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Die israelische Miun (Notaufnahme) Misere

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Das israelische Fernsehen brachte gestern einen weiteren Bericht zur Misere in den landesweiten Notaufnahmen in den Krankenhäusern. Wobei Krankenhäusern in kleineren Orten eh schlechter gestellt sind. Gute Ärzte arbeiten in Großstädten. Allein schon wegen Prestige und Gehalt. Nicht unbedingt im Jerusalemer Hadassah Ein Kerem Hospital, denn da gerade dieses Krankenhaus aufgrund von massiven Verlusten durch den Bernie Madoff – Skandal in eine absolute Schieflage geraten war und Gehälter immer mal wieder ausbleiben. Allein aus der Krebsstation flüchteten Ärzte nach Tel Aviv. Vorwiegend in das Ichilov Hospital.
Generell verdienen Ärzte in Israel schlecht und viele versuchen Privatpatienten zu bekommen. Ganz besonders schlecht ist es in der Peripherie und hier im Video werden das Barzilay Hospital von Aschkelon gezeigt genauso wie Kaplan Hospital in Ramle. Die Leiterin der Barzilay – Notaufnahme, Dr. Lionarda Kalassov, versucht ihr bestes um den Patientenansturm zu bewältigen. Von 7.00 Uhr früh bis abends gegen 23.00 Uhr schiebt sie Schicht und es ist zu wenig Personal da. 

 

 

 

Jede Notaufnahme des Landes ist chaotisch und wer als Patient noch einigermaßen sitzen kann und nicht gleich umkippt, muss oft Stunden warten. Im letzten Oktober war ich fünfundzwanzig Stunden lang in der Gastro – Notaufnahme. Mehr als sieben Stunden allein wartete ich auf den CT Scan. Triage ging schnell, aber danach kam das dicke Ende. 🙂
Die Krankenhäuser brauchen mehr Personal, aber dafür ist kaum Geld da. In Tel Aviv, Haifa oder Jerusalem bekommen Patienten fast sofort OP Termine, in der Peripherie nicht. Bei mir fand die OP genau eine Woche nach der Notaufnahme statt. Zuerst musste ich noch Papierkram erledigen, zu mehreren Bluttesten, Röntgen, CT, EKG und und und. Und vor allem mit der Krankenkasse die Kostenübernahme klären. Wie gut das ich die teurere Vollversicherung habe, sonst hätte ich vermutlich noch zuzahlen müssen.
Die Notaufnahme bewältigen nur Ärzte, die die hebräische Sprache perfekt beherrschen und die israelische Mentalität kennen und damit umzugehen wissen. Es ist Chaos und oft Gebrüll. Araber, Juden und eingewanderte Russen und Amerikaner arbeiten in meinem Stammkrankenhaus Shaare Zedek zusammen. Jeder muss funktionieren, wobei mir Shaare Zedek wesentlich lieber ist als Hadassah. In Hadassah sind mir zuviele Araber und in Shaare Zedek ist das Verhältnis zwischen Patient und Personal persönlicher. Dazu herrscht im Shaare Zedek Medical Center eine eher jüdisch – religiöse Atmosphäre und es gibt eine Synagoge sowohl als auch rabbinische Sprechstunden und Beratung. Das Essen dagegen ist eine Katastrophe. Unten in der Notaufnahme ist es etwas besser, aber oben auf Station ist es grausam. Kein Wunder, dass ein Patient, der laufen oder seinen Rollstuhl fortbewegen kann, in den vierten Stock zur kleinen Shopping Mall geht / rollt und bei Aroma einen frischen Kaffee trinkt oder im Laden Essen einkauft.
Israel legt einen extrem hohen Anspruch auf medizinisch ausgebildetes Personal. Wer Medizin im Ausland studierte, muss hierzulande noch einmal Tests durchlaufen, denn ein ausländisches Studium wird nicht direkt anerkannt. In dem Punkt ist Israel sehr streng. Zudem muss ein Arzt israelischer Staatsbürger sein.
Einen Mangel an Medizinstudenten bzw. Krankenschwesterazubis gibt es nicht, aber trotzdem könnten es halt noch mehr sein. Und wie ich bereits im Oktober berichtete: Krankenschwester – bzw. Pflegeazubis müssen in Israel ihre Ausbildung selber bezahlen. Sie erhalten kein Gehalt, sondern müssen vier Jahre lang die gesamte Ausbildung allein aus eigener Tasche zahlen.

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