Leben in Jerusalem

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Nof Zion – Wo Kinder nicht richtige Kinder sein dürfen

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Photo: Miriam Woelke

Das Gebäude am linken Rand (man sieht nur einen winzigen Teil davon) sowie der Trailer rechts im Bild gehören zum kleinen jüdischen Stadtteil Nof Zion / Jerusalem. Alle anderen Häuser drumherum, einschließlich dem Neubau in der Bildmitte, sind in palästinensischer Hand.
B“H
Immer wieder höre ich Juden, die in israelischen Siedlungen leben, sagen, dass sie sich besser beschützt fühlen als in so manch einem Stadtteil von Jerusalem. Immerhin gibt es um jede Siedlung einen Sicherheitszaun und eine 24 – Stunden – Security. Das alles finden wir in meinem Stadtteil nicht. Weder Sicherheitszaun noch permanente Bewachung. Außer den üblichen Polizei – und Grenzpolizei – Patrouillen. Stattdessen laufen die Palästinenser des arabischen Part von Abu Tur ungestört durch unsere Straßen. In ganz Jerusalem sieht man Palästinenser herumlaufen. Wenn ich dagegen einen Fuß nur wenige Meter weiter in den arabischen Teil von Abu Tur setzen würde, drohen Steine, Attacken oder das Messer an der Kehle.
Die Welt nennt Israel rassistisch, doch in der Realität bewegen sich Araber mit israelischem Personalausweis überall und ungestört. Wenn jedoch Juden auch nur einen kleinen Zeh in einen arabischen Stadtteil setzen, sieht das ganze schon anders aus. Aus Sicherheitsgründen bleiben Juden diesem Unterfangen lieber fern.
Das obige Photo zeigt einen winzigen Teil des jüdischen Stadtteil Nof Zion. Nicht dass der Stadtteil besonders groß ist, denn genau genommen stehen dort nur ein paar Häuser. Umgeben ist Nof Zion vom arabischen Stadtteil Jabal Mukaber. Letzterer ist für seine hohe Zahl an palästinensischen Terroristen berühmt und berüchtigt.
Nof Zion ist von der Umwelt abgeschnitten, denn es ist von Jabal Mukaber eingekreist. In den Hof von Nof Zion gelingt man durch ein Metalltor mit Security Code. Außerhalb des Zaunes kann sich kein Jude frei bewegen und begibt sich automatisch in Lebensgefahr. Zu erreichen ist Nof Zion lediglich mit dem PKW oder dem Egged – Minibus. Ich kann dort weder mit dem Fahrrad hinfahren noch laufen, um meine dort lebenden Freunde zu besuchen.
Nie könnte ich dermaßen isoliert und eingekesselt leben. Die Araber wohnen nur 10 Meter entfernt und jeder von ihnen könnte jederzeit durch die Fenster von Nof Zion schießen. Im Stadtteil Pisgat Ze’ev sind Schüsse auf jüdische Häuser aus dem benachbarten arabischen Stadtteil keine Seltenheit.
Die Kinder von Nof Zion spielen bei schönem Wetter auf dem Parkplatz (zu sehen auf dem Photo). Außerhalb geht nicht. Bei schlechtem Wetter wird halt in der Wohnung gespielt oder im Treppenhaus. Die gesamte Szenerie erinnert mich an die Kinder von Hebron. Dort nehmen Juden nur ein Viertel der Stadt ein. Der Rest der Stadt ist in palästinensischer Hand. Und auch in Hebron spielen die Kinder nicht unbefangen auf der Straße oder auf Spielplätzen, sondern auf Spielplätzen umrundet von hohen Mauern, sodass kein palästinensischer Scharfschützer Kinder abknallt, wie bereits geschehen vor fast genau 16 Jahren:
https://en.wikipedia.org/wiki/Murder_of_Shalhevet_Pass
In Abu Tur sieht man auch keine Kinder draußen spielen, denn ständig hängen irgendwo arabische Jugendliche ab. Jüdische Eltern lassen deshalb ihre Kinder nur im Hof, auf dem Balkon oder in der Wohnung spielen. Im Gegensatz dazu bewegen sich palästinensische Kinder völlig frei in unseren Straßen. Täglich laufen sie mit einem Fußball zum Bolzplatz am Community Center. Wo also ist der vielgepriesene israelische Rassismus? Palästinenser in der Straßen, doch Juden dürfen nicht durch palästinensische Straßen fahren geschweige denn laufen.
Der Unterschied zwischen Nof Zion und Abu Tur liegt darin, dass Nof Zion von der jüdischen Umwelt total abgeschnitten ist. Abu Tur dagegen ist jederzeit zugänglich. Die belebte Derech Hebron Street, eine der Hauptverkehrsadern der Stadt, liegt direkt am Stadtteil und man kann kommen und gehen, wie und wann man will. In Nof Zion aber sind die Bewohner von Palästinensern umzingelt.

