Leben in Jerusalem

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Aliyah nach Jerusalem?

B“H
ALIYAH = Die Einwanderung eines Juden nach Israel oder, in diesem Falle, nach Jerusalem
Es besteht keinerlei Zweifel daran, dass das nachfolgende Video der Stadtverwaltung Jerusalem ausschließlich die Schokoladenseiten von Jerusalem zeigt. Die schönsten Stadtteile und nur zufriedene Neueinwanderer (Olim).
Ich will hier keinem Juden die Aliyah – Pläne oder sein Vorhaben, sich in Jerusalem niederzulassen, zerstören. Dennoch sei gesagt, dass die wenigsten Neueinwanderer das Geld haben, sich in tollen Stadtteilen niederzulassen. Das Leben in Israel ist alles andere als einfach. Vor allem ist es nach der Einwanderung nach Israel nicht leicht, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wer das kann, ist schon ein riesiges Stück weiter und sollte hochzufrieden sein.
Vor der offiziellen Einwanderung nach Israel rate ich jedem Juden, zuerst einmal durch das Land zu reisen. Als Tourist zu kommen, sich umsehen, mit Leuten zu reden und sich eingehend über die Jobsituation und den Wohnungsmarkt informieren.
Ich lebe seit mehr als 15 Jahren allein in Jerusalem und kann sagen, dass die hiesige Jobsituation nicht die beste ist. Zugegeben, es kommt auf den Beruf und die Qualifikation eines jeden Neueinwanders an. Trotzdem darf niemand seine Erwartungen zu hoch schrauben.
Gehälter sind oft niedrig, Lebenshaltungskosten sind hoch und dann sind da noch eine neue Sprache, die erlernt werden will sowie die Gewöhnung an die Mentalität des Nahen Osten. Das klingt machbar und das ist es auch. Dennoch liegt die israelische Mentalität nicht jedem und nicht selten geben Neueinwanderer auf, weil sie die Leute hier einfach nur bescheuert finden.
Was niemand tun sollte ist, Israel so zu pushen, wie man es gerne haben will. Mit dem „German Mindset“ und Vorschriften kommt niemand weiter und, ehrlich gesagt, werdet Ihr Euch damit keine Freunde machen. Sage keinem Israeli, wie er sich Deiner Meinung nach benehmen soll, sondern lerne, mit der chaotischen Mentalität umzugehen.
Wie in jedem anderen Ort der Welt, gibt es eine Menge positive und negative Seiten zum Leben in Jerusalem. Ein extrem positiver Faktor ist die Atmosphäre in der Stadt. Wer lange genug hier lebt, merkt den Unterschied zu den Leuten in Tel Aviv, Netanya, Kfar Saba oder Haifa. In Jerusalem geht es wenig formell zu. Niemand erwartet, dass das Gegenüber einen tollen Beruf hat und sich ausschließlich in Markenklamotten schmeißt.
Es kann sein, dass Du Jerusalem und die Bewohner als verrückt empfindest. Das ist sogar wahr, aber gerade der Irrsinn der Stadt und ihrer Bewohner ist eine Herausforderung, an die Du Dich gewöhnen solltest. Allein um in der Lage zu sein, die Stadt zu lieben. Gelingt das nicht, so wirst Du hier kaum glücklich werden. 🙂

 

 

 

