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Die Emek Refa’im gegen die Straßenbahn

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Heute ist ein komischer Tag mit ebenso komischem Wetter. Der Himmel liegt grau in grau und ab und ab regnet es ein paar Tropfen. Dafür ist es mit 18 Grad Celsius sogar recht warm. Ab Morgen dann kehrt der Winter wieder ein und über Schabbat wird es ungemütlich nass und eiskalt.
Mit Ausgehen und so ist es bei vielen Jerusalem im Winter nicht so. Man kommt nach Feierabend heim und kocht sich dort sein Essen. Die Ausgeh – Szene verändert sich eh ständig. Vor Zwanzig Jahren, zum Beispiel, war der Jerusalemer Russian Compound mit all seinen Pubs und dem ersten Internet – Cafe der Stadt total in. Mike’s Place, das Cannabis und wie die Pubs nicht alle hiessen. Irgendwann zog Mike’s Place ein paar Meter weiter in die Jaffa Road und all die kleinen alten Gebäude mit Pubs und Internet – Cafe „Strudel“ wurden abgerissen. Heute stehen an derselben Stelle Luxusapartments und das einstige Flair ist dahin.
Stattdessen wurde die Heleni HaMalka Street (wo sich das Innenministerium zur Visavergabe befindet) zur neuen Anlaufstelle. Neue Pubs und Restaurants entstanden und des Abends herrschte nun dort Halligalli. Aktuell ist der Machane Yehudah Markt „in“, der sich am Abend in ein Meer von Life Music, Bars und Schnellimbissen verwandelt. Nebenbei gibt es noch den Alten Bahnhof. Ebenfalls mit Life Music. Zumindest manchmal. Restaurant befinden sich dort und im Sommer eine Disco auf dem Dach.
Nur wenige Minuten entfernt liegt die Emek Refa’im Street in der German Colony. Einst der Anlaufpunkt für jene, die etwas mehr Geld in der Tasche haben oder zumindest so tun. Mehrere Male habe ich bereits vom Untergang der Emek Refa’im berichtet. Die Leute bleiben weg und gehen lieber woanders hin. Ein Restaurant schließt nach dem anderen, denn die Ladenmieten sind extrem und soviel Profite können gar nicht hereinkommen, um das alles zu bezahlen.
Freitags versammelt sich eine Vielzahl von Bettlern in der Straße und man sieht sie nur wenige Meter voneinander entfernt am Center der Straße stehen. Dort, wo sich der teure Supermarkt, eine Zoohandlung, Pizzerias oder das Cafe Aroma befinden. Da eine Menge amerikanischer Neueinwanderer in der Gegend wohnen, erhofft man sich reiche Leute, die einem massig Geld in den Klingelbeutel stecken. Dem ist aber nicht so und die Bettlerkonkurrenz ist eh riesig. Mittendrin ein alter Russe mit seiner Geige. Vielleicht nimmt der mehr ein als die herumstehenden Bettler, denn er spielt wenigstens Geige.
An zahlreichen Fassaden sieht man Poster mit der Aufschrift „Ich bin gegen die Straßenbahn“ hängen. Die Stadtverwaltung verfolgt nämlich den Plan, das Straßenbahnnetz zu erweitern und eine Linie soll in Zukunft die Emerk Refa’im passieren. Das wäre ein Riesengewinn für die Gegend, denn mit der Straßenbahn kommt auch die Laufkundschaft wieder. In der Straße aber will man davon nichts hören. Der Gleisbau soll sich über mindestens drei Jahre hinziehen und bis dahin bleibt die Kundschaft fast ganz weg. Wer will sich denn durch Schlamm und enge Bretter in eines der Geschäfte verirren? Wenn alles abgesperrt wird und Umwege gelaufen werden müssen. Okay, das Ende klingt verlockend und die Straßenbahn verspricht massive Profite. Doch wer wird schon solange durchhalten, wenn er auf jeden Umsatz – Schekel angewiesen ist? Drei, vier Jahre warten, kann sich finanziell niemand erlauben. Und so protestiert die Anwohnerschaft samt Geschäftsleute. Ob das am Ende etwas nutzen wird, ist fraglich.
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