Leben in Jerusalem

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Purim Sameach – Happy Purim!

B“H
Immer wenn ein jüdischer Feiertag ansteht, ist Israel außer Rand und Band. Dann wird eingekauft wie wild und als ich gestern nach der Arbeit beim Discounter Rami Levi war, war Halligalli. Lange Warteschlangen an den Kassen und bis unters Dach vollgeladene Einkaufswagen.
Dazu arbeiten wir in der Firma immer vor, denn heute war nur ein halber Tag, weil heute Abend Jerusalem sein traditionelles Schuschan Purim feiert. Andernorts ist Purim heute Abend bereits vorbei. In Jerusalem aber beginnen die Feiern erst in circa zwei Stunden und dauern bis morgen Abend zum Schabbat – Einbruch an.
Viele Emails sind bei mir liegengeblieben, weil ich diese Woche platt von der Arbeit kam und ich muss nun erst einmal alles nachholen.
Als ich heute von der Arbeit kam, bin habe ich mich erstmal hingelegt und bin glatt weggepennt. Das Positive aber ist das tolle Wetter dieser Tage. Seit Montag 20 Grad Celsius und meistens sonnig. Der Winter ist allerdings noch nicht vorbei und es kühlt sich jetzt wieder auf 14 – 18 Grad Celsius ab. Sonntag soll es eventuell nochmal regnen, aber der Frühling liegt in der Luft und vieles blüht schon.
In einer guten Stunde gehe ich zum Lesen der Megillath Esther – dem Buch Esther und danach mit Freunden noch irgendwo zum Kaffeetrinken. Viel wird da nicht, denn ich stehe kurz vor dem Einschlafen. 🙂
Morgen haben wir, wie gesagt, Schuschan Purim in Jerusalem und es kommen ein paar Freunde zum Brunchen. Viele Leute arbeiten nicht außer den Supermärkten und der Gastronomie. Die Busse fahren aber wie gewohnt weiter. Es kann jedoch sein, dass Banken, Postämter und diverse Läden geschlossen bleiben.
Nachher will ich noch ein paar Photos machen. Vom Megillah – Lesen und so. Meistens findet das in den Synagogen statt, muss aber nicht. Alles was es braucht, ist eine koschere Megillath Esther – Rolle und jemanden, der in der Lage ist, alles vorzulesen.
Ich kenne Leute, die machen das privat in ihrem Haus, denn sie haben Geld und besitzen eine solche Megillah – Rolle. Es muss auch kein Rabbiner die Megillath Esther lesen, aber es sollte zumindest ein Mann sein und keine Frau.
Was es Neues zu den Knesset – Wahlen am 9. April gibt?
Oberflächlich bekam ich mit, dass die Iraner wohl das Handy von Benny Gantz gehackt haben und der nun total am ausrasten ist. Netanyahu macht sich lustig und meint, dass Gantz wohl offenbar geheime Infos auf dem Handy hatte und deswegen wie ein aufgeregtes Huhn herumhüpft. Vielleicht sogar Delikates und nun kann ihn der Iran erpressen.
Ferner gibt es immer mehr Unstimmigkeiten zwischen Benny Gantz und Ya’ir Lapid. Die beiden hatten sich zusammengetan und koalieren gegen Netanyahu. Das Problem ist, wie ich bereits voraussagte, dass Gantz und Lapid Machtmenschen sind und keiner wird sich mit einem kleinen Teil zufriedengeben. Jeder will die volle Macht und mittlerweile beschuldigt Gantz seinen Verbündeten Lapid, schuld zu sein, dass Gantz in den Umfragen sinkt.
Der Gantz / Lapid – Hype ist vorbei und Netanyahu führt. Aber wir werden sehen …  

Details zu den Wahlen in Israel 2019

Beantwortung von allerlei Leserfragen

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Mein Stadtteil Abu Tur in Jerusalem – Copyright: Miriam Woelke
B“H
Wann wird in Israel gewählt?
Am Dienstag, dem 9. April 2019.
Knesset – Wahlen finden immer an einem Dienstag statt und dieser Tag ist für alle israelischen Staatsbürger ein freier Tag. Keine Arbeit, ausschlafen und wer doch arbeitet (z.B. Gastronomie), bekommt deftige Feiertagszuschläge, die einem dann hinterher das Finanzamt wieder wegnimmt. 🙂 

 

Müll in Jerusalem?
Hm, was soll ich da antworten?
Die Müllabfuhr kommt jeden Tag außer am Schabbat. Es gibt extra Tonnen für Altpapier und Plastik. Ich hörte, dass bei uns in der Stadt langsam Glascontainer eingeführt werden sollen. 

