Leben in Jerusalem

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Unbekanntere Netanyahu – Seiten

B“H
Vor zwei Wochen wurde morgens schon unsere Straße so ziemlich gesperrt. Ich wohne seit sechs Jahren hier und eine Straßensperre um das Haus drei Häuser von mir entfernt, war bislang noch nicht vorgekommen. Obwohl man meinen könnte, dass das fast an der Tagesordnung sei.
Vor zwei Wochen dann sah ich es zum allerersten Male und viele Bewohner (nicht alle) wissen, was das bedeuten könnte: Bibi Netanyahu kommt seinen Bruder Ido besuchen.
Ido Netanyahu ist fast mein direkter Nachbar und an dem besagten Tag kamen Arbeiter der Stadtverwaltung und stellten Metallblockaden auf. Zwei Schabak – Mitarbeiter (innerer Geheimdienst) dichteten den Hauseingang der Netanyahus mit undurchsichtiger Plane ab.
Tatsächlich kam Bibi dann auch und man begab sich gemeinsam mit den Ehefrauen zum Friedhof auf dem Herzlberg. Dort liegen viele gefallene Soldaten sowie bekannte Persönlichkeiten des Staates Israel: Die Rabins oder Golda Me’ir, zum Beispiel.
Juden aus der Diaspora werden auf dem Friedhof nicht bestattet, denn es ist ein rein israelischer Friedhof. Der einzige Diaspora – Jude dort dürfte Theodor (Ze’ev) Herzl sein.
Es war die Yahrzeit von Jonathan (Yoni) Netanyahu. Dem älteren Bruder von Benjamin und Ido. Letzterer ist der Jüngste der drei Geschwister.

Eine Yahrzeit (Sterbegedenktag) richtet sich im Judentum immer nach dem Sterbetag des jüdischen Kalenders!

Bibi Netanyahu stand in engem Verhältnis zu Yoni und hat ihm viel zu verdanken. Unter anderem lernte er durch ihn seine erste Frau kennen. Seine heutige Frau Sarah ist seine dritte Frau.
Ido samt Gattin leben in einem ganz normalen Mehrfamilienhaus und machen keinerlei Tamtam darum, wer ihr naher Verwandter ist. Sie leben bescheiden und Idos Frau geht tagsüber mit dem Hund Gassi. Jeden Morgen legt sie Katzenfutter aus und die Straßenkatzen vom mittleren Teil der Straße bedienen sich dort. Unsere Katzenfamilie aus dem Garten nicht, denn das Netanyahu – Haus liegt nicht in ihrem Territorium. Und so füttere ich sie, samt zwei Leutchen aus dem Nachbarhaus, durch.
Frau Netanyahu aus unserer Straße macht keinerlei Aufhebens um ihre Person und wer keine Ahnung hat, der würde niemals auf den Gedanken kommen, dass sie Bibis Schwägerin ist. Es gibt keinerlei Security vor dem Haus und jeder hier lebt halt ganz normal.
Viele Male habe ich mit ihr geredet, wobei es meistens um die Straßenkatzen ging. Manchmal ruft sie bei der Stadtverwaltung an, dass man doch die Straßenkatzen einfangen und zumindest kastriere. Mehrere Male passierte das auch, und wenn die Stadtverwaltung kommt, ist die Kastration umsonst. Wenn ich dagegen anrufe, kümmert das keinen und nichts passiert. 🙂
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„Die deutschen Medien sind besessen von Israel“ oder „Wie lebt es sich so in Israel“

