Leben in Jerusalem

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Arbeiten in Jerusalem?

B“H
Immer wieder erhalte ich Anfragen zum „Arbeiten in Jerusalem„, jedoch ohne weitere Details.
Als was arbeiten und wer ist der Fragesteller? Tourist oder jüdischer Neueinwanderer?
Offizielle Neueinwanderer haben keinerlei Visa – Probleme und werden mit der Einwanderung ganz normale Staatsbürger. Touristen hingegen können nicht so einfach arbeiten, denn sie benötigen eine Arbeitserlaubnis. Die fällt immer befristet aus und man muss einen Arbeitgeber haben, für den diese Erlaubnis ausgestellt wird.
Allgemein schaut es so aus, dass der Arbeitsmarkt in Jerusalem nicht der beste ist. Das Angebot ist knapp und es gibt leider zuviele Jobs im Mindestlohnsektor. Und oft noch nicht einmal das. Wenn man denn nur stundenweise arbeitet und somit zwar Anspruch auf den gesetzlichen Mindeststundenlohn, jedoch nicht auf den gesetzlichen Mindestmonatslohn hat.
In einem Office zu arbeiten bedeutet eigentlich immer hervorragende Hebräischkenntnisse. Oder in manchen Jobs das Englisch auf der Basis eines Muttersprachlers. Realistisch betrachtet gibt es in Jerusalem sowie im gesamten Land genügend englischsprachige Muttersprachler und jemand mit Englisch als Fremdsprache ist da keine Konkurrenz, da der Muttersprachler bevorzugt wird.
Gibt es deutsche Jobs?
Vielleicht bei der Adenauer – Stiftung, doch die ist auf Hass gegen Israel getrimmt.
Oder vielleicht Deutsch unterrichten?
Unterrichten, egal was, ist immer so eine Sache. Die Leute sagen ab oder zahlen kaum und dann steht man dumm da. Sich allein auf solch ein Gehalt zu verlassen, ist nicht gerade gut, denn wer weiß, wie es im nächsten Monat mit den Rechnungen aussieht. Sich immer Sorgen machen um die Mietzahlung und ob jetzt der Schüler zahlt, abspringt oder überhaupt auftaucht, ist kein so tolles Leben.
Nicht wenige Deutsche gehen in Tel Aviv oder in Jerusalem zum Goethe – Institut und wollen dort arbeiten, doch die Jobs sind rar. Selbst die dortigen Praktikantenstellen sind, laut Website, bis zum Juli 2019 alle besetzt.
An der Küste gibt es manchmal deutsche Jobs im Callcenter – Bereich. Ich glaube, die Arbeitserlaubnis muss sich der Bewerber selber besorgen und schlecht bezahlt sind die Jobs erst recht. Und dann Schichtdienst plus Stress mit Kunden.
Beim hiesigen Avraham Hostel können sich junge Leute als Volontär bewerben und sie erhalten eine Unterkunft. Ein Mehrbett – Zimmer, das mit anderen Volontären geteilt wird.
Der Tourist ist stets an sein Visum gebunden und kann von heute auf morgen aus dem Land fliegen. Einfach so und es gibt kein neues Visum mehr.
Wo es total viele Jobs gibt: An den Supermarktkassen. Die Discounter und andere Supermärkte suchen ständig Personal. Mindestlohn, Vollzeit und schreiende Kunden. Aber es gibt auch freundliches Klientel. 🙂 Trotzdem, wer mit der hiesigen Mentalität nicht vertraut ist, wird die Kasse keine Stunde überleben.

