Leben in Jerusalem

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Findet das Nachtleben am Jerusalemer Machane Yehudah Markt ein baldiges Ende?

B“H

 

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Photo: Miriam Woelke

 

Nicht nur tagsüber gehört der Jerusalemer Machane Yehudah Markt zu den Attraktionen der Stadt. Man muss ihn mal gesehen haben und der Jerusalemer selber betrachtet den Markt als ein absolutes Original. Ein Tourist dagegen hat vielleicht eher das Gefühl, ein Wirrwarr des Nahen Ostens zu sehen. Chaotisch, laut und nicht immer ganz so sauber wie man dies, z.B., aus Westeuropa gewohnt ist. Dafür ist auf dem Markt alles frisch, es gibt Falafel mit gutem Humus und keine Humus – Imitation wie in Europa.
Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich der Machane Yehudah stark verändert und das nicht immer zu seinem Vorteil. Als die Familie Mizrachi vor circa zehn Jahren das erste richtige Cafe eröffnete, gaben all die anderen Geschäftsinhaber dem neuen Unternehmen keine Chance. Die Leute kommen zum Markt, um Obst, Fleisch, Fisch oder Gemüse zu kaufen und nicht um sich hinzuhocken und Kaffee zu trinken. Die Mizrachis aber hatten Erfolg.
Dabei war es in dem Cafe recht gemütlich, nur das Publikum bestand aus Leuten, die nicht unbedingt in die Marktatmosphäre passten. Man gab sich intellektuell und war schon fortgeschritteneren Alters. Immerhin war es bei Mizrachi auch nicht ganz billig.

 

 

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Photo: Miriam Woelke

 

Ein paar Jahre später folgten weitere Cafes, Fish & Chips, Basta Pasta, Burger Bar (Hambuger) und viele andere. Hinzu kamen immer mehr Bars und spezielle Restaurants. Anfangs war das gar nicht schlecht, doch irgendwann fiel auf, dass die Obst – und Gemüseleute ins Abseits gerieten oder gar ganz aufgaben. Daran aber war nicht die neu eingezogene Gastronomie allein schuld, denn die Jerusalemer fuhren lieber zu den Discounter einkaufen. Der Schuk (Markt) war ganz einfach zu teuer geworden.
Mittlerweile ist der Machane Yehudah teuer und die Obst – und Gemüsestände werden langsam weniger. Stattdessen finden sich Snackbars oder Smartphone Anbieter. Sobald es dunkel wird, machen die neu eingerichteten Bars auf. Nicht alle Bars befinden sich in richtigen vier Wänden. Viele Leute stellen einfach nur illegal ein paar Bänke auf, rollen Alkohol an und machen auf Bar. Dazu Live – Music.
Seit ein paar Jahren wurde so der Machane Yehudah Markt zum absoluten Anlaufpunkt des Nightlife. Die Szene wechselt ständig und mal ist die Heleni HaMalka Street mit ihren Bars total IN, dann wieder die Koresh Street, dann der Alte Bahnhof und dann eben mal der Machane Yehudah Markt.

 

 

