Leben in Jerusalem

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Zum Leben in Tel Aviv

 

Ich habe einfach mal mein neues Streaming Programm STREAMYARD ausprobiert und finde es sehr einfach zu bedienen. Und, was noch wichtiger ist, es funktioniert sogar.
Die andauernde Chemotherapie hat mein Aussehen arg verändert, aber naja. Muss ich halt mit leben. 🙂
Wer weitere Fragen / Anregegungen hat, kann mich das gerne wissen lassen!

Wo wollen Israels Neueinwanderer leben?

B“H
Wo planen Israels Neueinwanderer zu leben?
Wie zu erwarten, vorzugsweise in Tel Aviv. Aber das gehypte Tel Aviv ist teuer und um eine 3 – Zimmer – Wohnung zu kaufen, muss man fast 1 Mio Dollar investieren. Und wer mieten will? Auch die Mietpreise liegen extrem hoch und aus diesem Grund heraus wohnen viele Tel Aviver in WGs. Eben, weil man sich allein die Miete gar nicht leisten kann, denn mit einem Normalo – Einkommen sind die Mieten als Alleinverdiener kaum zu tragen.
Warum ist Tel Aviv so beliebt? Erstens einmal, weil es international gehypt wird. Zudem ist es leichter, dort Arbeit zu finden als an anderen Orten im Land. Ein weiterer Punkt: Die Stadt gilt als liberal, jung und kosmopolitisch.
Selber habe ich auch schon in Tel Aviv sowie dem benachbarten Ramat Gan gewohnt und fand die Stadt gar nicht so superliberal. Es kamen schon diverse Sprüche und total säkulare Juden machten sich über Homosexuelle und nichtjüdische Russen total lustig und es wurde abgelästert. Bei der Gay Parade aus Spaß mitlaufen … ja, okay. Aber dann über die Homos, wie sie hierzulande genannt werden, lästern. Auch das ist Tel Aviv.
Das Leben in der Stadt ist okay, wenn man den richtigen Job und die richtige Bleibe hat. Solange der Lebensunterhalt finanziell gesichert ist. Ansonsten ist es ein unentwegt nerviges Gerenne nach Geld, denn Rechnungen müssen gezahlt werden. Neueinwanderern fällt zu Beginn alles leichter, denn sie erhalten diverse Vergünstigungen bei der Arnona (Grundsteuer), bei Lohnsteuer und es gibt eine finanzielle Unterstützung mit der Einwanderung. Laufen diese Privilegien erst einmal aus, sieht es meistens schon ganz anders aus.
Ich fand es in Tel Aviv nicht so einfach, Freunde zu finden. Klar, kannte ich die Arbeitskollegen und wir gingen auch öfters gemeinsam aus. In Israel macht man das häufig so. Das Anfreunden mit Arbeitskollegen. Darüber hinaus kannte / kenne ich in Tel Aviv Leute, aber ich würde sie nicht als Freunde betiteln. Wobei ich vielleicht betonen sollte, dass ich mich in keiner deutschen Community bewege, sondern unter Israelis und Anglos. Zu deutschen Neueinwanderern habe ich keinen Kontakt, denn die bewegen sich nicht dort, wo ich bin. Das ist keine Absicht, sondern es ergibt sich einfach nicht. Auch mein Jerusalemer Freundeskreis ist geboren israelisch oder englischsprachig aus den USA, Kanada oder aus Australien.
Eine Menge Neueinwanderer wohnen in verschiedenen Stadtteilen fast unter sich, was ich für falsch halte. So findet man Franzosen, Amerikaner oder Russen in vielen Gegenden sozusagen unter sich. Wobei kein Amerikaner unbedingt Russen als Nachbarn sucht. Mit Äthiopiern, Russen oder seltsamen Leutchen, wovon es in Israel recht viele gibt, will man nicht zusammenleben. Welcher Amerikaner oder Franzose will da schon in den Tel Aviver Stadtteil Schapira mit all den sephardischen Juden ziehen? Da bleibt man lieber unter sich.
