Leben in Jerusalem

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Beibehaltung der deutschen Staatsbürgerschaft nach der Aliyah (Einwanderung) nach Israel?

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B“H
Als ich in der vergangenen Woche auf der Deutschen Botschaft in Tel Aviv war, erfuhr ich, dass sich die Gesetzeslage wieder einmal geändert hat. Nach meiner offiziellen Einwanderung nach Israel (Aliyah) im Jahre 2000 änderten sich die deutsche Gesetze ständig. 🙂
Einmal heißt es, dass ein Deutscher, der im Ausland eine weitere Staatsbürgerschaft beantragt, seine deutsche Staatsbürgerschaft automatisch verliert. Dieses Vorgehen basiert auf einem Gesetz aus dem Jahre 1919.
Die Betonung liegt hier auf dem Wort BEANTRAGT, denn wer als Jude Aliyah nach Israel macht (nach Israel einwandert), der BEANTRAGT die israelische Staatsbürgerschaft ja nicht, sondern bekommt sie sozusagen automatisch geschenkt. Man fragt nicht danach, sondern hat sie einfach.
Alle Bundesländer erkannten die israelische Vorgehensweise als NICHT BEANTRAGT an und der Deutsche konnte seine Staatsbürgerschaft beibehalten, solange er denn seinen letzten Wohnsitz NICHT in BAYERN hatte. Bayern nämlich erkannte als einziges Bundesland das israelische Verfahren nicht an. Bedeutet im Klartext, dass derjenige, der seinen letzten deutschen Wohnsitz in Bayern hatte (so wie ich), die deutsche Staatsbürgerschaft verlor.
Theoretisch hätte ich für mindestens sechs Monate nach Deutschland zurückkehren und mich in einem anderen Bundesland anmelden können. Aber ich kann ja nicht eben mal so sechs Monate weg, um dann irgendwo in Deutschland befristet zu wohnen.
Dann änderte sich die Gesetzeslage so, dass der Neueinwanderer nach Israel ein kompliziertes Verfahren bei der Deutschen Botschaft / Auswärtiges Amt durchlaufen musste, um die deutsche Staatsbürgerschaft beizubehalten. Dies schließt mit ein, dass er zunächst einmal die israelische Staatsbürgerschaft ablehnt, dann das Verfahren bei der Botschaft durchläuft, danach zum israelischen Innenministerium geht und doch noch die israelische Staatsbürgerschaft erhält.
In Israel hat man damit wenig Probleme, denn man weiß um die komplizierten Verfahren mancher Länder. Und in Israel selbst kann jeder Israeli andere Staatsbürgerschaften haben, ohne dass die Behörden sich anstellen.
Aktuell ist es wieder so, dass ich selbst nach fast 18 Jahren israelischer Staatsbürgerschaft meinen im Jahre 2003 abgelaufenen deutschen Pass erneuern kann. Wenn ich denn bei uns zum Innenministerium gehe und meine israelische Staatsbürgerschaft bestätigen lasse. Danach wird alles zur Deutschen Botschaft nach Tel Aviv gesandt und entschieden. 

 

 

Dieses Formular muss vom israelischen Innenministerium unterschrieben werden. – Photo: Miriam Woelke

Wie genau sich die Gesetze auf deutsche Nichtjuden in Israel auswirken, kann ich nicht sagen. Ich denke mal, dass durch eine Heirat mit einem Israeli nicht sofort die volle israelische Staatsbürgerschaft erteilt wird und derjenige Deutsche eh seinen deutschen Pass behält.
Ich persönlich warte mindestens bis zum Sommer ab, um zu sehen, wie sich die Lage in Deutschland überhaupt entwickelt.

6 Kommentare

  1. Christa Weier sagt:

    Hallo Mirjam,
    erst seit drei Jahren lebe ich als Deutsche Nichtjüdin nun in Tiberias, als Rentnerin, seit 25 Jahren mit einem Israeli verheiratet ( Rückkehrer).
    Aus Deinem Artikel werde ich nicht ganz schlau.
    Könnte ich eigentlich auch nach drei oder fünf Jahren eine ständige Aufenthaltsgenehmigung hier bekommen und so meinen deutschen Pass behalten, wenn ich die Israelische Staatsbürgerschaft nicht annehme?
    Mein Mann war auch nie deutscher Staatsbürger, weil er Israeli bleiben wollte.

