Leben in Jerusalem

Start here

Archive

Advertisements

Ein wenig israelische Mentalität und der Vergleich zu Deutschland

B“H
Als ich gestern Abend das Video aufnahm, machte ich einen Fehler und merkte es noch nicht einmal: Ich kam von der Arbeit und vom Einkaufen, hatte den dicken Rucksack voll und legte ihn noch nicht einmal beim Video – Dreh ab. Ergo, hechele ich rum und bemerkte erst hinterher meine Schlepperei. 🙂
Generell ist es, wie gesagt, nicht einfach, die israelische Mentalität einem Auswärtigen verständlich zu machen. Jeder Mensch ist anders und alles hängt von vielerlei Faktoren ab. 

 

Advertisements

Und wie war das so mit Angela Merkel heute?

B“H
Ehrlich gesagt, keine Ahnung, denn Otto Normalverbraucher wie ich, befand sich auf der Arbeit. Offenbar war alles nur ein Business – Besuch und es ging um wirtschaftliche Zusammenarbeiten. Angie sagte in einer Pressekonferenz, dass Israelis und Deutsche voneinander lernen können und halt so. 
Na, da kennt Frau Merkel aber die israelische Mentalität nicht, denn eben mal so trallala und „Jawoll“ geht hier gar nichts. 🙂
Teile der israelischen Bevölkerung hatten nichts gegen den Besuch, die News Kommentare auf Walla und anderswo aber überschlugen sich:
„Was will Adolf Merkel hier?“
„Wieso hängte in Jerusalem niemand Plakate mit „Arbeit macht frei“ auf?“
Merkel hasst Israel.
Merkel toleriert und unterstützt den arabischen Terror der Hezbollah, Hamas und dem Iran.
Viele viele Israelis wollten die Muslim – liebende Merkel hier nicht haben, denn man weiß, was in Europa und auch in Deutschland abläuft. Und auch Netanyahu liess das in der Pressekonferenz durchblicken.
Und jeder wusste, wie es dann auch kommen sollte:
Gleich nach der Pressekonferenz sagte Frau Merkel, dass die Geschäftsbeziehungen mit dem Iran stehen und dass Deutschland mit dem Iran zusammenarbeiten wird.
Und das gleich nach dem Besuch im Holocaust – Museum Yad Vashem, wo sie toten Juden huldigte, doch die Lebenden gibt sie den Holocaust – Leugnern (Iran, Hamas, Abu Mazen) preis.
Etwas anderes war nicht zu erwarten und Netanyahu hat ganz umsonst geschleimt. Das Simon – Wiesenthal – Center hatte gestern noch vor Angela Merkel gewarnt.
Und das wars dann auch.
Mitbekommen habe ich nichts und aktuell ist der Besuch schon wieder vergessen. Nicht mehr relevant (relevanti), wie man in Israel sagt. Frau Merkel aber hat sich in Israel noch unbeliebter gemacht. 

 

 

Kann ein männlicher Konvertit zum orthodoxen Judentum in Israel Rabbiner werden?

Leserfrage: „Befindet sich Jerusalem im Kriegszustand?“ und „Leben die Menschen im Bunker?“

