Leben in Jerusalem

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Rentenversicherungen in Israel

B“H

 

Wer in Israel als Israeli (nicht als Tourist) keine private Altersvorsorge abschließt, erhält lediglich eine Rente vom Staat, die derartig knapp bemessen ist, dass keiner davon leben kann. Allein die Miete ist wesentlich höher als die staatliche Mindestrente.
Normalerweise schließt der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer eine private Rentenversicherung ab. Bedeutet, dass beide Parteien in diese Rentenversicherung einzahlen. Ich bin kein Versicherungsexperte, kann aber sagen, dass es in Israel viele Versicherungen gibt, die Altersvorsorgepläne offerieren.
Wer eine ganz neue Police startet, kann dies meist nur über einen Versicherungsvertreter und nicht direkt bei der Versicherung tun. Das wiederum heißt, dass der Vertreter einem erst einmal Schrott andrehen und dabei hohe jährliche Provisionen kassieren will. Schlimmstenfalls bis zu 20% pro Jahr.
Wer sind die besten und wer die schlechtesten privaten Rentenversicherungen in Israel?
Als positiv werden in unterschiedlichen Foren ME’ITAV DASCH und HAREL bewertet. Wobei mir Bekannte berichteten, dass Harel, übrigens der größte Versicherungsanbieter des Landes, auch nicht so supertoll ist und die Kundschaft abzockt. Aber wer tut das nicht? Versicherungen sind alle mies und die perfekte existiert nicht.
Am Negativsten werden MIGDAL und MENORAH eingestuft. Menorah verlor bereits eine erhebliche Anzahl an Kunden, die da zu anderen Anbietern wechselten. Darunter gleich eine ganze Universität, welche ihre Angestellten woanders rentenversicherte.
Wer sich die Anmeldung einer Rentenversicherungspolice bei Menorah anschaut, bekommt einen Schock. Man will jede kleine Krankheit des potenziellen Neukunden aufgelistet haben. Zudem muss eine Unterschrift erfolgen, die Menorah ermächtigt, bei Krankenhäusern und Ärzten Auskünfte über den Kunden einzuholen. Mit seiner Unterschrift verzichtet der Neukunde sozusagen auf die ärztliche Schweigepflicht.
Ob das bei allen Versichrungen der Fall ist, weiß ich nicht. Eine Arbeitskollegin meinte JA.
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Leserfrage: „Warum ist die Armut so hoch in Israel?“

B“H
Ganz einfach: Die Gehälter sind niedrig und ein hoher Anteil der Arbeitnehmerschaft erhält weniger als den gesetzlichen Mindestlohn. Dagegen anzugehen wagt kaum jemand, denn das bedeutet, gefeuert zu werden und ohne Einkommen dazustehen. Extrem hohe Lebenshaltungskosten und Mieten sind Teile des israelischen Alltags.
Politiker scheren sich kaum um den sozialen Sprengstoff, denn demonstrieren tut niemand und falls ja, werden die Demonstranten mit privaten Versprechungen eingekauft. 
Weder Bibi Netanyahu noch der Rest der Knesset interessieren sich für die Belange des Otto Normalverbrauchers. Neulich las ich auf einem deutschen Nachrichtenportal einen Kommentar, dass doch Ya’ir Lapid der beste Premierminister werden würde.
Ya’ir Lapid?
Linksextrem, arrogant und selbstverliebt. Ya’ir Lapid kennt nur Ya’ir Lapid und sonst niemanden. Aufgewachsen im Wohlstand proklamiert er ununterbrochen: „Wer arbeitet, hat auch genügend Geld zum Lebensunterhalt!“
Lapid kennt keine soziale Gnade und wäre optimal für besserverdienende Neoliberale, aber von gravierendem Nachteil für den kleinen Mann.