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Busfahrt

B“H
Ich besitze das große Glück, weder auf Bus noch auf einen PKW angewiesen zu sein. Jeden Morgen laufe ich zur Arbeit, denn die ist nicht allzu weit entfernt.
Einmal pro Woche nehme ich einen Bus, um auf dem Machane Yehudah Markt einzukaufen. Hühnchen, Karotten, Zwiebeln, Kartoffel, Sellerie, Lauch und sowas halt. Obst und anderes Gemüse wie Kohlrabi, Blumenkohl, etc. dagegen kaufe ich beim Discounter, denn das ist auf dem Machane Yehudah viel zu teuer geworden.
Die Hinfahrt am Spätnachmittag verläuft noch ganz okay, aber die Rückfahrt mit dem Bus vom Machane Yehudah bis zu meiner Station an der Derech Hebron ist eine einzige Katastrophe. Das Klientel, das am Markt einsteigt, ist oft nicht immer das beste. 🙂 Ältere Leute mit wenig Rente und diversen mentalen Problemen. Gestern, zum Beispiel, stieg ich in der Agrippas (am Markt) in die Linie 78, wo sich gerade zwei ältere Frauen fetzten und sich fast prügelten. Eine wollte die andere nicht am Fenster sitzen lassen, da sie den Platz besetzt hielt. Und dann wurde sich mit HEXE und GEISTIG ZURÜCHGEBLIEBEN beschimpft. Alles passierte gleich hinter dem Busfahrer, doch der mischte sich nicht ein. Auch nicht als die eine Frau die Polizei holen wollte. Dabei haben Polizisten Besseres zu tun als zwei keifende Hexen auseinanderzubringen.
Entweder wird gezofft oder irgendein Geistesgestörter brüllt durch den Bus. Wer zwischen 17.00 und 19.00 Uhr mit einem Stadtbus durch Jerusalem fährt, erlebt nicht selten sein blaues Wunder.
Vielleicht laufe ich nach dem nächsten Einkauf heim. Dann entgehe ich wenigstens den Querelen im Bus und habe meine Ruhe. 🙂

Jerusalem: Tod eines Obdachlosen

B“H
Der Obdachlose Motti Rachamim (54) ist gestorben. Seit Jahren lebte er in der Unterführung zwischen dem Zentralen Busbahnhof und dem gegenüberliegenden Binyane’i HaUma (International Convention Center).
In einem Interview, welches er vor einem Jahr dem Lokalblatt Kol Ha’Ir gab, erzählte er, dass er einst Drogen nahm und im Knast saß. Nach der Entlassung ging er in den freiwilligen Entzug, doch danach musste er sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Keine Sozialeinrichtung half ihm und so hauste er in der Unterführung, wo Passanten ihm halfen. Er wurde sogar zum Schabbat oder zur Pessach – Seder eingeladen.
Vor ein paar Jahren wurde er bei einem palästinensischen Terroranschlag nahe dem Binyane’i HaUma schwer verletzt und seitdem ging es mit der Gesundheit bergab. Nun ist er tot und, obwohl ich ihn nicht gekannt habe, muss ich sagen, dass sein Schicksal mehr als traurig stimmt. Wie kann es sein, dass er von der Stadtverwaltung noch nicht einmal einen Platz in der Obdachlosenunterkunft „Beit Zefaniah“ erhält? Okay, die genauen Hintergründe kennen wir nicht, aber trotzdem ist die Lebensgeschichte tragisch. Jahrelang in einer kalten Unterführung zu leben:
https://www.kolhair.co.il/%d7%97%d7%93%d7%a9%d7%95%d7%aa/%d7%9e%d7%95%d7%98%d7%99-%d7%a8%d7%97%d7%9e%d7%99%d7%9d-%d7%97%d7%a1%d7%a8-%d7%94%d7%91%d7%99%d7%aa-%d7%a0%d7%a4%d7%98%d7%a8/
Ehrlich gesagt, wusste ich gar nicht, dass die alte Unterführung überhaupt noch existiert. Vor dem Bau des Straßenbahnnetzes, insbesondere in den 80iger und 90iger Jahren, war die Unterführung viel weitläufiger und nebendran fanden sich zahlreiche kleine Shops und Falafelstände. Tausende Passanten liefen tagtäglich vorbei und ich erinnere mich an eine Menge Obdachlose und Bettler, die da lebten.
Generell gilt, dass Israelis viel mehr auf sich selbst angewiesen sind und nicht allzu viel Hilfe vom Staat zu erwarten ist.