 

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Leserfrage: „Als Arzt in Israel arbeiten?“

B“H
Die Beantwortung der Frage ist nicht so einfach, denn es kommt darauf an, ob der Arzt ein jüdischer Neueinwanderer oder ein nichtjüdischer Tourist ist.
Als Tourist sollte man sich im Vorfeld erkundigen, wie es mit einem Visum ausschaut, denn einen direkten Ärztemangel gibt es, meines Wissens nach, in Israel nicht. Ich kann mich irren, doch wenn wer gesucht wird, dann sicher ganz spezielle Ärzte mit einem eher „komplizierten“ Fachgebiet. Und wer in den USA Medizin studiert hat, der geniesst garantiert riesige Vorteile. Obwohl auch viele israelische Ärzte häufig auf gewisse Zeit in US – Krankenhäusern arbeiten.
Ein Arbeitsvisum in Israel zu erhalten ist recht kompliziert und wenn, dann immer befristet. Es sei denn, man volontiert irgendwo und der Arbeitgeber garantiert für den Volontär, welcher da kaum Rechte hat und auch keinerlei Hilfen vom Staat Israel erhält.
Das Jerusalemer Sha’are’i Zedek sowie das Hadassah Ein Kerem Hospital besteht vorwiegend aus jüdisch – amerikanischem, jüdisch – israelischem sowie aus arabischem Personal. Vom Arzt bis hin zur Putzfrau. Mittendrin finden sich viele Neueinwanderer aus den ehemaligen GUS – Staaten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Russen gute Ärzte sind.
Wer als Jude nach Israel einwandert und im Pflegebereich bzw. als Arzt arbeiten will, der muss hierzulande nochmals diverse Prüfungen ablegen. Gute Hebräischkenntnisse sind Voraussetzung, denn man MUSS mit den Patienten kommunizieren. Ulpan Level Gimmel / Daled sollte vorhanden sein.
Den einzigen Deutschsprachigen im Krankenhausbereich traf ich in der orthopädischen Abteilung meiner Krankenkasse und der war sogar aus meiner Heimatstadt. Er verpasste mir einen Gips am Arm. 🙂 Das war ganz witzig, denn er ist ein Gerrer (Gur) Chassid und falls er das jetzt lesen sollte: Viele Grüße und ich hoffe, dass ich nie wieder einen Gips brauchen werden. Aber man sieht sich sicher ab und an in der Orthopädie. 🙂
Darüber hinaus hatte ich bislang nur mit amerikanischen, russischen oder israelischen Ärzten Kontakt und einmal kam ein Araber zur Aushilfe. Bis auf den Araber waren alle Juden. Mein Zahnarzt ist religiöser Jude und vor Ewigkeiten aus den USA nach Israel eingewandert.
Das Ärztesystem ist in Israel ein anderes als in Deutschland. In Israel übernehmen die Krankenkassen eine Menge Behandlungen selbst. Heißt, der Patient geht, wenn er Gesundheitsbeschwerden hat, zur Krankenkasse, wo er von einem Arzt behandelt wird. Einmal erlebte ich es, wie ein Patient mit einer Schnittwunde zuerst nach unten in die hauseigene Krankenkassenapotheke geschickt wurde, um Tetanus zu kaufen.
Wenn die Krankenkassenärzte (die da auch teilweise in Krankenhäusern arbeiten) nicht weiterkommen, bekommt der Patient eine Überweisung (Hitchajwut) zu einem Facharzt. Man kann sich im Katalog der jeweiligen Krankenkasse einen Facharzt aussuchen und muss bei einer Hotline einen Termin ausmachen. Normalerweise wird dann immer der Arzt genommen, der einigermaßen in der Nähe liegt und man nicht unbedingt weit fahren muss.
Hier eine informative Website mit den notwendigen Voraussetzungen als Arzt:
https://www.health.gov.il/English/Services/MedicalAndHealthProfessions/GeneralMedicine/Pages/Worked_Abroad.aspx
Touristen können es vielleicht in Ostjerusalem oder generell im arabischen Sektor probieren. Dass man sich als Tourist einfach so als Arzt niederlassen kann, bezweifele ich.
Übrigens sind die Zahnärzte hierzulande privat, was so richtig ins Geld geht. Und was so richtig kostet, sind Tierärzte.
Link:
Gefragte Berufe in Israel

Leserfrage: „Israel und Arbeitserlaubnis“

B“H
Hier ein paar Links zu dem Thema und ich an Eurer Stelle würde mich eingehend bei der israelischen sowie der deutschen Botschaft erkundigen: 

 

