Leben in Jerusalem

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Jerusalem – Tiberias – Zfat – Tel Aviv – Jerusalem

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B“H
Vorgestern rief mich eine Freundin an, die erst von Arizona aus nach Israel einwanderte und nach nur kurzer Zeit im Land wieder zurück nach Arizona zog. Ihrer Kinder und Enkelkinder wegen, denn weder das Heimweh noch die Familie lediglich per Skype zu sehen, hatte Sarah miteinkalkuliert.
Vor etwas mehr als sechs Jahren waren wir eine kleine Gruppe, die aus US – Neueinwanderern, ein paar Israelis und aus mir bestand. Die Neuankömmlinge aus den Staaten wollten sich in Nordisrael niederlassen und nicht wie die Mehrheit aller Neueinwanderer in Tel Aviv oder Jerusalem. Nein, ausgerechnet in die Pampa sollte es gehen. Dort, wo das Leben relaxter ist, aber Arbeitsplätze absolute Mangelware sind. Keine Industrie, außer großen Hotels wie in Tiberias am See Genezareth (Kinneret), doch dort arbeiten bereits die Drusen aus den nicht allzu weit entfernten Dörfern im Golan. Die einst blühende Stadt Tiberias ist aufgrund von Korruption verschiedener Bürgermeister heruntergekommen und die Touristen bringen auch nicht das erwartete Geld ein. 
Das 30 km entfernte Zfat dagegen ist eine andere Welt und die Gruppe, von der ich hier berichte, schwankte zwischen einem Leben in Tiberias und Zfat. Die Kleinstadt Zfat erhebt seit dem Mittelalter den Anspruch, die Stadt der Kabbalah zu sein. Sämtliche berühmten Kabbalisten lebten dort und sind auf dem Friedhof beerdigt.
Vor sechs Jahren berichtete ich auf meinem alten „Leben in Jerusalem“ mehr als drei Monate lang aus Nordisrael und dem Leben dort:
http://lebeninjerusalem.blogspot.co.il/search/label/Safed
http://lebeninjerusalem.blogspot.co.il/search/label/Tiberias
Jedes einzelne Gruppenmitglied von damals ging recht euphorisch an das neue Leben im Norden heran, doch schnell stellten wir fest, dass es doch irgendwie nicht das tolle Ding war. Wir alle kamen aus der Stadt und dann waren da Tiberias und Zfat mit immer denselben Stories und demselben Alltag. Jeden Tag dieselben kleinen Straßen und alles wirkte so furchtbar g – ttverlassen. Das sollte es also gewesen sein? Dabei wurde dwir untereinander zu guten Freunden, die zu einem Zeitpunkt zusammenfanden und dann ging jeder seiner Wege. Ein Ehepaar ließ sich in Tiberias nieder und war total happy. Ich zog nach Tel Aviv, ein Neueinwanderer ging zurück nach Helsinki, ein weiteres Chabad – Ehepaar zog es ebenfalls nach Tel Aviv und der Rest verlor sich zurück in den USA oder Südafrika. Ab und zu haben wir noch Kontakt und jeder scheint mit seinem heutigen Leben glücklich zu sein. Allerdings ist keiner von uns in Nordisrael geblieben. Auch nicht das Ehepaar in Tiberias, welches ich irgendwann in Jerusalem wiedertraf. Man wohne jetzt in Nachlaot am Machane Yehudah Markt. In Tiberias sei kulturell tote Hose gewesen und wer in der Gegend etwas erleben will, der fährt zwei Stunden nach Haifa.
Ich wusste, dass Sarah aus Arizona dieser Tage auf Besuch in Israel weilte, um noch ein paar verbliebene Sachen aus Zfat abzuholen. Waschmaschine und alles andere verschenkte sie an Freunde in der Stadt. Mit einem Treffen klappte es nicht, da sie nur zwei Tage in Jerusalem war und ich arbeiten musste. Also rief sie mich noch kurz vor ihrem Abflug an. Zfat hätte sich verändert und seine Anziehungskraft verloren, meinte sie. Sie sehe das jetzt alles mit anderen Augen.
Zahlreiche US – Juden zieht es nach Zfat. Bei der Mehrheit handelt es sich um religiöse Juden, die Zfat als mystisch sehen und nicht im Tel Aviver Hamsterrad landen wollen. Außerdem hat Zfat eine riesige Anglo Community vorwiegend bestehend aus religiösen Juden. Euphorisch kommen sie an und schnell kommt die Erkenntnis, dass man von der Mystik allein nicht leben kann. Die Infrastruktur fehlt und entweder kommt der Weg zum Sozialamt oder man zieht dorthin, wo es Arbeit und ein richtiges Leben gibt. Mit Kino, unterschiedlichen Leuten und eben einer Zivilisation.
Nach etwas mehr als zwei Jahren in Tel Aviv zog ich wieder nach Jerusalem und ich muss sagen, dass ich superfroh war, dem tristen Norden entkommen zu sein. Okay, wenn ich denn mal Zeit habe, fahre ich nach Zfat auf eine Nacht. Das aber langt dann auch erst einmal.
Sarah meinte, sie denke oft an die Zeit zurück und das wir damals schon ein toller Haufen waren. Mir geht es genauso und zu der Zeit waren wir halt zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um eine tolle gemeinsame Zeit zu haben. Ich glaube nicht, dass Zfat nun weniger mystisch ist, aber die Leute von damals sind halt nicht mehr da und das macht den Unterschied.
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