B“H
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wo jemand derlei Ideen herbekommt: “Jerusalem im Krieg und wir Jerusalemer leben im Bunker?”
Also ich wohne in keinem Bunker, obwohl wir in unserem Haus einen im Erdgeschoss haben. Diesen benutzen die anderen beiden Parteien im Haus als Abstellplatz und so richtig als Bunker haben wir ihn zuletzt im Sommer 2014 genutzt. Als die Hamas im letzten Gazakrieg Raketen bis nach Jerusalem schoss. Seitdem war ich nicht mehr im Bunker. Nicht in unserem und auch in keinem anderen.
Jerusalem befindet sich auch nicht im Kriegszustand. Da wohl eher Neukölln, der Görlitzer Park, Offenbach oder Nordrhein – Westfalen.
In Jerusalem ist meistens alles ruhig und wenn es einmal zur Sache geht, sind sofort Polizei und Armee vor Ort. Das geht hier sehr schnell, denn nach all den Jahrzehnten des arabischen Terrors sind Israelis ein eingespieltes Team. Jeder weiß sofort, was zu tun ist. Die Gefahr wurde ins Alltagsleben integriert. Selbst Kinder wissen genau, wie sie sich verhalten sollen.
Die Leute leben hier ganz normal und man kann Jerusalem so ziemlich mit jeder anderen Stadt der Welt vergleichen. Klar, ist Jerusalem die Ausnahme, denn es handelt sich immerhin um die Heilige Stadt. Ansonsten aber läuft der Alltag genauso ab wie andernorts. Aufstehen, frühstücken, arbeiten, Feierabend, Rechnungen zahlen, einkaufen, Freunde treffen, Familie, etc.
Es ist kein Kriegszustand und auch sonst kein Krieg. Außer einem Mietpreiskrieg auf dem chaotischen Wohnungsmarkt. 🙂

Aliyah (Einwanderung nach Israel) und sich dann in die Gesellschaft stürzen

B“H
Wer als Jude nach Israel auswandert, der will normalerweise in Israel eine neue Gesellschaft kennenlernen. Neue Leute, eine neue Sprache, eine neue Mentalität. Eben alles neu und anders. Das ist nicht immer einfach und erfordert oft eine Menge Geduld und Anpassungsvermögen, aber wenn ich jetzt einmal von meiner Position ausgehe – Für mich war und ist es extrem wichtig, die israelische Gesellschaft kennenzulernen und mich zu integrieren.
Was ich persönlich jedem jüdischen Neueinwanderer (egal, woher) rate: Viele Orte und ganz unterschiedliche Leute kennenzulernen. Das ist wichtig, um in Israel anzukommen und nicht in seiner eigenen Blase hängenzubleiben. Im letzterem Falle wohnt man zwar in Israel, aber ist nicht unbedingt ein Teil der Gesellschaft.
Wenn, zum Beispiel, Europäer oder auch Amerikaner kommen, dann suchen sie nicht selten ihren gewohnten Lebensstandard und gleichgesinnte Leutchen, die eben auch europäisch sind und nicht unbedingt so richtig krass israelisch.
Dementsprechend zieht man dann in Orte wie Ramat Beit Shemesh, Kfar Saba, Netanya oder Ra‘anana. Es wird sich seine kleine Blase aufgebaut, die da recht wenig mit dem wirklichen Israel zu tun hat.

 

DSC09765

Ra’anana – Photo: Miriam Woelke

 

