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Wo wollen Israels Neueinwanderer leben?

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B“H
Wo planen Israels Neueinwanderer zu leben?
Wie zu erwarten, vorzugsweise in Tel Aviv. Aber das gehypte Tel Aviv ist teuer und um eine 3 – Zimmer – Wohnung zu kaufen, muss man fast 1 Mio Dollar investieren. Und wer mieten will? Auch die Mietpreise liegen extrem hoch und aus diesem Grund heraus wohnen viele Tel Aviver in WGs. Eben, weil man sich allein die Miete gar nicht leisten kann, denn mit einem Normalo – Einkommen sind die Mieten als Alleinverdiener kaum zu tragen.
Warum ist Tel Aviv so beliebt? Erstens einmal, weil es international gehypt wird. Zudem ist es leichter, dort Arbeit zu finden als an anderen Orten im Land. Ein weiterer Punkt: Die Stadt gilt als liberal, jung und kosmopolitisch.
Selber habe ich auch schon in Tel Aviv sowie dem benachbarten Ramat Gan gewohnt und fand die Stadt gar nicht so superliberal. Es kamen schon diverse Sprüche und total säkulare Juden machten sich über Homosexuelle und nichtjüdische Russen total lustig und es wurde abgelästert. Bei der Gay Parade aus Spaß mitlaufen … ja, okay. Aber dann über die Homos, wie sie hierzulande genannt werden, lästern. Auch das ist Tel Aviv.
Das Leben in der Stadt ist okay, wenn man den richtigen Job und die richtige Bleibe hat. Solange der Lebensunterhalt finanziell gesichert ist. Ansonsten ist es ein unentwegt nerviges Gerenne nach Geld, denn Rechnungen müssen gezahlt werden. Neueinwanderern fällt zu Beginn alles leichter, denn sie erhalten diverse Vergünstigungen bei der Arnona (Grundsteuer), bei Lohnsteuer und es gibt eine finanzielle Unterstützung mit der Einwanderung. Laufen diese Privilegien erst einmal aus, sieht es meistens schon ganz anders aus.
Ich fand es in Tel Aviv nicht so einfach, Freunde zu finden. Klar, kannte ich die Arbeitskollegen und wir gingen auch öfters gemeinsam aus. In Israel macht man das häufig so. Das Anfreunden mit Arbeitskollegen. Darüber hinaus kannte / kenne ich in Tel Aviv Leute, aber ich würde sie nicht als Freunde betiteln. Wobei ich vielleicht betonen sollte, dass ich mich in keiner deutschen Community bewege, sondern unter Israelis und Anglos. Zu deutschen Neueinwanderern habe ich keinen Kontakt, denn die bewegen sich nicht dort, wo ich bin. Das ist keine Absicht, sondern es ergibt sich einfach nicht. Auch mein Jerusalemer Freundeskreis ist geboren israelisch oder englischsprachig aus den USA, Kanada oder aus Australien.
Eine Menge Neueinwanderer wohnen in verschiedenen Stadtteilen fast unter sich, was ich für falsch halte. So findet man Franzosen, Amerikaner oder Russen in vielen Gegenden sozusagen unter sich. Wobei kein Amerikaner unbedingt Russen als Nachbarn sucht. Mit Äthiopiern, Russen oder seltsamen Leutchen, wovon es in Israel recht viele gibt, will man nicht zusammenleben. Welcher Amerikaner oder Franzose will da schon in den Tel Aviver Stadtteil Schapira mit all den sephardischen Juden ziehen? Da bleibt man lieber unter sich.
