Leben in Jerusalem

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Morgen Abend in Jerusalem

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An der Altstadtmauer in Jerusalem – Photo: Miriam Woelke

B“H
Morgen Abend (Samstag) beginnt der traurigste Tag im Judentum:
Der Tisha be’Av – der 9. Tag im jüdischen Monat Av. Diesmal um einen Tag verschoben aufgrund des Schabbat.
Wer sich für die Bedeutung des Tisha be’Av interessiert:
https://hamantaschen.wordpress.com/2018/07/20/der-fastentag-tisha-beav-9-av-2/
Da an diesem Tag beide Jerusalemer Tempel zerstört wurden, gilt dieser Tag im Judentum als Trauertag und es wird 25 Stunden lang gefastet.
Am 9. Tag im Av begann einst auch der Erste Weltkrieg sowie die Vertreibung der Juden aus dem mittelalterlichen Spanien. Der 9. Av war noch nie ein guter Tag für Juden, doch das alles soll sich mit der Ankunft des Meschiach ändern.
Am Tisha be’Av wird nicht nur um die verlorenen Jerusalemer Tempel getrauert, sondern zugleich um die Tatsache, dass der Meschiach noch nicht da ist und somit das messianische Zeitalter noch nicht begonnen hat. Gleichzeitig aber gibt der Tisha be’Av Hoffnung für die Zukunft.
In JERUSALEM schaut es morgen Abend nach dem Schabbat so aus, dass zwar die Busse regulär fahren, Bars, Restaurants, Cafes, etc, jedoch geschlossen bleiben. Am Sonntagmorgen verläuft wieder alles ganz normal. Morgen Abend in Jerusalem aber bleibt alles geschlossen.
Wer als Tourist dieser Tage in Jerusalem weilt, sollte sich auf den morgigen Abend einstellen. Busse fahren, alles andere ist bis Sonntag früh zu. Es sei denn, Ihr begebt Euch ins muslimische oder christliche Altstadtviertel. Dort findet Ihr alles geöffnet.
Tausende Juden werden sich morgen Abend an der Klagemauer (Kotel) versammeln und die gesamte Nacht über dort bleiben, auf dem Fussboden sitzen als Zeichen der Trauer und Kinot lesen. Die Kinot sind die traditionellen Tisha be’Av Verse und Gebete.
Ich weiß noch nicht, ob ich selber in die Altstadt gehe. Vermutlich aber ende ich mit Freunden entweder bei der chassidischen Gruppe Chabad – Lubawitsch, deren Synagoge gleich bei mir daheim um die Ecke liegt. Oder wir gehen zur Jerusalemer Promenade (Tayelet) an der Stadtgrenze zu Armon HaNatziv (Yanowski Street), wo mehrere Eicha – Lesungen zum Tisha be’Av stattfinden.
Viele Jerusalemer, einschließlich meiner Wenigkeit, haben am Sonntag arbeitsfrei, denn der Tisha be’Av endet erst am Sonntagabend. Dann darf auch wieder gegessen werden. Andere müssen arbeiten, denn der Tag ist kein offizieller Feiertag.
Wer sich in Tel Aviv befindet, wird vom Tisha be’Ab nur wenig bis gar nichts mitbekommen. In Jerusalem aber herrscht morgen Abend und am Sonntag eine unbeschreibliche Atmosphäre wie an keinem andere Ort auf der Welt.
Am Tisha be’Av kann man alles machen: Einkaufen gehen – wenn auch nicht essen, Busfahren, Filme anschauen, alles eigentlich. Traditionell bieten viele jüdische Einrichtungen an dem Tag traurige Dokumentationen. Filme mit ernsthaftem Hintergrund wie, u.a., dem Holocaust.
Mehr Infos zum Tisha be’Av: 
https://hamantaschen.wordpress.com/category/tisha-beav/
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Der Marsch um die Altstadtmauer (Walk around the Old City Walls) am Abend des Tisha be’Av