Ich lebe circa 23 Jahre im Land und habe in dieser Zeit in drei Kibbutzim Hebräisch gelernt. Ich habe in Ramat Gan, Tel Aviv, Ra‘anana, Zfat, Tiberias und Jerusalem gelebt. Der schlimmste und mental kälteste Ort war Ra‘anana und ich war froh als ich dort weg war. Aus dem künstlichen Gebilde von Anglos, Franzosen, ein paar Deutschen sowie Südamerikanern.
Mich zog es von Beginn an zu Orten, an denen ausschließlich Israelis sind. Sephardische Juden, aschkenazische Juden, egal was. Die Mittelschicht sowohl als auch die weniger betuchte Bevölkerung. Ich habe auf der Yeshiva (relig. Lerninstitut) gelernt, damals meinen Lebensunterhalt mit Putzen verdient. Ich war jahrelang in einer Bäckerei angestellt und nebenbei in einem Büro. Jetzt nur noch Büro und Donnerstagsabend nebenbei noch bei einem Steuerberater sepharischer Herkunft, dessen Angestellte fast nur Ultra – orthodoxe Juden (Haredim) sind. Der Steuerberater selber ist eher traditionell eingestellt und jeder Angestellte läuft so rum, wie es ihm passt. Es herrscht kein Dresscode.
Auch nicht in meinem Hauptjob, wo auch sehr viele Haredim beschäftigt sind. Dazu Nationalreligiöse und ein paar Säkulare. Und jeder arbeitet mit dem anderen zusammen und man kommt miteinander aus.
In der Bäckerei war ich einst die einzige aschkenazische Jüdin und alle um mich herum waren aus dem Iran, Kurdistan, Tunesien, Marokko, Algerien oder dem Irak. Und jede Volksgruppierung machte Witze über die anderen. Das ist in Israel nun mal so:
„Hey, Parssi (Iraner), komm mal her!“
„Was willste Iraki?“
In Deutschland könnte ich mich jetzt als Bäcker bewerben, obwohl ich dort eigentlich mal studiert habe. 🙂
Nur, dass wir halt eine extrem koschere Bäckerei waren und jeden Tag zwei Belzer Chassidim herumgingen und alles kontrollierten. Nichtjuden arbeiten dort nicht, denn das wollen die Angestellten nicht.
Und allen extremen Feministinnen sei gesagt: Am Ende braucht Frau dann doch wieder einen Mann, wenn es ums schwere Heben geht. Ich kann ja einiges heben und schleppen, aber manchmal ging es wirklich nicht mehr und dann musste ein Mann mit zupacken. Vor allem bei den schweren Teigbottichen.
Ich war zu sephardischen Familienfeiern eingeladen und habe einige sephardische Slang – Wörter aufgeschnappt. Die Zeit in der Bäckerei hat mir geholfen, die sephardischen Juden besser kennenzulernen. Ihr Essen (was ich liebe) und ihre ganze Art. Und, ich komme mit den Sepharden sehr gut aus. Selbst dann, wenn sie dumme Sprüche über aschkenazische Juden ablassen.
Kurz gesagt, ich habe viele Bevölkerungsgruppen kennengelernt und so auch die Gesellschaft, die Geschichte der sephardischen Juden im jungen Staat Israel sowie die Sorgen und Nöte der Leute.
Vor noch nicht allzu langer Zeit veröffentlichte die „Times of Israel“ einen lesenswerten Artikel (den ich nicht mehr finde), der davon handelte, sich als Neueinwanderer nicht in den o.g. Orten niederzulassen, sondern stattdessen raus in die Realität zu gehen. Nach Jerusalem, in den Norden, nach Aschkelon, Gedera, Rishon, Rehovot, Kiryat Gat, oder sogar auf den Golan. Man solle sich nicht dort zusammenschließen, wo alle nur Englisch sprechen, sondern raus in die israelische Welt. Und was weiß jemand aus dem schönen Ramat Beit Shemesh über das Leben in Afula?
Ich kann nur jedem Neuankömmling raten, sich in die Gesellschaft zu begeben und wenn man etwas nicht versteht, immer fragen. Sich ganz normal verhalten und keineswegs hochnäsig oder so. Wer das normale Leben aller leben will, der wohnt in Jerusalem. Die Stadt der Otto Normalverbraucher. 🙂

Leserfrage: „Als Schüler Aliyah machen?“

B“H
Zu dieser Leserfrage gibt es zwei unterschiedliche Antworten, da die Frage an sich nicht genauer definiert ist.
Die Jewish Agency bietet auch in Deutschland für junge Juden israelische High School Programme an. Man braucht sich dort nur erkundigen und hier ist ein kleiner Einblick:
https://en.wikipedia.org/wiki/Naale_program
https://www.naale-elite-academy.com/en/faq/
Dies beinhaltet keine direkte Aliyah, sondern es werden lediglich junge Juden für ein Jahr (?) auf israelische Schulen vermittelt.
Der zweite Punkt wäre, dass eine Familie mit schulpflichtigen Kindern Aliyah macht. Dazu mehr hier:
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2018/08/25/kinder-von-neueinwanderern-nach-israel-was-ist-mit-der-schule/
Generell bietet die Jewish Agency recht wenig Informationen, dafür die nordamerikanische Aliyah – Organisation Nefesh be‘Nefesh umso mehr.

