Leben in Jerusalem

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Israelische Schule – Wird der Schabbat unterrichtet?

Leserfrage: „Diplomatenschulen in Jerusalem & Lernen Juden und Moslems zusammen?“

In israelischen Universitäten lernen Juden und Moslems zusammen. Im staatlichen Schulsystem jedoch schaut es anders aus.

Gestern startete das neue israelische Schuljahr

B“H
Alle sind seit gestern wieder zurück in der Schule nach den ewig langen israelischen Sommerferien: Von Ende Juni bis zum 1. September. Die meisten Eltern sind heilfroh, dass der Alltag wieder seinen gewohnten Gang geht und nicht wenige Schüler sind ebenfalls froh, denn ihnen wurde daheim langweilig.
Jedes Jahr am 1. September wird das neue Schuljahr mit mediealem Brimborium eröffnet und in dem Video erfahrt Ihr einen kleinen Geschmack davon. Vor allem von den Erstklässlern. Politiker sind anwesend und Bildungsminister Rafi Peretz hielt seine Reden.

 

 

 

 

Ab heute ist alles vergessen und Alltag! Am Ende haben die Lehrer doch nicht gestreikt, denn man einigte sich mit dem Finanzministerium. Die ewig anhaltende Diskussion um mehr Geld und zu volle Klassen.

Israels nervige Sommermonate Juli / August

B“H
In Israel sind die Sommerschulferien ausgesprochen lang und was die Schüler freut, ist des Eltern Leid. Wohin und was soll man mit den Kindern von Ende Juni bis zum ersten Schultag am 1. September so lange machen?
Die Sommerferien kosten Eltern einen Haufen Geld, denn die Kinder wollen unterhalten werden. In Shopping Malls oder halt so mit Freunden weg. Viele Kinder und Jugendliche landen im Sommerlager (genannt KAITANAH), welches die Eltern zahlen. Jüdisch – religiöse Einrichtungen wie die Chassidim von Chabad – Lubawitsch oder die sephardische SHASS – Partei offerieren kostenlose Kaitanot für weniger betuchte Familien.
Irgendwann aber sind die Kaitanot zuende und dann hängen die Kinder wieder allein daheim herum, während die Eltern arbeiten. TV, Computerspiele, Internet und wer weiß, was alles findet dann statt. Nicht wenige Eltern sind in Sorge, was ihre lieben Plagen da so alles allein anstellen und wer soll das kontrollieren? Also nehmen nicht gerade wenige Elternteile ihre kleinen Kinder mit zur Arbeit, wo sie dann am PC spielen dürfen oder sich hinhocken und Bilder malen.
Sogar bei mir im Krankenhaus schleppten die eine Sozialarbeiterin sowie ein Onkologe ihre Kinder an. An Arbeit war da natürlich nicht zu denken. Am Ende bleiben Eltern im August ganz zuhause, um die Kinder zu beschäftigen. Hierzulande gibt es zwar nur 11 Tage gesetzlich – bezahlten Urlaub, aber dann wird halt unbezahlt genommen. Am 1. September ist stets der erste Schultag nach den Sommerferien und dann sind die Eltern heilfroh, wenn alles wieder seinen geregelten Gang geht.
Deshalb sind die Sommermonate Juli / August ein absolutes Chaos. Ministerien und andere Stellen bearbeiten weniger Vorgänge und alles geht nur schleppend voran. Es ist Urlaubszeit und die Kinder verlangen von den Eltern, um Ausflüge zu machen oder zumindest Geld einzustreichen.
Kein Wunder also, dass mein CT Ergebnis immer noch auf sich warten lässt und mein Onkologe ist seit gestern drei Wochen im Urlaub. Erst Ende September ist er wieder da und dann geht es auch direkt hinein in die jüdischen Feiertage. Ende September beginnt das jüdische Neujahr Rosh Hashana und der Oktober ist gespickt mit Feiertagen.
Am Sonntag muss ich wieder ins Krankenhaus zur Chemotherapie und dann werde ich zusammen mit meiner Chemo – Krankenschwester versuchen, dass CT Endergebnis zu erhalten. Wenn es denn vorliegt! Außerdem organisierte mir die Krankenschwester eine Spezialistin, die mich gestern anrief. Immer noch plagt mich die Blaseninfektion und, trotz aller Tests, kann niemand sagen, wieso das passiert und was genau es verursacht. Also treffe ich die Ärztin am Sonntag auch noch, die mich eventuell in die Urologie schicken will.
Es ist schon chaotisch, wenn alle im Urlaub sind und man kaum einen Ansprechpartner hat. Und die Feiertage stehen auch noch an. Hoffentlich bekomme ich am Sonntag den endgültigen CT Befund, aber wir werden sehen.
So ist das halt hier in den Sommermonaten. Nichts geht und alle sind irgendwie daheim im Urlaub.
Am Sonntag ist gleichzeitig auch der erste Schultag und dann rasten Eltern erst recht aus, denn die Kleinen werden zur Schule gebracht. Geschniegelt und gestriegelt mit neuen Klamotten und Pipapo. Die Busse werden überladen sein und jedes Jahr sorgt der erste Schultag immer für landesweites medieales Aufsehen. Alle Politiker samt Präsident Ruven Rivlin hocken sich irgendwo in eine Schulklasse und machen auf Public Relation. Die Kameras immer mit dabei und alles wird live berichtet.
Am 17. September sind Knesset – Wahlen und da muss erst richtig PR her. 🙂

