Leben in Jerusalem

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Leserfrage: „Als Arzt in Israel arbeiten?“

B“H
Die Beantwortung der Frage ist nicht so einfach, denn es kommt darauf an, ob der Arzt ein jüdischer Neueinwanderer oder ein nichtjüdischer Tourist ist.
Als Tourist sollte man sich im Vorfeld erkundigen, wie es mit einem Visum ausschaut, denn einen direkten Ärztemangel gibt es, meines Wissens nach, in Israel nicht. Ich kann mich irren, doch wenn wer gesucht wird, dann sicher ganz spezielle Ärzte mit einem eher „komplizierten“ Fachgebiet. Und wer in den USA Medizin studiert hat, der geniesst garantiert riesige Vorteile. Obwohl auch viele israelische Ärzte häufig auf gewisse Zeit in US – Krankenhäusern arbeiten.
Ein Arbeitsvisum in Israel zu erhalten ist recht kompliziert und wenn, dann immer befristet. Es sei denn, man volontiert irgendwo und der Arbeitgeber garantiert für den Volontär, welcher da kaum Rechte hat und auch keinerlei Hilfen vom Staat Israel erhält.
Das Jerusalemer Sha’are’i Zedek sowie das Hadassah Ein Kerem Hospital besteht vorwiegend aus jüdisch – amerikanischem, jüdisch – israelischem sowie aus arabischem Personal. Vom Arzt bis hin zur Putzfrau. Mittendrin finden sich viele Neueinwanderer aus den ehemaligen GUS – Staaten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Russen gute Ärzte sind.
Wer als Jude nach Israel einwandert und im Pflegebereich bzw. als Arzt arbeiten will, der muss hierzulande nochmals diverse Prüfungen ablegen. Gute Hebräischkenntnisse sind Voraussetzung, denn man MUSS mit den Patienten kommunizieren. Ulpan Level Gimmel / Daled sollte vorhanden sein.
Den einzigen Deutschsprachigen im Krankenhausbereich traf ich in der orthopädischen Abteilung meiner Krankenkasse und der war sogar aus meiner Heimatstadt. Er verpasste mir einen Gips am Arm. 🙂 Das war ganz witzig, denn er ist ein Gerrer (Gur) Chassid und falls er das jetzt lesen sollte: Viele Grüße und ich hoffe, dass ich nie wieder einen Gips brauchen werden. Aber man sieht sich sicher ab und an in der Orthopädie. 🙂
Darüber hinaus hatte ich bislang nur mit amerikanischen, russischen oder israelischen Ärzten Kontakt und einmal kam ein Araber zur Aushilfe. Bis auf den Araber waren alle Juden. Mein Zahnarzt ist religiöser Jude und vor Ewigkeiten aus den USA nach Israel eingewandert.
Das Ärztesystem ist in Israel ein anderes als in Deutschland. In Israel übernehmen die Krankenkassen eine Menge Behandlungen selbst. Heißt, der Patient geht, wenn er Gesundheitsbeschwerden hat, zur Krankenkasse, wo er von einem Arzt behandelt wird. Einmal erlebte ich es, wie ein Patient mit einer Schnittwunde zuerst nach unten in die hauseigene Krankenkassenapotheke geschickt wurde, um Tetanus zu kaufen.
Wenn die Krankenkassenärzte (die da auch teilweise in Krankenhäusern arbeiten) nicht weiterkommen, bekommt der Patient eine Überweisung (Hitchajwut) zu einem Facharzt. Man kann sich im Katalog der jeweiligen Krankenkasse einen Facharzt aussuchen und muss bei einer Hotline einen Termin ausmachen. Normalerweise wird dann immer der Arzt genommen, der einigermaßen in der Nähe liegt und man nicht unbedingt weit fahren muss.
Hier eine informative Website mit den notwendigen Voraussetzungen als Arzt:
https://www.health.gov.il/English/Services/MedicalAndHealthProfessions/GeneralMedicine/Pages/Worked_Abroad.aspx
Touristen können es vielleicht in Ostjerusalem oder generell im arabischen Sektor probieren. Dass man sich als Tourist einfach so als Arzt niederlassen kann, bezweifele ich.
Übrigens sind die Zahnärzte hierzulande privat, was so richtig ins Geld geht. Und was so richtig kostet, sind Tierärzte.
Link:
Gefragte Berufe in Israel
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Leserfrage: „Warum ist in Israel alles so teuer?“

