Leben in Jerusalem

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Was hat Israel Deutschland voraus?

B“H
Aktuell bringt das Nachrichtenmagazin Focus Online einen Bericht zum Thema „Israel habe Deutschland ohne Rohstoffe abgehängt“ und schon lautet es in den Leserkommentaren, dass es ja kein Wunder sei, denn Deutschland unterstütze das Heilige Land finanziell.
Der Hauptgrund bleibt im Artikel unerwähnt und wegen fehlender Infos will ich das auch hier nicht verlinken.
Was mir immer wieder auffällt und warum sich die israelische Jugend sehr vom deutschen Gegenpart unterscheidet:
In Israel herrscht Wissensdurst. Besonders bei jungen Leuten, doch ich will nicht verallgemeinern und es gehören selbstverständlich auch anderes Altersgruppen dazu. Dennoch, vor allem junge Leute wollen einmal Karriere machen bzw. beruflich weiterkommen. Hier wird nicht so gelabert wie:
„Ja, ich bin vegan und so und ich weiß nicht, was ich mal machen will. Ich schicke halt mal meine Bewerbungsmappe ab.“
Wer in Israel, aus welchen Gründen auch immer, nicht studiert, geht teilweise auf private Weiterbildungsinstitute. Besonders beliebt: IT und Wirtschaft.
Obwohl heutzutage Kinder und Jugendliche weniger lesen und lieber am Computer zocken, Bildung steht immer noch oben an. Und gute Bildung kostet, denn in Israel sind weder Schulen noch Unis umsonst.
Ich traf in der Vergangenheit auf viele Israelis, die sich in der Schule nie besonders angestrengt haben und das heute bitter bereuen. Jetzt pauken sie sich durch teure private Weiterbildungskurse, um noch ein BA oder PhD zu bekommen. Selbst bei der Armee wird massiv auf Weiterbildung und gute Ausbildung gesetzt. Beliebt: Der technische Bereich und IT.
Israelis wollen lernen und weiterkommen. Das ist der Unterschied zu den total fehlerhaften Youtube Kommentaren deutscher Jugendlicher. Dort Wird DER TYP VON NEBENAN bereits so geschrieben: DER TÜP VON NEBENAN. Akkusativ und Dativ scheinen nicht mehr existent. Stattdessen lautet jedes zweite Wort DIGGA.
Wer will sich denn sowas antun?
Am meisten lachen da die Asiaten, denn bildungsmäßig haben die Deutschland schon lange hinter sich gelassen.
In Israel scheut man sich nicht, neue Dinge auszuprobieren und daher all die Startups. Ein weiterer Grund für all die Gründer sind ganz klar auch die immer wiederkehrenden Entlassungen in der Hightech – Branche. Meiner Meinung nach denken Deutsche zu wenig „Out of the Box“. Was man immer hört: „Ja, ich weiß nicht, was ich machen soll. Und ja, geht das denn überhaupt?“
Anstatt anzufangen, lieber erst einmal einen Motivationskurs kaufen gehen oder irgendwelche Lifestyle – Gurus aufsuchen.
Gestern Abend brachte das israelische TV einen Bericht über einige hiesige Teenager, die daheim ihren eignen SLIME herstellen und verkaufen. 13Jährige, die den Markt erkannt haben und ihre eigenen SLIME – Kollektionen zusammenbasteln und online verkaufen. Der israelische Markt ist riesig und die Nachfrage ist da.
In Deutschland dagegen würde man erst einmal genderkonform denken und dann die ganze Umwelt (von wegen Gifte und so) in Betracht ziehen. Und am Ende kommt deswegen auch nichts zustande. Der Erfindergeist ist vor langer Zeit in der Political Correctness untergegangen.
Es fehlt einfach an Wissensdurst und die Neugierde auf Neues.
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Leserfrage: „Als Schüler Aliyah machen?“

B“H
Zu dieser Leserfrage gibt es zwei unterschiedliche Antworten, da die Frage an sich nicht genauer definiert ist.
Die Jewish Agency bietet auch in Deutschland für junge Juden israelische High School Programme an. Man braucht sich dort nur erkundigen und hier ist ein kleiner Einblick:
https://en.wikipedia.org/wiki/Naale_program
https://www.naale-elite-academy.com/en/faq/
Dies beinhaltet keine direkte Aliyah, sondern es werden lediglich junge Juden für ein Jahr (?) auf israelische Schulen vermittelt.
Der zweite Punkt wäre, dass eine Familie mit schulpflichtigen Kindern Aliyah macht. Dazu mehr hier:
https://lebeninjerusalem.wordpress.com/2018/08/25/kinder-von-neueinwanderern-nach-israel-was-ist-mit-der-schule/
Generell bietet die Jewish Agency recht wenig Informationen, dafür die nordamerikanische Aliyah – Organisation Nefesh be‘Nefesh umso mehr.

