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Immer mehr Israelis ziehen fort aus der Stadt

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Photo: Miriam Woelke
In der King George Street in Downtown Jerusalem
B“H
Neulich erst habe ich mir aus lauter Neugier einmal eine Site mit Wohnungsangeboten in Tel Aviv angeschaut. So aus Spaß an der Freud und nicht, weil ich vorhabe umzuziehen. Ich habe lange genug in Tel Aviv und Ramat Gan gewohnt und brauche vorerst kein neues Abenteuer, denn ich bin in Jerusalem recht glücklich. Als ich feststellte, dass ich für meine Zwei – Zimmer – Wohnung mit Balkon, die ich hier in Jerusalem habe, in Tel Aviv mindestens das Doppelte an Miete zahlen würde, verging mir sowieso jegliche Lust an „Abenteuern“. Und als ich dann noch Photos von angebotenen Mietwohnungen sah, wo sich die Vermieter noch nicht einmal schämen, diese ins Netz zu stellen, reichte es mir vollends. Ein – und Zwei – Zimmer – Wohnungen, total abgefackelt und die Vermieter wollten immer noch 2500 – 3000 Schekel dafür.
Fazit: Wer in Tel Aviv eine einigermaßen anständige Zwei – Zimmer – Wohnung sucht – unter 3500 – 4000 Schekel läuft gar nichts. Wer hingegen ein Ein – Zimmer – Studio sucht – mit Beziehungen läßt sich da etwas unter 2000 Schekel machen. Und das nicht weit weg vom Strand entfernt. Ich selber habe in solch einem Studio Apartment gewohnt. Klein, aber mit super Aussicht über die Stadt. Letztendlich zahlte ich 2400 Schekel, aber es war alles inklusive. Sogar die gemeinsame Hauswaschmaschine.
Was ich damit sagen will ist, dass es durchaus erschwingliche Bleiben in Tel Aviv gibt, aber die gehen unter der Hand weg. Ich habe Freunde in der Stadt und die berichteten mir von dem Apartment. Immer, wenn ich sie besuche, werde ich gefragt, wann ich denn wieder nach Tel Aviv ziehe. Es werde wieder ein Studio frei und ich könne sofort einziehen.
Aber, wie gesagt, ich will vorerst in Jerusalem bleiben und habe meinen Mietvertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Ob ich danach in Jerusalem bleibe, weiss ich noch nicht. Auch hier steigen die Mieten ins Unermessliche und vielleicht sind wir alle bald gezwungen, uns außerhalb der Stadt erschwingliche Wohnungen zu suchen. Solange es sie denn gibt.
In der aktuellen Ausgabe der Jerusalemer Lokalzeitung YEDIOT YERUSHALAYIM wird berichtet, dass im Jahre 2013 etwas mehr als 18,000 Jerusalemer aus der Stadt wegzogen. Dies hat unterschiedliche Gründe und nicht jeder flüchtet, weil es angeblich keine Action in der Stadt gibt. Junge Familien ziehen in die Vororte wie Givat Ze’ev oder ins nahegelegene Beit Shemesh oder Modi’in. Aber auch hier steigen die Mieten aufgrund der hohen Nachfrage.
Was besonders viele Leute aus Tel Aviv machen, wenn sie nicht mehr bereit sind, mehr als die Hälfte ihres Monatsgehaltes für die Miete auszugeben – man sucht sich Wohnungen in Moschavim und Kibbutzim. Viele Kilometer von der Stadt entfernt, aber im Grünen und die Preise sind niedriger als in den Städten. Außerdem ist Tel Aviv zu laut und alles sei nur auf Konsumwahn ausgerichtet.
Schon vor Jahren begannen Moschavim und Kibbutzim damit, entweder Land oder Wohnungen an Auswärtige zu verkaufen, aber es kann auch gemietet werden. Dort zu wohnen, macht einen nicht automatisch zum Mitglied, doch die neuen Bewohner dürfen häufig die Einrichtungen des Kibbutz bzw. Moschav nutzen. Beispiel: Schulen, Kindergärten, Swimming Pool, etc. Nicht umsonst, aber immerhin.
Begonnen hatte alles aus der chronischen Geldnot der Kibbutzim heraus. Da kommen die Einnahmen aus Mieten und Verkäufen gerade recht. Vielleicht ziehe ich so etwas auch einmal in Erwägung, denn ich brauche keine große Action in meinem Leben !
Wie gesagt, 18,000 Bewohner verliessen im Jahr 2013 Jerusalem und nur ca. 10,000 neue Leute zogen in die Stadt. Anderen Städten geht es nicht besser: Auch aus Tel Aviv, Haifa oder Rishon LeZion ziehen mehr Menschen weg als dass neue hinzukommen. Die einzige Stadt, die hier ein Plus verzeichnet, ist Petach Tikwah. Einst ein kleines Kaff, doch seit ein paar Jahren reiht sich Hochhaus an Hochhaus. Neue Stadtteile entstanden und die Hightech Branche blüht. In Petach Tikwah gibt es viele Jobs, denn es ist massig Industrie vorhanden. Beispiel: OSEM (eine Art israelischer Maggi – Konzern).
Allerdings wird in Petach Tikwah meist eine Wohnung gekauft und besonders Familien lassen sich hier nieder. Ehepaare, wo beide Teile in der Hightech arbeiten. Gehobener Mittelstand und die Stadt ist kinderfreundlich.
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