Leben in Jerusalem

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Alltag mit Sonnenuntergang

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Photo: Miriam Woelke

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Photo: Miriam Woelke

Sonnenuntergang gestern Abend in Jerusalem

B“H
Nach langen Wochen eines ungewöhnlich kalten Winters wird es aktuell wieder etwas wärmer in Israel. Jerusalems Temperaturen schwanken tagsüber zwischen 11 – 14 Grad Celsius. Es ist weitgehend sonnig und die Leute zieht es wieder hinaus ins Grüne. An Regen fehlt es immer noch und der kann von mir aus kommen, soviel er will. Hauptsache es wird nicht mehr so eisig kalt wie im Dezember.
Politskandale, palästinensischer Terror – all das hängt mir und vermutlich auch anderen Israelis zum Halse raus. Also geht man arbeiten, kommt heim und geniesst einfach nur seinen Feierabend. Mit Lesen und heißem Tee. Viel ausgehen tue abends nicht, denn mein Bekanntenkreis arbeitet auch und da ist jeder froh, wenn er Feierabend und seine Ruhe hat.

Leserfragen: Preise in Israel, Alltag & Internet in Jerusalem

B“H
Momentan sucht die Mehrheit der Leserschaft auf diesem Blog nach Infos über Preise in Israel, den gelebten Alltag im Land oder ob es in Jerusalem Internet gibt.
Ja, es gibt kostenloses Internet in Jerusalem und das meistens in der Innenstadt um die Jaffa Road / Zion Square herum. In vielen Malls wie Canyion Hadar im Stadtteil Talpiyot oder dem Yes Planet Kino Complex kann sich jeder Besucher kostenlos ins WIFI einloggen. Gewöhnlich ist das Internet in Israel extrem schnell und effizient.
In Tel Aviv existiert ebenso kostenloses WIFI und das fast in der gesamten Innenstadt. Oder geht einfach ins Dizengoff Center, wo Ihr mit dem Computer sitzen könnt, solange Ihr wollt. Man muss also nicht immer in ein Cafe und teuren Kaffee bestellen. 
Weniger kostenloses WIFI werdet Ihr im Norden des Landes vorfinden. In Tiberias, zum Beispiel, sollte man schon zu Cafe Aroma gehen. Der Kaffee ist gut und günstig und Ihr könnt dort stundenlang samt WIFI hocken. Draußen sitzen ist eben weniger angesagt, denn das Winterwetter schlägt morgen zu. Und dann wird es kühl, windig und vor allem nass.
Die Preise in Israel, und das habe ich schon Tausendmal berichtet, sind gepfeffert. Nichts mit billigem Urlaub a la Thailand und so. Selbst Obst und Gemüse ist teuer geworden, denn aufgrund des fehlenden Novemberregens sind die Bauern schon am jammern, dass die Ernte mies wird. Selbst Gurken und Tomaten sind seit Monaten extrem teuer.
Wurst, Fleisch, Käse – egal, welche Lebensmittel – in Israel ist das Leben nun einmal sehr teuer. Von den Mieten will ich erst gar nicht anfangen. Der Fall des Euros in Israel begann vor drei Jahren. Seitdem geht es nur noch abwärts und für einen Euro bekommt Ihr beim Umtausch ca. 4,15 Schekel. Zurzeit nur 4 Schekel und manchmal bis zu 4,25. Vor drei Jahren gab es für einen Euro noch 5, 10 Schekel. Wer also eine Israelreise plant, sollte genügend Geld dabei haben, denn um am Strand zu pennen, ist es jetzt im Winter zu kalt.
Der Alltag in Israel: Die Mehrheit ist damit beschäftigt zu arbeiten, um Geld zu verdienen. Die hohen Mieten, Hypotheken und alle Arten von Rechnungen müssen erst einmal bezahlt werden. Die Freizeit ist oft knapp bemessen, denn die Leute arbeiten teilweise bis 18.00 – 19.00 Uhr. Dann kommt man heim, ißt was und das wars dann auch fast. Duschen, Bett und morgens wieder raus.
Klar, spielt der Terror eine Rolle, doch, wie gesagt, die Leute sorgen sich vorwiegend um ihr Einkommen und das alle Rechnungen bezahlt werden. Wer Kinder hat, ist noch schlimmer dran, denn Kinder kosten noch mehr Geld.
Gestern Abend war ich mit Freunden in der Jerusalemer Innenstadt zugange und eigentlich wollten wir etwas unternehmen. Zuerst waren wir in der Billigkette COFIX, wo wir Sachlab schlürften. Dann suchten und suchten wir die Action in der Innenstadt, wo jedoch tote Hose war. Ganz wenig Touristen und Israelis kommen von der Arbeit und gehen heim. Wer hat schon das Geld dafür, ständig auswärts zu essen? Ich kaufe alles beim Discounter und bereite Kaffee und alle Mahlzeiten daheim zu.
Am Zion Square war gar nichts los genauso wenig wie in der Jaffa Road. Am Ende landeten wir bei Mac Donald’s in der Ben Yehudah Fußgängerzone. Was man dort findet ist überwiegend Touristenramsch sowie ein paar kleinere Restaurants.
Der Mac in der Ben Yehudah ist klein und hinter dem Verkauftresen stand eine Araberin mit Hijab. Nebendran ein männliche Araber, der seine Kolleging drangsalierte. Viel war dort auch nicht los, denn der Mac Donald’s verdient in Jerusalem nichts. Fast Food ist sauteuer und auf dem Teller liegt kaum was Essbares.
Der Mac in der Ben Yehudah ist koscher (Mehadrin) und wir beschränkten uns auf eine kleine Pommes. Danach ging es wieder heim. Wer Action sucht, der gehe in die Shlom Zion HaMalka Street (nahe der Mamilla Mall und Jaffa Road). Dort finden sich jede Menge Pubs und Discos. Das, was seit Monaten total angesagt ist: Live Music und Bars inmitten des Machane Yehudah Marktes. Dort treffen sich allabendlich Tausende, dagegen ist in der ehemals populären Emek Refaim Street in der German Colony nichts mehr los. Entweder gehen die Leute abends zum Alten Bahnhof oder in den Machane Yehudah Markt.