Arnona, Hora’at Kewa und die palästinensische Gesellschaft

B“H
Zwischen dem Leben in Israel und dem in Deutschland bestehen gravierende Unterschiede. Ein riesiger Unterschied sind, u.a., die im Dezember / Januar eines jeden Jahres ausgehenden Arnona – Bescheide der Stadtverwaltungen an jeden einzelnen Bürger mit festem Wohnsitz.
In Deutschland gleicht die israelische Arnona der Grundsteuer. Auch die deutschen Verwaltungen schicken zu Beginn des Jahres Grundsteuerbescheide an Wohnungs – und Hauseigentümer. Der Unterschied zu Israel besteht darin, dass die Arnona (Grundsteuer / Müllabfuhr) allein der MIETER zu tragen hat. In Deutschland erhält nur der EIGENTÜMER einen solchen Bescheid.
Die Arnona für das jeweilige Jahr kann auf zwei Arten gezahlt werden:
Entweder auf einmal in Cash oder per Kreditkarte.
Oder man reicht ein sogenanntes Hora’at Kewa (Lastschrifteinzug bei der Bank) ein. Die Stadt Jerusalem, z.B., bucht dann jeden zweiten Monat Geld vom Girokonto ab.
Damit kommen wir schon zum nächsten Unterschied zwischen Deutschland und Israel: In Deutschland ist jeder selber für ein automatisches Abbuchungsverfahren zuständig. In Israel aber muss man erst zu seiner Bank und eine Erlaubnis für einen Lastschrifteinzug einholen.
Die Arnona ist nicht in jeder Kommune gleich hoch und dazu noch von Stadtteil zu Stadtteil unterschiedlich. Im einen Stadtteil ist die Grundsteuer günstiger, im anderen Stadtteil zahlt man für dieselbe Quadratmeteranzahl der Bleibe mehr.
Wer das Hora’at Kewa von seiner Bank in schriftlicher Form bekommt, muss damit zur Stadtverwaltung traben und den Lastschrifteinzug regeln. Das wollte ich heute Nachmittag tun, doch das Jerusalemer Rathaus war rappelvoll. Überall Menschenmengen, die wegen ihrer Arnona gekommen waren.
In Israel ist das Nummerziehen äußerst beliebt, denn sonst würde absolutes Chaos herrschen. So geht bei der Post, bei der Bank oder auf Ämter wenigstens ansatzweise alles der Reihe nach. Dafür prügelte sich heute im Rathaus eine Gruppe Palästinenser vor dem Automaten, der die Nummern auswirft. Jeder von denen wollte wohl zuerst auf den Knopf drücken und so wurde aufeinander eingedroschen. Das Security Personal dachte sich offenbar: „Lass mal die Palästinenser prügeln“ und Israelis standen weiter entfernt und filmten die Szenen mit dem Smartphone.
Jedenfalls meinte die Tussi an der Rezeption zu mir, ich solle an einem anderen Tag morgens wiederkommen. Am Morgen sei es im Rathaus ruhiger. Bedeutet, ich muss mir von der Arbeit morgens freinehmen. Und das alles nur, weil irgendwelche Palis des Abends im Rathaus ausrasten und sich eine Massenschlägerei liefern.