B“H
In den letzten paar Jahren war ich nicht mehr dabei und ob ich diesmal teilnehme, entscheide ich an diesem Samstagabend ganz spontan.
In Jerusalem findet in jedem Jahr, am Abend des Tisha be’Av (9. Av) der traditionelle „Walk around the Old City Walls – Marsch um die Altstadtmauer“ statt. Organisiert wird das Event von den WOMEN IN GREEN – einer rechts angesiedelten Organisation unter der Leitung von Nadja Matar. Normalerweise kämpfen die Women in Green für jüdische Siedlungen und Nadja Matar ist bei allen möglichen Demos anzutreffen.
Nun aber ist der traditionelle Marsch um die Altstadtmauer keine Demo, sondern ein offiziell angemeldetes und genehmigtes Event. Ganze Familien nehmen teil und es ist beileibe nicht nur für Frauen. Jeder kann kommen und mitmachen.
Nadja Matar ist nicht gerade religiös und obwohl bei dem Marsch um die Altstadtmauer vorwiegend Juden aus dem nationalreligiösen Movement anzutreffen sind, kann jeder kommen wie er will. Niemand muss sich unbedingt fromm kleiden oder so.
In diesem Jahr beginnt der Tisha be’Av direkt nach dem Schabbatausklang am Samstagabend. Zuerst wird die Megillah Eicha – Das Buch Eicha vom Propheten Jeremia (Yirmiyahu) verlesen. Und das in allen Synagogen sowie anderen Plätzen. Wer will, kann Eicha auch an der Jerusalemer Tayelet (Promenade) hören. In dem Buch geht es um Yirmiyahu, der um die Zerstörung des Ersten Tempels trauert, doch gleichzeitig Hoffnung für die Zukunft gibt.
Die Women in Green lassen einen Rabbiner Eicha lesen. Am Independence Park, gleich gegenüber dem amerikanischen Konsulat in der Agron Street. Der Platz wurde ihnen so zugewiesen und hat keine besondere politische Bedeutung.
Nach Eicha folgen dann aber jeweils ein paar kurze politische Reden und eine hohe Anzahl von Polizei und Grenzpolizei der Armee (Magav) machen sich bereit. Das Event gleicht einem Hochsicherheitstrakt, denn es geht am Damaskustor vorbei durch Ostjerusalem bis hin zur Klagemauer (Kotel).
Eigentlich wird nur die Strecke abgegangen und die Araber sind zu der späten Stunde eh fast verschwunden, denn sie schliessen ihre Geschäfte täglich relativ früh.
Manchmal, wie vor ein paar Jahren, werden die Teilnehmer des Marsches von Arabern am Damaskustor mit „Allah Akbar“ Rufen empfangen. Juden geht es darum zu zeigen, dass man Jerusalem nicht so einfach den Moslems überlässt. Das Damaskustor selbst sowie die gesamte Gegend um die Altstadtmauer in Ostjerusalem war zu Zeiten des Zweiten Tempels der Zugang zum Tempel. Alles war jüdisch und vom Islam war noch gar keine Rede. 

 

 

All die Politik drumherum interessiert mich nicht sonderlich. Wenn ich beim Marsch mitmache, dann aus dem Grund, weil es die einzige Möglichkeit ist, dass Juden in der Gegend einmal frei und unbedroht herumlaufen können. Man sieht all die alten riesigen Steine, auf den Meter weiter der Tempelberg steht.
Enden tut der Marsch, wie gesagt an der Klagemauer.
Seit mehreren Jahren ist die Zahl der Teilnehmer rückläufig. Früher waren es Tausende, heute kriegt Nadja Matar nur noch ein paar Hundert zusammen. Und da dieser Abend des Tisha be’Av auf einen Samstagabend fällt, bleiben wieder viele Teilnehmer aus, denn wer will kurz nach Schabbat noch in einen Bus steigen und von Orten aus dem ganzen Land nach Jerusalem fahren?
Anderen ist es auch ganz einfach zu anstrengend, an einem 25 – Stunden andauernden Fastentag mehrere Kilometer zu laufen. Da fährt man mit dem Bus lieber zur Klagemauer oder bleibt daheim in seiner Synagoge, wo es bei der Hitze richtig schön Klimaanlage gibt. 🙂

 

Chag Schavuot Sameach – Happy Schavuot!