 

https://tel-aviv.diplo.de/il-de/service/-/1444828
http://embassies.gov.il/berlin/ConsularServices/visainformation/Pages/Visainformation.aspx
http://embassies.gov.il/berlin/departments/offentlichkeitsarbeit/AufenthalteinIsrael/Pages/Arbeiten-und-Praktika.aspx
https://tel-aviv.diplo.de/il-de
Normalerweise erhält nur derjenige eine Arbeitserlaubnis, der schon eine Arbeit vorweisen kann und die kein Israeli besetzt. Die Erlaubnis gilt nur für den einen Arbeitgeber und bei einem Wechsel muss ein neue Arbeitserlaubnis beantragt werden.
Generell ist das alles nicht so einfach, denn Israel ist auf jüdische Neueinwanderer fokussiert und will keine Gastarbeiter ins Land holen. Und wenn ja, dann nur befristet und ohne viele Rechte. 

Leserfrage: „Was kann ich als 60 – Jähriger Neueinwanderer in Israel überhaupt noch arbeiten?“

B“H
Die Antwort darauf fällt wieder einmal kurz und bündig aus: Nämlich, dass auch in Israel mit 40 Jahren auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr viel zu holen ist. Hightech – Leute werden mittlerweile schon mit 35 Jahren ausrangiert, wenn man nicht gerade ein absoluter „wer – weiß – was“ Superspezialist ist. Deswegen machen sich auch relativ viele Techies selbstständig und gründen ihr eigenes Startup.
Ein Bekannter von mir wanderte mit 52 Jahren von New York nach Israel aus und er ist ein Tech – Spezialist. In Israel jedoch fand er keinen Job und so machte auch er sich selbstständig. Er repariert Computer und hat ein riesiges Anglo – Klientel, weil er auch mit US – Technologie arbeitet. Er kennt sich super aus und das hat seinen Preis, den die Leute zahlen. Uns sie sind froh jemanden zu haben, der einer von „ihnen“ ist und kein Israeli, der sich mit US – Telefonprogrammen, Kreditkarten, etc. nicht auskennt, kaum Englisch kann und vermutlich noch abzockt.
Wer in einem fortgeschritteneren Alter Aliyah (wenn Juden nach Israel auswandern) macht, dem bleiben normalerweise entweder Mindestlohnjobs oder man macht sich selbstständig. Wer ein wenig handwerklich begabt ist, repariert elektrische Geräte, bietet Gartenarbeit an, putzt oder bietet sonstige Reparaturen am Haus bis hin zum Wändestreichen. Tapezieren ist in Israel fast gar nicht, denn man streicht einfach nur die Wände. Ohne Tapete und den ganzen Kram.
Und wie bietet man diese Jobs an?
Ganz einfach. Es werden Flyer aufgehängt oder halt im Internet auf Janglo.net angeboten.
Viele machen es nicht, doch sollte man sein Schiputznik (Reparatur) – Gewerbe anmelden. Man zahlt in Israel zwar einen Haufen Steuern, doch legal ist immer sicherer und es gibt keinen Ärger.
Die Flyer sollte man in Stadtteilen aufhängen, wo die Leute Geld haben und keineswegs in sozialen Brennpunkten. 🙂
Und wie aufhängen?
Tesafilm besorgen, Flyer ausdrucken (in hebräischer und englischer Sprache) und durch die Stadt ziehen. An Bushaltestellen und Zäunen / Strommasten ankleben.
Mit Festanstellungen schaut es schlecht aus, es sei denn, man wäre super super super qualifiziert. Ansonsten bleiben Security Firmen, die Neueinwanderer vorwiegend als „Taschendurchsucher“ einstellen. Vor öffentlichen Gebäuden oder Shopping Malls im Schichtdienst und mit Mindestlohn. Man kann im Security Gewerbe nicht schlecht verdienen, doch tun das nur jene jüngere Leute, die vielleicht nebenher studieren und bei der Armee in Eliteeinheiten dienten. So als „Bodek Bitachon – Taschendurchsucher“ bekommt man in der Regel eine Gaspistole. Richtige Waffen kann ein Neueinwanderer erst drei Jahre nach der Einwanderung beantragen. Und mit Gaspistole ist man dann eh nur auf Mindestlohn.