    Das ist der Anlass zu einem Kontakt zu Dir. Du lebst schon lange in Jerusalem.
    Ich fühle mich nach drei Jahren immer noch nicht angekommen und bräuchte z.Zt. echt eine gute Begleitung mit Erfahrung, wie man das schaffen kann. Tiberias ist noch ein Kapitel für sich.
    Im Vorfeld zur Umsiedlung hatte ich etliche Beiträge von Dir gelesen, die mir schon die Illusionen nahmen.
    Aber es war noch viel schwerer.-
    Über einen Kontakt würde ich mich echt freuen – und über eine Info zu obigem.

    Schalom
    Christa

  2. Miriam Woelke sagt:

    B“H

    Hallo Christa,

    die Beibehaltung der deutschen Staatsbuergerschaft setzt voraus, dass Du schon eine andere Staatsbuergerschaft hast. In meinen Falle die israelische Staatsbuergerschaft.

    Wenn Du in Israel keine staendige Aufenthaltsgenehmigung hast, brauchst Du Dich auch nicht um Deine deutsche Staatsbuergerschaft zu sorgen, denn die ist ja dann noch da. Nur bei Annahme einer anderen, in diesem Fall die israelische Staatsbuergerschaft, kannst Du einen Antrag auf Beibehaltung der deutschen Staatsbuergerschaft stellen.

    Nehmen wir einmal an, Du nimmst jetzt die israelische Staatsbuergerschaft an. Dann laesst Du beim israelischen Innenministerium das Formular, siehe oben im Text, ausfuellen. Das Innenministerium bestaetigt damit, dass Du Inhaber der israelischen Staatsbuergerschaft bist.

    Damit musst Du zur deutschen Botschaft und die Beibehaltung der deutschen Staatsbuergerschaft beantragen. Diesbezueglich wird man, laut Website der deutschen Botschaft in Tel Aviv, zu einer Anhoerung eingeladen und es liegt dann im Ermessen des Sachbearbeiters / Diplomaten, ob er die Beibehaltung ausstellt oder nicht.

    In meinem Falle koennte es sogar sein, dass, nach 18 Jahren ohne deutsche Staatsbuergerschaft und ohne bestehende familiaere Kontakte in Deutschland, man vielleicht gar keinen Grund mehr sieht, mir eine Beibehaltung auszustellen. Aber egal, denn ich habe nicht vor, diese Beibehaltung zu beantragen, was mit der Situation in Deutschland zu tun hat. Und die letzten 18 Jahre habe ich sehr gut mit der israelischen Staatsbuergerschaft gelebt.

    Solange Du keine zweite Staatsbuergerschaft annimmst, bleibst Du automatisch Deutsche.

    Dein Mann haette die deutsche Staatsbuergerschaft annehmen koennen, denn Israel macht da, meines Wissens nach, keine Probleme mit anderen Staatsbuergerschaften.

    Tiberias kann ich nun keinem direkt empfehlen, denn dort oben herrscht die absolute tote Hose. 🙂 Wer etwas Kultur will, geht ins Internet oder faehrt nach Haifa. Ich will ja niemanden beleidigen, aber viele Leute in Tiberias empfand ich als etwas zurueckgeblieben. 🙂 Irgendwie seltsam und es ist eine andere Welt.
    Ich habe vor 8 Jahren mal ein paar Monate in Tiberias und Zfat verbracht und bin danach in die Zivilisation nach Tel Aviv gefluechtet. 🙂

    Ich habe mich neulich mit einem Deutschen getroffen, der seit Jahren wegen seinem Beruf in Jerusalem lebt. Und all die Jahre muss er regelmaessig ein neues Visum beantragen und das ist kompliziert. Die Gesetze diesbezueglich waren noch nie einfach und auf Twitter folge ich jemandem, der vor einer Woche auf ein Amt zitiert wurde, welches ueber Abschiebung entscheidet. Er verbrachte dort laengere Zeit bei Vernehmungen und stellte ein Bild vom Warteraum auf Twitter. Ehrlich gesagt moechte ich in diesem Amt keine Zeit verbringen. Noch nicht einmal ein paar Minuten.

