Leben in Jerusalem

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Vlog von der Straße: „Port bei Chemotherapie, Essen nach Yom Kippur und Alltägliches“

 

 

Die israelische Busgesellschaft Egged kündigt an, dass am morgigen Dienstag die Busse landesweit ihren Betrieb zwischen 14.00 – 15.00 Uhr einstellen. Morgen Abend gegen 18.35 Uhr beginnt der höchste jüdische Feiertag YOM KIPPUR. Ein 25 – Stunden andauernder Fastentag, der sich nur an Juden richtet.
Die Busse fahren wieder nach YOM KIPPUR – Ende, welches am Mittwochabend kurz nach 19.00 Uhr sein wird. Ab circa 20.30 Uhr sollten die Busse ganz normal ihren Betrieb aufnehmen. 

 

Was genau ist ein PORT bei der Chemotherapie?
https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/chemotherapie-portsysteme.php

 

Meine elfte Sarkoma – Chemotherapie im Shaare Zedek Medical Center / Jerusalem

B“H
Heute war das Filmen in der Onkologie ziemlich schwer, denn es waren eine Menge Patienten unterwegs. Ich will weder andere Patienten noch die Belegschaft filmen, denn das wäre nicht fair. Und dann war auch noch eine der Chemo – Tüten leer und immer wenn das passiert und nicht sofort auf eine andere „Gifttüte“ umgestellt wird, läuft Blut aus der Vene. Aber keine Sorge, das läuft wieder alles in die Vene zurück. Nichts passiert! Ich musste nur die Krankenschwester suchen gehen, um die nächste Tüte in den Intravenös tropfen zu lassen.
Seit vier Monaten gehe ich zur Chemotherapie, um zwei Leiomysarkoma – Metastasen zu verkleinern. Die Metastasen unter Kontrolle zu bringen sowie keine neue wachsen zu sehen, ist bereits jetzt schon ein Erfolg. Ich hoffe, er bleibt so. Schlimmstenfalls wird operiert.

 

Der erste Herbstregen in Jerusalem

B“H
Fast den ganzen Tag über war es heute zwar warm, aber meistens bewölkt. Immer noch haben wir in Jerusalem tagsüber zwischen 28 – 32 Grad Celsius. Nachts sinkt das Thermometer auf 20 Grad und an den Abenden braucht man bereits eine Jacke oder zumindest etwas Langärmliges.
Dann plötzlich fing es heute Nachmittag an zu donnern und es roch draußen angenehm nach Regen. In meinem Stadtteil regnete es nur wenige Tropfen, aber in der Innenstadt goß es richtig. 

 

 

 

Am morgigen Sonntag bleibt es weiterhin bewölkt und es wird windig. Ab Montag dann wird es bis zum Yom Kippur am Mittwoch mit 30 – 32 Grad wieder richtig warm. Trotzdem ist der Herbst bereits angekommen.
Ich sehe morgen im Krankenhaus meiner elften Chemotherapie – Behandlung entgegen. Vielleicht mache ich ein Video, wobei das schwierig ist, denn ich will keine anderen Leute filmen. Weder Personal noch andere Patienten.

Zurück im Alltag

B“H
Zwei Tage lang feierte die jüdische Welt ihr Neujahrsfest Rosh Hashana und wir befinden uns nun offiziell im Jahr 5780. Im Gegensatz zum weltlichen Sylvester hat Rosh Hashana einen ernsthaften Hintergrund und es wird viel in den Synagogen gesessen und auch gut gegessen.
Heute ist wieder Alltag. Zumindest bis Mitte nächster Woche, denn dann steht der höchste jüdische Feiertag Yom Kippur an. Ein 25 – Stunden dauernder Fastentag.
Die letzten 2,5 Tage habe ich im Nachbarstadtteil Nof Zion bei Freunden verbracht. Dazu lade ich gerade ein Video hoch.
Wir hatten eine tolle Zeit mit viel Roastbeef und Hühnchen und überhaupt gutem Essen. An den zwei Feiertagen habe ich meinen Sarkoma – Krebs völlig vergessen und alles lief einfach nur normal ab. Ohne Gedanken an die am Sonntag erneut angesagte insgesamt 11. Chemotherapie – Behandlung. Diese Woche habe ich chemo – frei, aber in den kommenden zwei Wochen stehen wieder einmal zwei weitere Behandlungen an. Deswegen darf ich am Yom Kippur auch nicht fasten und muss stattdessen etwas Essen und viel Wasser trinken.
Am Rosh Hashana ging es mir einigermaßen gut, obwohl ich immer zwischen 20.00 – 21.00 Uhr ins Bett muss, denn sonst falle ich vor Müdigkeit einfach um. Eine völlig normale Nebenwirkung der Chemotherapie. Einen Tag geht es mir super und am nächsten Tag bin ich nicht in der Lage, auch nur irgendwas zu machen. Nichts kann ich richtig im Voraus planen, denn ich muss immer erst sehen, wie es mir an dem Tag geht. Das nervt so ziemlich, aber „it is what it is.“
Der September war immer noch heiß und die Temperaturen von 28 – 31 Grad tagsüber in Jerusalem halten immer noch an. Mit einem Klimawandel hat das nichts zu tun, denn das sind halt die ganz normalen Temperaturen in dieser Jahreszeit. 🙂

 