Gibt es irgendwelche Jobs, wo man die deutsche Sprache einsetzen kann?
Von Übersetzungen und dem ganzen Business rate ich ab, denn das wird mies bezahlt und ist viel zuviel Arbeit. Am Ende zahlt sich die Schufterei nicht aus und Ihr habt Eure Zeit verschwendet. Es gibt ein paar deutsche Firmenniederlassungen und in Ra’anana wohnen ein paar deutsche Neueinwanderer mit kleinen Firmen, die Leute für deutsche Korrespondenz suchen. Allerdings würde ich jedem Neueinwanderer raten, sich mit Israelis abzugeben und da zu arbeiten. So integriert man sich leichter, lernt die Sprache schneller und Israelis sind immer gut für Infos a la „Wie und was läuft und wie man etwas im Land bewerkstelligt“. Wenn ich eine Frage hatte und nicht wusste, wohin ich mich damit wenden sollte … ich kannte von Beginn an Israelis und die wussten die Antwort samt Adresse.
Nach der Einwanderung bekommt man einen Sprachkurs vom Staat gezahlt. Sechs Monate Sprachkurs und man kann es sich aussuchen, ob der abends oder morgens stattfinden soll. Das Einwanderungsministerium (Misrad HaKlita) gibt eine Liste mit anerkannten Sprachkursen aus und da muss man sich dann selbst vorstellen. Heißt, die Kurse abklappern und sich einen aussuchen. Nebenbei erhält der Neueinwanderer monatlich ein kleines Taschengeld. Leben kann man davon nicht und das Geld gibt es nur, wenn der Sprachschüler regelmäßig zum Unterricht erscheint. Ist das nicht der Fall, gibt es auch keine Kohle. Aber wie gesagt, leben kann man davon nicht und es handelt es um ein kleines Taschengeld von circa 1000 – 1200 Schekel (so um die 200 – 250 Euro).
Die Kurse sind recht gut und man wird halt mit anderen Einwanderern zusammengewürfelt. In den sechs Monaten wird eine Menge Grammatik wie Vergangenheit, das Passiv und Gegenwart gepaukt. Die Zukunftsform nicht, aber die kann sich jeder leicht selber beibringen.
Ich selber habe insgesamt drei Kurse besucht und es bis Kita Gimmel geschafft. Die ersten beiden Kurse hatte ich in den 80iger Jahren bzw. in den 90igern. Und beide habe ich komplett alleine gezahlt. Erst den dritten Kurs bekam ich nach der offiziellen Einwanderung vom Staat. Wobei ich sagen muss, dass ich die erste Stufe (Kita Aleph) besuchte, die zweite Stufe (Kita Beth) übersprang und nach Aleph direkt in die dritte Stufe (Kita Gimmel) ging. Im dritten Kurs nach der Einwanderung waren alle Teilnehmer des Hebräischen mächtig und wir lernten vorwiegend, wie man sich in Israel um einen Job bewirbt. Zumindest für die Leute aus Russland war das alles Neuland.
In Israel darf man sich nicht auf den Sozialstaat verlassen, sondern muss immer selber aktiv werden. Sich etwas einfallen lassen und flexibel sein. Eine Menge Dreck fressen können, aber das geht 95% der Neueinwanderer so. Die Wenigsten kommen mit ein paar Millionen Euro oder Dollar in der Tasche an. Trotzdem sollte der Neueinwanderer nie aufgeben und nicht so leicht das Handtuch werfen. Man weiß nie, was die Zukunft bringt und was sich ggf. für Möglichkeiten auftun.
Und wer als Handwerker gut ist, der wird weiterempfohlen und so lernt derjenige Leute kennen, die vielleicht die ein oder andere Chance auf etwas anderes ermöglichen.