B“H
Gute Frage!
Tja, warum ist in Israel alles so teuer? Wieso gibt es keinen Aldi oder Lidl?
Eine Menge Leute schieben die Schuld auf die Kaschrut. Dass Lebensmittel so teuer sind, weil sie koscher sind. Das Oberrabbinat und andere rabbinische Koscher (Kaschrut) – Einrichtungen verlangen hohe Gebühren für die Ausstellung der Koscherstempel auf den Produkten. Und das wiederum legt der Hersteller auf die Preise um.
Die eigentliche Hauptschuld aber tragen die Monopole der Hersteller. Eben weil wir nur israelische Supermärkte haben und Monopole unter ihnen sowie Absprachen mit den Herstellern stattfinden, kann die Industrie machen was sie will. Es gibt ja keinerlei auswärtige Konkurrenz und so werden die hiesigen Verbraucher abgezockt.
Gäbe es, zum Beispiel, Walmart – Niederlassungen, müssten israelische Supermärkte und Lebensmittelhersteller drastisch ihre Preise senken. Dann wäre die lang erhoffte Konkurrenz da. Immer wieder wird diskutiert, dass israelische Produkte in den USA nur einen Bruchteil von dem kosten, was in Israel verlangt wird. In US – Supermärkten herrscht riesige Konkurrenz und somit sind israelische Hersteller gezwungen, billig mitzuhalten. In Israel ist das anders, denn hier existiert keine auswärtige Konkurrenz.
Mieten sind überall auf der Welt teuer und so auch in Israel. Günstiger Wohnraum ist knapp, nur gibt es hier keine Schufa. Wer eine Wohnung sucht, der überreicht dem Vermieter bei Vertragsabschluss 12 Bankschecks. Jeden Monat löst der Vermieter dann einen Scheck mit der Miete ein. Zudem sollte man eine Empfehlung des vorherigen Vermieters haben genauso wie ein oder zwei Bürgen (die da israelische Staatsbürger sein sollten). Gehaltsabrechnungen werden auch verlangt.
Im Internet kursieren Ratschläge, wie man den Vermieter dazu bringt, die Miete Cash anzunehmen. Das ist wichtig für jene Mieter, die insolvent sind und von ihrer Bank keinerlei Schecks ausgestellt bekommen. Ohne Schecks ist es schwer, eine Bleibe zu finden und man will im Falle der Insolvenz den Vermieter nicht wissen lassen, dass man keine Schecks bekommt. Also wird in diverse Foren beraten, wie man eventuell die Miete in Cash zahlt.
Neue PKWs kosten in Israel überall dasselbe, da die Preise staatlich geregelt werden. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt schaut das natürlich anders aus. Unter Autohäusern mit Neuwagen herrscht jedoch kaum Konkurrenz, da, wie gesagt, die Preise vom Staat vorgegeben werden.
Selbst wer eine gute Krankenversicherung hat, eine Menge Medikamente müssen aus eigener Tasche gezahlt werden. Und das kommt häufig teuer. Der Zahnarzt muss ebenfalls aus eigener Tasche bezahlt werden. Außer bei Kindern bis zu 12 Jahren (bin mir beim Alter nicht ganz sicher). Generell aber kostet für einen Erwachsenen jeder Zahnartzbesuch Geld.
Gleich nach Pessach habe ich einen Termin und es warten drei Füllungen auf mich. Eigentlich wollte ich schon im Dezember einen Termin, aber da war alles ausgebucht. Im Januar auch und man gab mir einen Termin für den 18. März. Erst zum Zähne reinigen und dann weiter zu den Füllungen. Nach dem Röntgen aber meinte der Arzt, dass habe Zeit bis nach Pessach und so wurde nur gereinigt. Also kann ich mich jetzt an Pessach so richtig auf den Zahnarzt am Sonntag freuen.
Man sagte mir im Voraus, dass eine Füllung 590 Schekel kostet. Das sind circa 120 – 130 Euro. Mein Zahnarzt ist sehr gut, aber unverschämt teuer. Mit amerikanischer Super – Ausbildung in dem Bereich. Freunde berichteten, dass sie nur 200 – 300 Schekel für eine Füllung zahlen. Je nachdem halt. Man zahlt den Zahnarzt entweder mit Cash oder per Kreidtkarte.
Schulen und Unis kosten in Israel ebenfalls Geld. Nichts ist umsonst. 🙂