 

Israel: „Was, wenn der Arbeitgeber Konkurs anmeldet?“

B“H
Neulich kam im TV ein Bericht, der die fatale Situation einiger Arbeitnehmer ansprach. Ihr Arbeitgeber hatte Konkurs angemeldet oder war sonst irgendwie zahlungsunfähig geworden und machte von heute auf morgen dicht. In Israel keine Seltenheit und viele Arbeitnehmer können bereits morgen auf der Straße stehen. Nicht unbedingt, weil der Betrieb Pleite geht, sondern weil man den jeweiligen Angestellten einfach nicht mehr braucht.
Sollte der Angestellte eine bestimmte Zeit im Betrieb gearbeitet haben, so steht ihm nach der Kündigung eine finanzielle Entschädigung zu. Generell ist das ein Monatsgehalt pro Jahr im Betrieb. Übersteigt der Entschädigungsbetrag (Pitzu‘im) die 10,000 Schekel – Grenze, so kommt auch schon das Finanzamt daher und will einen Anteil.
Was aber, wenn der Betrieb plötzlich bankrott ist?
Im besagten TV Bericht wurde am Beispiel einer Angestellten in der Werbebranche gezeigt, dass in dem Fall die Bituach Le‘umi (Nationale Security / Nationalversicherung) bis zu sieben Monaten braucht, um den Antrag auf Arbeitslosengeld zu bearbeiten. Nicht länger als sieben Monate, aber doch eben sieben Monate.
Die Frage ist: Was macht man bis dahin? Wie soll jemand Miete zahlen und von was leben?
Das ist der Bituach egal und die Behörde nimmt sich Zeit. Israel ist kein Wohlfahrtsstaat und jeder Bürger muss halt sehen, wie er zurecht kommt. Auch als alleinerziehende Mutter, wie im Filmbeispiel.
Es kann ja Geld von Verwandten oder Freunden geborgt werden, damit Miete und Lebenshaltungskosten gezahlt werden können. Vorschüsse zahlt die Bituach Le‘umi nicht und wer sich kein Geld leihen kann, steht halt alleine da. So schaut die rauhe Wirklichkeit im Land aus und sie betrifft Juden und Araber (mit israelischem Personalausweis) gleich.
Eine Branche, in der besonders gerne geheuert und gefeuert wird: Die Hightech – Branche, denn dort gelten Leute ab vierzig Jahren als olles Eisen. Allein wegen der Kündigungen im Hightech – Bereich machen sich viele Techies hinterher selbstständig und gründen ein Startup, da sie auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben. Selbst „ältere“ IT – Spezialisten mit der besten Ausbildung fallen den Kündigungen zum Opfer, denn die Firmen wollen junge unverbrauchte Mitarbeiter mit viel Ehrgeiz.
Eine Branche, die dagegen meistens goldenen Boden hat: Das Handwerk. Handwerker verdienen recht gut und jeder kann sich selbstständig machen. Meister oder Geselle? Sowas gibt es in Israel nicht. Wer als Klempner arbeitet, ist halt Klempner.
Wie es bei all den selbstständigen Handwerkern aussieht, weiß ich nicht, aber Elektriker brauchen eine offizielle Zulassung (Lizenz)! Zumindest soviel ist mir bekannt.

Vorheriges LEBEN IN JERUSALEM auf Blogger

http://lebeninjerusalem.blogspot.co.il/
fairness

Blog Stats

  • 431.751 hits

Mein ebook erhaeltlich auf Amazon und als PDF

mail.google.com

http://www.amazon.de/Jerusalem-Backyard-Ultra-orthodoxen-Leben-ebook/dp/B0147NLZIQ/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1440308807&sr=8-1&keywords=miriam+woelke

Mein ebook erhaeltlich auf Amazon & Kobo

Deutsch

http://www.amazon.de/Penniless-Jerusalem-English-Miriam-Woelke-ebook/dp/B0157L16P4/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1443076364&sr=8-1&keywords=penniless+in+jerusalem

Kategorien

Kommentare

Miriam Woelke bei Israel ist mit sehr viel Eigen…
Miriam Woelke bei Jerusalem dieser Tage
Christine bei Jerusalem dieser Tage
ragu bei Jerusalem dieser Tage
Miriam Woelke bei Israel: „Krankenhaus…