Tausende Israelis arbeiten sieben Tage in der Woche

 

B“H
In Deutschland bekommt ein Arbeiter / Angestellter automatisch drei oder vier Wochen Urlaub im Jahr. Voll bezahlt mit gesetzlichem Anspruch.
In Israel hat, lt. Gesetz, ein Arbeiter / Angestellter einen jährlichen Urlaubsanspruch von ganzen 11 Tagen. Bezahlte 11 Tage und alles, was darüber hinaus geht, muss halt unbezahlt genommen oder Stunden vorgearbeitet werden.
Viele Israelis arbeiten von Sonntags bis Donnerstags. Dabei kommt es auf die Branche an, denn andere wiederum (mich eingeschlossen) arbeiten auch am Freitag. Dafür gibt es dann unter der Woche einmal einen Tag frei. Oder auch nicht.
Das Schlimmste ist, wenn jemand als Jude am Schabbat arbeiten muss. Sieben Tage die Woche ohne einen freien Tag. Säkulare Juden sind dazu bereit, denn sie brauchen das Geld. Die Lebenshaltungskosten in Israel sind sehr hoch und die Gehälter verhältnismässig niedrig. Kein Wunder also, dass wir immer wieder Rentnern begegnen, die mit über 70 Jahren noch arbeiten. Wie der Taxifahrer Schmulik im nachfolgenden Video, der da 72 Jahre alt ist und arbeiten muss, weil die Rente nicht reicht. Genauso wie seine Frau, die da in einem Laden schuftet.
Wer als Jude nach Israel auswandert, stellt schnell fest, dass die Leute viel arbeiten, aber wenig verdienen. So wenig, dass sie immer noch nebenbei Jobs machen. Wie putzen, an der Tankstelle arbeiten oder Nachhilfe geben. Mit Putzen kann jemand 50 – 60 Schekel pro Stunde verdienen. Das sind circa 12 – 13 Euro. Gutes Geld und wer kann, der tut das nebenbei oder hauptberuflich, wie der erste Interviewpartner im Video.
Jeder Israeli ist froh, wenn er mit seinem Gehalt durch den Monat kommt und nicht in den Dispo fällt. Besonders schwer wird das, sobald Kinder da sind. Allein die Miete verschlingt einen Großteil des Einkommens. Die Mieten sind hoch und die Wohnungen genauso knapp wie in Deutschland. Nur, dass es in Israel keine Schufa gibt und der Mieter bei der Vertragsunterschrift zwei Bürgen mitbringen muss. Dazu noch Gehaltsnachweise der letzten drei Monate und ein Sicherheitsscheck wird ebenso ausgestellt. In Israel läuft noch sehr viel pre Scheckverkehr und in vielen Fällen auch die Miete.
Das nachfolgende Video zeigt, wie Israelis viele Stunden am Tag arbeiten, mehrere Jobs haben und doch nie viel Geld im Portemonnaie bleibt. Steuern? Okay, doch den Hauptanteil fressen Miete, Nebenkosten und andere Rechnungen wie Telefon, Internet, Strom, Wasser, Gas und Versicherungen.
Zwar haben Arbeitgeber die Pflicht, den Arbeitnehmer bei einer privaten Rentenversicherung anzumelden. Die staatliche Mindestrente im Alter wird von der Bituach Le’umi (Nationalversicherung) gezahlt und ist so gering, dass niemand davon leben kann. Also muss jeder Arbeitnehmer über den Arbeitgeber privat vorsorgen oder sogar noch eine zweite zusätzliche Rentenversicherung anlegen. Was er am Ende rausbekommt, ist nochmal eine andere Sache.
Am besten haben es die Staatsdiener, die da im Alter gut versorgt sind. Alle anderen Arbeitnehmer stehen halt dumm da und die Altersarmut ist auch in Israel ein großes Thema.
Wenn ich das hier alles schreibe, so beziehe ich mich auf Juden und Palästinenser, denn da wird keinerlei Unterschied gemacht. Die Arbeitsgesetze beziehen sich auf beide Kategorien, solange denn der Palästinenser israelischer Staatsbürger ist. Kommt er aus der Autonomie, ist er erst recht angeschmiert, denn dort herrscht Korruption und die Autonomiebehörde verleibt sich alles ein. Deswegen sind die Palästinenser aus der Autonomie heilfroh, wenn sie in Israel einen Job finden. Trotz der täglichen Pendelei und den Checkpoints. Am Ende aber macht sich das bezahlt.

 

Sind Palästinenser in Israel Billiglöhner?