Die israelische Sozialversicherung BITUACH LEUMI

B“H
Wie deutsche Regelungen bezüglich der Sozialversicherung ausschauen, kann ich, nach all den Jahren in Israel, nicht mehr sagen. In Israel hingegen ist es so, dass jeder Staatsbürger automatisch verpflichtet ist, seine monatlichen Beiträge an die Bituach Leumi zu zahlen. Egal, ob jemand arbeitet oder nicht. Wer seinen Zahlungen nicht nachkommt, erhält umgehend Bußgeldbescheide.
Normalerweise werden einem Arbeitnehmer die Bituach Leumi – Beiträge monatlich vom Gehalt abgezogen. Einen gewissen Prozentsatz zahlt die Bituach an die jeweilige Krankenkasse. Wobei der Arbeitnehmer jedoch nochmal extra Krankenkassenbeiträge vom Gehalt abgezogen bekommt. Zusätzlich zum Beitrag an die Bituach Leumi. 
Ob Touristen, die befristet in Israel arbeiten, bei der Bituach einzahlen müssen, entzieht sich meiner Kenntnis. Wer will, kann sich diesbezüglich hier kundig machen:
https://www.btl.gov.il/English%20Homepage/Pages/default.aspx

Leserfrage: „Wie viel Kindergeld gibt es in Israel?“

B“H
Jemand erkundigte sich nach der Höhe des Kindergeldes in Israel. Hier ein Link dazu:
https://www.btl.gov.il/English%20Homepage/Benefits/Children/Pages/default.aspx
Alle israelischen Familien mit Kinder erhalten Kindergeld. Solange sie denn Staatsbürger sind. Dazu gehören ebenfalls palästinensische Familien!
Ich erwähne das, weil in Deutschland häufig verbreitet wird, Palästinenser hätten in Israel keinerlei Rechte. Eine absolut falsche Behauptung. Palästinenser mit israelischem Personalausweis erhalten Tariflöhne, Kindergeld, Arbeitslosengeld bzw. Sozialhilfe. Genau wie alle anderen Bürger auch.

Zur Zusammenarbeit mit Muslimen

B“H
In Deutschland wird diskutiert, ob Migrantenunterkünfte alle Bewohner nach Herkunftsland bzw. Religion trennen sollen. Würde eine getrennte Art der Unterbringung Massenschlägereien verhindern?
Vielleicht, aber wenn, dann nur zeitlich begrenzt. Die Migranten werden nicht bis in alle Ewigkeiten in den Unterkünften bleiben, denn sie sollen sich ja integrieren. Heißt im Klartext: Wohnung und Arbeitsmarkt. Will man da dann auch Syrer von Pakistanis oder Afrikanern getrennt wohnen bzw. arbeiten lassen? Auf Dauer hat eine Trennung keine Chance und ist unrealistisch. Will Daimler Benz tatsächlich billige Migranten einstellen, die sich dann hinterher am Fliessband prügeln? Und wer will in seinem Haus Migranten haben, die sich im Treppenhaus wilde Schlägereien liefern und sich schlimmstenfalls gegenseitg mit dem Messer abschlachten?
In Israel arbeiten Juden und Palästinenser zusammen. Egal, ob in Büros, Fabriken, Krankenhäusern oder Supermärkten. Nicht immer geht es friedlich zu, denn oft verweigern Palästinenser weibliche Vorgesetzte. Nicht immer, aber es kommt vor. Wer sich dennoch nicht eingliedert, fliegt raus, da Tausende Arbeitslose bereitstehen. Die Palästinenser wissen das und sind sich bewusst, dass Miete und Rechnungen gezahlt werden müssen. Von Stütze leben ist in Israel nicht so heiß begehrt wie in Deutschland, denn hierzulande kann man kaum von staatlichen Geldern existieren.