Jerusalem im August

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Photo: Miriam Woelke

B“H
Die sengende Sommerhitze von 34 Grad Celsius hat uns dieser Tage wieder. In letzter Zeit hatten wir mit „nur“ 30 Grad Celsius und der abendlichen Abkühlung richtig Glück.
Ich sehne mich total nach Regen, denn die trockene Luft verursacht total viel Staub in der Wohnung. Egal, ob man saubermacht oder nicht, Fußboden, Tische oder Regale sind stets mit einer Staubschicht überzogen.
Am letzten Schabbat war kaum jemand draußen auf der Straße anzutreffen. Es war viel zu heiß und wenn, dann kommen die Leute erst abends nach Sonnenuntergang heraus. Wenigstens sind alle Busse mit Klimaanlagen ausgestattet und so wird die Fahrt zu keiner Hitzetortur.
Das Land befindet sich immer noch im Urlaub. Erst am 1. September beginnt die Schule wieder und bis dahin hängen viele Jugendliche in Shopping Malls herum. Wer es sich leisten kann, besucht ein Kaitana (ein Summer Camp) mit vielen Aktivitäten. Der Rest schaut TV oder surft im Internet. Nur draußen herumzulaufen, ist viel zu anstrengend wegen der Hitze.
Meiner Meinung nach werden die Kinder hierzulande viel zu sehr mit Cornflakes und sonstigen Cereals vollgestopft. Die volle Zuckerdröhnung gleich morgens zum Frühstück. Den deutschen ihr Nutella und der israelischen Jugend ihre Cornflakes mit Zucker, Schokolade und Honig. Obwohl, wer als Tourist nach Israel kommt, der kann auch hier sein heißgeliebtes Nutella kaufen.
Apropoas, Touristen: Ja, es sind tatsächlich so einige gekommen. Allerdings darf man das Ausbleiben der Touristen nicht nur auf den arabischen Terror schieben. Israel ist ein sehr teures Land und da ziehen es Budget – Touristen sicher vor, in billigere Urlaubsländer wie Griechenland oder Spanien zu reisen.

