Leben in Jerusalem

Startseite » Beitrag verschlagwortet mit 'Allgemein'

Schlagwort-Archive: Allgemein

Sylvester 2016 in Israel

B“H
Wer in Israel Sylvester feiern will, begibt sich nach Tel Aviv. Im Judentum existieren weder Sylvester noch das weltliche Neujahr. Auf offiziellen israelischen Briefköpfen sind stets zwei Daten abgedruckt: Das weltliche sowie das Datum gemäss dem jüdischen Kalender.
Diese Woche ist geprägt von extrem kaltem Wetter. Bis mindestens Sonntag bleibt es eiskalt, stürmisch und regnerisch. Am Schabbat sinken die Temperaturen auf 3 Grad Celsius und auch heute steigt das Thermometer noch nicht einmal auf 10 Grad an.
Wer Sylvester feiern will, muss dies also im Haus tun und nicht draußen. Insbesondere in Tel Aviv gibt es Parties und normalerweise ein Feuerwerk am Strand. Ob die schlechten Wetterbedingungen das diesmal zulassen, kann vermutlich noch niemand sagen. Auf alle Fälle muss man sich sehr warm anziehen.

Terror und Feiertage in Jerusalem

wpid-20130729_122902.jpg
T – Shirt  /   Photo: Miriam Woelke
B“H
Hier könnt Ihr die neuesten Details zum heute Morgen stattfindenden Terroranschlag in Jerusalem erfahren:
http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/218777
Dass der arabische Terror ausgerechnet kurz vor Beginn des höchsten jüdischen Feiertag Yom Kippur erneut umhergeht, überrascht nicht. Vor fast jedem jüdischen Feiertag rasten die Palästinenser aus, doch sobald sie einen muslimischen Feiertag haben, soll Ruhe herrschen und dann habe man Moslems gefälligst zu respektieren.
Am Yom Kippur wird ebenso wieder der gefallenen Soldaten des Yom – Kippur – Krieges (im Jahre 1973) gedacht.
Was soll ich sagen? Ich muss dieser Tage viel arbeiten und hocke, nach wie vor, auch in meinem Zweitjob fest. Immerhin habe ich diesen Dienstag frei. Am Dienstagabend beginnt ja der Yom Kippur, doch viele Leute müssen halt noch bis mittags arbeiten. Insbesondere im Verkauf. Sicherheitskräfte sind sowieso immer im Einsatz und gerade wieder am Yom Kippur.
Stellt Euch darauf ein, dass am Dienstag in Israel ab circa 14.00 Uhr keine Busse mehr fahren und ALLE Geschäfte (außer arabische) schließen! ALLE Geschäfte – und damit sind auch die sonst immer offenen 24 – Hour – Shops wie AM:PM, Super Yuda / Baba und wie sie alle heißen, gemeint. Nichts geht mehr am Yom Kippur. Erst am Mittwoch kurz vor 19.00 Uhr geht der Yom Kippur zuende und dann wird erst einmal gegessen.
Es isr Oktober und die Sonne brennt immer noch vom Himmel. Zwar wird es gegen Abend kühler, doch tagsüber bleiben die Temperaturen bei um die 28 Grad Celsius. Am Donnerstag beginnt sogar noch einmal eine Hitzewelle mit 30 Grad Celsius und darüber. Regen habe ich seit der ersten Aprilwoche nicht mehr gesehen und ich freue mich schon drauf. Nach dem ersten Regenschauer werden wir endlich wieder saubere Luft und keinen herumfliegenden Dauerstaub mehr haben, der da die Wohnung kurz nach dem Saubermachen wieder verdreckt. Mit dem Regen wird es aber anscheinend noch etwas dauern. 🙂
Heute in einer Woche beginnt schon wieder ein weiterer jüdischer Feiertag: Sukkot, das Laubhüttenfest. Bis zum 24. Oktober (in der Diaspora bis zum 25, Oktober) wird Sukkot gefeiert und das war’s dann erstmal wieder mit den Feiertagen. 🙂