Leserfrage: „Sozialhilfe in Israel“

B“H
Ein Blogleser erkundigte sich nach der Sozialhilfe in Israel.
Nun bin ich kein Experte auf diesem Gebiet, denn, G – tt sei Dank, war ich noch niemals gezwungen, Sozialhilfe beantragen zu müssen.
In Israel gibt es Sozialhilfe und der Anteil von Sozialhilfeempfängern liegt relativ hoch. Arbeitssuchende müssen sich einmal pro Woche auf dem Amt melden und der Sozialhilfesatz wird wesentlich anders berechnet als in Deutschland. Allerdings werden, ähnlich wie beim Hartz IV, Sozialhilfe und Arbeitslosengeld von einer einzigen Behörde verrechnet und ausgezahlt: Der „Bituach Le’umi“(Sozialversicherung).
Wie im Einzelnen das genau abläuft, entzieht sich meiner Kenntnis. Eines kann ich jedoch sagen: Ausländer, die zeitweilig in Israel leben, haben keinerlei Anspruch auf Bituach Le’umi. Selbst ein jüdischer Neueinwanderer erhält erst nach Ablauf des ersten Jahres Sozialhilfe. Bis dahin muss er sehen, wie er zurecht kommt.
Ein Anrecht auf Sozialhilfe hat jeder israelische Staatsbürger. Egal, ob Jude oder Palästinenser!
Vielleicht kennt sich ja jemand auf diesem Gebiet besser aus und kann einen Kommentar hinterlassen !

Die Misere des sozialen Wohnungsbau in Israel

B“H
Eine israelische TV Reportage zum sozialen Wohnungsbau im Land. Nur in hebräischer Sprache, doch die Aussage ist für alle Betrachter eindeutig:

 