B“H
Es scheint seit ein paar Wochen so als seien deutsche Medien geradezu besessen von Israel. Touristen – Journalisten machen sich auf, um Tel Aviv ein wenig zu erkunden. Oberflächlich, denn jeder Artikel unterliegt einer Deadline und richtige Staatsbürger sind die Touristen nicht. Woher sollen sie da das richtige Leben in Israel kennen? 
Man ist zeitlich befristet im Land und hangelt sich, wenn überhaupt, von Visum zu Visum. Immer mit der Angst im Nacken, dass das Innenministerium dem Treiben ein Ende setzt und das Visum letztendlich nicht mehr verlängert wird.
Aber egal, denn was deutsche Journalisten berichten sind die positiven Seiten von Tel Aviv. Die Stadt sei tolerant, die Leute alle total cool und überhaupt sei alles easy peasy. Ich selbst habe einige Jahre in der Küstenstadt sowie in der Nachbarstadt Ramat Gan verbracht und es ist eben nicht alles easy peasy. Zumindest nicht im Alltagsleben und ein Normalo in Tel Aviv ist weit davon entfernt, den Großteil seines Tages am Strand zu verbringen und schick Essen zu gehen. Man muss arbeiten und das meistens in mehrere Jobs. Da bleibt nicht mehr viel Zeit, denn Rechnungen wollen bezahlt sein und Essen muss man ja auch.
Okay, mit Touristenaugen fällt alles leichter und mit den hiesigen Ämtern braucht man sich nicht abzuplagen. Es sei denn, wie bereits erwähnt, mit dem Innenministerium bei der Visaverlängerung alle drei Monate.
Tel Aviv hier, Tel Aviv da und diese Woche werdet Ihr in deutschen Medien vermutlich lesen, dass an diesem Freitag in Tel Aviv die Gay Parade stattfindet. Eine riesige Party, auf der schwule Männer in Bikinis herumhupfen und Netta Barzilay zusammen mit ihren Eurovisions – Konkurrentin aus Zypern gemeinsam singen wird.
Israel aber besteht nicht nur aus Tel Aviv, den tollen Restaurants dort, der angeblichen Toleranz (die bei weitem nicht immer vorhanden ist) oder dem Strandleben. Wer Israel kennenlernen will, der ziehe durch die Provinz und rede mit Otto Normalverbraucher. Mit Menschen, die ganz unten sind und mit Menschen, die oben stehen. Das Problem ist, dass man die da oben kaum sprechen wird, denn die da oben leben in Luxusvillen in Herzliya, Caesaria, Or Yehudah, Netanya, Kfar Saba, Petach Tivkah oder Hod HaSharon. Gesellschaftsschichten, an die so leicht niemand herankommt und deren Mitglieder lieber unter sich bleiben. Man gibt kaum Interviews und Sachen ausgeplaudert werden schon gar nicht.
Was mich persönlich nervt ist der Hype um Tel Aviv und dass andere Orte links liegengelassen werden. Darunter auch Jerusalem, denn hier gilt alles als verstaubt und halt nicht so tolerant. In Jerusalem sind die doofen religiösen Juden, die nicht arbeiten, faul sind und dem Staat auf der Tasche liegen. Zurückgebliebene bekloppte Leute halt, die in einem Ghetto hausen. Die werden nicht so gehypt, weil in Jerusalem nicht jeden Tag Party ist. 

 

 

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Szeneviertel Florentin in Tel Aviv – Copyright: Miriam Woelke

 

 