In Jerusalem möchte ich auch keine älteren Russen als Nachbarn, denn die haben weiterhin die komischen russischen Ansichten und meinen, alle Nichtrussen seien kulturell unterentwickelt. Der Jerusalemer Stadtteil Armon HaNatziv ist voller älterer Russen und da muss man aufpassen, in welches Haus eingezogen wird. 🙂
Neueinwanderer, die es nach Jerusalem zieht, suchen da lieber Wohnungen in Rehavia, der German Colony, dem French Hill oder in Old Katamon. Wer will schon nach Neve Ya’akov (hinter Pisgat Ze’ev gelegen)? Da wohnen sephardische und andere Juden ohne viel Geld. Oder wer will nach Kiryat Yovel? Teilweise sehr religiös und auch sephardisch geprägt. Und mit orientalischen Juden zusammenleben. Vermutlich noch mir Arssim (als asozial geltende sephardische Juden). Nee, nee!
Mir dagegen machen Arssim, wenn sie denn noch so einigermaßen normal sind, nichts aus. Ich muss nicht mit Juden aus dem westlichen Kulturkreis zusammenwohnen. Eher im Gegenteil, denn sephardische Juden als Nachbarn zu haben ist oftmals besser als aschkenazische Juden. Da ist die Atmosphäre nicht so kühl, sondern eher warmherzig. Ich habe auch schon sechs Jahre lang als einziger aschkenazischer Jude unter den Sepharden gearbeitet. Das hat mir, wie gesagt, nichts ausgemacht und ich habe eine Menge von dem Kulturkreis gelernt.
In Tel Aviv ist die Mehrheit der Bewohner aschkenazischer Abstammung wohingegen Jerusalem sephardisch geprägt ist. Auch vom Essen her, was mir wiederum sehr gefällt. Ich brauche kein deutsches Brot, sondern kaufe beim lokalen Bäcker und öfter das jeminitische dünnscheibige Laffa – Brot.
Leider ist zu sagen, dass sehr viele jüdische Neueinwanderer immer noch an ihren alten Gepflogenheiten kleben. Deutsches Essen, deutsches Brot, deutsche Sprache. Oder Amerikaner reden nur Englisch und wollen alles genau so wie in den USA. Deshalb halten sie Israelis meistens für rotzfrech und unkultiviert.
Jeder Neueinwanderer hat so seine Macken, aber ich empfehle jedem, sich im Land ausführlicher umzuschauen. Es muss nicht immer nur Tel Aviv, Ra’anana oder Haifa sein. Das allein ist nicht Israel. Aktuell las ich, dass die Kleinstadt Givat Shmuel nahe Tel Aviv die höchste Quote an Neueinwanderern hat, die nicht in ihr Heimatland zurückkehren. Man sagt, dass 40 – 60% aller Neueinwanderer Israel irgendwann wieder verlassen und in ihre vorherigen Länder zurückkehren.
Jerusalem, Netanya oder Ashdod sind bei französischen Juden recht beliebt. Manche Neueinwanderer zieht es in den Norden und sogar auf den Golan. Es kommt halt immer darauf an, was der Neueinwanderer sucht. Action findet sich in Tel Aviv und wer bereit ist, einen hohen finanziellen Preis zu zahlen, der fühlt sich dort bestimmt gut aufgehoben. Jerusalem gilt unter jungen Neueinwanderern als zu heftiger Klotz. Zu konservativ und ohne Fun. Genau das stimmt nicht immer.
In Tel Aviv ist die Startup Szene, was ebenso eine einseitige Meinung ist, denn auch anderswo im Land finden sich eine Menge Startups. Vielleicht nicht so gediegen wie auf dem Tel Aviver Rothschild Boulevard, aber immerhin. Jerusalem hat eine riesige Startup Community und Beersheva sicherlich auch. Doch wie gesagt, Tel Aviv wird halt international gehypt und andere Städte und Dörfer geniessen diesen Vorteil halt nicht.