Aus der israelischen Arbeitswelt

wpid-20120611_171911.jpg

Photo: Miriam Woelke

B“H
Anfang Oktober kann ich endlich meinen Zweitjob kündigen, wobei ich nach der schriftlichen Kündigung noch eine Frist von zwei Wochen einhalten muss. Mitte Oktober werde ich dann hoffentlich meinen ungeliebten Zweitjob los sein und selbst das ist gar nicht einmal so einfach. Wer nicht mindestens sechs Monate bleibt, zahlt eine Strafe von 500 Schekel. Mittlerweile müssen die Neueingestellten eine Strafe von 1000 Schekel hinblättern.
Da sich bei mir fünf Urlaubstage angesammelt haben und ich drei davon Ende des Monats nehmen will, ergibt sich aktuell eine neue Komplikation. Es reicht nämlich nicht aus, die drei Urlaubstage bei der Personalabteilung einzureichen. Nein, man muss auch noch seinen Abteilungsleiter bzw. eine weitere Organisatorin um Erlaubnis fragen. Insgesamt drei Leute also.
Die Jerusalem Post mag sich gut im Lebenslauf machen, aber alles andere drumerum ist Abzocke. Die Firma hält sich gerade so an die bestehenden Gesetz. Gerade so, wobei hart an der Illegalität geschrammt wird. Aber gerade noch einige Millimeter im legalen Bereich.
Außer Arbeit habe ich in letzter Zeit gar nicht allzu viel mitbekommen. Abends komme ich ein paar Mal pro Woche sehr spät heim und falle dann ins Bett. Anfang Oktober steht das jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana an. Diesmal fallen das jüdische sowohl als auch das muslimische Neujahr zusammen und irgendein Minister gab bekannt, dass es Anfang Oktober zu einem Hühnchenmangel kommt. Es gibt nicht genug Hühner in der Bratröhre. Israelis und Palästinenser lieben Huhn und offenbar war man von offizieller Seite aus wieder einmal unfähig, das Hühnchenproblem im Voraus zu bewältigen. Oder Huhn wird einfach nur wieder teurer. Wie alles andere auch vor Rosh Hashana. Lebensmittel sind nun einmal teuer und daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern.

Die israelische Innovations – Power

B“H
Was unterscheidet israelische Startups von ihren deutschen Counterparts? Und was unterscheidet Israelis überhaupt von vielen Deutschen?
Wobei ich mit dieser Fragestellung nicht verallgemeinern will. Klar, trifft das nicht auf jeden zu. Nicht auf jeden, aber auf sehr viele Leute schon.
Es ist nicht leicht, in Israel zu leben. Nicht nur aufgrund der Terror – und Kriegsgefahr. Daran haben wir uns irgendwie alle gewöhnt. Was Israelis dagegen viel mehr beschäftigt ist der Alltag. Arbeiten, Rechnungen zahlen und halt irgendwie über die Runden kommen. Hiesige Gehälter sind alles andere als üppig und wer nicht gerade für eine Regierungseinrichtung arbeitet, muss sich dazu noch ernsthafte Gedanken um die Rente machen. Ein privater Rentenplan reicht nicht aus und wer bei den monatlichen Einzahlungen abkassiert, ist die jeweilige Versicherung und nicht der Versicherte.
Lebensmittelpreise sind unverschämt und sogar der Klopapierkauf wird zum Luxus. Bei dem Klopapierpreis! 🙂 Von Mieten und anderen Kosten erst gar nicht zu reden. Kurz gesagt, als Israeli rennt man unermüdlich, denn man will ja irgendwie leben.
Die Arbeitsbedingungen sind auch nicht immer ideal und ich überlege mir momentan, nicht doch noch in die Histadrut – Gewerkschaft einzutreten. Obwohl die Histadrut auch bei Nichtmitgliedern mit Rat und Tat zur Seite steht. Miese Arbeitsbedingungen, mieses Gehalt und oftmals das ewige Gemäkel der Vorgesetzten, doch noch mehr Arbeitsstunden anzuhängen. Wie momentan in meinem ungeliebten Zweitjob. Seit dieser Woche arbeite ich dort weniger, denn ich habe meine Arbeitsstunden auf ein Minimum reduziert. Was folgt sind emails, ob ich denn nicht doch noch mehr arbeiten könne.
Nee, kann ich nicht!
Aus all dieser Misere heraus gründen zahlreiche Israelis ihr eigenes Business. Wobei ich jetzt nicht den typischen Falafelstand meine. Derjenige, der sich in gewissen Lebensumständen wiederfindet, wird erfinderisch. Das bringt die Situation so mit sich.
In Deutschland geht alles seinen Gang und das Denken ist immer noch ein anderes. Man denkt viel nach und zögert. Ob das denn gehe und was wenn nicht und überhaupt.
In Israel sowohl als auch in den USA werden Ideen weiterverfolgt und man schaut halt mal, was sich so ergibt. Ohne große Scheu wird herumgetüftelt. Und das nicht nur im Startup – Bereich. Man will etwas Neues schaffen und seine Idee, sei sie auch noch so daneben, verwirklichen.
Ich denke, dass es gerade dieser Wille ist, der Israelis von Deutschen unterscheidet. Risikofreundlicher und mit allerlei Ideen fängt man einfach an und probiert aus. Mag sein, dass es an der deutschen Mentalität a la „Das wird doch eh nichts. Lass das mal lieber!“ liegt und eine Menge Leute davon abhält, etwas durchzusetzen. Wenn ich mir allein anschaue, wie viele deutsche Youtube Scammer ihre Kurse „Wie blogge ich richtig“ oder „Wie werde ich Youtuber“ verkaufen, wundere ich mich nur noch. Es scheint als ob niemand mehr allein etwas auf die Beine stellen kann, sondern für jeden Sch…. erst einmal einen Kurs kaufen muss. Wenn ich für alle Lebenslagen zuerst einen Kurs kaufen muss, ist das sehr traurig. Anstatt loszulegen, selbst wenn der Erfolg ausbleibt, werden Videokurse geglotzt.
Hier ein Beispiel interessanter Startups, die sich die Arbeitsplatzmisere zu Nutzen machen:
http://www.globes.co.il/en/article-five-israeli-startups-that-enhance-job-seeking-1001091873

