Leben in Jerusalem

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Leserfrage: „Wird in Israel freitags gearbeitet?“

B“H
Ja, aber es kommt auf die Branche drauf an. Zahlreiche Büros und Banken haben zu, andere wieder nicht. Grundsätzlich wird freitags gearbeitet, aber andererseits ist dies auch im Arbeitsvertrag festgelegt. Es kann sein, dass man nur einmal pro Monat am Freitag arbeitet oder halt dementsprechende anderweitige Vereinbarungen trifft. 
Ministerien sind freitags grundsätzlich geschlossen und die Krankenhäuser fahren bis sonntags auch nur auf Sparflamme.
Sonntags wird in Israel gearbeitet und es handelt sich bei dem Tag um einen ganz normalen Arbeitstag. Gesetzlich betrachtet gibt es deutlich weniger Restriktionen als in Deutschland und man kann leicht einen Arbeitstag von 12 Stunden oder länger haben.
Wer freitags arbeitet, hat in der Regel 1 – 2 Stunden vor Schabbatbeginn Feierabend. Oder manchmal auch gegen 13.00 oder 14.00 Uhr. Es kommt immer drauf an, wo man arbeitet.

Baukräne und vielleicht Neuwahlen

B“H
Immer wieder kommen Israelis bei Arbeitsunfällen ums Leben, denn unser Land handhabt die Sicherheit am Arbeitsplatz alles andere als streng. Besonders die Baubranche ist von Arbeitsunfällen betroffen, denn viele Bauarbeiter tragen weder Helm noch Sicherheitsschuhe. Wer derlei Bekleidung will, muss oft selber Geld investieren und sich das zulegen. Was ich ständig sehe, sind Bauarbeiter ohne Helm und in Sneakers und Jeans.
Immer wieder kippen in Israel Baukräne um und ich habe in der Vergangenheit schon einmal davon berichtet. Ein Kran unterliegt keiner offiziellen Sicherheitsinspektion und die meisten Kräne wurden in Europa aus Sicherheitsgründen ausrangiert und dann billig nach Israel weiterverkauft. Die Kräne haben nicht selten 30 – 40 Jahre auf dem Buckel, aber Hauptsache billig. Und immer wieder kracht es und Kranführer kommen dabei ums Leben. Manche von den Arbeitern sagen, dass der Job oben im Kran wie russisches Roulette sei.
In der letzten Woche kam es erneut zu einem Kranunfall mit vier toten Arbeitern. Auf einer Großbaustelle in der südlich gelegenen Kleinstadt Yavne krachte das Hinterteil eines Kranes herunter. Die Gewichte fielen einfach auf den Boden und nahmen gleich mehrere Arbeiter mit in den Tod. Ein weiterer Arbeiter hing eingeklemmt am Kran und musste befreit werden.
https://en.globes.co.il/en/article-four-killed-as-crane-collapses-in-yavne-1001286210
Nach einem Kranunfall gibt es immer ein Riesentrara in den Medien, was schnell wieder abebbt und dann geht alles von vorne los. Es wird halt billig gebaut und wer sich allein anschaut, wie ein Neubau entsteht, dem stehen nach europäischen Standards schnell die Haare zu Berge. Hauptsache billig hochgezogen und der Bauunternehmer sahnt eine Menge Geld ab.
Wer auf dem Bau arbeiten will, kann gutes Geld verdienen. Für Helm und entsprechende Kleidung aber ist der Arbeiter meist selbst zuständig.
Und was ist jetzt mit unserer neuen Regierung, die es eigentlich noch gar nicht gibt? Netanyahu sieht sich von all den kleinen Parteien konfrontiert und auf Eis gelegt. Die nämlich wollen ihre überzogenen Koalitionsforderungen durchsetzen. Kleine Parteien, mit nicht einmal einer handvoll Knessetabgeordneten wie Avigdor Lieberman oder Bayit Yehudi fordern Unmögliches.
Am 29. Mai läuft Netanyahus Ultimatum zwecks Regierungsbildung aus und bislang ist keine Koalitionseinigung in Sicht. Jede kleine Partei kocht ihr eigenes Süppchen, was nichts Neues ist. Egal, ob rechts oder links. Jeder Abgeordnete will sich profilieren und sein dickes fettes Stück vom Kuchen abhaben.