 

Photo: Miriam Woelke

 

 

B“H
Die Hitze ist erdrückend doch, ob wir es nun wollen oder nicht: Die kommenden Tage herrscht in Israel Hitzewelle mit bis zu 35 Grad Celsius allein in Jerusalem.
Moslems feiern Ramadan und Juden ab morgen (Samstagabend) Schavuot. Wochenfest, heißt das wohl auf Deutsch und es geht darum, dass G – tt an diesem Tag den Juden am Berg Sinai die Thora gab.
Bei Schavuot handelt es sich um einen hohen jüdischen Feiertag, welcher in Israel einen Tag lang und in der Diaspora zwei Tage lang gefeiert wird.
Mehr dazu hier:
https://hamantaschen.wordpress.com/category/schavuot/
https://hamantaschen.wordpress.com/category/buch-ruth-megillath-ruth/
An Schavuot werden traditionell milchige Speisen gegessen. Lasagne, Käsekuchen, Joghurt, Aufläufe. Ebenso ist es Tradition, die Nacht an Schavuot, in diesem Jahr von Samstag auf Sonntag, durchzulernen. Allein in Jerusalem werden eine Menge religiöser Vorträge angeboten. Die meisten davon sind auf Hebräisch. Doch es gibt auch relativ viele auf Englisch.
Sonntagmorgen gegen 4.00 oder 5.00 Uhr beten Tausende Juden an der Klagemauer das Morgengebet Schacharit. Ich habe keine Ahnung, ob ich so früh aufstehe. Eine Arbeitskollegin meinte heute, dass ich es auch einfacher haben kann: Da ich gegenüber der Tayelet (Promenade) wohne, bräuchte ich nur wenige Minuten dorthin zu laufen. Gegen 5.00 Uhr morgens treffen sich dort Hunderte Juden, um ebenfalls Schacharit zu beten. Allerdings besteht da die Gefahr, dass Reformjuden – Gemeinden da sind, die zum Gebet ein Mikrofon benutzen. Das wiederum stört Orthodoxe Juden, denn dort benutzt man am Schabbat sowie an Feiertagen keinen Strom. Im letzten Jahr wurden die Reformer gebeten, Abstand zu halten, was sie auch taten.
An der Klagemauer passiert das nicht, denn dort müssen sich alle an die halachischen Regeln halten, ohne in Mikrofone zu brüllen. Juden beten nicht alle zusammen, sondern jeder hat an der Klagemauer sowie an der Promenade seine eigene Gruppe.
Warum in Deutschland ein derartiger Aufstand um den Ramadan gemacht wird, verstehe ich nicht. In Israel ist es so, dass Moslems halt ihren Ramadan abziehen und Juden ihre Feiertage bzw. den Schabbat. Jeder macht sein Ding und nichts wird groß aufgebauscht. Palästinensische Kinder haben fast immer ihre eigenen Schulen und Kindergärten. Finanziert vom israelischen Bildungsministerium, falls jemand wieder nachfragen sollte. 🙂
Und somit kommen jüdische Israelis ggf. am Arbeitsplatz mit fastenden Moslems zusammen. Der eine fastet, der andere ißt. Das kümmert keinen. Als ich vorhin nach der Arbeit in der Emek Refa’im Straße in einem kleinen Supermarkt einkaufte, hatten alle Moslems freigenommen und es arbeiteten nur Juden dort. Kein Problem. Ansonsten arbeiten fastende Moslems ganz normal. Man ißt eh morgens um 4.00 Uhr und abends nach Ende des Ramadan. So gegen 19.30 Uhr.
Ich begreife dieses deutsche Gutmenschengetue um den Ramadan nicht. Sollen Moslems halt ihren Glauben leben, Juden den ihren, Christen den ihren und alle andere den ihren. Die eigene Religion muss nicht nach außen getragen werden oder interessiert es die deutsche Mehrheit, dass Juden am Sonntag „Schavuot“ feiern? Die meisten wissen das noch nicht einmal und Juden ziehen auch nicht durch die Gassen, um das lautstark zu verkünden. Das wäre absolut nicht typisch für einen Juden.
In Deutschland habe ich mir am Arbeitsplatz Urlaub freigenommen und an Pessach sass ich in der Bank und habe an Pessach mittags meine Mazzot verspeist. Das hat keinen interessiert. Die Kollegen dachten es, dass sei Knäckebrot und ich bin nicht durchs Gebäude gerannt, um zu proklamieren, dass Pessach ist. Wer Fragen hatte, der hat sie gestellt und dann war Ruhe. Das waren dann eh nur die Arbeitskollegen, mit denen ich in einem Büroraum sass. Alle anderen bekamen nichts mit.
Deutschland aber macht daraus eine falsche Toleranz und am Ende verlangen Moslems noch, dass ganz Deutschland fastet. Man sieht ja, dass sich Deutsche nicht gegen deren Forderungen zu wehren wissen.
Bei mir im Stadtteil hoffen wir auf einen ruhigen Schabbat. Morgen Abend beginnt, wie gesagt, Schavuot und der Feiertag endet am Sonntagabend gegen 20.30 Uhr. Danach fahren wieder alle Busse und der Alltag kehrt ein.
Unsere einzige Sorge ist, dass die Palästinenser nebenan nicht wieder randalieren, Autoscheiben einschlagen, Fahrzeuge abfackeln oder Molotow – Cocktails schmeissen. Allah Akbar – Gebrüll sind wir eh gewohnt und das gilt schon als „friedlicher Tag“.
In dem Sinne „Happy Schavuot!“
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Die Leseranfrage, welche Stadtteile von Jerusalem gemieden werden sollen, werde ich Anfang nächster Woche beantworten!