Nof Zion – Wo Kinder nicht richtige Kinder sein dürfen

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Photo: Miriam Woelke

Das Gebäude am linken Rand (man sieht nur einen winzigen Teil davon) sowie der Trailer rechts im Bild gehören zum kleinen jüdischen Stadtteil Nof Zion / Jerusalem. Alle anderen Häuser drumherum, einschließlich dem Neubau in der Bildmitte, sind in palästinensischer Hand.
B“H
Immer wieder höre ich Juden, die in israelischen Siedlungen leben, sagen, dass sie sich besser beschützt fühlen als in so manch einem Stadtteil von Jerusalem. Immerhin gibt es um jede Siedlung einen Sicherheitszaun und eine 24 – Stunden – Security. Das alles finden wir in meinem Stadtteil nicht. Weder Sicherheitszaun noch permanente Bewachung. Außer den üblichen Polizei – und Grenzpolizei – Patrouillen. Stattdessen laufen die Palästinenser des arabischen Part von Abu Tur ungestört durch unsere Straßen. In ganz Jerusalem sieht man Palästinenser herumlaufen. Wenn ich dagegen einen Fuß nur wenige Meter weiter in den arabischen Teil von Abu Tur setzen würde, drohen Steine, Attacken oder das Messer an der Kehle.
Die Welt nennt Israel rassistisch, doch in der Realität bewegen sich Araber mit israelischem Personalausweis überall und ungestört. Wenn jedoch Juden auch nur einen kleinen Zeh in einen arabischen Stadtteil setzen, sieht das ganze schon anders aus. Aus Sicherheitsgründen bleiben Juden diesem Unterfangen lieber fern.
Das obige Photo zeigt einen winzigen Teil des jüdischen Stadtteil Nof Zion. Nicht dass der Stadtteil besonders groß ist, denn genau genommen stehen dort nur ein paar Häuser. Umgeben ist Nof Zion vom arabischen Stadtteil Jabal Mukaber. Letzterer ist für seine hohe Zahl an palästinensischen Terroristen berühmt und berüchtigt.
Nof Zion ist von der Umwelt abgeschnitten, denn es ist von Jabal Mukaber eingekreist. In den Hof von Nof Zion gelingt man durch ein Metalltor mit Security Code. Außerhalb des Zaunes kann sich kein Jude frei bewegen und begibt sich automatisch in Lebensgefahr. Zu erreichen ist Nof Zion lediglich mit dem PKW oder dem Egged – Minibus. Ich kann dort weder mit dem Fahrrad hinfahren noch laufen, um meine dort lebenden Freunde zu besuchen.
Nie könnte ich dermaßen isoliert und eingekesselt leben. Die Araber wohnen nur 10 Meter entfernt und jeder von ihnen könnte jederzeit durch die Fenster von Nof Zion schießen. Im Stadtteil Pisgat Ze’ev sind Schüsse auf jüdische Häuser aus dem benachbarten arabischen Stadtteil keine Seltenheit.
Die Kinder von Nof Zion spielen bei schönem Wetter auf dem Parkplatz (zu sehen auf dem Photo). Außerhalb geht nicht. Bei schlechtem Wetter wird halt in der Wohnung gespielt oder im Treppenhaus. Die gesamte Szenerie erinnert mich an die Kinder von Hebron. Dort nehmen Juden nur ein Viertel der Stadt ein. Der Rest der Stadt ist in palästinensischer Hand. Und auch in Hebron spielen die Kinder nicht unbefangen auf der Straße oder auf Spielplätzen, sondern auf Spielplätzen umrundet von hohen Mauern, sodass kein palästinensischer Scharfschützer Kinder abknallt, wie bereits geschehen vor fast genau 16 Jahren:
https://en.wikipedia.org/wiki/Murder_of_Shalhevet_Pass
In Abu Tur sieht man auch keine Kinder draußen spielen, denn ständig hängen irgendwo arabische Jugendliche ab. Jüdische Eltern lassen deshalb ihre Kinder nur im Hof, auf dem Balkon oder in der Wohnung spielen. Im Gegensatz dazu bewegen sich palästinensische Kinder völlig frei in unseren Straßen. Täglich laufen sie mit einem Fußball zum Bolzplatz am Community Center. Wo also ist der vielgepriesene israelische Rassismus? Palästinenser in der Straßen, doch Juden dürfen nicht durch palästinensische Straßen fahren geschweige denn laufen.
Der Unterschied zwischen Nof Zion und Abu Tur liegt darin, dass Nof Zion von der jüdischen Umwelt total abgeschnitten ist. Abu Tur dagegen ist jederzeit zugänglich. Die belebte Derech Hebron Street, eine der Hauptverkehrsadern der Stadt, liegt direkt am Stadtteil und man kann kommen und gehen, wie und wann man will. In Nof Zion aber sind die Bewohner von Palästinensern umzingelt.

