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Zur Jobsituation in Israel

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B“H
Eine Menge Israelis im Alter von ca. 20 – 35 Jahren sind mehr als naiv und meinen, im Ausland sei alles besser und in Israel grundsätzlich alles zum Kotzen. Damit beziehe ich mich auf die hohen Lebenshaltungskosten, die Wohnungsnot sowie die Tatsache, das relativ wenig Jobs vorhanden sind und die dann auch teilweise noch schlecht bezahlt werden. Aber so ist das nun mal und egal welche Regierung an der Macht ist, es wird sich kaum etwas zum Positiven ändern. Politiker denken an ihr eigenes Wohl und das haben wir bei allen Regierungen gesehen. Außer vielleicht bei Menachem Begin, der noch etwas darstellte.
Sobald man ins Ausland ziehe, so viele Israelis, werde alles besser. Dicke Kohle im Job und jeder reisse sich um sie. Ich weiss nicht, ob ich das schon einmal erzählt habe: Ein Freund von mir, geborener Israeli, lebt seit drei Jahren in New Jersey und bei seinem letzten Besuch in Jerusalem fragte er mich, was ich denn denke, in welcher Branche Israelis in den USA arbeiten. Was ich absolut nicht erwartet hätte: Als Schiputznik !
Ein Schiputznik ist jemand, der Sachen im Haus repariert oder die Wände streicht. Meist unter der Hand und ohne Steuern zu zahlen bzw. ein Kleingewerbe anzumelden. Davon leben auch in Israel zahlreiche Leute, aber ich hatte mir nicht vorgestellt, dass das in den USA genauso ist. Immerhin meinen Israelis immer, gerade in den USA komme das große Cash nur so rein. Alles easy und so !
Das Online Nachrichtenmagazin Walla veröffentlichte vor ein paar Tagen einen Artikel, dessen Inhalt wieder einmal einen „kleinen miesen“ Fakt unserer Gesellschaft beschreibt. Allerdings nicht nur in Israel, sondern die Feststellung gilt weltweit:
Arbeitnehmer im Alter von 40 Jahren sind auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr angesagt. Oft liegt die Altersgrenze schon bei 30 Jahren und dann gehört man zum ollen Eisen. In der Altersgruppe 45 – 50 (in die auch ich falle) schaue es miserabel aus. Irgendwo wird darauf hingewiesen, dass israelische Frauen ab 50 Gefahr laufen, in die Insolvenz zu gehen. Geschieden, Alleinverdiener, Miete zu hoch, Gehalt zu niedrig. Da lande man schnell auf der Straße. Als Beispiel werden ein paar prominente Frauen aufgeführt, die zwar gut lebten als finanziell alles super war, jedoch kein Geld für das Alter zurücklegten. Apropos Alter, in Israel gibt es eine staatliche Mindestrente, die jeder bekommt. Davon kann man nicht leben und deswegen zahlen viele Arbeitnehmer privat ein. Eine Hälfte sie, die andere Hälfte der Arbeitgeber. Wer allerdings meint, auf diese Weise an eine ausreichende Rente zu gelangen, der irrt gewaltig. Die Einzigen, der hier verdienen sind Versicherungsgesellschaften wie Migdal, etc. Die Versicherungsagenten kassieren nämlich alljährlich eine fette Provision von mehreren Tausend Schekel. Der Einzahler zahlt ein paar Monate im Jahr nur Provision und am Ende kriegt er kaum etwas heraus.
Was also tun ? Die hohe Kante ? Zinsen lohnen sich nicht und als ich Geld anlegen wollte, bot man mir Null Komma irgendwas Prozent an. Wer dagegen 50,000 – 100,000 Schekel fest für drei Jahre anlegt, kann schon mal knapp über 1 % kommen. Doch die meisten Leute verfügen nicht über ein gutes Gehalt und man kommt gerade so über die Runden. Andere, und das sind eine Menge, leben weit über ihre Verhältnisse. Allein eine einzige Tankfüllungs fürs Auto kostet Unsummen. Eine Bekannte mit einem Monatsgehalt von 9000 Schekel netto überlegt sich momentan, ein Auto anzuschaffen. Da sie jedoch die Buchhaltung bei ihrem Arbeitgeber macht, weiss sie, was PKWs kosten und deswegen sagt sie, sei das unerschwinglich. Zuviel Nebenkosten und wenn mal etwas kaputt geht …
Ab 30 Jahren gehört ein israelischer Arbeitgeber zum alten Eisen, was sich auch in den Stellenangeboten wiederspiegelt. Immer werden junge Leute bis 25 Jahre gesucht. Leicht einzuarbeiten und sie stellen keine dummen Fragen. Je naiver und dümmer, desto besser. Egal, wo man hingeht, überall hängt da eine junge Tussi am Information Desk und hat Null Ahnung. Hauptsache am Smartphone spielen und Lippenstift auftragen. Für die Arbeitgeber haben diese Dummies den Vorteil, billig zu sein. Wer zuviel weiss, gilt als überqualifiziert und kriegt den Job nicht. Grund ist nicht immer das höhere Gehalt, sondern die Tatsache, dass man ggf. mehr weiss als der Vorgesetzte und dann ist das schlecht.
Wer sich die Kommentare zu dem Walla Artikel durchliest (gesetzt dem Fall, dass jemand der hebräischen Sprache mächtig ist), erfährt, dass im Ausland (u.a. in Berlin) alles besser sei. Es wird doch tatsächlich angenommen, in Deutschland gebe es keine Altersgrenzen und mit Leichtigkeit kriegt jeder 50 – jährige seinen Traumjob.
Die andere Hälfte der Kommentare betrachtet den Artikelinhalt als unrealistisch. Viel zu negativ dargestellt und wer besonders qualifiziert sei, der bekommt auch im fortgeschritteneren Alter einen Arbeitsplatz. Zumindest in speziellen Branchen, wo eine hohe Qualifikation vorausgesetzt wird.
Sicher kommt es immer auf die jeweilige Situation an und an wen man sich wendet. Jeder kann Glück haben, wenn er denn flexibel ist und nicht an allem herummäkelt. Andererseits gibt es wohl kaum einen Israeli, der nicht Abstriche machen muss. Und Israelis in Deutschland müssen noch viel mehr Abstriche machen, es sei denn, sie stellen sich in die Produktion einer Fabrik. 🙂 Aber immerhin ist der Schoko – Joghurt billiger. 🙂
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