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Photo: Miriam Woelke

Zu Beginn war alles super, aber wie das so ist – wenn etwas einmal bekannt und populär geworden ist, ziehen auch die dunklen Gestalten ein. Mittlerweile ist das Nachtleben auf dem Machane Yehudah zu einer Farce für die umliegenden Bewohner geworden. Der chassidische Knessetabgeordnete Yaakov Litzmann fordert das Ende des Nachtlebens auf dem Machane Yehudah.
Die Leute hören nur LITZMANN und denken sofort, dass die Haredim (Ultra – Orthodoxen Juden) wieder an allem schuld sind und jede Attraktion ausschalten wollen und genau das stimmt nicht. Viele viele Bewohner des Stadtteiles Nachlaot wollen dem Nachttreiben ein Ende bereiten und man rede ständig mit der Stadtverwaltung und Bürgermeister Nir Barkat. Letzterer aber unternimmt nichts, denn er sieht das Nightlife auf dem Markt als Attraktion der Stadt und sowas muss aufrecht erhalten bleiben. Da spielt es dann auch keine Rolle, dass die meisten der Bars illegal sind und keinerlei Steuern oder sonstige Abgaben zahlen.
Barkat tritt noch in diesem Jahr als Bürgermeister ab, denn er will in die Knesset ziehen. Im Oktober wählt Jerusalem einen neuen Stadtrat und einen neuen Bürgermeister. Nir Barkat ist in Jerusalem gescheitert und die Stadt wird ihm keine Träne nachweinen.
Die Stadträte zeigen, im Gegensatz zu Barkat, Verständnis für die genervten Anwohner des Marktes. Man machte sich eines Nachts sogar selber auf, um das Treiben live zu begutachten und war geschockt. Das Nachtleben auf dem Markt ist außer Kontrolle geraten. Drogen werden offen verkauft und die Prostitution blüht. Die illegalen Bars haben keine Toiletten und so kackt die Kundschaft in die umliegenden Treppenhäuser der Wohnhäuser. Alles wird vollgekotzt und vollgekackt und Besoffene gröhlen die Nacht durch und liegen in den Hauseingängen. Niemand ist da, der kontrolliert und der Markt gleicht in der Nacht einem Tollhaus im so ruhigen Nachlaot. Die Bewohner haben die Schnauze gestrichen voll und die Drogen sollen endlich verschwinden.
Und so hofft man, dass ein neugewählter Bürgermeister endlich etwas unternimmt.
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Was kostet ein Stand auf dem Jerusalemer Machane Yehudah Markt?

B“H
Wer glaubt, dass nur Wohnungen teuer sind:
Ein kleiner Marktstand (um die 12 qm) kann im Jerusalemer Machane Yehudah Markt, wenn er denn an einer belebten Marktstraße liegt, bis zu 18,000 Schekel Miete pro Monat kosten. Das sind umgerechnet circa 4300 Euro. Und das ohne Klo, ohne alles. Nur ein kleines Loch in der Wand.
Wer sich gar einen solchen Stand kaufen will, zahlt mittlerweile bis zu 2 Mio Schekel (ca. 480,000 Euro).

 

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Photo: Miriam Woelke

 

Innerhalb der letzten paar Jahre transformierte der Machane Yehudah Markt des Abends zur Partymeile mit Live Music und Bars. Das Problem ist nur, dass viele dieser allabendlichen Bars illegal errichtet werden. Auch jene, die sich an einem regulären Marktstand befinden.
Die Stadtverwaltung geht immer wieder gegen dieses illegale Abzocker vor, denn ihr entgehen Gewerbesteuern. Die Betreiber der Marktstände sind auch wenig begeistert von der abendlichen Popularität des Marktes. Die Leute kaufen kein Obst und Gemüse, sondern warten nur darauf, dass die Bars aufmachen.
Wie ich Jerusalem kenne: Irgendwann ist der abendliche Hype des Machane Yehudah vorbei und dann ziehen alle zu einer neuen Location, die gehypt wird. So schon in den Jahren zuvor geschehen: Russian Compound, dann Heleni HaMalka Street mit ihren Bars, dann Emek Refa’im in der German Colony, dann der Alte Bahnhof und jetzt der Machane Yehudah Markt.

Busfahrt

B“H
Ich besitze das große Glück, weder auf Bus noch auf einen PKW angewiesen zu sein. Jeden Morgen laufe ich zur Arbeit, denn die ist nicht allzu weit entfernt.
Einmal pro Woche nehme ich einen Bus, um auf dem Machane Yehudah Markt einzukaufen. Hühnchen, Karotten, Zwiebeln, Kartoffel, Sellerie, Lauch und sowas halt. Obst und anderes Gemüse wie Kohlrabi, Blumenkohl, etc. dagegen kaufe ich beim Discounter, denn das ist auf dem Machane Yehudah viel zu teuer geworden.
Die Hinfahrt am Spätnachmittag verläuft noch ganz okay, aber die Rückfahrt mit dem Bus vom Machane Yehudah bis zu meiner Station an der Derech Hebron ist eine einzige Katastrophe. Das Klientel, das am Markt einsteigt, ist oft nicht immer das beste. 🙂 Ältere Leute mit wenig Rente und diversen mentalen Problemen. Gestern, zum Beispiel, stieg ich in der Agrippas (am Markt) in die Linie 78, wo sich gerade zwei ältere Frauen fetzten und sich fast prügelten. Eine wollte die andere nicht am Fenster sitzen lassen, da sie den Platz besetzt hielt. Und dann wurde sich mit HEXE und GEISTIG ZURÜCHGEBLIEBEN beschimpft. Alles passierte gleich hinter dem Busfahrer, doch der mischte sich nicht ein. Auch nicht als die eine Frau die Polizei holen wollte. Dabei haben Polizisten Besseres zu tun als zwei keifende Hexen auseinanderzubringen.
Entweder wird gezofft oder irgendein Geistesgestörter brüllt durch den Bus. Wer zwischen 17.00 und 19.00 Uhr mit einem Stadtbus durch Jerusalem fährt, erlebt nicht selten sein blaues Wunder.
Vielleicht laufe ich nach dem nächsten Einkauf heim. Dann entgehe ich wenigstens den Querelen im Bus und habe meine Ruhe. 🙂