Leserfrage: „Werden für ein Brückenprovisorium die Zähne schon beschliffen“

B“H
Vor ein paar Jahren schrieb ich einmal zum Thema Zahnarzt in diesem Blog und bis heute erhalte ich eine Menge Klicks und Nachfragen diesbezüglich. Hier also wieder eine weitere Frage, und die Antwort auf die Frage in der Überschrift lautet JA!
Die Zähne werden vor dem Brückenprovisorium schon geschliffen. Vor dem Abschleifen macht der Zahnarzt noch eine Menge Abdrücke vom ursprünglichen Mundbereich und das Provisorium kriegt man nach dem Abschliff eingesetzt. Solange bis die Brücke fertig ist.
Tut das Abschleifen weh?
Naja, angenehm ist es nicht gerade und man hat des Öfteren einen komisch verbrannten Geschmack im Mund. So wie verbrannte Haare oder so.

Leserfrage: „Kaum Krebserkrankte in Jerusalem?“

B“H
Sobald jemand durch Google auf meinen Blog kommt, wird mir angezeigt, was derjenige denn gegoogelt hat. Aus diesen Anzeigen entnehme ich die Mehrheit aller Leserfragen und hier kommt gleich wieder eine aktuelle Frage:
Gibt es in Jerusalem weniger Leute, die an Krebs erkranken?
Die Antwort darauf lautet eindeutig NEIN. In Jerusalem erkranken genauso viele Menschen an Krebs wie fast an allen anderen Orten der Welt. Die Stadt Jerusalem allein steht nicht automatisch für HEILUNG, wie sich das einige religiöse Christen vielleicht versprechen. Niemand, der hier ankommt und aus dem Bus steigt, wird sogleich von einer Krankheit geheilt.
Und ein kleiner Tipp noch: Wenn Euch Leute auf dem Ölberg heilende Wässerchen oder was auch immer verkaufen wollen, spart Euch das Geld und kauft Euch lieber was Gutes zum Essen. Vor Jahren standen am Ölberg einmal eine deutsche und eine schweizer Touristin, die dort angebliche Heilwasser verkauften. Kleine Flaschen mit Leitungswasser aus deren Hostel, denn die Damen mussten ihr Hostelzimmer irgendwie finanzieren.
Weder auf dem Ölberg noch irgendwo in Jerusalem existieren heilende Quellen oder sowas. Quellen mit sprudelndem heißen Wasser (gegen Rheuma) gibt es in Tiberias am See Genezareth (Kinneret). Oder das Wasser des Toten Meeres soll gegen Allergien helfen. Aber so religiöse Heilwasser sind reine Erfindung und Abzockerei!

