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Falsche Vorstellungen von Israel

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Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig Deutsche von Israel wissen. Vom Judentum will ich erst gar nicht anfangen.
Wenn ich diverse Kommentare auf Welt Online oder Focus lese, frage ich mich, ob ich im falschen Land lebe. Es funktioniert nicht, seine deutsche Denkweise auf Israel anzuwenden. Das geht grundsätzlich schief. Selbst dann, wenn ich mal in Israel urlaube, am Strand von Tel Aviv liege und meine, das Land jetzt zu kennen.
Vor wenigen Tagen erhielt ich einen Kommentar auf Youtube, der da sagte, ich solle doch nach Deutschland zurückkommen, denn da sei es sicher. Israel sei ja viel zu gefährlich.
Derjenige, der diese Meinung vertritt, war noch nie in Israel. Und gerade in der heutigen Zeit ist Israel wesentlich sicherer als Deutschland. Wir haben eine Polizei und Armee, die sofort zur Stelle sind und durchgreifen. In Deutschland ist das nicht der Fall und gerade für Juden ist Deutschland ein gefährliches Pflaster. Mich zieht nichts mehr nach Deutschland und im Juni werden es 20 Jahre, dass ich zum letzten Mal dort war.
Was verbindet mich noch mit Deutschland? Vielleicht die Sprache, die ich aber nur online anwende. Ich kenne keine Deutschen in Israel und verwende die deutsche Sprache nicht aktiv.
Die deutsche Staatsbürgerschaft besitze ich seit meiner Aliyah (Einwanderung nach Israel) vor 20 Jahren nicht mehr. Alle Infos zu dem Thema hier:
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2017/12/20/beibehaltung-der-deutschen-staatsbuergerschaft-nach-der-aliyah-einwanderung-nach-israel/
Was ich besitze ist die israelische Staatsbürgerschaft und nichts darüber hinaus. Ich habe auch nicht vor, nach Deutschland zu reisen oder mich dort gar niederzulassen. Überhaupt nicht. Kurz gesagt, ich hege keinerlei Verbindungen mehr außer zu einer Cousine.
Mein Leben findet in Israel statt und alle meine Freunde sowie mein Umfeld sind hier in Jerusalem. In Jerusalem kann ich des Nachts herumlaufen, ohne dass mir etwas passiert. Wenn man nicht gerade durch arabische Gebiete geht. In Deutschland trauen sich die Leute bei Dunkelheit kaum mehr auf die Straße.
Aber es geht mir nicht unbedingt um die Sicherheit. In Israel kann man ein jüdisches Leben leben und das ist mir am Wichtigsten. Koscheres Essen in jedem Supermarkt und und und.
Einen Fehler, den viele Deutsche begehen: Israel ist ein weitgehend sephardisches Land. In vielen Gegenden und auch in der Armee, sind sephardische Juden in der Mehrheit. So auch in Jerusalem. Wenn ich hier in der Stadt auf ein Amt gehe, habe ich sephardisch – jüdische Angestellte vor mir und da ticken die Uhren völlig anders. Hinzu kommen recht viele palästinensische Angestellte. Insbesondere im Gesundheitswesen. In der nächsten Woche muss ich im Shaare Zedek Medical Center zu einem weiteren CT Scan und fast alle Angestellten beim CT sind Palästinenser.
Israel funktioniert nicht wie Deutschland. Wir befinden uns im Nahen Osten und da gelten andere Mentalitäten, eine andere Sprache und die berühmt – berüchtigte PROTEKZIA (Beziehungen) und KOMBINOT (Kungeleien). Jeder hat so seine Sachen am Laufen. Ob Politiker oder Otto Normalverbraucher. Die Gesellschaft funktioniert halt anders.
Wer der hebräischen Sprache nicht sehr gut mächtig ist und hinter Ämter – Versicherungs – Verwaltungs – oder Geschäftskulissen schaut, bekommt das selten mit. Wer es mitbekommt, sind die Palästinenser. Jedenfalls jene, die in israelischen Städten leben und in die Arbeitswelt integriert sind.