 

Israelische Schüler, die durch das Raster rutschen und ohne Schule dastehen

B“H
Jetzt einmal abgesehen von zahlreichen haredischen (Ultra – orthodoxen) Schülern, denen es leicht passieren kann, dass sie nicht von einer der begehrten namhaften Schulen aufgenommen werden und die Schüler sich demzufolge plötzlich ohne Schule zum heutigen Schulbeginn wiederfinden …
In Israel gibt es mehrere Hundert schulpflichtige Kinder und Jugendliche, die durch das Raster fallen und zum heutigen Beginn des neuen Schuljahres ohne Schule dastehen.
Eltern müssen sich passende Schulen für ihre Kinder aussuchen und es gilt nicht das Prinzip des Einzugbereichs. Je mehr Geld in der Familie vorhanden ist, umso mehr wollen die Eltern eine gute Schule für ihr Kind. Wo man unter gleichgesinnten Kindern aus anderen Akademikerfamilien ist oder wo halt der Leistungsanspruch hoch liegt und keine Unterschicht den Unterricht stört. Des Weiteren gibt es technisch – ausgelegte Schulen oder solche, wo mehr Wert auf Kunst gelegt wird. Filmerei, Malen, Schreiben … solche Sachen.
Religiöse Schüler suchen sich ihre passende Schule und dort ist es so, dass das Elternhaus gewisse Grundvoraussetzungen erfüllen muss. Allein beim nationalreligiösen Schulsystem NOAM müssen die Eltern nach einem diversen Standard leben. Noam lehrt Mädels und Jungen in getrennten Gebäuden und früher habe ich bei einer ganzen Familie den Kindern Nachhilfe gegeben. Vier Kinder, zwei Mädels und zwei Jungen. Die beiden Jungen gingen nach der Schule direkt zur Armee ins Hesder – Programm. Armee + Yeshiva.
Etwas modern – orthodox hier und da hat selbst beim Noam – Schulsystem keine Chance.
Haredisch sowie arabische Schulen haben ebenfalls ihre eigenen Systeme.
Die Jerusalemer Lokalzeitung YEDIOT YERUSHALAYIM brachte aktuell einen Bericht über mehrere Jerusalemer Schüler, die seit Jahren ohne Schule dastehen und aussortiert wurden. Hauptgründe sind Drogen, Gewalt oder man ist straffällig geworden. Andere Kinder verprügeln und durch gewalttätiges Verhalten auffallen, wird nicht geduldet. Dann fliegen die Kinder raus und kaum eine andere Schule wird sich bereiterklären, sie aufzunehmen.
Für derlei Kinder und Jugendliche gibt es extra Schulen und Einrichtungen, wo ihnen eine weitere Chance gegeben wird. Mit einer Vorstrafe wird keiner zur Armee eingezogen, was einem schon in jungen Jahren das Leben so ziemlich ruiniert.
Ganz in meiner Nachbarschaft befindet sich eine derartige Einrichtung, wo die Jugendlichen auch wohnen. Junge Leute, deren Eltern am Abgrund sind und sich selber nicht helfen können sowie Jugendliche, die bereits Straftaten begangen haben. Manchmal gelingt es, diese Jugendlichen wieder auf die richtige Bahn zu bringen und bei anderen halt nicht.