Israelisches Gesundheitsministerium sagt ungesundem Essen den Kampf an

B“H
Gesundheitsminister Yaakov Litzmann (Chassid Gur) sagte gestern dem Zucker den Kampf an. Viele Israelis achten im Supermarkt nicht auf die Zutatenlisten, die auf jedem Produkt zu finden ist. Stattdessen werden zucker – und salzhaltige Nahrungsmittel sowie massenhaft Junk Food gekauft.
Israelis sind die absoluten Junk Food Freaks. Die eine Hälfte des Einkaufswagens ist voller Obst, Gemüse, Joghurt, Fleisch, Reis, Nudeln oder Fisch. Die andere Hälfte besteht aus Tonnen von Junk Food wie Kartoffelchips, Schokolade sowie den israelischen Marken Bissli und Bamba. Alles richtig salzig, süss und noch dazu fettig.
Israelische Kinder wachen morgens mit Schoko – Cornflakes auf. Nutella gibt es auch, doch die Cornflakes mit Zimt und Schokolade sind der Renner. Von all den Soft Drinks will ich erst gar nicht reden. Cola, Sprite und all die mit Zucker überfüllten Säfte, die ständig getrunken werden.
Seit Jahren trinke ich nur Soda, Wasser, Milch oder frisch gepresste Fruchtsäfte (hausgemacht und ohne Zusatzstoffe). In den meisten Familien aber kommen die künstlichen Getränke täglich auf den Tisch. Die aber sind nicht nur ungesund, sondern kosten ein Schweinegeld.
Das Gesundheitsministerium plant aktuell eine spezielle Kennzeichnung von Nahrungsmittel, die einen hohen Zucker – Salz – oder Fettgehalt aufweisen:
http://www.globes.co.il/en/article-israel-to-impose-marking-of-unhealthy-food-products-1001162128

 

Hier noch ein israelischer TV – Bericht zum Thema:

Magen David Adom: „Was tun, wenn ein palästinensischer Terrorist mit dem Messer kommt?“

Das Leben mit einem Zahnprovisorium

B“H
Heute früh war Zahnarzttermin angesagt und endlich sollte ich die fertige Brücke eingesetzt bekommen. Der Zahnarzt meinte, alles dauere nur vier Minuten und dann könne ich gehen. Daraus wurde letztendlich aber doch nichts. 🙂
Das Provisorium herausgenommen zu bekommen, ist nicht einfach für mich, denn es fühlt sich an als breche jemand mit dem Brecheisen eine Tür auf. Also Betäubungsspritzen. Zur gleichen Zeit kam ein Notfall in die Praxis und der Zahnarzt war damit busy. Ich wartete auf dem Stuhl und genoss die super Fensteraussicht.
Dann Provisorium endlich raus und Brücke anpassen. Nichts passte und die Farbe auch nicht. Also Provisorium wieder rein und morgen muss ich zum Zahntechniker, damit er den Farbton der Brücke mit meinen Zähnen abstimmen kann.
Fast zwei Monate laufe ich mit dem Provisorium herum. Zuerst musste der Mund heilen, dann war der Zahnarzt im Urlaub, dann passte das Brückenmodell nicht und heute wieder nicht. Nochmal Abdruck genommen und wieder an den Zahntechniker schicken. Und in ein paar Tagen geht der Zahntechniker in den Urlaub. 🙂 Falls er alles noch schafft, bekomme ich nächsten Donnerstag die Brücke und wenn nicht, dann erst in zwei Wochen.
Ich habe mir die schlechteste Zeit des Jahres ausgesucht: Alles fährt in den Urlaub und mit den Gedanken ist man schon längst dort. Bis Ende August ist es in Israel ein ständiges Auf und Ab mit den Urlaubstagen der Arbeitnehmer, denn es ist halt Sommer.
Übrigens, solch ein Plastikprovisorium wird nach ca. zwei Wochen gelblich. Da kann man putzen, schrubben oder mit Backsoda scheuern wie man will. Ansonsten habe ich mich an das Provisorium gewöhnt. Zuerst störte es beim Sprechen, aber das ist Gewöhnungssache. Beim Essen geht jedenfalls alles ganz normal und weh tut es auch nicht.