Ruhe geniessen.

Alltag mit Sonnenuntergang

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Photo: Miriam Woelke

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Photo: Miriam Woelke

Sonnenuntergang gestern Abend in Jerusalem

B“H
Nach langen Wochen eines ungewöhnlich kalten Winters wird es aktuell wieder etwas wärmer in Israel. Jerusalems Temperaturen schwanken tagsüber zwischen 11 – 14 Grad Celsius. Es ist weitgehend sonnig und die Leute zieht es wieder hinaus ins Grüne. An Regen fehlt es immer noch und der kann von mir aus kommen, soviel er will. Hauptsache es wird nicht mehr so eisig kalt wie im Dezember.
Politskandale, palästinensischer Terror – all das hängt mir und vermutlich auch anderen Israelis zum Halse raus. Also geht man arbeiten, kommt heim und geniesst einfach nur seinen Feierabend. Mit Lesen und heißem Tee. Viel ausgehen tue abends nicht, denn mein Bekanntenkreis arbeitet auch und da ist jeder froh, wenn er Feierabend und seine Ruhe hat.

Leserfragen: Preise in Israel, Alltag & Internet in Jerusalem

B“H
Momentan sucht die Mehrheit der Leserschaft auf diesem Blog nach Infos über Preise in Israel, den gelebten Alltag im Land oder ob es in Jerusalem Internet gibt.
Ja, es gibt kostenloses Internet in Jerusalem und das meistens in der Innenstadt um die Jaffa Road / Zion Square herum. In vielen Malls wie Canyion Hadar im Stadtteil Talpiyot oder dem Yes Planet Kino Complex kann sich jeder Besucher kostenlos ins WIFI einloggen. Gewöhnlich ist das Internet in Israel extrem schnell und effizient.
In Tel Aviv existiert ebenso kostenloses WIFI und das fast in der gesamten Innenstadt. Oder geht einfach ins Dizengoff Center, wo Ihr mit dem Computer sitzen könnt, solange Ihr wollt. Man muss also nicht immer in ein Cafe und teuren Kaffee bestellen. 
Weniger kostenloses WIFI werdet Ihr im Norden des Landes vorfinden. In Tiberias, zum Beispiel, sollte man schon zu Cafe Aroma gehen. Der Kaffee ist gut und günstig und Ihr könnt dort stundenlang samt WIFI hocken. Draußen sitzen ist eben weniger angesagt, denn das Winterwetter schlägt morgen zu. Und dann wird es kühl, windig und vor allem nass.
Die Preise in Israel, und das habe ich schon Tausendmal berichtet, sind gepfeffert. Nichts mit billigem Urlaub a la Thailand und so. Selbst Obst und Gemüse ist teuer geworden, denn aufgrund des fehlenden Novemberregens sind die Bauern schon am jammern, dass die Ernte mies wird. Selbst Gurken und Tomaten sind seit Monaten extrem teuer.
Wurst, Fleisch, Käse – egal, welche Lebensmittel – in Israel ist das Leben nun einmal sehr teuer. Von den Mieten will ich erst gar nicht anfangen. Der Fall des Euros in Israel begann vor drei Jahren. Seitdem geht es nur noch abwärts und für einen Euro bekommt Ihr beim Umtausch ca. 4,15 Schekel. Zurzeit nur 4 Schekel und manchmal bis zu 4,25. Vor drei Jahren gab es für einen Euro noch 5, 10 Schekel. Wer also eine Israelreise plant, sollte genügend Geld dabei haben, denn um am Strand zu pennen, ist es jetzt im Winter zu kalt.
Der Alltag in Israel: Die Mehrheit ist damit beschäftigt zu arbeiten, um Geld zu verdienen. Die hohen Mieten, Hypotheken und alle Arten von Rechnungen müssen erst einmal bezahlt werden. Die Freizeit ist oft knapp bemessen, denn die Leute arbeiten teilweise bis 18.00 – 19.00 Uhr. Dann kommt man heim, ißt was und das wars dann auch fast. Duschen, Bett und morgens wieder raus.
Klar, spielt der Terror eine Rolle, doch, wie gesagt, die Leute sorgen sich vorwiegend um ihr Einkommen und das alle Rechnungen bezahlt werden. Wer Kinder hat, ist noch schlimmer dran, denn Kinder kosten noch mehr Geld.
Gestern Abend war ich mit Freunden in der Jerusalemer Innenstadt zugange und eigentlich wollten wir etwas unternehmen. Zuerst waren wir in der Billigkette COFIX, wo wir Sachlab schlürften. Dann suchten und suchten wir die Action in der Innenstadt, wo jedoch tote Hose war. Ganz wenig Touristen und Israelis kommen von der Arbeit und gehen heim. Wer hat schon das Geld dafür, ständig auswärts zu essen? Ich kaufe alles beim Discounter und bereite Kaffee und alle Mahlzeiten daheim zu.
Am Zion Square war gar nichts los genauso wenig wie in der Jaffa Road. Am Ende landeten wir bei Mac Donald’s in der Ben Yehudah Fußgängerzone. Was man dort findet ist überwiegend Touristenramsch sowie ein paar kleinere Restaurants.
Der Mac in der Ben Yehudah ist klein und hinter dem Verkauftresen stand eine Araberin mit Hijab. Nebendran ein männliche Araber, der seine Kolleging drangsalierte. Viel war dort auch nicht los, denn der Mac Donald’s verdient in Jerusalem nichts. Fast Food ist sauteuer und auf dem Teller liegt kaum was Essbares.
Der Mac in der Ben Yehudah ist koscher (Mehadrin) und wir beschränkten uns auf eine kleine Pommes. Danach ging es wieder heim. Wer Action sucht, der gehe in die Shlom Zion HaMalka Street (nahe der Mamilla Mall und Jaffa Road). Dort finden sich jede Menge Pubs und Discos. Das, was seit Monaten total angesagt ist: Live Music und Bars inmitten des Machane Yehudah Marktes. Dort treffen sich allabendlich Tausende, dagegen ist in der ehemals populären Emek Refaim Street in der German Colony nichts mehr los. Entweder gehen die Leute abends zum Alten Bahnhof oder in den Machane Yehudah Markt.

