Leben in Jerusalem

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Touristen – Arbeiter – Nostalgien aus Israel

B“H
Als ich in den Achtziger Jahren einen Großteil meines Lebens ins Israel verbrachte, war es generell unter jungen Deutschen wenig verbreitet, durch die Welt zu reisen. Wen ich immer wieder traf, waren Amerikaner, Schweizer und Skandinavier, aber kaum Deutsche.
Was die Leute damals machten war, ohne besonders viel Geld um die Welt zu reisen. Man sparte eine gewisse Summe an, um sich ein Flugticket kaufen zu können, ein Hostel zu zahlen und sich etwas zum Essen zu leisten. Gleichzeitig wurde in dem jeweiligen Gastland nach einem Job gesucht. Meist in der Gastronomie, auf dem Feld oder auf dem Bau oder halt als Englischlehrer. Man blieb ein paar Monate an einem Ort und sparte sich auf diese Weise sein nächstes Flugticket zusammen und dann ging es weiter in ein anderes Land.
In Israel traf ich eine Menge Touristen, die nach Thailand weiterziehen wollten, denn Thailand war schon immer billig. Oder man ging nach Griechenland, Ägypten oder in die Türkei. Am beliebtesten aber waren ostasiatische Länder, von denen aus man nach Australien wollte.
In Israel war der Aufenthalt besonders günstig, wenn man denn als Volontär in einen Kibbutz ging. Verpflegung und Unterkunft gibt es gegen Arbeit und die Wäsche wird einem auch gewaschen. Der Nachteil ist natürlich, dass, bis auf ein kleines Taschengeld, kein Geld verdient wird. Und so gingen diejenigen Touristen, die Geld brauchten, in die Stadt. Fast immer nach Tel Aviv, wo gejobbt und in einem Hostel gelebt wurde. Junge Frauen kellnerten oder putzen Privatwohnungen. Männer gingen auf den Bau oder halfen als Möbelpacker. Damals war es sogar noch üblich, dass Israelis, die kurzfristig Arbeiter brauchten, in den Hostels vorsprachen.
Sobald in den 90iger Jahren die ersten Gastarbeiter von den Philippinen, aus China und aus Osteuropa eintrafen, brach der Jobmarkt der Touristen ein. Bis dahin überzogen westliche Touristen nicht selten ihre Visa. Die Polizei sagte nichts, denn letzten Endes reisten die Leute eh wieder aus. Bleiben wollte niemand, sondern nur ein wenig Geld für den nächsten Trip verdienen. Das waren noch Zeiten!
Mit den Gastarbeitern ging das Drama los, denn die wollten bleiben. Wenn nötig auch illegal. Insbesondere Philippinas, denn der Verdienst in der privaten Altenpflege ist in Israel besser als daheim im fernen Asien. Osteuropäische Arbeiter erlebte man teilweise nur besoffen und die Thailänder jagten Hunde und Katzen, die sie in die Pfanne hauen wollten. Oder, besser gesagt, in den Backofen. Plötzlich verschwanden ungewöhnlich viele israelische Haustiere und die Polizei ging auf die Thailänder los.
Seit der Welle illegaler Gastarbeiter jagt die israelische Polizei alle illegalen Touristen. Die Situation verschärfte sich weiter mit den mehr als 50,000 illegalen Afrikanern. Die aber ziehen vielleicht nach Deutschland weiter, denn dort spendiert Mama Merkel Geld, Unterkunft und Krankenversicherung. In Israel bekommen die Afrikaner nichts und sind gezwungen, illegal zu arbeiten. Ohne Arbeit keine Kohle. Da ist das Leben in Deutschland bequemer: Hartz IV auch ohne Arbeit.
In den Achtziger Jahren war es relativ leicht als Tourist einen Job zu finden. Nichts Besonderes, sondern nur eben einen Job. Heutzutage ist das andere als leicht, denn wer illegal erwischt wird, fliegt aus dem Land. Und der Arbeitgeber wird mit einer saftigen Geldstrafe versehen. Deswegen wollen Israelis kaum noch Ausländer ohne Arbeitserlaubnis für sich arbeiten lassen.
Israel sucht in anderen Ländern keine Arbeiter. Es sei denn, Leute für den Bau. Und da sind billige Chinesen gerade mal gut genug. Alles, was für wenig Geld arbeitet, keine Rechte hat und die Schnauze hält. Seit ein paar Monaten werden ausländische IT – Spezialisten gesucht. Wenn es geht mit viel Eigenkapital und eigener Firma. Wer dagegen als Angestellter in die israelische IT – Branche will, kann das tun. Aber als Billiglöhner. So wollen israelische Unternehmen jetzt auch den Mindestlohn und die sonst hohen Gehälter der IT – Branche umgehen.
Zynische Kommentare vieler Israelis lauten, dass die guten einheimischen IT – Spezialisten schon lange im Silicon Valley hocken und sich wohl kaum unter Wert verkaufen. Kein Wunder, dass Israel Inder anwerben will. Ein ausgebildeter IT – Spezialist wird sich in Israel nicht für ein Butterbrot anstellen lassen. Funktioniert er nicht, verliert er sein Visum und fliegt wieder aus dem Land.
Nee, nee, da gehen die wahren Geeks lieber in die USA und verdienen sich eine goldene Nase. 🙂
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Leserfrage: „Wie schreibt man in Israel einen Lebenslauf?“