Die alte Knesset, Startups in Jerusalem und das Cafe Ta’amon

B“H
In Jerusalem herrscht die übliche Juli – Hitze. 33 Grad Celsius heute und erst am Sonntag „kühlt“ es sich wieder auf 29 Grad Celsius ab. Wenigstens sind die Nächte relativ kühl und die Hitze steht nicht im Raum. Das hat den Vorteil, dass man schlafen kann und sich nicht nassgeschwitzt herumwälzt.
Israel befindet sich im Sommerurlaub, aber was heißt das schon? Viele Leute fliegen ins Ausland, doch die Mehrheit kann sich keine Auslandsaufenthalte leisten. Schon gar nicht, wenn eine Familie kleine Kinder hat. Deswegen werden vielerorts Sommerattraktionen, wie Basketballturniere) für Kinder und Jugendliche angeboten.
In Jerusalem wird aktuell das ehemalige HaMashbir – Gebäude an der Kreuzung King George / Ben Yehudah umgebaut. Die HaMashbir – Kette ist die einzige Kaufhauskette im Land und mehrere Jahrzehnte befand sich die Jerusalemer Niederlassung in eben jenem Gebäude Downtown. Vor einigen Jahren dann zog man an den Zion Square (Kikar Zion) um. Ob dadurch mehr Kundgeschaft gewonnen wurde, wage ich zu bezweifeln. Israelis lieben Shopping Malls, in denen sie von Shop zu Shop ziehen können. Nebendran all die kleinen Cafes, Restaurants und Imbisse mit Falafel, Schwarma (Döner) oder halt traditionelle sephardische Gerichte wie Kube, Suppen, Reis und jede Menge Salate. Fleisch sowie Salate stehen immer hoch im Kurs.
Im alten HaMashbir – Gebäude sollen nach dem Umbau, man höre und staune, lokale Startups ein neues Zuhause finden. Zwar meinen die Leute stets, dass nur Tel Aviv DIE Startup – Stadt Israels sei, doch Jerusalem steht dem nicht unbedingt nach. In einigen Stadtteilen siedelten sich schon vor Jahren Startup – Unternehmen an und jetzt tut sich sogar etwas in der Innenstadt.
Nur wenige Meter entfernt finden wir einen weiteren größeren Umbau: Die erste Knesset Israels wird in ein Knesset – Museum verwandelt. Ich glaube es war bis Mitte der 60iger Jahre, dass sich die Knesset in der King George Street befand. Danach wurde in das heutige Gebäude im Regierungsviertel (nahe Israel Museum) umgezogen. Heutzutage geht kein Abgeordneter ohne Bodyguards vor die Tür, doch damals in der guten alten Zeit fanden sich die Abgeordneten im gegenüberliegenden Cafe ein. Man trat aus dem alten Gebäude, überquerte die Straße und schon war man im, zu damaligen Zeit, berühmten Cafe Ta’amon.

 

 

Nachdem die Knesset umgezogen war, ging es mit dem Ta’amon bergab. Die Kundschaft blieb aus und vor einigen Jahre machte der alte Besitzer ganz dicht. Seitdem wechseln sich Cafes und Imbisse ab. Niemand hält lange durch. Obwohl die Location super ist, so ist der Konkurrenzkampf hart.
Das Ta’amon war nie koscher, doch jetzt baute ein Nachfahre des alten Besitzers ein neues Ta’amon auf. Koscher und in einem ultra – Orthodoxen (haredischen) Stadtteil gelegen. Ob ihm dort ein neuer Erfolg gelingt, wer weiß.
Die Stimmung in Jerusalem ist heute eine andere. Zwar ist die Stadt immer noch recht gemütlich, doch Läden und Cafes verändern sich. Vor allem seitdem die Billigketten COFIZZ und COFIX ihre 5 – Schekel Kaffees und Kuchen anbieten. Wer hockt sich da noch in ein teures Cafe? Mittlerweile gibt es in der Agrippas Street am Machane Yehudah Markt sogar eine 5 – Schekel Pizzakette mit dem Namen PIZZA FIX. In Anlehnung an COFIX.
Allerdings findet wir bei Pizza Fix lediglich das Stück Pizza (Hebräisch: Meschulasch) für 5 Schekel. Eine ganze Pizza kostet nur 15 Schekel. Weiter unten in der King George werden Familien – Pizzen für 20 Schekel angeboten. Mir jedenfalls schmecken diese Pizzen und einmal im Monat kaufe ich mir eine für daheim.
Gastronomiebetriebe kommen und gehen, die israelischen Essgewohnheiten jedoch bleiben. Trotz Pizza und Suschi finden Falafel, Schwarma sowie sephardische Hausmannskost weiterhin reißenden Absatz.