Rosh Hashana – Stress

B“H
Am Sonntagabend beginnt das jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana. Dann beginnt das Jahr 7780 gemäß dem jüdischen Kalender. Und jetzt fällt mir ein, was ich noch besorgen muss: Einen neuen Kalender, den ich normalerweise immer in einem ultra – orthodoxen Stadtteil kaufe, denn er enthält alle wichtigen religiösen Daten, Events und Uhrzeiten. Und das so richtig ausführlich.
Heute früh war ich kurz in der Stadt, einige Dinge zum Feiertag besorgen, den ich da bei Freunden verbringe. Ich werde so halb ein sephardisches Rosh Hashana haben. 🙂
Pessach (Passover) und Rosh Hashana verbringe ich stets zusammen mit ein paar Freunden. Wir bereiten das Essen zusammen vor, kaufen ein und jeder gibt einen Geldbeitrag. Diesmal wird es Rinderfilet geben, was ich besorgte. Lebensmittel in Israel sind teuer und wenn wir uns zum Festmahl treffen, dann werden die enormen Kosten geteilt.
Bereits vor zwei Wochen nahm mich ein Bekannter im Auto mit zum Discounter Osher Ad und schon damals war es dort tagsüber gerammelt voll. Ich möchte nicht die Schlangen vor den Kassen jetzt kurz vor Rosh Hashana sehen. 🙂 Selbst heute in Downtown Jerusalem war morgens schon die Hölle los. Traditionell kaufen viele Leute zum Fest neue Klamotten und Schuhe und der Machane Yehudah Markt ist dieser Tage überlaufen und teuer.
Den kurz nach Rosh Hashana folgenden Yom Kippur werde ich daheim verbringen. Dazu habe ich bereits hier etwas verfasst:
https://hamantaschen.wordpress.com/2019/09/23/diesmal-habe-ich-eine-andere-art-von-yom-kippur/
Ich gehe zur Chabad – Lubawitsch Synagoge um die Ecke. Zwei Tage zuvor habe ich eine weitere Chemotherapie – Behandlung und ich muss sehen, wie ich mich fühle. Jeder Tag ist halt anders zwecks Nebenwirkungen.
Wenn Ihr in Israel herumreist:
Bereitet Euch darauf vor, dass am Sonntag, dem 29. September 2019 nur ein sogenannter „halber“ Tag ist. Wie an einem Freitag vor Schabbat – Beginn stellen die Busse nachmittags den Verkehr ein und die Geschäfte machen dicht. Montag, der 30. September und Dienstag, der 1. Oktober 2019 sind in Israel offizielle Feiertage (Rosh Hashana). Plant dies in Eure Reiseunternehmungen schonmal mit ein!
Erst ab Dienstagabend gegen 19.30 Uhr oder so fahren wieder Busse. Mittwoch, der 2. Oktober ist wieder Alltag. Zehn Tage später folgt der Yom Kippur und weitere fünf Tage danach folgt das Laubhüttenfest Sukkot. Zu all diesen Festen werde ich noch Details auf meinem Hamantaschen – Blog veröffentlichen.
Mehrheitlich wurden für die hohen Feiertage in fast allen israelischen Synagogen Tickets im Voraus verkauft. Saftige Preise und mehrere Hundert Schekel / Euro wurden verlangt. Somit haben es Außenstehende sehr schwer, Zutritt zu Synagogen zu bekommen. In Deutschland ist das nicht viel anders.

Sarkoma – Chemotherapie: „I am doing good!“

B“H
Mein aus den USA stammender Onkologe sagte mir gestern: „Your are doing good!“
Keine besonderen Nebenwirkungen nach der zehnten Gemzar / Taxotere – Chemotherapie. Ansonsten das Übliche und in diesem Jahr werden ich keinen Haarwuchs mehr haben, sondern mit dem Haarausfall klarkommen müssen, denn die Chemo – Behandlung läuft noch bis November und dann sehen wir weiter.
Soweit ist die Behandlung ein Erfolg. Zwar habe ich immer noch zwei Metastasen in Lunge und Oberbauch, doch die sind aktuell unter Wachstumskontrolle und das allein ist als Erfolg zu verbuchen.
Anfang November habe ich eine Blasen – Zystoskopie. Ekelhaft, denn ich kenne das alles schon aus der Zeit als mir der Stent im letzten Dezember gezogen wurde. Diesmal habe ich am selben Tag auch noch Chemotherapie und es wird kein leichter Tag. 🙂 Aber es muss halt sein.
Die gestrige mehrstündige Chemotherapie verlief wie immer und es ist schon erstaunlich, an was der Mensch sich alles gewöhnen kann.

Die zehnte Chemotherapie

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Photo: Miriam Woelke

B“H
Morgen steht bereits meine zehnte Chemotherapie – Behandlung ins Haus und ich muss mal wieder in die Onkologie des Shaare Zedek Medical Center einrücken. Irgendwie komisch, dass das alles schon zur Routine geworden ist.
Jedesmal habe ich jemanden aus dem Freundeskreis dabei und ich habe diesbezüglich echt tolle Freunde. Nicht jeder ist dazu imstande, Freunden direkt in der Onkologie beizustehen, denn nicht jeder kann das sehen.
Nach wie vor Gemzar / Taxotere (Docetaxel) und zuvor alle mögliche Injektionen gegen Übergeben, zur Reinigung sowie Steroide. Das ganze Programm wartet einmal wieder und einen Termin bei meinem Onkologen habe ich morgen auch. Zu dem rolle ich dann mit der ganzen „Kledage“ ins Zimmer. 🙂