Leben in Jerusalem

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Aus der Traum – Enttäuschte Auswanderer und Touristen

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Für viele Leute aus aller Welt mag Israel eine Art Traumland sein. Vielleicht nicht immer für Juden, wenn sie nicht gerade zionistisch eingestellt sind. So mancher Diaspora – Jude hat starke Vorbehalte nach Israel zu ziehen, denn in seiner gewohnten Umgebung hat er einen guten Job, ein Haus und sämtliche sozialen Bindungen. Und da soll man einfach so in ein Land auswandern, in dem sich alles wieder neu aufgebaut werden muss? Und wer weiß, ob das gelingt und was, wenn nicht?
Bei einigen Christen mag das anders sein. Selbst bei jenen, die nicht immer nur an ihre Religion denken. Doch soll man in ein Land ziehen, welches einen als Nichtjuden nicht unbedingt anerkennt? Wenn man sich alle drei oder sechs Monate von Visaverlängerung zu Visaverlängerung hangeln muss? Kann sich überhaupt eine Wohnung gemietet werden, wenn plötzlich das Visum nicht mehr verlängert wird und man das Land für mindestens ein Jahr verlassen muss? Normalerweise bekommt ein Nichtjude nicht eben mal so ein Bleiberecht zugesprochen und das ist genau der Grund, warum sich eine gewisse Anzahl illegal im Land bewegt. Ohne Rechte, ohne Krankenversicherung, immer in der Gefahr lebend, von der Polizei kontrolliert und abgeschoben zu werden. Warum seinen Job und alles aufgeben und sich auf nach Israel machen?
Ich will mich in diesem Artikel nicht noch einmal auf die Einwanderungsgesetze beziehen, denn es sollte jedem klar sein, dass sich nicht jeder in Israel einfach so niederlassen kann wie, z.B., auf Mallorca. Bevor sich jemand in eine negative Situation begibt, sollte er sich im Vorfeld bei der israelischen Botschaft erkundigen, deren Antwort letztendlich auch nichts anderes ausfällt als ich hier im Blog. Sorry!
In diesem Artikel möchte ich mich auf die geplatzten Träume von jüdischen Neueinwanderern sowie nichtjüdischen Touristen beziehen. Touristen, die sich in Israel niederlassen wollten, doch sehr schnell merkten, dass es hierzulande ganz und gar nicht traumhaft zugeht.
Jüdischen Neueinwandern wird mit der Einwanderung finanziell geholfen. Zumindest für eine kurze Zeit. Bei deutschen, schweizer oder österreichischen Juden ist die Art der finanziellen Hilfe sehr gering. Gebt Euch also keinen großen Illusionen hin, denn leben kann man von dem Geld nicht. Anders sieht es da bei amerikanischen oder kanadischen Juden aus, die von ihrer eigenen Aliyah – Organisation Nefesh be’Nefesh eine Menge Cash in den Hintern geschoben bekommen. Allerdings auch nur zeitlich begrenzt. Dennoch hilft Nefesh be’Nefesh in allen Belangen mehr als die eher passive Jewish Agency. Eine nicht unerhebliche Zahl amerikanischer Neueinwanderer gibt das Aliyah Geld aus und kommt danach nicht zurecht. Ist das Geld erst einmal futsch und man hat kein eigenes Einkommen, geht alles den Bach hinunter. Nicht wenige Neueinwanderer ziehen deshalb zurück in die USA. Auf meine Anfrage hin, erhielt ich von Nefesh be’Nefesh keinerlei Antwort. Die Organisation brüstet sich mit Neueinwandererzahlen, verschweigt aber gleichzeitig die Anzahl der Rückkehrer in die USA.
Trotz ein paar finanziellen Einwanderungshilfen platzt selbst bei Juden schnell der Aliyah – Traum. Insbesondere dann, wenn die Hoffnungen zu hochgesteckt waren. Israel ist ein Land im Nahen Osten und somit herrscht hier eine absolute Middle East Mentality. Allein damit zurecht zu kommen, ist für einen Mitteleuropäer alles andere als einfach. Der Neueinwanderer muss eine neue Sprache lernen, gut. Doch dann auch noch mit dieser recht chaotisch wirkenden Mentalität zurechtkommen? – Nee, das dann lieber doch nicht.