Jerusalem Ende Mai 2016

Copyright: Miriam Woelke
B“H
Gestern Abend ging ich nach der Arbeit zum derzeitigen Jerusalemer Light Festival (siehe Photos oben). In diesem Jahr finden sich bereits im unteren Teil der Jaffa Road, die da vom Busbahnhof bis hinunter in die Altstadt verläuft, mehrere Lichtinstallationen. Darunter der Eifelturm.
Da es schon spät am Abend war und das Festival offiziell um 23.00 Uhr seine Pforten schließt, sah ich mir lediglich die Installationen in der Jaffa Road sowie um das Jaffator an. Außerdem wollte ich nach einem langen Arbeitstag endlich nach Hause.
Tausende Menschen waren um 22.30 Uhr noch auf den Beinen. Alles strömte in die Altstadt zum Festival und ich wage mir gar nicht auszumalen, welches Gedränge in all den schmalen Gassen herrscht. Massenandrang pur und überall sah man Hände in der Luft und es wurde mit dem Smartphone gefilmt.
Nach einer wettermäßig kühlen Woche zieht nun wieder der Sommer ein. Hitzewelle und 33 Grad Celsius. Ich bin bis oben vollgestopft mit Arbeit, doch vorgestern Abend schaffte ich es endlich einmal, Freunde im nicht allzu entfernten Stadtteil Nof Zion zu besuchen. Ein Video dazu stellte ich bereits in den Blog
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2016/05/30/aussicht-von-nof-zion-jerusalem-auf-den-tempelberg-den-oelberg-arab-jabal-al-mukaber/
Photos von den Häusern sowie dem kleinen Stadtteil folgen noch.
Nof Zion liegt nicht weit von der Jerusalemer Promenade (Tayelet) entfernt. Man fahre am UNO Hauptquartier geradeaus vorbei, an der Polizeistation vorbei. Schon befindet man sich in einem arabischen Gebiet mit mehreren Shops. Wer nach Nof Zion will, das da weiter unten an derselben Straße liegt, sollte entweder ein Auto benutzen oder den Egged – Kleinbus, der einmal pro Stunde verkehrt. Eigentlich wollte ich mit dem Mountain Bike fahren, doch meine Freunde rieten mir ab. Steine könnten fliegen oder Schlimmeres passieren.
Nof Zion selber ist ein relativ neuer Stadtteil gleich neben dem arabischen Jabal al Mukaber gelegen. Bei Letzterem handelt es sich um eine Hochburg der palästinensischen Terroristen. Nof Zion hat bislang nur wenige Häuser, doch es wird gebaut.
Ich könnte dermaßen eingequetscht von Palästinensern nicht leben, aber dann kam der übliche Spruch meiner Freunde: „In Deinem Stadtteil geht es schlimmer zu als bei uns!“
Das stimmt, denn Nof Zion ist von Sicherheitsanlagen aller Art umgeben und in meinem Stadtteil haben die Palästinenser ungehinderten Zugang, was wir letztendlich auch zu spüren bekommen.
Obwohl mein Stadtteil über eine grandiose Aussicht verfügt – wow, von Nof Zion aus schaut man bis zum Tempelberg, dem Ölberg sowie ins arabische Abu Dis jenseits der Sicherheitsmauer. Bei guter Sicht sieht man sogar die jordanische Hauptstadt Amman.
Wer will, kann sich nach Nof Zion einladen lassen und an einem Schabbat teilnehmen. Manchmal kommen ganze Reisebusse und die Touristen kriegen gleich alles im Doppelpack zu sehen. Den Schabbat und das Leben in einer Gegend voller Palästinenser.

Ist Tel Aviv überbewertet?

B“H
Die Flaute in der israelischen Tourismusindustrie hält nach wie vor an. Nicht viele Touristen verirren sich in unser Land, denn zu groß ist die Angst vor Terroranschlägen. Hotels und Hostels haben bereits Personal abgebaut und ich denke kaum, dass in diesem Jahr mehr Touristen als sonst in Israel urlauben. Andererseits, wer will noch in Deutschland urlauben, nach allem, was dort abgeht?

