Leben in Jerusalem

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Auswandern … egal wohin

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Photo: Miriam Woelke

In Tel Aviv
B“H
Auf Youtube folge ich einem jungen Deutschen, der schon seit ein paar Jahre mit seiner Freundin in Australien lebt. Seine kurzen Videos sind ganz interessant und, obwohl ich nicht plane, nach Australien zu reisen, schaue ich mir Travel Videos  gerne an.
David, so heisst der Youtuber, beschreibt das Leben in Australien mit allen Vor – und Nachteilen. Immer wieder beantwortet er Fragen, denn Australien und Neuseeland stehen bei jungen Deutschen offenbar hoch im Kurs. Und wie es scheint nicht nur zum Backpacken, sondern viele wollen länger in einem der beiden Länder verbleiben oder sogar ganz dorthin auswandern.
In Jerusalem kannte ich ein junges Ehepaar, welches vor drei oder vier Jahren nach Australien auswanderte. Obwohl er als Programmierer in der IT Abteilung einer staatlichen Einrichtung arbeitete und sogar die südafrikanische Staatsbürgerschaft besass, half ihm das nicht allzu viel. Bis es zur Auswanderung mit allem Pipapo – Behördenkram kam, vergingen zwei Jahre. Geld musste vorhanden sein, Sprachkenntnisse, Gesundheitszeugnisse, Jobqualifikationen. Kurz gesagt, die australische Botschaft liess sich Zeit. Am Ende ging alles gut und das Ehepaar fand schnell Job, Wohnung und Kindergarten für die Kleinen.
Nur kurz angemerkt: Australien und Südafrika haben spezielle enge Beziehungen und eine Menge Südafrikaner reisen ohne Probleme nach Australien und lassen sich dort ungehindert nieder.
Warum schreibe ich hier über die Auswanderung nach Australien ?
Ganz einfach, der Youtuber erhält zahlreiche Anfragen aus Deutschland, ob denn in Australien alles besser sei als im Heimatland und ob sich die Auswanderung lohne. Daraufhin erklärte David, dass bestimmte Voraussetzungen in puncto Auswanderung gegeben sein müssen.
Mittlerweile nicht mehr, aber noch bis vor ca. einem halben Jahr erhielt auch ich verhältnismässig viele Anfragen auswanderungswilliger Deutscher. Einmal davon abgesehen, dass in Israel eine völlig andere Regelung der offiziellen Einwanderung herrscht, denn das Land ist für Juden gedacht. Wer darüber hinaus trotzdem kommt, wird sich mit ziemlichen Behördenproblemen konfrontiert sehen und gehört irgendwie nie so richtig dazu.
Davon einmal abgesehen: Wie David bin ich ebenso der Meinung, dass zuviele Deutsche mit dem Thema AUSWANDERUNG viel zu naiv umgehen. Man will irgendwo leben, wo die Sonne scheint und vielleicht noch nebenher einen tollen Job und Strand. Dass woanders auch gearbeitet wird und Rechnungen bezahlt werden müssen, der Gedanke steht nicht so auf dem Programm. Schulbildung, z.B., kostet in anderen Ländern eine Menge Geld. So auch in Israel ! Dasselbe trifft auf die Unis zu.
Des Weiteren übersehen viele das relativ gut funktionierende deutsche Gesundheitssystem. Immerhin erhaltet Ihr fast alles über Krankenkasse. In Israel muss bei bestimmten Behandlungen oder Medikamenten aus eigener Tasche saftig zugezahlt werden. Manche Medikamente werden von der Krankenkasse gar nicht gezahlt und der Patient muss allein tief ins Portemonnaie greifen. Gar nicht erst davon zu reden, wenn derjenige auch noch eine Familie hat.
Bevor jemand an Auswanderung denkt, sollte er sich hinsetzen und nachdenken, was ihm denn im eigenen Land nicht passt und dann erst einmal daran arbeiten, dass es einem vielleicht besser gefällt. Kein anderes Land der Erde ist perfekt und wer bereits woanders lebt, kann ohne Mühe bestätigen, dass überall gearbeitet werden muss und halt kaum jemandem die Zeit bleibt, den ganzen Tag nur am Strand abhängen. Mag sein, dass warmes Wetter und Sonnenschein für einige Leute einen Anreiz zur Auswanderung darstellen, doch was nützt mir all die Sonne, wenn ich meine Rechnungen nicht zahlen kann.
Einen weiteren wichtigen Aspekt, den Auswanderungswillige leicht übersehen: Das Thema HEIMWEH und die im Heimatland verbliebene Familie sowie der Freundeskreis. Es dauert einige Zeit sich auf eine neue Sprache und Mentalität umzustellen. Einigen gelingt das und andere sind zwar ausgewandert, kleben jedoch, bewusst oder unbewusst, nach wie vor in ihrer eigenen deutschen Gedankenwelt.
Auswandern ist niemals leicht. Egal, was das Ziel ist und ob jemand Geld mitbringt oder nicht. Ob der Auswanderer sein Vorhaben meistert, liegt an ihm selbst. An seiner Einstellung und Herangehensweise. Dennoch sollte sich jeder Interessent zuerst fragen: Was will ich ? Was suche ich ? Was stört mich an Deutschland und läßt sich das nicht durch einen Umzug in eine andere Stadt oder ein anderes Bundesland ändern ?
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