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Warum Jerusalems Jaffa Road einfach nicht zum alten Ruhm zurückfindet

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B“H
Das israelische Wirtschaftsmagazin GLOBES bringt in seiner englischsprachigen Ausgabe folgenden Artikel:
http://www.globes.co.il/en/article-jerusalems-jaffa-road-fails-to-recapture-past-glories-1001185155
Es wird beschrieben, dass Jerusalems einstige Prachtstraße (oder auch wirtschaftlicher Mittelpunkt genannt) irgendwann in der Nichtigkeit verschwand und sich bis heute nicht davon erholte. Und das trotz der Straßenbahn, welche die Jaffa Road von oben bis unten durchläuft.
Die Jaffa Road ist ewig lang. Ich schätze mal so mindestens drei Kilometer, wenn nicht mehr. Beginnen tut sie am Zentralen Busbahnhof und sie endet am Rathaus gleich gegenüber der Altstadtmauer. In der Jaffa Road findet man fast alles, wenn denn gerade Cafes, Snack Bars, Klamotten – oder Schuhgeschäfte angesagt sind. Früher fanden sich ebenso eine Menge Photoläden und Reisebüros, doch Smartphone – Kameras und Online Travel machten all das überflüssig. Noch Anfang der 90iger Jahre brachten Touristen ihre Photos zum Entwickeln in die Photogeschäfte. Oder es wurden neue Filme für die Kameras gekauft. All das hat sich mittlerweile erledigt.
Was in der Jaffa Road geblieben ist: Billigcafes wie COFIZZ, COFIX sowie Shops, welche die beiden Ketten kopieren. Die Hauptpost ist, nach wie vor, dort. Eisdielen, teurere Cafes wie die Coffee Bean oder das Hillel. Und wie gesagt finden wir Klamotten – und Schuhgeschäfte. Die Schuhe sind teilweise überteuert, denn die Geschäftsinhaber machen wenig Umsatz und wälzen so fehlende Profite auf die Preise um.
Wer gut verdient, sind die Billigcafes und das Cafe Ne’eman an der Kreuzung Jaffa Road / King George. Ansonsten gehen kleine Läden nach kurzer Zeit pleite und dann zieht ein neuer nichtssagender Laden ein, dem es kurz darauf nicht viel besser ergeht.
Selber nutze ich die Jaffa Road als Durchgang und das gewiss nicht jeden Tag. Einmal in der Woche gehe ich zum Machane Yehudah Markt, der ebenfalls an die Jaffa Road grenzt. Die meisten Jerusalemer nutzen die Jaffa Road als Durchgang oder man steht an den Straßenbahnhaltestellen. So richtig zum Einkaufen ist die Straße nicht und Klamotten, etc. kaufen die Leute lieber in den großen Malls außerhalb der Innenstadt. Israelis lieben ihre Malls, wo alles unter einem Dach ist.
Um die Situation in der Jaffa Road und sogar auf dem Machane Yehudah Markt zu beschreiben, reicht der Kommentar eines Geschäftsinhabers: „Die Leute kaufen bei Rami Levi und nicht mehr bei uns!“
Genau dieser Satz gibt die Realität wieder: Die Leute kaufen in den riesigen Supermarkt – Discountern wie Osher Ad oder Rami Levi. Da ist es billiger und der Kunde erledigt gleich seinen Großeinkauf. Wozu sich auf den Machane Yehudah Markt quetschen und viel mehr Geld zahlen? Dann lieber zum Discounter, denn Israel ist teuer und Israelis wollen jeden Schekel einsparen. Familien mit Kindern können sich den Einkauf auf dem Machane Yehudah Markt eh nicht leisten. Und wer will in die Innenstadt, wenn es kaum Parkmöglichkeiten gibt?
Die Jaffa Road hat als belebte Geschäftsstraße längst ausgedient. Belebt ist sie zwar nach wie vor, doch unbedingt kaufen tun die Wenigsten. Außer vielleicht ein paar Kleinigkeiten und schnell eine Tasse Kaffee von Cofix.
Ein Nachtleben existiert ebenso wenig. Überhaupt wechseln die Orte des Nachtlebens in Jerusalem schnell und häufig. Vor mehr als zehn Jahren ging man zum Russian Compound, dann in die nahegelegene Heleni HaMalka, dann in die Emek Refa’im, dann kam der Alte Bahnhof dran und momentan ist es der Machane Yehudah Markt. Des Abends verwandelt sich der Markt ins Nightlife Business mit Bands, Live Music, legalen und illegalen Bars, Burger und Suschi.
Zwar kommt die Straßenbahn in Jerusalem total gut an und ist zu jeder Zeit vollbesetzt. Einen wirtschaftlichen Aufschwung oder mehr Laufkundschaft brachte sie für die Jaffa Road nur bedingt. Den Grund dafür sehe ich im miserablen Angebot. Noch ein Falafelstand, noch ein Billigladen, etc. Wer braucht das? Die großen Einkaufsketten finden sich in den Malls am Stadtrand. Das ist es, was die Leute anzieht. Und Parkhäuser sind auch vorhanden.
Touristen jedenfalls meinen immer noch, die Jaffa Road sei eine Attraktion. Vom alten Flair her vielleicht schon, doch irgendwie hasten die Einheimischen immer nur so durch, um woanders hinzukommen. Ich bin da absolut keine Ausnahme.
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