Leben in Jerusalem

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Leserfrage: „Dürfen orthodoxe Juden arbeiten?“

B“H
Jedesmal frage ich mich, was genau diese Anspielungen in Bezug auf orthodoxe und ultra – orthodoxe Juden sollen, wenn es ums Arbeiten geht. Ausländische sowohl als auch unsere heimische linksgerichtete Presse vermitteln Außenstehenden geradezu ein Bild von orthodoxen und ultra – orthodoxen Juden, die da den ganzen Tag faul abhängen und nur Geld vom Staat kassieren.
Auf derlei Propaganda fallen Linke und Leute, die vom Judentum keine Ahnung haben, nur allzu gerne herein. Erstens, weil es in ihre vorgefertigte Agenda passt, denn man scheint orthodoxe Juden grundsätzlich zu hassen. Obwohl man nichts von ihnen weiß, aber egal. Es scheint sich ja hier um zurückgebliebene Parasiten zu handeln und sowas muss halt ausgerottet werden.
Ein zweiter Grund ist, dass die absolute Mehrheit kaum jemals mit der sogenannten ultra – orthodoxen Gesellschaft in Berührung gekommen ist. Vielleicht kennt man Chabad – Lubawitsch und findet die halt nett. Ja, Chabad sei halt nicht Satmar oder Toldot Aharon, sondern weltoffen und tolerant.
Falsch, und Chabad wird einen Teufel tun, seine wahren Ideologien an Leute zu verbreiten, die keine Ahnung haben. Man gibt sich eben nett und verständnisvoll, sagt aber niemals ganz die Wahrheit, denn die könnte den Unwissenden abschrecken. Somit gibt sich Chabad – Lubawitsch mit dem Spiel „Keep Smiling“ zufrieden. Aber es soll hier nicht um Chabad gehen, sondern um die Beantwortung der Leserfrage.

Keinem Juden ist es verboten zu arbeiten!

Das Gegenteil ist der Fall und man soll arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Kann dies, aus welchen Gründen auch immer, jemand nicht, so unterstützen ihn andere Juden. Das hat bereits vor 200 Jahren in Osteuropa funktioniert und gilt bis heute.
Zahlreiche ultra – orthodoxe Gruppierungen lehnen Geld vom Staat Israel strikt ab. Selbst gesetzlich – zustehende Rentenzahlungen werden nicht angenommen. Ferner nimmt man weder Geld von Nichtjuden noch von solchen Juden, die den Schabbat nicht halten.
Einer der größten Unterstützer der ultra – orthodoxen Welt sind, u.a, die Satmarer Chassidim aus New York. Leute, mit denen Nichtjuden niemals etwas zu tun haben werden und daher bedarf es auch keinerlei Anspielungen, woher ultra – orthodoxe Juden ihr Geld bekommen. Von anderen ultra – orthodoxen Juden, welche aufgrund von Firmenbesitz und Immobilien reich sind. Leute, die riesige Unternehmen besitzen und managen. 

 

 

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Yeshiva / Kollel – Lehrinstitut der chassidischen Gruppe Vischnitz in Bnei Brak bei Tel Aviv – Copyright: Miriam Woelke

Des Weiteren wird stets gerne ORTHODOX mit ULTRA – ORTHODOX zusammengewürfelt, wobei beide Gruppierungen völlig unterschiedlich voneinander sind. Viele Male habe ich all das bereits beschrieben und tue dies nicht immer wieder neu. Wobei ich mich, wie gesagt, frage, was jemanden aus Deutschland interessiert, ob orthodoxe oder ultra – orthodoxe Juden arbeiten.
Ja, die meisten tun es. Insbesondere die Orthodoxie. Aber, wenn in Israel oder in den USA ein ultra – orthodoxer Jude seine Steuern und Abgaben zahlt, was geht das dann jemanden in Deutschland an, woher der Jude sein Geld hat. Ich frage ja auch nicht herum, wer Hartz IV bezieht und nenne alle jene eine faule Sau.
Fakt ist, dass selbst ultra – orthodoxe Juden in Israel Steuern und Abgaben wie Grundsteuer (Arnona) zahlen und teilweise keine Stütze erhalten. Die Yeshiva – Welt hat ihr eigenes System, was die wenigsten Außenstehenden nicht wissen, da sie noch niemals mit dieser Welt zu tun hatten.