Für Juden, die Aliyah nach Israel machen – Infos zum israelischen Arbeitsmarkt

B“H
Die nachfolgenden Arbeitsmarkt – Infos sind nur für Juden, die nach Israel auswandern und sich ein Bild von verschiedenen Berufsfeldern machen wollen. Für fast alle dieser Jobs sind ein gutes Hebräisch sowie die israelische Staatsbürgerschaft Voraussetzung.
Vor meiner OP im Oktober letzten Jahres sprach ich im Jerusalemer Shaare Zedek Medical Center mit einer Ärztin, die aus Holland eingewandert war. Ihre Eltern sind beide Israelis, lebten aber in Holland, wo die Ärztin ausgewachsen war. Einen holländischen Akzent im Hebräischen hatte sie nicht, denn von Haus aus war Hebräisch ihre Muttersprache.
Als ich sie fragte, wie es denn mit dem Tippen auf der hebräischen PC Tastatur gehe? Ob sie da Schwierigkeiten hatte oder hat? 
„Nee, meinte sie. Ohne perfektes Hebräischtippen könne keiner dort im Krankenhaus arbeiten.“
Wer also einwandern will: Ivrit, Ivrit, Ivrit lernen.
https://www.nbn.org.il/aliyahpedia/employment-israel/career-guidance-for-students/recommended-professions-a-guide-for-students/
https://www.nbn.org.il/aliyahpedia-home/employment/
https://www.nbn.org.il/aliyahpedia/employment-israel/professions-index-employment-israel/
Bei Arbeitslosigkeit:
https://www.btl.gov.il/English%20Homepage/Benefits/Unemployment%20Insurance/Pages/default.aspx

Leserfrage: „Zur Bituach Leumi“

B“H
Jemand fragte nach der BITUACH MENAHALIM und dazu gibt es hier ausführliche Infos:
http://www.elephant.org.il/employee-benefits/
Die Bituach Leumi Beiträge richten sich nach der Höhe des Monatsgehaltes und werden monatlich automatisch vom Gehalt abgezogen. Die Gehaltsabrechnung weist den Beitrag an die Bituach aus.
Wer nicht arbeitet und keine staatliche Arbeitslosenunterstützung bekommt, ist verpflichtet, der Bituach Leumi einen monatlichen Betrag von circa 170 Schekel zu zahlen. Normalerweise wird der Betrag vierteljährlich vom Konto abgebucht. Also insgesamt 510 Schekel. Dazu muss eine Einzugsermächtigung vorliegen oder halt die Kreditkartennummer.
Wer direkt zur Bituach Leumi in Jerusalem geht, kann keine Bareinzahlungen tätigen, sondern es kann nur mit Kreditkarte gezahlt werden!!!
Wer die Zahlungen an die Bituach Leumi versäumt, kann zu Geldstrafen verurteilt werden.
Jeder sollte sich individuell bei der Bituach erkundigen!
https://www.btl.gov.il/English%20homepage/Pages/default.aspx

