Leben in Jerusalem

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Israelis lieben Innovation

B“H
Je ausgefallener, desto besser.
Genau dieses Mindset verfolgen eine Menge Israelis und ich muss sagen, dass ich in meinen bisherigen paar Monaten Social Media, viel gelernt habe.
Bis Ende Februar erledige ich die Social Media für ein Jerusalemer Startup, welches seine Fühler in alle erdenklichen Richtungen ausgestreckt hat und sich nicht nur auf ein Produkt konzentriert. Mit dabei sind Leute, die eine unbeschreibliche Art des israelischen Networking besitzen. Alles Leute, die hochrangige Leutchen kennen und überhaupt national wie international bestens vernetzt sind.
Für mich war das Neuland, mit solchen Leuten zusammenzuarbeiten. Wobei ich das nur nebenbei mache, denn mit meinem Hauptjob hat die Social Media nichts zu tun.
Von den Leuten zu lernen, wie ein Startup aufgezogen wird und vor allem, wie genau Kontakte geknüpft werden, hat sich meines Erachtens nach gelohnt. Ich erhielt eine Menge Einblicke in gerade israelische Aktivitäten, die Otto Normalverbraucher nicht so vermutet. Insbesondere von politischer Seite, denn die Politik ist in Israel überall gegenwärtig. Unter anderem ist der Ex – Premier und geschasse Arbeiterpartei – Vorsitzende Ehud Barak aktuell im medizinischen Cannabis Business. Das Cannabis Startup setzt auf Baraks Beziehungen in die ganze Welt und dieser Tage genehmigte das israelische Kabinett den Export von medizinischem Cannabis.
Ich bin froh, dass ich ab Ende Februar die Social Media los bin. Okay, es war Geld und ich habe viel gelernt. Lobbyismus und sämtliche Netzwerke in höhere Gefilde. Vor allem in Ministerien und in die Wirtschaft. Ich habe gesehen (jedenfalls ein bisschen), wie alle zusammenarbeiten. Nicht unbedingt kungeln, aber Israel ist ein kleines Land und man kennt sich. Dem Neueinwanderer fehlen derartige Connections, doch Israelis sind darin extrem geschickt und schnell.
Was mir besonders gut gefiel war, mit gebürtigen Israelis zusammenzuarbeiten. Für jeden Betreiber eines hiesigen Startups ist das sehr wichtig. Oder besser gesagt, es war mir wichtig, denn auf diese Art und Weise werden die hilfreichsten Erfahrungen gesammelt.
Egal, was. Sobald etwas Neues auf dem Markt erscheint, sind Israelis mit dabei. Ob das nun medizinisches Cannabis, künstliche Intelligenz, Technologien zur Bewältigung von Einsamkeit oder Startups sind, die gemeinnützig arbeiten. Und nirgendwo auf der Welt existieren dermaßen viele gemeinnützige Organisationen / Startups wie in unserem Land.
Mehr Infos:
https://www.calcalistech.com/ctech/home/0,7340,L-5492-200822,00.html

In der WeWork Sukkah in Jerusalem

B“H
Die bekannte internationale Co – Working Space Gruppe WeWork eröffnet in der kommenden Woche seine erste Niederlassung in Jerusalem. Um vorabWerbung zu betreiben, unterhält WeWork eine Sukkah am Alten Bahnhof (First Station).
Ich war heute dort, unterhielt mich mit einer Angestellten und liess mich auf die Liste für eine Tour durch den Space setzen. Eventuell darf ich einen Tag dort sitzen und alles ausprobieren, um darüber zu berichten.
Ich selber bin kein Co – Working Space Typ, denn zum Arbeiten drauche ich Ruhe und kein Kaugummigeschmatze etc. neben mir. Aber die Dame meinte, man könne sich im Space auch ruhige Plätzchen suchen.
Wie dem auch sei … WeWork will mich kontaktieren und dann geht es auf zur Tour. Wer sich dort einmieten will – ein ganzer Monatsaufenthalt ist Minimum. Tageweise geht es wohl nicht. 
Bei dem Video handelt es sich weder um Marketing / Werbung noch um Produktplatzierung. Ich erhalte keinerlei Bezahlung von WeWork und mache meine Videos aus Spass und um Infos weiterzugeben.

 

Dürfen Touristen Drohnen nach Israel bringen bzw. mit der Drohne filmen?