Morgen beginnt in Israel das neue Schuljahr

B“H
Morgen ist es mal wieder soweit: Die Medien werden nonstop vom ersten Schultag des neuen Schuljahres berichten. Im Grunde genommen aber begannen zahlreiche jüdisch – religiöse Schulen bereits mit dem Monatsbeginn ELUL vor einem Monat das neue Schuljahr. Morgen zieht der Rest halt nach und eine Menge Knesset – Abgeordnete werden sich in allerlei Schulen die Klinke in die Hand geben und die Medien marschieren auf.
In der Jerusalemer Lokalzeitung YEDIOT YERUSHALAYIM war von mehreren Neueinwanderer – Kindern die Rede, die da israelische Schulen besuchen. Man fragte sie nach dem Unterschied zu den Schulen in ihren alten Ländern. Ein aus England eingewandertes Mädchen meinte, dass man in Israel auch Schokolade und halt Süßigkeiten mitbringen könne. In England dagegen darf nur gesundes Essen in die Schule gebracht werden.
Ein Kind aus Frankreich erzählte, dass die dortigen Lehrer eher unpersönlich seien und mit den Schülern lediglich über Schulangelegenheiten reden. In Israel sei alles viel persönlicher.
Und es kam auch eine ehemalige Berliner Schülerin mit russischen Wurzeln zu Wort, deren Eltern mit ihr nach Israel auswanderten. Sie vermisse Berlin und sie hatte dort viele Freunde. Israel sei ein wahrer Kulturschock und so viele Freunde habe sie nicht. Dafür rede man hierzulande die Lehrer nicht mit HERR oder FRAU an, sondern beim Vornamen. Und zwischen Lehrer und Schüler herrsche eine persönlichere Beziehung. Hat jemand in der Schule Probleme, so wollen ihm die Lehrer helfen und schmeissen ihn nicht gleich auf die Haupt – oder gar Sonderschule.
In Israel ist es völlig normal, seine Lehrer, den Boss oder Bankangestellte zu duzen. Es gibt kein förmliches SIE in der hebräischen Sprache.
Was es gibt ist ADONI = Mein Herr oder GVIRTI / GVERET = Frau, doch das wird eher nur auf der Straße verwendet. Als Anrede sozusagen.
Oder Netanyahu würde man mit ROSH Ha’MEMSHALA = Premierminister anreden. ADON ROSH Ha’MEMSHALAH = Herr Premierminister. Jedoch nicht mit Bibi oder Benjamin.
Ansonsten aber werden einem Leute, Arbeitskollegen, etc. mit Vornamen vorgestellt.

Video: „Der Jerusalemer Stadtteil BAKA und eine typische israelische Schule“

B“H
Ein kleiner Rundgang durch den Stadtteil Baka und in dem Video gebe ich ein paar Infos dazu. Zudem seht Ihr eine typische israelische Schule von außen, was ganz interessant ist. In dem Video sage ich warum, denn vor kaum einer deutschen Schule gibt es derartige Sicherheitsvorkehrungen.
Am Ende des Videos wollte ich eigentlich über die Seniorenresidenz „Beit Moses“ reden, doch da krachte mir meine Kamera wegen fehlendem Speicherplatz ab. Deswegen werde ich zu dieser einst von deutschen Juden bewohnten Residenz ein separates Video machen. 

 

 

Kinder von Neueinwanderern nach Israel – Was ist mit der Schule?

B“H
Vor ein paar Tagen unterhielt ich mich mit einer in Israel geborenen Schülerin und fragte sie, was denn eigentlich mit den Kindern von Neueinwanderern (Olim Chadashim) sei. Ob die hier direkt eingeschult werden, auch wenn sie kaum or noch gar kein Hebräisch können.
Sie meinte, dass es so sei, dass diese Kinder und Jugendlich in normale Schulen gehen und im Klassenzimmer mit all den anderen Schülern sitzen. Auch dann, wenn sie kein Wort verstehen.
Nach Beendigung des regulären Unterrichts gehen diese Kinder der Neueinwanderer dann in eben jener Schule noch zu einem Ulpan (Hebräischkurs).
Die Erfahrung zeigt, dass, je jünger die Kinder, dest schneller lernen sie die neue Sprache und Schrift.
In den meisten Schulen im Land ist es so, dass man Jude sein muss, um in reguläre Schulen zu gehen. Es gibt gemischte Schulen mit Juden und Nichtjuden bzw. auch Arabern. Nicht so häufig, aber es gibt sie.
Kibbutz – Schulen nehmen auch nichtjüdische Kinder auf. Ob auch Araber, weiß ich nicht.
In den allermeisten Fällen behalten die Schulen ihren jüdischen Charakter und wollen keine Klassenkämpfe mit nichtjüdischen oder gar anti – jüdischen Schülern. Aus Jerusalem weiß ich, dass jüdisch – staatliche Waisenhäuser nur Juden aufnehmen. Alle Kinder anderen Glaubens müssen in arabische bzw. arabisch – christliche Einrichtungen in Ostjerusalem.
Eine deutsche Touristen versuchte vor ein paar Jahren, ihre zwei Töchter in normalen Jerusalemer Schulen unterzubringen. Ohne Erfolg und man schickte sie zur christlichen Schule in der Nevi’im Street. Anglikanisch, glaube ich. Es gibt noch eine christliche Schule bei der International Christian Embassy von Jerusalem. Beide Einrichtungen sind stramm anti – jüdisch. Diese Schulen kosten sehr viel Geld und ausländische EU – oder UNO – Angestellte schicken ihre Kinder dorthin. Eine reguläre jüdische Schule würde diese Kinder nicht aufnehmen. Warum auch, wenn die Eltern schon Antisemiten sind.