Jerusalem dieser Tage

B“H
So allmählich bereiten wir uns alle auf das am Abend des 20. September beginnende jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana vor. Auf den Regalen der Discounter finden sich massig Honiggläser, denn es ist Tradition, an Rosh Hashana viel Honig zu verspeisen. Für ein gutes und süßes neues Jahr.
Touristen sah ich, zu meiner Überraschung, auch recht zahlreich in der Stadt. Nicht, dass Israel den großen Tourismusboom verbucht, doch die Touristen sind wieder vermehrt zurück. Und so werden in der Stadt massenhaft neue Hotels gebaut. Vorwiegend Luxusklasse, wobei gerne übersehen wird, dass die Mehrheit aller Touristen sich solche Unterkünfte garantiert nicht leisten kann.
Der Machane Yehudah Markt transformiert immer mehr zu einem Vergnügungsviertel. Klar, kann man noch Obst und Gemüse einkaufen. Zwar nicht so billig wie bei den Discountern Rami Levi oder Osher Ad, dafür aber vielleicht mit etwas mehr Qualität.
Das Traurige ist, dass, sobald ein Obst oder Gemüsestand aufgibt, sofort eine neue Bar oder eine Snackbar eröffnet wird. Der gesamte Markt ist mittlerweile voller Bars und Fressbuden. Jeden Abend steigen Parties und die verbliebenen Marktleute sind sauer. Des Morgens ist alles zugemüllt und immer mehr Kundschaft bleibe aus. Außerdem restauriert die Stadtverwaltung den Markt und in manchen Gängen herrscht Bau – Chaos.
Ich gehe dort alle paar Wochen einmal hin und kaufe Fleisch ein. Mein Metzger ist super und nebendran ist ein billiger Kartoffel – und Zwiebelstand. Und das reicht mir dann auch schon. Alles andere gibt es vom Discounter. 🙂
Am 1. September beginnt das neue Schuljahr und die ewig langen Sommerferien (seit Mitte Juni) gehen vorbei. Und so gehen zurzeit Hefte, Stifte und sonstige Schulsachen weg wie warme Semmeln. Was in Israel auch üblich ist: Dass Schulen und viele Kindergärten Wachpersonal beschäftigen. Für jüdische Schulen ist das ein absolutes Muss und ohne den obligatorischen Wachmann am Tor würden die Eltern ihre Kinder gar nicht in die Schule schicken.
Der Wachmann gehört einem privaten Sicherheitsdienst an, was sich natürlich auf das von den Eltern zu zahlende Schulgeld niederschlägt. In der Vergangenheit kam es vor, dass palästinensische Terroristen in eine Schule eindrangen und die Kinder umbrachten:
http://elderofziyon.blogspot.com/2012/03/list-of-palestinian-arab-terror-attacks.html
Genau das soll jetzt vermieden werden. In Deutschland bzw. Europa werdet Ihr vermutlich auch mehr Wachpersonal benötigen. Auf Twitter las ich, dass die Kölner Bürgermeisterin vor dem Dom Betonblockaden feierlich einweihte.
Feierlich? Als ob man stolz darauf sein könnte.
In Jerusalem wurden die Betonklötze vor Bushaltestellen einfach so abgeladen. Ohne Feier, denn das geschah, nachdem mehrere Palästinenser mit ihren PKWs in Bushaltestellen gerast waren und Menschen töteten oder verletzten. Laut den deutschen Medien handelte es sich hierbei lediglich um Autounfälle, aber die Aussagen kennt Ihr ja bereits selber. Unfälle, Einzelfälle und so. 🙂

