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Leserfrage: „Aliyah (Einwanderung nach Israel) Statistik 2017“

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B“H
Bezüglich Auswanderung:
Gibt es nicht soetwas wie eine jährliche Aliyah-Statistik z.b vom israelischen Innenministerium, welche die Aliyah-Zahlen genau nach Herkunftsland aufschlüsselt?
Mich interessieren solche Statistiken schon länger, aber auf Englisch findet man dazu keine offiziellen Zahlen und mein Hebräisch ist zu schlecht.
Ein paar Angaben in englischer Sprache vom Central Bureau of Statistics findest Du hier:
https://www.anglo-list.com/aliyah-information/aliyah-statistics-data
http://www.cbs.gov.il/reader/shnaton/templ_shnaton_e.html?num_tab=st04_02&CYear=2017
Europa ist jetzt nicht so super aufgeschlüsselt, aber ein hoher Anteil wanderte 2017 aus den UK sowie aus Frankreich ein. Wobei die Zahl der französischen Juden bezüglich der Einwanderung sank. Auch immer weniger Russen machen Aliyah.
Der Anteil von Juden aus Deutschland, die Aliyah machen, ist eher unerheblich. Deutschland hat noch nicht einmal eine eigene Olim (Einwanderer) Society in Israel und ist mit eingebunden in die British Olim Society. Dort muss man nicht unbedingt nach seiner Ankunft in Israel hin, kann sich aber dennoch ein paar Infos wie Adressenlisten von Arbeitsamt, Nationalversicherung Bituach Leumi, etc, abholen. Manchmal hat die British Olim auch Jobangebote in Jerusalem, Tel Aviv oder Netanya, wo sich deren Niederlassungen befinden.
Zur British Olim Society gehören britische Einwanderer, deutsche sowie jene aus Südafrika. Im Office von Jerusalem sitzen Nichtsnutze, aber in Tel Aviv lohnte es sich hinzugehen. Es reicht einmal, denn soviel Tolles gibt es nun auch nicht zu erfahren.
Bei der Gelegenheit möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass die Aliyah (Einwanderung nach Israel) nur Juden betrifft und keine Nichtjuden. Wer keinerlei Papiere diesbezüglich vorweisen kann, dem wird auch keine Aliyah gewährt. Jemand kann als Tourist kommen, sein Visum verlängern, aber muss dann irgendwann wieder das Land verlassen. Zudem erhält jemand, der sich für einige Zeit als Tourist niederläßt, keine Staatsbürgerschaft, kaum Rechte und keine Arbeitserlaubnis.
Es gibt befristete Studentenvisa oder halt für Praktikanten oder Leute, die Recherche betreiben. Es gibt da einen Deutschen bei der Nationalbibliothek von Jerusalem, der da über deutsche Juden forscht. So richtig dazugehören tut man jedoch nicht, was derjenige dann bei Versicherungen, der Bituach Leumi, Banken und überhaupt im Alltag erfährt. In Israel ist es wichtig, eine israelische Personalausweisnummer zu haben. Bei allem wie Telefonverträgen und jedem kleinen Pups im Alltagsleben. Die Nummer ist wichtig und bleibt einem ein Leben lang. Sie dient als Identifikation wie in den USA die Sozialversicherungsnummer.
Hast Du diese Nummer nicht und bist demnach kein Staatsbürger, kann es sein, dass Du anders behandelt wirst. Manchmal ist das gar nicht so offensichtlich, aber mit Personalausweisnummer hast Du einen anderen Status. Ansonsten bist Du immer der Außenseiter und man kann Dich nicht einordnen.
Ich bin einmal vor Jahren mit einer Bekannten, die hier Touristin war, zu einem Event gegangen. Die Security fragte nach unseren Ausweisen und als man ihren Pass sah, war sie gleich verdächtig. Ja, was sie denn da wolle und so.
Ich zeigte meinen israelischen Personalausweis, wurde nur durchgewunken und die Bekannte gleich mit. Weil ich dabei war, war alles okay.