Leserfrage: „Wieso laufen orthodoxe Juden so schnell?“

B“H
Es gibt doch immer wieder interessante Leserfragen. 🙂
Ich denke mal, dass mit der Frage eher ultra – orthodoxe Jude gemeint sind. Orthodoxe Juden erkennt man nicht immer am Outfit, sondern sie tragen, genauso wie ich, auch Jeans und T – Shirt.
Wenn jemand zuvor noch niemals mit ultra – orthodoxen Juden in Berührung kam, könnte man fast meinen, sie laufen schneller als andere Passanten. Das stimmt manchmal, weil sie es vielleicht eilig haben oder noch schnell etwas erledigen müssen. Oder sie hasten zum Gebet oder es ist halt so jedermanns Art, weil er seine Zeit nicht verschwenden will und Wichtigeres zu zu tun.
Nicht alle ultra – orthodoxen Juden laufen schnell, sondern es gibt halt immer solche und solche. Verallgemeinern sollte man das nicht.  

Knesset – Wahlen 2019: „Parteien und die Stimmen der ultra – orthodoxen Juden“

In Israel ist längst nicht alles schwarz und weiß wie es in ausländischen Medien gerne dargestellt wird. Palästinenser wählen nicht nur arabische Parteien, sondern genauso den Likud unter Netanyahu, die Arbeiterpartei oder die linksradikale Meretz – Partei, welche da, wie die Grünen in Deutschland, nach der Vernichtung des eigenen Landes schreit.

Drusen wählen neben links ebenso auch rechts und es gibt drusische Abgeordnete beim Likud. Religiöse Juden wählen auch schon einmal links und nicht jeder ultra – orthodoxe geht wählen. Diverse chassidische Gruppen nehmen niemals an Knesset – Wahlen teil. Darunter auch Teile von Chabad, Breslov genauso wie Toldot Aharon, Satmar, etc.

Sind alle Bewohner vom ultra – orthodoxen Mea Shearim Antizionisten?

 

Kein leicht zu definierendes Thema!

