Leben in Jerusalem

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Sind alle Bewohner vom ultra – orthodoxen Mea Shearim Antizionisten?

 

Kein leicht zu definierendes Thema!

Leserfragen: „Ultra – orthodoxe Juden & Essen in Israel“

B“H
Immer wieder kommen die Fragen nach Ultra – orthodoxen sowie orthodoxen Juden auf. Und stets in einem Bezug, der darauf hinweist, dass es sich bei den Leuten, die da fragen, um jene handelt, die den Unterschied zwischen orthodox und Ultra – orthodox nicht kennen und irgendwo mal gelesen haben, dass orthodoxe Juden nicht arbeiten. Auch die deutschen Medien verfolgen die Agenda, orthodoxe Juden wie Idioten erscheinen zu lassen. Zurückgeblieben, weltfremd und eben generell dämlich.
Ich will nicht immer wieder neu die ganzen Unterschiede in der jüdischen Orthodoxie auseinandernehmen. Dies habe ich schon hundertfach auf diesem sowie auf meinem Hamantaschen – Blog getan. Soviel sei gesagt: Orthodoxe Juden arbeiten und wer daran zweifelt, sollte sich zuerst einmal damit befassen, was genau orthodoxe Juden sind.
Eine zweite Frage:
„Wie finanzieren sich orthodoxe Rabbiner in Israel?“
Gewiss nicht so üppig wie in Deutschland. Deutsche Gemeinde zahlen den Rabbinern eine Menge Geld. Auch US – Gemeinden sind nicht kleinlich. In Israel hingegen fallen die Rabbinergehälter recht spärlich aus und wie ich bereits in der Vergangenheit schrieb: Viele Rabbiner verdienen sich ein Zubrot, indem sie Vorträge halten. 
Wer beim Staat angestellt ist, wie dem Oberrabbinat, hat sicher ein gutes Einkommen. Andere Rabbis werden ausschließlich von Gemeinden gezahlt. Oder sie üben andere Tätigkeiten aus wie die Überwachung der Koscherregeln in Restaurants oder bei der Nahrungsmittelherstellung in Fabriken. Als sogenannter Maschgiach. In dem Fall werden sie von den Restaurants oder dem Nahrungsmittelhersteller bezahlt. Oder, wenn sie beim Oberrabbinat angestellt sind, von dort.
Rabbiner in Israel erhalten keine Geldsegen wie die Rabbiner in Deutschland. Obwohl sie, im Gegensatz zu den in Deutschland arbeitenden Rabbis, teilweise hervorragende Rabbiner mit einem grandiosen Wissen sind. Trotzdem bleibt das Gehalt niedrig und in Israel gibt es unzählige Rabbiner.
Rabbinermäßig bin ich froh, in Israel zu sein, denn solche Rabbis wie wir hier haben, gibt es in Deutschland nicht. Klar muss man unterscheiden, doch hier kann ich mir alles aussuchen und bei Rabbinern lege ich Wert auf ihr Wissen und ihren menschlichen Bezug.
Dritte Leserfrage:
Was kostet Essen in Israel?
Antwort:
Viel Geld! Es ist nicht billig und Aldi & Co. gibt es nicht.
Wir haben Discounter, doch die sind mit deutschen Discounter – Ketten nicht zu vergleichen.
Alles ist teuer in Israel und mit ein paar Euros gewinnt man hierzulande keinen Blumenpott.

Ultra – orthodoxe Juden (Haredim) sind nicht so arm wie man denkt

B“H
Ich kann den Inhalt dieses aktuellen Artikels nur bestätigen
https://en.globes.co.il/en/article-haredim-arent-as-poor-as-you-think-1001265187
und obwohl ich orthodox, aber nicht Ultra – orthodox bin, habe auch ich ein bescheidenes Konsumverhalten.
Immer wieder wird auf diesem Blog nachgefragt, was denn Essengehen und all das in Israel kostet.
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Copyright: Miriam Woelke