Leserfrage: „Wie ist das mit der jüdischen Kleidung bei der Arbeit in Israel?“

B“H
Wie ist das in Israel mit der „jüdischen Kleidung“, sprich Kipa, Zizit (Schaufäden), Kaftane, schwarze Hüte, etc. auf der Arbeit?
Ganz einfach: Man trägt das völlig normal. Wobei ein Jude mit Kipa nicht, wie der Antisemit Jakob Augstein anmerkte, angeben will, sondern das geschieht aus religiösen Gründen. Unter anderem sollte ein religiöser männlicher Jude nicht ohne Kopfbedeckung (was auch ein Hut oder eine Baseball – Kappe) sein könnte) essen oder beten.
In allen Jobs, in denen ich bislang in Israel arbeitete, waren religiöse Juden anzutreffen. Unter anderem habe ich einmal in einer kleinen Exportfirma gearbeitet, welche der chassidischen Gruppe Gur gehörte. Es arbeiteten dort Chassidim, litvische Ultra – Orthodoxe Juden genauso wie säkulare Juden. Niemand wurde gezwungen, sich superreligiös zu kleiden und ich erschien im Büro in Jeans. Das hat niemanden gestört. Und ich arbeitete mit einem Gerrer (Gur) Chassid zusammen.
In fast jedem Unternehmen, selbst in Tel Aviv, wird sich jemand mit Kipa auf dem Kopf finden. Sei es nun Ultra – Orthodox oder nationalreligiös. Das ist Alltag und niemand regt sich darüber auf oder glotzt.
Neulich sah ich auf Youtube eine Dokumentation über den österreichischen Immobilienpunk Gehard Hörhan, der da auch in Deutschland ziemlich bekannt ist. Hörhan führte das deutsche Kamerateam durch seine Büroräume in Wien und man sah einen Juden mit Kipa. Eine Kipa der Chabad – Meschichisten, um genau zu sein. Aber egal.
In den Kommentaren unter dem Video wurde dann auch gleich gehetzt, dass Hörhan da einen Juden bei sich arbeiten habe und er wohl deswegen so reich sei. Das ist mal wieder das typische antisemitische Vorurteil und ein Jude irgendwo bedeutet nicht immer gleich Reichtum. In Israel gibt es genügend Leute, die kein Geld haben und Juden gleichzusetzen mit Geld, ist absolut falsch und typisch antisemitisch.
In Israel ist es ganz normal, jüdisch – religiöse Arbeitskollegen zu haben. Genauso wie manche Palästinenser mit ihrer „Kipa“ zur Arbeit kommen. In den Arbeitspausen beten die Moslems sogar. Irgendwo draußen und nicht selten sehe ich Moslems auf einer Pappe am Straßenrand knien und beten. Einen Reisebusfahrer oder einen Straßenreiniger, zum Beispiel.
Nicht alle, aber einige Juden beten auch in den Pausen. Moslems beten fünfmal am Tag und Juden dreimal. Nicht immer wird gebetet und wenn halt Arbeit da ist, wird das beten verschoben. Beten ist Privatsache und so wird es auch gehandhabt. Heißt, man steht nicht provozierend herum und betet nun in Massen. Nein, man zieht sich allein zurück und das wars. Das ist in Israel kein Problem.
Es wird auch kein religiöser Jude oder Araber mit Kaffiyeh oder eine muslimische Frau mit Hijab angegafft. Das machen nur Touristen, wenn sie unbedingt photographieren wollen. Und wie ich schon vor einiger Zeit schrieb: Dass muslimische Frauen mit Hijab zur Arbeit erscheinen, gilt ebenfalls als normal. Sei es bei McDonald’s oder sonstwo.
In Israel sagt niemand, dass er sich religiös anpassen müsse und jeder macht halt so, wie er will. Solange Christen nicht missionieren, üben auch sie ihren Glauben ungehindert aus. Ganz in meiner Nähe ist ein katholisches Kloster, wo die Glocken bimmeln. Dann haben wir vier Moscheen, wo der Muezzin morgens um 5.00 Uhr in den Lautsprecher brüllt. Das höre ich schon gar nicht mehr, denn nach sechs Jahren in dieser Wohnung habe ich mich daran gewöhnt.
Am Ramadan arbeiten die Palästinenser ganz normal und fasten dabei. Wie das in der Schule läuft, kann ich nicht sagen, denn Palästinenser haben ihre eigenen Schulen, die da vom israelischen Bildungsministerium finanziell unterstützt werden. Wie jede andere jüdische Schule auch. Aber man lernt hier meistens getrennt (es gibt einige Schulen, wo Juden und Araber zusammenlernen). Die Regel ist das aber nicht. Schon allein deswegen, weil viele palästinensische Kinder nur Arabisch sprechen, was ich bei mir im Stadtteil sehe. Manchmal reden mich die Kinder an und mein Arabisch hält sich sehr bescheiden in Grenzen. Manche Kinder sind nett und fangen dann in holprigem Englisch an zu reden. Andere brüllen nur „Yahud, Yahud – Jude, Jude“.
Wenn Palästinenser nach der Schule auf die Uni gehen, müssen sie des Hebräischen mächtig sein. Es sei denn, sie lernen an einer arabischen Uni in Ramallah oder anderswo.
In Israel stellt niemand die Frage, ob der Islam zum Land gehört oder nicht. Moslems üben ihre Religion aus, Christen tun das, Kopten, Drusen, Armenier und Juden auch. Und jeder zieht das an, was er will. Kipa, Hijab oder sonstwas.

