Leben in Jerusalem

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Wer beleidigt einen Juden mit antisemitischen Floskeln auf Hebräisch?

B“H
Auf Welt Online finden wir heute einen Artikel, der mich einmal wieder fragen lässt, warum Juden eigentlich noch in Deutschland leben. Aber letzten Endes muss das jeder selber mit sich ausmachen.
Die Frage, die nach dem Lesen des Artikels aufkommt:
Wer beleidigt einen Juden in hebräischer Sprache?
Normalerweise wird das ein Palästinenser sein, denn die sind der hebräischen Sprache, manchmal mehr und manchmal weniger, mächtig. Immerhin arbeiten Tausende von ihnen in Israel oder sie studieren an israelischen Unis.
In Israel kommt es sogar vor, dass Juden andere Juden antisemitisch angehen. Nämlich dann, wenn es sich um extrem säkulare Juden handelt, welche ihre eigene jüdische Identität samt Religion hassen. Und genau diese Leute finden sich dann paradoxerweise im Auslandsurlaub antisemitisch angegangen und jammern. Entkommen kann man dem Antisemitismus als Jude dann auch nicht, denn für Antisemiten bleibt Jude Jude. Da spielt es keine Rolle, ob ein Jude seine eigene Religion ablehnt und sich doch so furchtbar anstrengt so zu sein, wie andere Völker auch.
Selbst unsere Medien haben manchmal antisemitische Ideologien drauf, wenn es um Ultra – orthodoxe Juden geht. Nein, nicht mit den üblichen nichtjüdisch – antisemitischen Klischees, sondern auf andere Art und Weise. 
Gestern las ich eine andere Überschrift und ich glaube, das war auch auf Welt Online. Jemand schrieb ein Buch mit dem Namen Stella und offenbar geht es darin um eine Jüdin, welche im Dritten Reich andere Juden an die Gestapo verriet. Und schon scheint es in Deutschland Aufruhr zu geben.
Dabei ist es eine historische Tatsache, dass im Dritten Reich auch Juden von anderen Juden verraten worden sind. Genauso wie es in KZs und Vernichtungslagern jüdische Kapos gab, die ihre eigenen Glaubensbrüder zusammenschlugen oder an die SS verraten haben.
Zum Thema „Jüdische Kapos vor israelischen Gerichten“ habe ich vor einigen Jahren bereits auf meinem alten Blog einen längeren Artikel verfasst:
http://lebeninjerusalem.blogspot.com/2010/01/judische-kapos-vor-israelischen.html
Rabbi Mordechai Machlis aus Jerusalem erzählt ab und zu eine wahre Begebenheit aus New York, die sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges dort ereignete.
Ein jüdischer Überlebender eines Vernichtungslagers hatte es nach einigen Jahren in New York zu einer eigenen Firma gebracht und stellte neue Leute ein. Plötzlich wurde ihm ein Bewerber vorgestellt, den er aus dem Lager kannte. Und zwar als brutaler Kapo, der ihn am Yom Kippur zusammengeschlagen hatte.
Der einstige Kapo und nun Arbeitssuchender erkannte den Firmenchef nicht wieder, wurde aber eingestellt, da ihm der einstige Häftling eine Chance geben wollte.
Ich hätte den Typen garantiert nicht eingestellt, doch offenbar sah der Firmenchef in dem einstigen Kapo und heute Arbeitssuchenden ein klägliches Häufchen Elend. Wer weiß …
Es kann sich nicht nur auf die Vergangenheit bezogen werden, denn im heutigen Staat Israel gibt es ebenfalls Repressalien gegen religiöse Juden. Anders als im Antisemitismus westlicher Länder, aber es gibt genügend Juden, die jeglichen orthodoxen Juden hassen wie die Pest. Insbesondere in der linken Szene oder in der Partei des Ya’ir Lapid.
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Alltag in Israel & Leserfragen „Israelische Staatsbürgerschaft“

