Leben in Jerusalem

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Mein Hausarzt ist Araber, mein Onkologe ist Haredi (ultra – orthodoxer Jude)

B“H
In Deutschland klingt das vermutlich wie ein absoluter Widerspruch, aber der Alltag in Israel ist nun einmal voller Widersprüche und nichts ist immer so logisch, um deutschen Ansprüchen zu genügen.
Mein Hausarzt ist Araber und er arbeitet bei meiner Krankenkasse. Wir kommen super miteinander aus und fast alle seine Patienten sind Juden. Genauso wie viele weitere Ärzte im Land Araber sind. Wer einmal in ein israelisches Krankenhaus schaut, der sieht arabische und jüdische Ärzte, die gemeinsam jüdische und arabische Patienten behandeln.
Mein Onkologe im Krankenhaus ist Haredi. Sprich ein ultra – orthodoxer Jude. Auch er behandelt Juden und Araber zugleich. Daran ist nichts Ungewöhnliches und, wie gesagt, Israel ist nun einmal voller Widersprüche. Zumindest für Ausländer, doch hierzulande ist das alles ganz normal.

Leserfrage: „Sind israelische Juden Deutschen gegenüber aufgeschlossener als amerikanische Juden?“

Viele Israelis sind Deutschen gegenüber aufgeschlossen, aber man muss dazusagen, dass es bis heute genauso viele Israelis gibt, die sich Deutschen gegen über distanziert verhalten.

Youtube Live Stream morgen Abend – Thema: Israel, Leben in Israel, Aliyah, etc.

B“H

Hoffentlich funktioniert das Setup, denn ich habe noch nie einen Live Stream gemacht. 🙂 Professionelles Equipment habe ich keines, aber schauen wir einfach mal, wie es läuft.

Am morgigen Montagabend will ich das in deutscher Sprache tun und am Mittwoch vermutlich auf Englisch. Zu sehen auf meinem Youtube Kanal

https://www.youtube.com/user/Hamantaschen/videos

Beginn 20.00 Uhr israelischer Zeit, was, glaube ich, 19.00 Uhr deutscher Zeit entspricht.

Wenn Ihr lust habt, könnt Ihr Fragen zu Israel stellen. Oder auch zu den derzeitigen jüdischen Pessach – Feiertagen oder halt allgemein zum Judentum oder was auch immer.

In Jerusalem sowie in ganz Israel war heute Winter. Acht Grad Celsius Tagestemperatur, Sturm, Regen, ab und zu Sonne und dann wieder Hagelschauer. In Deutschland habt Ihr aktuell besseres Wetter als wir in Israel, was sich allerdings schon am Dienstag ändern soll. Und ab Mittwoch winken in Jerusalem 26 Grad Celsius.
Trotz der Pessach – Feiertage muss ich heute und morgen arbeiten. Wenn auch nur halbtags. Dienstag und Mittwoch arbeite ich ein paar Stunden in meinem Social Media Job und am Dienstag früh will ich mich einmal gen Altstadt bewegen. An die Klagemauer und halt Pessach im überlaufenen jüdischen Viertel geniessen.
Donnerstagabend ist bereits wieder ein offizieller Feiertag und Freitag bleibt alles zu und die Busse fahren nicht. Von Donnerstagnachmittag (circa. 17.00 Uhr) bis Samstagabend (circa 20.30 Uhr) fahren keine Busse. Zuerst feiern wir den letzten Tag von Pessach und am Freitagabend, wenn Pessach in Israel endet, beginnt der Schabbat.
Diese Woche Donnerstag ist, wie sonst der Freitag, nur ein halber Tag, da abends der letzte Tag von Pessach beginnt. Und der siebte Pessach – Tag ist in Israel ein offizieller Feiertag.

Leserfrage: „Einreise nach Israel ohne Rückflug“

B“H
Ich weiß nicht, was ich dazu groß sagen soll. Wer nicht gerade Jude ist und Aliyah macht, dem würde ich garantiert nicht raten, einfach so aufs Geratewohl ohne Rückflugticket nach Israel zu kommen. Wobei Ihr sicher vom Sicherheitspersonal gefragt werdet, wieso Ihr ohne Rückflug in Israel einreisen wollt.
Man kann hierzulande nicht eben mal so einfach leben. Es gibt Gesetze und nicht jeder Tourist kann sich frei entscheiden hierzubleben. Israel ist nicht die EU, wo sich jeder Europäer frei niederlassen und arbeiten kann.
Ich würde nie in ein fremdes Land ohne Rückflugticket einreisen.
Von was wollt Ihr denn hier leben und wie? In einem Hostel und sich von Visum zu Visum quälen oder gleich ganz auf illegal machen? Davon rate ich jedem ab, denn das bringt eine Menge Ärger und endet in der Abschiebung.
Für Israelis ist das Land kein Zuckerschlecken und jüdische Neueinwanderer haben es auch nicht immer leicht. Was also will sich dann ein Tourist niederlassen? Ohne Rechte, ohne rechtliche Grundlage und ohne Bleiberecht.
Bleibt in Deutschland, wo Ihr sozial abgesichert seid! 