B“H
In mehreren deutschen Online News Kommentaren las ich die Behauptung, dass Israel ohne die billigen palästinensischen Arbeitskräfte dichtmachen könne.
Wer sowas behauptet, der kennt die israelische Arbeitsgesetzgebung nicht, die da lautet, dass jeder Staatsbürger ein Anrecht auf den gesetzlichen Mindestlohn hat. Niemand wird unter Mindestlohn bezahlt und würde dem auch kaum zustimmen.
Und was heißt Billiglöhner?
Fast die Hälfte des Landes arbeitet im gesetzlichen Mindestlohnsystem. Ob das im Supermarkt ist oder im Callcenter.
Wenn Palästinenser aus der Autonomie illegal nach Israel kommen, so weiß ich nicht, wie da die Bezahlung ausschaut. Ich kann nur sagen, dass die illegalen Afrikaner in Tel Aviv genau wissen, was ihnen zusteht.
Israel ist ein teures Land und keiner kann es sich leisten, unter dem Mindestlohn zu arbeiten. Und kaum jemand wäre dazu bereit, es sei denn, er ist total illegal und braucht jeden Job, den er kriegen kann.
Ansonsten haben Palästinenser mit israelischem Personalausweis die gleichen Rechte und Pflichten wie alle Israelis. Sprich Mindestlohn, Steuernachlässe, Renten, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, Kindergeld, etc.

Leserfrage: „Berufe in Israel“

B“H
Zu den Berufen in Israel brauche ich nicht viel zu sagen, denn es sind die gleichen Berufe wie überall auf der Welt. Nur, dass es kein duales Ausbildungssystem gibt wie in Deutschland. Keine Berufsschule und auch keinerlei Ausbildungsjahre.
Wer mit der Schule bzw. der Armee fertig ist, der bewirbt sich irgendwo. Sei es im Büro oder als Handwerker. Man wird ganz normal eingearbeitet und verrichtet nach einiger Zeit alle Arbeiten, wie die Kollegen auch. Arbeitet jemand als Bäcker, so ist er nach der Einarbeitung halt Bäcker. Dasselbe beim Elektriker, Fabrikarbeiter, Klempner, Schlosser, Bauer oder was auch immer. Oder eine Büroangestellte oder ein Bankteller ist dann halt das von Beruf. Ohne Ausbildungsjahre und nur nach einer richtigen Einarbeitung.
Akademische Berufe haben eine Ausbildung bzw. ein Studium als Voraussetzung. Viele Israelis lernen auf privaten berufsorientierten Schulen, um sich weiterzubilden oder halt einen ganz spezifischen Beruf wie, z. B., Hightech oder Kaufmann, zu erlernen. Wer nicht gerade Informatik oder BWL studieren will. 🙂
Generell geben Israelis eine Menge Geld für Bildung aus, denn Bildung wird als äußerst wichtig angesehen. Gleichzeitig gibt es aber auch jene „Schichten“, wo die Eltern auf Stütze sind und die Kinder genauso heranwachsen. Nämlich ohne den Ehrgeiz auf ein besseres Leben und den Willen, aus dem Ghetto herauszukommen.
In Israel gibt es all das und da bildet die deutsche Gesellschaft keine Ausnahme. Dennoch habe ich irgendwie das Gefühl, dass das Abitur in Deutschland nicht mehr das ist, was es einmal war. Da brauche ich mir nur die Kommentare auf Youtube durchzulesen, wo schon allein WAHR und WAR verwechselt werden. Ich bin ja auch nicht perfekt, aber was heuzutage an deutscher Rechtschreibung umgeht, ist grauenhaft.
Und dann auf Youtube das ewige deutsche Studentengejammer nach Motivation. Man sei nicht motiviert und überhaupt. Da muss ich sagen, ist Israel anders. Wahrscheinlich auch wegen der Armee, denn dort geht es um Disziplin und ums Überleben.
Handwerksberufe sind in Israel sehr gefragt und werden auch recht gut bezahlt. Wer da ein Allrounder ist, kann als privater Handwerker gutes Geld verdienen. Genauso wie auf dem Bau. In der Hightech – Branche dagegen ist es immer so eine Sache. Im Alter von 32 gehört man da schon zum alten Eisen und wird aussortiert.