 

Jerusalem im August

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Jerusalem / Stadtteil Abu Tur – Photo: Miriam Woelke

B“H
In Deutschland mag sich das Wetter abgekühlt haben, in Israel dagegen halten die 30 Grad Celsius noch mindestens bis Ende September an. In Jerusalem haben wir tagsüber 28 – 31 Grad Celsius und bereits morgens ist es warm und sogar ziemlich feucht bei 21 Grad. Die Küstenregion kommt auf höhere Temperaturen, doch in Jerusalem lässt es sich ganz gut aushalten. Die Stadt liegt mehrere Hundert Meter hoch und meistens weht eine frische Brise. Nicht immer in der Innenstadt, aber in den Außenbezirken ist ein frischer Wind des Abends zu spüren.
Am 1. September beginnt in Israel das neue Schuljahr. Diverse jüdisch – religiöse Schulen nahmen bereits vor circa zwei Wochen, mit dem Monatsanfang Elul, den Unterricht wieder auf.
Derweil sind die Eltern mit dem Schulbuchkauf, Klamottenkauf und Schulutensilienkauf beschäftigt und das geht teilweise ziemlich ins Geld. In keinem Land wird soviel Brimborium um den ersten Schultag nach den Sommerferien gemacht, wie in Israel. Religiöse Schulen sind davon nicht betroffen, dafür säkulare umso mehr. Ein neuer Schulrucksack, neue Klamotten zum ersten Schultag sowie neue Schuhe. All das hat sich irgendwie als Tradition eingebürgert.
Und am ersten Schultag gehen die Knesset – Politiker auf Tour und hocken samt TV mit im Klassenzimmer. Auch das Schauspiel hat Tradition.
Schulen in Israel kosten Geld und ich weiß nicht, wie Arbeitslose das alles finanzieren. Ich vermute aber mal, dass es für Leute, die von der Sozialhilfe leben, großzügige Rabatte gibt.
Was ich am hiesigen Schulsystem gut finde: Dass Kinder mehr gefördert werden. Gut, auf allen Schulen ist das sicher nicht möglich, doch hier in meiner Nähe gibt es eine Schule, welche künstlerische Talente der Schüler fördert.
An anderen Schulen kosten extra Kurse auch extra Geld und nicht jeder kann sich das leisten. Generell aber sind viele Schüler ziemlich lernwillig, denn man will einmal im Leben etwas erreichen. Kann sein, dass ich da etwas voreingenommen bin mit meiner Meinung, denn ich wohne in einer Umgebung, in der Familien mit etwas Geld wohnen und keine finanziell Benachteiligten.
Wer in der Schule nicht viele Chancen hatte oder nutzte, kann dies teilweise bei der Armee nachholen. Wenn er denn will.
Insgesamt aber ist Bildung in Israel recht teuer und ich traf als ich in einem Zweitjob bei der Jerusalem Post arbeitete, auf viele viele Israelis, die in der Schule inaktiv waren und das jetzt als Erwachsene bitter bereuen. Nun soll das Versäumte nachgeholt werden und die privaten Colleges kosten einen Haufen Geld. Dann wird tagsüber gearbeitet und abends geht es halt auf die Schulbank, um im Leben vorwärts zu kommen. Auch in Israel gilt: Bildung und Abschlüsse bzw. Weiterbildung. Niemand darf auf der Stelle treten.
Kinder und Jugendliche, die in sozialen Brennpunkten aufwachsen, haben auch in Israel weniger Motivation als andere Kinder. Eben, weil sie das von daheim aus nicht gewohnt sind und oftmals auch keinen Computer besitzen. Aber selbst ohne Computer im Kinderzimmer – wenn die Motivation nicht vorhanden ist und die Eltern nicht dahinterstehen, haben Kinder schlechtere Karten. Das ist hierzulande nicht anders als in Europa.
Jerusalem ist voller Touristen und die kommen nicht nur aus dem Ausland. Massenweise reisen Israelis jetzt noch in den letzten Tagen der Sommerferien herum und die Kinder kommen alle mit.
Im September stehen die hohen jüdischen Feiertage an und mit viel Schule oder Arbeit ist da nicht. Bereits jetzt nehmen es viele Firmen, darunter auch die, in der ich arbeite, leichter. So kurz vor den Feiertagen haben die Leute Urlaub und es wird alles etwas langsamer angegangen. 🙂 Und nach den Feiertagen kommt wieder der Stress auf.