Leben in Jerusalem

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Video auf Leserfrage: „In Israel als Arzt / Krankenschwester arbeiten“

 

Weitere Infos hier:
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2018/07/08/leserfrage-als-arzt-in-israel-arbeiten/

Rechte auf Krebsmedikamente für israelische Staatsbürger

Das Video ist in englischer Sprache:

 

Warten auf die zweite Chemotherapie

 

B“H
Gestern hatte ich im Shaare Zedek Medical Center / Jerusalem meine zweite Chemotherapie – Behandlung und alles wird allmählich zur Routine. Zuerst zum Sekretariat, dann zum Bluttest, wo einem auch der IV in den Arm gesteckt wird. Danach auf die Waage, denn während der Therapie ist es wichtig, kein Gewicht zu verlieren. Man sollte gesund essen, doch keineswegs unbedingt vegan werden oder wie viele Ernährungsfanatiker fälschlicherweise chaotische Theorien aufstellen. Ich kann nur jedem raten, auf die Ernährungsberater in der Onkologie zu hören und nicht auf irgendwelche selbsternannten spirituellen Internet Scammer hereinzufallen. Abzocker, die keinerlei medizinische Ausbildung in der Onkologie haben und von Krebserkrankungen absolut nichts verstehen. 

 

 

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Anzeigetafel am Haupteingang des Shaare Zedek Medical Center – Photo: Miriam Woelke

 

Ich kann nur immer wieder betonen, dass es Hunderte unterschiedliche Krebserkrankungen gibt und jede einzelne anders behandelt wird. Zudem ist jeder Körper anders. Ich, z.B., verspüre trotz einer ernsthaften Chemotherapie noch keinerlei Nebenwirkungen. Dank auch der 2 Pillen, die ich am Tag nehme.
Andere mit derselben Chemotherapie leiden unter Nebenwirkungen trotz Medikamente. Jeder Körper reagiert halt anders und deshalb darf niemals etwas verallgemeinert werden!!!
Nach dem Bluttest erhielt ich eine Fußmassage, welche von Volontären, die sich auf dem Gebiet auskennen, kostenlos angeboten wird. Danach wurden die ersten drei Beutel Flüssigkeit in den IV gelassen, was eine ganze Zeit dauert. Darunter Steroide und Mittel gegen Nebenwirkungen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind normalerweise Erbrechen, Mattigkeit bzw. man will nur schlafen sowie Haarverlust. Es gibt viele Chemotherapien, die keinen Haarverlust verursachen und auch hier sollte nichts verallgemeinert werden.
Ich erhalte jedesmal die Chemo – Mittel Gemzar und Docetaxel. Wobei Gemzar allein keinen Haarverlust verursachen würde. Nur Docetaxel tut dies, wobei ich bislang aber noch alle Haare auf dem Kopf habe. Ich denke mal, dass es vielleicht diese oder nächste Woche anders ausschaut, aber das stört mich am allerwenigsten. 

 

 

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Der IV im Arm – Photo: Miriam Woelke

 

 

Dank der zwei Pramin – Pillen, die ich am Tag nehme, brauchte ich mich noch kein einziges Mal übergeben und ich lebe mein Leben ganz normal weiter. Frisches Gemüse, Rührei, Kaffee, Tee, Wasser, Hühnchen und Fisch steht auf meinem Ernährungsplan. Gestern im Krankenhaus gab es Frühstück: Joghurt, ein hartgekochtes Ei, ein Brötchen, Streichkäse und eine Tomate. Dazu Wasser, Tee und Kaffee soviel man will.
Zum Mittagessen bekam ich Suppe (die nach Chemie schmeckte). Hühnerschnitzel, Nudeln, Kartoffeln mit Zucchini und zwei Salate. Zwischendurch verteilte ein ultra – orthodoxer Volontär Kuchen und Kekse. 🙂 Außerdem gingen zwei aus Frankreich eingewanderte Juden herum, die auf Volontärbasis und kostenlos Kopfbedeckungen, Sonnenbrillen und kleine Strandtaschen verteilten. Alles umsonst und im Shaare Zedek Krankenhaus wird generell viel Wert auf orthodoxes Judentum gelegt, weshalb es mir dort gut gefällt. Das Hadassah Hospital hingegen ist mir zu arabisch.
Physiotherapie wird ebenfalls jedesmal angeboten und es mir hilft schon, ein paar gymnastische Übungen zu machen. Trotz IV im Arm. 