    Sollte ich mich unklar ausgedrueckt haben, lass es mich bitte wissen.

    Miriam

    • Christa Weier sagt:

      Hallo Mirjam,
      einfach wunderbar, dass der Kontakt klappt und Du so gut antwortest. Danke.
      Noch eine Klärung für mich: Weißt Du, ob man nach drei oder fünf Jahren einen ständigen Aufenthaltstitel bekommt und ob man damit eben auch ohne Staatsbürgerschaft im Land ständig leben kann und somit die Beibehaltungsbeantragung umgehen kann?

      Ja, Tiberias ist, wie Du es beschreibst. Das Zurückgebliebene ist für mich jetzt echt anstrengend.
      Man kennt hier nur Religion. Ich scheue aber die Großstadt mit dem ganzen Trubel, bin eben 17 Jahre älter als Du.
      Um nicht zu versauern, lebe ich immer der nächsten Deutschlandreise entgegen. Das ist auf Dauer auch nicht der Ausweg. Zurück in unserem Alter geht nicht mehr.
      Wie schaffst Du es, mit der manchmal frechen und rücksichtslosen Mentalität hier zurecht zu kommen und
      was baut Dich wirklich auf?
      Ich hatte in den drei Jahren hier Unfälle, einer mit Auto, einen im Bus durch zu schnelles Anfahren und einen schlimmen Sturz auf der Straße. Dazu vorher ein leichter Schlaganfall meines Mannes mit anschließender Spinalstenose. Kupat Cholim ist hier sehr unvollständig, Krankenhaus ein Alptraum.
      Mit einer Psychologin zur Trumabehandlung komme ich nicht zurecht, versuche jetzt täglich Selbstaufbau.
      Zum Glück geht es meinem Mann besser.
      Jetzt möchte ich das Alte einfach loslassen. Kriegst Du so etwas hin? Ich will ja so sehr.
      Hoffentlich überfordere ich Dich nicht.
      Über eine Antwort freue ich mich sehr.
      Herzlich
      Christa

  3. Miriam Woelke sagt:

    B:H

    Hallo Christa,

    ich habe keine Ahnung, ob einem eine Aufenthaltsgenehmigung zusteht. Ich denke mal eher nicht, denn denjenigen, den ich in meinem vorherigen Kommentar erwaehnte, hat ein Kind hier. Und selbst damit hat er massive Probleme und muss jedes Mal um eine Visaverlaengerung kaempfen.

    Wegen der Religion bin ich nicht aus Tiberias abgehauen, denn wer will findet dort auch eine Menge saekularer Juden. Ich war ein paar mal bei Chabad, fand die dort aber eher nicht so einladend wie anderswo.

    Generell lag mir diese provinzielle Mentalitaet der Tverianer ueberhaupt nicht. Die jungen Leute hauen eh alle ab und zurueckbleiben die, die es woanders hin nicht geschafft haben.

    Die israelische Mentalitaet macht mir nach mehr als 20 Jahren im Land nicht mehr zu schaffen. Wenn man arbeitet und Freunde hat, lernt man schnell, damit umzugehen. Mittlerweile stoert mich eher die deutsche Mentalitaet und ich wuerde dort kaum zurechtkommen. 🙂 Je mehr Kontakte man mit Israelis hat und je besser jemand die Sprache beherrscht, desto eher lernt er, mit dem Chaos umzugehen. Es nuetzt ja auch nichts sich aufzuregen, denn aendern tut nichts.

    In Tiberias seid Ihr natuerlich gelackmeiert mit Eurer Krankenhausklitsche in Poriah oder wie das heisst. Viel Auswahl gibt es nicht, ausser dem Ziv – Krankenhaus und Zfat und wer ernsthaft krank wird, muss eh nach Tel Aviv oder Haifa.