In Israel hat jeder einzelne Ort, jedes Kaff und selbst jeder Stadtteil seinen eigenen Charakter. “Etzlenu ba’Schechunah …- Bei uns im Stadtteil”, was jedoch mehr bedeutet als die bloße Übersetzung ins Deutsche. 
„Etzlenu ba’Schechunah“ ist Leben. Die Umgebung, in der ich lebe und in der ich mich wohlfühle. Die Leute identifizieren sich mit ihrem Stadtteil, wie, u.a., die Bewohner des Jerusalemer Stadtteil Baka, die da Geld sammelten, um einer abgebrannten Falafelbude wieder auf die Beine zu helfen. Ohne die Falafelbude ging es offenbar nicht, obwohl weitere Falefelbuden in der Derech Beit Lechem Street vorzufinden sind. Aber nein, es musste die abgebrannte Bude sein, deren Besitzer kurz vor Feierabend den Ofen nicht richtig ausgestellt hatte und es so zu einem Brand kam. Die Bude lag in Schutt und Asche, aber nach wenigen Wochen stand sie wieder da. Dank der Spenden, wobei ich finde, dass die Falafel dort nichts Besonderes ist. In der Laffa kostet sie 20 Schekel (ca. 5 Euro) und in der Pitah 17 Schekel (ca. 3,5 Euro).
Ich war einmal dort und kaufte Falafel in der Laffa. Viel zu trocken war sie und mit Humus und Techina wurde gegeizt. Aber in Baka kann sich ein Geschäftsinhaber vieles erlauben, denn dort wohnt die Mittelschicht und eine Menge Neueinwanderer aus Frankreich und den USA. Man hat etwas Geld und nagt nicht am Hungertuch.
Der israelischen Gastronomie geht es generell nicht besonders gut und weit mehr als die Hälfte aller Cafes und Restaurants gehen in den ersten drei Jahren Pleite. Selbst die recht gutlaufenden Hypster – Restaurant in Tel Aviv. 
Erinnert sich noch jemand an das total gehypte italienische Restaurant Topolino am Jerusalemer Machane Yehudah Markt? Jahrelang galt es bei vielen Leuten als DIE Adresse. Jedenfalls solange bis zwei Ecken weiter die Konkurrenz von Basta Pasta aufmachte. Dort gibt es auch hausgemachte Nudeln, aber alles billig und man zahlt nicht mehrere Hundert Schekel wie einst im Topolino.
Es gibt viele Gründe, warum das Topolino letztendlich in die Insolvenz ging, doch der arabische Terror, wie die beiden Besitzer gerne vorgeben, war nicht der Grund. Die Topolino – Besitzer eröffneten, Dank Geldgeber, ein neues Restaurant im angesagten Neve Zedek – Stadtteil von Tel Aviv. Genauer gesagt in der Lilienblum Street, wo es massig Konkurrenz und Gastronomiepleiten gibt. Ein neuer Hype, ein neues Restaurant und bald eine neue Insolvenz. Stadtverwaltungen warnen vor Neueröffnungen von Cafes und Restaurants, denn die gibt es mehr als im Überfluss.
Kurz gesagt, dass neue Etablissement in der Lilienblum machte nach wenigen Monaten dicht, denn der Geldgeber reichte kein Cash mehr rüber und die Besitzer zahlen bis heute ihre Topolino – Schulden ab. Vor einiger Zeit gab es einen israelischen Online – Artikel über sie:
Man pfeife auf die Gastronomie, denn in Tel Aviv seien die Kunden noch schlimmer als in Jerusalem. Man bestelle einen Tisch und sage dann ab oder erscheine erst gar nicht. Jede Woche ein neues Restaurant und immer wieder neu gehypt. Die beiden Ex – Topolino – Leute, ein älteres Pärchen nahe an der 60 gehe jetzt putzen. Da verdient man gut und wer weiß. Wenn die Schulden abbezahlt sind, geht es vielleicht zurück in die Gastronomie. Aber dann nur mit eigenem Catering und kein Restaurant mehr.
Was mir am Leben in Israel gefällt? Die Leute sind flexibel und einfallsreich. Funktioniert dies nicht, wird ein neuer Einfall ausprobiert. Niemals herrscht Stillstand, denn den kann sich keiner leisten. Es muss weitergehen und seltsamerweise tut es das auch immer. Manchmal gut und manchmal halt weniger gut. 🙂

Stadtteil – Plaudereien

B“H
Gestern Abend sah man mehrmals Polizei – Jeeps bei uns im Stadtteil, doch es blieb ruhig. Die Palästinenser im unteren Teil von Abu Tur waren damit beschäftigt, ihre Ramadan – Festbeleutung aufzuhängen. In der Parallelstraße unterhalb von meinem Balkon wurde eine riesige bunte Girlande mehrere Hundert Meter über der Straße gezogen. Niemanden stört das und die bunten Plastikfähnchen wird der Wind eh bald davonblasen.
Ob die Palästinenser von Abu Tur nun randalieren oder nicht – bei uns herrscht das ganze Jahr über Randale. Beschimpft werden wir als Drecksjuden oder was auch immer. Ab und zu werden Autoscheiben eingeschlagen, Steine geworfen, unsere Mülltonnen geklaut, es wird Allah Akbar geschrien und schlimmstenfalls fliegen Molotow – Cocktails auf unsere Häuser bzw. auf das Dach wie bei uns vor einiger Zeit. Action ist eigentlich immer, wobei es lange nicht alle Palästinenser sind, die mit dem Krakeelen anfangen. Fast immer sind es Jugendliche im Alter von 10 – 16 Jahren, welche die Polizei zwar verhaftet, aber dann an die Eltern übergibt. Trotzdem kommt es gegen diese Jugendlichen immer wieder zu Gerichtsverfahren.
Für Juden beginnt an diesem Samstagabend (nach Schabbatausklang um 20.12 Uhr) der hohe jüdische Feiertag SCHAVUOT. Der Tag, an welchem die Juden am Berg Sinai von G – tt die Thora erhielten.
Demnach ist am Sonntag Feiertag in Israel und von Freitagnachmittag bis Sonntagabend fahren keine Busse und die meisten Geschäfte bleiben zu. Traditionell gibt es an Schavuot milchige Speisen und ich werde am Freitag eine Lasagne vorbereiten. Dazu einkaufen war ich heute schon und am Donnerstagabend folgt der Rest.
Der ganze Krawall um die neue US – Botschaft 15 Minuten von uns entfernt wird sich schnell legen. Immer wieder dient irgendein Ereignis den Palästinensern als Vorwand. Wie vor etwas mehr als zehn Jahren die Randale auf dem Tempelberg als man Israel vorwarf, den Tempelberg einnehmen zu wollen. Dabei wurde unterhalb des Tempelberges auf jüdischer Seite eine archäologische Ausgrabung betrieben. Was daraus geworden ist? Ausgegraben wird immer noch, doch die Palästinenser verloren schnell das Interesse und starteten neue Aktionen.
Vor zwei Tagen verkündete die Hamas in Gaza, man wolle wieder einmal Israel stürmen. Den Grenzzaun durchbrechen und ein Massaker an Juden anrichten. Wie wilde Horden wurde dann auf den Zaun zugerannt und Kinder vorgeschickt. Die Hamas soll jedem Teilnehmer 100 Dollar geboten haben. Schon einen Tag vor Eröffnung der US Botschaft in Jerusalem war die Eskalation am Grenzzaun zum Gazastreifen vorprogrammiert. Nur berichteten die deutschen „Qualitätsmedien“ nicht oder kaum davon. Die Botschafts – Eröffnung selbst diente nur als Vorwand.
Dieser Tage wird es so richtig heiß und ich muss mir noch einen zweiten Ventilator kaufen. Den letzten habe ich kaputt entsorgt und mir bleibt nur der Ventilator an der Decke im Schlafzimmer. Das allein reicht aber bei 34 Grad Hitze nicht, um die Bude zu kühlen.
Und zur Katzensippe bei uns im Garten:
Drei von den vier erwachsenen weiblichen Katzen hatten zusammen sechs Babies. Eine vierte Katze läuft noch schwanger herum.
Zwei Monaten lebte die Sippe bei mir auf der Veranda, wo ich ihnen aus zwei Kartons ein Haus gebaut hatte. Vorgestern dann schnappten die Mütter ihre Kleinen und zogen hinunter in den Garten. Für mich hat das den Vorteil, nicht jeden Tag wie doof saubermachen zu müssen. Andererseits haben palästinensische Kinder die Sippe schon ausgespäht und ich hoffe, dass die Palis die Kleinen nicht an die Wand klatschen. Es ist bekannt, wie Moslems mit Tieren umgehen und in Israel haben wir viele Beispiele von halbtot geprügelten Hunden, Eseln und Kamelen.
Meine Vermieterin sprengt des Abends den Garten, schaut sich aber ständig um, sobald palästinensische Jugendlichen in Gruppen durch die Straße brüllen. Es wurden erst wieder Pflanzen aus dem Garten geklaut und fast alle anderen Nachbarn haben sich mit Eisentoren verbarrikadiert. Wenn ich denn mal irgendwann wieder umziehe, dann nur in einen rein jüdischen Stadtteil. Ohne gröhlende Moslems und die Israelhasser der UNO oder EU. Letztere sind weitestgehend zu den Palästinensern oder in die neuen Häuser im Nachbarstadtteil Arnona gezogen. EU und UNO zahlen ihren Angestellten die Mieten samt allen weiteren Unkosten. Diese Leute bei sich wohnen zu haben, bedeutet nichts Gutes. Im Nebeneingang von unserem Haus hatten wir zweimal eine amerikanische UNO Family, die sich mit allen jüdischen Nachbarn anlegten und Israelfahnen an den Balkonen nicht sehen wollten. Wir waren heilfroh als im Mai 2017 die letzte Familie ausgezogen war. Die Vermieterin der Wohnung will jetzt nur noch jüdische Mieter, nachdem die UNO einen wahren Saustall hinterlassen hatte und erst einmal eine Putzkolonne von zehn Mann sechs Stunden reinigen und streichen musste.
Das ausländische UNO Personal und die deutschen EU Angestellten sind hochgradig antisemitisch und pro – palästinensisch. Machen aber auf dicke Hose als ob sie hier die Herrenmenschen seien.

 

Aliyah nach Jerusalem?

B“H
ALIYAH = Die Einwanderung eines Juden nach Israel oder, in diesem Falle, nach Jerusalem
Es besteht keinerlei Zweifel daran, dass das nachfolgende Video der Stadtverwaltung Jerusalem ausschließlich die Schokoladenseiten von Jerusalem zeigt. Die schönsten Stadtteile und nur zufriedene Neueinwanderer (Olim).
Ich will hier keinem Juden die Aliyah – Pläne oder sein Vorhaben, sich in Jerusalem niederzulassen, zerstören. Dennoch sei gesagt, dass die wenigsten Neueinwanderer das Geld haben, sich in tollen Stadtteilen niederzulassen. Das Leben in Israel ist alles andere als einfach. Vor allem ist es nach der Einwanderung nach Israel nicht leicht, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wer das kann, ist schon ein riesiges Stück weiter und sollte hochzufrieden sein.
Vor der offiziellen Einwanderung nach Israel rate ich jedem Juden, zuerst einmal durch das Land zu reisen. Als Tourist zu kommen, sich umsehen, mit Leuten zu reden und sich eingehend über die Jobsituation und den Wohnungsmarkt informieren.
Ich lebe seit mehr als 15 Jahren allein in Jerusalem und kann sagen, dass die hiesige Jobsituation nicht die beste ist. Zugegeben, es kommt auf den Beruf und die Qualifikation eines jeden Neueinwanders an. Trotzdem darf niemand seine Erwartungen zu hoch schrauben.
Gehälter sind oft niedrig, Lebenshaltungskosten sind hoch und dann sind da noch eine neue Sprache, die erlernt werden will sowie die Gewöhnung an die Mentalität des Nahen Osten. Das klingt machbar und das ist es auch. Dennoch liegt die israelische Mentalität nicht jedem und nicht selten geben Neueinwanderer auf, weil sie die Leute hier einfach nur bescheuert finden.
Was niemand tun sollte ist, Israel so zu pushen, wie man es gerne haben will. Mit dem „German Mindset“ und Vorschriften kommt niemand weiter und, ehrlich gesagt, werdet Ihr Euch damit keine Freunde machen. Sage keinem Israeli, wie er sich Deiner Meinung nach benehmen soll, sondern lerne, mit der chaotischen Mentalität umzugehen.
Wie in jedem anderen Ort der Welt, gibt es eine Menge positive und negative Seiten zum Leben in Jerusalem. Ein extrem positiver Faktor ist die Atmosphäre in der Stadt. Wer lange genug hier lebt, merkt den Unterschied zu den Leuten in Tel Aviv, Netanya, Kfar Saba oder Haifa. In Jerusalem geht es wenig formell zu. Niemand erwartet, dass das Gegenüber einen tollen Beruf hat und sich ausschließlich in Markenklamotten schmeißt.
Es kann sein, dass Du Jerusalem und die Bewohner als verrückt empfindest. Das ist sogar wahr, aber gerade der Irrsinn der Stadt und ihrer Bewohner ist eine Herausforderung, an die Du Dich gewöhnen solltest. Allein um in der Lage zu sein, die Stadt zu lieben. Gelingt das nicht, so wirst Du hier kaum glücklich werden. 🙂

 

 

 

Busfahrt

B“H
Ich besitze das große Glück, weder auf Bus noch auf einen PKW angewiesen zu sein. Jeden Morgen laufe ich zur Arbeit, denn die ist nicht allzu weit entfernt.
Einmal pro Woche nehme ich einen Bus, um auf dem Machane Yehudah Markt einzukaufen. Hühnchen, Karotten, Zwiebeln, Kartoffel, Sellerie, Lauch und sowas halt. Obst und anderes Gemüse wie Kohlrabi, Blumenkohl, etc. dagegen kaufe ich beim Discounter, denn das ist auf dem Machane Yehudah viel zu teuer geworden.
Die Hinfahrt am Spätnachmittag verläuft noch ganz okay, aber die Rückfahrt mit dem Bus vom Machane Yehudah bis zu meiner Station an der Derech Hebron ist eine einzige Katastrophe. Das Klientel, das am Markt einsteigt, ist oft nicht immer das beste. 🙂 Ältere Leute mit wenig Rente und diversen mentalen Problemen. Gestern, zum Beispiel, stieg ich in der Agrippas (am Markt) in die Linie 78, wo sich gerade zwei ältere Frauen fetzten und sich fast prügelten. Eine wollte die andere nicht am Fenster sitzen lassen, da sie den Platz besetzt hielt. Und dann wurde sich mit HEXE und GEISTIG ZURÜCHGEBLIEBEN beschimpft. Alles passierte gleich hinter dem Busfahrer, doch der mischte sich nicht ein. Auch nicht als die eine Frau die Polizei holen wollte. Dabei haben Polizisten Besseres zu tun als zwei keifende Hexen auseinanderzubringen.
Entweder wird gezofft oder irgendein Geistesgestörter brüllt durch den Bus. Wer zwischen 17.00 und 19.00 Uhr mit einem Stadtbus durch Jerusalem fährt, erlebt nicht selten sein blaues Wunder.
Vielleicht laufe ich nach dem nächsten Einkauf heim. Dann entgehe ich wenigstens den Querelen im Bus und habe meine Ruhe. 🙂

Jerusalem: Tod eines Obdachlosen

B“H
Der Obdachlose Motti Rachamim (54) ist gestorben. Seit Jahren lebte er in der Unterführung zwischen dem Zentralen Busbahnhof und dem gegenüberliegenden Binyane’i HaUma (International Convention Center).
In einem Interview, welches er vor einem Jahr dem Lokalblatt Kol Ha’Ir gab, erzählte er, dass er einst Drogen nahm und im Knast saß. Nach der Entlassung ging er in den freiwilligen Entzug, doch danach musste er sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Keine Sozialeinrichtung half ihm und so hauste er in der Unterführung, wo Passanten ihm halfen. Er wurde sogar zum Schabbat oder zur Pessach – Seder eingeladen.
Vor ein paar Jahren wurde er bei einem palästinensischen Terroranschlag nahe dem Binyane’i HaUma schwer verletzt und seitdem ging es mit der Gesundheit bergab. Nun ist er tot und, obwohl ich ihn nicht gekannt habe, muss ich sagen, dass sein Schicksal mehr als traurig stimmt. Wie kann es sein, dass er von der Stadtverwaltung noch nicht einmal einen Platz in der Obdachlosenunterkunft „Beit Zefaniah“ erhält? Okay, die genauen Hintergründe kennen wir nicht, aber trotzdem ist die Lebensgeschichte tragisch. Jahrelang in einer kalten Unterführung zu leben:
https://www.kolhair.co.il/%d7%97%d7%93%d7%a9%d7%95%d7%aa/%d7%9e%d7%95%d7%98%d7%99-%d7%a8%d7%97%d7%9e%d7%99%d7%9d-%d7%97%d7%a1%d7%a8-%d7%94%d7%91%d7%99%d7%aa-%d7%a0%d7%a4%d7%98%d7%a8/
Ehrlich gesagt, wusste ich gar nicht, dass die alte Unterführung überhaupt noch existiert. Vor dem Bau des Straßenbahnnetzes, insbesondere in den 80iger und 90iger Jahren, war die Unterführung viel weitläufiger und nebendran fanden sich zahlreiche kleine Shops und Falafelstände. Tausende Passanten liefen tagtäglich vorbei und ich erinnere mich an eine Menge Obdachlose und Bettler, die da lebten.
Generell gilt, dass Israelis viel mehr auf sich selbst angewiesen sind und nicht allzu viel Hilfe vom Staat zu erwarten ist.