Jerusalem: „Der Alltag der Bewohner“

20160229_110055Photo: Miriam Woelke

Shilo Street in Nachlaot / Jerusalem

 

B“H
Eine relativ hohe Anzahl von Bloglesern fragt mich regelmäßig, wie denn der gelebte Alltag der Menschen in Jerusalem ausschaut. Die Frage wird mir sowohl von der Leserschaft meines englischen als auch meiner deutschen Blogs gestellt. Wie leben die Menschen in Jerusalem und wie geht Otto Normalverbraucher mit dem arabischen Terror um? Wie, um alles in der Welt, können wir überhaupt noch das Haus verlassen, denn nicht nur theoretisch könnte an jeder Ecke ein Palästinenser mit einem Messer lauern?
In Jerusalem haben wir uns über die Jahrzehnte hinweg an die Terrorgefahr gewöhnt. Für Leute, die im Ausland leben und noch nie direkt mit dem Terror konfrontiert worden sind, mag sich das total bescheuert anhören.
Was sollen wir denn auch machen? Uns daheim einsperren und vor lauter Angst nicht mehr auf die Straße gehen, währenddessen Palästinenser herumlaufen und ihr Leben geniessen bzw. sich eins ins Fäustchen lachen?
Solch ein Verhalten würde allein dem Terror dienen und deswegen leben wir unseren ganz normalen Alltag, sprich Arbeit, Shopping, Ausgehen, etc., weiter.
Ob man es glaubt oder nicht, Israelis sind mit ihrem Privatleben mehr beschäftigt als mit der Terrorangst. Rechnungen zahlen und den Lebensunterhalt verdienen. Hinzu kommt , dass das Land eines der größten Abzockeländer der Welt ist. Alles ist grundsätzlich unverschämt teuer und dazu zocken einen Geschäfte, Firmen, Banken, Versicherung, etc. obendrein nochmals ab.
Jerusalemer Bürger, egal, ob Jude oder Moslem, müssen sehen, dass sie über die Runden kommen und durch den ganzen Stress gerät der Terror manchmal in den Hintergrund. Und heute ist der Monatserste und die Miete muss bezahlt werden. Und leider ist es das, was an diesem Tag Vorrang hat. 🙂

Ein seltsamer Freitag

B“H
Der letzte Freitag war ein seltsamer Tag. Der Himmel war grau und überhaupt war die ganze Stimmung trüb. Die Jerusalemer Innenstadt war so gut wie leer und selbst die Busse waren kaum besetzt. Lediglich der Machane Yehudah Markt war rappelvoll. Irgendwie war jeder nur am Schabbat – Einkauf und rannte dann schnell wieder heim. Ich kaufte meine üblichen Oliven, mehrere Salate und frische Semmeln und das war es auch für mich gewesen.
Die Kälte, die seit einer Woche umgeht, macht die Leute regelrecht fertig. Bis vor zwei Tagen waren es des Nachts um die Null Grad Celsius. Dieser Tage steigt das Themometer wieder etwas an und die Sonne kommt heraus. Eiskaltes Wetter ist definitiv nichts mehr für mich und ich freue mich jetzt schon auf den Sommer.

Jerusalem und seine Probleme

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Photo: Miriam Woelke

 

 

