Leben in Jerusalem

Startseite » Feiertage » Leserfrage: „Tourismus am Yom Kippur“

Leserfrage: „Tourismus am Yom Kippur“

Validation content="ca3b12cf8d29815feeb7b8e18de25f4b"
B“H
Am kommenden Dienstagabend beginnt der höchste jüdische Feiertag YOM KIPPUR (Yom HaKippurim, Versöhnungstag). An diesem Tag richtet und besiegelt G – tt das Schicksal jedes einzelnen Juden sowie das Schicksal des gesamten jüdischen Volkes für ein weiteres Jahr. Sprich, bis zum nächsten Yom Kippur.
Wie wir hier an der Bedeutung des Yom Kippur sehen, handelt es sich bei diesem Feiertag um einen ausschließlich jüdischen Feiertag, mit dem keine andere Religion etwas zu tun hat. Am gestern Abend ausgeklungenen Rosh Hashana (Neujahrsfest) richtete G – tt das Schicksal ALLER Menschen auf ein weiteres Jahr, am Yom Kippur hingegen entscheidet sich das Schicksal eines Juden.
Was mir seit mindestens Zwanzig Jahren auffällt: Ausgerechnet zum Yom Kippur sieht man ungewöhnlich viele deutschsprachige Touristen an der Klagemauer. Vielleicht gerade dort, da nichtjüdische Touristen nicht unbedingt eine Synagoge finden, denn an dem höchsten jüdischen Feiertag werden im Voraus Tickets an Juden verkauft und alles ist gerammelt voll. Deswegen bleibt meistens nur noch die Klagemauer und der Tourist hofft, etwas zu sehen. Meistens jedoch wird man enttäuscht, denn mehrheitlich beten Juden an diesem Tag lieber in der Synagoge. Zwar finden sich zum letzten Gebet an Yom Kippur, dem Ne’ilah – Service am Mittwochabend, Tausende Juden an der Klagemauer ein, trotzdem bleibt die Mehrheit lieber in der heimischen Synagoge.
Am Yom Kippur genauso wie an jedem Schabbat darf im Bereich der Klagemauer (Kotel) nicht photographiert werden. Extra Aufsichtspersonal soll darauf achten, dass die Touristen nicht alles ignorieren und mit Smartphones auftauchen. Bei den Juden kann man sich ja über Verbote hinwegsetzen. Bei den Moslems auf dem Tempelberg würde sich das kein einziger Tourist trauen. 🙂
Die touristische Mehrheit verhält sich ruhig, versteht allerdings nur Bahnhof davon, warum die Juden 25 Stunden lang fasten. Dann steht der Tourist an der Klagemauer und schlabbert an seinem frisch gekauften Eis aus dem Muslimischen Altstadtviertel. Gleichzeitig werden die fastenden Juden beglotzt wie Tiere im Zoo.
Einige deutsche Touristen (einige und nicht alle!!!) fallen dadurch auf, dass sie kurz nach Ende des Yom Kippur nach KOSTENLOSEN Essensmöglichkeiten suchen. Wenige Minuten nach dem Fastenende werden an der Kotel Gebäck und Getränke an fastende Juden ausgegeben. Komischerweise stehen da deutsche Touristen immer ganz vorne in der Reihe, wenn es um kostenloses Essen geht.
Dasselbe Schauspiel sah ich in der Großen Synagoge, wo eine kleine deutsche Gruppe gleich wieder rausflog. Juden hatten Tickets gekauft und mehr als 100 Euro für den Sitzplatz und das Essen nach dem Fastenausklang gezahlt. Und dann kommen Touristen angerauscht und wollen alles umsonst haben. „Bei den Juden gibt es was zu Essen!“
Nach dem Fastenausklang am Mittwochabend esse ich kurz etwas im jüdischen Viertel, bevor ich mich auf den Heimweg begebe. Im letzten Jahr sahen uns Touristen dastehen und essen. Sogleich kam jemand und schaute, ob sich denn da jeder bedienen könne.
Solch eine Gier kenne ich aus Deutschland gar nicht, scheint aber hier in Israel in Mode gekommen zu sein. Man erkundigt sich, wo Juden essen und steht dann als Erster in der Reihe parat.
Am kommenden Dienstag stellen die Busse bereits am frühen Nachmittag ihren Betrieb ein. Alle Geschäfte werden schließen. Dies betrifft auch den AM:PM in Tel Aviv und sämtliche 24 – Hour – Shops in Jerusalem. Einzig und allein bei den Arabern kann man einkaufen. In Yaffo bei Tel Aviv oder im muslimischen bzw. christlichen Altstadtteil von Jerusalem.
Enden tut der Yom Kippur am Mittwochabend gegen 19.00 Uhr. Circa zwei Stunden später fahren wieder Busse und viele Cafes und Restaurants öffnen.
Generell gibt es für einen Israeltouristen am Yom Kippur nicht viel zu sehen, denn die Juden beten fast den gesamten Tag über in den Synagogen. Wer will, kann gegen 18.00 Uhr an die Klagemauer kommen.
Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: