Leben in Jerusalem

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Kann sich ein Auswanderer in eine neue Gesellschaft integrieren?

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B“H
Ich glaube, es war auf FOCUS Online, wo ich vor ein paar Tagen einen Artikel zum Thema „Deutsche Auswanderer“ las. Immer mehr Deutsche ziehen offenbar nach Ungarn, um der Migrantenkatastrophe im eigenen Land zu entkommen.
Überraschen tut mich die Nachricht keinesfalls, denn ich erwarte innerhalb der nächsten Jahre eine größere Auswanderungswelle aus Deutschland. Vor allem dann, wenn auch beim Letzten angekommen ist, wen man sich da zuhauf ins Land geholt hat. Wer es sich leisten kann, wird abhauen, denn massenhaft demonstriert wird gegen die Migrantenwelle gerade nicht. Okay, Pegida ist da, aber ein Sturm auf Berlin findet nicht statt.
Ich kann mich noch an eine Demonstrantengruppe vor dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten erinnnern. Jeden Sonntag von frühmorgens um acht bis irgendwann am Nachmittag schrie die Gruppe vor dem Büro des damaligen Ministerpräsidenten ins Megaphon: „Barak HaBaita – Barak nach Hause!“
Zwar war es nicht die Demo, die Ehud Barak letztendlich vertrieb, sondern die Wählerschaft, doch die Gruppe war in jeder Woche unermüdlich im Einsatz. Und Ehud Barak musste sich stundenlang die Schreie anhören, denn in Jerusalem gibt es keinerlei Bannmeile.
Unter dem Bericht auf FOCUS Online las ich einen Kommentar, der da besagte, dass Deutsche auswandern können, wohin sie wollen. Immer bleibe Deutschland ihre Heimat und im neuen Land würden sie niemals akzeptiert werden. Beim Lesen dachte ich mir, dass das nur jemand schreiben kann, der noch nie irgendwohin ausgewandert ist.
Es kommt sicherlich immer auf die Umstände an, warum und wohin jemand auswandert. Nach Mallorca oder Ungarn zu ziehen, ist für mich keine klassische Auswanderung, sondern lediglich ein Umzug. Auswandern bedeutet in ein Land zu ziehen, in welchem man mit allen Konsequenzen leben will. Die Staatsbürgerschaft annehmen, die Landessprache lernen, sich in die Gesellschaft integrieren und und und. Vor allem aber bedeutet es, nicht RTL zu glotzen und sich nur mit anderen deutschen Gleichgesinnten abzugeben.
Bleibt im Ausland Deutschland immer die Heimat?
Ich lebe seit Zwanzig Jahren im Ausland. Sechzehn Jahre davon habe ich deutschen Boden nicht mehr betreten. Nicht, weil ich nicht will, sondern es ergab sich einfach nicht. Immer kam etwas dazwischen und mittlerweile habe ich keine Lust mehr dorthin zu fahren, denn man hört so Einiges über die Migrantenkriminalität. Allein aus diesem Grund wird in Deutschland allgemein die Tourismusbranche leiden, denn wer will da noch hinfahren?
Nach sechzehn Jahren am Stück fühle ich mich emotionsmäßig Deutschland nicht mehr verbunden. Die Gefühle bröckeln mit der Zeit, denn man hat sein eigenes Leben in einem neuen Land. Neue Freunde, alles ist neu. Ich bin nicht der Typ, der mit Deutschen dahockt. Ganz im Gegenteil. Ich kenne keinen einzigen Deutschen bzw. habe keine Deutschen in meinem Umkreis. Weder auf der Arbeit, noch im Freundeskreis, noch sonst irgendwo. Ab und an telefoniere ich mit der Family in Deutschland und das ist dann auch die einzige Situation, in der ich Deutsch spreche. Außer mit meiner Katze, doch mit der rede ich genauso Hebräisch. 🙂
Das Deutschland, welches ich vor sechzehn Jahren verließ, existiert nicht mehr. Irgendwie traurig, aber die Welt verändert sich nun einmal. Wer viele Jahre im Ausland lebt, verliert irgendwann sein deutsches Heimatgefühlt. Vielleicht nicht völlig, aber in all der Zeit wird eine innere Bindung zum neuen Land aufgebaut.
Ob man sich jemals vollkommen in ein anderes Land integrieren kann?
Wer Kinder hat, tut dies ganz schnell. Die müssen in den Kindergarten und zur Schule und lernen eine neue Sprache und haben neue Freunde. Nach ein paar Monaten sind die Kinder total integriert und plappern mit ihren Eltern daheim meist schon in der neuen Sprache.
Bei den Eltern wiederum kommt es drauf an, wie willig sie sind, sich einem neuen Leben hinzugeben. Wer die Sprache lernt und einen Job hat, findet sich sehr schnell integriert wieder. Akzeptieren einen die Einheimischen? Amerikaner oder Israelis sicher, denn beide Länder sind Einwanderungsländer. Israel ist voller jüdischer Neueinwanderer und als solcher ist man gezwungen, Geld zu verdienen und sich ein neues Leben aufzubauen. Man ist einer von vielen, denn, wie gesagt, es laufen massig Neueinwanderer herum.
Dennoch, Parallelgesellschaften gibt es auch hierzulande. Insbesondere bei der älteren Russengeneration sowie bei den Äthiopiern. Junge Russen hingegen sind integriert und haben auch die eher seltsame russische Mentalität abgelegt, in der jeder Ingenieur gewesen sein will, doch eigentlich immer nur das Klo putzte. In Russland war man damit schon Ingenieur.
Es liegt an jedem Auswanderer selbst, ob er angenommen wird oder nicht. Wer sich nicht integriert und ständig jammert und klagt, der wird sich automatisch alleine wiederfinden. Wer dagegen bereit ist, sich auf Neues einzulassen und schnell lernt und Freunde findet, der wird auch akzeptiert. Außer vielleicht in Japan oder Taiwan, wo ein Ausländer niemals akzeptiert wird.
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