Nof Zion – Wo Kinder nicht richtige Kinder sein dürfen

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Photo: Miriam Woelke

Das Gebäude am linken Rand (man sieht nur einen winzigen Teil davon) sowie der Trailer rechts im Bild gehören zum kleinen jüdischen Stadtteil Nof Zion / Jerusalem. Alle anderen Häuser drumherum, einschließlich dem Neubau in der Bildmitte, sind in palästinensischer Hand.
B“H
Immer wieder höre ich Juden, die in israelischen Siedlungen leben, sagen, dass sie sich besser beschützt fühlen als in so manch einem Stadtteil von Jerusalem. Immerhin gibt es um jede Siedlung einen Sicherheitszaun und eine 24 – Stunden – Security. Das alles finden wir in meinem Stadtteil nicht. Weder Sicherheitszaun noch permanente Bewachung. Außer den üblichen Polizei – und Grenzpolizei – Patrouillen. Stattdessen laufen die Palästinenser des arabischen Part von Abu Tur ungestört durch unsere Straßen. In ganz Jerusalem sieht man Palästinenser herumlaufen. Wenn ich dagegen einen Fuß nur wenige Meter weiter in den arabischen Teil von Abu Tur setzen würde, drohen Steine, Attacken oder das Messer an der Kehle.
Die Welt nennt Israel rassistisch, doch in der Realität bewegen sich Araber mit israelischem Personalausweis überall und ungestört. Wenn jedoch Juden auch nur einen kleinen Zeh in einen arabischen Stadtteil setzen, sieht das ganze schon anders aus. Aus Sicherheitsgründen bleiben Juden diesem Unterfangen lieber fern.
Das obige Photo zeigt einen winzigen Teil des jüdischen Stadtteil Nof Zion. Nicht dass der Stadtteil besonders groß ist, denn genau genommen stehen dort nur ein paar Häuser. Umgeben ist Nof Zion vom arabischen Stadtteil Jabal Mukaber. Letzterer ist für seine hohe Zahl an palästinensischen Terroristen berühmt und berüchtigt.
Nof Zion ist von der Umwelt abgeschnitten, denn es ist von Jabal Mukaber eingekreist. In den Hof von Nof Zion gelingt man durch ein Metalltor mit Security Code. Außerhalb des Zaunes kann sich kein Jude frei bewegen und begibt sich automatisch in Lebensgefahr. Zu erreichen ist Nof Zion lediglich mit dem PKW oder dem Egged – Minibus. Ich kann dort weder mit dem Fahrrad hinfahren noch laufen, um meine dort lebenden Freunde zu besuchen.
Nie könnte ich dermaßen isoliert und eingekesselt leben. Die Araber wohnen nur 10 Meter entfernt und jeder von ihnen könnte jederzeit durch die Fenster von Nof Zion schießen. Im Stadtteil Pisgat Ze’ev sind Schüsse auf jüdische Häuser aus dem benachbarten arabischen Stadtteil keine Seltenheit.
Die Kinder von Nof Zion spielen bei schönem Wetter auf dem Parkplatz (zu sehen auf dem Photo). Außerhalb geht nicht. Bei schlechtem Wetter wird halt in der Wohnung gespielt oder im Treppenhaus. Die gesamte Szenerie erinnert mich an die Kinder von Hebron. Dort nehmen Juden nur ein Viertel der Stadt ein. Der Rest der Stadt ist in palästinensischer Hand. Und auch in Hebron spielen die Kinder nicht unbefangen auf der Straße oder auf Spielplätzen, sondern auf Spielplätzen umrundet von hohen Mauern, sodass kein palästinensischer Scharfschützer Kinder abknallt, wie bereits geschehen vor fast genau 16 Jahren:
https://en.wikipedia.org/wiki/Murder_of_Shalhevet_Pass
In Abu Tur sieht man auch keine Kinder draußen spielen, denn ständig hängen irgendwo arabische Jugendliche ab. Jüdische Eltern lassen deshalb ihre Kinder nur im Hof, auf dem Balkon oder in der Wohnung spielen. Im Gegensatz dazu bewegen sich palästinensische Kinder völlig frei in unseren Straßen. Täglich laufen sie mit einem Fußball zum Bolzplatz am Community Center. Wo also ist der vielgepriesene israelische Rassismus? Palästinenser in der Straßen, doch Juden dürfen nicht durch palästinensische Straßen fahren geschweige denn laufen.
Der Unterschied zwischen Nof Zion und Abu Tur liegt darin, dass Nof Zion von der jüdischen Umwelt total abgeschnitten ist. Abu Tur dagegen ist jederzeit zugänglich. Die belebte Derech Hebron Street, eine der Hauptverkehrsadern der Stadt, liegt direkt am Stadtteil und man kann kommen und gehen, wie und wann man will. In Nof Zion aber sind die Bewohner von Palästinensern umzingelt.