Arnona, Hora’at Kewa und die palästinensische Gesellschaft

B“H
Zwischen dem Leben in Israel und dem in Deutschland bestehen gravierende Unterschiede. Ein riesiger Unterschied sind, u.a., die im Dezember / Januar eines jeden Jahres ausgehenden Arnona – Bescheide der Stadtverwaltungen an jeden einzelnen Bürger mit festem Wohnsitz.
In Deutschland gleicht die israelische Arnona der Grundsteuer. Auch die deutschen Verwaltungen schicken zu Beginn des Jahres Grundsteuerbescheide an Wohnungs – und Hauseigentümer. Der Unterschied zu Israel besteht darin, dass die Arnona (Grundsteuer / Müllabfuhr) allein der MIETER zu tragen hat. In Deutschland erhält nur der EIGENTÜMER einen solchen Bescheid.
Die Arnona für das jeweilige Jahr kann auf zwei Arten gezahlt werden:
Entweder auf einmal in Cash oder per Kreditkarte.
Oder man reicht ein sogenanntes Hora’at Kewa (Lastschrifteinzug bei der Bank) ein. Die Stadt Jerusalem, z.B., bucht dann jeden zweiten Monat Geld vom Girokonto ab.
Damit kommen wir schon zum nächsten Unterschied zwischen Deutschland und Israel: In Deutschland ist jeder selber für ein automatisches Abbuchungsverfahren zuständig. In Israel aber muss man erst zu seiner Bank und eine Erlaubnis für einen Lastschrifteinzug einholen.
Die Arnona ist nicht in jeder Kommune gleich hoch und dazu noch von Stadtteil zu Stadtteil unterschiedlich. Im einen Stadtteil ist die Grundsteuer günstiger, im anderen Stadtteil zahlt man für dieselbe Quadratmeteranzahl der Bleibe mehr.
Wer das Hora’at Kewa von seiner Bank in schriftlicher Form bekommt, muss damit zur Stadtverwaltung traben und den Lastschrifteinzug regeln. Das wollte ich heute Nachmittag tun, doch das Jerusalemer Rathaus war rappelvoll. Überall Menschenmengen, die wegen ihrer Arnona gekommen waren.
In Israel ist das Nummerziehen äußerst beliebt, denn sonst würde absolutes Chaos herrschen. So geht bei der Post, bei der Bank oder auf Ämter wenigstens ansatzweise alles der Reihe nach. Dafür prügelte sich heute im Rathaus eine Gruppe Palästinenser vor dem Automaten, der die Nummern auswirft. Jeder von denen wollte wohl zuerst auf den Knopf drücken und so wurde aufeinander eingedroschen. Das Security Personal dachte sich offenbar: „Lass mal die Palästinenser prügeln“ und Israelis standen weiter entfernt und filmten die Szenen mit dem Smartphone.
Jedenfalls meinte die Tussi an der Rezeption zu mir, ich solle an einem anderen Tag morgens wiederkommen. Am Morgen sei es im Rathaus ruhiger. Bedeutet, ich muss mir von der Arbeit morgens freinehmen. Und das alles nur, weil irgendwelche Palis des Abends im Rathaus ausrasten und sich eine Massenschlägerei liefern.