1 Kommentar

  1. Shlomo sagt:

    Das sagte mir kürzlich auch jemand, ich könne jetzt koschere Lebensmittel bekommen, ohne mir dabei die Beine ausreißen zu müssen. Komisch, daran hab ich seit 1. Tag Aliyah überhaupt nicht mehr gedacht. Aber an der Sicherheit als orthodoxer Jude freue ich mich noch heute, denn meine Aliyah war eine Flucht vor dem aktiven Hass in Deutschland. Ich brauchte 4 Monate, um meine Kippa ohne Hut zu tragen, so tief saß die Angst vor Übergriffen und weitere 2 Monate, um meine Zizit offen zu tragen. Und noch heute, fast 2 Jahre nach Aliyah, setze mich auf ein Bank an einer Hauptstraße und erfreue mich daran, hier wird niemand mehr angegriffen, weil er/sie jüdisch aussieht. Sehe auf meine offenen Zizit und freue mich „I can run free!“.

    Einer meiner kleineren 4 Nebengründe war, ich wollte neue Herausforderungen, wo ich mich entweder neu einarbeiten muss oder komplett neu erlernen muss. DAS habe ich hier massenweise und selbst nach 20 Jahren lernt man zum System dazu, siehe Miriam und ihren Kram mit ihrer Chemo, Krankenkasse, Betuach Leumi etc.pp..

    Und, was mir ganz zu Anfang auf fiel und noch heute daran denke, ich war vor Aliyah sehr oft Israel besuchen. Aber es ist wie Tag und Nacht, zwischen neu besuchen oder hier leben. Ein Besucher muss sich nicht durchs System wühlen, hat (idR) weder mit Krankenkasse, Ärzte und allem Zugehörigem zu tun, ärgert sich nicht mit Misrad haPnim, Misrad haKlita, Ulpan und Betuach Leumi und allem anderen herum.

    Der Gast kommt nur, lebt im Hotel, Hostel oder sonstwo, schließt optische Bekanntschaft mit Polizei und Militär, gräbt sich durch Supermärkte wobei es diesem meist völlig egal ist, wo was wie viel günstiger kostet, viel mehr ist da einfach nicht.
    Hier muss man zusehen wo man bleibt, da steht einem kein dt. Konto oder Hilfen aus Ausland zur Verfügung, es müssen Miete, Arnona, etc. irgendwie von dem wenigen Geld über die Runden kommen muss. Da gibts halt kein Essen mehr, wie man es aus Deutschland gewöhnt ist leisten. Und das ist nicht immer leicht, bei den geringen Einkünften die man nun mal in Israel hat. Noch weniger, wenn man in Israel arbeitslos ist,

    Ich kann noch in Deutschland leben, meinen dt. Pass und Staatszugehörigkeit habe ich noch.
    Ja, und dann? Dann wieder alles verstecken, wieder bestimmte Orte mit Uhrzeiten meiden dort nicht hinzugehen und ein“I can run free“ bleibt wieder ein utopischer Traum. Gut, ich hätte wieder eine tolle Grundsicherung, von der ich mir sogar meine 4 Haupthobbys völlig problemlos leisten kann, worunter z.B. Entwicklungen mit und um den Raspberry Pi fällt, und wofür ich in Israel weder Geld noch Zeit habe, mich damit zu beschäftigen.
    Hätte eine schöne Wohnung, die im Winter warm ist und es nicht hinein regnet bzw. fließend Wasser von den Wänden erlaubt. Es hätte massig viele Vorteile in Deutschland zu leben. Das wusste ich bereits schon lange vor meiner Aliyah. In der Zeit, wo ich noch mit mir selber kämpfte,, Aliyah pro und Kontra.

    Aber ich fällte im Frühling 2018 eine Entscheidung und mit dem ,was ich heute erlebe, könnte ich mir mit wachsender Begeisterung selber in den Hintern treten, wenn ich könnte, dass ich nicht Jahre zuvor Aliyah gemacht habe.

    Israel hat so tolle Gesetze und Hilfen, sowas werde ich mein Leben lang in Deutschland vergeblich suchen. Vor allem ist die dt. Regierung fahrlässig unfähig, ihre Juden zu beschützen, die seit rund 1700 Jahren im Land leben. Das war mein Anlass Deutschland dauerhaft zu verlassen, als sich 3 uniformierte Polizisten gegen mich wendeten, nachdem sie beobachteten, wie ein Muslime versuchte mich auf dem Gehsteig über den Haufen zu fahren. Deutschland ist nicht mehr meine Heimat, das ist jetzt absolut sicher.

    Möglich, dass ich das Land noch einmal besuche, aus rein geschäftlichen Gründen, aber dann nur sehr wenige Tage. Lese ich heute die News, was Deutsche mit Juden heute in der BRD machen bzw. zulassen, möchte ich lieber nie wieder dt. Boden betreten. Mein Aliyah-Grund war: Flucht. Und diese Flucht hat sich 100% gelohnt, ich bereue nichts.

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