Israelische Zeitarbeiter während der Sommermonate

B“H
Zeitarbeiter wie Lehrer, Putzhilfen, Kindergärtner oder Referenten an privaten Colleges wie, u.a., Sapir, werden während der Sommermonate entlassen und sind so gezwungen, bei der Bituach Leumi, sprich vom Staat, Arbeitslosengeld zu beantragen. Eventuell werden sie nach den Sommer – bzw. Semesterferien neu angestellt, doch im Sommer wollen sich die Zeitarbeitsfirmen Sonderausgaben wie Gehälter sparen. Dabei kann ein Antrag bei der Bituach Leumi zwischen 3 – 5 Monate dauern und niemand weiß, wie diese Wartezeit finanziell zu überbrücken ist.
Zwar gibt es, meines Wissens nach, in Israel keine Werkverträge, doch Zeitarbeiter sind überall zu finden. In Banken, in öffentlichen Einrichtungen wie Regierungsministerien, Rathäusern, an Unis, ect. Die Zeitfirmen sind hierzulande genau so bescheiden wie in Deutschland bzw. überall auf der Welt. Kaum Rechte, mieses Gehalt und halt Ausbeutung pur. Selbst Krankenhauspersonal oder Uni – Referenten und Lehrer sind oftmals nur bei Zeitfirmen angestellt und können jeder Zeit entlassen werden. Ein Beamtentum gibt es nicht.
Ein aktueller israelischer TV – Bericht zeigt Schullehrer und Referenten an privaten Colleges, welche vor den langen Sommerferien entlassen worden sind und auf eine Neueinstellung nach Schul – bzw. Semesterbeginn hoffen. Ein Lehrer, zum Beispiel, arbeitet in der Zeit als Küchenhilfe, um nicht Arbeitslosengeld beantragen zu müssen. 

 

Was hat Israel Deutschland voraus?