 

Wo ist die Mishkenot Shaanim Street? 
Nahe der Cinematheque, des Bell Park und des Jaffatores. Dort, wo die Windmühle gegenüber der Altstadtmauer ist. 

 

Müssen sich Frauen in Palästina bedecken?
Ist mit der Frage die palästinensische Autonomie gemeint?
Ich glaube nicht, dass man sich, wie im Iran, bedecken muss. Auch Kopftuch / Hijab etc. ist kein Muss. Es gibt total viele palästinensische Mädels / Frauen, die modern sind. Sprich, Jeans, kurze Shirts, etc. tragen. Dann gibt es Frauen, die haben eine Hijab auf. Von müssen kann jedoch keine Rede sein. 

 

Deutsche Ärzte in Jerusalem?
Ihr solltet Euch daran gewöhnen, dass sich in Israel alles auf Hebräisch, Arabisch, Englisch, Russisch, Spanisch oder Französisch abspielt. Heißt, dass sich immer Leute finden, die notfalls in diesen Sprachen aushelfen können. Deutsch ist in Israel nicht verbreitet und um als Arzt praktizieren zu dürfen, muss jemand israelischer Staatsbürger sein.
Vielleicht findet sich in Ostjerusalem oder Ramallah ein Arzt, der Deutsch spricht, denn einige Palästinenser haben in Deutschland Medizin studiert. 

 

Staatsbürgerschaft Israel?
Für Juden aus aller Welt, die offiziell nach Israel einwandern. 

 

Wie viele orthodoxe Juden gibt es?
Eine ganze Menge und man sieht nicht jedem an, dass er orthodox lebt. Mir sieht man es auch nicht an. Orthodox bedeutet nicht gleich Schläfenlocken, schwarzer Kaftan, langer Rock und zurückgeblieben fundamentalistisch. 

 

Wovon leben orthodoxe Juden?
Also ich gehe arbeiten und andere Leute tun das auch. Ich habe sogar gleich nach meiner Krankenhausentlassung (nach einer OP) fast sofort wieder gearbeitet. Zwar erst einmal von daheim aus, aber soziale Absicherungen gibt es in Israel keine wie in Deutschland. Sogar im Falle einer einfachen Chemotherapie müsste ich weiterarbeiten.
In Israel geht man arbeiten, denn das Leben ist teuer und, wie gesagt, mit Sozialhilfe und so, ist es nicht so weit her. Davon kann keiner leben und wir sind nicht so toll abgesichert wie Ihr in Deutschland, der Schweiz oder Österreich. 

 

Wahlumfragen?
Nach Umfragen kann man sich nicht richten. Mal soll der gewinnen und dann wieder der. Bibi Netanyahu wird in Jerusalem sehr viele Stimmen bekommen. Von mir vermutlich auch. Und das nicht, weil sein Bruder mein Nachbar ist. 🙂 

 

Sozialsystem Israel?
Es ist garantiert nicht so bequem wie in Deutschland und wir müssen viel aus dem eigenen Portemonnaie dazubuttern. Auch bei Medikamenten, Zahnarzt oder Brillen.
Das Sozialsystem gilt für israelische Staatsbürger und nicht für Ausländer. Abzocken geht nicht, denn es gibt eh nicht viel und falls ja, wird beim Antragsteller daheim die Bude auseinandergenommen. Selbst bei chronisch Kranken oder Rollstuhlfahrern. Da sind die Behörden nicht besonders freundlich drauf. 

 

Ist Jerusalem sicher?
Eindeutig ja. Hier könnt Ihr auch des Nachts rumlaufen, aber meidet arabische Gebiete und die Parks nahe der Altstadt. Ansonsten könnt Ihr zu jeder Tageszeit unbehelligt herumlaufen. Egal, ob Männlein oder Weiblein.