 

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Photo: Miriam Woelke

Tel Aviv

 

Wenn sich insbesondere junge Touristen für einen Israelurlaub interessieren, so hören sie meistens, dass Tel Aviv so toll sei. Genauso angesagt wie Berlin, London oder New York. In Tel Aviv könne sich der Urlauber so richtig auslassen, denn die Stadt sei kultig und tolerant. Alles ist erlaubt und blablabla.
Wer dann tatsächlich in Tel Aviv ankommt, ächzt erstmal los. Zumindest dann, wenn er die Preise sieht. Unterkunft, Essen und Vergnügungen. Israel ist ein teures Land und Tel Aviv steht dabei an erster Stelle. Selbst wer in den billigsten Hostels wie dem Sky oder Momo’s nächtigt, darf niemals zu dem Preis deutsche Verhältnisse erwarten. Man ist in einem Hostel und da sind schon mal die Möbel ausgeleiert oder die Zimmertüre klemmt.
Wer in Tel Aviv super günstig übernachten will, der checke ins Sky, ins Momo’s oder ins Florentin Hostel ein. Wobei Letzteres nur Leute bis zum Alter von 30 oder 35 Jahren eincheckt. Details erfahrt Ihr auf deren Website!
Und was tut Normalo Tourist in Tel Aviv? Klar, an den Strand gehen. Solange Ihr auf dem Sand hockt, ist alles umsonst, doch Liegestühle oder stinknormale Plastikstühle kosten Geld. Irgendwann kommt ein Typ auf Euch zu und kassiert ab.
Was noch? Ja, man geht Essen und Feiern.
Wo? Das kommt auf den individuellen Geschmack an. Meistens landet man eh an Touristenplätzen wie Strandpromenade, dem Rothschild Boulevard oder am Hafen.
Nicht wenige Touristen machen ihre Tel Aviv Unterkunft zu einer Art Home Base. Von dort aus fahren sie in andere Landesteile oder unternehmen einen Tagestrip nach Jerusalem. Für Jerusalem reiche ein Tag vollkommen aus. Altstadt, die religiösen Sites, das Holocaust Museum Yad Vashem und vielleicht noch ein bisschen shoppen und durch die Innenstadt laufen. Und dann schnell zum Busbahnhof und zurück nach Tel Aviv, wo man abends noch am Strand sitzen kann und den Wellen lauscht.
Allgemein gilt Jerusalem vielen Touristen als zu heavy. All die Religionen, kühleres Wetter, keine richtige Szene und einen Strand gibt es sowieso nicht. Die Stadt gilt als lahm und zurückgeblieben, es sei denn, man ist ein Religionsfreak.

 

 

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Photo: Miriam Woelke

Jerusalem: In einem haredischen (Ultra – orthodoxen) Wohnbezirk

 

Ich selbst habe lange Zeit in Tel Aviv gelebt und fand es super. Neue Leute kennenlernen, neue Lebensumstände und was mir am besten gefiel, war das Wetter. Mir machen Feuchtigkeit und Hitze wenig aus, wohingegen manch anderer darniederliegt. Die feuchte Sommerhitze von Tel Aviv macht mir weniger aus als die trockene Hitze in Jerusalem.
Generell muss ich sagen, dass beide Städte ihren ganz einzigartigen Reiz haben. Man muss nur bereit sein, sich darauf einzulassen. Jerusalemer betrachten die Menschen in Tel Aviv häufig als oberflächlich. Ich kann dies nur begrenzt bestätigen, muss allerdings zugeben, dass in Jerusalem mehr Zwischenmenschliches involviert ist. Um den Unterschied zu erfahren, sollte man längere Zeit in beiden Städten gewohnt haben.
Ob Tel Aviv den Hype verdient? Kommt drauf an, was Ihr sucht. Party, Strand und Feiern – klar, das passt zu Tel Aviv. Ob die Tel Aviver so unglaublich tolerant drauf sind? Auch hier kommt es darauf an, wen man trifft. Bei der Arbeit damals hatte ich alles eher konservative Arbeitskollegen. Und die waren teils wesentlich jünger als ich.
Ausländische Medien heben Tel Aviv stets gerne hervor, denn in Jerusalem leben halt zu viele religiöse Fanatiker. So ein Quatsch, denn auch als säkularer Jude kann man in Jerusalem sehr gut leben. Aber Tel Aviv passt da besser ins liberale Schema, wovon der Tourist am Ende gar nicht soooo furchtbar viel mitbekommt, denn der liebt ja den Strand.