 

 

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Die Beutel werden stets ausgewechselt – Photo: Miriam Woelke

 

 

Seitdem ich die alte Onkologin los bin und einen neuen Arzt habe, fühle ich mich in der Shaare Zedek Onkologie absolut professionell aufgehoben. Auch Dank meiner Krankenschwester, die jedesmal für mich zuständig ist. Es ist wichtig, medizinisches Personal zu finden, dem man vertraut. Gerade bei schwerwiegenden Krankheiten will man keinen Möchtegern – Arzt ohne Ahnung und Interesse.
Die dritte Therapie ist erst in zwei Wochen angesetzt und nächste Woche habe ich somit eine Pause. Zwar sind die Hände nach der Behandlung stets etwas angeschwollen, doch das gibt sich am Tag danach. Einmal pro Woche ruft die Krankenschwester bei mir an und fragt nach dem Befinden.
Auch gestern fuhr ich mit Straßenbahn und Bus heim. Alles verlief ganz normal und wer mich sieht, würde nie auf den Gedanken kommen, dass ich Krebs habe. Ich fühle mich auch bisher nicht so. Das kann sich zwar jederzeit ändern, doch wir werden sehen.
In dieser Woche bin ich erneut mit all der israelischen Bürokratie beschäftigt. Von der Nationalversicherung Bituach Leumi bis hin zur Krankenkasse. Zu Shaare Zedek muss ich eventuell auch nochmal rausfahren, denn die Onkologie füllte ein Formular für die Krankenkasse falsch aus. Die üblichen israelischen Formalitäten also. 🙂

Morgen steht die zweite Chemotherapie an

B“H
Morgen geht es zur zweiten Chemotherapie – Behandlung ins Shaare Zedek Medical Center / Jerusalem. Bisher habe ich keine direkten Nebenwirkungen außer ein paar Schwindelgefühlen nach dem morgentlichen Aufstehen, was sich aber schnell nach Tee und Kaffee wieder gibt. Ferner ist mein oberer Gaumen ein wenig wund, doch das hat sich mittlerweile gebessert.
Ich hoffe, dass ich die anstehenden drei weiteren Behandlungen gut überstehe und dann werden wir sehen, was passiert. Ob weitere Behandlungen oder ob wir bis zum nächsten CT Scan Mitte August warten.
Morgen zumindest wird mich die gewohnte Chemo – Prozedur erwarten: Zuerst zum Bluttest, wo auch der IV eingesetzt wird. Dann werde ich mich morgen zur angebotenen kostenlosen Beinmassage mit Ölen anmelden. Frühstück wie Joghurt, eine Semmel, Käse und Marmelade gibt es ebenfalls. Kaffee, Tee und Wasser soviel man will.
Irgendwann dann wird der flüssige Inhalt von drei Plastiktüten in den IV geleitet. 

 

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Photo: Miriam Woelke

 

Darunter Steroide und Mittel gegen Erbrechen. Sobald das Bluttestergebnis vorliegt, beginnt die eigentliche Behandlung mit einem Beutel Gemzar und einem weiteren Beutel Docetaxel. Zum Schluß kommt dann nochmals eine Reinigungsflüssigkeit durch den IV und danach wird dieser wieder herausgezogen. Die ganze Prozedur dauert schon ein paar Stunden. 
ich erwarte keine Wunder, aber hoffentlich schrumpfen die beiden neuen kleinen Tumore etwas und die Chemotherapie verhindert vorerst weiteres Wachstum bzw. die Bildung von neuen Metastasen. Eine Schrumpfung gilt bereits als Erfolg. 
Zwischendurch werden belegte Brötchen serviert und wer will, kriegt auch kostenlos Mittagessen. Essen ist sehr wichtig bei der ganzen Angelegenheit. 🙂
Wenn ich das morgen überstehe, muss ich erst wieder in zwei Wochen hin, denn ich habe mittendrin eine Woche lang Pause. Die Haare sind noch vollzählig auf dem Kopf, aber ich nehme mal an, dass sich das nach der zweiten Chemotherapie ändert.
Wie dem auch sei, in dieser neuen Woche beginnt das Jerusaller Light Festival und da will ich auf alle Fälle abends mal hin.