Die alte Knesset, Startups in Jerusalem und das Cafe Ta’amon

B“H
In Jerusalem herrscht die übliche Juli – Hitze. 33 Grad Celsius heute und erst am Sonntag „kühlt“ es sich wieder auf 29 Grad Celsius ab. Wenigstens sind die Nächte relativ kühl und die Hitze steht nicht im Raum. Das hat den Vorteil, dass man schlafen kann und sich nicht nassgeschwitzt herumwälzt.
Israel befindet sich im Sommerurlaub, aber was heißt das schon? Viele Leute fliegen ins Ausland, doch die Mehrheit kann sich keine Auslandsaufenthalte leisten. Schon gar nicht, wenn eine Familie kleine Kinder hat. Deswegen werden vielerorts Sommerattraktionen, wie Basketballturniere) für Kinder und Jugendliche angeboten.
In Jerusalem wird aktuell das ehemalige HaMashbir – Gebäude an der Kreuzung King George / Ben Yehudah umgebaut. Die HaMashbir – Kette ist die einzige Kaufhauskette im Land und mehrere Jahrzehnte befand sich die Jerusalemer Niederlassung in eben jenem Gebäude Downtown. Vor einigen Jahren dann zog man an den Zion Square (Kikar Zion) um. Ob dadurch mehr Kundgeschaft gewonnen wurde, wage ich zu bezweifeln. Israelis lieben Shopping Malls, in denen sie von Shop zu Shop ziehen können. Nebendran all die kleinen Cafes, Restaurants und Imbisse mit Falafel, Schwarma (Döner) oder halt traditionelle sephardische Gerichte wie Kube, Suppen, Reis und jede Menge Salate. Fleisch sowie Salate stehen immer hoch im Kurs.
Im alten HaMashbir – Gebäude sollen nach dem Umbau, man höre und staune, lokale Startups ein neues Zuhause finden. Zwar meinen die Leute stets, dass nur Tel Aviv DIE Startup – Stadt Israels sei, doch Jerusalem steht dem nicht unbedingt nach. In einigen Stadtteilen siedelten sich schon vor Jahren Startup – Unternehmen an und jetzt tut sich sogar etwas in der Innenstadt.
Nur wenige Meter entfernt finden wir einen weiteren größeren Umbau: Die erste Knesset Israels wird in ein Knesset – Museum verwandelt. Ich glaube es war bis Mitte der 60iger Jahre, dass sich die Knesset in der King George Street befand. Danach wurde in das heutige Gebäude im Regierungsviertel (nahe Israel Museum) umgezogen. Heutzutage geht kein Abgeordneter ohne Bodyguards vor die Tür, doch damals in der guten alten Zeit fanden sich die Abgeordneten im gegenüberliegenden Cafe ein. Man trat aus dem alten Gebäude, überquerte die Straße und schon war man im, zu damaligen Zeit, berühmten Cafe Ta’amon.

 

 

Nachdem die Knesset umgezogen war, ging es mit dem Ta’amon bergab. Die Kundschaft blieb aus und vor einigen Jahre machte der alte Besitzer ganz dicht. Seitdem wechseln sich Cafes und Imbisse ab. Niemand hält lange durch. Obwohl die Location super ist, so ist der Konkurrenzkampf hart.
Das Ta’amon war nie koscher, doch jetzt baute ein Nachfahre des alten Besitzers ein neues Ta’amon auf. Koscher und in einem ultra – Orthodoxen (haredischen) Stadtteil gelegen. Ob ihm dort ein neuer Erfolg gelingt, wer weiß.
Die Stimmung in Jerusalem ist heute eine andere. Zwar ist die Stadt immer noch recht gemütlich, doch Läden und Cafes verändern sich. Vor allem seitdem die Billigketten COFIZZ und COFIX ihre 5 – Schekel Kaffees und Kuchen anbieten. Wer hockt sich da noch in ein teures Cafe? Mittlerweile gibt es in der Agrippas Street am Machane Yehudah Markt sogar eine 5 – Schekel Pizzakette mit dem Namen PIZZA FIX. In Anlehnung an COFIX.
Allerdings findet wir bei Pizza Fix lediglich das Stück Pizza (Hebräisch: Meschulasch) für 5 Schekel. Eine ganze Pizza kostet nur 15 Schekel. Weiter unten in der King George werden Familien – Pizzen für 20 Schekel angeboten. Mir jedenfalls schmecken diese Pizzen und einmal im Monat kaufe ich mir eine für daheim.
Gastronomiebetriebe kommen und gehen, die israelischen Essgewohnheiten jedoch bleiben. Trotz Pizza und Suschi finden Falafel, Schwarma sowie sephardische Hausmannskost weiterhin reißenden Absatz.

