Leben in Jerusalem

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Menschen in Jerusalem

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B“H
Nicht gerade selten stellen sich Leute, die einen anderen Ort nur aus der Ferne bzw. dem Internet kennen, alle möglichen Dinge vor. In Jerusalem erlebte ich zahlreiche Christen, die sich wer weiß was, unter der Heiligen Stadt vorstellten. Als sie dann durch die Altstadt gingen und von arabischen Basar – Händlern und selbst in den Kirchen gnadenlos abgezockt wurden, kam die riesige Enttäuschung auf. Nein, so hatte man sich das nicht vorgestellt, sondern eher heilig und romantisch halt. Wer jedoch durch einen Basar läuft, wird nicht unbedingt Romantik finden. Da sind die teilweise aufdringlichen Händler am Werk und die wollen Cash.
In den Kirchen hocken Bettler an jeder Ecke und die halten genauso die Hand auf. Allgemein wird angenommen, dass der Tourist viel Geld in der Tasche hat und gerne abgibt. Vor allem Touristen aus den USA, aus Japan oder aus Deutschland gelten als wohlhabend. Dass dem nicht immer so ist, ist den Geschäftsleuten in der Altstadt sowas von egal.
Ein weiterer Punkt ist das Wetter: Ich erlebte in der Vergangenheit japanische Touristen, die im israelischen Winter nur mit Shorts, T – shirt und Flipflops bekleidet aus dem Flugzeug stiegen. Man meinte halt, in Israel herrsche das ganze Jahr über warmes Wetter. Ein Blick aus dem Fenster in genau diesem Moment zeigt eine andere Realität: 6 Grad Celsius in Jerusalem / 11 Grad in Tel Aviv und Dauerregen.
Die Jerusalemer Altstadthostels sind nicht geheizt und wer etwas Wärme sucht, muss draufzahlen, damit er an der Rezeption einen kleinen Heater für sein Zimmer bekommt. Heisses Wasser zum Duschen in den Altstadthostels? Meistens Fehlanzeige. Deswegen empfehle ich stest das Abraham Hostel in der Neustadt, aber viele Leute mit kleinem Budget wollen ja unbedingt in der Altstadt nächtigen. Mit Schimmel an den Wänden, dreckiger Bettwäsche und teilweise Regenwasser im Zimmer wie im Petra Hostel oder Jaffa Gate Hostel.

Jerusalem zu definieren, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Jeder Bewohner der Stadt genauso wie jeder Tourist erlebt sein eigenes Jerusalem. Jeder hat andere Stories zu berichten und jeder lebt in seinem eigenen Jerusalem.

So mancher Tourist erlebt die Stadt als dreckig. Okay, es ist nicht alles so gewienert wie in der Schweiz oder in Deutschland. Unbedingt dreckig ist die Stadt aber nicht, denn die städtische Putzkolonne funktioniert. Mal mehr und mal weniger.
Im Winter wirkt die Stadt genauso grau wie andere Städte auf der Welt. Manchmal muss man sich halt auf die positiven Seiten konzentrieren, um die Stadt zu geniessen. Touristen sind gewöhnlich schnell wieder weg. Vorher hasten sie zu allen Sehenswürdigkeiten und meinen, die Stadt nach ein paar Tagen, Wochen oder Monaten zu kennen. Ich wohne seit 15 Jahren in der Stadt (insgesamt 20 Jahre in Israel) und lerne in Jerusalem immer wieder Neues dazu. Neue Stadtteile sind entstanden, in denen ich noch niemals war.
Im Grunde genommen ist es selbst in Jerusalem so, dass die Menschen arbeiten gehen, einkaufen, Feierabend haben und ihr ganz normales Leben leben. Im Ausland mag man sich Israel als total romantisch und halt anders vorstellen. In der Realität aber muss in jedem Land gearbeitet werden, es werden Steuern gezahlt und und und. Niemand aus Tel Aviv hockt den ganzen Tag am Strand. Es sei denn, er kann es sich finanziell leisten. Und die wenigsten Jerusalemer gehen jeden Tag in die Altstadt.
Und was ißt man so in Jerusalem, lautet eine stets wiederkehrende Frage. Reis, Fleisch, Gemüse, Früchte, im Winter heiße Suppen, Falafel, Suschi, Kuchen, Pizza, Salate, Schwarma (Döner), Pasta … alles Mögliche halt. In Restaurants gehe ich kaum noch, denn ich koche lieber daheim. Da weiß ich, was im Essen drin ist und größere Portionen habe ich ebenfalls. Restaurants sind teuer und gewöhnlich findet sich auf dem Teller eine kleine Portion, die man erstens kaum sieht und zweitens das Geld nicht wert ist.
Am Montagabend war ich mit Freunden unterwegs und zum Essen eingeladen. Das Restaurantessen war nicht schlecht, die Portion, wie gewohnt, winzig, aber dafür war der Milchkaffee super. Immer wieder eröffnen neue Restaurants und gehen genauso schnell wieder pleite. Die Preise sind hoch, das Essen mäßig und die Portionen klein. So richtig satt wird ein Hungriger kaum. Da hat man von Falafel oder Schwarma mehr.
Eine Vielzahl von unterschiedlichen Menschen lebt in Jerusalem und jeder hat seine eigene Story zu erzählen. Wie gesagt, jeder hat sein eigenes Jerusalem und jeder Tourist erlebt sein eigenes Jerusalem. Wer die Stadt richtig kennen lernen will, der muss dort wohnen. 20, 30, 50 Jahre. Ob derjenige dann das wahre Jerusalem kennt, bezweifele ich.
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