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Zur israelischen „Willkommenskultur“

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B“H
Als ich aus Deutschland auswanderte, um in Israel einzuwandern, galt es zuerst einmal eine andere Sprache und Mentalität zu lernen. Ich musste mich, wie man so schön sagt, in die israelische Gesellschaft integrieren.
Vor meiner offiziellen Einwanderung nach Israel (Hebräisch: Aliyah) lebte ich schon mehrere Jahre im Land und war der Sprache mächtig. Die israelische Mentalität unterscheidet sich gravierend von der deutschen und es dauert längere Zeit, sich an etwas Neues zu gewöhnen. Dadurch, dass der Neueinwanderer gezwungen ist, sich durch eine unbeschreibliche Masse von Bürokratie zu wühlen, bekommt er gleich zu Beginn einen guten Einblick in den israelischen Alltag. Nicht selten sieht sich der Neue mit bürokratischen Gegenüber konfrontiert, die ihn anschreien und auch noch heruntermachen. Mir blieb dies erspart und alles nahm seinen normalen Gang, doch höre ich immer wieder Horrorstories von anderen Neueinwanderern.
In Israel ist die englische Sprache weit mehr verbreitet als dies in Deutschland der Fall ist. Dadurch, dass im israelischen Fernsehen amerikanische Filme in der Originalversion laufen, lernen selbst ältere Menschen, die nie etwas mit Englisch am Hut hatten, ein paar hilfreiche Brocken. Ich muss allerdings dazusagen, dass Filme jedoch mit hebräischen Untertiteln versehen sind!
Wer hierzulande Deutsch erwartet, ist verlassen! Ich traf einmal auf einen deutschen Neueinwanderer, der der Meinung war, in Israel reden alle Deutsch oder Jiddisch und er müsse daher nicht die hebräische Sprache lernen. Wie zu erwarten war, blieb der Typ dann auch nicht lange und war nach knapp einem Monat wieder zurück in Deutschland.
Nicht nur in Israel ist es so, dass sich ein Neueinwanderer an Sprache und Mentalität anpassen muss. Ohne dem kommt er kaum zurecht. Zwar entstanden auch in Israel einige Parallelgesellschaften bei den äthiopischen und russischen Einwanderern. Normalerweise verläßt die zweite Generation (Kinder und Enkel) die Parallelgesellschaft, denn man geht in Israel zur Schule und zur Armee und wird dadurch automatisch zum integrierten Normalbürger. In der Regel funktioniert dieses System, aber die äthiopischen Einwanderer bilden bis heute die große Ausnahme, da sie fast alle in ihrem kleinen Ghettogebilde hängenbleiben. Obwohl sie alle zur Schule gehen, bleibt die Mehrheit unterqualifiziert und landet, u.a., bei Reinigungsfirmen. Hier fehlt es an individueller Eigeninitiative, doch offenbar verläßt sich die Mehrheit lieber auf staatliche Hilfe.
Die Russen hingegen gründeten ihre eigenen Buchverlage, ihre eigene Zeitung oder ihren eigenen Fernsehkanal. Die ältere Generation lernt deshalb kein ausreichendes Hebräisch, die jüngere Generation gliedert sich ein, denn man lernt in israelischen Schulen. Immer wieder treffe ich auf Kinder russischer Neueinwanderer und man merkt gar nicht mehr, dass sie russischer Abstammung sind. Sie reden wie geborene Israelis und die russische Mentalität ist nicht mehr zu spüren.
Wer in Israel einwandert, muss sich in die bestehende Gesellschaft integrieren. Es versteht sich von selbst, dass jemand, der im Ausland geboren worden ist, immer auf die ein oder andere Weise mit seiner ursprünglichen Heimat verbunden bleibt. Allein schon wegen der Muttersprache, der Kultur und halt so kleinen Dingen wie deutsche Pünktlichkeit. Kein Mensch sagt etwas, wenn er genau diese Dinge daheim auslebt. In der Öffentlichkeit hingegen wird die Integration erwartet, denn ohne die läuft nichts.
Im Focus las ich, dass die SPD in Deutschland fordert, arabische Fahrkurse einzuführen. Wer an so etwas denkt, hat noch nie im Ausland gelebt. Je mehr man Neueinwanderern entgegen kommt, desto weniger sieht der Neueinwanderer einen Grund, die neue Landessprache zu erlernen. Warum auch, wenn alles in seiner eigenen Sprache vorhanden ist? Auf diese Weise schafft man erst recht Parallelgesellschaften und begeht sogar noch einen viel schimmeren Fehler: Das Land passt sich dem Neueinwanderer an und verzichtet somit auf seine eigene Identität. Der Neueinwanderer gibt den Ton an, was ihn vom Status des Neueinwanderer sofort in den Status des „Herrschenden“ katapultiert.
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