Wahlen 2019 in Israel

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Wahlzettel in Israel – Copyright: Miriam Woelke

 

Jeder Wahlzettel in der Wahlkabine repräsentiert eine Partei. Der Wähler nimmt einen Zettel und steckt diesen in einen Briefumschlag und dann alles in die Wahlurne. So wird in Israel gewählt. Anhand der Zettel und nicht anhand des Ankreuzens auf einer Wahlliste wie in Deutschland.

 

 

B“H
Eigentlich sollte ich viel mehr zu den Knesset – Wahlen am 9. April schreiben, aber irgendwie fehlt die Lust. Die linken Parteien einschließlich Ya’ir Lapids „Yesh Atid“ Partei haben sich zusammengeschlossen. Jedem geht es nur um die Macht und genau das nervt. Egal, ob links oder rechts.
Wer auch immer die Wahlen gewinnen wird, ändern tut sich nichts. Alle Politiker labern vom arabischen Terror und dem Iran, aber kein einziger kümmert sich um soziale Belange. Mietwucher, Wohnungsnot, Armut im Land, Arbeitslosigkeit, hohe Lebenshaltungskosten oder das marode Gesundheitssystem. Weder Lapid noch Benny Gantz haben davon eine Ahnung, denn sie kümmern sich nicht um den Otto Normalverbraucher in der Provinz. Dafür umso mehr um säkulare Israelis in der Region Tel Aviv, Kfar Saba, Hod Hasharon, Herzliya oder Ra’anana. Von der Wirtschaft haben beide ebenso wenig Ahnung, was Ya’ir Lapid offen zugibt.
Netanyahu kennt sich mit der Wirtschaft bestens aus und er hat in seinen Amtsperioden viel Positives bewirkt, was leider wenig Erwähnung findet. Dass er jetzt zu einer Anhörung muss, da er der Bestechlichkeit beschuldigt wird … naja. Dass vor den Wahlen zu verkünden, ist mehr als suspekt. Noch dazu wo dies bereits mehreren Politiker passierte und die offizielle Ankündigung, wie im Fall Zipi Livni, bis nach den Wahlen verschoben wurde.
Ob Netanyahu nun ein oder zwei Zigarren von irgendeinem Typen annahm … oder ob er eine Zeitung propagandierte … was hinterher die gesamte Knesset eh beschloss … darüber kann man streiten. Vielen Leuten geht Netanyahu nach all den Jahren im Amt nur noch auf den Geist, Man will neue Gesichter sehen, aber ob die linken Gantz und Lapid dafür geeignet sind? Israel muss aufpassen, nicht so zu enden wie Deutschland. Mit all den linksradikalen Ideologien und am Ende noch mit 90,000 aus ihren Häusern geschmissenen Siedlern wie Lapid und Gantz es ankündigen. Israel soll kleiner werden und die palästinensische Autonomie größer. Massive Landabgaben Samarias (Shomron) sind bei der Linken in Planung.
Netanyahu hat zwei Fehler gemacht: Er hat von Milliardär Arnon Milchan Zigarren angenommen. Lapid, Livni, Ehud Olmert, Ehud Barak und viele viele andere Politiker nahmen Geld von Milchan. Aber das wird in unserer linksgerichteten Presse nicht berichtet. Um als Premier zu bestehen, darf noch nicht einmal ein Glas Sekt angenommen werden.
Der zweite Fehler Netanyahus war es, nicht bei seiner ersten Frau zu bleiben, sondern sich seiner jetzigen und dritten Gattin Sarah zu unterwerfen. Ohne Sarah würde er besser dastehen, aber das geht nun nicht mehr. Sie klebt an ihm wie Kleister und er ist vertraglich an sie gebunden. Allein das ist schon Strafe genug.
Was wissen wir von Benny Gantz? Ein Bankrotteur, der mit einer eigenen Firma in die Insolvenz ging. Ya’ir Lapid steckte vor ein paar Jahren sein Gesicht zwischen den Busen einer Frau. Ich weiß, ehrlich gesagt nicht, wer da schlimmer ist.
Sollte die Linke gewinnen, heißen die wahren Sieger Abu Mazen (Fatach) und Ismail Haniya (Hamas), denn die werden sich totlachen.
Wen ich wähle?
Ich schwanke zwischen Likud und Otzma Yehudit.
https://www.facebook.com/JewishStrength/
Nein, Otzma ist kein Haufen rechter Terroristen, sondern eine jahrelang bestehende Partei mit jüdisch – konservativen Werten, welche leider immer mehr verlorengehen. Vor ein paar Jahren habe ich bereits schon einmal Otzma gewählt. Damals verpassten sie den Knesset – Einzug nur knapp, aber diesmal haben sie eine gute Chance, denn sie verbündeten sich mit dem Bayit Yehudi.
Alle anderen Parteien unterscheiden sich in ihren Inhalten wenig und es geht den Vorsitzenden lediglich um Macht. Otto Normalverbraucher ist egal. Nur die Macht, die Kohle und ein Dienstwagen sind wichtig. Weder Moshe Kachlon noch Ya’ir Lapid lassen Vorstandswahlen in ihren eigenen Parteien zu. Sie sind kleine Diktatoren, die automatisch Vorsitzende bleiben. Bei anderen Parteien wie dem Likud oder der Arbeiterpartei werden die Vorsitzenden von der Mitgliederschaft gewählt. Allein diese kleinen Partei – Diktaturen sind schon ekelhaft.
In Jerusalem werden Bibi und der Likud haushoch gewinnen und generell finden viele Israelis die Hetze gegen Netanyahu einfach nur widerlich. Alle Politiker haben Dreck am Stecken und dann soll man alle anderen gefälligst auch drankriegen.