 

Das Verbrennen des letzten Chametz – Bi’ur Chametz 2018 in Nachlaot / Jerusalem

B“H
Im Judentum ist es eine Mitzwah (ein Gebot), das letzte Chametz vor Pessach – Beginn zu verbrennen. Jeder Jude sollte dies tun.
Nach dem jeweiligen Pessach – Putz hebt jeder ein wenig Chametz auf und packt dieses separat in eine Tüte. Bei CHAMETZ handelt es sich um jegliches Getreide sowie Getreideprodukte, welche für Juden an Pessach verboten sind. Roggen, Dinkel, Hafer, Weizen oder Gerste.
Normalerweise hebe ich immer mein letztes Mehl auf, um es am Morgen vor Pessach – Beginn zu verbrennen. Mit dem Verbrennen des letzten Chametz deutet jeder Jude an, dass er keinerlei Chametz mehr in seinem Besitz hat und sollte sich irrtümlicherweise noch ein Krümel im Haus finden, dieser damit für null und nichtig erklärt wird.
Das Verbot von Chametz an Pessach ist ein biblisches Gesetz und es ist neben dem Götzendienst (Anbetung falscher Götter) sowie dem Nicht – Fasten am Yom Kippur eines der am härtesten bestraften G – ttesgesetze. Nichtjuden können sehr wohl Chametz essen und sind von dem Thoragesetz nicht betroffen.
Das letzte Chametz zu verbrennen bedeutet nicht, dass Juden nun kein Chametz mehr im Haus haben. Ich habe ein ganzes Fach im Küchenschrank, welches voller Nudeln und Reis ist. Reis gilt bei aschkenazischen Juden als Chametz und darf auch nicht verzehrt werden. Viele sephardische Juden essen an Pessach Reis und auf sie trifft dieses Verbot nicht zu. Deswegen kann man in den Supermärkten weiterhin Reis kaufen, was aschkenazische Juden an Pessach nicht tun. Aber nicht alle sephardischen Juden essen an Pessach Reis. Viele verzichten auf ihn.
Wer an Pessach Chametz daheim hat, der packt dieses gesondert in einen Schrank und benutzt diese Schublade oder dieses Schrankfach an Pessach halt nicht. Wer das tut, wie ich, der verkauft sein Chametz vor dem Fest offiziell. Der Verkauf findet symbolisch statt und man trägt seinen Namen in eine Liste ein. All die Listen werden einen Tag vor Pessach von den zwei israelischen Oberrabbinern an die drusische Gemeinde weitergegeben. Wie gesagt, an Pessach dürfen Juden kein Chametz besitzen und so wird unser verkauftes Chametz an einen Nichtjuden abgegeben. Dieser Akt ist, wie gesagt, symbolisch.
Klingt alles kompliziert, ist es aber nicht.
Gestern Morgen verbrannten die Juden weltweit ihr Chametz. Pita – Brote, Semmeln, Mehl, etc. All das wurde zusammengetragen und verbrannt. Des Weiteren gibt es bei der Verbrennung des Chametz (Bi’ur Chametz auf Hebräisch) noch den Brauch, seinen Lulav vom letzten Sukkot (Laubhüttenfest) mitzuverbrennen.
Zuerst kaufte ich auf dem Machane Yehudah Markt noch frisches Fleisch zum Fest ein und dann verbrannte ich, bevor es wieder heimging, mein Chametz.