Jerusalem im August

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Photo: Miriam Woelke

B“H
Die sengende Sommerhitze von 34 Grad Celsius hat uns dieser Tage wieder. In letzter Zeit hatten wir mit „nur“ 30 Grad Celsius und der abendlichen Abkühlung richtig Glück.
Ich sehne mich total nach Regen, denn die trockene Luft verursacht total viel Staub in der Wohnung. Egal, ob man saubermacht oder nicht, Fußboden, Tische oder Regale sind stets mit einer Staubschicht überzogen.
Am letzten Schabbat war kaum jemand draußen auf der Straße anzutreffen. Es war viel zu heiß und wenn, dann kommen die Leute erst abends nach Sonnenuntergang heraus. Wenigstens sind alle Busse mit Klimaanlagen ausgestattet und so wird die Fahrt zu keiner Hitzetortur.
Das Land befindet sich immer noch im Urlaub. Erst am 1. September beginnt die Schule wieder und bis dahin hängen viele Jugendliche in Shopping Malls herum. Wer es sich leisten kann, besucht ein Kaitana (ein Summer Camp) mit vielen Aktivitäten. Der Rest schaut TV oder surft im Internet. Nur draußen herumzulaufen, ist viel zu anstrengend wegen der Hitze.
Meiner Meinung nach werden die Kinder hierzulande viel zu sehr mit Cornflakes und sonstigen Cereals vollgestopft. Die volle Zuckerdröhnung gleich morgens zum Frühstück. Den deutschen ihr Nutella und der israelischen Jugend ihre Cornflakes mit Zucker, Schokolade und Honig. Obwohl, wer als Tourist nach Israel kommt, der kann auch hier sein heißgeliebtes Nutella kaufen.
Apropoas, Touristen: Ja, es sind tatsächlich so einige gekommen. Allerdings darf man das Ausbleiben der Touristen nicht nur auf den arabischen Terror schieben. Israel ist ein sehr teures Land und da ziehen es Budget – Touristen sicher vor, in billigere Urlaubsländer wie Griechenland oder Spanien zu reisen.

Jerusalem: „Der Alltag der Bewohner“

20160229_110055Photo: Miriam Woelke

Shilo Street in Nachlaot / Jerusalem

 

B“H
Eine relativ hohe Anzahl von Bloglesern fragt mich regelmäßig, wie denn der gelebte Alltag der Menschen in Jerusalem ausschaut. Die Frage wird mir sowohl von der Leserschaft meines englischen als auch meiner deutschen Blogs gestellt. Wie leben die Menschen in Jerusalem und wie geht Otto Normalverbraucher mit dem arabischen Terror um? Wie, um alles in der Welt, können wir überhaupt noch das Haus verlassen, denn nicht nur theoretisch könnte an jeder Ecke ein Palästinenser mit einem Messer lauern?
In Jerusalem haben wir uns über die Jahrzehnte hinweg an die Terrorgefahr gewöhnt. Für Leute, die im Ausland leben und noch nie direkt mit dem Terror konfrontiert worden sind, mag sich das total bescheuert anhören.
Was sollen wir denn auch machen? Uns daheim einsperren und vor lauter Angst nicht mehr auf die Straße gehen, währenddessen Palästinenser herumlaufen und ihr Leben geniessen bzw. sich eins ins Fäustchen lachen?
Solch ein Verhalten würde allein dem Terror dienen und deswegen leben wir unseren ganz normalen Alltag, sprich Arbeit, Shopping, Ausgehen, etc., weiter.
Ob man es glaubt oder nicht, Israelis sind mit ihrem Privatleben mehr beschäftigt als mit der Terrorangst. Rechnungen zahlen und den Lebensunterhalt verdienen. Hinzu kommt , dass das Land eines der größten Abzockeländer der Welt ist. Alles ist grundsätzlich unverschämt teuer und dazu zocken einen Geschäfte, Firmen, Banken, Versicherung, etc. obendrein nochmals ab.
Jerusalemer Bürger, egal, ob Jude oder Moslem, müssen sehen, dass sie über die Runden kommen und durch den ganzen Stress gerät der Terror manchmal in den Hintergrund. Und heute ist der Monatserste und die Miete muss bezahlt werden. Und leider ist es das, was an diesem Tag Vorrang hat. 🙂

Ein seltsamer Freitag

B“H
Der letzte Freitag war ein seltsamer Tag. Der Himmel war grau und überhaupt war die ganze Stimmung trüb. Die Jerusalemer Innenstadt war so gut wie leer und selbst die Busse waren kaum besetzt. Lediglich der Machane Yehudah Markt war rappelvoll. Irgendwie war jeder nur am Schabbat – Einkauf und rannte dann schnell wieder heim. Ich kaufte meine üblichen Oliven, mehrere Salate und frische Semmeln und das war es auch für mich gewesen.
Die Kälte, die seit einer Woche umgeht, macht die Leute regelrecht fertig. Bis vor zwei Tagen waren es des Nachts um die Null Grad Celsius. Dieser Tage steigt das Themometer wieder etwas an und die Sonne kommt heraus. Eiskaltes Wetter ist definitiv nichts mehr für mich und ich freue mich jetzt schon auf den Sommer.