B“H
Hierzulande werden Lebensläufe auf Jobangebote weniger kompliziert verschickt als in Deutschland. Entweder per Email oder per Fax. Eine Seite und ohne Photo oder langes Anschreiben. Lediglich mit dem Vermerk, dass man sich bewirbt und dann erfolgt ein tabellarischer Lebenslauf. Nicht mehr als eine Seite!
Wer als Bewerber angerufen und zum Interview eingeladen wird, hat Glück. Erfolgt keinerlei Antwort in irgendeiner Form, dann wars das. Der Arbeitgeber hat keinerlei Bedarf.

Israels aktuelle Arbeitslosenstatistik

B“H
Offiziell heißt es, dass die Arbeitslosigkeit stark gesunken ist und die Gehälter anziehen:
http://www.globes.co.il/en/article-unemployment-in-israel-falls-to-new-low-1001174786
Ich würde einmal sehr stark behaupten, dass diese Statistik nur auf gewisse Regionen bzw. Berufsgruppen zutrifft. Wer im Großraum Tel Aviv lebt, hat immer noch die besten Aussichten auf einen Job. Und mehr Geld als in Jerusalem gibt es teilweise auch. Andererseits ist das höhere Gehalt wenig von Nutzen, denn die Lebenshaltungskosten sind extrem.
Es ist nicht leicht, in Jerusalem einen Job zu finden. Noch dazu einen einigermßen gut bezahlten Job, wo der Arbeitgeber sämtliche sozialen Vorschriften einhält. Häufig werden die Arbeitnehmer nur ausgenutzt und erhalten noch nicht einmal den monatlichen Mindestlohn.
Zahlreiche jüdische Neueinwanderer aus den USA starten in Israel ihr eigenes Online Business, mit dem sie auf ein ausreichendes Einkommen hoffen. Es geht hier weniger um Unabhängigkeit, denn man braucht einen Job. Und der ist in bestimmten Regionen des Landes schwer zu finden.
Israelis sind bekannt für Innovationen und Flexibilität und wer das als Neueinwanderer noch nicht besitzt, muss sich diese Eigenschaften dringend aneignen. Das Leben hier ist nicht einfach, aber wer sich anstrengt und sein Anspruchsdenken ablegt, kommt durch. 🙂

Was arbeiten in Israel?

B“H
Wer heutzutage als Jude Aliyah macht (nach Israel einwandert), steht immer wieder vor der Frage, was er denn arbeiten soll. Vor allem aber wo und wie einen Job findet. Die Arbeitssuche kann sich als schwierig erweisen und zudem ist sie regional bedingt. Am Küstenstreifen zwischen Tel Aviv bis Haifa ist es einfacher einen Job zu finden als anderswo im Land. Die Frage ist nur, ob man genug verdient, um seine hohen Lebenshaltungskosten zu bestreiten.
In vielen Berufszweigen sind Neueinwanderer aus den USA den Europäern überlegen. Oft schon allein wegen der Muttersprache Englisch. Bei mir auf der Arbeit wird nur Englisch gesprochen, da wir vorwiegend internationale Kunden bedienen. Englisch ist nicht meine Muttersprache, aber ich komme gut zurecht. Trotzdem wird immer wieder ein Englisch auf extrem hohen Level verlangt und Leute wie ich müssen sich einem Sprachtest unterziehen. 🙂 Was dagegen verziehen wird, sind Akzente. Zu meiner Zeit in Deutschland war das anders und wer einen Akzent im Deutschen hatte, kam weniger gut rüber. In Israel haben eine Menge Leute Akzente und der einzige, der negativ behaftet ist, ist wohl der russische.
Ich kenne sehr viele Amerikaner, die nach ihrer Einwanderung keinen Job fanden. Anstatt Sozialhilfe zu kassieren, machten sie sich kurzerhand selbstständig. Und das fast immer im IT – Bereich. Sie reparieren Computer oder gründeten ein Online Business. Sie verkaufen Online Fahrzeugteile oder selbsthergestellte Jerusalemer Seife. Erfindungsreichtum muss schon sein und wer eine gute Idee hat, der hat erst einmal ein Einkommen, anstatt nur dazusitzen und zu jammern.
Aktuelles zur Arbeitslosigkeit in Israel:
http://www.globes.co.il/en/article-slight-rise-in-unemployment-1001168350

