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Zum Yigal Amir Film beim Jerusalemer Filmfestival

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Aktuell findet in der Jerusalemer Cinematheque das alljährliche Sommer – Filmfestival statt, zu welchem man nur schwer Tickets ergattert. Es sei denn, man bestellt vielleicht Ewigkeiten im Voraus. Allerdings werden ein paar Filme auf einer Großleinwand im Kulturzentrum Alter Bahnhof (First Station) gezeigt. Und das kostenlos und für jedermann. Andere kostenpflichtige Filme laufen, u.a., im Sultan’s Pool gegenüber der Cinematheque (zwischen dem Alten Bahnhof und dem Jaffator).
Soweit ich das mitbekommen habe, lief in der vergangenen Woche am Sultan’s Pool eine Reportage über Yigal Amir. Im November 1995 erschoss Amir den damaligen israelischen Ministerpräsidenten Yitzchak Rabin und wurde zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Yigal Amir sitzt seither in Einzelhaft und darf keinerlei Kontakte zu Mitgefangenen unterhalten. 24 Stunden am Tag wird er beobachtet. Vor ein paar Jahren heiratete er eine eingewanderte Russin namens Larissa Trimbovler. Ich hoffe, den Namen richtig hinbekommen zu haben, denn groß herumgoogeln will ich jetzt nicht.
Egal. Frau Trimbovler, nun Amir, gebar einen Sohn aufgrund dass dem frisch vermählten Paar laut Gesetz Sex im Knast zusteht. Mutter und Sohn leben hier in Jerusalem. Im Stadtteil Ramot, meines Wissens nach. Die jetzige Frau Amir war vorher verheiratet gewesen und verliess ihren Mann, weil sie sich via Briefe in den einsitzenden Yigal Amir verknallte und liess daraufhin ihren damaligen Gatten samt gemeinsamer Kinder sitzen.
Diesen November jährt sich der Tag der Ermordung von Yitzchak Rabin zum 20. Mal. Was ist seither geschehen und was ist von der Erinnerung geblieben ?
Es hat sich so gut wie gar nichts verändert und die Erinnerung an Rabin verblasst mit jedem Jahr. Was die israelische Gesellschaft jahrelang nicht wahrhaben wollte: Das Abkommen mit Arafat in Oslo erwies sich als einer der größten Fehler in der Geschichte unseres Landes. Das fatale Oslo Abkommen sorgte dafür, dass Israel Waffen an die PLO Behörden lieferte. Waffen, die später von palästinensischen Terroristen benutzt wurden. Waffen, mit denen Israelis umgebracht worden sind. Beispiel: Das Attentat auf die Jerusalemer Yeshiva Mercaz HaRav.
Viel zu lange wurde so getan als sei alles superfriedlich und Friede, Freude, Eierkuchen. Arafat lachte sich halbtot und predigte in Gaza das genaue Gegenteil. Rabin liess sich einwickeln als er Arafat zur Rede stellte, warum dieser im palästinensischen Autonomiegebiet den Hass gegen Israel schüre. Arafat meinte daraufhin, dass sein Volk es so von ihm erwarte, er selber den Israelis jedoch freundlich gesinnt sei. Eine dicke fette Lüge.
Seit dem Rabin – Mord gilt Yigal Amir samt seiner Familie als Aussätziger. Er repräsentiert das, was niemals jemand für möglich gehalten hat. Nicht in einer Demokratie namens Israel. Nach dem Bekanntwerden des Attentates dachte jeder, es handele sich um einen palästinensischen Täter, doch stattdessen zeigten die TV Kameras einen Juden.
Tage nach dem Mord war der Hass auf diverse religiöse Juden der nationalreligiösen Szene enorm. So manch einer traute sich kaum mehr auf die Straße und unsere linksgerichtete Presse stachelte die Leute gegen alles auf, was eine Kippah auf dem Kopf trug. Dabei handelte Amir fast allein, wenn man von ein paar Freunden absieht.
Zur Zeit des Mordes war ich hier im Land und fuhr auch zum Gedenken am Sarg, welcher da vor der Knesset aufgebahrt war. Kurz danach fuhr ich zur Beerdigung, aber der Normalbürger hatte keine Chance, überhaupt in die Nähe des Herzlberges zu gelangen. Jerusalem war stumm und lag einsam und verlassen da. Die Shops waren dicht und kaum jemand lief auf der Straße herum.
Auch am Tatort, dem Kikar Rabin (Rabin Square) am Tel Aviver Rathaus war ich mehrere Male und sah all die Tausenden Trauernden. Vor allem Jugendliche, die mit Rabin eigentlich gar nichts am Hut hatten, doch als Toter war er für alle wie ein Übervater. Das Rathaus war voller Graffiti und Trauerbekundungen. Manche davon sind bis heute erhalten geblieben.
Nach und nach erholte sich das Land vom Schock, denn es musste weitergehen. In Israel bleibt man nicht eben mal so still, sondern die News von heute sind nächste Woche schon vergessen.
Jedes Jahr nahmen die Anzahl der zum alljährlichen Gedenken Anwesenden auf dem Kikar Rabin ab. Heute sind es knapp Tausende Leute und der Rest hat andere Sorgen. Es ist viel passiert seitdem und vor zehn Jahren machte ein Ariel Scharon einen weiteren Fehler, indem er Gush Katif an den Gazastreifen abtrat. Ein Gebiet, auf dem heute die Abschussrampen der Hamas stehen.
Rabin und Scharon waren große Militärs und Ministerpräsidenten, doch die andere Seite der Medaille lautet, dass beiden einen entscheidenden Fehler machten, an dem wir heute noch zu knacken haben. Einen Fehler, den zahlreiche Israelis mit dem Leben bezahlten.
Was bis vor ein paar Jahren noch als Tabu galt, zog mittlerweile in die Köpfe aller Israelis. Nämlich das Bewusstsein, dass Oslo und Gush Katif fatale Fehler waren. Heute will keiner dabeigewesen sein und Politiker aller Parteien gehen auf Distanz.
Jahrelang wurde uns Yigal Amir als Monster dargestellt und jetzt erscheint eine neuer Dokumentarfilm, der Amir von der menschlichen Seite zeigt. Bislang durfte es das nicht geben, denn Amir war Abschaum und kein menschliches Wesen.
Ich kenne nur den Trailer, würde jedoch gern den ganzen Film anschauen. Die Cinematheque ist normalerweise eine Hochburg der Linken und deswegen wundert es mich, dass gerade dort dieser Film gezeigt wurde. Trotz aller Proteste führender Politiker und der Androhung, staatlich – finanzielle Unterstützung für die Cinematheque zu streichen.
In der Vergangenheit schrieb ich zwei ausführliche Artikel zur Ermordung von Yitzchak Rabin sowie Yigal Amir. Beide Artikel verlinke ich unten !
Ich glaube kaum, dass die Amir – Reportage etwas beschönigen will. Es soll bestimmt keine Rechtfertigung sein, aber es wird Zeit, dass sich die israelische Gesellschaft auch einmal mit der anderen Seite auseinandersetzt. Bisher wurde alles immer nur verdrängt.

 

 

 

 

Links:
Egotrip eines Mörders
Erinnerungen an den Rabin – Mord
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