B“H
Jeder kann sich sicherlich vorstellen, dass das Drohnenfliegen und Filmen in Israel nicht immer legal zugeht. Nicht einmal auf Google Earth ist ganz Israel zu sehen, denn es geht um die Sicherheit des Landes. 
In diesem Forum wird die Frage diskutiert, ob und wie man in Israel eine Drohne zum Filmen einsetzen kann:

http://www.phantompilots.com/threads/flying-your-drone-in-israel.50305/

General restrictions (there may well be more that I don’t know about):
1.
No flying at heights exceeding 50m above ground, unless specifically authorised by the Aerial Trafficking Unit governing that airspace, unless the published regulations prohibit the designated area completely.
Where current daylight visibility is less than 3Km
At distances less than 250m from a residential area, a school, a cinema, or any crowd.
Less than 2km from an airport, air-traffic tower or any runways
Less than 500m from active drone training grounds unless granted permission by airport administrator, or otherwise published in the regulations.
(Taken from a post that can be found at http://www.quora.com/Where-can-I-legally-fly-a-drone-in-Tel-Aviv-Israel)
Ferner wird berichtet, dass zahlreichen Touristen die Drohne bei der Einreise abgenommen wurde.

Netanyahus Fachkräftemangel – Billige Inder sollen helfen

B“H
Nicht nur in Deutschland geistert das Gerücht des Fachkräftemangels umher. Jetzt sieht Bibi Netanyahu einen Fachkräftemangel in der israelischen Hightech – Branche und man will womöglich qualifizierte IT Leute importieren. Billigkräfte aus Indien oder wer weiß woher. Zur gleichen Zeit findet sich eine hohe Anzahl qualifizierter israelischer Hightech – Leute auf dem heimischen Arbeitsamt wieder.
Gestern sprach ich mit jemandem aus der Wirtschaft und der meinte, dass das vorgesehene Monatseinkommen von 20,000 Schekel (circa 4800 Euro brutto) unter Insidern als Billiglohn gilt. Professionelle IT Leute verdienen viel mehr und hier soll offenbar das Gehalt gedrückt werden.
http://www.globes.co.il/en/article-israel-to-relax-rules-for-foreign-tech-workers-1001139893
Dort, wo es aller Ansicht nach wirklich an IT Spezialisten mangelt, ist die Security Branche. Computerprogramme für Raketenabwehr, Panzer, Kampfjets, etc. Doch dort darf kein Ausländer eingesetzt werden. Vielmehr sind die Billigkräfte für die Wirtschaft vorgesehen.
Bei diversen Abteilungen in der Armee, wo es um die Sicherheit des Landes geht, würde noch nicht einmal ich eine Zulassung erhalten. Die Regeln hierfür sind äußerst streng und ein Neueinwanderer hat da eher selten eine Chance. Selbst dann nicht, wenn die Qualifikation vorhanden sein sollte.

Die israelische Innovations – Power

B“H
Was unterscheidet israelische Startups von ihren deutschen Counterparts? Und was unterscheidet Israelis überhaupt von vielen Deutschen?
Wobei ich mit dieser Fragestellung nicht verallgemeinern will. Klar, trifft das nicht auf jeden zu. Nicht auf jeden, aber auf sehr viele Leute schon.
Es ist nicht leicht, in Israel zu leben. Nicht nur aufgrund der Terror – und Kriegsgefahr. Daran haben wir uns irgendwie alle gewöhnt. Was Israelis dagegen viel mehr beschäftigt ist der Alltag. Arbeiten, Rechnungen zahlen und halt irgendwie über die Runden kommen. Hiesige Gehälter sind alles andere als üppig und wer nicht gerade für eine Regierungseinrichtung arbeitet, muss sich dazu noch ernsthafte Gedanken um die Rente machen. Ein privater Rentenplan reicht nicht aus und wer bei den monatlichen Einzahlungen abkassiert, ist die jeweilige Versicherung und nicht der Versicherte.
Lebensmittelpreise sind unverschämt und sogar der Klopapierkauf wird zum Luxus. Bei dem Klopapierpreis! 🙂 Von Mieten und anderen Kosten erst gar nicht zu reden. Kurz gesagt, als Israeli rennt man unermüdlich, denn man will ja irgendwie leben.
Die Arbeitsbedingungen sind auch nicht immer ideal und ich überlege mir momentan, nicht doch noch in die Histadrut – Gewerkschaft einzutreten. Obwohl die Histadrut auch bei Nichtmitgliedern mit Rat und Tat zur Seite steht. Miese Arbeitsbedingungen, mieses Gehalt und oftmals das ewige Gemäkel der Vorgesetzten, doch noch mehr Arbeitsstunden anzuhängen. Wie momentan in meinem ungeliebten Zweitjob. Seit dieser Woche arbeite ich dort weniger, denn ich habe meine Arbeitsstunden auf ein Minimum reduziert. Was folgt sind emails, ob ich denn nicht doch noch mehr arbeiten könne.
Nee, kann ich nicht!
Aus all dieser Misere heraus gründen zahlreiche Israelis ihr eigenes Business. Wobei ich jetzt nicht den typischen Falafelstand meine. Derjenige, der sich in gewissen Lebensumständen wiederfindet, wird erfinderisch. Das bringt die Situation so mit sich.
In Deutschland geht alles seinen Gang und das Denken ist immer noch ein anderes. Man denkt viel nach und zögert. Ob das denn gehe und was wenn nicht und überhaupt.
In Israel sowohl als auch in den USA werden Ideen weiterverfolgt und man schaut halt mal, was sich so ergibt. Ohne große Scheu wird herumgetüftelt. Und das nicht nur im Startup – Bereich. Man will etwas Neues schaffen und seine Idee, sei sie auch noch so daneben, verwirklichen.
Ich denke, dass es gerade dieser Wille ist, der Israelis von Deutschen unterscheidet. Risikofreundlicher und mit allerlei Ideen fängt man einfach an und probiert aus. Mag sein, dass es an der deutschen Mentalität a la „Das wird doch eh nichts. Lass das mal lieber!“ liegt und eine Menge Leute davon abhält, etwas durchzusetzen. Wenn ich mir allein anschaue, wie viele deutsche Youtube Scammer ihre Kurse „Wie blogge ich richtig“ oder „Wie werde ich Youtuber“ verkaufen, wundere ich mich nur noch. Es scheint als ob niemand mehr allein etwas auf die Beine stellen kann, sondern für jeden Sch…. erst einmal einen Kurs kaufen muss. Wenn ich für alle Lebenslagen zuerst einen Kurs kaufen muss, ist das sehr traurig. Anstatt loszulegen, selbst wenn der Erfolg ausbleibt, werden Videokurse geglotzt.
Hier ein Beispiel interessanter Startups, die sich die Arbeitsplatzmisere zu Nutzen machen:
http://www.globes.co.il/en/article-five-israeli-startups-that-enhance-job-seeking-1001091873