Hilfe bei der Deutschen Botschaft in Tel Aviv

Bei spezifischen Fragen kann sich jeder an die Deutsche Botschaft in Tel Aviv wenden:

https://tel-aviv.diplo.de/il-de/service

Beantwortung von allerlei Leserfragen

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Mein Stadtteil Abu Tur in Jerusalem – Copyright: Miriam Woelke
B“H
Wann wird in Israel gewählt?
Am Dienstag, dem 9. April 2019.
Knesset – Wahlen finden immer an einem Dienstag statt und dieser Tag ist für alle israelischen Staatsbürger ein freier Tag. Keine Arbeit, ausschlafen und wer doch arbeitet (z.B. Gastronomie), bekommt deftige Feiertagszuschläge, die einem dann hinterher das Finanzamt wieder wegnimmt. 🙂 

 

Müll in Jerusalem?
Hm, was soll ich da antworten?
Die Müllabfuhr kommt jeden Tag außer am Schabbat. Es gibt extra Tonnen für Altpapier und Plastik. Ich hörte, dass bei uns in der Stadt langsam Glascontainer eingeführt werden sollen. 

 

Wo ist die Mishkenot Shaanim Street? 
Nahe der Cinematheque, des Bell Park und des Jaffatores. Dort, wo die Windmühle gegenüber der Altstadtmauer ist. 

 

Müssen sich Frauen in Palästina bedecken?
Ist mit der Frage die palästinensische Autonomie gemeint?
Ich glaube nicht, dass man sich, wie im Iran, bedecken muss. Auch Kopftuch / Hijab etc. ist kein Muss. Es gibt total viele palästinensische Mädels / Frauen, die modern sind. Sprich, Jeans, kurze Shirts, etc. tragen. Dann gibt es Frauen, die haben eine Hijab auf. Von müssen kann jedoch keine Rede sein. 

 

Deutsche Ärzte in Jerusalem?
Ihr solltet Euch daran gewöhnen, dass sich in Israel alles auf Hebräisch, Arabisch, Englisch, Russisch, Spanisch oder Französisch abspielt. Heißt, dass sich immer Leute finden, die notfalls in diesen Sprachen aushelfen können. Deutsch ist in Israel nicht verbreitet und um als Arzt praktizieren zu dürfen, muss jemand israelischer Staatsbürger sein.
Vielleicht findet sich in Ostjerusalem oder Ramallah ein Arzt, der Deutsch spricht, denn einige Palästinenser haben in Deutschland Medizin studiert. 

 

Staatsbürgerschaft Israel?
Für Juden aus aller Welt, die offiziell nach Israel einwandern. 

 

Wie viele orthodoxe Juden gibt es?
Eine ganze Menge und man sieht nicht jedem an, dass er orthodox lebt. Mir sieht man es auch nicht an. Orthodox bedeutet nicht gleich Schläfenlocken, schwarzer Kaftan, langer Rock und zurückgeblieben fundamentalistisch. 

 

Wovon leben orthodoxe Juden?
Also ich gehe arbeiten und andere Leute tun das auch. Ich habe sogar gleich nach meiner Krankenhausentlassung (nach einer OP) fast sofort wieder gearbeitet. Zwar erst einmal von daheim aus, aber soziale Absicherungen gibt es in Israel keine wie in Deutschland. Sogar im Falle einer einfachen Chemotherapie müsste ich weiterarbeiten.
In Israel geht man arbeiten, denn das Leben ist teuer und, wie gesagt, mit Sozialhilfe und so, ist es nicht so weit her. Davon kann keiner leben und wir sind nicht so toll abgesichert wie Ihr in Deutschland, der Schweiz oder Österreich. 

 

Wahlumfragen?
Nach Umfragen kann man sich nicht richten. Mal soll der gewinnen und dann wieder der. Bibi Netanyahu wird in Jerusalem sehr viele Stimmen bekommen. Von mir vermutlich auch. Und das nicht, weil sein Bruder mein Nachbar ist. 🙂 

 

Sozialsystem Israel?
Es ist garantiert nicht so bequem wie in Deutschland und wir müssen viel aus dem eigenen Portemonnaie dazubuttern. Auch bei Medikamenten, Zahnarzt oder Brillen.
Das Sozialsystem gilt für israelische Staatsbürger und nicht für Ausländer. Abzocken geht nicht, denn es gibt eh nicht viel und falls ja, wird beim Antragsteller daheim die Bude auseinandergenommen. Selbst bei chronisch Kranken oder Rollstuhlfahrern. Da sind die Behörden nicht besonders freundlich drauf. 