In den 50iger Jahren wurde der soziale Wohnungsbau in Israel massiv vorangetrieben. Schon allein wegen der hohen Einwanderungswelle von Juden aus Nordafrika. Wie ich mehrmals berichtete, deportierten muslimisch – regierte Länder wie Marokko, Tunesien oder Libyen die seit Jahrhunderten im Land ansässigen Juden nach der offiziellen Gründung des Staates Israel (1948). Nicht nur nordafrikanische Länder handelten so. Die gesamte arabische Welt wie auch der Irak oder Syrien wollten die Juden sofort loswerden und es setzte eine Masseneinwanderung nach Israel ein.
Um all die Neuankömmlinge in Israel aufzufangen, wurden zuerst Zeltdörfer errichtet. Lange Jahre lebten selbst Kibbutzniks in Zelten. Absolut nicht zu vergleichen mit den heutigen Neueinwanderern, obwohl einige davon sicherlich froh wären, ein Zelt zu haben. Nicht immer bringt der heutige Staat die Neuankömmlinge unter und sehr schnell landet man auf der Straße, wie auch die Reportage zeigt.
In den 50igern wurden all die Sozialwohnungen jedoch nicht unbedingt in Ballungegebieten wie Tel Aviv oder Haifa errichtet, sondern in der Peripherie. In der Pampa sozusagen. Dort, wo es kaum Jobs gab und gibt. Obwohl, bis vor ein paar Jahren herrschte an Orten wie Dimona die Textilindustrie und es waren massig Arbeitsplätze vorhanden. Doch schon in den 90igern Jahren kam der Abstieg, denn die Jobs wurden lieber ins billigere Ausland wie Jordanien, Portugal oder die Türkei verlegt. Israelische Textilhersteller wie Kitan liessen vorzugsweise ihre Handtücher im Ausland produzieren und der Textilzweig in der Peripherie starb. Heute herrscht in Tiberias, Kiryat Gat, Kiryat Malachi, Dimona, Arad, etc. die Arbeitslosigkeit und junge Leute drängt es nach Tel Aviv.
In der Peripherie finden wir bis heute die höchste Anzahl von Sozialwohnungen und wer eine sucht, der muss in Jerusalem oder Tel Aviv mindestens zehn Jahre warten. Was er bis dahin macht und ob er auf der Straße lebt, interessiert keine Sau.
Was die Reportage ebenso wenig anspricht ist die Tatsache, dass Suchtkranke stets vorgezogen werden und sofort eine Sozialwohnung erhalten. Es ist also durchaus von Vorteil, Junkie oder Alkoholiker zu sein. 🙂
Wer den Prozess des Warteverfahrens verkürzen will, der läßt sich nicht in Ballungsgebieten auf die Warteliste setzen, sondern erklärt sich bereit, in die Pampa umzuziehen. Dort allerdings dreht sich die soziale Abstiegsspirale weiter, denn es sind keine Jobs vorhanden und die Mehrzahl der Bewohner leben seit Jahren von der Stütze. Die Aussicht auf Besserung tendiert gegen Null.
Wie in der Reportage angesprochen wird, baut die Regierung keinerlei neue Sozialwohnungen. Es werden Bewohner aus dem Jerusalemer Sozialgebiet Gonen / Katamonim gezeigt. Gleich neben der Luxusgegend um die Malcha Mall finden wir auf der anderen Straßenseite das soziale Elend. Neueinwanderer aus Russland oder Äthiopien genauso wie Junkies. Die Schimon bar Yochai Street sollte man nach Einbruch der Dunkelheit meiden.
Auf der einen Seite der Malcha Mall der pure Luxus und das Wohngebiet der Reichen. Auf der anderen Seite, gleich hinter dem Teddy Fussballstadion, die Armut der Stadt. Erst neulich hörte ich, dass die dortigen Sozialwohnungen saniert und ggf. teurer vermietet werden. Oder gar ganz privatisiert werden. Jedenfalls werde ich weiter zum Thema berichten, sobald ich Neues höre.
Katamonim ist nicht das einzige Gebiet mit Sozialwohnungen. In Kiryat Yovel, der Stern Street, finden wir dasselbe Schauspiel und auch hier ist bei Dunkelheit nicht mehr sicher Kirschenessen.
Was die Reportage sehr gut auflistet, sind die Kriterien für den Anspruch auf eine Sozialwohnung. Ich jedenfalls erfülle diese nicht und bleibe mein Leben lang anspruchslos, es sei denn, ich werde zu 100 % schwerbehindert und sitze im Rollstuhl. Selbst bei einer Behinderung von 100 % ist der Anspruch nicht sicher, denn solange jemand auf seinen Beinen steht, erfüllt auch er die Kriterien nicht. Wenn, dann muss der Rollstuhl her.
Ein weiteres Kriterium: Eine alleinerziehende Mutter mit mindestens vier minderjährigen Kindern. Hat die Alleinerziehende nur zwei oder drei Kinder, besteht keinerlei Anspruch und sie kann auf der Straße leben.
Was wir in der Reportage ebenso sehen: Eine ältere Frau, die im Treppenhaus ihres ehemaligen Wohnhauses lebt. Mit Sack und Pack und verköstigt von ihren Nachbarn. Der Vermieter hatte sie vor die Tür gesetzt als die Miete aufblieb. Die Frau hat keinen Anspruch auf eine Sozialwohnung und so steht sie auf der Straße.
Wer als Mieter seine Miete nicht zahlt, wird gnadenlos geräumt. Von heute auf morgen. Hier wird gesetzlich nicht lange rumgezickt wie in Deutschland. Keine Miete = Raus ! Die Polizei kommt und das Schloss wird ausgewechselt.
Mit das Schlimmste in der Reportage ist, dass Wohnungsbauminister Uri Ariel (Bayit Yehudi) immer noch meint, dass ein Israeli locker von 1000 Schekel (ca. 300 Euro) im Monat leben kann. Dabei kostet die Miete für eine kleine Bleibe bereits 2500 – 3000 Schekel. Ganz zu schweigen von den Neben – Lebenshaltungskosten. Egal, welche Regierung, ob links oder rechts, die Politiker haben sich längst zu weit vom Volk entfernt und leben in ihrer eigene reichen Welt. Wer nicht arbeiten kann oder auf der Straße steht, hat selber schuld. Für die Bürger gilt: Bloß nicht krank und alles verlieren.
Dennoch kann man, wie in der Reportage angesprochen, das kleine Israel nicht mit dem sozialen Wohnungsbau in Holland oder England vergleichen. Das sind absolute Gegensätze. Vor allem mit Wohnungsbauminister Uri Ariel, der sich lediglich um Siedler in Samaria und Judäa kümmern will. Und hier ausschliesslich um narionalreligiöse Siedler. Säkulere und Ultra – Orthodoxe sind für ihn nur Abschaum.