Leben in Jerusalem

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Jerusalems Time Elevator (Zeitfahrstuhl)

B“H
Jerusalem stöhnt bis auf Weiteres unter einer Hitzeglocke. 34 Grad Celsius heute und jeden Tag dusche ich mindestens zweimal. Verschwitzt und verklebt ist man draußen nach wenigen Minuten und wer kann, geht in einen Laden oder ein Gebäude mit Klimaanlage. Bekannte wollen sich eine neue Klimaanlage (auf Hebräisch MASGAN) einbauen lassen, stellten aber fest, dass die Firmen für mindestens drei Wochen im Voraus ausgebucht sind.
Ob viele Touristen in der Stadt sind, kann ich nicht sagen. Meistens bin ich auf der Arbeit und die liegt im Süden der Stadt. In einem Industriegebiet und dorthin verirren sich keine Touristen. In der nächsten Woche habe ich endlich einmal zwei Tage frei. Ansonsten fast immer nur eine Sechs – Tage – Woche.
Freunde von mir wollen mit ihren Kindern dieser Tage Ausflüge unternehmen. Sie erzählten etwas vom Coca Cola Werk in Bnei Brak, dem Blindenmuseum sowie dem Time Elevator in Jerusalem. Ehrlich gesagt musste ich den Time Elevator erstmal googeln, denn ich hatte noch nie davon gehört.
Wer sich dafür interessiert, kann hier schauen:
http://www.time-elevator.co.il/en/#h

 

 

 

Jetzt in der Ferienzeit im August scheint alles ausgebucht zu sein und es soll kaum mehr Tickets geben. Mit 65 Schekel (ca. 20 Euro) finde ich ein Ticket für eine Multimedia Show recht teuer. Okay, als Bewohner der Stadt zahlt man nur 46 Schekel, aber trotzdem …
Vielleicht kann ja jemand, der schon mal dort war, berichten, ob sich der Eintritt lohnt!

Zum Leben mit der Hitzewelle

B“H
Die bis einschließlich Morgen andauernde Hitzewelle macht uns total zu schaffen. Seit Tagen herrschen in Jerusalem 36 Grad Celsius, was bedeutet, dass man sich morgens aus dem Bett schleppt und irgendwie zur Arbeit kommt. Die Klimaanlagen in Bussen und Gebäuden laufen auf Hochtouren, doch sobald man vor die Türe tritt, haut einen die Hitze glatt um.
Daheim habe ich nur zwei Ventilatoren und die Bude hat sich total aufheizt. Wenn ich von der Arbeit komme, geht es sofort unter die Dusche und danach ab auf den schattigen Balkon. Ich war in der letzten Zeit abends so platt, dass ich gar nicht mehr zum Schreiben kam. Und dabei hätte ich viel zu sagen: Zum Theater um die Klagemauer oder zur deutschen Ehe für alle. Letztere wird nicht nur in Deutschland heiß diskutiert, sondern auch in Israel fordern die Linken besagte Ehe für alle. Der nächste Schritt wird sein, dass Leute ihren Hund ehelichen wollen und das Pädophile ihre Rechte einfordern.
Jetzt im Sommer kochen auch unsere Medien immer wieder irgendwelche Themen neu auf, doch Fakt ist, dass die Schüler Sommerferien haben und Tausende Israelis ins Ausland in den Urlaub fliegen. Nach Europa oder in die USA. Berlin steht, nach wie vor, hoch im Kurs. Leute, mit denen ich sprach, waren schon einmal dort oder würden gerne mal hinfahren. Zum Anschauen und Shoppen, aber nicht zum dableiben. Man höre nichts Gutes aus Deutschland. Antisemitismus und all die muslimischen Migranten. Da überlegt so mancher israelischer Tourist zweimal, ob er in Deutschland urlaubt oder lieber doch nicht.
Außder den Schülern jüdisch – religiöser Schulen laufen die Sommerferien bis zum 31. August und am 1. September beginnt das neue Schuljahr. In Israel sind die Sommerferien extrem lang und die Eltern nicht gerade begeistert. Wer weiß schon, was die Kinder allein daheim so treiben und wo sie im Internet surfen?
Sommerferien kosten Eltern immer wahnsinnig viel Geld, denn die Kleinen wollen ausgehen und Freunde treffen. Nicht alle reisen ins Ausland. Wer es sich leisten kann, der schickt sein Kind in ein „Keitanah“ (Summer Camp). Dort laufen Ferienprogramme und Action. Täglich von morgens bis nachmittags. Die Keitanot aber sind teuer und wer es billig oder gar umsonst will, der ist auf religiöse Einrichtungen angewiesen.
Wichtig ist erst einmal, dass die Hitzewelle morgen Abend endet und wir zu normalen Sommertemperaturen zurückkehren. 🙂
http://www.02ws.co.il/station.php?lang=0