Kein Pokemon Go bei der israelischen Armee (IDF)

B“H
In meinem Zweitjob (Ja, ich bin immer noch dort 🙂 ) hatte ich gestern zwei interessante Gespräche. Zuerst mit einer IT Expertin und danach mit einem Offizier der israelischen Armee. Die Gesprächsthemen drehten sich jeweils um POKEMON GO.
Ich muss vorab sagen, dass ich weder Pokemon Fan noch Pokemon Go Fan bin. Die Spiele sagen mir nichts und in meinem ganzen Leben habe ich noch nie etwas mit Nintendo zu tun gehabt. Computerspiele sind für mich eine reine Zeitverschwendung und deswegen lese ich lieber ein Buch oder beschäftige mich anderweitig.
Die IT Expertin wohnt in Tel Aviv und meinte, dass zuviele „Idioten“ momentan durch Tel Aviv ziehen und all die Pokemons suchen. Man achte noch nicht einmal mehr auf den Verkehr, sondern glotze nur auf sein Smartphone. In Jerusalem ist mir das, ehrlich gesagt, noch nicht aufgefallen. Aber wer weiß. Vielleicht bin ich immer nur am falschen Ort. 🙂
Und dann berichtete mir die IT Tussi von den Security Leaks der Pokemon Go App. Man gebe all seine Infos preis. Okay, das tut man schon mit dem Facebook, Instagram oder What’sApp. Bei der Pokemon App hingegen kann sich ein Hacker schnell ins GPS einhacken und, während jemand ahnungslos auf Pokemon – Suche ist, die Wohnungs ausrauben. Darüber hinaus nutzen Pädophile die App für ihre eigenen perversen Zwecke.
Mehr Infos dazu hier:
http://www.ifsecglobal.com/pokemon-go-security-risks-flagged-by-the-cia-middle-eastern-states-and-data-security-experts/
Mein Gespräch mit dem Armeeoffizier drehte sich ebenso um den Pokemon – Wahn. Nein, er sei kein User und findet das alles eh total doof. Sollen die Leute machen, was sie wollen, doch bei Soldaten sei das etwas anderes. Der Feind könne sich in die App einhacken und etwaige geheime Standorte herausfinden. Allerdings nicht nur der Feind, sondern genauso der Freund. Deshalb sei Pokemon Go bei der Armee verboten:
http://www.jpost.com/Israel-News/IDF-bans-Pokemon-Go-app-from-all-military-bases-amid-security-fears-462369
Als ich von all den Security Leaks erfuhr, verging mir die Neugier am allgemeinen Pokemon – Wahn. Da stellt sich mir eher die Frage, wer denn an diesem Wahn so richtig knallhart Geld absahnt:
http://www.independent.co.uk/news/business/news/google-apple-nintendo-who-s-really-making-money-out-of-pokemon-go-a7136906.html