Jerusalem im Juli

20160529_195228
Photo: Miriam Woelke
Jerusalem: Blick auf die palästinensischen Stadtteile Jabal al Mukaber und Silwan bis hinauf zum Ölberg

 

B“H
Nach wie vor sind meine Wochentage fast nur von Arbeit geprägt. Immer noch in zwei Jobs und ich hoffe weiterhin, endlich von meinem unnützen Zweitjob entlassen zu werden. Finanziell zahlt sich dieser nämlich absolut nicht aus und jeden Monat werden unsere Gehälter auch noch falsch abgerechnet. Und das selbstverständlich stets zugunsten des Arbeitgebers. 🙂 Demzufolge muss ich da noch dem Geld hinterherlaufen. Aber nicht nur ich, sondern fast die gesamte Belegschaft.
Zum Weggehen oder so bleibt kaum mehr Zeit. Am Schabbat bin ich froh, daheim zu sein. Unterdessen genießen alle den Sommer mit Temperaturen um die 30 Grad Celsius täglich. Die Schulkinder haben Ferien und jene Israelis, die es sich leisten können bzw. Kredite aufnehmen, fahren in den Urlaub ins Ausland. Wer es billig will, fliegt nach Griechenland oder Bulgarien. Paradoxerweise ist der Urlaub in Israel selbst wesentlich teurer als eine Reise ans Schwarze Meer oder nach Prag.