Den Personalausweis erhält man als eingewanderter Jude beim jeweiligen Innenministerium (Misrad HaPnim) des Ortes, an dem man sich niederläßt. Dazu sind die Aliyah – Papiere der Jewish Agency oder bei US – Amerikanern & Kanadiern, von Nefesh be’Nefesh erforderlich. Auch Papiere vom Einwanderungsministerium (Misrad HaKlitah) sowie der Nachweis, dass man Jude ist.
Wer Reform konvertierte, wird nicht bei Oberrabbinat registriert, denn dort gilt er als Nichtjude. Wer Orthodox konvertierte, wird automatisch mit der Aliyah beim Oberrabbinat als Jude eingetragen. Dies ist wichtig bei Heirat, Tod und Kindern.
In Israel ist alles streng geregelt und nur mit den entsprechenden Papieren gehört man dazu. Übrigens ging das bei mir mit dem Personalausweis beim Innenministerium von Jerusalem sehr schnell. Ich hatte einen haredischen (Ultra – Orthodoxen) Sachbearbeiter und ich war da schnell wieder raus. Ich wurde nicht dumm angemacht, wie sehr viele andere Neueinwanderer. Das Innenministerium kann oft der Knaller sein und nicht wenige werden in Grund und Boden geschrien. Frustrierte Bürokraten und dann immer wieder Touristen mit Visaverlängerungen und seltsame Leute, die fälschlicherweise vorgeben, Juden zu sein. Wer auf dem Ministerium keine beweiskräftigen Unterlagen bringt, erlebt sein blaues Wunder. Es wird gebrüllt und dann heißt es “Raus aus dem Land”.
Palästinenser haben ihre eigenen Ministerien in Ostjerusalem. Mit Angestellten, die Arabisch sprechen.
Was für mich viel interessanter ist: Der Anteil jener jüdischen Neueinwanderer, welche das Land wieder verlassen. Aus welchen Gründen auch immer.
Finanzielle Gründe, wenn man keinen so tollen Job fand und halt im Niedriglohnsektor landete. Oder jemand kam mit völlig falschen Erwartungen. Familiäre Gründe. Manche Eheleute lassen sich scheiden oder die Kinder kommen hier nicht zurecht. Oder man hat die Schnauze voll, von ganz unten anfangen zu müssen. Da geben viele Leute auf und sehen nicht ein, wieso sie in Israel am Rande des Existenzminimums leben, wenn sie doch im Heimatland ein viel besseres Leben hatten.
Es gibt viele Gründe, warum Neueinwanderer wieder gehen. Vor allem Russen und Amerikaner beklagen sich, dass gebürtige Israelis rotzfrech, laut, arrogant und nervig seien. Okay, Amerikaner werden eher anerkannt als Russen, denn Russen haben ihren Ruf als Mafia und Prostituierte weg.
Dennoch, nach mehr als 20 Jahren Israel muss ich sagen, dass es hierzulande Gruppen / Gesellschaftsgrüppchen gibt, in die ein Neueinwanderer (egal, aus welchem Land) niemals hineinkommt. Man wird nett behandelt, aber diverse Gesellschaften würden einen nicht so akzeptieren wie eine gebürtigen Israeli. Und damit meine ich keine religiösen Ausrichtungen, sondern das genaue Gegenteil: Säkulare Gesellschaftsgruppen im akademischen / wirtschaftlichen Bereich. Insbesondere in der Finanzwirtschaft sowie der allgemeinen Wirtschaft, womit ich arbeitsmäßig zu tun habe. Es gibt da diverse Clans und die als Neueinwanderer aufzubrechen, ist mir noch nicht gelungen. Aber auch die Polizei ist hierarchisch und als Frau hast Du da nicht viel zu melden. Da regieren sephardische Macho – Typen.
Die Jerusalem Post berichtete, dass circa 40% der Neueinwanderer mit dem Gedanken spielen, Israel wieder zu verlassen. Manche tun es, andere bleiben. 40% aber wollen zumindest wieder weg.
Es ist nicht leicht, in Israel zurechtzukommen und viele geben halt frustriert auf.
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