Leben in Jerusalem

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Israel: „Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?“

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Kann ein männlicher Konvertit zum orthodoxen Judentum in Israel Rabbiner werden?

Israel: „Was, wenn der Arbeitgeber Konkurs anmeldet?“

B“H
Neulich kam im TV ein Bericht, der die fatale Situation einiger Arbeitnehmer ansprach. Ihr Arbeitgeber hatte Konkurs angemeldet oder war sonst irgendwie zahlungsunfähig geworden und machte von heute auf morgen dicht. In Israel keine Seltenheit und viele Arbeitnehmer können bereits morgen auf der Straße stehen. Nicht unbedingt, weil der Betrieb Pleite geht, sondern weil man den jeweiligen Angestellten einfach nicht mehr braucht.
Sollte der Angestellte eine bestimmte Zeit im Betrieb gearbeitet haben, so steht ihm nach der Kündigung eine finanzielle Entschädigung zu. Generell ist das ein Monatsgehalt pro Jahr im Betrieb. Übersteigt der Entschädigungsbetrag (Pitzu‘im) die 10,000 Schekel – Grenze, so kommt auch schon das Finanzamt daher und will einen Anteil.
Was aber, wenn der Betrieb plötzlich bankrott ist?
Im besagten TV Bericht wurde am Beispiel einer Angestellten in der Werbebranche gezeigt, dass in dem Fall die Bituach Le‘umi (Nationale Security / Nationalversicherung) bis zu sieben Monaten braucht, um den Antrag auf Arbeitslosengeld zu bearbeiten. Nicht länger als sieben Monate, aber doch eben sieben Monate.
Die Frage ist: Was macht man bis dahin? Wie soll jemand Miete zahlen und von was leben?
Das ist der Bituach egal und die Behörde nimmt sich Zeit. Israel ist kein Wohlfahrtsstaat und jeder Bürger muss halt sehen, wie er zurecht kommt. Auch als alleinerziehende Mutter, wie im Filmbeispiel.
Es kann ja Geld von Verwandten oder Freunden geborgt werden, damit Miete und Lebenshaltungskosten gezahlt werden können. Vorschüsse zahlt die Bituach Le‘umi nicht und wer sich kein Geld leihen kann, steht halt alleine da. So schaut die rauhe Wirklichkeit im Land aus und sie betrifft Juden und Araber (mit israelischem Personalausweis) gleich.
Eine Branche, in der besonders gerne geheuert und gefeuert wird: Die Hightech – Branche, denn dort gelten Leute ab vierzig Jahren als olles Eisen. Allein wegen der Kündigungen im Hightech – Bereich machen sich viele Techies hinterher selbstständig und gründen ein Startup, da sie auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben. Selbst „ältere“ IT – Spezialisten mit der besten Ausbildung fallen den Kündigungen zum Opfer, denn die Firmen wollen junge unverbrauchte Mitarbeiter mit viel Ehrgeiz.
Eine Branche, die dagegen meistens goldenen Boden hat: Das Handwerk. Handwerker verdienen recht gut und jeder kann sich selbstständig machen. Meister oder Geselle? Sowas gibt es in Israel nicht. Wer als Klempner arbeitet, ist halt Klempner.
Wie es bei all den selbstständigen Handwerkern aussieht, weiß ich nicht, aber Elektriker brauchen eine offizielle Zulassung (Lizenz)! Zumindest soviel ist mir bekannt.

Wann muss ein israelischer Arbeitgeber Lohn und Gehalt zahlen?

B“H
Ich bekomme mein Gehalt stets zum 1. des Monats überwiesen, doch generell besagt das Gesetz, dass der Arbeitgeber spätestens bis zum 10. des Monats das Gehalt gezahlt haben muss. Entweder auf das Bankkonto überweisen und dann gibt es solche Firmen, die ihre Mitarbeiter per Barscheck zahlen. Dies bedeutet, dass der Mitarbeiter zum Bank des Arbeitgebers geht und dort den Scheck in Cash einlöst. Oder er zahlt den Scheck auf sein eigenes Konto ein und wartet, dass die Bank das Geld freigibt. In der Regel geschieht dies nach 3 – 4 Arbeitstagen.
Bis zum 10. des Monats muss das Geld auf dem Konto zahlen, sonst kann der Arbeitgeber Ärger bekommen.
Manche Betriebe zahlen ihre Angestellten am 1., am 6. oder halt am 10. des Monats. Kommt auf den Betrieb drauf an.
Fragt immer nach am Anfang, denn das wird als normal betrachtet! In Deutschland dagegen traut man sich nie so richtig, weil da der Eindruck erweckt wird, gierig zu sein. In Israel ist das anders – Fragt also immer nach. Nur keine falsche Scham!

