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Wer oder was sind „Orthodoxe Juden“

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Photo: Miriam Woelke

B“H
Immer wieder lese ich in verschiedenen deutschen Medien den Begriff ORTHODOXE JUDEN, wobei sich die Artikelinhalte letztendlich auf Haredim (Ultra – Orthodoxe Juden) beziehen. Kurz gesagt, es herrscht ein absolutes Wirrwarr in Bezug auf die jüdische Orthodoxie.
Als ich jemandem aus Deutschland mitteilte, dass ich mich auch als ORTHODOX betrachte, jedoch gar nicht so aussehe, war alles aus. Offenbar stellen sich die Leute orthodoxe Juden nur mit langen Kaftanen bzw. langen unmodischen Röcken vor. Alles verhüllt und bloß nichts Weltliches zulassen.
In meinem ebook definiere ich die bekanntesten Ultra – Orthodoxen Richtungen in Israel, aber was genau bedeutet eigentlich ORTHODOX? Ein Leben streng nach der Thora ausgerichtet? Thoragesetze und ein Dasein ohne jede Lebensfreude?
Bei solchen Vorstellungen kann ein stinknormaler orthodoxer Jude nur lachen, denn man kann sich sehr wohl als Orthodox betiteln, ohne das dies von außen ersichtlich sein muss. Ja, auch orthodoxe Juden tragen Jeans und T – Shirt. Nur halt nichts Superknappes, sondern Ärmel bis zum Ellbogen. Fast hätte ich noch Armlänge gesagt, aber dieser Begriff steht mittlerweile für eine andere Bedeutung. 🙂
Nicht nur in Israel existieren ganz unterschiedliche Formen des orthodoxen Judentums und den Begriff Ultra – Orthodox gibt es eh nur in der deutschen sowohl als auch in der englischen Sprache. Im Hebräischen existiert der Begriff gar nicht.
Was also ist ein orthodoxer Jude? Jemand, der nach der Thora lebt?
Ja, aber auch hier sollte nicht alles stereotyp aufgefasst werden. Orthodoxe Juden sind ganz normale Leute, die nebenbei koscher Essen, den Schabbat halten, und und und. Absolut nichts Außergewöhnliches und niemand läuft mit einem Schild um den Hals herum, ob und wie orthodox er ist.
In den deutschen Medien aber wird immer ein Riesenterz um das orthodoxe Judentum gemacht: Mittelalterlich, fundamentalistisch und weltfremd. Kurz gesagt, alle Orthodoxen sind zurückgeblieben.
Einerseits nervt mich diese Darstellungsweise, andererseits bin ich Realist und weiß, dass man schreiben kann, was man will. Ändern wird sich an der Meinung eh nichts, denn internationale Medien sowohl als auch desinteressierte israelische Journalisten besitzen keine Verbindung zur Orthodoxie, sondern schreiben voneinander ab. Copy & Paste und auf diese Weise gelangt alles in die internationalen Medien. Kaum ein Journalist zeigt ein ernsthaftes Interesse daran, sich einmal gründlich mit einem Themengebiet auseinanderzusetzen. Stattdessen wird schnell mal gegoogelt und ein nichtssagender Artikel zusammengeschustert. In Deutschland kennt sich ja eh keiner aus.
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2 Kommentare

  1. Cass9376 sagt:

    Es ist absolut zutreffend, was du schreibst. Ich stelle selbst immer wieder fest, dass zahlreiche Leute in Deutschland (oder auch Österreich, wo ich lebe) nicht wissen, was der Begriff „orthodox“ in Bezug auf das Judentum bedeutet. Häufig wird „orthodox“ automatisch mit „ultra-orthodox“ gleichgesetzt, und viele glauben, dass alle orthodoxen Juden im Kaftan sowie mit Hut und Schläfenlocken, bzw. (als Frauen) in Strumpfhosen und mit Perücken als Kopfbedeckungen herumlaufen. Genauso verbreitet ist das Klischee, dass orthodoxe Juden ungebildet sind, in „Ghettos“ wohnen und keiner Arbeit nachgehen. Andererseits kommt es jedoch auch vor, dass die religiösen „Siedler“ als „ultra-orthodox“ bezeichnet werden, obwohl sie ja mehrheitlich national-religiös sind. Die Begriffe werden also sehr willkürlich benutzt – leider auch regelmäßig von Journalisten, von denen man eigentlich erwarten sollte, dass sie in der Lage und willens sind, ordentlich zu recherchieren.

  2. Miriam Woelke sagt:

    B“H

    Was die heutige Journaille angeht:
    Heutzutage wird keinerlei Research mehr betrieben, denn die Artikel muessen schnell fertig sein. Die Deadlines muessen eingehalten werden, sonst ist der Journalist den Auftrag los und kann sich beim Job Center melden.

    Wozu auch Recherche zum Judentum?
    In Deutschland weiss doch eh keiner den Unterschied zwischen ORTHODOX und ULTRA – ORTHODOX. Ist doch eh alles egal? 🙂 Dem Journalisten ist das doch egal.

    Selbst sogenannte deutsch – israelische Journalisten schreiben von ihren Kollegen in Israel ab und veroeffentlichen Inhalte aus israelischen Tageszeitungen in Deutschland. Jene in Israel ansaessigen Journalisten, die ausschliesslich fuer deutsche Medien schreiben, kennt in Israel kein Mensch.

    Was auf diesem Blog mit am meisten gegoogelt wird: Wovon Ultra – orthodoxe Juden (Haredim) leben. Bestimmt nicht vm Staat Israel. 🙂

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