    Vor 6 Jahren wurde ich von einem Egged – Bus angefahren und es gab einen riesen Aufstand um den Unfall. Mit Gerichtsverhandlung und allem, weil mehrere Busfahrer fahrlaessig gehandelt hatten, wurde alles maechtig aufgebauscht. Ich hatte nochmal Glueck und kam mit Prellungen und Schnittwunden davon. Das Trauma habe ich damit bewaeltigt, indem ich mit Freunden redete und eine Verletzte im Krankenhaus besuchte. Nach einem Monat war die Sache irgendwie gegessen.

    Ich denke dass, wenn man juenger ist und in ein andere Land zieht, man sich schneller anpasst. Ganz einfach, weil die Sprache erlernt werden muss und ein Job muss auch her. Wer in Israel zur Schule oder zur Armee geht oder arbeitet, lebt sich einfacher ein. Eben, weil er mit dem neuen Leben konfrontiert wird. Wer im „Alter“ kommt, hat da schon gewisse festgefahrene Vorstellungen und fuer den ist es auch schwerer, einen Neuanfang zu starten bzw. sich an etwas Neues zu gewoehnen.

    Shavua Tov,
    Miriam

  4. Yael sagt:

    Hallo Miriam,

    ich schrieb mal hier weil es für andere deutsche StaatsbürgerInnen auch relevant sein könnte und ihnen vielleicht das endlose Suchen nach Infos erspart 🙂

    Nach ewigem hin und her, habe ich von der deutschen Botschaft in Wien erfahren (nicht der Botschaft in Tel Aviv, weil da anscheinend niemand auf Mails&Anrufe antworten kann), dass der Jetzt-Stand Jan 2019 so ist, dass wenn man seine deutsche Staatsbürgerschaft nicht verlieren will, man vor der Ausreise einen Antrag auf Beibehaltungsgenehmigung stellen muss. Das ist der Ablauf wenn man irgendeine Staatsbürgerschaft annimmt, nicht nur ein israelischer Sonderfall.

    Der Antrag ist nicht ganz billig und könnte auch einiges an Zeit dauern, aber würde, wenn man gescheit argumentiert hoffentlich dafür sorgen, dass man die Staatsbürgerschaft behalten kann:

    https://www.bva.bund.de/DE/Services/Buerger/Ausweis-Dokumente-Recht/Staatsangehoerigkeit/Beibehaltung/01-Informationen_BB/01_01_BB_was_ist/01_01_BB_was_ist_node.html

    Wenn man den Antrag nicht stellt, verliert man automatisch seinen deutsche Staatsbürgerschaft. Also Vorsicht!

    Gruß,

    Yael

    • Miriam Woelke sagt:

      B“H

      Hi Yael,

      bei mir war der Fall im vergangenen Jahr etwas anders, denn ich hatte ja schon Jahre zuvor die deutsche Staatsbuergerschaft aufgrund der Aliyah verloren. Irgendwann aenderten sich die Gesetze wieder und ich haette dementsprechend bei der Dt. Botschaft in Tel Aviv den Antrag stellen koennen. Eben, weil ich schon so lange in Israel war und die Gesetzeslage sich zwischenzeitlich aenderte.

      Ob das was kostet, kann ich nicht sagen. Ich denke aber mal, dass dem so ist. Ausserdem muss man in Tel Aviv zu einem Interview mit einem Diplomaten, der dann entscheidet, ob man die dt. Staatsbuergerschaft behaelt. Oder in meinem Fall, zurueckerwirbt.

      Auf all das habe ich keine Lust, denn ich brauche die deutsche Staatsbuergerschaft nicht unbedingt. Ich reise so gut wie nie und die israelische Staatsbuergerschaft allein reicht mir voll und ganz. Auch habe ich nicht vor nach Deutschland zu reisen. Der Grund ist die Lage mit den Migranten und wer weiss, was alles los ist.

      Ergo, habe ich gar nichts beantragt udn habe es auch nicht vor.

      Danke fuer die Infos. 🙂

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