Jerusalem: „Den Feind als Nachbarn“

B“H
Diejenigen, welche die Geographie Jerusalems nicht genau kennen, stellen sich einen Westteil sowohl als auch einen Ostteil der Stadt vor. Und in Ostjerusalem wohnen bekanntlich die Palästinenser. Im westlichen Part hingegen wohnen Juden.
Dass Jerusalem jedoch nicht ganz so aufgeteilt ist, wissen die Leute, die noch nicht in der Stadt waren, kaum oder gar nicht. Viele von Juden bewohnte Stadtteile grenzen an palästinensische Wohngegenden, welche nicht unbedingt in Ostjerusalem liegen. Offenbar bin ich selbst das beste Beispiel, denn mein Stadtteil wird von Juden und Palästinensern bewohnt. Wobei Letztere den unteren Part des Stadtteiles bewohnen. Wir leben also nicht alle gemischt zusammen, sondern jeder hat seinen Teil.
Und wie ich bereits viele Male zuvor erwähnte, müssen die Palästinenser, um in ihren Teil von Abu Tur zu gelangen, unsere Straßen passieren. Leider ohne Checkpoint, sondern unbehellicht laufen sie überall herum. Unser gemeinsamer blauer israelischer Personalausweis gibt ihnen dazu das Recht. Nur wenn wieder einmal Randale im Stadtteil herrscht, bedeutet Steine und Molotow Cocktails auf unsere Häuser fliegen oder Autos abgefackelt werden, sind Polizei und Armee vor Ort.
Das Leben bei uns ist nicht so easy wie in andere Stadtteilen. Verlassen wir das Haus oder kommen wir von der Arbeit heim, so schauen wir zuerst die Straße auf und ab, ob nicht irgendwo ein Pulk Palästinenser herumläuft. Besonders Kinder und Jugendliche beginnen dann sofort, Juden zu beschimpfen und schlimmstenfalls zu attackieren. Ich weiß nicht, wie viele Male ich in andere Hauseingänge ging und wartete, bis eine Gruppe brüllender Palästinenser vorbeizog. Selbst der Hauseingang von Bibi Netanyahus Bruder Ido diente mir schon zu diesem Zweck. Ido Netanyahu wohnt nur ein paar Häuser entfernt von meiner Wohnung.
Eine Freundin von mir zog gerade in den nicht allzu weit entfernten Stadtteil Nof Zion. Lakonisch meinte sie, dass man sie im Ausland nun als „Siedlerin“ bezeichnen würde. Nof Zion liegt genau neben dem arabischen Stadtteil Jabal al Mukaber. Wer den Namen hört, denkt sofort an palästinensische Terroristen, denn viele von denen stammen eben aus jenem Jabal al Mukaber. Genauso befindet sich der Stadtteil Armon HaNatziv gleich gegenüber, deren Bewohner ein Lied vom arabischen Terror singen können. Molotow Cocktails und fliegende Steine tagtäglich und vor wenigen Monaten erst das Massaker in der Buslinie 78. Ein Bus, den auch ich nehme.
Palästinenser stiegen in die Linie 78 und schossen wahllos auf die Fahrgäste. Ein wahres Massaker, was im Ausland nur wenig Beachtung fand, denn dort ist man zu busy, Israel als den Schuldigen darzustellen.
Aber zurück zu Nof Zion, wo ich am Freitagmorgen kurz hinfahre, um die Freundin zu besuchen. Ich werde mit dem Auto abgeholt, denn mit dem Fahrrad kann ich dort nicht hinfahren. Man muss direkt an Jabal al Mukaber vorbei und dort wartet der Terrorismus. Also fährt man entweder mit dem Egged Kleinbus oder mit dem Auto. Laufen oder biken geht nicht.
Dafür will mir meine Freundin ihr riesiges Apartment zeigen. Mit Blick auf den Tempelberg. Vor Schabbatbeginn will ich wieder daheim sein und werde erneut gefahren. Eigentlich wollte ich wirklich mit dem Mountain Bike fahren, aber man sagte mir, dass das zu gefährlich sei. Selbst bei Tageslicht.
Nof Zion hat den Vorteil von einem Sicherheitszaun mit elektronischem Tor umgeben zu sein. Zwar fliegen ab und an auch einmal Molotow Cocktails, doch die lokale Polizeiwache von Abu Tur befindet sich nicht weit entfernt. Man sagte mir sogar, dass das Leben in Nof Zion sicherer sei als das in meiner Straße. Und über meine Straße wurde sogar vor ein paar Wochen in den israelischen TV Abendnachrichten berichtet.
Nicht alle palästinensischen Bewohner von Abu Tur sind Terroristen. Mit Einigen habe ich mich sogar schon unterhalten und wir sagen HALLO, wenn wir uns sehen. Wer sich jedoch als extrem radikal erweist, sind Jugendliche und Kindergruppen, die in unseren Part kommen, um auf dem Fussballplatz am Community Center zu bolzen. Arabische Stadtteile bieten nämlich weder Spiel – noch Fussballplätze, denn das Geld wird lieber in den Terror gegen Juden gesteckt. Das gemeinsame Community Center von Abu Tur, „Beit Nechemia“, bietet gemeinschaftliche Events und sogar Touren durch den Stadtteil. Touren an denen Juden und Palästinenser teilnehmen. Und momentan geht es gemeinsam gegen eine christliche Einrichtung, welche ein altes Gebäude in ein modernes Hotel umbauen will und dadurch den Baustil von Abu Tur zerstört. Ferner bieten Palästinser Sprachkurse in Arabisch.
Aus realistischer Sicht aber muss ich sagen, dass ich nicht weiß, wem ich von den Palästinensern trauen kann. Zuerst freundlich und dann hat man plötzlich ein Messer im Rücken.
Früher soll alles anders gewesen sein und man habe sich gegenseitig besucht und zum Essen eingeladen. Nach all dem was vorgefallen ist und noch vorfällt, sind die Juden von Abu Tur vorsichtig geworden und man sieht die Palästinenser lieber weit weg in ihrem Part.