Jobs, Jobs, Jobs, damit Juden einwandern

B“H
Einige Knessetabgeordnete wie Naftali Bennett (Bayit Yehudi) nehmen den Antisemitismus in Europa ernst und Bennett selbst will Tausende französische Juden zur Aliyah (Auswanderung nach Israel)  bewegen.
Nicht wenige Leute meinen, dass Israel sich auf eine Welle jüdischer Neueinwanderer aus Europa einstellen solle, doch was, realistisch betrachtet, fehlt, sind Jobs und Wohnungen.
Zum Beispiel herrscht in Israel, wie in Deutschland auch, ein akuter Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Genauso wie an Jobs, die dem Arbeitnehmer den Lebensunterhalt gewährleisten. In Israel ist es schon seit vielen vielen Jahren so, dass mancher Israeli mehrere Jobs hat, um seine Rechnungen zahlen zu können.
Gut bezahlte Jobs sind schon vorhanden. Unter anderem auf dem Bau und im Handwerk. Nur sind nicht gerade viele Neueinwanderer bereit, in diesem Segment zu arbeiten. So würde der Neueinwanderer ja eventuell seine Lebensverhältnisse verschlechtern, wenn er da in der Diaspora super abgesichert war, vielleicht Grundbesitz hatte und halt einen guten Arbeitsplatz.
Da will man sich nicht verschlechtern und zahlreiche eingewanderte Juden können und wollen sich nicht mit der israelischen Mentalität abfinden. Das relativ harte Leben, der teure Lebensunterhalt sowie die israelische Art lässt viele Neueinwanderer verzweifeln und ihr ehemaliges Land zurückkehren. Andere wiederum bauen sich ihr eigenes kleines Privatghetto auf, in dem sie sich nur mit ehemaligen Landsleuten abgeben und halt die gemeinsame Muttersprache reden. Es ist wesentlich vorteilhafter bei der Integration, mit einem Israeli verheiratet zu sein, um nicht ständig an der „alten“ Heimat zu kleben.
In meiner Umgebung wird kein Deutsch gesprochen und das hat sich immer als positiv erwiesen. Ich lese einmal am Tag FOCUS und DIE WELT, schaue ab und an kurz durch Twitter oder Youtube und das wars.
Von den eingewanderten Franzosen kann ich sagen, dass sie zusammenglucken. Nebendran im Stadtteil Baka haben sie ihre eigenen kleinen Synagogen aufgebaut samt Community Center. Andererseits lernen die Franzosen recht schnell Hebräisch, denn ihre Englischkenntnisse sind meist schlecht oder gar nicht erst vorhanden. Und der Mensch muss ja irgendwie kommunizieren.
Mein Hausarzt, zum Beispiel, ist ein aus Frankreich eingewanderter Jude. Neben meiner Krankenkasse arbeitet er als Spezialist im Hadassah Hospital. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass israelische Ärzte relativ wenig verdienen und an mehreren Stellen gleichzeitig arbeiten, um Geld ins Portemonnaie zu bekommen. Meistens sind sie in einem Krankenhaus angestellt, arbeiten aber noch nebenbei in Siedlungen oder halten abends Sprechstunden bei den Krankenkassen. Israel verlangt einem extrem viel an Flexibilität und Innovation ab.
Was bei vielen Neueinwanderern aus den USA, Kanada, Australien, den UK oder aus Frankreich nicht zu unterschätzen ist: So manch einer kommt mit einem erheblichen Vermögen nach Israel. Nicht unbedingt reich, aber doch auch nicht arm. Man hat sich eben bereits in den USA oder anderswo als Architekt etc. etwas erarbeitet.
Und eine Tatsache, die immer wieder vorkommt: So mancher amerikanische Neueinwanderer hat seinen Job in den USA nie aufgegeben und pendelt zwischen Israel und den Staaten hin und her. Alle ein oder zwei Wochen mal hier und mal dort.

Die Billiglöhner unterwegs nach Israel

B“H
1000 weitere philippinische Gastarbeiter sollen laut diesem aktuellen Abkommen nach Israel geflogen werden:
https://www.jpost.com/Israel-News/Israel-to-employ-1000-Filipino-workers-to-reduce-hotel-staff-shortage-574053
Verwundern tut das nicht, denn die israelische Hotelindustrie ist eine einzige Katastrophe. In Tel Aviv und auch zuvor schon in Eilat werden vorwiegend illegale Afrikaner beschäftigt. Beim Room Service und halt der Zimmerputzerei. Das alles zu Niedriglöhnen, denn Israelis wären zu teuer.
In Tel Aviv ist es in der Branche teilweise üblich, Feiertags – und Schabbat – Zuschläge (Stundenlohn) nicht zu zahlen. Stattdessen arbeiten die Leute zum normalen Stundenlohntarif (Mindestlohn). Wenn überhaupt.
Im o. g. Artikel heißt es ferner, dass sich bereits 28,000 philippinische Gastarbeiter im Land aufhalten. Fast immer arbeiten sie als Altenpflegekraft in Privathaushalten. Gesponsert von der Familie des Pflegebedürftigen und der Bituach Leumi (Nationalversicherung).
Eine ganze Abzock – Branche hat sich um die philippinischen Care Giver (Pflegekräfte) gegründet wie israelische Agenturen, welche die Philippinas importieren und richtig abkassieren. Diese Agenturen vermitteln die Philippinas an Privathaushalte.
Offiziell als Pflegekräfte in Altenheimen werden die Gastarbeiter nicht eingesetzt, denn dort arbeiten Israelis. Egal, ob Juden oder Araber.
Auch mit den Philippinas / Philippinos gibt es Probleme, denn sie bleiben oft illegal im Land und manche misshandeln die Pflegebedürftigen. In Israel sind viele Leute der Meinung, dass die philippinischen Gastarbeiter immer noch besser seien als Araber, denn Erstere bereiten weniger Probleme. Dennoch sollte bedacht werden, dass die philippinischen Gastarbeitern daran gelegen ist, in Israel zu bleiben und die Frauen fast alle schwanger herumlaufen, um ein Bleiberecht zu erhalten. Wenn denn erst einmal das Kind in Israel geboren wurde.
Ich bin absolut gegen diese Importiererei und es suchen genügend Juden und Palästinenser Jobs. Denen aber muss der Hotelbesitzer mehr zahlen. In der privaten Altenpflege dagegen finden sich selten Israelis, denn derlei Jobs will niemand machen.
Wenn schon philippinische Gastarbeiter in der Pflege, dann aber nur mit eingeschränktem Visum und Abschiebung. Bislang ist das leider viel zu wenig der Fall.