Die israelische Gesellschaft hat ihre eigenen Regeln und der Neuankömmling mag sich dagegen aufbäumen, wie er will – ändern tut er nichts. Entweder er passt sich an oder er fährt in sein Herkunftsland zurück. Nur meckern und unzufrieden sein bringt es nicht.
In keinem anderen Land der Erde geht es so zu wie in Deutschland, wo sich Deutsche den Neuankömmlingen anpassen sollen und nicht umgekehrt. Wer nach Israel kommt, der passt sich entweder an die hiesigen Regeln an oder geht dahin, wo er hergekommen ist. So einfach ist das.
Mit welchen Erwartungen genau kommen Neueinwanderer und Touristen, die davon träumen, sich in Israel niederzulassen?
Neueinwanderer schätzen ihre neue Situation wesentlich realistischer ein, scheitern jedoch häufig an Unvorhergesehenem. Touristen hingegen betrachten alles aus einer romantischen Perspektive heraus: Sonne, Strand, Tel Aviv Life … Dass Rechnungen bezahlt werden müssen und die Monatsgehälter deutlich geringer sind als in Europa, daran denkt kein Mensch. Hinzu kommt, dass es mit einem Touristenvisum so gut wie unmöglich geworden ist, einen Job zu finden. Und Jobs wie Geschirrabwasch in Restaurants, Hotelzimmer putzen, etc. wurden in Tel Aviv von den illegalen Afrikaner belegt. Privathaushalte werden oft von Philippinas geputzt, die hauptberuflich auch noch alte Leute pflegen. Kein israelisches Unternehmen wird unrechtmäßig einen Touristen einstellen, denn erst muss eine Arbeitserlaubnis vorliegen. Und die gibt es nur, wenn das Unternehmen keinen passenden Israeli für den Job findet.
Nehmen wir an, der Tourist kommt mit einem dicken Bankkonto und ist demnach nicht auf Gelegenheitsjobs angewiesen. Ob Geld oder nicht, trotzdem muss er bei jeder Visaverlängerung Angst haben. Dazu kommen immer wieder Nachteile im Alltag. Vom teuren Touristenbankkonto bis hin zu Touristenkrankenversicherungen. Richtig dabei ist ein in Israel lebender Tourist nie. Allein das macht vielen nach wenigen Wochen Kopfzerbrechen. Wenn man sich plötzlich auf der untersten Stufe wiederfindet und es kein Entkommen gibt.
An die Probleme im israelischen Alltag denkt niemand im Voraus, denn wer durch das Land reist, sieht alles rosarot romantisch. Müssen erst einmal Lebensmittel und Rechnungen gezahlt werden, sieht die Welt schon ganz anders aus, denn woher nehmen, wenn nicht stehlen? Eben mal so zum Aldi oder Lidl rennen gibt es nicht. Auf einmal bewegt man sich wie im Hamsterrad, ohne aus der Misere hinauszufinden. Ich habe Touristen erlebt, deren Eltern am Ende das Rückflugticket zahlten.
Bei jüdischen Neueinwanderern schaut es oft nicht anders aus, doch sie haben einen gesetzlichen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe. Wohngeld und Kindergeld gibt es. All das, was ein Tourist in Israel niemals bekommt.
Der Umzug in ein neues Land steht für einen Neubeginn im Leben. Anfangs ist alles super, doch dann zieht auch in der neuen Heimat der Alltag ein. Schnell wird realisiert, dass trotz Strand und Sonne die Miete und alles Drumherum gezahlt werden muss. Gute Jobs sind rar und dann hangelt man sich eben durch. Solange, bis einem all das auf die Nerven geht und nur noch ankotzt. Wozu rackern, wenn Europa ein tolles Sozialnetz bietet? Genau das ist der Grund, warum sehr sehr viele Leute aufgeben und wieder in ihre Heimatländer zurückkehren.
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