Warum Jerusalems Jaffa Road einfach nicht zum alten Ruhm zurückfindet

B“H
Das israelische Wirtschaftsmagazin GLOBES bringt in seiner englischsprachigen Ausgabe folgenden Artikel:
http://www.globes.co.il/en/article-jerusalems-jaffa-road-fails-to-recapture-past-glories-1001185155
Es wird beschrieben, dass Jerusalems einstige Prachtstraße (oder auch wirtschaftlicher Mittelpunkt genannt) irgendwann in der Nichtigkeit verschwand und sich bis heute nicht davon erholte. Und das trotz der Straßenbahn, welche die Jaffa Road von oben bis unten durchläuft.
Die Jaffa Road ist ewig lang. Ich schätze mal so mindestens drei Kilometer, wenn nicht mehr. Beginnen tut sie am Zentralen Busbahnhof und sie endet am Rathaus gleich gegenüber der Altstadtmauer. In der Jaffa Road findet man fast alles, wenn denn gerade Cafes, Snack Bars, Klamotten – oder Schuhgeschäfte angesagt sind. Früher fanden sich ebenso eine Menge Photoläden und Reisebüros, doch Smartphone – Kameras und Online Travel machten all das überflüssig. Noch Anfang der 90iger Jahre brachten Touristen ihre Photos zum Entwickeln in die Photogeschäfte. Oder es wurden neue Filme für die Kameras gekauft. All das hat sich mittlerweile erledigt.
Was in der Jaffa Road geblieben ist: Billigcafes wie COFIZZ, COFIX sowie Shops, welche die beiden Ketten kopieren. Die Hauptpost ist, nach wie vor, dort. Eisdielen, teurere Cafes wie die Coffee Bean oder das Hillel. Und wie gesagt finden wir Klamotten – und Schuhgeschäfte. Die Schuhe sind teilweise überteuert, denn die Geschäftsinhaber machen wenig Umsatz und wälzen so fehlende Profite auf die Preise um.
Wer gut verdient, sind die Billigcafes und das Cafe Ne’eman an der Kreuzung Jaffa Road / King George. Ansonsten gehen kleine Läden nach kurzer Zeit pleite und dann zieht ein neuer nichtssagender Laden ein, dem es kurz darauf nicht viel besser ergeht.
Selber nutze ich die Jaffa Road als Durchgang und das gewiss nicht jeden Tag. Einmal in der Woche gehe ich zum Machane Yehudah Markt, der ebenfalls an die Jaffa Road grenzt. Die meisten Jerusalemer nutzen die Jaffa Road als Durchgang oder man steht an den Straßenbahnhaltestellen. So richtig zum Einkaufen ist die Straße nicht und Klamotten, etc. kaufen die Leute lieber in den großen Malls außerhalb der Innenstadt. Israelis lieben ihre Malls, wo alles unter einem Dach ist.
Um die Situation in der Jaffa Road und sogar auf dem Machane Yehudah Markt zu beschreiben, reicht der Kommentar eines Geschäftsinhabers: „Die Leute kaufen bei Rami Levi und nicht mehr bei uns!“
Genau dieser Satz gibt die Realität wieder: Die Leute kaufen in den riesigen Supermarkt – Discountern wie Osher Ad oder Rami Levi. Da ist es billiger und der Kunde erledigt gleich seinen Großeinkauf. Wozu sich auf den Machane Yehudah Markt quetschen und viel mehr Geld zahlen? Dann lieber zum Discounter, denn Israel ist teuer und Israelis wollen jeden Schekel einsparen. Familien mit Kindern können sich den Einkauf auf dem Machane Yehudah Markt eh nicht leisten. Und wer will in die Innenstadt, wenn es kaum Parkmöglichkeiten gibt?
Die Jaffa Road hat als belebte Geschäftsstraße längst ausgedient. Belebt ist sie zwar nach wie vor, doch unbedingt kaufen tun die Wenigsten. Außer vielleicht ein paar Kleinigkeiten und schnell eine Tasse Kaffee von Cofix.
Ein Nachtleben existiert ebenso wenig. Überhaupt wechseln die Orte des Nachtlebens in Jerusalem schnell und häufig. Vor mehr als zehn Jahren ging man zum Russian Compound, dann in die nahegelegene Heleni HaMalka, dann in die Emek Refa’im, dann kam der Alte Bahnhof dran und momentan ist es der Machane Yehudah Markt. Des Abends verwandelt sich der Markt ins Nightlife Business mit Bands, Live Music, legalen und illegalen Bars, Burger und Suschi.
Zwar kommt die Straßenbahn in Jerusalem total gut an und ist zu jeder Zeit vollbesetzt. Einen wirtschaftlichen Aufschwung oder mehr Laufkundschaft brachte sie für die Jaffa Road nur bedingt. Den Grund dafür sehe ich im miserablen Angebot. Noch ein Falafelstand, noch ein Billigladen, etc. Wer braucht das? Die großen Einkaufsketten finden sich in den Malls am Stadtrand. Das ist es, was die Leute anzieht. Und Parkhäuser sind auch vorhanden.
Touristen jedenfalls meinen immer noch, die Jaffa Road sei eine Attraktion. Vom alten Flair her vielleicht schon, doch irgendwie hasten die Einheimischen immer nur so durch, um woanders hinzukommen. Ich bin da absolut keine Ausnahme.