B“H
Immer wieder erhalte ich Fragen von Lesern, wie man denn die israelische Staatsbürgerschaft beantragt. Bei derlei Fragen weiß ich sofort, dass diese von Leuten stammen, die gar keinen Anspruch auf die israelische Staatsbürgerschaft haben, denn Leute, die sehr wohl einen Anspruch haben, stellen keine solchen Fragen. 
Wer einen Anspruch auf die israelische Staatsbürgerschaft hat, der weiß genau, wohin er sich wenden muss. Und mit welchen Dokumenten. Außerdem bekommt jeder jüdische Neueinwanderer bei seiner Aliyah (offiziellen Einwanderung) die Staatsbürgerschaft. Beantragt muss da gar nichts werden. 
Man kommt nicht einfach nach Israel bzw. will eben mal so hierherziehen, um die Staatsbürgerschaft zu beantragen. Israel ist ein jüdischer Staat und Juden wandern nach Israel ein. Leider kommen immer wieder irgendwelche missionarischen Christen, die versuchen, sich einzuschleichen. Richtig in die Gesellschaft integriert sind sie letztendlich doch nicht. 
Wenn es mir in Deutschland nicht passt, wandere ich doch nicht gerade nach Israel aus, wo die Leute ein komplett anderes Leben führen und wo das Leben noch dazu wahnsinnig teuer ist. 
Und somit komme ich auch gleich zum Thema ALLTAG: 
Heute Morgen war ich bei meiner Krankenkasse zwecks dreier Kostenbewilligungen für weitere Krankenhaustermine. Als ich die Angestellten – Tussi so rumwurschteln sah, war mir klar, dass wieder etwas in die Hose geht. Und das ging es ganz gewaltig! 
Nur zwei der drei Genehmigungsanträge hat sie in den Computer eingetippt. Ein Antrag wurde bereits genehmigt, doch mit dem falschen Datum. Also muss ich nächste Woche nochmals hin. 
Nichts gegen meine Krankenkasse, aber manchmal ist alles eben ein Chaos. Wobei es immer auf die jeweilige Angestellte ankommt. 
Naja, man hat sich nach über 20 Jahren im Land schon dran gewöhnt und das Chaos hat den Vorteil, dass ich dann auch gleich um die Ecke auf dem Markt einkaufen kann. 🙂

Rona Ramon ist tot

B“H
Die Witwe des im Jahre 2003 verunglückten Astronauten Ilan Ramon ist gestorben und in Israel wird ganz groß berichtet. Rona Ramon starb im Alter von 54 Jahren an Krebs.
Erst verlor sie ihren Mann und ein paar Jahre später stürzte ihr Sohn Assaf mit einem Kampflugzeug der Armee ab. Assaf war, wie sein Vater, Kampfpilot.
https://www.jpost.com/Israel-News/Rona-Ramon-widow-of-Israeli-astronaut-Ilan-Ramon-passed-away-574567
Rona Ramon galt als tragische Figur, die da aber dem ganzen Land Mut machte und immer wieder aufstand. Vor circa drei Monaten noch hielt sie im Kino Center Yes Planet bei mir im Stadtteil einen Vortrag. 

 

 

In Israel ist nicht nur Sonnenschein

B“H
Die vergangenen zwei Tage war es richtig kalt und stürmisch. Dazu goss es aus allen Eimern und schnell war alles überflutet:  

 

 

 