Leserfragen: „Ultra – orthodoxe Juden & Essen in Israel“

B“H
Immer wieder kommen die Fragen nach Ultra – orthodoxen sowie orthodoxen Juden auf. Und stets in einem Bezug, der darauf hinweist, dass es sich bei den Leuten, die da fragen, um jene handelt, die den Unterschied zwischen orthodox und Ultra – orthodox nicht kennen und irgendwo mal gelesen haben, dass orthodoxe Juden nicht arbeiten. Auch die deutschen Medien verfolgen die Agenda, orthodoxe Juden wie Idioten erscheinen zu lassen. Zurückgeblieben, weltfremd und eben generell dämlich.
Ich will nicht immer wieder neu die ganzen Unterschiede in der jüdischen Orthodoxie auseinandernehmen. Dies habe ich schon hundertfach auf diesem sowie auf meinem Hamantaschen – Blog getan. Soviel sei gesagt: Orthodoxe Juden arbeiten und wer daran zweifelt, sollte sich zuerst einmal damit befassen, was genau orthodoxe Juden sind.
Eine zweite Frage:
„Wie finanzieren sich orthodoxe Rabbiner in Israel?“
Gewiss nicht so üppig wie in Deutschland. Deutsche Gemeinde zahlen den Rabbinern eine Menge Geld. Auch US – Gemeinden sind nicht kleinlich. In Israel hingegen fallen die Rabbinergehälter recht spärlich aus und wie ich bereits in der Vergangenheit schrieb: Viele Rabbiner verdienen sich ein Zubrot, indem sie Vorträge halten. 
Wer beim Staat angestellt ist, wie dem Oberrabbinat, hat sicher ein gutes Einkommen. Andere Rabbis werden ausschließlich von Gemeinden gezahlt. Oder sie üben andere Tätigkeiten aus wie die Überwachung der Koscherregeln in Restaurants oder bei der Nahrungsmittelherstellung in Fabriken. Als sogenannter Maschgiach. In dem Fall werden sie von den Restaurants oder dem Nahrungsmittelhersteller bezahlt. Oder, wenn sie beim Oberrabbinat angestellt sind, von dort.
Rabbiner in Israel erhalten keine Geldsegen wie die Rabbiner in Deutschland. Obwohl sie, im Gegensatz zu den in Deutschland arbeitenden Rabbis, teilweise hervorragende Rabbiner mit einem grandiosen Wissen sind. Trotzdem bleibt das Gehalt niedrig und in Israel gibt es unzählige Rabbiner.
Rabbinermäßig bin ich froh, in Israel zu sein, denn solche Rabbis wie wir hier haben, gibt es in Deutschland nicht. Klar muss man unterscheiden, doch hier kann ich mir alles aussuchen und bei Rabbinern lege ich Wert auf ihr Wissen und ihren menschlichen Bezug.
Dritte Leserfrage:
Was kostet Essen in Israel?
Antwort:
Viel Geld! Es ist nicht billig und Aldi & Co. gibt es nicht.
Wir haben Discounter, doch die sind mit deutschen Discounter – Ketten nicht zu vergleichen.
Alles ist teuer in Israel und mit ein paar Euros gewinnt man hierzulande keinen Blumenpott.

Ultra – orthodoxe Juden (Haredim) sind nicht so arm wie man denkt

B“H
Ich kann den Inhalt dieses aktuellen Artikels nur bestätigen
https://en.globes.co.il/en/article-haredim-arent-as-poor-as-you-think-1001265187
und obwohl ich orthodox, aber nicht Ultra – orthodox bin, habe auch ich ein bescheidenes Konsumverhalten.
Immer wieder wird auf diesem Blog nachgefragt, was denn Essengehen und all das in Israel kostet.
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Copyright: Miriam Woelke

Die Antwort lautet SEHR VIEL im Vergleich zu Deutschland. Genauestens aber kenne ich die Preise nicht, denn ich gehe nicht essen. Ab und zu einmal zur Kaffeehauskette AROMA, denn dort gibt es den besten Kaffee. Und das zu einem relativ günstigen Preis. Ansonsten gehe ich nirgendwohin und esse Selbstgekochtes daheim.
Ich brauche keine Restaurants, denn ich koche lieber mein eigenes Essen. Mit Zutaten, die ich kenne und frischem Gemüse, Fisch oder Fleisch. Da weiß ich, was drin ist und komme billiger bei weg. Für den Preis, den ich in einem Restaurant zahlen würde, kann ich beim Discounter für eine Woche Lebensmittel einkaufen.
Und ich brauche auch keine supertollen Möbel und sonstigen Schnickschnack. Ich lebe bescheiden und bin glücklich damit, denn besonders seit meiner Krebsdiagnose weiß ich, dass es Wichtigeres im Leben gibt.
Die Haredim, die ich kenne, leben ebenfalls bescheiden und sind mit ihrem Leben zufrieden. Andererseits gibt es genauso eine Menge reicher Haredim, denn sie besitzen ihre eigenen Firmen oder sie investieren.
Leider muss ich sagen, haben sehr viele Israelis verlernt, bescheiden zu leben. Stattdessen wird konsumiert wie verrückt und der Dispo wird bis zum Ende ausgereizt. Aber Hauptsache Konsum und mithalten wollen.

 

Wird Jerusalem zu Ultra – Orthodox / Orthodox?