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Will Israel nur junge flexible Neueinwanderer ?

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Photo: Miriam Woelke
Blick auf Jerusalem

 

B“H
Neulich las ich in den Kommentaren zu irgendeinem Online Artikel, dass Israel nur an bestimmten jüdischen Neueinwanderern (Olim) interessiert sei. Nämlich an jungen flexiblen Leuten oder an denjenigen mit Kohle in der Tasche. Was der Staat Israel offensichtlich nicht oder weniger wolle, seien Neueinwanderer fortgeschrittenen Alters oder bzw. und jene, die nicht gerade zu betucht sind.
Diese Behauptung stammt von einem amerikanischen Juden, der auf besagten Artikel mit einem Kommentar antwortete. Und nicht nur er vertrat die Ansicht.
So ganz Unrecht hat der Kommentarschreiber nicht. Es versteht sich von selbst, dass junge Einwanderer sich schneller in die neue Umgebung integrieren als ältere. Mit Älteren meine ich die über 50 – jährigen. Sie kommen mit festgefahrenen Ansichten und es fällt ihnen nicht leicht loszulassen und etwas Neues zu akzeptieren. Klar, gibt es Ausnahmen, aber mit dem Alter läßt nicht selten die Flexibilität nach. Zu sehr hängt man an seinem bisherigen Leben und versucht alles in die neue Situation zu quetschen.
Bezüglich des Geldes hat der Kommentarschreiben ebenso Recht. Man sollte nicht mit leeren Taschen kommen und hoffen, dass einen der Staat unterstützt. Tut er auch nicht. Amerikaner oder Kanadier haben es da einfacher, denn sie erhalten mit der Einwanderung einen Batzen Cash von der Aliyah Organisation Nefesh be’Nefesh. Doch das Geld reicht auch nicht ewig und viele verpassen den Anschluss und bauen nur auf ihr Aliyah Geld. Dann haben sie nichts mehr und kehren in ihre Heimatländer zurück.
Versteht mich nicht falsch: Der Staat Israel will und nimmt alle jüdischen Neueinwanderer, doch mit dem Betreten des israelischen Bodens ist jeder Einzelne für sich selbst verantwortlich. In Deutschland funktioniert der Sozialstaat immer noch sehr gut im Gegensatz zu anderen Ländern.
Sobald der Neueinwanderer das Flugzeug verläßt, beginnt der Überlebenskampf. Vom arabischen Terror einmal abgesehen. Im Vordergrund stehen  Wohnungs – und Jobsuche, neue Freunde, neue Sprache, neue Schrift, und es gibt soviel zu bezahlen. Formulare, Anträge, Gebühren … in Israel ist fast gar nichts umsonst. Da muss sich der Neueinwanderer erst einmal durchwurschteln. Dazu will er essen und Lebensmittel sind sauteuer. Jedenfalls im Gegensatz zu Aldi oder Lidl, die es leider hier nicht gibt.
Heutzutage sollte ein nicht mehr ganz junger Neueinwanderer mit klaren Vorstellungen kommen. Mit festen Zielen, selbst wenn die noch in weiter Ferne liegen. Man sollte wissen, was man erreichen will und dann loslegen. Mit einem Ziel vor Augen läßt sich alles besser bewerkstelligen als einfach nur dahinzudümpeln. Das Mal hier und Mal dort ist nicht gut und ist dazu noch ermüdend. Viele Familien wandern mit dem Ziel ein, ein Haus zu kaufen und sich fest niederzulassen. Man hat Geld angespart und das ist immer von Vorteil.
Zudem sollte der Neueinwanderer eine Berufsausbildung haben. Handwerker verdienen hierzulande sehr viel Geld und jeder kann sich quasi selbständig machen. In der Hightech Branche geht es mal auf und mal ab. Wer sich darauf einläßt einen Call Center Job anzunehmen, achtet darauf, dass Euer Vertrag nicht nur auf einem Projekt basiert und ihr danach gekündigt werdet. Viele junge Neueinwanderer gehen erst einmal im Call Center jobben und suchen sich nebenbei etwas anderes.
Natürlich legt Israel Wert darauf, dass gut ausgebildete Fachkräfte wie Ärzte einwandern, aber selbst die haben es nicht immer einfach. In der Gesellschaft besteht eine Rangordnung und viele offene Stellen werden unter der Hand vergeben. Vitamin B und Freunde oder Familienangehörige fragen erst einmal im eigenen Bekanntenkreis herum. So gelangen die meisten offenen Stellen erst gar nicht auf die Job Sites im Internet. Genauso verhält es sich auf dem Wohnungsmarkt, was ich aus eigener Erfahrung weiss. Ich erhielt meine Wohnung von einem Freund, der gerade in die USA zog. Ohne den hätte ich diese tolle superbillige Wohnung nie gefunden.
Wenn man einen relativ guten Arbeitsplatz gefunden hat, gibt es nicht selten eine Hackordnung, in der sich der Neueinwanderer behaupten muss. Bei all den israelischen Kollegen, die sich jahrelang kennen und die die Sprache beherrschen. In Jerusalem ist mir das weniger passiert, in Tel Aviv dagegen schon.
Es kommt häufig vor, dass amerikanische Hightech oder sonstige Spezialisten nach Israel auswandern, aber jede Woche in die USA zu ihrem dortigen Arbeitsplatz pendeln. Immer hin und her mit Wohnsitz und Familie in Israel. Entweder weil sie in den USA wesentlich mehr verdienen oder die dort ansässige eigene Firma nicht nach Israel verlegen wollen. Die USA haben innerhalb der letzten Jahre ihr Steuersystem geändert und wer mit israelischem und amerikanischem Paß in Israel wohnt, muss in bestimmten Situationen in beiden Ländern Steuern zahlen.
Es ist nicht so, dass ein älterer Neueinwanderer abgewiesen wird. Genauso wenig wie diejenigen, die ohne viel Cash einwandern. Manchmal ist es der Neueinwanderer selbst, der sich benachteiligt sieht. Zumindest seinem Gefühl nach.
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