2 Kommentare

  1. Shlomo sagt:

    Ich mag TA und alle anderen meeresnahen Städte überhaupt nicht. Irgendwie ist mir das zu religiös dort, zu sehr auf goyisch getrimmt. Das ist für mich nicht wirklich Israel. Gut, alle anderen Ortschaften haben auch sie ihre „Macken“, aber zumindest spürt man da schon eher „heilige Nähe“ Richtung a la Jerusalem.

    Von JLM nach Haifa, weil hier die Mieten bezahlbarer sind. 1300₪ für 16m² sind für mich ok, während für gleiche Größe und Ausstattung und Busnähe in der Hauptstadt schnell mal 2500₪ fällig werden, meist noch viel mehr. Und für sowas wie meine ehem. Wohnung in D (zuletzt 480€ kalt) müsste ich in JLM mindestens 7000₪ mtl. hinlegen. Aber dass Wohnungsmieten in Israel extrem hoch sind, wußte ich schon vor Aliyah.

    Gerne würde ich wieder zurück nach JLM, aber ist z.Zt. für mich nicht bezahlbar, egal ob arbeitslos oder nicht.

    Von Jerida-Kanditaten höre ich oft, es sei in Israel viel zu teuer. Klagen, 20₪ für Butter wollen sie nicht mehr bezahlen.
    Ich wusste das vorher, warum nicht diese? Und Butter kauft man auch günstiger ein. Zahle selber für die 200g-Packung nie mehr als 9₪. Keine Ahnung wo die einkaufen, dass die über die Preise stöhnen. Und, wo bitte gibts Butter für 20₪? Noch nie gesehen.

    Auch vernehme ich von den Jerida’isten oft als Grund, Israelis seien zu frech.
    Ganz ehrlich? Hab ich noch nie erlebt. Ich finde, Deutsche sind oft viel frecher und vor allem, skrupelloser und korrupter. Sind zumindest meine Erinnerungen. Ich habe hier mehr das Gefühl, hier leben überall Menschen mit einem Herzen, wonach man in D geradezu suchen muss.

    Hinter mir stürzte mal eine ältere Frau auf dem Gehsteig mit all ihren Einkaufstaschen. Es dauerte keine 5 Sekunden und schon griffen ihr 4 Hände-Paare unter die Arme, ihr aufzuhelfen. In D dauert das wesentlich länger, wenn sich überhaupt mal jemand umdreht.
    Nein, wenn einem die Israelis zu frech sind, der ist definitiv im falschen Wirkungskreis und will auch ganz bewusst keine guten Erfahrungen machen.

    Gut, mein wesentlicher ‚Vorteil‘ ist, ich habe keine noch lebenden Verwandten im Galut. Zwar auch keine in Israel, aber dass kann man ja evtl. ändern…

    Alles in Allem, wer Aliyah macht und dann nach ein paar Jahren Jerida, der kam mit einer völlig falschen Vorstellung nach Hause. Den Personen geht es nach deren Vorstellungen real besser im Galut.

    Aber, mal Hand aufs Herz, haben diese Personen schon mal daran gedacht, dass sie viel größere Hürden überwinden müssen, wenn man Jahre nach den Aliyah-Vorzügen neu nach Hausen kommen will?

    • Miriam Woelke sagt:

      B“H

      Verschiedene Kuestenstaedte haben fuer mich auch nicht unbedingt etwas Israelisches. In Kfar Saba, zum Beispiel, leben kaum sephardische Juden. Aethiopier schon gleich gar nicht.
      Ra’anana ist auch nicht unbedingt Israel, Netanya vielleicht schon eher. So richtig israelisch geht es auf dem Jerusalemer Machane Yehudah Markt zu. Der Tel Aviver Carmel Markt hingegen ist zu philippinisch. Mit all den philippinischen Gastarbeitern, die in den Nebengassen Schweinefleisch kaufen.

      20 Schekel habe ich noch nicht fuer Butter gezahlt. Die auslaendische teure Butter kaufe ich prinzipiell nicht. Eine kleine TNUVA Butter (falls es sie denn im Laden gibt) kostet noch nicht einmal 4 Schekel.

      Ich denke, dass deutsche Juden, die Aliyah machen, vermutlich den deutschen Lebensstandard sowie die deutsche Mentalitaet in Israel suchen und das gibt es nun mal nicht. Vielleicht tun sich an der Kueste ein paar Deutsche zusammen und machen auf Community. Kann sein. Weiss ich nicht, denn ich kenne keine Deutschen. 🙂

      Israelis frech? Kommt drauf an und hierbei ist es wichtig, Sprache und Mentalitaet zu kennen. Allerdings findet man hierzulande kaum einen Umgangston wie

      „Wuerden Sie bitte mal so gut sein …“, sondern eher „Hey, mach das und das …!“

      Andererseits ist die hiesige Hilfsbereitschaft besonders gross, da hast Du vollkommen Recht. Eine derartige Hilfsbereitschaft gibt es in keinem anderen Land der Erde.

      Viele Leute kommen mit voellig falschen Vorstellungen nach Israel, aber sie haben im Heimatland wahrscheinlich Eltern oder Freunde, bei denen sie erst einmal unterkommen koennen. Und dann gibt es in Deutschland ja Hartz IV sowie die soziale Absicherung, was vieles einfacher macht.

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