Wieder einmal das leidige Thema: „Medikamente für Krebskranke in Israel“

B“H
Manche Leute betiteln sich gern als „Israel – Experte“ – ich halte mich fern von solchen Bezeichnungen. Erstens betrachte ich mich keineswegs als Experten und zweitens kommt es in allen Situationen stets auf die Umstände an. Jede Situation und Lebenslage ist anders und allein deswegen sollte man nie verallgemeinern und sagen „In Israel sei das so und so“. Vor allem dann nicht, wenn man nicht selber betroffen ist.
Da ich erst im Oktober letzten Jahres mit Sarkoma – Krebs diagnostiziert worden bin, kannte ich mich auf dem entsprechenden Medikamentenmarkt, mit den Gesetzen und all dem Drumherum nicht aus. Wobei es hier im Einzelnen auch wieder auf die individuelle Situation ankommt. Sprich, in welchem Stadium bewegt sich die Krankheit. Fortgeschritten oder eine einmalige Erscheinung? Wenn ja, wie weit fortgeschritten? Andere Krebskranke, die diesen Blog lesen, kennen sich da sich aus mit Stage 1 – 4, aber darauf will ich jetzt nicht eingehen.
Bei mir ist die Krankheit fortgeschritten und ich habe zwei Metastasen im Körper. Eine in der Lunge und eine im Bauchbereich. An diesem Sonntag begann ich mir der ersten Chemotherapie, welche da am nächsten Sonntag fortgesetzt wird. Zwar geht es mir gut, doch kann ich nur eingeschränkt von daheim aus arbeiten. Bei solchen Fällen zahlt der Staat einen gewissen Prozentanteil Krankengeld, welches bei mir etwas höher ausfallen kann. Allein aufgrund der Chemotherapie. Aber einen Bescheid habe ich noch nicht erhalten und ich verlasse mich auch nicht darauf. In Israel dauert sowas und jedes kleine Detail wird doppelt und dreifach geprüft. Krankenhausdokumente werden eingereicht. Dazu die Krankenkasse, der Hausarzt und die Onkologie. Auch muss man der Nationalversicherung Bituach Leumi jeglichen Einblick in Krankenakten erlauben.
In der letzten Woche war ich bei der krankenkassen – eigenen Apotheke, wo Versicherte ihre Medikamente billiger erhalten. In Israel laufen medizinische Angelegenheiten nicht von allein wie vielleicht in Deutschland und der Patient sieht sich nicht selten mit Kostenanteilen bei den Medikamenten konfrontiert. Bei Krebskranken jedoch wird, sowie ich heute bei der Krankenkasse erfuhr, selbst dann eine Ausnahme gemacht, wenn ein Medikament nicht Teil des Sal HaTrufot – Medikamentenkorbes ist. Eine Liste von Medikamenten, welche das Gesundheitsministerium festlegt und der Patient nur einen sehr geringen oder gar keinen Beitrag zahlen muss.
Dazu bedarf es aber einer speziellen Bestätigung / Erlaubnis der jeweiligen Krankenkasse und hierbei kommt es erneut auf den Individualfall an. Auch auf die jeweilige Krankenkasse und die Art der Versicherung. Wer nur die Mindestversicherung hat, schaut ins Leere und muss deftig zuzahlen. Ich aber zahle seit Jahren extra ein und bin auf dem höchsten Versicherungslevel.
Bei Krebskranken sind verschriebene Medikamente normalerweise kostenlos, aber, wie gesagt, der Hausarzt muss erst bei der Krankenkasse einen Antrag auf Bewilligung stellen. Wird die Erlaubnis erteilt, ist diese zeitlich begrenzt. Beispiel: Zwischen 3 – 6 Monaten. Danach geht alles wieder von vorne los, doch innerhalb dieser Zeit holt man sich die verschriebenen Medikamente kostenlos aus der Apotheke der Krankenkasse.
Da bei mir die Erlaubnis erst jetzt erteilt wurde und ich in der letzten Woche bereits Medikamente besorgen musste, zahlte ich circa 170 Euro / fast 700 Schekel aus eigener Tasche. Das Geld bekomme ich jetzt zurückerstattet, wobei ich zwecks einem Medikament in der kommenden Woche den Onkologen um die Ausstellung eines Formulars bitten muss, in dem er beschreiben soll, warum ich dieses Medikament benötige. Paloxi wird bei der Chemotherapie als weitere Flüssigkeit hinzugegeben, ist aber nicht Teil des Sal HaTrufot und kostet den Patienten daher 275 Schekel / circa 70 Euro. Eine riesige Summe hierzulande.
Eine Flasche Paloxi habe ich noch vom Krankenhaus und mein Onkologe soll der Krankenkasse verklickern, warum ich das brauche. Formular ausfüllen und an die Krankenkasse faxen. In Israel läuft alles per Fax und sollte es Probleme geben – mittlerweile kenne ich die Leiterin der Verwaltung bei der Krankenkasse. Die telefonierte heute für mich herum. Auch im Erdgeschoss mit der Apothekenleitung. Oben beim Hausarzt war ich auch und holte mir einen Ausdruck zum Gesundheitszustand. Bei der Krankenkasse ist das immer praktisch, denn es befindet sich alles in einem Gebäude über mehrere Stockwerke verteilt.
Noch dazu wird man als Krebspatient schnell und unkompliziert bedient und der Service ist echt super. Klar, hakt es immer mal wieder hier und da, doch das ist hierzulande nun einmal so und damit sollte jeder umgehen können.
Sobald jemand ernsthaft krank ist und nicht simuliert bzw. Vorteile aus dem System ziehen will, wird der Versicherte hilfsbereit behandelt. Jedenfalls ist das bisher mein Eindruck und ich kann mich nicht beschweren.
Kurz gesagt, Medikamente für Krebspatienten sind kostenlos. Insbesondere dann, wenn die Krankheit fortschreitet oder halt bei Chemotherapien und OPs. Allerdings, wie gesagt, muss der Hausarzt erst eine Bestätigung der Krankenkassenleitung einholen, welche dann im Computersystem erscheint und von der Krankenkassenapotheke eingesehen werden kann.
Manchmal benötigten spezielle Medikamente eine Extra – Bestätigung, aber es darf halt nichts unversucht gelassen werden, denn es handelt sich teilweise um einen schönen Batzen Geld, der eingespart werden kann. 🙂