Israelische Arbeitgeber und der Jugendwahn

B“H
Ich will ja nicht immer zu pessimistisch klingen, doch die israelische Realität will ich genauso wenig verschweigen. Wie überall auf der Welt auch, hat unser Land seine Vor – und Nachteile. Und oft sieht ein ausländischer Betrachter, dass Israel, in gewissen Beziehungen, ein ganz normales Land ist. Auch hier gibt es, z.B., Arbeitslosigkeit, Armut, Wohnungsnot, usw.
Ein aktueller TV – Bericht zeigt drei arbeitslose Ingenieure, die über 40 Jahre alt sind, Familie haben und plötzlich und unerwartet ihren sicher geglaubten Job verloren. Golan, Amit und Gil suchen bereits mehr als ein Jahr nach einer neuen Festanstellung, aber auch Israel ist ein Land, in dem Arbeitnehmer fast nur noch auf junge Leute setzen. 
https://www.youtube.com/watch?v=ijp6usq9a1o 
Die drei Arbeitslosen sind bestens ausgebildet und arbeiteten bis zur Entlassung in Führungspositionen. Obwohl sie Bewerbungen schreiben, gibt es kaum eine Antwort. Gil meint, an einem guten Tag bekomme er seine ausgesandten Email – Bewerbungen vielleicht drei Antworten. Wer über 40 ist, habe auf dem Arbeitsmarkt nur noch geringe Chancen und nicht jeder will sich soweit verschlechtern, dass es als unterbezahlter Tankwart oder Sicherheitsmann arbeitet. Zum Mindestlohn und ohne Chancen auf den Wiederaufstieg.
Auch in Israel schämt man sich, arbeitslos zu sein. Der Gang zum Arbeitsamt fällt schwer und manche leben von ihrem Ersparten und gehen erst gar nicht zum Amt. Und damit landen sie auch nicht in der Arbeitslosenstatistik.
Israelischen Betrieben ist es per Gesetz verboten, nach dem Alter eines Bewerbers zu fragen bzw. ihn aufgrund seines Alters abzulehnen. All das wird jedoch in Stellenanzeigen umgangen, in denen es dann heißt, dass der Bewerber nicht mehr als 1 – 2 Jahre Berufserfahrung haben darf. Somit wird indirekt angedeutet, dass man nur Leute einstelle, die zwischen 20 – 30 Jahre alt sind.
Gil, der der die Kinder von der Schule abholt, schreibt auch weiterhin seine zahlreichen täglichen Online – Bewerbungen. Golan, der nur zu Beginn der Doku zu sehen ist, fand nach 4,5 Jahren endlich eine Festanstellung. Und Amit machte sich, wie 1/3 aller israelischen Arbeitssuchenden, selbstständig.
Allein aus dieser Tatsache heraus, werden recht viele Startups von Personen gegründet, die älter als 40 Jahre sind. Man hat das Know – how, eine gute Ausbildung, arbeitete in IT – Führungspositionen, aber wurde letztendlich dem Jugendwahn geopfert. Und so macht man sich halt selbstständig und vielen Leuten gelingt das recht gut.