In Jerusalem möchte ich auch keine älteren Russen als Nachbarn, denn die haben weiterhin die komischen russischen Ansichten und meinen, alle Nichtrussen seien kulturell unterentwickelt. Der Jerusalemer Stadtteil Armon HaNatziv ist voller älterer Russen und da muss man aufpassen, in welches Haus eingezogen wird. 🙂
Neueinwanderer, die es nach Jerusalem zieht, suchen da lieber Wohnungen in Rehavia, der German Colony, dem French Hill oder in Old Katamon. Wer will schon nach Neve Ya’akov (hinter Pisgat Ze’ev gelegen)? Da wohnen sephardische und andere Juden ohne viel Geld. Oder wer will nach Kiryat Yovel? Teilweise sehr religiös und auch sephardisch geprägt. Und mit orientalischen Juden zusammenleben. Vermutlich noch mir Arssim (als asozial geltende sephardische Juden). Nee, nee!
Mir dagegen machen Arssim, wenn sie denn noch so einigermaßen normal sind, nichts aus. Ich muss nicht mit Juden aus dem westlichen Kulturkreis zusammenwohnen. Eher im Gegenteil, denn sephardische Juden als Nachbarn zu haben ist oftmals besser als aschkenazische Juden. Da ist die Atmosphäre nicht so kühl, sondern eher warmherzig. Ich habe auch schon sechs Jahre lang als einziger aschkenazischer Jude unter den Sepharden gearbeitet. Das hat mir, wie gesagt, nichts ausgemacht und ich habe eine Menge von dem Kulturkreis gelernt.
In Tel Aviv ist die Mehrheit der Bewohner aschkenazischer Abstammung wohingegen Jerusalem sephardisch geprägt ist. Auch vom Essen her, was mir wiederum sehr gefällt. Ich brauche kein deutsches Brot, sondern kaufe beim lokalen Bäcker und öfter das jeminitische dünnscheibige Laffa – Brot.
Leider ist zu sagen, dass sehr viele jüdische Neueinwanderer immer noch an ihren alten Gepflogenheiten kleben. Deutsches Essen, deutsches Brot, deutsche Sprache. Oder Amerikaner reden nur Englisch und wollen alles genau so wie in den USA. Deshalb halten sie Israelis meistens für rotzfrech und unkultiviert.
Jeder Neueinwanderer hat so seine Macken, aber ich empfehle jedem, sich im Land ausführlicher umzuschauen. Es muss nicht immer nur Tel Aviv, Ra’anana oder Haifa sein. Das allein ist nicht Israel. Aktuell las ich, dass die Kleinstadt Givat Shmuel nahe Tel Aviv die höchste Quote an Neueinwanderern hat, die nicht in ihr Heimatland zurückkehren. Man sagt, dass 40 – 60% aller Neueinwanderer Israel irgendwann wieder verlassen und in ihre vorherigen Länder zurückkehren.
Jerusalem, Netanya oder Ashdod sind bei französischen Juden recht beliebt. Manche Neueinwanderer zieht es in den Norden und sogar auf den Golan. Es kommt halt immer darauf an, was der Neueinwanderer sucht. Action findet sich in Tel Aviv und wer bereit ist, einen hohen finanziellen Preis zu zahlen, der fühlt sich dort bestimmt gut aufgehoben. Jerusalem gilt unter jungen Neueinwanderern als zu heftiger Klotz. Zu konservativ und ohne Fun. Genau das stimmt nicht immer.
In Tel Aviv ist die Startup Szene, was ebenso eine einseitige Meinung ist, denn auch anderswo im Land finden sich eine Menge Startups. Vielleicht nicht so gediegen wie auf dem Tel Aviver Rothschild Boulevard, aber immerhin. Jerusalem hat eine riesige Startup Community und Beersheva sicherlich auch. Doch wie gesagt, Tel Aviv wird halt international gehypt und andere Städte und Dörfer geniessen diesen Vorteil halt nicht.