Leserfragen: Preise in Israel, Alltag & Internet in Jerusalem

B“H
Momentan sucht die Mehrheit der Leserschaft auf diesem Blog nach Infos über Preise in Israel, den gelebten Alltag im Land oder ob es in Jerusalem Internet gibt.
Ja, es gibt kostenloses Internet in Jerusalem und das meistens in der Innenstadt um die Jaffa Road / Zion Square herum. In vielen Malls wie Canyion Hadar im Stadtteil Talpiyot oder dem Yes Planet Kino Complex kann sich jeder Besucher kostenlos ins WIFI einloggen. Gewöhnlich ist das Internet in Israel extrem schnell und effizient.
In Tel Aviv existiert ebenso kostenloses WIFI und das fast in der gesamten Innenstadt. Oder geht einfach ins Dizengoff Center, wo Ihr mit dem Computer sitzen könnt, solange Ihr wollt. Man muss also nicht immer in ein Cafe und teuren Kaffee bestellen. 
Weniger kostenloses WIFI werdet Ihr im Norden des Landes vorfinden. In Tiberias, zum Beispiel, sollte man schon zu Cafe Aroma gehen. Der Kaffee ist gut und günstig und Ihr könnt dort stundenlang samt WIFI hocken. Draußen sitzen ist eben weniger angesagt, denn das Winterwetter schlägt morgen zu. Und dann wird es kühl, windig und vor allem nass.
Die Preise in Israel, und das habe ich schon Tausendmal berichtet, sind gepfeffert. Nichts mit billigem Urlaub a la Thailand und so. Selbst Obst und Gemüse ist teuer geworden, denn aufgrund des fehlenden Novemberregens sind die Bauern schon am jammern, dass die Ernte mies wird. Selbst Gurken und Tomaten sind seit Monaten extrem teuer.
Wurst, Fleisch, Käse – egal, welche Lebensmittel – in Israel ist das Leben nun einmal sehr teuer. Von den Mieten will ich erst gar nicht anfangen. Der Fall des Euros in Israel begann vor drei Jahren. Seitdem geht es nur noch abwärts und für einen Euro bekommt Ihr beim Umtausch ca. 4,15 Schekel. Zurzeit nur 4 Schekel und manchmal bis zu 4,25. Vor drei Jahren gab es für einen Euro noch 5, 10 Schekel. Wer also eine Israelreise plant, sollte genügend Geld dabei haben, denn um am Strand zu pennen, ist es jetzt im Winter zu kalt.
Der Alltag in Israel: Die Mehrheit ist damit beschäftigt zu arbeiten, um Geld zu verdienen. Die hohen Mieten, Hypotheken und alle Arten von Rechnungen müssen erst einmal bezahlt werden. Die Freizeit ist oft knapp bemessen, denn die Leute arbeiten teilweise bis 18.00 – 19.00 Uhr. Dann kommt man heim, ißt was und das wars dann auch fast. Duschen, Bett und morgens wieder raus.
Klar, spielt der Terror eine Rolle, doch, wie gesagt, die Leute sorgen sich vorwiegend um ihr Einkommen und das alle Rechnungen bezahlt werden. Wer Kinder hat, ist noch schlimmer dran, denn Kinder kosten noch mehr Geld.
Gestern Abend war ich mit Freunden in der Jerusalemer Innenstadt zugange und eigentlich wollten wir etwas unternehmen. Zuerst waren wir in der Billigkette COFIX, wo wir Sachlab schlürften. Dann suchten und suchten wir die Action in der Innenstadt, wo jedoch tote Hose war. Ganz wenig Touristen und Israelis kommen von der Arbeit und gehen heim. Wer hat schon das Geld dafür, ständig auswärts zu essen? Ich kaufe alles beim Discounter und bereite Kaffee und alle Mahlzeiten daheim zu.
Am Zion Square war gar nichts los genauso wenig wie in der Jaffa Road. Am Ende landeten wir bei Mac Donald’s in der Ben Yehudah Fußgängerzone. Was man dort findet ist überwiegend Touristenramsch sowie ein paar kleinere Restaurants.
Der Mac in der Ben Yehudah ist klein und hinter dem Verkauftresen stand eine Araberin mit Hijab. Nebendran ein männliche Araber, der seine Kolleging drangsalierte. Viel war dort auch nicht los, denn der Mac Donald’s verdient in Jerusalem nichts. Fast Food ist sauteuer und auf dem Teller liegt kaum was Essbares.
Der Mac in der Ben Yehudah ist koscher (Mehadrin) und wir beschränkten uns auf eine kleine Pommes. Danach ging es wieder heim. Wer Action sucht, der gehe in die Shlom Zion HaMalka Street (nahe der Mamilla Mall und Jaffa Road). Dort finden sich jede Menge Pubs und Discos. Das, was seit Monaten total angesagt ist: Live Music und Bars inmitten des Machane Yehudah Marktes. Dort treffen sich allabendlich Tausende, dagegen ist in der ehemals populären Emek Refaim Street in der German Colony nichts mehr los. Entweder gehen die Leute abends zum Alten Bahnhof oder in den Machane Yehudah Markt.

