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Die Stadtverwaltung Jerusalem reisst Sozialwohnungen ab

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Photo: Miriam Woelke
Die Luxuswohnungen im Hintergrund sind heute längst fertig gebaut: Jaffa Road / Ecke King George und Strauss in Downtown Jerusalem
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Mehr als die Hälfte der derzeitigen Wohnungsneubauten wird als Luxusimmobilie angeboten. Der kleine Mann hat es auf dem Jerusalemer Wohnungsmarkt genauso schwer wie in Tel Aviv, Rishon LeZion, etc. Fast immer wenn etwas neu gebaut wird, handelt es sich um Luxusapartments. Für Otto Nomalverbraucher bleibt der Rest, um den sich alle zanken. Und sei er auch noch so abgefackelt.
Bürgermeister Nir Barkat hat beschlossen immer mehr Sozialwohnungen zum Abschuss freizugeben. Wie schon im „ärmeren“ Stadtteil Kiryat Menachem, in der Nurit Street, sollen jetzt mehrere Wohnkomplexe in der Derech Hebron abgerissen werden. Einfach so und die Mieter müssen sich neue Bleiben suchen. Und hierbei handelt es sich, wohlgemerkt, um städtische Sozialwohnungen. Ich nehme einmal an, dass es sich bei den Mieter ausschliesslich im weniger Betuchte, sprich ältere Leute mit wenig Rente, um alleinerziehende Mütter, Behinderte und Sozialhilfeempfänger handelt. Sonst hätte niemand Anspruch auf eine Sozialwohnung.
An dem Gebäudekomplex, der sich über eine Nebenstraße hinzieht, laufe ich jeden Donnerstagabend vorbei, wenn ich vom Wocheneinkauf aus dem Supermarkt komme. Es sind keine tollen Häuser, sondern alles ist in Grau und man sieht, dass die Wohnungen mindestens 40 Jahre alt sind. Trotzdem, ein Zuhause ist wichtig und da kommt es nicht darauf an, ob jemand jetzt in einer supertollen Wohnung lebt oder halt in einer stinknormalen Bleibe. Zudem sichert einem die Sozialwohnung in Israel eine lebenslanges Wohnrecht mit wenig Miete. Allein aus dem Grund kann einem das Umfeld fast egal sein und es gibt viel Schlimmeres als die Gebäude in der Derech Hebron, die da sogar von kleinen Grünanlagen umgeben sind. In den Sozialwohnungen der Rabbi Schimon bar Yochai Street (nahe der Malcha Mall) geht es kriminell zu, denn dort quartierten sich nicht wenige Junkies ein. Dagegen sind die Sozialwohnungen in der Derech Hebron  der reinste Luxus.
Die Stadt will Altes abreissen und Neues entstehen lassen. So soll alles auf modern getrimmt werden und Jerusalem verliert seinen Charakter. Hinterher kaufen reiche amerikanische Juden die Luxusschuppen und bewohnen sie dann nur 2 – 3 Mal im Jahr zu den hohen jüdischen Feiertagen. Den Rest des Jahres leben sie in den USA.
Nir Barkat verkündet ganz erhaben, dass die Mieter der Sozialwohnungen ja Vorkaufsrecht hätten. Das klingt wie ein Hohn, denn der Mieter eine Sozialwohnung wird kaum in der Lage sein, eine Luxuseigentumswohnung zu erstehen.
Es ist erschreckend, wie Grundbedürfnisse allmählich zum Luxusgut werden.
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