Auf dem Hermon gab es den ersten Schnee. Obwohl heute wieder die Sonne scheint, bleibt es doch relativ kühl. 9 – 15 Grad Celsius in Jerusalem in dieser Woche.
Manche Touristen denken, dass in Israel permanent die Sonne scheint, doch auch hier gibt es einen Winter. Einen Winter, der so richtig nasskalt und unangenehm sein kann und wer dieser Tage anreisen will – warme Klamotten und feste Schuhe nicht vergessen!
Heute Abend wird die achte und letzte Chanukkah – Kerze angezündet und morgen Abend ist Chanukkah vorbei. Viele Leser fragen immer wieder nach Weihnachten in Israel. Dieses Fest wird im Judentum nicht gefeiert bzw. es spielt absolut keine Rolle. So mancher säkularer Jude stellt sich, leider muss ich sagen, einen Baum auf. Weil es eben schön aussieht und in gewissen Kreisen IN ist. Darüber hinaus wird der Tourist von Weihnachten wenig bemerken.
Am Tel Aviver Busbahnhof bauen philippinische Gastarbeiter sowie eingewanderte Russen Stände mit Weihnachtsutensilien auf. So mancher Ladeninhaber von Tel Aviv stellt einen Plastikbaum ins Fenster. Der Grund: Christliche Touristen sollen angelockt werden.
In Jerusalem findet der Tourist im christlichen Altstadtviertel Weihnachtliches. Oder halt beim christlichen YMCA gegenüber vom King David Hotel. Ansonsten gehen die Jerusalemer ihrem Alltag nach und Weihnachten ist kein Feiertag, sondern Alltag.
Nichtjüdische Russen feiern Weihnachten erst im Januar und die Griechisch – Orthodoxen, glaube ich, auch. Von daher verteilt sich das Weihnachtsgeschäft lokaler Hostel auf Ende Dezember bis Mitte Januar.
Wie gesagt, das Judentum kennt keinerlei Weihnachten und generell ist in Israel stinknormaler Alltag. Wer anreist, sollte daher nicht zu viel erwarten. Es sei denn, er fährt nach Bethlehem. Dort kann der Tourist allen möglichen Kommerz und Kitsch finden.

Was hat Israel Deutschland voraus?

B“H
Aktuell bringt das Nachrichtenmagazin Focus Online einen Bericht zum Thema „Israel habe Deutschland ohne Rohstoffe abgehängt“ und schon lautet es in den Leserkommentaren, dass es ja kein Wunder sei, denn Deutschland unterstütze das Heilige Land finanziell.
Der Hauptgrund bleibt im Artikel unerwähnt und wegen fehlender Infos will ich das auch hier nicht verlinken.
Was mir immer wieder auffällt und warum sich die israelische Jugend sehr vom deutschen Gegenpart unterscheidet:
In Israel herrscht Wissensdurst. Besonders bei jungen Leuten, doch ich will nicht verallgemeinern und es gehören selbstverständlich auch anderes Altersgruppen dazu. Dennoch, vor allem junge Leute wollen einmal Karriere machen bzw. beruflich weiterkommen. Hier wird nicht so gelabert wie:
„Ja, ich bin vegan und so und ich weiß nicht, was ich mal machen will. Ich schicke halt mal meine Bewerbungsmappe ab.“
Wer in Israel, aus welchen Gründen auch immer, nicht studiert, geht teilweise auf private Weiterbildungsinstitute. Besonders beliebt: IT und Wirtschaft.
Obwohl heutzutage Kinder und Jugendliche weniger lesen und lieber am Computer zocken, Bildung steht immer noch oben an. Und gute Bildung kostet, denn in Israel sind weder Schulen noch Unis umsonst.
Ich traf in der Vergangenheit auf viele Israelis, die sich in der Schule nie besonders angestrengt haben und das heute bitter bereuen. Jetzt pauken sie sich durch teure private Weiterbildungskurse, um noch ein BA oder PhD zu bekommen. Selbst bei der Armee wird massiv auf Weiterbildung und gute Ausbildung gesetzt. Beliebt: Der technische Bereich und IT.
Israelis wollen lernen und weiterkommen. Das ist der Unterschied zu den total fehlerhaften Youtube Kommentaren deutscher Jugendlicher. Dort Wird DER TYP VON NEBENAN bereits so geschrieben: DER TÜP VON NEBENAN. Akkusativ und Dativ scheinen nicht mehr existent. Stattdessen lautet jedes zweite Wort DIGGA.
Wer will sich denn sowas antun?
Am meisten lachen da die Asiaten, denn bildungsmäßig haben die Deutschland schon lange hinter sich gelassen.
In Israel scheut man sich nicht, neue Dinge auszuprobieren und daher all die Startups. Ein weiterer Grund für all die Gründer sind ganz klar auch die immer wiederkehrenden Entlassungen in der Hightech – Branche. Meiner Meinung nach denken Deutsche zu wenig „Out of the Box“. Was man immer hört: „Ja, ich weiß nicht, was ich machen soll. Und ja, geht das denn überhaupt?“
Anstatt anzufangen, lieber erst einmal einen Motivationskurs kaufen gehen oder irgendwelche Lifestyle – Gurus aufsuchen.
Gestern Abend brachte das israelische TV einen Bericht über einige hiesige Teenager, die daheim ihren eignen SLIME herstellen und verkaufen. 13Jährige, die den Markt erkannt haben und ihre eigenen SLIME – Kollektionen zusammenbasteln und online verkaufen. Der israelische Markt ist riesig und die Nachfrage ist da.
In Deutschland dagegen würde man erst einmal genderkonform denken und dann die ganze Umwelt (von wegen Gifte und so) in Betracht ziehen. Und am Ende kommt deswegen auch nichts zustande. Der Erfindergeist ist vor langer Zeit in der Political Correctness untergegangen.
Es fehlt einfach an Wissensdurst und die Neugierde auf Neues.