Wohin in Jerusalem?

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Photo: Miriam Woelke
Neues Cafe im Machane Yehudah Markt
B“H
Vor Zwanzig Jahren ging man des Abends zum Russian Compound, denn dort befanden sich sämtliche Bars und kleine Restaurants. Irgendwann wurden dort all die schönen alten Gebäude abgerissen und die Bars hatten längst aufgegeben. Neue Bars und Restaurants waren in der Heleni HaMalka Street am Innenministerium entstanden. Nicht weit vom Russian Compound sowie der Jaffa Road entfernt. Bis heute hält sich die Heleni HaMalka und wer in einem der heruntergekommenen Altstadt – Hostels eincheckt, der geht abends meistens zur Mamilla Mall oder in die Heleni HaMalka Street, wo sich Bars, Cafes und Restaurants aneinanderreihen.
Darüber hinaus gelten der Alte Bahnhof sowie die nahegelegene Emek Refa’im Street als abendliche Ausgehziele. Ich kenne die Emek Refa’im noch aus ihren glohrreichen Zeiten, in denen man kaum mehr einen Sitzplatz in einem der Cafes fand. Heute ist das anders, denn in der einst so beliebten Straße ist es ruhig geworden. Erstens, weil der Alte Busbahnhof viel Kundschaft anzog und zweitens, weil die Preise geradezu unverschämt wurden.
Wo also geht man heute abends hin und wo steigt die Action?
Kaum zu glauben, doch der Machane Yehudah Markt hat sich zu einer riesigen Bar mit Live – Konzerten gemausert. Abends nach Geschäftsschluss werden Obst und Gemüse weggeräumt und stattdessen Barhocker hineingerollt. Von Sonntag bis Donnerstag finden allabendlich mehrere Live – Konzerte statt und das Publikum quetscht sich durch die schmalen Markthallengänge. Nebendran an der Agrippas gibt es billige Pizza und die 5 – Schekel – Billigkette COFIX ist auch nicht weit entfernt.
Wer in Jerusalem weilt, der sollte abends unbedingt zum Machane Yehudah Markt fahren und sich die Action anschauen.