Jerusalem Ende Mai 2016

Copyright: Miriam Woelke
B“H
Gestern Abend ging ich nach der Arbeit zum derzeitigen Jerusalemer Light Festival (siehe Photos oben). In diesem Jahr finden sich bereits im unteren Teil der Jaffa Road, die da vom Busbahnhof bis hinunter in die Altstadt verläuft, mehrere Lichtinstallationen. Darunter der Eifelturm.
Da es schon spät am Abend war und das Festival offiziell um 23.00 Uhr seine Pforten schließt, sah ich mir lediglich die Installationen in der Jaffa Road sowie um das Jaffator an. Außerdem wollte ich nach einem langen Arbeitstag endlich nach Hause.
Tausende Menschen waren um 22.30 Uhr noch auf den Beinen. Alles strömte in die Altstadt zum Festival und ich wage mir gar nicht auszumalen, welches Gedränge in all den schmalen Gassen herrscht. Massenandrang pur und überall sah man Hände in der Luft und es wurde mit dem Smartphone gefilmt.
Nach einer wettermäßig kühlen Woche zieht nun wieder der Sommer ein. Hitzewelle und 33 Grad Celsius. Ich bin bis oben vollgestopft mit Arbeit, doch vorgestern Abend schaffte ich es endlich einmal, Freunde im nicht allzu entfernten Stadtteil Nof Zion zu besuchen. Ein Video dazu stellte ich bereits in den Blog
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2016/05/30/aussicht-von-nof-zion-jerusalem-auf-den-tempelberg-den-oelberg-arab-jabal-al-mukaber/
Photos von den Häusern sowie dem kleinen Stadtteil folgen noch.
Nof Zion liegt nicht weit von der Jerusalemer Promenade (Tayelet) entfernt. Man fahre am UNO Hauptquartier geradeaus vorbei, an der Polizeistation vorbei. Schon befindet man sich in einem arabischen Gebiet mit mehreren Shops. Wer nach Nof Zion will, das da weiter unten an derselben Straße liegt, sollte entweder ein Auto benutzen oder den Egged – Kleinbus, der einmal pro Stunde verkehrt. Eigentlich wollte ich mit dem Mountain Bike fahren, doch meine Freunde rieten mir ab. Steine könnten fliegen oder Schlimmeres passieren.
Nof Zion selber ist ein relativ neuer Stadtteil gleich neben dem arabischen Jabal al Mukaber gelegen. Bei Letzterem handelt es sich um eine Hochburg der palästinensischen Terroristen. Nof Zion hat bislang nur wenige Häuser, doch es wird gebaut.
Ich könnte dermaßen eingequetscht von Palästinensern nicht leben, aber dann kam der übliche Spruch meiner Freunde: „In Deinem Stadtteil geht es schlimmer zu als bei uns!“
Das stimmt, denn Nof Zion ist von Sicherheitsanlagen aller Art umgeben und in meinem Stadtteil haben die Palästinenser ungehinderten Zugang, was wir letztendlich auch zu spüren bekommen.
Obwohl mein Stadtteil über eine grandiose Aussicht verfügt – wow, von Nof Zion aus schaut man bis zum Tempelberg, dem Ölberg sowie ins arabische Abu Dis jenseits der Sicherheitsmauer. Bei guter Sicht sieht man sogar die jordanische Hauptstadt Amman.
Wer will, kann sich nach Nof Zion einladen lassen und an einem Schabbat teilnehmen. Manchmal kommen ganze Reisebusse und die Touristen kriegen gleich alles im Doppelpack zu sehen. Den Schabbat und das Leben in einer Gegend voller Palästinenser.