Leserfrage: „Warum ist Tel Aviv so teuer?“

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Photo: Miriam Woelke

B“H
Als ich Mitte der Neunziger Jahre in Tel Aviv ein WG – Zimmer suchte, waren die Preise schon unermesslich hoch und am Ende zog ich ins benachbarte Ramat Gan. Und das war zu einer Zeit als die Miete in Dollar bezahlt wurde und ein normales WG – Zimmer 250 Dollar kostete. Das waren so ungefähr 700 Schekel. Alle Rechnungen wie Strom, Arnona (Grundsteuer) oder Va’ad Bayit (Hausmeisterdienste), etc. kamen extra. Der Unterschied war, dass Ramat Gan in den Neunziger Jahre erschwinglicher als Tel Aviv war. Kurz darauf änderte sich das.
Zu viele Leute wollen nach Tel Aviv und bezahlbarer Wohnraum ist kaum vorhanden. In der Innenstadt finden sich fast ausschließlich teure Supermärkte, denn dort leben Israelis mit etwas Geld und die Touristen schwirren herum. Discounter dagegen finden sich weitab in Industriegebieten, wo kein Tourist hinkommt. In Jerusalem ist die Lage ähnlich und hier sind die Discounter ebenfalls in Industriegebieten wie Talpiyot oder Givat Sha’ul zu finden. Es gibt keinen Aldi um die Ecke!
Und so sind die Touristen in der Innenstadt schon mal gezwungen, im teuren AM:PM einzukaufen. Wer es billig haben will, geht halt zu den Kaffeehausketten Cofix oder Cofizz. Aber dort ist das Angebot begrenzt.
Tel Aviv wird seit längerer Zeit international total gehypt und marketing – mäßig als die Metropole des Nahen Osten verkauft. Alles sei supertolerant und da müsse man halt hin. Am Ende aber landen die Touristen meistens am Strand, der da nicht einmal schön ist mit seinen riesigen Betonklötzen drumherum. Hochhäuser mit Luxusapartments, wo die lokale Tel Aviver Elite wohnt.
Junge Leute mit großen Träumen ziehen gerne weg aus der Provinz oder aus Jerusalem, um in der Stadt, die angeblich niemals schläft, Karriere zu machen. Zahlreiche von ihnen jobben dann in Snackbars, Restaurants, Shops oder woanders und kämpfen um ihren Lebensunterhalt. Aber Hauptsache in Tel Aviv wohnen. Wer ein Shirt in der Shenkin kauft und damit heim zu seinen Eltern in Afulah auf Besuch kommt, wird bestaunt. So ist halt die Provinz. 🙂
Die Menschen sind bereit, den Preis zu zahlen, obwohl alle am Jammern und Klagen sind. Auf benachbarte Orte wie Ramle oder Rosh HaAyin wollen junge Leute nicht ausweichen. Familien mit Kindern hingegen schon.
Mal in Tel Aviv zu leben und zu arbeiten ist schon ganz schön, aber die Zeit habe ich hinter mir. Wer etwas älter wird, sucht einen Ort, an dem er sich zuhause fühlt und da ist Tel Aviv zu stressig. Jerusalem ist eine Großstadt für israelische Verhältnisse mit einer anderen Kultur und Mentalität. Nicht wenige Israelis (insbesondere Nichtjuden oder säkulare Juden) scheuen die Stadt, die da so anders erscheint. Jüdisch und in arabischen Gebieten muslimisch. Aber vor allem halt jüdisch mit Traditionen. Wer jetzt denke FANATISCH, der versteht die Stadt nicht und missinterpretiert. Jerusalem aber ist, im Gegensatz zu Tel Aviv, ein besserer Ort, um ein Zuhause aufzubauen. Und wem es in der Stadt zu stressig ist, zieht hinaus aufs Land, wo es billiger ist. Nur wird man dort international als SIEDLER beschimpft. 🙂
Vielleicht kann Tel Aviv mit Schwabing verglichen werden. Beide Orte sind halt IN und junge Leute wollen dort um jeden Preis wohnen. Egal, ob Bruchbude oder nicht. Es finden sich immer Dumme, die am Ende den Preis zahlen, nur weil es eben hipster ist. Für den Massentourismus ist Tel Aviv ein teures Unterfangen und der günstigste Ort einzukaufen, sind die Seitengassen des Carmel Marktes.
Die Nachfrage bestimmt das Angebot und Tel Aviv ist nicht gerade schön, aber man wird halt abgezogen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Überschwemmtes Tel Aviv heute

Am Bugrashov Strand von Tel Aviv

B“H
Hier mal etwas Positives zum Abschalten!
In Israel hatten wir in diesem Winter kaum Regen und bis mindestens Donnerstag bleibt es trocken bei 20 Grad Celsius. Als ich am Donnerstag in Tel Aviv war, liefen viele Leute in T – Shirts herum und am Strand ging man schwimmen. Es war total warm, aber als ich in Jerusalem aus dem Bus stieg, musste ich gleich erst einmal meine Jacke wieder anziehen.
Jerusalem liegt in den Bergen. 800 Meter über Normalnull und hier ist es immer kühler als an der Küste.
Das Video nahm ich am Bugrashov Strand in Tel Aviv auf. Obwohl Tel Aviv mehrere Strandabschnitte mit unterschiedlichen Namen wie Frishman Beach, Banana Beach oder Jerusalem Beach hat, wirkt der Strand eher unromantisch. Er ist umgeben von Betonklötzen. Hotels und Luxus Apartments. Jetzt sah ich, dass am Strand endlich einmal Palmen angepflanzt wurden. Immerhin ein Fortschritt.
Das Gebäude hinter dem gelben Baukran kennt Ihr ja schon: Das ist die Amerikanische Botschaft von Tel Aviv.
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Photo: Miriam Woelke

 

 

 

Die amerikanische Botschaft in Tel Aviv

B“H
Alles redet von ihr, doch die Wenigsten wissen, wie sie eigentlich ausschaut: Die amerikanische Botschaft in Tel Aviv.
Sie liegt in der Hayarkon Street direkt am Strand und das Photo zeigt die Rückseite des Gebäudes. Von vorne schaut sie jedoch auch nicht viel anders aus.

 

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Photo: Miriam Woelke

Tel Aviv – Yaffo in 360 Grad