Leserfragen & Ein wenig israelische Politik

B“H
Gestern oder vorgestern verkündete Zipi Livni ihren Ausstieg aus dem politischen Leben und niemand wird sie so richtig vermissen. Dazu gibt es viel zu viele neue Parteien und ihre eigene TNUAH – Partei wäre, Umfragen zufolge, eh nicht mehr in die neue Knesset eingezogen.
Zipi Livni hat mich persönlich nie besonders interessiert. Meiner Meinung nach hat sie den großen Aufstieg vor circa zehn Jahren verpasst als sie unter Ehud Olmert Außenministerin war und sich gegen ihn auflehnte. Hätte sie das damals durchgezogen und Olmert nicht wieder nachgegeben, eine Menge Wähler hätten es ihr gedankt. Aber Zipi Livni fiel in dem Moment um als Olmert sie rausschmeissen wollte. Der Ministersessel war halt doch wichtiger als die eigene Meinung.
79% der israelischen rechtsgerichteten Wählerschaft wollen eine Koalition mehrere rechtsgerichteter Parteien, um so einen starken Block in der neuen Knesset zu bilden. RECHTS bedeutet in Israel nicht, wie viele Deutsche heutzutage meinen, Nazi. Rechts – konservativ bedeutet die einstige CDU lange vor Zonen – Angie. Unter anderem ist der LIKUD mit der einstigen deutschen CDU zu vergleichen.
In meinen Augen werkeln zuviele Individualisten herum und der neue Favourit und Ex – General, Benny Gantz, sank schon wieder in der Wählergunst nachdem er eine weitere großangelegte Landaufgabe Samarias und Judäas angekündigt hatte. Offenbar ist Gantz sogar bereit, mit den arabischen Parteien zu koalieren und da sieht man wieder, wie stark der Machtwille ist. Ideologien spielen keine Rolle mehr, sondern nur noch das eigene Ego. Noch dazu, wo Gantz keinerlei politische Erfahrung vorweisen kann.
Wer sich an Gantz heranmacht ist Ya’ir Lapid. Letzterer rechnete sich beste Chancen aus, Netanyahu abzulösen, doch dann kam Benny Gantz. Nun scheint Lapid mit zehn Sitzen bei den kommenden Wahlen abgeschlagen. Gantz erhält, laut Umfragen, zwanzig Sitze und Netanyahu mit dem Likud dreißig Sitze.
Lapid will schon im Vorfeld mit Gantz koalieren, aber da beide Egomanen sind, wird sich keiner mit dem Posten eines stellvertretenden Premiers zufrieden geben.
So richtige Politiker scheint es kaum mehr zu geben. Jeder hechelt nur seinem eigenen Knesset – Sitz hinterher und will, bestenfalls einen Ministerposten. Die einst so mächtige Arbeiterpartei ist abgeschlagen und die extreme Linke pfeift aus dem letzten Loch. Lapid und Gantz geben sich liberal, sind es aber, meiner Meinung nach, nicht. Wie auch, wenn jemand mit den arabischen Parteien koalieren will? Da kann ja gleich Ismail Chaniyeh von der Hamas unser neuer Premier werden.
Was mich besonders stört ist, dass soziale Belange erneut auf der Strecke bleiben. Gantz als Ex – General hat Null Ahnung von sozialen Themen. Was interessiert den der Wohnungsbau, das marode Gesundheitssystem oder die steigende Armut in der Bevölkerung? Das geht dem doch am Allerwertesten vorbei. Ya’ir Lapid wurde mit dem goldenen Löffel im Mund geboren und kennt daher ebenso wenig die Probleme der breiten Masse. Seine Ansicht lautet: „Geht arbeiten und haltet Euer Maul!“
Ich denke nicht, dass die Wahlen am 19. April viel verändern werden. Die Trump – Regierung befürwortet eine Koalition Netanyahu – Gantz. Egal wer gewinnt, viel ändern tut sich eh nicht und bei Otto Normalverbraucher bleibt alles beim Alten.