 

Ist Jerusalem sicher?
Eindeutig ja. Hier könnt Ihr auch des Nachts rumlaufen, aber meidet arabische Gebiete und die Parks nahe der Altstadt. Ansonsten könnt Ihr zu jeder Tageszeit unbehelligt herumlaufen. Egal, ob Männlein oder Weiblein.

Jude = Israeli?

B“H
Ich will nicht sagen, dass es in anderen Ländern anders ist. Trotzdem kommt gerade in Deutschland immer wieder die Meinung auf, dass ein Jude automatisch dem Staat Israel angehöre. „Solle sich doch Israel um russische Kontigent – Flüchtlinge aus Deutschland kümmern. Genauso wie um die in Deutschland lebenden Juden.“
Israel kümmert sich um israelische Staatsbürger (Juden, Christen oder Moslems mit der israelischen Staatsangehörigkeit) und nicht um Touristen oder im Ausland lebende Juden, die da keinen israelischen Pass besitzen.
Wenn ein ausländischer Jude sich entscheidet, nicht nach Israel auszuwandern und die israelische Staatsbürgerschaft anzunehmen, dann ist das seine Privatsache. Deutsche Juden ohne eine andere Staatsangehörigkeit sind Deutsche und keine Israelis. Mit Israel haben sie in dem Sinne nichts zu tun.
Zu den russischen Kontigent – Flüchtlingen muss gesagt werden, dass viele von denen gar keine halachischen Juden sind. In Israel würde das Oberrabbinat mehr als die Hälfte nicht als Juden anerkennen.
Genauso wie heutzutage Tausende Moslems, sprangen in den 90iger Jahren eine Menge Russen auf den Ausreisezug nach Deutschland, in die USA oder nach Israel auf. Man behauptete, Jude zu sein und kaufte sogar dementsprechende Papiere. Schnell stellte sich in Israel heraus, dass die Jewish Agency Tausende Russen einwandern liess, die keine Juden sind. Mehr als 70% der russischen Kontingent – Flüchtlinge, die nach Israel kamen, sind keine Juden. In Deutschland ist das nichts anders und diverse deutsch – jüdische Gemeinden wissen das sehr wohl. Kann sein, dass ich jetzt niedergemacht werde, aber die Realität lässt sich nicht verleugnen. In Israel kurven eine Menge Russen herum, die keine Juden sind.
Bei den Russen stand Deutschland an erster Einwanderungsstelle, denn es gibt dort die besten Sozialleistungen. In Israel gibt es einmalige Zahlungen und das war es. Hierzulande muss hart gearbeitet werden und Renten sowie Sozialhilfe halten sich in sehr engen Grenzen. Gerade jetzt im Winter, so aktuell die hiesige Presse, müssen sich zahlreicheRentner einschränken. Die Heizkosten sind enorm und da denkt so mancher nach, ob er heizt oder lieber Lebensmittel einkauft. Beides geht von den staatlichen Renten gar nicht mehr.
Wer nicht privat vorsorgt und spart, hat im Alter das Nachsehen. Dagegen fallen selbst kleine Renten in Deutschland noch großzügig aus. Israel hat es nämlich nicht so mit den Sozialleistungen und jeder muss halt sehen, wie er über die Runden kommt.
Und auch hier gehen sehr viele russische Rentner Flaschen sammeln oder in die Suppenküche. Viele der älteren russischen Generation haben nie richtig Hebräisch gelernt und bleiben daher unter sich. Es gibt russische Zeitungen und russisches TV. Muss jemand aufs Amt, nimmt er jemanden mit, der übersetzt oder die Angestellten im Amt suchen jemanden, der Russisch spricht. Hierzulande verlaufen die Sprachangelegenheiten toleranter als in Deutschland und immer findet sich jemand, der irgendeine Sprache kann und übersetzt. Bei den älteren Franzosen ist das genauso, aber der Unterschied ist, dass viele von denen mit Geld einwandern und nicht zum Sozialamt rennen.
Israel ist ein kleines Land mit begrenzten Möglichkeiten. Ein Land, in dem die Lebenshaltungskosten extrem hoch, die Einkommen eher gering sind und wo die Einwohner hart arbeiten und sparen müssen, um über die Runden zu kommen.