Arbeiten in Jerusalem?

B“H
Immer wieder erhalte ich Anfragen zum „Arbeiten in Jerusalem„, jedoch ohne weitere Details.
Als was arbeiten und wer ist der Fragesteller? Tourist oder jüdischer Neueinwanderer?
Offizielle Neueinwanderer haben keinerlei Visa – Probleme und werden mit der Einwanderung ganz normale Staatsbürger. Touristen hingegen können nicht so einfach arbeiten, denn sie benötigen eine Arbeitserlaubnis. Die fällt immer befristet aus und man muss einen Arbeitgeber haben, für den diese Erlaubnis ausgestellt wird.
Allgemein schaut es so aus, dass der Arbeitsmarkt in Jerusalem nicht der beste ist. Das Angebot ist knapp und es gibt leider zuviele Jobs im Mindestlohnsektor. Und oft noch nicht einmal das. Wenn man denn nur stundenweise arbeitet und somit zwar Anspruch auf den gesetzlichen Mindeststundenlohn, jedoch nicht auf den gesetzlichen Mindestmonatslohn hat.
In einem Office zu arbeiten bedeutet eigentlich immer hervorragende Hebräischkenntnisse. Oder in manchen Jobs das Englisch auf der Basis eines Muttersprachlers. Realistisch betrachtet gibt es in Jerusalem sowie im gesamten Land genügend englischsprachige Muttersprachler und jemand mit Englisch als Fremdsprache ist da keine Konkurrenz, da der Muttersprachler bevorzugt wird.
Gibt es deutsche Jobs?
Vielleicht bei der Adenauer – Stiftung, doch die ist auf Hass gegen Israel getrimmt.
Oder vielleicht Deutsch unterrichten?
Unterrichten, egal was, ist immer so eine Sache. Die Leute sagen ab oder zahlen kaum und dann steht man dumm da. Sich allein auf solch ein Gehalt zu verlassen, ist nicht gerade gut, denn wer weiß, wie es im nächsten Monat mit den Rechnungen aussieht. Sich immer Sorgen machen um die Mietzahlung und ob jetzt der Schüler zahlt, abspringt oder überhaupt auftaucht, ist kein so tolles Leben.
Nicht wenige Deutsche gehen in Tel Aviv oder in Jerusalem zum Goethe – Institut und wollen dort arbeiten, doch die Jobs sind rar. Selbst die dortigen Praktikantenstellen sind, laut Website, bis zum Juli 2019 alle besetzt.
An der Küste gibt es manchmal deutsche Jobs im Callcenter – Bereich. Ich glaube, die Arbeitserlaubnis muss sich der Bewerber selber besorgen und schlecht bezahlt sind die Jobs erst recht. Und dann Schichtdienst plus Stress mit Kunden.
Beim hiesigen Avraham Hostel können sich junge Leute als Volontär bewerben und sie erhalten eine Unterkunft. Ein Mehrbett – Zimmer, das mit anderen Volontären geteilt wird.
Der Tourist ist stets an sein Visum gebunden und kann von heute auf morgen aus dem Land fliegen. Einfach so und es gibt kein neues Visum mehr.
Wo es total viele Jobs gibt: An den Supermarktkassen. Die Discounter und andere Supermärkte suchen ständig Personal. Mindestlohn, Vollzeit und schreiende Kunden. Aber es gibt auch freundliches Klientel. 🙂 Trotzdem, wer mit der hiesigen Mentalität nicht vertraut ist, wird die Kasse keine Stunde überleben.

 