Das einzige Problem ist Benny Gantz mit dem Ziel, viel mehr Land an die Palästinenser abzutreten und die arabischen Parteien miteinzubeziehen. Wenn das geschieht, sehe ich schwarz. Viele Wähler, die Gantz eine Chance geben wollen, werden erst hinterher die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Und bereicherungsmäßig ist Gantz nicht besser als die Netanyahus. Auch gegen Gantz wurde / wird ermittelt.
Unterdessen postet Bibi Netanyahu auf Youtube und Facebook Clips von seinem Smartphone. Von seinem Alltag als Premier.
Und noch ein paar Leserfragen:
Ostern in Tel Aviv?
In Israel wird kein Ostern gefeiert und in Tel Aviv wird dementsprechend kein Ostern zu finden sein. Lediglich im christlichen und armenischen Teil der Jerusalemer Altstadt ist Ostern ein Thema. Ansonsten gibt es hierzulande keinerlei Ostern!
Alltag der israelischen Frauen?
Deren Alltag schaut nicht viel anders aus als der der deutschen Frauen: Familie, Beziehung, Single – Leben, Arbeit, Uni, Schule, Karriere, Sozialamt … Alles ist dabei. Der einzige Unterschied besteht vielleicht darin, dass hierzulande die Frauen zur Armee müssen und dadurch selbstbewusster sind als Frauen in Europa.
Neue Mall in Jerusalem?
Davon ist mir nichts bekannt, aber ich weiß ja nicht alles. Ich bin eh kein Mall – Gänger, denn dort ist es mir zu teuer. Ich bereite mir lieber mein Essen daheim vor.
Sonntagabend war ich mit Freunden im hiesigen Kinokomplex YES PLANET. Der liegt bei mir gegenüber und wir tranken in einer CAFE AROMA Niederlassung Kaffee.
Araber und Juden sassen im Cafe Aroma und alles war friedlich. Hinter der Theke arbeiteten Palästinenser. Ganz normaler Alltag halt.
Wieviele Behinderte gibt es in Israel?
Ich habe keine Ahnung. Es gibt eine Menge Einrichtungen für Behinderte und im Jerusalemer Stadtteil Kiryat Moshe befindet sich, unter anderem, ein Blindenheim mit angeschlossenem öffentlichen Schwimmbad.
Und jetzt noch etwas in eigener Sache:
Wenn Ihr einen Trip nach Israel plant, kommt nicht ohne Krankenversicherung angereist. Schließt in Deutschland oder wo auch immer Ihr herkommt, eine Reisekrankenversicherung ab. Solltet Ihr in Israel in ein Krankenhaus oder zum Arzt müssen, so kann das ohne Versicherung sehr teuer werden.
Von einer Bekannten kam vor einem Jahr die Mutter aus Australien zu Besuch und, obwohl immer kerngesund, ereilte sie hier ein Hirnschlag. Oder wie man sowas nennt.
Sie kam ins Hadassah – Hospital und dann begann das Drama, denn in Hadassah wollte man vor der Behandlung wissen, wer die Kosten übernimmt. Die Tochter der Dame rief bei der Versicherung in Australien an und es gab ein riesiges Hin und Her. Erst nach Klärung wurde die Mutter richtig behandelt und blieb ein paar Wochen im Krankenhaus.
Wer in Israel eine Touristen – Krankenversicherung eingeht, muss aufpassen, denn die ist eingeschränkt und nicht alle Behandlungen werden übernommen. Das sah ich mit eigenen Augen als ich im Oktober letzten Jahres in der Gastro – Notaufnahme war und eine Amerikanerin rausflog. Sie solle heimgehen und sich nicht so anstellen. Und das sagte ihr ein palästinensischer Arzt.