Die alte Knesset, Startups in Jerusalem und das Cafe Ta’amon

B“H
In Jerusalem herrscht die übliche Juli – Hitze. 33 Grad Celsius heute und erst am Sonntag „kühlt“ es sich wieder auf 29 Grad Celsius ab. Wenigstens sind die Nächte relativ kühl und die Hitze steht nicht im Raum. Das hat den Vorteil, dass man schlafen kann und sich nicht nassgeschwitzt herumwälzt.
Israel befindet sich im Sommerurlaub, aber was heißt das schon? Viele Leute fliegen ins Ausland, doch die Mehrheit kann sich keine Auslandsaufenthalte leisten. Schon gar nicht, wenn eine Familie kleine Kinder hat. Deswegen werden vielerorts Sommerattraktionen, wie Basketballturniere) für Kinder und Jugendliche angeboten.
In Jerusalem wird aktuell das ehemalige HaMashbir – Gebäude an der Kreuzung King George / Ben Yehudah umgebaut. Die HaMashbir – Kette ist die einzige Kaufhauskette im Land und mehrere Jahrzehnte befand sich die Jerusalemer Niederlassung in eben jenem Gebäude Downtown. Vor einigen Jahren dann zog man an den Zion Square (Kikar Zion) um. Ob dadurch mehr Kundgeschaft gewonnen wurde, wage ich zu bezweifeln. Israelis lieben Shopping Malls, in denen sie von Shop zu Shop ziehen können. Nebendran all die kleinen Cafes, Restaurants und Imbisse mit Falafel, Schwarma (Döner) oder halt traditionelle sephardische Gerichte wie Kube, Suppen, Reis und jede Menge Salate. Fleisch sowie Salate stehen immer hoch im Kurs.
Im alten HaMashbir – Gebäude sollen nach dem Umbau, man höre und staune, lokale Startups ein neues Zuhause finden. Zwar meinen die Leute stets, dass nur Tel Aviv DIE Startup – Stadt Israels sei, doch Jerusalem steht dem nicht unbedingt nach. In einigen Stadtteilen siedelten sich schon vor Jahren Startup – Unternehmen an und jetzt tut sich sogar etwas in der Innenstadt.
Nur wenige Meter entfernt finden wir einen weiteren größeren Umbau: Die erste Knesset Israels wird in ein Knesset – Museum verwandelt. Ich glaube es war bis Mitte der 60iger Jahre, dass sich die Knesset in der King George Street befand. Danach wurde in das heutige Gebäude im Regierungsviertel (nahe Israel Museum) umgezogen. Heutzutage geht kein Abgeordneter ohne Bodyguards vor die Tür, doch damals in der guten alten Zeit fanden sich die Abgeordneten im gegenüberliegenden Cafe ein. Man trat aus dem alten Gebäude, überquerte die Straße und schon war man im, zu damaligen Zeit, berühmten Cafe Ta’amon.

 

 

Nachdem die Knesset umgezogen war, ging es mit dem Ta’amon bergab. Die Kundschaft blieb aus und vor einigen Jahre machte der alte Besitzer ganz dicht. Seitdem wechseln sich Cafes und Imbisse ab. Niemand hält lange durch. Obwohl die Location super ist, so ist der Konkurrenzkampf hart.
Das Ta’amon war nie koscher, doch jetzt baute ein Nachfahre des alten Besitzers ein neues Ta’amon auf. Koscher und in einem ultra – Orthodoxen (haredischen) Stadtteil gelegen. Ob ihm dort ein neuer Erfolg gelingt, wer weiß.
Die Stimmung in Jerusalem ist heute eine andere. Zwar ist die Stadt immer noch recht gemütlich, doch Läden und Cafes verändern sich. Vor allem seitdem die Billigketten COFIZZ und COFIX ihre 5 – Schekel Kaffees und Kuchen anbieten. Wer hockt sich da noch in ein teures Cafe? Mittlerweile gibt es in der Agrippas Street am Machane Yehudah Markt sogar eine 5 – Schekel Pizzakette mit dem Namen PIZZA FIX. In Anlehnung an COFIX.
Allerdings findet wir bei Pizza Fix lediglich das Stück Pizza (Hebräisch: Meschulasch) für 5 Schekel. Eine ganze Pizza kostet nur 15 Schekel. Weiter unten in der King George werden Familien – Pizzen für 20 Schekel angeboten. Mir jedenfalls schmecken diese Pizzen und einmal im Monat kaufe ich mir eine für daheim.
Gastronomiebetriebe kommen und gehen, die israelischen Essgewohnheiten jedoch bleiben. Trotz Pizza und Suschi finden Falafel, Schwarma sowie sephardische Hausmannskost weiterhin reißenden Absatz.