Die Antwort lautet SEHR VIEL im Vergleich zu Deutschland. Genauestens aber kenne ich die Preise nicht, denn ich gehe nicht essen. Ab und zu einmal zur Kaffeehauskette AROMA, denn dort gibt es den besten Kaffee. Und das zu einem relativ günstigen Preis. Ansonsten gehe ich nirgendwohin und esse Selbstgekochtes daheim.
Ich brauche keine Restaurants, denn ich koche lieber mein eigenes Essen. Mit Zutaten, die ich kenne und frischem Gemüse, Fisch oder Fleisch. Da weiß ich, was drin ist und komme billiger bei weg. Für den Preis, den ich in einem Restaurant zahlen würde, kann ich beim Discounter für eine Woche Lebensmittel einkaufen.
Und ich brauche auch keine supertollen Möbel und sonstigen Schnickschnack. Ich lebe bescheiden und bin glücklich damit, denn besonders seit meiner Krebsdiagnose weiß ich, dass es Wichtigeres im Leben gibt.
Die Haredim, die ich kenne, leben ebenfalls bescheiden und sind mit ihrem Leben zufrieden. Andererseits gibt es genauso eine Menge reicher Haredim, denn sie besitzen ihre eigenen Firmen oder sie investieren.
Leider muss ich sagen, haben sehr viele Israelis verlernt, bescheiden zu leben. Stattdessen wird konsumiert wie verrückt und der Dispo wird bis zum Ende ausgereizt. Aber Hauptsache Konsum und mithalten wollen.

 

Wird Jerusalem zu Ultra – Orthodox / Orthodox?

Blogger fragt Leser: „Warum interessiert es Leute im Ausland, wie orthodoxe bzw. Ultra – orthodoxe Juden ihren Lebensunterhalt verdienen?“

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Photo & Copyright: Miriam Woelke

B“H
Eine Frage, die auf diesem Blog immer wieder auftaucht ist
„Wie orthodoxe bzw. Ultra – orthodoxe Juden in Israel ihren Lebensunterhalt verdienen. Was sie arbeiten, wie sie leben und überhaupt.“
Obwohl ich diese Fragen schon mehrere Hundert Male auf meinen Blogs von oben bis unten durchdiskutiert habe, frage ich mich dennoch, warum gerade Ausländer und / oder Nichtjuden diese Fragen stellen? Warum interessiert es Leute, die mit dem Judentum nichts zu tun haben, wie orthodoxe Juden in Israel ihr Leben finanzieren?
Mir ist klar, dass einige Journalisten von Zeit zu Zeit diverse Artikel gegen orthodoxen Juden verfassen. Vom Judentum haben sie keine Ahnung und so surft man halt wahllos im Netz herum und klaubt sich ein paar Inhalte zusammen, die dann je nach eigener Agenda verdreht und veröffentlicht werden. Mit der Realität hat dies am Ende wenig zu tun, aber welcher Leser in Europa merkt das schon?
Leider ist es so, dass viele viele ausländische Nichtjuden und vielleicht sogar auch Juden, nicht den Unterschied zwischen ORTHODOX und ULTRA – ORTHODOX kennen. Irgendwie wird das alles durcheinandergewürfelt. Zudem gibt es in Israel extrem viele sephardische Juden aus Marokko, Tunesien, Kurdistan, dem Iran, Irak, etc. Diese Tatsache wird vor allem von Deutschen (egal ob Jude oder nicht) teilweise komplett ignoriert. Israel besteht grundsätzlich nicht nur aus aschkenazisch – europäisch oder amerikanischen Juden, sondern die Sepharden haben einen sehr hohen Bevölkerungsanteil. Allein in Jerusalem komme ich mir manchmal in einer aschkenazischen Minderheit vor. 🙂
Orthodoxe Juden arbeiten, doch die Frage, wer da genau ORTHODOX ist, unterliegt mehreren Definitionen. Das orthodoxe Judentum kennt vielerlei Facetten und kann nicht eben mal so über einen Kamm geschoren werden.
Das Ultra – Orthodoxe Judentum unterliegt ebenso vielerei Ausrichtungen und viele dieser Leute arbeiten ebenso, obwohl das häufig weniger bekannt ist. Und selbst wenn jemand nicht arbeiten sollte, nimmt er nicht unbedingt staatliche Hilfe in Anspruch, sondern wird von seiner eigenen chassidischen Gruppe bezahlt und diese wiederum vom reichen Hauptquartier in den USA. Siehe, u.a., die chassidische Gruppe Satmar.
In Israel und besonders in Jerusalem, finden sich orthodoxe sowie ultra – orthodoxe Anwälte, Polizisten, Ärzte, Steuerberater und sogar Firmeninhaber. Im Hightech – Bereich genauso wie im Handwerk.
Es kommt immer darauf an, wen man trifft und eine Verallgemeinerung ist definitiv falsch.  