 

 

Morgen Abend beginnt Pessach

B“H
Morgen (Freitag) Abend ist die Pessach – Seder. Sprich der Pessach (Passover) – Abend. Pessach ist ein JÜDISCHER Feiertag, welcher nichts mit dem Christentum zu tun hat.
Immer wieder werde ich gefragt, wie Ostern in Israel gefeiert wird und meine Antwort lautet, dass Ostern hierzulande nicht gefeiert wird. Im Judentum gibt es kein Ostern und es interessiert auch niemanden. Niemanden außer die Christen die hier leben, die christlichen Touristen und die arabischen Händler in der Altstadt interssiert kein Ostern, sondern nur die Tatsache, dass sich derzeit Touristen bestens abzocken lassen.
Morgen Abend machen sich in Jerusalem viele christliche Touristen auf den Weg, um bei einer jüdischen Pessach – Seder dabei zu sein. Ein sehr schweres Unterfangen, denn normalerweise werden Nichtjuden nicht unbedingt bei einer Seder akzeptiert:
https://hamantaschen.wordpress.com/2015/03/22/nichtjuden-bei-der-pessach-seder/
Öffentliche Sedern, wo jeder so hin kann, gibt es kaum und wenn, dann sind diese für Juden gedacht. Was ich nicht begreife ist, warum insbesondere Christen bei einer Seder mit dabei sein wollen, wenn die ganze Prozedur bei der Seder sie gar nicht betrifft. Es geht um den Auszug der Juden aus Ägyten und nicht um christliche Inhalte. Wenn wir abends in der Haggadah WIR lesen, dann sind damit JUDEN gemeint. Warum also sollte ein Nichtjude WIR lesen. Eher vielleicht IHR (die Juden).
Eine Bekannte von mir meinte, dass Christen wohl irgendetwas suchen. Irgendwelche spirituellen Inhalte oder so. Ich bin der Meinung, dass man unbedingt den vom Christentum ernannten Messias J. „sehen“ will. Man sucht dieses Feeling und will halt so bei den Juden dabei sein. Nicht selten kommen dann penetrante Kommentare, ob denn J. das auch alles so gemacht hat. Das nervt total und Juden laden deshalb Nichtjuden nicht mehr so oft ein wie früher.
Warum können die christlichen Jerusalem – Touristen nicht nur einfach ihr Ostern feiern, ohne Juden mit dummen Kommentaren zu nerven. Vor ein paar Jahren sind wir fast einmal von solchen Touristen angegriffen worden und man schrie uns nach „J. – Mörder“!