4. Tag nach der ersten Chemotherapie – Behandlung

B“H
Mir geht es nach wie vor sehr gut und ich lebe einen fast ganz normalen Alltag. Ab heute nehme ich weniger Medikamente, denn die werden gegen Ende der Woche etwas reduziert. Ich komme gut zurecht und habe mich noch kein einziges Mal übergeben.
Kotzeritis und ständige Müdigkeit sind spezielle Nebenwirkungen einer Chemotherapie, aber dank der Pramin – Pillen kam es noch nicht dazu. Das stärkere Zofran – Mittel habe ich noch gar nicht anfangen müssen, aber warten wir ab, wie es nach der zweiten Behandlung am Sonntag geht.
Die Haare sind noch vollständig auf dem Kopf und wer mich sieht, würde gar nicht bemerken, dass ich auf Chemotherapie bin. Morgens geht es mir etwas mies, aber nach dem Frühstück und einer Tasse Tee gibt sich das.
Sonntagmorgen geht es wieder los. Dann muss ich zur Onkologie ins Krankenhaus und gleich zu Beginn zum Bluttest und auf die Waage. Das ist so die übliche Prozedur. IV in den Arm und diesmal werde ich zur Beinmassage gehen. Das wird dort kostenlos morgens angeboten. Mit verschiedenen Ölen und so für alle Chemo – Patienten.
Das Shaare Zedek Medical Center bietet einige alternative Sachen neben der Chemotherapie an und bei meiner ersten Behandlung kam auch gleich jemand vorbei, um mich darüber aufzuklären. Physiotherapie ist ebenfalls jedesmal dabei. Ebenso eine Unterhaltung mit der Sozialarbeiterin. Nebenher werden wir mit Essen vollgestopft, denn das ist bei der Chemotherapie besonders wichtig. Eine Semmel mit verschiedenen Käsesorten oder Marmelade. Thunfisch – Semmeln, Salat, Joghurt und zum Mittag gab es letztens Schnitzel mit Salat und Petitim (kleine israelische nudelartige Kügelchen).
Das mit den Ölen, die sogenannte „Reflexologia“ will ich am kommenden Sonntag unbedingt einmal ausprobieren. 🙂
 

Mein Hausarzt ist Araber, mein Onkologe ist Haredi (ultra – orthodoxer Jude)

B“H
In Deutschland klingt das vermutlich wie ein absoluter Widerspruch, aber der Alltag in Israel ist nun einmal voller Widersprüche und nichts ist immer so logisch, um deutschen Ansprüchen zu genügen.
Mein Hausarzt ist Araber und er arbeitet bei meiner Krankenkasse. Wir kommen super miteinander aus und fast alle seine Patienten sind Juden. Genauso wie viele weitere Ärzte im Land Araber sind. Wer einmal in ein israelisches Krankenhaus schaut, der sieht arabische und jüdische Ärzte, die gemeinsam jüdische und arabische Patienten behandeln.
Mein Onkologe im Krankenhaus ist Haredi. Sprich ein ultra – orthodoxer Jude. Auch er behandelt Juden und Araber zugleich. Daran ist nichts Ungewöhnliches und, wie gesagt, Israel ist nun einmal voller Widersprüche. Zumindest für Ausländer, doch hierzulande ist das alles ganz normal.