Leserfrage: „Als Arzt in Israel arbeiten?“

B“H
Die Beantwortung der Frage ist nicht so einfach, denn es kommt darauf an, ob der Arzt ein jüdischer Neueinwanderer oder ein nichtjüdischer Tourist ist.
Als Tourist sollte man sich im Vorfeld erkundigen, wie es mit einem Visum ausschaut, denn einen direkten Ärztemangel gibt es, meines Wissens nach, in Israel nicht. Ich kann mich irren, doch wenn wer gesucht wird, dann sicher ganz spezielle Ärzte mit einem eher „komplizierten“ Fachgebiet. Und wer in den USA Medizin studiert hat, der geniesst garantiert riesige Vorteile. Obwohl auch viele israelische Ärzte häufig auf gewisse Zeit in US – Krankenhäusern arbeiten.
Ein Arbeitsvisum in Israel zu erhalten ist recht kompliziert und wenn, dann immer befristet. Es sei denn, man volontiert irgendwo und der Arbeitgeber garantiert für den Volontär, welcher da kaum Rechte hat und auch keinerlei Hilfen vom Staat Israel erhält.
Das Jerusalemer Sha’are’i Zedek sowie das Hadassah Ein Kerem Hospital besteht vorwiegend aus jüdisch – amerikanischem, jüdisch – israelischem sowie aus arabischem Personal. Vom Arzt bis hin zur Putzfrau. Mittendrin finden sich viele Neueinwanderer aus den ehemaligen GUS – Staaten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Russen gute Ärzte sind.
Wer als Jude nach Israel einwandert und im Pflegebereich bzw. als Arzt arbeiten will, der muss hierzulande nochmals diverse Prüfungen ablegen. Gute Hebräischkenntnisse sind Voraussetzung, denn man MUSS mit den Patienten kommunizieren. Ulpan Level Gimmel / Daled sollte vorhanden sein.
Den einzigen Deutschsprachigen im Krankenhausbereich traf ich in der orthopädischen Abteilung meiner Krankenkasse und der war sogar aus meiner Heimatstadt. Er verpasste mir einen Gips am Arm. 🙂 Das war ganz witzig, denn er ist ein Gerrer (Gur) Chassid und falls er das jetzt lesen sollte: Viele Grüße und ich hoffe, dass ich nie wieder einen Gips brauchen werden. Aber man sieht sich sicher ab und an in der Orthopädie. 🙂
Darüber hinaus hatte ich bislang nur mit amerikanischen, russischen oder israelischen Ärzten Kontakt und einmal kam ein Araber zur Aushilfe. Bis auf den Araber waren alle Juden. Mein Zahnarzt ist religiöser Jude und vor Ewigkeiten aus den USA nach Israel eingewandert.
Das Ärztesystem ist in Israel ein anderes als in Deutschland. In Israel übernehmen die Krankenkassen eine Menge Behandlungen selbst. Heißt, der Patient geht, wenn er Gesundheitsbeschwerden hat, zur Krankenkasse, wo er von einem Arzt behandelt wird. Einmal erlebte ich es, wie ein Patient mit einer Schnittwunde zuerst nach unten in die hauseigene Krankenkassenapotheke geschickt wurde, um Tetanus zu kaufen.
Wenn die Krankenkassenärzte (die da auch teilweise in Krankenhäusern arbeiten) nicht weiterkommen, bekommt der Patient eine Überweisung (Hitchajwut) zu einem Facharzt. Man kann sich im Katalog der jeweiligen Krankenkasse einen Facharzt aussuchen und muss bei einer Hotline einen Termin ausmachen. Normalerweise wird dann immer der Arzt genommen, der einigermaßen in der Nähe liegt und man nicht unbedingt weit fahren muss.
Hier eine informative Website mit den notwendigen Voraussetzungen als Arzt:
https://www.health.gov.il/English/Services/MedicalAndHealthProfessions/GeneralMedicine/Pages/Worked_Abroad.aspx
Touristen können es vielleicht in Ostjerusalem oder generell im arabischen Sektor probieren. Dass man sich als Tourist einfach so als Arzt niederlassen kann, bezweifele ich.
Übrigens sind die Zahnärzte hierzulande privat, was so richtig ins Geld geht. Und was so richtig kostet, sind Tierärzte.
Link:
Gefragte Berufe in Israel

Leserfrage: „Israel und Arbeitserlaubnis“

B“H
Hier ein paar Links zu dem Thema und ich an Eurer Stelle würde mich eingehend bei der israelischen sowie der deutschen Botschaft erkundigen: 

 

 

https://tel-aviv.diplo.de/il-de/service/-/1444828
http://embassies.gov.il/berlin/ConsularServices/visainformation/Pages/Visainformation.aspx
http://embassies.gov.il/berlin/departments/offentlichkeitsarbeit/AufenthalteinIsrael/Pages/Arbeiten-und-Praktika.aspx
https://tel-aviv.diplo.de/il-de
Normalerweise erhält nur derjenige eine Arbeitserlaubnis, der schon eine Arbeit vorweisen kann und die kein Israeli besetzt. Die Erlaubnis gilt nur für den einen Arbeitgeber und bei einem Wechsel muss ein neue Arbeitserlaubnis beantragt werden.
Generell ist das alles nicht so einfach, denn Israel ist auf jüdische Neueinwanderer fokussiert und will keine Gastarbeiter ins Land holen. Und wenn ja, dann nur befristet und ohne viele Rechte.