Die neuesten Statistiken sind da

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Jerusalem, Derech Hebron Street – Photo: Miriam Woelke

B“H
Die neuesten Einkommens – und Arbeitslosenstatistiken wurden veröffentlicht. Demnach ist die Arbeitslosigkeit gesunken, was jedoch fehlt, sind spezifische Angaben wie Orte und Berufsbranchen. Hinzu kommt, dass viele Firmen nur den Mindestlohn zahlen oder die Menschen gezwungen werden, stundenweise zu arbeiten.
Grundsätzlich ist der Arbeitsmarkt in den Küstenregionen besser ist als im Norden oder Süden des Landes. In Jerusalem ist es sehr schwer, einen Job zu finden. Damit meine ich eine einigermaßen gut bezahlten Arbeitsstelle und keinen befristeten Billiglohnsektor oder gar Zeitarbeit. Neueinwanderer haben es besonders schwer, außer vielleicht Anglos, die ganz gut bei Firmen unterkommen, wo perfektes Englisch an der Tagesordnung ist.
Gefragte Berufe: Programmierer, IT – Security auf hohem Level, aber auch Handwerker. Mehrheitlich suchen die Betriebe Leute mit israelischer Staatsbürgerschaft. Deutsche werden in Callcentern gesucht. Verkauf und der entsprechende Druck sowie schlechte Bezahlung.
Bei dem statistischen Einkommen kann die Mehrheit der Bevölkerung nur lachen. Viele leben vom gesetzlichen Mindesteinkommen und überhaupt von viel weniger Geld als in der Statistik angegeben. Gehälter sind regional bedingt und wer in Tel Aviv mehr verdient, gibt gleichzeitig auch mehr aus. Allein schon wegen der extrem hohen Lebenshaltungskosten.

Kleiner Auszug aus dem israelischen Arbeitsrecht: „Bezahlte Feiertage“

B“H
Vor noch nicht allzu langer Zeit berichtete ich, dass Arbeitnehmer, die länger als drei Monate bei ein und demselben Unternehmen beschäftigt sind, einen Anspruch auf bezahlte Feiertage haben. Heißt: Auch wenn am landesweiten Feiertag frei ist, wird das Gehalt weitergezahlt.
Nun, dem ist nur teilweise so, wie ich jetzt nach meinem Ausstieg aus meinem Zweitjob erfahren musste. Für meinen Hauptarbeitgeber ist das alles kein Problem, doch bei meinem Zweitjob handelt es sich um ein stadtbekanntes Unternehmen, welches andere Leute nur abzockt und die Mitarbeiter mies behandelt.
So erfuhr ich dort auch, dass das Gesetz besagt, dass der Arbeitnehmer eben nur dann ein Anrecht auf den bezahlten Feiertag hat, wenn er am Tag zuvor sowie am Tag danach im Unternehmen arbeitet. Bedeutet in meinem Fall, dass vor dem Feiertag (am Erev Chag) nur die Frühschicht arbeitet und wir anderen des Abends nicht mehr, da der Feiertag bereits begonnen hat. Ergo, besitzt die Spätschicht niemals eine Chance, jemals an bezahlte Feiertage zu kommen.
Wer in Israel einen neuen Job antritt, sollte sich im Vorfeld gründlichst über das Unternehmen informieren. Auch die Website GLASSDOOR bietet kostenlose Infos!

 

Israel: „Aktueller Wetterbericht und aktuelle Arbeitslosenzahlen“

B“H
Jerusalem, teilweise sonnig und 18 Grad Celsius. Gegen 15.00 Uhr soll der erste massive Regen aufziehen. Mit Regenschirm aufspannen wird es wohl dann weniger werden, denn es tobt bereits jetzt ein heftiger Wind.
Und wie zu erwarten war, steigt die Arbeitslosigkeit gen Winter wieder tüchtig an:
http://www.globes.co.il/en/article-unemployment-in-israel-jumps-1001158164
Was in Israel bei der Jobsuche zählt, sind gute Zeugnisse und Qualifikationen. Wer es sich leisten kann und zugelassen wird, geht auf die Uni. Die beliebtesten Studiengänge sind Jura, BWL, Informatik, Ingenieurwesen und Soziales. Qualifizierte Handwerker haben ebenso beste Chancen auf einen Job und die Bezahlung ist nicht schlecht. Solange man nicht bei einer der vielen Zeitarbeitsfirmen landet.