Israels Generäle

B“H
Am 19. April wird eine neue Knesset gewählt und obwohl Netanyahu, laut Umfragen, seinen erneuten Sieg bereits so gut wie in der Tasche hatte, erschien ein neuer Stern am Horizont: Der ehemalige Oberbefehlshaber der Streitkräfte Benny Ganz.
Es ist nichts Neues in Israel, dass diverse Oberbefehlshaber a.D. sich entschließen in die Politik zu gehen anstatt ihre dicke fette Pension zu geniessen. Jeder will halt mehr zu sagen haben und auf Politiker machen. So auch aktuell Benny Gantz, der da eigens eine neue Partei gründete und sich mit einem anderen General namens Moshe Yaalon (Oberbefehlshaber a.D.) zusammentat. Yaalon ist die Nummer zwei auf der Parteiliste.
Was genau Gantz will? Was ist sein Parteiprogramm? Ist er rechts oder links?
So richtig sagt er das nicht und, im Grunde genommen, kommt es mir so vor, alles wolle mal wieder ein pensionsreifer General mitbestimmen und in die große Politik gehen. Ohne Kenntnisse und halt nur mit militärischem Taktik – Denken.
Was mich in Israel unheimlich stört ist, dass jeder kleine Depp meint, er müsse nun seine eigene Partei gründen. Frischer Wind ist definitiv gut und notwendig, aber doch nicht von Generälen. Man könnte direkt meinen, wir bewegen uns in einen einzigen Militärstaat. Weil ich nie bei der Armee war, bin ich kein Freund von Militärs, die da Premierminister werden wollen. Okay, Ehud Barak gelang dies, aber er scheiterte als Premier. Als Verteidigungsminister jedoch war Barak recht erfolgreich.
Obwohl Gantz zögert, sich auf eine Agenda festzulegen – nicht wenige Israelis stehen hinter ihm. Vor allem Säkulare, die an der Küste wohnen. Tel Aviv und Umgebung oder Haifa. Jerusalem ist konservativer eingestellt und man bleibt traditionell beim Likud. Es gibt Parteien, die in Jerusalem einfach keine Chance haben, wie die von Zipi Livni, zum Beispiel.
Mittlerweile gibt es in Israel so viele Parteien, dass die eigentlichen Programme immer unübersichtlicher werden. Aber die sind eh egal, denn an Programme und Wahlversprechen hält sich nach den Wahlen im April eh niemand mehr. Es geht darum, sich seine Machtposition samt Knesset – Stühlchen zu sichern. Der Rest ist egal. Bestes Beispiel ist Moshe Kachlon, der bei den letzten Wahlen riesige Wahlversprechen machte. Von wegen sozial eingestellt und den Wohnungsmarkt wiederbeleben. Nichts ist passiert und bei den Wahlen im April wird Kachlons Partei abrutschen und Sitze verlieren.
Israelis haben nichts gegen neue Parteien. Selbst dann nicht, wenn diese von Generälen geführt werden. Das sei immer noch besser als der ehemalige TV Entertainer Yair Lapid, der bei der Armee nicht in einer Kampfeinheit war, weil Papa Tommi ihm einen ruhigen Posten zuschanzte. Lapid hat von militärischen Dingen keine Ahnung, obwohl er das auf Twitter bestreitet. Jedesmal erntet er einen Shitstorm, wenn er einmal wieder mit seiner Armeezeit auftrumpft, die er lediglich im Büro verbrachte. In der Beziehung haben Generäle besser Chancen und laut aktuellen Umfragen, wird Lapids Partei nur 11 Sitze bekommen. Benny Gantz machte auch ihm einen Strich durch die Rechnung und zieht sowohl enttäuschte Wähler vom Likud als auch von Yesh Atid zu sich.
Neuen Kandidaten geben Israelis gerne eine Chance. Das war bei Kachlon so und zuvor bereits bei Naftali Bennett und Ayelet Shaked. Letztere gründeten vor einem Monat ebenfalls eine neue Partei und spalteten sich vom Bayit Yehudi ab. Bennetts Partei könnte 8 – 10 Sitze bekommen wohingegen Bayit Yehudi vermutlich nicht mehr in der Knesset vertreten sein wird.
Einen Absturz erlebt auch die Arbeiterpartei, denn sie kommt aktuelle gerade einmal auf sechs Sitze. Zipi Livnis Partei fliegt ganz raus. Die linksextreme Meretz – Partei bleibt bei fünf Sitzen und Shass sowohl als die aschkenazische ultra – orthodoxe Yahadut HaTorah erhalten 5 – 6 Sitze.
Eigentlich hatte sich Lapid beste Chance ausgerechnet, Netanyahu abzulösen, doch die Wählerschaft zieht Benny Gantz vor. Das große Rennen findet also zwischen Netanyahu und Gantz statt.
Was genau der Unterschied zwischen all den Parteien ist, kann niemand so genau sagen. Vorweglich handelt es sich um Parteivorsitzende mit einem gewaltigen Ego, die da mitbestimmen wollen. Die Bevölkerung mit ihren Sorgen und Nöten spielt keine Rolle. Weder Gantz noch Netanyahu noch Lapid kennen soziale Probleme aus eigener Erfahrung. Vielleicht noch eher Netanyahu, denn er wuchs in keinem wohlhanden Haus auf und finanzierte seine Studien in Boston mit Studentenjobs. Lapid wuchs reich und behütet auf und trampelt gerne auf Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger ein. Von Gantz weiß man, wie gesagt, gar nichts. Er sagt einfach nichts. Auch dann nicht, wenn er den Mund aufmacht.
Bei einer Patt – Situation bin ich gespannt, ob Gantz und Netanyahu koalieren. Man hört hinter den Kulissen, dass Yair Lapid bereits um Gantz herumschwänzelt und mit diesem vielleicht jetzt schon ein Abkommen schließt, um Netanyahu abzulösen.
Das Intrigenkarussell dreht sich gewaltig und in Israel wird mit wesentlich härteren Bandagen gekämpft als das in Deutschland der Fall ist.