Die Agrippas Street in Downtown Jerusalem am Machane Yehudah Markt
B“H
Neben dem ständigen palästinensischen Terror plagen die Stadtverwaltung Jerusalem noch ganz andere Probleme. Das leere Stadtsäckel, zum Beispiel, denn der Bau der Straßenbahn verschlang Unsummen. Zwar erfreut sich die Straßenbahn erheblicher Beliebtheit, doch die vielen Millionen Steuergelder müssen erst einmal wieder reinkommen.
Der Wohnungsmarkt liegt darnieder und wer erschwingliche Bleiben sucht, der muss suchen wie blöd. Dass, was einigermaßen gefällt, läuft fast nur noch über Makler. Inzwischen sind wir soweit, dass selbst Kellerlöcher ohne Fenster für Tausende Schekel vermietet werden. Oft sind gerade Studenten gezwungenermaßen bereit, derlei Kellerlöcher zu bewohnen. Wer an ein Budget gebunden ist, erhält kaum mehr eine gute Wohnung, sondern muss sich halt mit dem was da ist zufriedengeben.
Ein weiteres Problem ist die angespannte Arbeitsmarktsituation. Hier hat Jerusalem gegenüber Tel Aviv, Rishon LeZion, Netanya, Herzliya, Petach Tikwah oder Hod Hasharon, definitiv einen Nachteil. Obwohl es zwei Technology Parks gibt, hinkt Jerusalem der Küste ziemlich hinterher. Nicht nur wegen fehlender Arbeitsplätze, sondern auch bei der Höhe der Gehälter. An der Küste wird wesentlich mehr verdient, dafür aber sind die Lebenshaltungskosten noch höher als in der Hauptstadt. Auf der einen Seite wird gut verdient und auf der anderen Seite geht das Geld für Miete, Rechnungen und ein paar Lebensmittel gleich wieder drauf. 🙂
Zwar propagandiert die Jerusalemer Stadtverwaltung immer wieder neu, dass in der Hauptstadt mehr Arbeitsplätze entstehen-jedoch ist die Frage: Wo bzw. in welcher Branche?
Startups gibt es auch in Jerusalem und oft werden sie von Neueinwanderern gegründet. Aus der Not heraus, sozusagen, wenn man keinen anderen Job gefunden hat. So, zum Beispiel, traf eine Freundin von mir bei ihrer Wohnungssuche auf eine Vielzahl von Maklern, die aus Russland oder Frankreich eingewandert sind. All diese Makler gaben zu, keinen anderen Job gefunden zu haben und so seien sie halt Makler geworden. Mehr oder weniger erfolgreich. Meist weniger und der Wohnungsmarkt sei heiß umkämpft. Wenn selbst Hightech Firmen an der Küste Israelis kündigen, weil sie mit 32-35 Jahren als zu alt und verbraucht gelten, kann man sich vorstellen, was erst in Jerusalem los ist. Nämlich nicht viel und man darf nicht wählerisch sein. In Geschäften wird häufig die Putzfrau eingespart und die Verkäuferinnen sind angehalten, kleinere Läden vor dem Feierabend selber zu wischen.
Ein weiteres Jerusalem Problem ist der chronische Parkplatzmangel in der Innenstadt. Gerade wurden erst wieder zwei große Parkplätze plattgemacht, denn es entstehen Neubauten. Am Gerard Behar Center sowie an der Eliash Street, wo überflüssige Luxuswohnungen in Form eines Pyramidengebäudes entstehen.
Keine Parkplätze bedeutet keine Kundschaft für die Geschäfte. Da fahren die Leute lieber in die großen Malls am Stadtrand, wo es Tiefgaragen und kostenloses Parken gibt. Wozu sich da noch in die Innenstadt quetschen und Cash in für die Parkuhr verschwenden?
Für all diese Probleme stehen keine Lösungen bereit und Bürgermeister Nir Barkat will eh hinschmeissen und in die hohe Politik der Knesset abwandern. Dabei ist Barkat noch blasser als Olmert und erinnert an einen langweiligen Buchhalter.
Kurz gesagt, der Bürger findet sich allein im Nirgendwo wieder und muss sich durchwursteln. 🙂

Jerusalem heute früh

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Photo: Miriam Woelke

B“H
Regen, Sturm und Kälte-so lautet die Wettervorhersage für diesen Schabbat. Temperaturen unter 10 Grad Celsius und ich stelle mich auf einen ruhigen Schabbat mit Couch und Buch in der Hand ein. Der Schnupfen muss eh noch auskuriert werden. 🙂
Wie es heute früh ausschaute, seht Ihr auf dem Bild oben. Mittlerweile scheint aber wieder die Sonne. Trotzdem wird auch der heutige Tag von weiterem Regen geprägt werden.
Es ist Winter im Heiligen Land und wenn auch die Touristen weitgehend ausbleiben, wer sich dennoch entscheidet zu kommen, sollte warme Winterklamotten im Gepäck haben. Januar und Februar sind bekanntlich die kältesten Monate in der Region. Was in Israel fehlt, sind richtig schöne deutsche Zentralheizungen. Anstellen und nach zwei Minuten ist es warm. Davon können wir nur träumen und ich habe, wie viele andere auch, einen kleinen elektrischen Heater, der die Stromrechnung gleich mal deftig ansteigen läßt. So richtig warm halten wir uns mit heißen Getränken sowie mit heißer Suppe. In der Innenstadt bieten die meisten Cafes, neben ihrer üblichen Produktpalette, heiße Suppen. Wer sich eine kaufen will, sollte bei den 5-Schekel-Ketten COFIZZ oder COFIX vorbeischauen. Dort gibt es ab Mittag Linsen-oder Tomatensuppe für nur 5 Schekel (ca. 1,20 Euro). Für den niedrigen Preis sind die Suppen recht gut, enthalten jedoch keinerlei tierische Produkte / Zutaten! Vegetarier können also auch zuschlagen. 🙂
Sobald es in den Wintermonaten kalt und regnerisch wird, bleiben die Jerusalemer lieber daheim. Restaurants oder Cafes verzeichnen deutlich weniger Betrieb und dieser Tage war selbst am sonst so beliebten Alten Bahnhof gar nichts los. Tote Hose in der Stadt, Nur in der Politik geht es immer rund.