B“H
Aktuell bringt das Nachrichtenmagazin Focus Online einen Bericht zum Thema „Israel habe Deutschland ohne Rohstoffe abgehängt“ und schon lautet es in den Leserkommentaren, dass es ja kein Wunder sei, denn Deutschland unterstütze das Heilige Land finanziell.
Der Hauptgrund bleibt im Artikel unerwähnt und wegen fehlender Infos will ich das auch hier nicht verlinken.
Was mir immer wieder auffällt und warum sich die israelische Jugend sehr vom deutschen Gegenpart unterscheidet:
In Israel herrscht Wissensdurst. Besonders bei jungen Leuten, doch ich will nicht verallgemeinern und es gehören selbstverständlich auch anderes Altersgruppen dazu. Dennoch, vor allem junge Leute wollen einmal Karriere machen bzw. beruflich weiterkommen. Hier wird nicht so gelabert wie:
„Ja, ich bin vegan und so und ich weiß nicht, was ich mal machen will. Ich schicke halt mal meine Bewerbungsmappe ab.“
Wer in Israel, aus welchen Gründen auch immer, nicht studiert, geht teilweise auf private Weiterbildungsinstitute. Besonders beliebt: IT und Wirtschaft.
Obwohl heutzutage Kinder und Jugendliche weniger lesen und lieber am Computer zocken, Bildung steht immer noch oben an. Und gute Bildung kostet, denn in Israel sind weder Schulen noch Unis umsonst.
Ich traf in der Vergangenheit auf viele Israelis, die sich in der Schule nie besonders angestrengt haben und das heute bitter bereuen. Jetzt pauken sie sich durch teure private Weiterbildungskurse, um noch ein BA oder PhD zu bekommen. Selbst bei der Armee wird massiv auf Weiterbildung und gute Ausbildung gesetzt. Beliebt: Der technische Bereich und IT.
Israelis wollen lernen und weiterkommen. Das ist der Unterschied zu den total fehlerhaften Youtube Kommentaren deutscher Jugendlicher. Dort Wird DER TYP VON NEBENAN bereits so geschrieben: DER TÜP VON NEBENAN. Akkusativ und Dativ scheinen nicht mehr existent. Stattdessen lautet jedes zweite Wort DIGGA.
Wer will sich denn sowas antun?
Am meisten lachen da die Asiaten, denn bildungsmäßig haben die Deutschland schon lange hinter sich gelassen.
In Israel scheut man sich nicht, neue Dinge auszuprobieren und daher all die Startups. Ein weiterer Grund für all die Gründer sind ganz klar auch die immer wiederkehrenden Entlassungen in der Hightech – Branche. Meiner Meinung nach denken Deutsche zu wenig „Out of the Box“. Was man immer hört: „Ja, ich weiß nicht, was ich machen soll. Und ja, geht das denn überhaupt?“
Anstatt anzufangen, lieber erst einmal einen Motivationskurs kaufen gehen oder irgendwelche Lifestyle – Gurus aufsuchen.
Gestern Abend brachte das israelische TV einen Bericht über einige hiesige Teenager, die daheim ihren eignen SLIME herstellen und verkaufen. 13Jährige, die den Markt erkannt haben und ihre eigenen SLIME – Kollektionen zusammenbasteln und online verkaufen. Der israelische Markt ist riesig und die Nachfrage ist da.
In Deutschland dagegen würde man erst einmal genderkonform denken und dann die ganze Umwelt (von wegen Gifte und so) in Betracht ziehen. Und am Ende kommt deswegen auch nichts zustande. Der Erfindergeist ist vor langer Zeit in der Political Correctness untergegangen.
Es fehlt einfach an Wissensdurst und die Neugierde auf Neues.

Leserfrage: „Als Schüler Aliyah machen?“

B“H
Zu dieser Leserfrage gibt es zwei unterschiedliche Antworten, da die Frage an sich nicht genauer definiert ist.
Die Jewish Agency bietet auch in Deutschland für junge Juden israelische High School Programme an. Man braucht sich dort nur erkundigen und hier ist ein kleiner Einblick:
https://en.wikipedia.org/wiki/Naale_program
https://www.naale-elite-academy.com/en/faq/
Dies beinhaltet keine direkte Aliyah, sondern es werden lediglich junge Juden für ein Jahr (?) auf israelische Schulen vermittelt.
Der zweite Punkt wäre, dass eine Familie mit schulpflichtigen Kindern Aliyah macht. Dazu mehr hier:
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2018/08/25/kinder-von-neueinwanderern-nach-israel-was-ist-mit-der-schule/
Generell bietet die Jewish Agency recht wenig Informationen, dafür die nordamerikanische Aliyah – Organisation Nefesh be‘Nefesh umso mehr.