 

Jerusalem: „Das Wetter am ersten Pessach – Abend“

B“H
An diesem Freitagabend ist bekanntlich der erste Pessach (Passover) – Abend und die jüdische Welt beginnt ihr siebentägiges Pessach – Fest. In der Diaspora wird Pessach acht Tage lang gefeiert und, wie es die Umstände diesmal wollen, haben auch wir in Israel acht Tage.
Pessach beginnt an diesem Freitagabend, der sogleich auch Schabbat ist. Pessach endet in Israel am nächsten Freitagabend, dem 6. April 2018. Doch an dem Abend ist wieder Schabbat und demzufolge sind die Bäckereien geschlossen und können kein frisches Brot backen. Und Nudeln oder sonstige Getreidespeisen können wir vorher noch nicht zubereiten, da ab Donnerstagabend der letzte Pessach – Feiertag ist. Ein richtiger Feiertag und kein Zwischenfeiertag.
Also müssen wir in Israel ebenfalls bis zum Samstagabend, dem 7. April warten, um wieder Getreide essen zu können. Weil der erste Pessach – Abend diesmal auf einen Schabbat fällt, ist halt alles ein wenig komplizierter.
Die Wettervorhersage für diesen Freitag in Jerusalem: Kühl bei 15 Grad Celsius und nachts nur 9 Grad Celsius.
Am Sonntag, dem 1. April wollte ich eigentlich in die Altstadt gehen und mir im jüdischen Viertel die Pessach – Action ansehen. Dann aber fiel mir ein, dass ja die Christen Ostern feiern und dass mittags am Jaffator alles total gesperrt sein wird. Die Armenier haben ihren traditionellen großen Umzug mit Spielmannszug, Trommeln und Dudelsäcken.
Wenn ich in die Altstadt gehe, benutze ich normalerweise nicht das Jaffator, sondern gehe die Stufen hinter der Cinematheque hinauf. Richtung Zionsberg. Trotzdem wird die Altstadt rappelvoll sein und vielleicht gehe ich erst am Montag.
Montagmorgen ist der traditionelle „Birkat HaCohanim – Segen der Cohanim (Tempelpriester)“ an der Klagemauer (Kotel). Morgens gegen 8.30 Uhr. Auch dann ist es ebenso gerammelt voll, aber das Jaffator ist nicht gesperrt und die Massen können einfacher abziehen und es herrscht weniger Stau.
Jetzt in den letzten Tagen vor Pessach wird noch mächtig geputzt, denn es darf kein Getreidekorn übrigbleiben. Heute habe ich es, wider Erwarten, zum Friseur geschafft. Ein Wunder und der Friseur, ein Ein – Mann – Betrieb, war allein in seiner Klitsche. Morgen hat er zu, meinte er und ab Dienstag ginge gar nichts mehr. Alles ausgebucht vor den Feiertagen.
Dienstag nach der Arbeit will ich einkaufen. Fisch (viele Leute essen Lachs), Fleisch und alles so drumherum. Beim Rami Levi Discounter gibt es tiefgefrorene dicke fette Lammkeulen für 60 Schekel / 14,20 Euro das Kilo. Die Dinger sind aber riesig und das kriege ich nie in den Ofen. Es sei denn, ich schneide das Monster mit einer Kettensäge klein.
Was man bei der Seder so ißt?
Ich habe ein Keksrezept von einer Arbeitskollegin, was ich noch in den Blog stellen will. Schoko – Kekse mit Pekan – Nüssen und Orangesaft.
Man ißt Mazzot und, wie gesagt, Fisch. Lachs geht dieser Tage weg wie warme Semmeln. Salate, Gemüse, Suppen, Fleisch. Rindfleisch, Huhn, Lamm. Je nach Geldbeutel. Dazu wird Rotwein getrunken oder, wer nicht besoffen unter dem Tisch pennen will, trinkt Traubensaft. Bei den Mazzot muss man vorsichtig sein, denn die strotzen nur so vor Kalorien.
Viele Touristen denken vielleicht, dass Juden offenbar an Pessach hungern. Kein Getreide / Getreideprodukte und aschkenazische Juden essen zudem auch keine Kitniyot (Hülsenfrüchte). Da bleibt ja nichts mehr übrig.
Oh doch! Leider zuviel. 🙂
Wurst, Fleisch, Käse, Gemüse, was nicht Kitniyot ist. Eine Menge Kartoffel, Karotten, Brokkoli, Kohl, Zwiebeln, Zucchini und auch Eier. So richtige Hausfrauen backen ihre Pessach – Kuchen mit Mazze – Mehl. Früchte kann man essen und auf den Apfelkuchen muss auch niemand verzichten.
Oberflächlich betrachtet könnte man meine, an Pessach sei den Juden alles verboten. Stimmt aber nicht und nicht wenige Leute nehmen über die Feiertage heftigst zu.