Aktuelle Wahlumfrage in Israel 2019

B“H
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Wahlzettel in der Wahlkabine in Israel. Jeder Zettel repräsentiert eine Partei. Copyright: Miriam Woelke

 

Man soll ja nichts auf Umfragen geben, aber Tatsache ist, dass der Likud unter Bibi Netanyahu führt:
http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/257378
Das einzig Nervige sind all die kleinen neugegründeten Parteien, welche in einer etwaigen Koalition stets den Premier erpressen. Jeder kleine unbedeutende Armeegeneral oder jemand in einer ehemaligen Führungsposition meint, seine eigene Partei haben zu müssen. Ein absoluter Schwachsinn hierzulande.
Avi Gabbai, der Vorsitzende der Arbeiterpartei, trennte sich mit großem Tamtam vom Koalitionspartner Zipi Livni und beide beschimpften sich wie wild. Die Arbeiterpartei wird genauso in der Versenkung verschwinden wie die SPD in Deutschland. Dabei ist Gabbai der festen Überzeugung, er werde der nächste Premierminister. 🙂
In den deutschen Medien wird über Netanyahu berichtet als sei er hier das größte Übel und Leserkommentare sagen, dass Netanyahu nicht gut für sein Land sei.
Woher wollen Deutsche das eigentlich wissen? Kennen sie sich so toll mit der hiesigen Innenpolitik und der gesamten Politlandschaft aus?
Ich bin kein Netanyahu – Fan, obwohl ich den Likud wähle, doch eines muss ich sagen: Die hiesigen Medien sind genauso links – versifft wie jene in Deutschland und vieles, was gegen Netanyahu verwendet wird, wird aufgebauscht, weil es sich um Netanyahu handelt. Linke Politiker und Medienliebling Ya’ir Lapid haben nicht weniger Dreck am Stecken, nur darüber wird bequemerweise geschwiegen.