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Kibbutz Revivim steigt in den Start – up Markt ein

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Neues vom Kibbutz Revivim:
Kibbutz Revivim liegt in der tiefen Negev. Etwas mehr als 20km südlich von Beersheva, soweit ich mich erinnere. Ende der 80iger Jahre war ich dort sechs Monate lang in einem Ulpan (Hebräischsprachkurs). Damals noch blutiger Anfänger in Kita Aleph.
Bis Mitte der 80iger Jahre war Revivim dafür bekannt, recht viele Volontäre aufzunehmen, die ihnen das Kibbutz Office in Tel Aviv schickte. Irgendwann Ende der 80iger wurde alles anders, denn als ich in den Kibbutz kam, gab es nur noch zwei Volontäre. Rosi aus der Schweiz und ein großer blonder Däne.
Zahlreiche Kibbutzim nagen am finanziellen Hungertuch und schon längst wurde die neue Einnahmequelle namens ULPAN entdeckt. Für jeden Schüler gibt es Provision von der Jewish Agency, was sich zum Einkommenszweig der Kibbutzim entwickelte. Heutzutage noch mehr als früher und es werden ausschliesslich jüdische Neueinwanderer zugelassen und keinerlei nichtjüdische Touristen mehr. Eben, weil es für jüdische Teilnehmer Cash von der Jewish Agency gibt.
Während meiner „Kibbutzkarriere“ von insgesamt drei Kibbutzim (1x Volontär und 2x Ulpan) fand ich Revivim am Kühlsten. Nicht vom Wetter her, denn wir waren in der Wüste. Andererseits mussten wir uns an Sandstürme gewöhnen und die sind nicht lustig, wenn in jeder Ritze und Klamotte Sand klebt.
Revivim ist ein großer Kibbutz mit viel Industrie und riesigen Feldern. Unter anderem werden auch Avocados geerntet. Und wo wurde ich zur Arbeit eingesetzt ? In der Hatchery. An dem Ort konnte man das reiste Gruseln kriegen, denn alles war voller Hühnereier, aus denen einige Wochen später Küken schlüpften. Klingt doch eigentlich ganz süß, oder ? War es aber nicht, denn manche Küken war deformiert und zu gewissen Zeiten mussten wir die Eier samt Unterlage umdrehen. Dabei rutschte schon mal etwas runter und dann lagen die noch nicht ausgebrüteten Küken tot und blutig auf dem Boden. In dem Fall kam der Gartenschlauch zum Einsatz und alles wurde mit Wasser weggesprengt und wieder saubergemacht. Das Schlimmste jedoch war der Gestank wenn die Eier herunterfielen. So richtig fauler Eiergestank und blutige Embryos dazu.
Nach ein paar Wochen wollte ich einen anderen Job, doch der Hatchery Boss gab mich nicht her. Als ich kurz darauf in die Plastikfabrik Raviv wechselte, wurde ich zum Verräter der Hatchery abgestempelt. 🙂
Ich bin beileibe kein Vegetarier und die gesunden geschlüpften Küken wurden verkauft und nicht verzehrt. Außerdem war ich kein Anfänger im Hühnerbusiness, denn in meinem vorherigen Kibbutz hatte ich monatelang im Hühnerhaus mit 3000 Hühnern gearbeitet. Von Impfungen bis hin zum Eierlegen – Bis heute habe ich die Huhndetails nicht vergessen und bin Experte. 🙂 Lieber mit Hühnern arbeiten als mit blutrünstigen Truthähnen.
Ich hätte ja gerne wieder zu den Hühnern gewollt, aber nicht in die Hatchery. In der Fabrik war alles sauber und ohne Gestank. Revivim war ganz groß im Geschäft mit einem anderen Kibbutz im Norden, der da Lady Shaver herstellte. Revivim fertigte lediglich die Plastikhüllen an und so saßen wir vor den Maschinen und sortierten die Plastikteile in große Kartons. Manchmal auch in der Nachtschicht. Einen Tag Arbeit und einen Tag Unterricht. Zu der Zeit hatte Revivim noch Geld, aber das änderte sich ein paar Jahre später, denn der Bedarf an Lady Shaver war vermutlich gedeckt. Jedenfalls wurde die Produktion gedrosselt, was zu drastischen wirtschaftlichen Einbußen führte.
Umso mehr hat es mich gefreut, diesen Artikel im Wirtschaftsmagazin Globes zu lesen. Revivim geht jetzt in die Start – up Branche und die Hatchery wurde umfunktioniert. Hamadgera offeriert Bootcamps. Allerdings in professioneller und intensiver Art und Weise und gleich mehrere Monate lang. Hier gibt es keine Abzocke wie, u.a., bei der DNX (Digitale Nomadenkonferenz) in Berlin, wo irgendwelche Reiseblogger jungen Leuten unrealistische Perspektiven vorgaukeln. Als digitaler Nomade macht man im Grunde genommen nur Geld, indem man anderen Leuten irgendwelche nutzlosen Kurse andreht. Das ist in der Nomadenbranche nicht viel anderes als in der Fitness – Youtuber – Szene. Skype Geschwafel in Verbindung mit überteuerten ebooks. Das alles hält nun auch in Deutschland Einzug und wer sich so etwas andrehen läßt, ist selber Schuld.
Hoffentlich schafft es das neue Start – up Hamadgera von Revivim, denn dort sitzen Professionals und keine unbedarften Reiseblogger, die auf Bali ihre Yoga Show abziehen.
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