Der haredische (Ultra – orthodoxe) Stadtteil GE’ULAH

B“H
Es ist unglaublich, wie viele Klicks dieser Blog erhält, wenn die Leute Infos bezüglich der haredischen (Ultra – orthodoxen) Gesellschaft suchen. Auf meinem Hamantaschen – Blog veröffentlichte ich einen Artikel samt Video eines israelischen TV – Berichtes:
https://hamantaschen.wordpress.com/2018/01/14/der-jerusalemer-stadtteil-geulah/
Ich konnte es selber kaum glauben, als ich es las, doch es gab in der jüngeren Vergangenheit Anfragen von Nichtjuden, sie doch mit zu den Haredim zu nehmen. Und das gegen Geld! Das fand ich, ehrlich gesagt, ziemlich obskur und, wie ich auf Hamantaschen schreibe, nehme ich niemanden mit.
Zweimal nahm ich vor mehreren Jahren Leute mit. Das eine Mal handelte es sich um eine Frau, die in Süddeutschland eine Erinnerungsstätte oder sowas in der Art leitet. Sie nahm ich mit zum Tisch des Belzer Rebben. Bei anderer Gelegenheit handelte es sich um zwei Drehbuchschreiber für einen Film, der wohl gerade gedreht wird. Seitdem mache ich nichts mehr in der Art.

Zahlreiche israelische Haredim (Ultra – Orthodoxe Juden) lernen ihre Produkte bei Amazon anzubieten

B“H
Amazon ist noch nicht in Israel, doch Tausende Israelis rennen zu Amazon. Dabei plant der Online – Riese eine gigantische Niederlassung in Israel, denn der Markt ist vorhanden.
Bislang halten israelische Hersteller, Importfirmen sowie Supermarktketten die Preisfäden in der Hand. Es existiert ein Monopol und wir Verbraucher zahlen einen viel zu hohen Preis. Vom einfachen Klopapier bis hin zum Käse – Israel ist ein sauteures Land mit relativ niedrigen Einkommen. Kein Wunder also, dass Juden und Palästinenser gleichermaßen immer auf der Suche nach DEALIM (billigen Deals) sind.
Amazon, Wallmart und wie sie alle heißen, wären positiv für Israel, denn da kämen die einheimischen Hersteller endlich runter von ihrem hohen Ross. Mehr Konkurrenz belebt das Geschäft.
Tausende Israelis kaufen jetzt schon Online und die Nachfrage nimmt stetig zu. Andererseits bieten zahlreiche Israelis ihre eigenen Produkte via Amazon FBA an. Bis hin zur deutschen DaWanda – Plattform.
Supermarktketten wie Shufersal bieten schon lange Online Shopping an. Seit Jahrzehnten bieten die meisten Supermärkte bereits Lieferungen bis vor die Haustür an. Jetzt kommen auch noch die Online Bestellungen hinzu, denn man will konkurrenzfähig bleiben. Gleichzeitg aber verzeichnen Geschäftsinhaber aller Sparten einen Umsatzrückgang, denn im Ausland Online einzukaufen ist wesentlich günstiger. Was bleibt sind ältere Leute, die in die Geschäfte kommen, denn Online kennen die sich kaum aus.
Eigentlich sollte man glauben, dass in Israel reagiert wird und die Preise runtergehen. Das Gegenteil aber ist der Fall und die Preise sollen, wegen fehlender Kundschaft, sogar angehoben werden.
Selbst die haredische (Ultra – Orthodoxe) Gesellschaft hat den massigen Amazon FBA Markt ausgemacht und will nun mitmischen. Haredim sind keineswegs ungebildet und Online schon gar nicht. Es gibt zahlreiche haredische Startups und App – Entwickler und der Markt wächst stetig an.
Auch in Jerusalem laufen diverse Kurse zum Amazon FBA Markt. Wie genau das funktioniert und was man braucht: Nämlich vvvviiiieeelll Geduld!
Yaakov, der Kursleiter, erzählt, dass er mit 19 Jahren heiratete und dann erst weiter Thora – und Talmud lernte. Kurz danach gründete er sein Amazon FBA Business, denn er wollte Geld verdinen.
Was er genau verkauft, kommt in dem nachfolgenden Video nicht so raus, doch wer ein gutes Produkt hat und nicht nur billige Massenware aus China, der kann auf Amazon erfolgreich sein. Nur darf er sich nicht allein auf den Online – Riesen verlassen.