Erfahrungen: „Wohnungssuche in Jerusalem“

B“H
Die Wohnungssuche in Jerusalem kann sich als absoluter Albtraum entpuppen. Aber nicht nur in Jerusalem, sondern überall im Land. Versiffte Apartments und geldgeile Vermieter. Was mir neu war: Dass Vermieter jetzt auch abgefackelte Kellerräume ohne Fenster oder Bunker ohne Fenster für viel Geld vermieten. Ich hörte aktuell von Fällen, wo sich das Bad samt Kloschüssel auf dem Balkon befand oder eine Zimmerdecke so niedrig war, dass man nicht einmal im Zimmer stehen konnte. Es sei denn, man war nicht größer als 1,70m. 🙂 Das alles hört sich lustig an, kann aber total nerven, wenn man wirklich eine Bleibe braucht.
Eine Freundin von mir befindet sich aktuell auf der Suche und da ich Wohnungen mit anschauen gehen, erlebten wir schon so einiges. Einschlägige israelische Websites bieten selbst erschwingliche Bleiben an, nur muss man Gutes von der Abzocke herausfiltern. Gestern Abend schauten wir eine 3-Zimmer-Wohnung in Talpiyot an und heute folgt das nächste Objekt. Heute sogar 600 Schekel weniger Miete als beim gestrigen Angebot. Man muss ja heutzutage schon froh sein, ein Mietobjekt mit Fenstern zu erwischen. 🙂
Nichtsdestotrotz, meine Freundin kennt jemanden im Stadtteil Pisgat Ze’ev und dessen Freund sucht Mieter, denn er besitzt einen ganzen Häuserblock. Also wird sich wohl dahin gewendet, obwohl Pisgat Ze’ev etwas weiter draußen liegt. Dafür sind die Mieten noch relativ niedrig, aber es gibt ein weiteres Problem: Wer mit der Straßenbahn hinaus nach Pisgat Ze’ev fährt, passiert das palästinensische Shuafat. Ein Terroristenkaff, wo ständig Steine auf die Straßenbahn fliegen. Im Endeffekt geht es nicht nur um hohe Mieten, sondern man muss schauen, nicht auf einem Schlachtfeld des palästinensischen Terrors zu landen, wie ich. 🙂
Fortsetzung folgt …