Interesse an Postern aus Israel?

B“H
Ein Jerusalemer Startup bietet im Internet alle möglichen Poster mit israelischen / jüdischen Motiven an. Diese Motive können ebenso auf Mouse Pads, Tassen, etc gedruckt werden.
Ehrlich gesagt, mache ich aktuell etwas Werbung für dieses Startup, da ich mich um deren Social Media Sites kümmere.
Ob jemand die Poster nun mag oder nicht, vielleicht könnt Ihr mich wissen lassen, warum genau Ihr die Poster nicht mögt bzw. toll findet. Und vielleicht auch was Ihr für Motive generell bevorzugt.
https://www.cafepress.com/poi7210

 

Leserfrage: „Woher weiß ein Neueinwanderer nach Israel, dass er Staatsbürger ist und nicht „nur“ ein permanent resident?“

B“H
Bei einem NEUEINWANDERER nach Israel geht man offiziell immer davon aus, dass dieser Jude ist und kein Nichtjude, der versucht, sich in Israel niederzulassen. Im letzteren Fall gilt der Nichtjude lediglich als Tourist und muss dementsprechend alle paar Monate sein Visum verlängern. Rechte hat er keine und darf auch nicht arbeiten, es sei denn, er besitzt eine spezielle Arbeitserlaubnis.
Sobald ein jüdischer Neueinwanderer nach der Ankunft in Israel zum Innenministerium (Misrad HaPnim) geht und einen TE’UDAT ZEHUT (Personalausweis) beantragt und auch erhält, ist er Staatsbürger. Hiermit meine ich den regulären blauen israelischen Personalausweis.
Eine „permanent resident“ Erlaubnis muss extra beantragt werden und kein offizieller Neueinwanderer, der mit der Jewish Agency einreist, würde diese jemals tun. Warum auch?
Ich glaube, dass es diverse Nichtjuden im Land gibt, die mit einem orangen Dokument unterwegs sind, welches darauf hinweist, dass diese Personen nur befristet im Land sein dürfen.
Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum sich ein Nichtjude gerade Israel aussucht. Okay, es gibt diverse seltsame fundamentalistische Christen, die immer wieder versuchen, sich einzuschmuggeln. Ansonsten aber: Warum Israel?
Das Land ist sauteuer, Löhne und Gehälter sind relativ niedrig, viele Firmen stellen keine Nichtjuden ein, weil die Erfahrung zeigt, dass es diesbezüglich immer wieder Probleme gab. Die Palästinenser haben ihre eigene muslimische Gesellschaft und Juden haben ihre säkulare und religiöse Gesellschaft.
Zugegeben, Nichtjuden haben es garantiert leichter in Tel Aviv. Wobei – auch nicht immer. Tel Aviv ist nicht so supertolerant wie oft behauptet wird. Als ich in der Stadt lebte, habe ich eine Menge Leute getroffen, die alles andere als tolerant waren und auf ihre jüdische Identität pochten. Und diese Leute waren säkular.
Klar ist Jerusalem anders und deswegen wird die Stadt oft gemieden. Wir gelten als verstaubt, zurückgeblieben und altmodisch. Ein Vorurteil, was nicht stimmt. Dennoch, Israel ist ein jüdisches Land und das hiesige Judentum sollte von Ausländern akzeptiert und nicht konstant angegriffen und niedergemacht werden. Wer meint, Juden sollen sich endlich mal ändern, der ist in Israel definitiv am falschen Ort.