Sommerloch

B“H
700,000 israelische Schüler haben heute ihren letzten Schultag und dann beginnen die ewig langen Sommerferien. Gelernt wird erst wieder am dem 1. September. Wobei man erwähnen sollte, dass noch längst nicht alle Schüler ihre Sommerferien beginnen bzw. am 1. September ihr neues Schuljahr beginnen. Insbesondere jene Schüler religiöser Einrichtungen lernen immer noch und deren Sommerferien sind um einiges kürzer.
Die Sommerhitze hat uns alle voll im Griff. Täglich über 30 Grad Celsius in Jerusalem. An Wegfahren ist bei mir nicht zu denken, denn ich habe zuviel Arbeit. Nach wie vor hoffe ich, dass ich aus dem Zweitjob gefeuert werde, doch da tut sich nichts in der Richtung. Normalerweise werden die Angestellten vor dem Ablauf der ersten sechs Monate geschmissen, da sie bis dato keinerlei Rechte haben. Um dem Arbeitsrecht zu entgehen, werden deswegen immer neue Leute angekarrt und somit ständig das Personal ausgetauscht.
Gestern erhielt ich eine email vom Big Boss und ich dachte schon, dass ich den Job endlich los wäre. Aber nichts da! Ganz im Gegenteil, denn er beförderte mich in die sogenannte Basic Abteilung und in der nächsten Woche wartet extra Training auf mich.
Da will ich gefeuert werden und dann das. Aber egal, denn ich bin ja erst drei Monate dort. Spätestens nach dem fünften Monat fliegen alle raus. Schlimmstenfalls muss ich jetzt noch zwei weitere Monate absitzen. Finanziell lohnen tut sich das nicht und aus diesem Grund reicht mir mein Hauptjob. Doch jetzt hocke ich im Nebenjob fest und wenn ich von mir aus vor Ablauf der ersten sechs Monate kündige, muss ich 500 Schekel (ca. 120 Euro) Strafe zahlen. Dazu bin ich aber zu geizig.
Ergo werde ich vermutlich noch die kommenden zwei Monate voll im Arbeitsstress sein. Um mich zu trösten, schaue ich auf die positiven Seiten. Das Gehalt gehört nicht dazu, doch ich muss sagen, dass wir alle eine ganze Menge durch den Job gelernt haben. Mit Menschen zu reden und Rhetorik. Vor allem Kommunikation. Wer weiß, wo einem das später noch einmal weiterhilft. 🙂
Gestern war ich nach längerer Zeit einmal wieder in der einstigen IN Straße Emek Refa’im in der German Colony / Katamon. Ein paar neue Restaurants haben neu aufgemacht genauso wie ein Second Hand Buchladen. Ausgesprochen viele Leute waren nicht unterwegs. Die fand man mehrere Hundert Meter weiter am Kulturzentrum Alter Bahnhof, denn dort läuft momentan die Hebrew Book Week. Eine Menge israelische Verlage stellen ihre Bücher aus und was wird da am meisten verkauft? Kinder – und Jugendbücher. Die alljährliche Book Week gilt stets als Familien – Event. Selbst habe ich nichts gekauft, denn ich habe daheim mehr als Hundert Bücher auf den Regalen stehen, die immer noch darauf warten, gelesen zu werden.
In den kommenden Tagen wird der Ben Gurion Airport bis Ende August riesige Anstürme erleben, denn in Israel ist Ferienzeit. Viele fliegen ins Ausland. Griechenland, Bulgarien, Prag, London, New York, Italien oder Spanien stehen immer hoch im Kurs.
Dann mal Happy Summertime!!! 🙂

Israel: „Ab 2017 kosten Plastiktüten Geld“

B“H
Wer kennt das nicht? Da kommt man an die Supermarktkasse und grabscht soviele Plastiktüten wie möglich. Reguläre Mülleimertüten sind teuer und deswegen lieben Israelis es, an den Kassen zuzuschlagen, denn dort liegen Einkaufstüten umsonst aus.
Ich nehme mich von dem Treiben gar nicht aus, obwohl es mich insgeheim stört, all das Plastik zu verwenden und nach einem Tag in die Tonne zu werfen. Umweltverschmutzung pur.
Ab Januar 2017 werden an den Kassen 10 Agoroth (ca. 3 Cent) pro Tüte abkassiert.
http://www.globes.co.il/en/article-plastic-bags-to-cost-nis-010-from-january-2017-1001113461
Auf diese Weise will die Regierung uns Verbraucher dazu zwingen, zukünftig auf Plastiktüten zu verzichten und lieber Stofftaschen kaufen. Wie das im Bereich von Obst und Gemüse aussehen wird, kann ich nicht sagen. Bisher liegen auch in der Abteilung alle Tüten umsonst aus und jeder stopft halt hinein.
Ob das neue Tütengesetz große Erfolge erzielen wird, ist anzuzweifeln. Viele Israelis meinten bereits, dass 10 Agoroth billig sei und da nehme man halt Tüten und zahle eine kleine Summe. 10 Agoroth sind insgesamt zu niedrig angesetzt und man hätte schon 1 Schekel (ca. 30 Agoroth) pro Tüte veranschlagen sollen.