Sylvester 2016 in Israel

B“H
Wer in Israel Sylvester feiern will, begibt sich nach Tel Aviv. Im Judentum existieren weder Sylvester noch das weltliche Neujahr. Auf offiziellen israelischen Briefköpfen sind stets zwei Daten abgedruckt: Das weltliche sowie das Datum gemäss dem jüdischen Kalender.
Diese Woche ist geprägt von extrem kaltem Wetter. Bis mindestens Sonntag bleibt es eiskalt, stürmisch und regnerisch. Am Schabbat sinken die Temperaturen auf 3 Grad Celsius und auch heute steigt das Thermometer noch nicht einmal auf 10 Grad an.
Wer Sylvester feiern will, muss dies also im Haus tun und nicht draußen. Insbesondere in Tel Aviv gibt es Parties und normalerweise ein Feuerwerk am Strand. Ob die schlechten Wetterbedingungen das diesmal zulassen, kann vermutlich noch niemand sagen. Auf alle Fälle muss man sich sehr warm anziehen.

Terror und Feiertage in Jerusalem

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T – Shirt  /   Photo: Miriam Woelke
B“H
Hier könnt Ihr die neuesten Details zum heute Morgen stattfindenden Terroranschlag in Jerusalem erfahren:
http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/218777
Dass der arabische Terror ausgerechnet kurz vor Beginn des höchsten jüdischen Feiertag Yom Kippur erneut umhergeht, überrascht nicht. Vor fast jedem jüdischen Feiertag rasten die Palästinenser aus, doch sobald sie einen muslimischen Feiertag haben, soll Ruhe herrschen und dann habe man Moslems gefälligst zu respektieren.
Am Yom Kippur wird ebenso wieder der gefallenen Soldaten des Yom – Kippur – Krieges (im Jahre 1973) gedacht.
Was soll ich sagen? Ich muss dieser Tage viel arbeiten und hocke, nach wie vor, auch in meinem Zweitjob fest. Immerhin habe ich diesen Dienstag frei. Am Dienstagabend beginnt ja der Yom Kippur, doch viele Leute müssen halt noch bis mittags arbeiten. Insbesondere im Verkauf. Sicherheitskräfte sind sowieso immer im Einsatz und gerade wieder am Yom Kippur.
Stellt Euch darauf ein, dass am Dienstag in Israel ab circa 14.00 Uhr keine Busse mehr fahren und ALLE Geschäfte (außer arabische) schließen! ALLE Geschäfte – und damit sind auch die sonst immer offenen 24 – Hour – Shops wie AM:PM, Super Yuda / Baba und wie sie alle heißen, gemeint. Nichts geht mehr am Yom Kippur. Erst am Mittwoch kurz vor 19.00 Uhr geht der Yom Kippur zuende und dann wird erst einmal gegessen.
Es isr Oktober und die Sonne brennt immer noch vom Himmel. Zwar wird es gegen Abend kühler, doch tagsüber bleiben die Temperaturen bei um die 28 Grad Celsius. Am Donnerstag beginnt sogar noch einmal eine Hitzewelle mit 30 Grad Celsius und darüber. Regen habe ich seit der ersten Aprilwoche nicht mehr gesehen und ich freue mich schon drauf. Nach dem ersten Regenschauer werden wir endlich wieder saubere Luft und keinen herumfliegenden Dauerstaub mehr haben, der da die Wohnung kurz nach dem Saubermachen wieder verdreckt. Mit dem Regen wird es aber anscheinend noch etwas dauern. 🙂
Heute in einer Woche beginnt schon wieder ein weiterer jüdischer Feiertag: Sukkot, das Laubhüttenfest. Bis zum 24. Oktober (in der Diaspora bis zum 25, Oktober) wird Sukkot gefeiert und das war’s dann erstmal wieder mit den Feiertagen. 🙂

Aus der israelischen Arbeitswelt

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Photo: Miriam Woelke

B“H
Anfang Oktober kann ich endlich meinen Zweitjob kündigen, wobei ich nach der schriftlichen Kündigung noch eine Frist von zwei Wochen einhalten muss. Mitte Oktober werde ich dann hoffentlich meinen ungeliebten Zweitjob los sein und selbst das ist gar nicht einmal so einfach. Wer nicht mindestens sechs Monate bleibt, zahlt eine Strafe von 500 Schekel. Mittlerweile müssen die Neueingestellten eine Strafe von 1000 Schekel hinblättern.
Da sich bei mir fünf Urlaubstage angesammelt haben und ich drei davon Ende des Monats nehmen will, ergibt sich aktuell eine neue Komplikation. Es reicht nämlich nicht aus, die drei Urlaubstage bei der Personalabteilung einzureichen. Nein, man muss auch noch seinen Abteilungsleiter bzw. eine weitere Organisatorin um Erlaubnis fragen. Insgesamt drei Leute also.
Die Jerusalem Post mag sich gut im Lebenslauf machen, aber alles andere drumerum ist Abzocke. Die Firma hält sich gerade so an die bestehenden Gesetz. Gerade so, wobei hart an der Illegalität geschrammt wird. Aber gerade noch einige Millimeter im legalen Bereich.
Außer Arbeit habe ich in letzter Zeit gar nicht allzu viel mitbekommen. Abends komme ich ein paar Mal pro Woche sehr spät heim und falle dann ins Bett. Anfang Oktober steht das jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana an. Diesmal fallen das jüdische sowohl als auch das muslimische Neujahr zusammen und irgendein Minister gab bekannt, dass es Anfang Oktober zu einem Hühnchenmangel kommt. Es gibt nicht genug Hühner in der Bratröhre. Israelis und Palästinenser lieben Huhn und offenbar war man von offizieller Seite aus wieder einmal unfähig, das Hühnchenproblem im Voraus zu bewältigen. Oder Huhn wird einfach nur wieder teurer. Wie alles andere auch vor Rosh Hashana. Lebensmittel sind nun einmal teuer und daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern.

Die israelische Innovations – Power

B“H
Was unterscheidet israelische Startups von ihren deutschen Counterparts? Und was unterscheidet Israelis überhaupt von vielen Deutschen?
Wobei ich mit dieser Fragestellung nicht verallgemeinern will. Klar, trifft das nicht auf jeden zu. Nicht auf jeden, aber auf sehr viele Leute schon.
Es ist nicht leicht, in Israel zu leben. Nicht nur aufgrund der Terror – und Kriegsgefahr. Daran haben wir uns irgendwie alle gewöhnt. Was Israelis dagegen viel mehr beschäftigt ist der Alltag. Arbeiten, Rechnungen zahlen und halt irgendwie über die Runden kommen. Hiesige Gehälter sind alles andere als üppig und wer nicht gerade für eine Regierungseinrichtung arbeitet, muss sich dazu noch ernsthafte Gedanken um die Rente machen. Ein privater Rentenplan reicht nicht aus und wer bei den monatlichen Einzahlungen abkassiert, ist die jeweilige Versicherung und nicht der Versicherte.
Lebensmittelpreise sind unverschämt und sogar der Klopapierkauf wird zum Luxus. Bei dem Klopapierpreis! 🙂 Von Mieten und anderen Kosten erst gar nicht zu reden. Kurz gesagt, als Israeli rennt man unermüdlich, denn man will ja irgendwie leben.
Die Arbeitsbedingungen sind auch nicht immer ideal und ich überlege mir momentan, nicht doch noch in die Histadrut – Gewerkschaft einzutreten. Obwohl die Histadrut auch bei Nichtmitgliedern mit Rat und Tat zur Seite steht. Miese Arbeitsbedingungen, mieses Gehalt und oftmals das ewige Gemäkel der Vorgesetzten, doch noch mehr Arbeitsstunden anzuhängen. Wie momentan in meinem ungeliebten Zweitjob. Seit dieser Woche arbeite ich dort weniger, denn ich habe meine Arbeitsstunden auf ein Minimum reduziert. Was folgt sind emails, ob ich denn nicht doch noch mehr arbeiten könne.
Nee, kann ich nicht!
Aus all dieser Misere heraus gründen zahlreiche Israelis ihr eigenes Business. Wobei ich jetzt nicht den typischen Falafelstand meine. Derjenige, der sich in gewissen Lebensumständen wiederfindet, wird erfinderisch. Das bringt die Situation so mit sich.
In Deutschland geht alles seinen Gang und das Denken ist immer noch ein anderes. Man denkt viel nach und zögert. Ob das denn gehe und was wenn nicht und überhaupt.
In Israel sowohl als auch in den USA werden Ideen weiterverfolgt und man schaut halt mal, was sich so ergibt. Ohne große Scheu wird herumgetüftelt. Und das nicht nur im Startup – Bereich. Man will etwas Neues schaffen und seine Idee, sei sie auch noch so daneben, verwirklichen.
Ich denke, dass es gerade dieser Wille ist, der Israelis von Deutschen unterscheidet. Risikofreundlicher und mit allerlei Ideen fängt man einfach an und probiert aus. Mag sein, dass es an der deutschen Mentalität a la „Das wird doch eh nichts. Lass das mal lieber!“ liegt und eine Menge Leute davon abhält, etwas durchzusetzen. Wenn ich mir allein anschaue, wie viele deutsche Youtube Scammer ihre Kurse „Wie blogge ich richtig“ oder „Wie werde ich Youtuber“ verkaufen, wundere ich mich nur noch. Es scheint als ob niemand mehr allein etwas auf die Beine stellen kann, sondern für jeden Sch…. erst einmal einen Kurs kaufen muss. Wenn ich für alle Lebenslagen zuerst einen Kurs kaufen muss, ist das sehr traurig. Anstatt loszulegen, selbst wenn der Erfolg ausbleibt, werden Videokurse geglotzt.
Hier ein Beispiel interessanter Startups, die sich die Arbeitsplatzmisere zu Nutzen machen:
http://www.globes.co.il/en/article-five-israeli-startups-that-enhance-job-seeking-1001091873

Jerusalem im Juli

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Photo: Miriam Woelke
Jerusalem: Blick auf die palästinensischen Stadtteile Jabal al Mukaber und Silwan bis hinauf zum Ölberg

 

B“H
Nach wie vor sind meine Wochentage fast nur von Arbeit geprägt. Immer noch in zwei Jobs und ich hoffe weiterhin, endlich von meinem unnützen Zweitjob entlassen zu werden. Finanziell zahlt sich dieser nämlich absolut nicht aus und jeden Monat werden unsere Gehälter auch noch falsch abgerechnet. Und das selbstverständlich stets zugunsten des Arbeitgebers. 🙂 Demzufolge muss ich da noch dem Geld hinterherlaufen. Aber nicht nur ich, sondern fast die gesamte Belegschaft.
Zum Weggehen oder so bleibt kaum mehr Zeit. Am Schabbat bin ich froh, daheim zu sein. Unterdessen genießen alle den Sommer mit Temperaturen um die 30 Grad Celsius täglich. Die Schulkinder haben Ferien und jene Israelis, die es sich leisten können bzw. Kredite aufnehmen, fahren in den Urlaub ins Ausland. Wer es billig will, fliegt nach Griechenland oder Bulgarien. Paradoxerweise ist der Urlaub in Israel selbst wesentlich teurer als eine Reise ans Schwarze Meer oder nach Prag.